Archiv für die Kategorie ‘Spree’

Die Flut war nicht braun

Veröffentlicht: Juli 19, 2013 von fluthelfer in Spree

von Andreas Staindl

Greenpeace gibt für den Spreewald nach dem Hochwasser vorerst Entwarnung. Die Brühe aus alten Tagebauen war weniger umweltbelastend als erwartet

 Es klingt beruhigend, was Niklas Schinerl berichtet. Beruhigend für den Tourismus und die Wirtschaft im Spreewald, für die Menschen, die in und mit der Lagunenlandschaft im Süden Brandenburgs leben: Das Hochwasser im Juni dieses Jahres hat die Verockerung der Spree nicht weiter vorangetrieben.

Schinerl, Klima- und Energieexperte bei der Umweltschutzorganisation Greenpeace, gibt dennoch keine dauerhafte Entwarnung: „Eisenhaltiges Wasser drängt weiter in die Fließgewässer rund um die Spree“, sagte er am Donnerstag in Lübben bei der Vorstellung von Messergebnissen von Wasserproben aus der Region. Denn Flüsschen wie die Wuderitz bei Ragow (Oberspreewald-Lausitz) ist ein Paradebeispiel, quasi der Supergau, wie auch die Spree mal aussehen könnte. Das kleine Fließ – das Wasser aus dem wieder gefluteten Tagebaurestloch bei Schlabendorf (Dahme-Spreewald) führt – ist total verschlammt. Bis zu einem halben Meter, wie Schinerl sagt. Nur wenige Zentimeter Wasser stehen noch über dem rostroten Schlamm. Kahnfahrten sind dort nicht mehr möglich. Die Fährleute laden die Gäste ins Sammeltaxi und fahren sie vom Naturhafen in Richtung Spree. „Dort“, sagt der Greenpeace-Experte, „sind die Werte in etwa so, wie sie auch vor dem Hochwasser waren.“ Ihm zufolge gibt es rostroten Schlamm in der Wuderitz seit vielen Jahren. „Doch der war nach ein paar Wochen immer weg.“ Jetzt aber bleibt diese ockerne Masse. Und gefährdet das Ökosystem. „Wir haben tote Fische gefunden, Wasservögel, die im Schlamm gefangen waren“, warnt der Umwelt-Aktivist. „Unsere Ergebnisse decken sich mit denen der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV). Das eisenreiche Grundwasser, eine Folge des Bergbaus, hat negative Folgen für die Wasserqualität des Spreewalds.“

Greenpeace hatte schon vor dem jüngsten Hochwasser Messproben hinter der Talsperre in Spremberg und an der Grenze zum Spreewald entnommen. Um das Ausmaß der Verockerung, bei der eisenhaltiges Wasser aus ehemaligen Tagebauen in Sachsen und Brandenburg in die Fließgewässer drängt, zu untersuchen. Die Eisenverbindungen trüben das Wasser. Sie setzen sich als Schlamm am Flussgrund und an den Ufern ab. „Unsere damaligen Laborergebnisse haben die erhöhten Werte der LMBV bestätigt“, sagt Schinerl. Er befürchtete: „Wenn wegen des Hochwassers Wasser aus der Talsperre abgelassen wird, spült es dort abgelagerten Schlamm mit und in den Spreewald.“ An 100 Messpunkten haben Umwelt-Aktivsten deshalb jetzt erneut Proben gezogen. Das Ergebnis des Schnelltests: Die Hauptspree ist nicht verockert, die Belastung noch nicht dramatisch. Offenbar hat sich die braune Brühe mit dem klaren Wasser vermischt.

Auf diesen Effekt will Greenpeace nicht dauerhaft setzen. Die Umweltschutzorganisation fordert den Ausstieg aus dem Braunkohleabbau bis 2030. „Nur so“, sagt Schinerl, „lässt sich eine Ausweitung der Verockerung verhindern. Immer neue Tagebaue verschärfen das Problem. Zudem muss der Schlamm ausgebaggert und fachgerecht entsorgt werden. Bisher haben die eingeleiteten Maßnahmen der Brandenburger Landesregierung noch nicht gegriffen.“ Andreas Staindl

Quelle: pnn.de

Die Spree hinunter

Veröffentlicht: Juni 15, 2013 von fluthelfer in Spree

von Sandra Dassler

An der Quelle werden nur die Füße nass, später sind die Schäden zu besichtigen, die das Hochwasser hinterlassen hat. Auf einer Reise vom Berg Kottmar bis nach Berlin ist zu erleben, wie Anwohner anpacken – und manchmal noch auf heißen Kaffee warten.

Woll’n wir die Berliner foppen, tun wir uns’ren Quell verstopfen“ – so in etwa könnte man den alten Oberlausitzer Spruch ins Hochdeutsche übersetzen. In den vergangenen zwei Wochen hätten sich viele Menschen entlang der Spree gewünscht, dass die Quelle des Flusses zumindest für ein paar Tage verstopft worden wäre. Doch das wäre gar nicht so einfach, wie die Bäckersfrau in Kottmarsdorf, einem kleinen Ort zwischen Bautzen und Löbau, verrät. „Zur Spreequelle wollen Sie?“, lächelt sie vielsagend: „Zu welcher denn? Es gibt nämlich mindestens drei Quellen. Am schönsten ist aber die am Kottmar.“

Auf jeden Fall ist die Quelle am Berg Kottmar die höchstgelegene, auf 478 Metern über dem Meeresspiegel.

Nasse Füße bekommt man auf dem Weg zu ihr trotzdem. Denn obwohl bereits 1921 eine halbkreisförmige Steinmauer um das unter dem vergoldeten Schriftzug „Spreequelle“ aus dem Felsen sprudelnde Nass errichtet wurde, läuft das Wasser über. Bahnt sich den Weg auf kleinen Pfaden durch den feuchten Wald, das Murmeln weiter oben und Rauschen weiter unten wird nur vom Zwitschern der Vögel übertönt.

Noch weiter unten, wo die ersten Häuser des Dorfes an den Waldrand stoßen, endet die Idylle abrupt. In allen Höfen und Häusern sind die Bewohner mit Aufräumen beschäftigt. „Unser Keller ist überflutet“, sagt eine junge Frau. „Das Wasser kam hier überall runtergeschossen.“ Ein Gemeindearbeiter in orangefarbener Weste versucht, die Regenrinne an der Straße wieder herzurichten, während Annelies Häntsch die Splitter vom Stamm der 1871 gepflanzten Friedenseiche aufsammelt. „Ich stand direkt daneben, als der Blitz einschlug“, sagt die 75-Jährige. Und erklärt, dass die Schäden hier nicht vom Hochwasser stammen, sondern von einem Unwetter am vergangenen Sonntag, das nicht nur Wolkenbruch, Starkregen und Gewitter brachte, sondern so viel Eishagel, dass sogar ein Schneepflug ausrücken musste.

Etwa 50 Kilometer flussabwärts schaut Herbert Kieschnick besorgt auf einen Bootsanlegesteg an der Talsperre Bautzen. „Der steht seit Tagen unter Wasser“, sagt er. „Wir können nicht raus.“ Kieschnick ist mit seinen 79 Jahren das älteste Mitglied im Seesportclub Bautzen und repariert ein paar kleinere Schäden, die das Hochwasser angerichtet hat. „Es hält sich alles in Grenzen“, sagt er, „kein Vergleich zu den Katastrophen anderswo.“

Die Leute hier haben herzlich gelacht, als in Brandenburg und Berlin die Nachricht verbreitet wurde, dass die Talsperre Bautzen defekt sei und das Wasser unkontrolliert herausfließe. „Wir haben eine Überlaufanlage“, erklärt Talsperrenchef Sebastian Fritze. „Wenn wir einen Meter über dem Normalwert sind, können darüber bis zu 225 Kubikmeter pro Sekunde abfließen. Wir haben aber nur 70 Kubikmeter pro Sekunde abgegeben und das auch nur vom 1. bis zum 7. Juni.“ Die Überlaufanlage wurde bisher nur dreimal genutzt: während der Hochwasser 1981, 2010 und jetzt. Momentan liege der Wasserspiegel in der Talsperre nur noch 28 Zentimeter über dem Normalwert, fast kann man in Bautzen Entwarnung geben.

Dass dies weiter flussabwärts ganz anders ist, erklärt Talsperrenchef Fritze mit den zahlreichen Nebenflüssen. Auf ihrem Weg vom nördlichen Sachsen ins südliche Brandenburg hat die Spree jedenfalls unzählige Felder, Gärten, Radwege und Straßen überschwemmt. „Unser Haus blieb verschont, wir haben nochmal Glück gehabt“, sagt Marlen Waschnick, die in Spreewitz an der sächsisch- brandenburgischen Landesgrenze gerade Sandsäcke wegräumt.

Dieses „Wir haben nochmal Glück gehabt“ hört man auch in Spremberg sehr häufig. Zwar standen dort einige Straßen, Wohn- und Geschäftshäuser sowie Gaststätten unter Wasser, der Großteil der Stadt blieb aber trocken. Zwischenzeitlich sah es anders aus, Notdeiche wurden errichtet, die Nerven lagen so blank, dass Sprembergs Bürgermeister Klaus-Peter Schulze (CDU) den Vorwurf erhob, man würde Spremberg für Cottbus, die nächste Stadt an der Spree, opfern. Zwischen den Städten liegt die Talsperre Spremberg, wo man laut Schulze erst auf grünes Licht aus Cottbus gewartet habe, bevor man die Ablassmenge erhöhte. Durch den Rückstau habe sich die Situation in Spremberg verschärft.

Der Oberbürgermeister von Cottbus, Frank Szymanski (SPD), hat den Vorwurf als Wahlkampfgetöse abgetan und ansonsten genug mit eigenen Problemen zu tun. 25 Kilometer lang fließt die Spree durch die Stadt, und die alten Deiche müssen seit fast zehn Tagen einem ungeheuren Druck standhalten. 3000 Bäume sollen nun dem Fluss entlang gefällt werden, damit sie bei einem möglichen nächsten Hochwasser nicht zu Treibgut werden – schon gab es in Cottbus erste Demonstrationen gegen die Fällungen.

Überall warnen Schilder vor dem Betreten der Deiche, aber viele Menschen sind unvernünftig. Im Ortsteil Maiberg schaut sich eine Frau verstohlen um, bevor sie ihr Fahrrad am Verbotsschild vorbeischiebt. Die teure Sportkleidung verrät, dass sie öfter mit dem Rad unterwegs ist. Ein paar Meter schiebt sie, dann steigt sie in die Pedalen. Für die Maiberger ist das mehr als verantwortungslos: „Die bringt ja nicht nur sich selbst in Gefahr“, sagt eine Anwohnerin, „sondern unser ganzes Dorf und das Renaturierungsgebiet.“

Vattenfall hat die Cottbuser Spree zwischen den Ortsteilen Döbbrick und Schmogrow in den vergangenen Jahren renaturiert, um die Stilllegung der Lakomaer Teiche auszugleichen, die dem Tagebau Cottbus-Nord zum Opfer fielen. Hier sei eine herrliche Landschaft entstanden, sagt die Verkäuferin im Imbisswagen „Zum Aueroxen“, aber das Hochwasser habe einiges kaputtgemacht – wohl auch ihre Stromleitung. „Heißer Kaffee geht heute leider nicht“, sagt sie bedauernd zu einer Radwandergruppe aus Holland.

Im wenige Kilometer hinter Cottbus beginnenden Spreewald ging in der vergangenen Woche noch viel weniger. Weil die Talsperre Spremberg so viel Wasser abgab, das dann mit hoher Geschwindigkeit durch die Spreewaldfließe strömte, sperrte das Landesamt für Bauen und Verkehr erst den Unterspreewald und später auch den Oberspreewald für jeglichen Bootsverkehr. Proteste der Fährleute, die das für übertrieben hielten und nach dem kalten April und verregneten Mai weitere finanzielle Einbußen befürchteten, halfen nichts. Erst seit Freitag ist das Kahnfahren im Spreewald wieder möglich, wenn auch nur eingeschränkt.

„Hoffentlich denken die Touristen nicht, dass das Hochwasser uns hier noch Wochen beschäftigen wird“, sagt der Vorsitzende der Lübbenauer Kahnfährleute, Steffen Franke. „Das ist hier nicht wie nach einem Tsunami, wir müssen nicht aufräumen, kein Tourist muss also seinen Urlaub im Spreewald verschieben.“ Es sei denn, er fürchtet das aus den Braunkohletagebauen stammende Eisenhydroxid, das die Spree braun färbt.

Wie sich das Hochwasser darauf auswirkt, ist noch völlig unklar. Einiges wird sich im Spreewald absetzen, das meiste aber über die Umflutungsstrecken weiter in Richtung Berlin treiben. „Es wird jedenfalls nicht zu einer großen ökologischen Katastrophe führen“, sagt Matthias Freude: „Vielleicht kommt etwas bis zum Müggelsee, vielleicht sogar ein klein wenig bis Köpenick, wir werden das sehr genau beobachten“. Freude ist der Chef des brandenburgischen Umweltamts. Geboren aber ist er in Sachsen – ganz in der Nähe einer der drei Spreequellen.

Quelle: tagesspiegel.de

Sperrung der Spreewald-Fließe

Veröffentlicht: Juni 7, 2013 von fluthelfer in Spree

 

 

Das Gewässersystem des Spreewaldes wird ab Samstag, 8. Juni, 0.00 Uhr, bis auf Widerruf für jeglichen Verkehr gesperrt.

Dies betrifft die entsprechenden Bereiche der Landkreise Spree-Neiße, Oberspreewald- Lausitz und Dahme-Spreewald. Das teilt das Landratsamt Oberspreewald-Lausitz mit. Einem entsprechenden Antrag durch den Gewässereigentümer, das Landesamt für Umwelt, Gesundheit, und Verbraucherschutz, wurde durch das zuständige Landesamt für Bauen und Verkehr stattgegeben.

Der Antrag zur Sperrung der Wasserwege im gesamten Spreewald wurde von allen drei Landkreisen getragen. Auf Grund erhöhter Strömungsverhältnisse und zu erwartender hoher Wasserstände bestehen in den ausgewiesenen Überschwemmungsgebieten entlang der Spree erhebliche Gefahren für Leib und Leben. Es wird daher ausdrücklich darauf hingewiesen, dass insbesondere die touristische und sportliche Nutzung auf den Wasserläufen zu unterlassen ist.

Weitere Informationen zu Sperrungen und Einschränkungen im Biosphärenreservat Spreewald sind unter www.lbv.brandenburg.de zu finden.

Unter der Rufnummer 033201-442 542 hat das Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbrauschutz täglich von 7 bis 19 Uhr ein Bürgertelefon geschaltet.

 

http://www.lr-online.de

Die braune Spree kommt näher

Veröffentlicht: Juni 7, 2013 von fluthelfer in Spree

 

Das Spreehochwasser lässt Umweltexperten und Touristikern keine Ruhe. Immer größere Wassermassen fließen im Eiltempo von der Talsperre Spremberg (Spree-Neiße) durch den Spreewald in Richtung Norden. Nach Experteneinschätzung könnte mit der Spree verstärkt auch durch Eisen und Sulfat verschmutztes Wasser seinen Weg ins Dahmeland finden. Touristen sind wegen der hohen Wasserstände verunsichert – in der bei Spreewald-Gästen beliebten Kreisstadt Lübben bemüht man sich um Schadensbegrenzung.

Gestern wurden die Schleusen der Talsperre Spremberg noch ein Stückchen weiter geöffnet. Seit den Morgenstunden fließen 110 statt der normal üblichen 16 Kubikmeter Wasser pro Sekunde in die Spree. Dieser Zustand wird wahrscheinlich noch die nächsten zehn Tage andauern, um die randvolle Talsperre zu entlasten. „Wir hoffen, dass das die höchste Abflussmenge bleibt“, so Wolfgang Genehr, Abteilungsleiter im Landesumweltamt Cottbus.

Bei Spremberg gilt die Spree wegen der Eisenablagerungen aus den angrenzenden Tagebaugebieten als besonders schmutzig. Nun kommt die naturfeindliche Rost-Brühe dem Dahmeland näher. „Das Eisenhydroxid ist sehr leicht“, erklärte Genehr. Zwar würden die großen Wassermengen die Konzentration der Verockerung einerseits verringern. Andererseits aber sei damit zu rechnen, dass die Ablagerungen mit erhöhter Fließgeschwindigkeit bis in den Unterspreewald – etwa in den Neuendorfer See – verfrachtet werden könnten. Im Landratsamt sieht man jedoch keine Gefahr für die Natur und den Tourismus. Landrat Stephan Loge (SPD) verwies im MAZ-Gespräch auf den vergleichsweise „hohen Verdünnungscharakter. Die Verockerung ist im Landkreis Dahme-Spreewald kein Thema.“

In Lübben trübt das Hochwasser indes das Tourismusgeschäft. Peggy Nitsche, Marketingleiterin der Spreewaldstadt, steht in engem Kontakt mit Umwelt- und Wasserbehörden. „Wir haben uns gut auf die aktuelle Situation vorbereitet.“ Nitsche sorgt sich um die reißende Spree, die ungeübten Paddlern an Wehren zur Lebensgefahr werden könnte. Deshalb können Touristen bei der Stadt Lübben keine Paddelboote mehr leihen, wie Nitsche erklärte. „Unsere Kähne fahren ganz normal.“ Grund zur Panik gebe es also nicht. „Viele Gäste rufen an und fragen, ob man noch trockenen Fußes in die Stadt kommen könne.“ Nitsche und Kollegen beschwichtigen dann: „Wir versuchen die Diskussion zu versachlichen“.

Im Dahmeland hingegen blieben solche Anrufe bisher aus, wie Juliane Frank vom Tourismusverband Dahme-Seen sagte. „Nach dem ganzen Wetterchaos drängen die Leute raus ins Grüne.“ Aber: Auch die Dahme fließt deutlich schneller als sonst. Deshalb wird für die Hochwassergebiete im Landkreis Dahme-Spreewald noch immer dringend von privaten Bootstouren abgeraten. Die Situation sei „nicht zu unterschätzen“, sagte Frank. „Man merkt, dass die Dahme relativ voll ist.

http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/12528340/19287300/Flut-koennte-Rost-bis-in-den-Unterspreewald-spuelen.html

Bürgermeister von Spremberg erhebt Vorwürfe Richtung Cottbus

Veröffentlicht: Juni 7, 2013 von fluthelfer in Spree

 

Während in Spremberg gestern Nachmittag der Pegel der Spree auf 4,40 Meter steigt, tritt Brandenburgs Innenminister Dietmar Woidke (SPD) vor die Mikrofone. „Wir sind bisher überall im Land Brandenburg gut gegen das Hochwasser gerüstet“, sagt er. Er ist hier, um Sprembergs Bürgermeister Klaus-Peter Schulze (CDU) Mut beim Kampf gegen die Fluten zuzusprechen und sich bei den Hunderten freiwilligen Helfern zu bedanken.

„Spremberg opfert sich mal wieder für Cottbus“, hatte Schulze noch wenige Minuten vor dem Besuch des Innenministers erklärt. Obwohl die Talsperre randvoll sei – laut Landesumweltamt fehlt ein halber Meter bis Überlauf – seien bis gestern lediglich 70 Kubikmeter Wasser je Sekunde abgegeben worden. Erst seit gestern sind es 100. Normal wären 16 Kubikmeter je Sekunde.

Trotz der erhöhten Wasser-Abgabe steigt der Pegel an der Talsperre noch stündlich um zwei Zentimeter. Das Landesumweltamt (LUGV) hatte bis zum Morgen auf grünes Licht aus Cottbus gewartet, bevor es die Ablassmenge erhöhte. In einer Telefonkonferenz mit Ämtern und Landräten bat der Cottbuser Oberbürgermeister Frank Szymanski (SPD) um mehr Zeit, da die Arbeiten zur Hochwassersicherung noch nicht abgeschlossen seien.

„Wenn hier 115 Kubikmeter Wasser in der Sekunde ankommen, wir aber nur 70 abgeben können, haben wir ein Problem“, sagt Schulze.

Die Spremberger Stadtverordneten wollen einen Protestbrief an Brandenburgs Ministerpräsidenten Matthias Platzeck (SPD) schicken. Thema: die braune Spree und die Folgen für die Region. Die Spremberger Talsperre ist das größte Rückhaltebecken für den braunen Eisenschlamm („Ocker“). Tausende Kilogramm werden davon täglich über die Spree angespült. Wegen des Hochwassers wird nun befürchtet, dass über die Talsperre der Eisenschlamm verstärkt in den Spreewald gelangt. Erste Messungen von Umweltgruppen bestätigen diesen Verdacht

http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/12527856/19287300/Buergermeister-von-Spremberg-erhebt-Vorwuerfe-Richtung-Cottbus-Talsperre.html