Archiv für die Kategorie ‘Wittenberge’

Im Strafraum nur Schlamm

Veröffentlicht: Juli 29, 2013 von fluthelfer in Wittenberge

 

Das Hochwasser ist schon seit einiger Zeit vorbei, doch die Schäden werden noch nach lange nachwirken. So auch im Ort Breese bei Wittenberge. Die Bewohner klagen, dass die Folgen der Fluten nur schleppend beseitigt werden.

Aus grünbraunem Schlamm ragen ein paar wenige Halme. Was aussieht wie ein naturbelassener Tümpel, ist die stinkende Hinterlassenschaft des schlimmsten Hochwassers seit langem: In Breese bei Wittenberge (Prignitz) überschwemmte das Flüsschen Stepenitz im Juni einen der zwei Fußballplätze, bis heute liegt er unter Wasser. Durch die Brühe sind hier und da noch Seitenlinien zu erkennen.

„Da wird so bald niemand spielen können“, sagt Werner Steiner und schüttelt den Kopf. Er ist ehrenamtlicher Bürgermeister von Breese. Als das Wasser kam vor gut sechs Wochen, da sorgte Steiner zusammen mit dem Landrat und zahlreichen Helfern dafür, dass der größte Teil des Dorfes trocken blieb: Auf der Landstraße nach Perleberg wurde aus Sandsäcken ein Damm errichtet, vier Kilometer lang.

Dennoch war Breese der einzige Ort in Brandenburg, in dem dieses Jahr Häuser überflutet wurden. An der Straße Trift, die in einen Fahrweg durch den Stepenitzgrund mündet, sind die Folgen noch zu sehen. Vor dem backsteinroten Bauernhaus von Silvio Stock liegt meterhoch Gerümpel: Dielenbretter, Holztüren, Pappe, Putz und Plastikeimer. „Der Haufen wird langsam zum Problem“, sagt Stock. Niemand holt ihn ab, als Sperrmüll darf er wegen möglicher Schadstoffe nicht entsorgt werden. Für eine Sondermüll-Abfuhr aber fehlt dem Frührentner das Geld.

Klagen über Klagen

Auch seine Nachbarin Karissa Nickel klagt über eine schleppende Bewältigung der Hochwasserfolgen. In ihrem Elternhaus, in dem sie mit ihrem Mann lebt, stand das Wasser hoch bis fast unter die Fensterbänke im Erdgeschoss. Den fauligen Holzboden und den Estrich hat das Ehepaar selbst herausgerissen, den halben Putz abgeschlagen, nun geht es nicht weiter. „Es gab noch keine Hilfe“, sagt Karissa Nickel. Weil in der früheren Küche alle Möbel und Schränke zerstört sind, kocht sie auf einem Campingkocher in einem Verschlag auf dem Hof. Der einzig verbliebene Wohnraum liegt unter dem Spitzdach des Hauses.

Wie Stock erhofft sich auch Nickel endlich Klarheit über einen finanziellen Schadensausgleich, „damit wir mal vorankommen. Ich kann nicht Ende Oktober noch so hausen“. Ihre Hausratversicherung hatte wegen der gefährdeten Lage des Hauses Wasserschäden ausgeschlossen, von dieser Seite ist nichts zu erwarten. Und von der Gemeinde fühlen sich manche Flutopfer hingehalten: „Bis jetzt habe ich nur Rechnungen bekommen“, sagt Karissa Nickel, für neue Gas- und Stromleitungen etwa. Wer wie viel von den Spenden erhalte, die in Breese eingingen, sei indes völlig unklar.

Bürgermeister Steiner räumt ein, dass „relativ viel“ Spenden eingegangen seien. Über die Vergabe des Geldes müsse aber die Gemeindevertretung entscheiden. Steiner weist darauf hin, dass alle Geschädigten jeweils 400 Euro bekommen hätten, „völlig unbürokratisch“. Zudem habe der Landkreis den 14 Familien, deren Häuser überschwemmt wurden, 5 000 Euro ausgezahlt – als Ausgleich dafür, dass der Notdamm nicht noch um ihre Häuser gezogen werden konnte. Andernfalls wäre ganz Breese in Gefahr geraten, so sieht es Steiner.

Auch er kritisiert Verzögerungen bei den versprochenen Hilfen, allerdings denen des Bundes: „Da ist noch keine Klarheit da.“ Und vom Land wünscht sich der Bürgermeister Unterstützung beim Wiederaufbau des Sportplatzes, am liebsten mit Rollrasen. Denn auch das zweite Fußballfeld ist unbenutzbar. Tiefe Furchen von Lastwagen-Reifen ziehen sich durch den Strafraum im Westen. Hinter dem Tor liegen noch immer tausende Sandsäcke. „Das war die Verteidigungslinie“, sagt Steiner. „Ohne schnelle Hilfe ist hier kein Sport möglich – und der ist wichtig für unsere Gemeinde.“

Neidische Sprüche

Die Flutopfer am Ende der Trift plagen ganz andere Sorgen als ein geregelter Spielbetrieb. Möbelspenden haben Nachbarn ihnen angeboten, aber Silvio Stock sagt: „Im Moment wüssten wir nicht mal, wo wir die hinstellen sollen.“ Auch sein Haus gleicht innen einer Ruine.

Die Menschen am Stepenitzgrund fühlen sich alleingelassen – während der Flut und danach. „Die haben uns absaufen lassen“, schnaubt Karissa Nickel. Wer? „Die Obrigkeit“, antwortet Stock anstelle seiner Nachbarin. Seit elf Jahren schon werde ein Deich versprochen, aber nichts passiert. Stock glaubt im Gegensatz zu Bürgermeister Steiner auch nicht, dass der Deichbau nächstes Jahr beginnt, wie im Juni zugesagt.

Und nun kämen von einigen Breesern noch neidische Sprüche. „So gut möchte ich es auch mal haben“, habe ihm wegen des Schecks vom Landkreis jemand gesagt, dessen Haus der Flut entgangen ist, „den alten Plunder wegschmeißen und alles neu kaufen“.

Quelle: berliner-zeitung.de

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Riesen Verwüstung und erste Hoffnung

Veröffentlicht: Juli 3, 2013 von fluthelfer in Wittenberge

Mit Gabelstaplern und allerlei Gartengerät rückten die ESV-Sportler am Sonntag ihrem derzeit härtesten Gegner zu Leibe – den Flutschäden. Fast 70 Helfer hatten sich auf dem Gelände versammelt, um Mutterboden auszubringen, zu planieren, Sandsäcke zu entleeren und neues Gras anzupflanzen, denn bereits im September steht die 125-Jahr-Feier des Vereins vor der Tür, die mit einem großen Sportfest an eben genau jener Stelle über die Bühne gehen soll. Doch sind bis dahin noch einige Arbeitsstunden nötig.

„Das Hauptproblem ist, dass von Seiten des Landkreises noch keine Bewegung passiert ist. Deshalb wollen wir mit unserer Arbeit den Anstoß geben, dass etwas passiert“, erzählte der Vorstandsvorsitzende Armin Gutsche. Überhaupt ist es ihm zu verdanken, dass an diesem Tage auch schwere Maschinen zum Einsatz kommen. „Wohl dem Verein, der über so einen Vorsitzenden mit dieser Technik verfügt“, war an diesem Vormittag vermehrt zu hören. Doch dass der geschätzte Schaden von 150 000 Euro nicht allein vom Verein beglichen werden kann, liegt auf der Hand.

Und dies muss er auch nicht. „Die Schäden sind ja größtenteils im Zuge des Deichverteidigung entstanden und die Kosten des Rückbaus auch durch den Landkreis zu tragen“, erläutert Gutsche. Vor allem die Baustraße hat das Gelände beschädigt. Dies wurde auch schon vom Landkreis aufgenommen, der sich auch direkt am Montagmorgen beim Vereinsvorsitzenden meldete. „Ab Mittwoch wird offiziell zurückgebaut, das wurde von der Stadt festgelegt und dementsprechend auch die bisherige Arbeit vergütet“, erklärte der Vorsitzende. Doch dies war am Sonntag noch nicht abzusehen, als die Sportler loslegten und etwa 40 Prozent des Vorplatzes in Ordnung brachten.

Am kommenden Sonntag geht es dann gleich weiter. Dann steht der übrige Teil im Mittelpunkt. Und dass alles nicht schnell genug angepackt werden kann, ist vor dem Hintergrund des Jubiläums allen klar. Ein Ausweichen auf einen neuen Platz käme ohnehin nicht in Frage, so der Vorstandsvorsitzende. „Denn die Plätze in Breese oder Weisen sind ebenfalls zerstört“, so Gutsche. Und dies ist nach der neuesten Entwicklung auch gar nicht mehr nötig. „Die Rückbauarbeiten vor dem Vereinsgebäude sind ein Glück für uns, jetzt müssen wir nur noch das Umfeld ordentlich gestalten. Damit steht dem Sportfest nichts mehr im Wege“, blickt der Vorsitzende zuversichtlich auf den 7. September voraus und ruft alle ESV-Freunde auf, am Sonntag auf das Gelände zu kommen und zu helfen.

Quelle: svz.de

Höhepunkt der Flutwelle in Wittenberge am Dienstagmittag erwartet

Veröffentlicht: Juni 11, 2013 von fluthelfer in Wittenberge

 

Das Hochwasser sorgt im Norden Brandenburgs weiterhin für eine angespannte Situation. Die Lage rund um Wittenberge in der Prignitz bleibt kritisch, aber stabil. Seit Sonntag hat sich die Lage nach der Polderflutung etwas entspannt, das Wasser der Elbe steht aber immer noch auf Rekordhöhe. Im Süden Brandenburgs dagegen wurde der Katastrophenalarm am Montag aufgehoben, in Mühlberg im Elbe-Elster-Kreis durften Anwohner am Montagnachmittag in ihre Häuser zurückkehren.

Durch das Hochwasser ist der Schienenverkehr beeinträchtigt. Infolge eines Deichbruchs bei Fischbeck in Sachsen-Anhalt sperrten die Behörden am Montagmorgen eine Eisenbahnbrücke. Damit sind die ICE-Verbindungen von Frankfurt am Main nach Berlin und von Hannover nach Berlin unterbrochen. Weiterhin sind neben lokalen Strecken auch die Fernverkehrstrecken zwischen Berlin und Leipzig/Halle (Saale) sowie Magdeburg – Berlin und die ICE-Strecke Berlin –Wolfsburg betroffen. Die Bahn informiert aktuell im Internet.

Der Landkreis Prignitz hat wegen des Hochwassers verboten, die Elbe-Deichanlagen zu betreten. Auch Bußgelder drohen. Polizeibeamte kontrollierten die Einhaltung, teilte Landrat Hans Lange (CDU) am Montag nach der Sitzung des Krisenstabes in Perleberg mit. Katastrophen-Touristen hätten seit Beginn des Hochwassers immer wieder die Arbeit der Einsatzkräfte behindert. Bei der Polderflutung in Quitzöbel behinderten Gaffer die Arbeit der Hilfskräfte. „Mancher Gaffer ist sogar auf die Sandsackwälle gestiegen. Das geht überhaupt nicht”, betonte Lange.

„Polizeibeamte werden das Betretungsverbot durchsetzen. Nur Helfer kommen auf die Deiche”, ergänzte der Hochwasserberater des Landkreises, Bernd Lindow. Buß- und Verwarngelder können ausgesprochen werden. 130 Polizeibeamte patrouillierten seit Montag, teilte ein Sprecher mit.

.Brandenburgs Innenminister Dietmar Woidke richtete deutliche Worte an die Schaulustigen. „Wir können niemanden gebrauchen, der da nicht hingehört“, sagt er. „Die Schaulustigen sollen verschwinden – sofort.“ Der Innenminister drohte sogar mit einem Polizeieinsatz.

Die Polizei nehme außerdem Anschlagsdrohungen auf Deichanlagen ernst. Bisher sind in Brandenburg aber keinerlei Vorkommnisse bekannt, teilte Wolfgang Brandt, Sprecher des Koordinierungszentrums Krisenmanagement, mit. Die Behörden seien dabei, den Hintergrund der Drohungen zu ermitteln. Mehrere Medien hatten Drohschreiben am Wochenende erhalten.

Bis zum Montag haben die knapp 2.400 Einsatzkräfte in der Prignitz eine Million Sandsäcke befüllt und eingesetzt. Zwischenzeitlich war am Sonntagabend den Helfern der Nachschub in Wittenberge ausgegangen, teilte Prignitz-Landrat Hans Lange (CDU) mit. Daraufhin habe sich Landesinnenminister Dietmar Woidke (SPD) persönlich ans Telefon gesetzt und neue Säcke geordert, sagte Lange in Perleberg. Am Montagmorgen seien dann weitere 300.000 Sandsäcke geliefert worden.

http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/12525699/62249/

Polderflutung sorgt für leichte Entspannung in Wittenberge

Veröffentlicht: Juni 10, 2013 von fluthelfer in Wittenberge

Die Lage rund um Wittenberge in der Prignitz bleibt kritisch. Zwar hat sich am Sonntag die Lage nach der Polderflutung etwas entspannt, das Wasser der Elbe steht aber immer noch auf Rekordhöhe. Infolge eines Deichbruchs sperrten die Behörden am Montagmorgen in Sachsen-Anhalt eine Eisenbahnbrücke. Damit sind die ICE-Verbindungen von Frankfurt am Main nach Berlin und von Hannover nach Berlin unterbrochen. In Mühlberg im Elbe-Elster-Kreis durften Anwohner ab 15 Uhr in ihre Häuser und Wohnungen zurück.

Der Landkreis Prignitz hat wegen des Hochwassers verboten, die Elbe-Deichanlagen zu betreten. Auch Bußgelder drohen. Polizeibeamte kontrollierten die Einhaltung, teilte Landrat Hans Lange (CDU) am Montag nach der Sitzung des Krisenstabes in Perleberg mit. Katastrophen-Touristen hätten seit Beginn des Hochwassers immer wieder die Arbeit der Einsatzkräfte behindert. „Mancher Gaffer ist sogar auf die Sandsackwälle gestiegen. Das geht überhaupt nicht”, betonte Lange.

„Polizeibeamte werden das Betretungsverbot durchsetzen. Nur Helfer kommen auf die Deiche”, ergänzte der Hochwasserberater des Landkreises, Bernd Lindow. Buß- und Verwarngelder können ausgesprochen werden. 130 Polizeibeamte patrouillierten seit Montag, teilte ein Sprecher mit.

Die Polizei nehme außerdem Anschlagsdrohungen auf Deichanlagen ernst. Bisher sind in Brandenburg aber keinerlei Vorkommnisse bekannt, teilte Wolfgang Brandt, Sprecher des Koordinierungszentrums Krisenmanagement, mit. Die Behörden seien dabei, den Hintergrund der Drohungen zu ermitteln. Mehrere Medien hatten Drohschreiben am Wochenende erhalten.

Bis zum Montag haben die Einsatzkräfte in der Prignitz eine Million Sandsäcke befüllt und eingesetzt. Zwischenzeitlich war am Sonntagabend den Helfern der Nachschub in Wittenberge ausgegangen, teilte Prignitz-Landrat Hans Lange (CDU) mit. Daraufhin habe sich Landesinnenminister Dietmar Woidke (SPD) persönlich ans Telefon gesetzt und neue Säcke geordert, sagte Lange in Perleberg. Am Montagmorgen seien dann weitere 300.000 Sandsäcke geliefert worden.

In Wittenberge erreichte die Elbe am Sonntag einen Stand von mehr als 7,80 Meter. So hoch stand der Fluss noch nie. Damit der Pegel zurückgeht, wurden am Sonntagnachmittag rund 30 Kilometer vor Wittenberge bei Quitzöbel sechs Havelpolder geflutet. Nun kann soviel Elbwasser in die Havel abfließen, dass bei Wittenberge der Pegelstand der Elbe sinken könnte. Die Maßnahme scheint vorerst die gewünschte Entlastung zu bringen. Am Montagmorgen lag der Pegel laut Auskunft der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung bei 7,79 Meter.

In den kommenden Tagen, wahrscheinlich am Dienstag, wird in Wittenberge der Elbehöchststand erwartet. Er wird mit 8,10 Meter vorhergesagt. An den Prognosen hatte es am Wochenende Kritik gegeben – vielen sind sie zu ungenau. Bislang sind nach Angaben der Unteren Wasserbehörde des Landkreises Prignitz etwa eine Million Sandsäcke verbaut worden. Die Hilfsbereitschaft von Unternehmen und Bürgern ist gewaltig. Ganze Schulklassen helfen beim Füllen der Sandsäcke.

Nach einem Deichbruch bei Fischbeck südlich von Havelberg ist auch das Havelland vom Hochwasser bedroht. Auf einer Länge von 50 bis 60 Metern war der Damm aufgerissen. Nun könnten auch einige angrenzende Gemeinden im Havelland überflutet werden. An einer Kreisstraße wurde deshalb ein Notdeich errichtet. In den Abendstunden könnte das Wasser das Havelland erreichen, eine akute Gefahr bestehe aber nicht, heißt es einer Mitteilung vom Landkreis Havelland. Der Krisenstab prüfe die Situation und werde dann entsprechende Entscheidungen treffen. Innenminister Dietmar Woidke bezeichnete die Lage als „kritisch, aber beherrschbar“. Unklar ist derzeit, was die neue Lage für die nur etwa 20 Kilometer von Fischbeck entferntee Stadt Rathenow bedeutet.

Der Deichbruch bei Fischbeck hat auch Auswirkungen auf den Zugverkehr. Die Eisenbahn-Elbebrücke in Hämerten musste gesperrt werden. Am frühen Morgen hat die Bahn den Fernverkehr zwischen Hannover und Berlin sowie Frankfurt und Berlin auf unbestimmte Zeit lahmgelegt. Wer mit dem Zug unterwegs ist, muss mit stundenlangen Verspätungen rechnen. Die Dauer der Sperrung ist nicht absehbar und hängt mit der Entwicklung des Hochwassers zusammen.

Die Züge nach Hannover werden über Wittenberge umgeleitet, das ist die ICE-Hauptstrecke nach Hamburg. Deswegen ist auch auf der Strecke Berlin-Hamburg mit Verspätungen zu rechnen.

Alle Infos zu den Einschränkungen bei der Bahn gibt es hier.

In der Prignitz drückt das Wasser weiter stark auf die Deiche. Weil in einigen Teilen Wittenberges nicht mehr für die Sicherheit der Anwohner gesorgt werden kann, wurde am Samstag mit der Evakuierung der Altstadt begonnen. Der Aufforderung, die keine Zwangsmaßnahme ist, betrifft rund 2500 Bewohner. Die verlassen aber nur zögerlich ihre Wohnungen.

Rund um Wittenberge bereiten nicht nur die Wassermassen den Helfern Sorgen. Auch die Schaulustigen werden zum Problem. Sie behindern oft Zufahrtswege. Bei der Polderflutung in Quitzöbel behinderten Gaffer die Arbeit der Hilfskräfte. Brandenburgs Innenminister Dietmar Woidke richtete daher deutliche Worte an die Schaulustigen. „Wir können niemanden gebrauchen, der da nicht hingehört“, sagt er. „Die Schaulustigen sollen verschwinden – sofort.“ Der Innenminister drohte sogar mit einem Polizeieinsatz.

Durch die Öffnung der Wehre wird ein Rückstau des Elbwassers in die Havel verhindert. Die Havel mündet in die Elbe. Die Polder liegen rund 30 Kilometer vor Wittenberge bei Neuwerben und können etwa 250 Millionen Kubikmeter Wasser aufnehmen. „Um die Deiche zu entlasten, ist die Maßnahme notwendig geworden“, sagte Brandenburgs Umweltministerin Anita Tack.

Bereits 2002, beim letzten vergleichbaren Hochwasser in der Prignitz, wurden zur Entlastung die Havelpolder geflutet. Die Flutung der Havelpolder würde sich aber auf die Bewohner von Rathenow (Havelland) auswirken. Dort könnten Keller mit Wasser vollaufen.

Polder sind von Deichen umgebene Gebiete, die bei Hochwasser absichtlich geflutet werden. Die ansonsten landwirtschaftlich genutzten Flächen liegen etwa 30 Kilometer vor Wittenberge bei Neuwerben. Sie können etwa 250 Millionen Kubikmeter Wasser aufnehmen.

Ob die Deiche bei Wittenberge, die täglich mit Sandsäcken verstärkt werden, den Wassermassen Stand halten können, ist völlig ungewiss. So hoch wie am Wochenende stand die Elbe noch nie. 2002 beim letzten vergleichbaren Hochwasser erreichte sie einen Stand von 7,30 Meter. Der höchste je gemessene Wert datiert aus dem Jahr 1880, damals stieg der Fluss auf 7,44 Meter. „Mit so einer Entwicklung konnte nicht gerechnet werden“, sagt der Prignitzer Landrat Hans Lange. An den unsicheren und oft ungenauen Prognosen hat es am Sonntag Kritik gegeben.

In der Region bereiten sich die Anwohner auf das schlimmste vor und sichern die Deiche. Seit Sonnabend gilt in der Prignitz die höchste Alarmstufe. Etwa 2500 Einsatzkräfte, davon etwa 1000 Freiwillige, bemühen sich derzeit darum, die Deiche in der Prignitz zu erhöhen. „Wir sind auf eine Höhe von 8,45 Meter eingestellt“, sagte dazu am Samstag der Landrat Hans Lange.

Rund um Wittenberge werden weiterhin Helfer benötigt. Hauptsächlich, um Sandsäcke zu füllen und zu schleppen. Wer in der Prignitz helfen will kann sich unter folgender Telefonnummer informieren:

03877/5669000 (Stadt Wittenberge)

Der Prignitzer Krisenstab bittet dringend Fahrer von Kleintransportern um Hilfe. Die Fahrer sollten rund um die Uhr abrufbereit sein, um Sandsäcke zum Deich zu fahren:

Telefonnummer: 03876/13656

 nicht erreichbar 10.6.2013 22.39 Uhr

Samstagnacht ist in Quitzöbel ein rund 30 mal 50 Meter langes Deichstück abgerutscht. Die kaputte Stelle musste repariert werden. Dabei kam ein Hubschrauber zum Einsatz, der aus der Luft riesige Sandsäcke abwarf. Als es für den Hubschrauber zu dunkel wurde, sicherten Helfer den abgerutschten Deich mit Sandsäcken.

In Wittenberge bleiben am Montag und Dienstag zwei Schulen geschlossen, auch eine private Kita wird wohl geschlossen bleiben. In der Nähe von Wittenberge, in Bälow und am Breeser Stepenitzgrund, sind bereits einige Grundstücke überflutet worden.

Während sich die Lage in der Prignitz zuspitzt, entspannt sich die Situation in Mühlberg im Elbe-Elster-Kreis zusehends. Dort sinken die Pegel kontinuierlich. Landrat Christian Jaschinsky entschied am Montagvormittag, die Evakuierung der Stadt von 15 Uhr an aufzuheben. Busse für den Rücktransport stehen bereit. Weil das Wasser aber immer noch enormen Druck auf die Deiche ausübt, bleibt der Katastrophenalarm in Mühlberg bestehen. „Erst wenn sich der Pegel um die acht Meter bewegt, können wir von endgültiger Entspannung reden“, sagte eine Sprecherin zu MAZonline. Am Montagmorgen wurden noch 8,65 Meter gemessen. Am Freitag waren Mühlberg und in der Nähe gelegene Ortschaften evakuiert worden. Am Sonntag besuchte Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck die Stadt. Er bedankte sich bei allen Helfern, die sich um die Betreuung der Mühlberger kümmern. Die Fürsorge sei „extrem liebevoll“.

Platzeck lobt Hochwasserschutz – Kritik vom BUND

Matthias Platzeck  hatte am Freitagmorgen den Hochwasserschutz im Land gelobt. In den vergangenen Jahren seien für über 400 Millionen Euro Deiche an brandenburgischen Flüssen neu gebaut worden. Dabei handele es sich um eine große Leistung „für ein so kleines und nicht so reiches Land“, betonte der Ministerpräsident. Nicht umsonst werde vom Deichbau als Generationenaufgabe gesprochen.

In den vergangenen Jahren sei beispielsweise die Oder „neu eingedeicht“ worden. Auch an der Elbe seien die Arbeiten fast abgeschlossen. Am sogenannten „Bösen Ort“ sei das größte Deichrückverlegungsprojekt Europas realisiert worden. „Aber es geht nicht alles gleichzeitig“, unterstrich Platzeck mit Blick auf die Prignitz.

Differenziert äußerte sich Platzeck zu der Frage, ob Individualinteressen beim Hochwasserschutz künftig stärker beschnitten werden müssten. Bei jeder Hochwassersituation höre er wieder, dass nicht auf Landwirte und Hauseigentümer gehört werden dürfe, die ihre Sicht in die Landschaft nicht durch Deiche verstellt haben wollten. Zwei Wochen nach dem Hochwasser herrsche dann regelmäßig schon eine andere Sicht. Wenn sich jetzt die Erkenntnis durchsetze, „dass der Einzelne zugunsten des Ganzen auch mal zurücktreten“ müsse, sei er schon froh, sagte Platzeck.

Der BUND Brandenburg kritisierte am Donnerstag den Hochwasserschutz. Es seien zwar 400 Millionen Euro ausgegeben worden. Doch statt den Flüssen mehr Raum zu geben, sei in den vergangenen Jahren in den technischen Schutz investiert worden, es wurden Deiche erhöht und Rückhaltebecken erweitert. „Anstatt die Möglichkeiten zu schaffen, dass Auen und Wiesen überflutet werden, wird in Kauf genommen, dass Städte und Siedlungen gefährdet werden,“ sagte der BUND-Landesvorsitzender Burkhard Voß.

http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/12525699/62249/ICE-Hauptstrecken-nach-Berlin-gesperrt-Polderflutung-sorgt-fuer.html

Pflegebedürftige Bewohner aus Wittenberge werden evakuiert

Veröffentlicht: Juni 10, 2013 von fluthelfer in Wittenberge

 

15 pflegebedürtige Bewohner aus dem Evakuierungsgebiet in Wittenberge (Prignitz) sowie Ortsteilen der Elbestadt haben jetzt Aufnahme im Kreiskrankenhaus Perleberg und im Landhaus Bresch gefunden. Im Krankenhaus wird dafür ein Beratungsraum der Verwaltung genutzt, in dem jetzt eine achtköpfige Wohngemeinschaft aus Wittenberge untergebracht ist.

Nur der Ort sei für die acht Personen anders, sie würden von ihrem gewohnten Pflegedienst auch jetzt betreut, erklärte Krankenhaus-Verwaltungschef Karsten Krüger. „Sie fühlen sich den Umständen entsprechend ganz gut“, fuhr er fort. Das Krankenhaus übernimmt die Versorgung mit Heilmitteln.

Die Hochwasser-Katastrophe hat Wittenberge zuletzt einen Pegelstand von 7,79 Meter beschert – so hoch wie noch nie. In den kommenden Tagen, wahrscheinlich am Dienstag, wird in der Stadt der Elbehöchststand erwartet. Er wird mit 8,10 Meter vorhergesagt.

Weitere vier Personen aus Wittenberge und den umliegenden Dörfern, die in Zukunft nicht mehr häuslich betreut werden können, wurden zunächst im Klinikbereich aufgenommen. Das Krankenhaus ist darauf eingestellt, auch noch weitere Personen in sieben Zimmern in seiner Einrichtung in der Hagenstraße aufnehmen zu können. Dies gelte vor allem für Leute, die noch nicht so pflegebedürftig seien. Vereinzelt könnten auch im Krankenhaus selbst noch weitere Pflegebedürftige aufgenmmen werden, sofern es die Belegung zulasse. Drei Pflegebedürftige sind derzeit im Landhaus Bresch untergekommen.

Torsten Uhe, Erster Beigeordneter des Prignitzer Landrats, erklärte, dass bereits vor einer Woche der Bedarf für eine solche Unterbringung erkundet worden sei. Viele Personen mit einfachem Pflegebedürfnis seien jetzt bei Verwandten und Freunden. Der Kreis wäre in der Lage, alle 250 betroffenen Personen in Ausweichquartieren bis hin nach Mecklenburg-Vorpommern unterzubringen. Doch sei momentan keine Evakuierung stationärer Pflegeeinrichtungen notwendig.

In der regulären Notunterkunft für Evakuierte aus der Wittenberger Altstadt, die sich in der Turnhalle der Perleberger Oberschule an der Dergenthiner Straße befindet, haben bis heute etwa 20 Menschen Aufnahme gefunden

http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/12530056/62249/Pflegebeduerftige-Bewohner-aus-Wittenberge-werden-evakuiert-Hochwasser-Katastrophe.html

Evakuierungsgebiet wird zunehmend zur Geisterstadt

Veröffentlicht: Juni 10, 2013 von fluthelfer in Wittenberge

 

Die Einbaumöbel müssen drinbleiben. Da ist alles eingepasst und festgeschraubt.“ Ilona Görs schaut sich in ihrer Küche um. Der Kühlschrank und diverse Möbel sind schon im Obergeschoss in Sicherheit, die Fahrräder hängen am Haken. „Alles Bewegliche eben“, sagt die 58-Jährige. Sie hat noch Hoffnung, dass sie vom Hochwasser verschont bleiben, aber ihr ist auch zum Heulen. Ihr Mann Volker hat vieles selbst gemacht in dem kleinen Reihenhaus in der Wittenberger Sandstraße: Wände mit Holz verkleidet, Fliesen verlegt – ein Schmuckstück ist es geworden. „Und nun ist vielleicht alles futsch?“ Die Frage bleibt im Raum stehen an diesem sonnigen Sonntagnachmittag, wo man ein paar Kilometer weiter landeinwärts in Ruhe beim Kaffee sitzt.

Die Sandstraße liegt in Elbnähe und somit im Evakuierungsgebiet, das von der Polizei bereits am Samstag weiträumig abgesperrt worden war. Wittenberges Bürgermeister Oliver Hermann hat die 1500 Einwohner in dem betroffenen Areal aufgefordert, ihre Häuser freiwillig zu verlassen. „Das ist noch eine Vorsichtsmaßnahme“, so Hermann. „Die Leute sollen das Nötigste zusammenpacken.“ Die ersten Wittenberger bezogen bereits gestern eine Notunterkunft in der Sporthalle einer Perleberger Schule. Drei Schulen und eine Kita im Evakuierungsgebiet bleiben heute und wohl auch morgen geschlossen. Die Straßenzüge gleichen zunehmend einer Geisterstadt. Rolläden sind heruntergelassen. Sandsäcke liegen vor den Haustüren.

„Wenn die Gefahr weiter wächst und es Pflicht wird, dann gehen wir auch“, sagt Ilona Görs. Eine Nachbarin ist ebenfalls noch da. Andere, vor allem Pflegebedürftige, haben ihre Wohnungen verlassen. „Wir ziehen erstmal in unser Gartenhäuschen.“ Die Altenpflegerin hat die Tasche mit den wichtigsten Dokumenten bereitgestellt. Ihr Mann Volker klebt Terrassenfenster mit Folie zu und stapelt Sandsäcke davor. Der 53-jährige Bahnschlosser bangt auch um sein neues Garagentor – ein teures Stück. Görs ist gegen Hochwasserschäden versichert. „Aber wer will schon absaufen?“ Sohn Andreas beruhigt ihn. Beim Jahrhunderthochwasser 2002 sei auch nichts passiert. Aber der Elbpegel liege schon jetzt 40 Zentimeter darüber, so Volker Görs.

Auch Fritz Gensel und Timo Horst sorgen sich um ihr Haus. Die Löwen-Apotheke ist ein prachtvoll restaurierter Gründerzeitbau mit Stuckverzierungen und hohen Fenstern. Horst wohnt im obersten Stock, darunter ist ein Quartier für Betreutes Wohnen. Gensels Frau ist Eigentümerin des Hauses. Die Männer kleben die Fenster im Souterrain zu. „Ob das hält?“, fragt Timo Horst skeptisch und drückt das Klebeband noch fester an.

Ob Familie Görs oder die Löwen-Apotheke von der Flut verschont bleiben, hängt auch von der Neuwerbener Wehranlage bei Quitzöbel gut 30 Kilometer südlich von Wittenberge ab. Dort schießen seit gestern 14 Uhr mächtige Wassermassen durch das geöffnete Wehr in die Havel – 100 Kubikmeter pro Sekunde. Herr des geordneten Flutens ist Ragnar Wenzel. Er hat errechnet, dass der Pegel Wittenberge um 34 Zentimeter entlastet werden könnte, wenn Elbwasser sowohl in den sogenannten Havelschlauch als auch in die Havelpolder abgegeben wird. Bei einem Höchstand von mehr als acht Metern, der heute erwartet wird, könnten das die magischen Zentimeter sein, die den tobenden Strom unter der mit gut 250 000 Sandsäcken verstärkten Deichkrone halten.

Die Öffnung des Wehrs hat der Stepenitzniederung in Breese nicht mehr helfen können. Sieben Häuser in der Gemeinde vor den Toren Wittenberges mussten aufgegeben werden. „Das Wasser steht in den Stuben“, so ein Anwohner. Das Eiscafé an der Wittenberger Straße wird immer mehr zum Seecafé. André Krüger und zehn Angehörige der Freiwilligen Feuerwehr Grube hatten seit Sonntagmorgen den Sandsackwall höher geschichtet. Am Nachmittag überflutete das Wasser die Straße. „Das war hier nicht zu verhindern“, sagt Krüger. Er wischt sich den Schweiß von der Stirn und nimmt einen Zug aus der Mineralwasserflasche. Arbeit wartet auch an anderer Stelle jede Menge.

http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/12529747/62249/Sandsaecke-vor-den-Tueren-Folie-an-den-Fenstern.html

Manfred Gutke ist Deichläufer am Hinzdorfer Abschnitt

Veröffentlicht: Juni 10, 2013 von fluthelfer in Wittenberge

 

Man braucht vor allem ein scharfes Auge“, sagt Manfred Gutke und wirft einen Blick auf die Böschung unter ihm. Der 72-Jährige ist einer von mehreren Hundert Deichläufern, auf die es an der überschwemmten Elbe in der Prignitz nun vor allem ankommt. Gutke gehört der Freiwilligen Feuerwehr Hinzdorf an und ist seit vergangenen Freitag am Hinzdorfer Deichabschnitt südlich von Wittenberge unterwegs. Er arbeitet im Vier- oder sechs-Stunden-Rhythmus rund um die Uhr.

„Wir müssen feststellen, ob Sickerwasser auf der Landseite aus dem Deich austritt. Dann ist Gefahr im Verzug“, erläutert Gutke. Dabei gilt das Hauptaugenmerk der Wassergüte. Ist es klar, hat der Deich bis dato weniger Schadengenommen. Ist es vom Sand getrübt, müssen sich die Einsatzkräfte mit der Reparatur beeilen und schnell Sandsäcke heranholen. Das Wasser hat dann womöglich schon Hohlräume ausgespült.

Sechs Kilometer legt Gutke pro Strecke zurück. Gestern Nachmittag war er mit Cordula Verse vom Feuerwehrverein Hinzdorf auf Tour. Der Paarlauf hat seinen Sinn: Sowohl die Fluss- als auch die Landseite müssen begutachtet werden. Die Deichabschnitte sind zur besseren Orientierung mit Nummern versehen. So können die Läufer Meldungen mit präzisen Ortsangaben an nachfolgende Kollegen oder Einsatzkräfte weitergeben. Manfred Gutke glaubt an einen Einsatz über mehrere Tage. „Ich mache das, solange wie nötig. Es ist seit viertes Hochwasser als Deichläufer. Er hofft, dass die Deiche halten. Was ihn besondders freut sind die vielen freiwilligen Helfer, die den Prignitzer in diesem Jahr helfen

http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/ziel/62249/DE/

THW aus Neuruppin wurde nach Sachsen-Anhalt beordert

Veröffentlicht: Juni 9, 2013 von fluthelfer in Wittenberge

 

Der Alarm kam dann doch schneller als erwartet. Gestern kurz nach 15 Uhr rückte das Technische Hilfswerk (THW) aus Neuruppin zum Hochwasser aus – zehn Leute mit drei Fahrzeugen voller Pumpen, Rohre und Spezialtechnik. Noch am Donnerstag hatte der Neuruppiner THW-Chef Burkhard Pätzold mit einem Einsatz der Neuruppiner bei Wittenberge in der Prignitz gerechnet. Doch der erste Notruf kam aus einer anderen Richtung: aus Jessen bei Wittenberg in Sachsen-Anhalt, deutlich weiter im Süden.

Dort hat das Hochwasser die Deiche derart durchgeweicht, dass sie dem Druck der Wassermassen nicht mehr standhalten. „Die Lage rund um Jessen spitzt sich gerade enorm zu“, sagt Pätzold. Die Helfer werden so schnell wie irgend möglich erwartet.

Jessen kennen die Neuruppiner THWler schon. 2010 waren sie dort schon einmal im Hochwassereinsatz. „Wir sind mit der Situation vertraut“, sagt Pätzold. Für den Führungsstab war das ein wesentlicher Grund, ausgerechnet die Truppe aus Neuruppin anzufordern – trotz 160 Kilometer Anfahrt.

Burkhard Pätzold ging gestern davon aus, dass Jessen nicht der einzige Einsatzort für das THW aus Neuruppin bleibt. Wahrscheinlich würden die Helfer schon nach wenigen Tagen weiter nach Norden verlegt, in die Prignitz.

Dort droht ein noch viel höherer Hochwasserstand als zuletzt angenommen. Das Landesumweltamt hat ein Hochwasserlagezentrum in Neustadt (Dosse) eingerichtet. Von dort hieß es, das Wasser bei Wittenberge könnte bis Dienstag auf bis zu 8,10 Meter steigen. Beim sogenannten Jahrhunderthochwasser 2002 waren es 7,34 Meter. Für viel mehr sind auch die sanierten Deiche an der Elbe nicht ausgelegt.

Immer mehr Helfer machen sich auf in das Krisengebiet an der Elbe. Vier junge Frauen der Akademie für Gesundheits- und Soziaberufe aus Neuruppin hatten sich über Facebook im Internet über die Lage informiert und sich dann auf den Weg nach Wittenberge gemacht. An der alten Ölmühle helfen sie seit zwei Tagen, Sandsäcke zu füllen. Die Unterstützung aus ganz Brandenburg ist enorm. Mittlerweile haben sich so viele Helfer gemeldet, dass es erste Probleme gibt, Unterkunft und Verpflegung für noch mehr Freiwillige sicherzustellen,wenn die sich nicht selbst darum kümmern können.

Unterdessen werden immer mehr professionelle Helfer an die Elbe verlegt. Kolonnen von Feuerwehrautos fuhren mit Blaulicht und Martinshorn gestern durch Neuruppin in Richtung Prignitz. Sie kamen unter anderem aus Oberhavel und dem Barnim.

Wann die Feuerwehren aus Ostprignitz-Ruppin angefordert werden, war gestern noch nicht sicher. Kreisbrandmeister Wolfgang Hohenwald rechnet damit, dass die Leute am Sonntag alarmiert werden könnten: „Wahrscheinlich aber erst in der nächsten Woche, man schont uns noch.“ 100 bis 120 Feuerwehrleute aus dem Kreis Ostprignitz-Ruppin könnten an die Elbe fahren. Hohenwald: „Wir haben das alles mit dem Lagezentrum besprochen.“ Die Helfer werden wohl vor allem von den freiwilligen Feuerwehren im Altkreis Neuruppin kommen, hieß es gestern von dort.

Feuerwehrleute aus dem Raum um Neustadt werden auf kleinen Fall in die Prignitz geschickt. Sie werden im Neustädter Bereich selbst dringend gebraucht. Auch gestern war noch nicht klar, ob die riesigen Überschwemmungsflächen bei Babe südlich von Neustadt und im angrenzenden Havelland geflutet werden, um die Elbe etwas zu entlasten. Mehrere Millionen Kubikmeter Wasser könnten dann aus der Havel in die sogenannten Polder abfließen. Im Amt Neustadt wurden gestern erste Straßen gesperrt. Niemand soll den Deichen an der Havel mehr zu nahe kommen.

http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/ziel/19287264/DE

Wittenberge

Veröffentlicht: Juni 9, 2013 von fluthelfer in Wittenberge

 

In Nord-Brandenburg steht das Schlimmste noch bevor. In Wittenberge stand die Elbe am Sonntagmorgen mit 7,67 Metern schon knapp 25 Zentimeter höher als 2002. Am Dienstag werden sogar 8,10 Meter erwartet. Den Einsatzkräften stehe ein tagelanger Kampf gegen das Hochwasser bevor, sagte ein Sprecher des Koordinierungszentrums Krisenmanagement. Lautsprecherwagen der Polizei forderten die Einwohner einiger Stadtteile auf, ihre Wohnungen zu verlassen.

http://www.haz.de/Nachrichten/Panorama/Uebersicht/Der-Kampf-gegen-das-Hochwasser-in-Deutschland

Wittenberge wird teilweise evakuiert

Veröffentlicht: Juni 9, 2013 von fluthelfer in Wittenberge

 

Angesichts der schneller und höher steigenden Wasserstände hat die Stadt Wittenberge am Samstag Abend beschlossen, einen Teil von Wittenberge zu evakuieren.

Bereits am Samstag Abend begann die Stadt damit, rund 1500 Menschen aufzufordern, ihre Wohnungen in elbnahen Bereichen bis an die B 189 heran zu verlassen.

In nur 24 Stunden war zuvor der Pegel dort um einen Meter gestiegen.

http://wendland-net.de

Wittenberge (Brandenburg)

Veröffentlicht: Juni 8, 2013 von fluthelfer in Wittenberge

 

Neben Teilen Magdeburgs wird auch die Altstadt von Wittenberge (Brandenburg) seit Samstagabend aus Sorge vor dem Hochwasser der Elbe evakuiert. Etwa 1500 Einwohner sollen ihre Wohnungen verlassen, sagte der Landrat des Kreises Prignitz, Hans Lange. Lautsprecherwagen der Polizei fordern die Anwohner dazu auf. Für Teile der Stadt besteht ein hohes Überflutungs-Risiko. Gegen 19.15 Uhr erreichte die Elbe bei Wittenberge einen historischen Höchststand von 7,45 Meter. Das war ein Zentimeter mehr als beim bisherigen Rekord im Jahr 1880. Am Abend stieg der Fluss immer noch weiter – um fünf bis zehn Zentimeter pro Stunde. „Mit so einer Entwicklung konnte nicht gerechnet werden“, sagte Lange.

http://www.rp-online.de

Ein Wall aus Stroh schützt die Straße von Sandkrug nach Bälow

Veröffentlicht: Juni 8, 2013 von fluthelfer in Wittenberge

 

Um fast einen Meter ist die Elbe zwischen Donnerstag und Freitag gestiegen. Das erhöht den Druck auf zivile wie uniformierte Deicharbeiter, aber das frühe Ausrufen des Katastrophenalarms schafft auch ein gewisses Zeitpolster.

Während die „Fehlstellen“ im Deich bei Sandkrug fast vollständig mit Sandsäcken ausgeglichen sind, kommt an der Kreisstraße zwischen Sandkrug und Bälow ein neues Verfahren zum Einsatz: Stroh statt Sand könnte man es nennen. „Diese Idee wurde hier in der Prignitz entwickelt“, sagt Dirk Günther, der Deichabschnittsleiter vom Landesumweltamt. Für die Kreisstraße, die zwischen Bälow und dem Wald in Richtung Sandkrug quasi eine Bucht bildet, sei diese Lösung die schnellste und zweckmäßigste. „In der Straßenkurve befindet sich der tiefste Punkt des Deiches“, erläutert der Fachmann. Wenn sonst inklusive des sogenannten Freibordes etwa acht Meter Deichhöhe herrschen, ist es dort deutlich weniger. Das Aufkaden, also Erhöhen des Deichs mit Sandsäcken, brächte nicht viel. Anders das Strohballenmodell. Ein solcher Quader misst zwei Meter in der Länge, einen Meter in der Tiefe und ist 70 Zentimeter hoch. Aneinander gestapelt sind so mit rund 450 Ballen die 900 Meter kritischer Straßenabschnitt zu überbrücken. Damit das ganze länger hält, wird es mit stabiler Folie überspannt und mit Sandsäcken beschwert. Das Stroh kommt aus Abbendorf und Karstädt. Insgesamt kostet der Abschnitt rund 10 000 Euro, was Landrat Hans Lange für „völlig in Ordnung“ hält. Eine Sandsackaufkadung käme teurer.

Unterdessen helfen Feuerwehrleute aus der Uckermark dabei, die Deichbaustelle zwischen Garsedow und Schadebeuster gegen das stetig steigende Hochwasser zu sichern. Auf 1700 Metern Länge muss der Deich ebenfalls mit Folie abgedeckt und mit Sandsäcken beschwert werden. Landseitig verstärkt eine Berme, also eine stufenförmige Aufschüttung, die Konstruktion. Dahinter befindet sich ein Erdwall, der in diesem Fall aber hinderlich ist, weil sich zwischen ihm und dem Deich das Wassers stauen würde. Schlitze im Abstand von 30 Metern sollen für Entlastung sorgen. Die Feuerwehrleute aus Boizenburg in der Uckermark waten im trüben Elbewasser, um die Folie zu beschweren. Ihre Kameraden lassen von oben Sandsäcke die glatte Böschung hinuntergleiten. Auf der planierten Deichkrone kann immer nur ein Fahrzeug verkehren. Wer vorwärts reinfährt, muss rückwärts raus. das gilt auch für das Verpflegungsauto von Lucullus. Mit großem Hallo begrüßen die Feuerwehrleute die Mittagsmahlzeit.

Im Schöpfwerk Karthane befestigen Sven Kossert von der Firma Strabag aus Lübben die letzten Big Bags. Das sind überdimensionale Sandsäcke, mit deren Hilfe das Schöpfwerk gegen das zu erwartende Hochwasser des Karthaner Sees geschützt werden soll. Wie nötig das ist, zeigt die Spundwand, die den Auslass für die gigantischen Pumpen umschließen soll. Nur noch ein paar Zentimeter gucken von der stählernen Konstruktion aus dem Wasser. Bald sind auch die verschwunden. Der Spreewälder und seine Kollegen wissen, dass sie die nächste Zeit als „Wächter“ im Schöpfwerk verbringen werden.

In Hinzdorf dichten Feuerwehrleute die Betonelemente an einem Grundstück ab. Die glänzende mobile Hochwasserschutzwand steht in seltsamem Kontrast zu den ockerfarbenen Jutesäcken. Die Fugen zwischen L-förmigen Betonelementen hingegen sind wegen des Einspruchs von Anwohnern nicht abgedichtet worden. Das wäre ein ideales Einfallstor für das steigende Wasser. Daher haben die Feuerwehrleute die Wand mit Bauvlies überzogen und gleichfalls mit Sandsäcken beschwert. Herrmann Kämling steigt in seiner Wathose ins brusthohe Uferwasser und beschwert das Vlies.

Mit der Arbeit können sich die Helfer ablenken von dem Gefühl der Ungewissheit. Wobei nicht fraglich ist, was kommt, sondern nur, wann und in welchem Ausmaß.

http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/ziel/19287264/DE

Die Elbe mutiert vom Fluss zum gigantischen See

Veröffentlicht: Juni 8, 2013 von fluthelfer in Wittenberge

 

Noch dauert es wohl mindestens einen Tag, bis die Flut in Wittenberge ihren Höhepunkt erreicht, doch das Hochwasser ist längst da. Die Elbestadt liegt mittlerweile nicht mehr an einem in normalen Zeiten noch recht überschaubaren Strom, sondern an einem gigantischen See. Angesichts des sonnigen Wetters sah hier mancher schon eine Verwandtschaft zum Gardasee.

Besonders gut zu sehen ist dies von der Autobrücke über die Elbe. Wasser, wohin das Auge reicht. Am Horizont -fast wie ein schmaler Inselstreifen  – die Stadtsilhouette von Wittenberge. Apropos Insel: Landeinwärts ist Wittenberge inzwischen von Seen umgeben, die sich aus dem Rückstau der Stepenitz entwickeln und die Ortschaften Breese und Weisen mittlerweile massiv bedrohen. Gerade bei Breese werden besonders intensiv Sandsäcke gestapelt. Vier Fehlhöhen gilt es nach Angaben von Wittenberges Bürgermeister Oliver Hermann auszugleichen, bevor dasWasser seinen höchsten Stand erreicht. Nach zwischenzeitiger ganz leichter Entwarnung am Donnerstag ist es seit den Prognosen vom Freitag mit der Ruhe vorbei. Die aktuellsten Vorhersagen sehen einen Höchsstand von 8,10 Meter.

Auch bei Bürgern sickert das steigende Wasser langsam ins Bewusstsein. In der Feuerwache in Wittenberge laufen nicht nur die Telefone heiß – viele Menschen kommen direkt dort hin. Drei Angestellte sind damit beschäftigt, Anfragen zu beantworten, weiterzuleiten und zu koordinieren.  Eine von ihnen ist Hannelore Stehr: „Natürlich wollen viele Leute wissen, ob sie vom Hochwasser persönlich betroffen sind “, sagt sie. Dafür gibt es zusätzlichen Service im Wittenberger Rathaus: Dort können genaue Höhenlinienkarten eingesehen und abgefragt werden, zunächst einmal bis Mittwoch.

In der Feuerwache wiederum kommen noch ganz andere Anfragen an.  So wollen viele Menschen wissen, ob die Straßenbrücke der B189 über die Elbe offenbleibt. Viele Wittenberger erinnern sich daran, dass sie vor elf Jahren bei der damaligen Flutwelle geschlossen werden musste. Diesmal sieht es aber noch nicht so aus: „Sie ist offen und bleibt auch offen“, sagte Bürgermeister Oliver Hermann.

Beim Bahnverkehr, dem auch viele Anfragen gelten, sind zunächst noch keine Einschränkungen zu befürchten. Jedoch sind sie auch nicht gänzlich auszuschließen. Zwar verläuft die Trasse auf einem Damm, aber das Sickerwasser könnte dem Damm und ihn instabil machen.

Ob der für die Wittenberger wichtige Hartwigtunnel geschlossen werden muss, ist unklar.

Am Wittenberger Bahnhof herrscht Hochbetrieb, insbesondere, wenn Züge aus Berlin kommen mit vielen potenziellen Hochwasserhelfern an Bord. Einen Kilometer weiter an der Ölmühle herrscht dementsprechend großes Gewusel, denn hier sind viele meist junge Helfer im Einsatz, um Sandsäcke zu füllen.  Vier davon kommen von der Feuerwehr aus Sülten in Mecklenburg-Vorpommern.  An anderer Stelle trifft man Marcel Elverich. Der SPD-Stadtverordnete erhält morgen auch Unterstützung aus Berlin und wird selbst heute Nacht einer der vielen Deichläufer sein.

Die Mobiliseirung der Helfer funktioniert ziemlich gut. „Sie haben sich zum Teil selbst über Facebook organisiert“, sagt Oliver Hermann. Um gleich selbst einzuwenden, dass diese Art Mobilisierung auch einen Nachteil hat: die Gerüchteküche wird ganz ordentlich bedient.  Dem will er etwas entgegensetzen. Auch dazu dient – neben zum Beispiel unserer Berichterstattung – das Bürgertelefon, das heute noch bis 16 Uhr und morgen von 8 bis 12 Uhr erreichbar ist: 03877 5669000.

Christiane Schomaker von der Stadt wünscht sich auch Getränkespenden oder – anlieferungen für die Helfer, bitte an der Feuerwache in der Weisener Straße abgeben  oder von der Stadt  abholen lassen. (Bernd Atzenroth)

Auch der Landkreis Prignitz bittet um Hilfe. Freiwillige können sich unter folgenden Telefonnummern melden.

  • Wittenberge (Bürgertelefon): 03877/5669000
  • Bad Wilsnack: 038791/999-0
  • Lenzen: 0172/6047973 oder 0170/4739112

Um die Hilfe besser zu koordinieren bittet der Landkreis die Freiwilligen, sich vorher unter den angegebenen Telefonnummern zu melden.

http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/12529299/19287300/Die-Elbe-mutiert-vom-Fluss-zum-gigantischen-See.html

Gespannte Ruhe vor der Flut

Veröffentlicht: Juni 7, 2013 von fluthelfer in Wittenberge

 

An der Deichbaustelle bei Garsedow wird aufs Tempo gedrückt. Sie ist ein neuralgischer Punkt, wenn die Flutwelle die Prignitz erreicht und auf das nahe gelegene Wittenberge zurollt. Es ist Mittwoch, das Bangen um die Deiche und Dämme hat begonnen. Am Pegel Wittenberge wird für Sonntag mit einer Rekordmarke von 7,50 Meter oder mehr gerechnet. Dann wären die Pegel mindestens 16 Zentimeter höher als beim Jahrhunderthochwasser 2002. Bauleiter André Schwark von der Universalbau Perleberg glaubt, dass der Deich hält, der hier auf knapp zwei Kilometern Länge von 7,20 auf fast acht Meter erhöht wird. Schwark hat Folien beschafft, mit denen die Böschung abgesichert werden soll. „Das war nicht einfach. Folien sind in allen Hochwassergebieten derzeit sehr gefragt“, sagt Schwark und wirft einen Blick über die Elbe, die an dieser Stelle schon gut 100 Meter breit geworden ist. Baumwipfel und Schifffahrtszeichen lugen aus dem Wasser, das aber noch immer träge dahinfließt. Eine Gruppe Radler fährt vorüber, Vögel zwitschern. Eigentlich deutet nichts auf eine Katastrophe hin.

Dass die Ruhe trügt, weiß auch Gerhard Thiel. Der 85-Jährige wohnt in Breese, einen Steinwurf von der Stepenitz entfernt. Das Flüsschen, das sich um Wittenberge schlängelt, läuft bei Elbhochwasser regelmäßig voll, wenn die Elbe überschwappt oder die Deiche nachgeben. Einen Deich gibt es in Breese nicht. Die Gemeinde plant deshalb, 30 Bewohner zu evakuieren. „Wir bleiben“, sagt Thiel, der schon drei Hochwasser miterlebt hat. Er will sich nur ein paar Sandsäcke „fürs Kellerloch“ holen. Seine Frau hängt in der sonnigen Idylle gerade Wäsche auf. 2002 hätten sie „auch Dusel gehabt“, sagt der frühere Gießer aus dem Wittenberger Nähmaschinenwerk. Es traf nur seinen Keller.

Karissa Nickel – ein paar Häuser weiter – will auch bleiben. „Das ist das Haus meiner Mutter.“ An der Kreuzung hat ein Lastwagen Sand abgekippt. Nickels Kinder und Freunde fahren ihn schubkarrenweise in den Garten. Sandsäcke müssen sich Privatleute bei Baustoffmärkten selbst beschaffen. Das Kontingent von 500 000 Säcken, das die Prignitz erhalten hat, ist „für die Sicherung der Deichlinie“, sagt Wittenberges Bürgermeister Oliver Hermann. „Das hat natürlich Priorität.“ 2002 waren in der Prignitz etwa 650 000 Säcke verbaut worden. Das Katastrophenschutzlager des Landes in Beeskow (Oder-Spree) verfügt über einen Bestand von drei Millionen Säcken.

„Basteln wir uns eben unseren eigenen Deich“, sagt Karissa Nickel. Von einem richtigen Schutzwall träume sie schon lange. Dreimal sei sie „abgesoffen“. Haus und Möbel würden davon nicht besser. „Und meinen Tieren bekommt das auch nicht.“ Breeses Bürgermeister Werner Steiner kann den Groll verstehen. „Das Planfeststellungsverfahren für den Deich läuft.“ Aber es gebe viele Einwände dagegen.

Oliver Hermann hat seinen Einsatzstab zusammengerufen. In Wittenberge gibt es jetzt viel zu besprechen. „Uns bleiben zwei Tage für alle Sicherungsmaßnahmen“, sagt der 47-jährige Bürgermeister. Gestern war mit dem Aufbau einer mobilen Spundwand an einem weiteren kritischen Punkt der Stadt begonnen worden. Von 18 Deichkilometern in Wittenberge sind zwei aus der Sicht des Bürgermeisters als besonders kritisch einzuschätzen. Wichtig für Hermanns Stab ist, dass der Landkreis Prignitz gestern Nachmittag für das Elbgebiet den Katastrophenfall ausgerufen hat. Damit ist es möglich, die Bundeswehr anzufordern.

Und auch die Stadt selbst kann nun weitere Kräfte mobilisieren und Straßen sperren. Wichtig für die Gefahrenabwehr ist auch, dass die in Wittenberge 70 zur Verfügung stehenden Deichläufer eingesetzt werden. Sie laufen in Schichten rund um die Uhr die Wälle ab und melden Sickerstellen oder gar Durchbrüche sofort an den Krisenstab.

Der Bürgermeister ist für jede Hilfe dankbar. So wird der Wittenberger Feuerwehrzug durch 80 Wehrleute aus dem Landkreis verstärkt. Und an der Alten Ölmühle, dem zentralen Platz für das Abfüllen von Sandsäcken, finden sich immer mehr freiwillige Helfer ein. Bis gestern Mittag waren bereits 24 000 Sandsäcke befüllt worden. Am Vormittag hatten auch Grundschüler aus Wittenberger Schulen geholfen. Die Sechstklässler Antonia Walter und Ben Grell waren begeistert bei der Sache. Sie mussten sich nicht einmal mit schweren Schippen abmühen, sondern konnten auf eine Neuerung zurückgreifen. Abgeschnittene Plasterohre dienen als Schütte – zwei Portionen Sand pro Sack.

Bürgermeister Hermann hofft, dass auch noch mehr auswärtige Helfer den Wittenbergern in den nächsten beiden Tagen auf dem Sandplatz oder an den Deichen unter die Arme greifen.

http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/12527855/19287300/In-der-Prignitz-ruesten-die-Menschen-fuer-das.html