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Sorge um Sielstelle

Veröffentlicht: Juni 8, 2013 von fluthelfer in Uncategorized

Nachdem schon am Freitagabend ein Siel bei Neubleesern den gewaltigen Wassermassen nicht mehr standhalten konnte, wird seit den Morgenstunden versucht, das Loch mittels Bigbags per Hubschrauber zu schließen. Ein erster Rettungsversuch in den Nachtstunden durch holländische Einsatzkräfte musste abgebrochen werden. Am Samstagnachmittag war es noch immer nicht gelungen, das Loch zu stopfen. Die Einsatzkräfte waren optimistisch, das Siel schließen zu können, bevor dieses möglicherweise komplett aus dem Deich gedrückt wird.

Gegen Mittag hatte sich der Katastrophenstab dennoch dazu entschlossen, den Bockdamm, der ohnehin eine Art zweite Verteidigungslinie ist, zu verstärken. Dabei kamen 238 Soldaten der deutsch-französischen Brigade zum Einsatz, die tagszuvor in Pülswerda aktiv waren. Ihnen zur Seite standen neben zahlreichen Feuerwehrleuten aus Ostelbien auch 58 Feuerwehrleute aus der Stadt Annaburg zu der mittlerweile auch Prettin zählt. Annaburgs Bürgermeister Erich Schmidt hatte sich selbst von der kritischen Lage vor Ort ein Bild gemacht. Weil 2002 durch den Deichbruch bei Dautzschen auch große Teile des Landkreises Wittenberg überflutet wurden, hat am Bockdamm der anhaltische Landesbetrieb für Hochwasserschutz in Absprache mit der sächsischen Landestalsperrenverwaltung das Kommando übernommen.

Etwa 44000 Sandsäcke galt es allein auf den drei Abschnitten beginnend Straße in Richtung Prudel zu verlegen.
Das durchdrückende Wasser war nach TZ-Info bereits am Freitagabend gegen 19.30 Uhr von Zwethauer Deichläufern bemerkt worden. Das Siel gehört zu einem Deichabschnitt, der kurz vor der Sanierung stand. Es hat nach Angabe von Flußmeister Holger Tobiaschek eine Größe von 1×2 Metern. Der Versuch, die lecke Stelle am Abend mit Bahnschwellen und Betonteilen zu verfüllen, misslang. Das tosende Wasser ließ den Helfern keine Chance, so dass vorsorglich die Einwohner von Neubleesern, Döhlen, Rosenfeld und Teilen Zwethaus über eine Evakuierung informiert wurden. Nach Angabe von Andreas Starke, Chef der von Torgau aus agierenden Polizeidirektion Leipzig, wurde Neubleesern schließlich gegen 4 Uhr geräumt.

Zu einem kleinen Zwischenfall kam es, als Verantwortliche der Landestalsperrenverwaltung am Morgen die Sielstelle für die Hubschrauber mit Farbe markierten. Ein unbekannter Mann hatte sich bis hier hin durchgeschlagen, um die Mitarbeiter verbal von einem Schließversuch abzuhalten. Nachdem der nach eigenen Angaben aus Sachsen-Anhalt stammende Mann energisch des Deichs verwiesen wurde und sich schon wieder auf dem Weg in Richtung Bockdamm befand, nahmen sich noch einmal Bernd Merbitz, Präsident der Polizeidirektion Leipzig, und Landrat Czupalla den Mann zur Brust. Verfolgt wurde das ganze unter anderem von Staatsminister Frank Kupfer, der vom Bockdamm aus das Geschehen verfolgte. Neben Kupfer war auch Axel Bobbe von der Talsperrenverwaltung vor Ort. Bobbe kritisierte erneut die langen Genehmigungsverfahren, die in Sachsen Hochwasserschutzprojekte ausbremsten. Wie es gemacht werden müsste, zeige das Beispiel von Sachsen-Anhalt, wo sofort nach der Flut 2002 mit der Ertüchtigung der Deiche begonnen wurde.

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