Archiv für die Kategorie ‘Prignitz’

Hochwasser weg, Touristen auch

Veröffentlicht: Juli 21, 2013 von fluthelfer in Prignitz

In der Prignitz hinterließ die Flut relativ geringe Schäden. Dennoch sind die Folgen hart – besonders beim Tourismus.

„Ein Wernesgrüner für die Wernesgrüner?“ Die Radler auf dem Elbdeich direkt in Mödlich in der Prignitz blicken sich kurz an, beratschlagen und folgen dann kurzerhand der Einladung des Gastwirts der „Alten Fischerkate“. Der kennt inzwischen die meisten Dialekte der Touristen und spricht diese dann gezielt in ihrer „Muttersprache“ an. „Das hat sich im Laufe der Jahre ganz von selbst ergeben“, sagt Peter Dressler im Schatten der Sonnenschirme. Er profitiert zweifellos von der Lage am – laut Allgemeinen Deutschen Fahrradclub – beliebtesten Fernradweg der Bundesrepublik. Doch in diesem Jahr erwies sich dies wochenlang als Nachteil.

Fast den kompletten Juni blieben die Gäste aus, und auch jetzt kommen sie nur spärlich. Die Bilder vom Hochwasser schrecken viele Touristen nach wie vor von einem Ausflug in die Prignitz oder andere Brandenburger Regionen ab.

Dabei ist die Situation paradox. Denn genau wie beim großen Hochwasser 2002 hielten auch im Juni die Deiche in Brandenburg dem Druck der Elbe stand. Hier brach im Unterschied zu Sachsen und Sachsen-Anhalt kein Damm, so dass es weder im Raum Mühlberg im Südwesten noch in der Prignitz im Nordwesten zu größeren Schäden kam. Lediglich im kleinen Ort Breese bei Wittenberge drang das Wasser in die Keller mehrerer Häuser ein. Hier fehlt bisher ein leistungsstarker Damm. Ende des Jahres soll mit dem Bau begonnen werden.

Die größten Einbußen erlitten die Landwirte im Landkreis Havelland, weil hier das Hochwasser „planmäßig“ die Felder überschwemmte. Am zweiten Juni- Wochenende waren die großen Tore am Wehr in Quitzöbel am Zusammenfluss von Elbe und Havel hochgezogen worden, um den Pegel des großen Flusses um die entscheidenden Zentimeter zu senken. Mehrere Millionen Kubikmeter Elbwasser ergossen sich mehrere Tage in das Bett der Havel und brachten diese wiederum zum Überlaufen. „7,5 Millionen Euro Schaden meldeten die Bauern“, hieß es vom Landkreis. „Dazu kommen Schäden an der Infrastruktur in Höhe von weiteren 1,5 Millionen Euro.“ Die betreffen auch Teile des Havelradweges, der an einigen Stellen bei Rathenow noch unterbrochen ist.

Inzwischen haben sich die Radler aus dem Vogtland auf einem schattigen Platz in der Alten Fischerkate niedergelassen und genießen das Bier aus der Heimat. Auch sie seien anfangs etwas verunsichert gewesen, ob denn der Elberadweg durchgängig zu befahren ist, erzählen sie. „Aber dann waren wir doch überrascht, wie gut die Strecken in Schuss sind“, sagt einer der Radler. „Nur in Sachsen-Anhalt in der Nähe der gesperrten Eisenbahnbrücke über die Elbe bei Schönhausen mussten wir einige Umleitungen fahren.“ Gastwirt Peter Dressler hört die Worte gern. Das müsste sich nur überall herumsprechen, sagt er. „In vielen Regionen Deutschlands herrscht leider ein völlig falsches Bild von unserer Lage nach dem Hochwasser.“ Im Juni habe es nur Absagen gegeben, so dass er kein einziges seiner 32 Zimmer vermieten konnte. Dabei gehört der Juni zu den umsatzstärksten Monaten. In diesem Jahr seien die Verluste besonders schmerzhaft, weil die Saison nach dem kalten und nassen Frühjahr ohnehin erst spät begonnen habe.

Seinen Berufskollegen geht es da in der ganzen Prignitz nicht viel besser. „Die Einbußen liegen bei den meisten Betrieben zwischen 50 und 100 Prozent“, teilte der Tourismusverband mit. Alles hänge vom Elberadweg ab, sei er doch der wichtigste Baustein im regionalen Tourismus. Doch selbst im 25 Kilometer von der Elbe entfernten Perleberg leiden Hoteliers unter den unzähligen Absagen,und einige Betreiber kämpfen bereits ums Überleben ihrer Betriebe.

Auch in der Elbestadt Wittenberge sind noch genügend Übernachtungsplätze frei. An der Alten Ölmühle, wo im Juni täglich mehrere Hundert Freiwillige Sandsäcke gefüllt hatten, herrscht gespenstische Ruhe. In der Strandbar mit Blick auf die große Eisenbahnbrücke sitzen kaum Gäste. In der Ausstellung über die überstandene Flut macht es sich ein Radler aus Rüdesheim auf einem Sofa aus Sandsäcken bequem. Er reicht sein iPhone und bittet darum, ein Foto von ihm zu machen. „Die Freunde am Rhein sollen ruhig neidisch werden“, sagt Gerd Hochschneider und macht ein zufriedenes Gesicht. „Die haben sich einfach nicht auf den Elberadweg getraut und sind stattdessen an den Bodensee gefahren.“ Auch lange Recherchen im Internet hätten sie nicht umstimmen können. „Die wollten tatsächlich nicht als Gaffer bei den Aufräumarbeiten stören. Dabei ist hier alles in bester Ordnung.“ So wie die Männergruppe aus Wernesgrün behält auch der Radler aus Rüdesheim seine guten Eindrücke aus der Prignitz nicht für sich. Er veröffentlicht Fotos auf seiner Facebook-Seite und schreibt ein paar Zeilen über seine Erlebnisse an der Elbe. Die vielen Hoteliers und Gastwirte an der Strecke können die Werbung gut gebrauchen.

Quelle: tagesspiegel.de

Lage kritisch, aber stabil

Veröffentlicht: Juni 11, 2013 von fluthelfer in Prignitz

 

Die Hochwasser-Situation im Norden Brandenburgs hat sich stabilisiert. Dennoch bleibt die Lage kritisch In Wittenberge (Prignitz) werden die befürchteten acht Meter nach Behördenangaben nicht erreicht, aber es hat sich ein sogenanntes Hochwasser-Plateau gebildet, das das Wasser über mehrere Tage auf hohem Niveau hält. Im Landkreis rechnet man mit einer Dauer von bis zu zehn Tagen.

Der Wasserspiegel der Elbe in Wittenberge betrug am Dienstag wie bereits am Vortag 7,75 Meter. Fast 2.500 Einsatzkräfte und Freiwillige aus ganz Brandenburg stehen bereit, um Problemstellen an den Deichen zu sichern, wie das Koordinierungszentrum Krisenmanagement in Potsdam am Dienstag mitteilte.

Auch in Teilen des Havellands sorgt man sich vor Überflutungen. Weil im benachbarten Sachsen-Anhalt bei Fischbeck am Montag ein Deich brach, könnten nun Ortschaften im Havelland überflutet werden. Am Dienstag wurde die Lage vom Landkreis Havelland noch als „nicht kritisch“ eingestuft. Am Dienstagabend änderte sich die Lage. Teile der Gemeinde Milower Land könnten die Folgen des Deichbruchs zu spüren bekommen, teilte der Landkreis mit. Man habe Grabendurchlässe geschlossen und verstärke einen Behelfsdeich.

Polderflutung vom Sonntag bringt Entspannung für die Prignitz

Vor allem die Flutung der Polder bei Neuwerben (Havelland) hat die Situation in der Prignitz entschärft. Damit sollte der Scheitel, der Berechnungen zufolge etwa 40 Kilometer lang sein soll, gekappt werden. Die Ableitung des Elbewassers in die Havel ist in der Nacht im Havelland beendet worden, um auch dort die Situation zu entspannen. Das Wasser der Havel wird nun in die noch nicht vollständig gefluteten Polder geleitet. Sie hatten bisher Elbewasser aufnehmen müssen. „Die spannende Frage ist nun, ob man durch die Flutung den gesamten Scheitel erwischt hat”, sagte Wolfgang Brandt, Sprecher des Koordinierungszentrums Krisenmanagement.

Durch das Hochwasser ist der Schienenverkehr weiterhin beeinträchtigt. Infolge eines Deichbruchs bei Fischbeck in Sachsen-Anhalt sperrten die Behörden am Montagmorgen bei Schönhausen eine Eisenbahnbrücke. Züge werden umgeleitet. Betroffen waren am Dienstagmittag neben lokalen Strecken die ICE-Verbindungen Hannover – Berlin, Fulda – Braunschweig – Berlin und Leipzig/Halle – Berlin. Die Bahn informiert aktuell im Internet.

Der Landkreis Prignitz hat wegen des Hochwassers verboten, die Deiche zu betreten. Auch Bußgelder drohen. Polizeibeamte kontrollierten die Einhaltung, teilte Landrat Hans Lange (CDU) am Montag nach der Sitzung des Krisenstabes in Perleberg mit. Katastrophen-Touristen hätten seit Beginn des Hochwassers immer wieder die Arbeit der Einsatzkräfte behindert. Bei der Polderflutung in Quitzöbel behinderten Gaffer die Arbeit der Hilfskräfte. „Mancher Gaffer ist sogar auf die Sandsackwälle gestiegen. Das geht überhaupt nicht”, betonte Lange. 130 Polizeibeamte patrouillierten seit Montag, teilte ein Sprecher mit.

Die Deiche werden streng von der Polizei bewacht. „Die Prignitz ist eine der sichersten Regionen in ganz Brandenburg“, sagte am Dienstag der Polizeichef des Landkreises, Peter Schröder

Bis zum Montag haben die knapp 2.400 Einsatzkräfte in der Prignitz eine Million Sandsäcke befüllt und eingesetzt. Zwischenzeitlich war am Sonntagabend den Helfern der Nachschub in Wittenberge ausgegangen, teilte Prignitz-Landrat Hans Lange (CDU) mit. Daraufhin habe sich Landesinnenminister Dietmar Woidke (SPD) persönlich ans Telefon gesetzt und neue Säcke geordert, sagte Lange in Perleberg. Am Montagmorgen seien dann weitere 300.000 Sandsäcke geliefert worden.

http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/12525699/62249/Rekordhochwasser-in-der-Prignitz-koennte-zehn-Tage-andauern.html

Spitze des Elb-Hochwassers hat die Prignitz erreicht

Veröffentlicht: Juni 11, 2013 von fluthelfer in Prignitz

 Die Spitze des Elb-Hochwassers hat die Prignitz erreicht. „Das Plateau geht jetzt langsam durch“, sagte eine Sprecherin des Krisenstabes am Dienstag in Perleberg. Der Wasserstand zeigte sich zunächst bei einer Höhe um 7,75 Meter in Wittenberge relativ stabil. „Die Situation ist dennoch nicht zu unterschätzen, weil das Wasser sehr lange bei uns stehen wird“, sagte die Sprecherin. Der Landkreis rechnet mit einer Dauer von bis zu zehn Tagen. Die Spitze des Hochwassers soll Berechnungen zufolge etwa 40 Kilometer lang sein.

http://www.rp-online.de/panorama/deutschland/polizisten-retten-81-jaehrigen-aus-der-elbe-1.3459377

Sperrzone

Veröffentlicht: Juni 11, 2013 von fluthelfer in Prignitz

 

Im Landkreis Prignitz gilt ab sofort an Elbdeichanlagen zusätzlich eine ein Meter breite Sperrzone, die nicht betreten werden darf. Das teilte das Landratsamt nach der Sitzung des Krisenstabs in Perleberg mit. Damit soll verhindert werden, dass die teils labilen Sandsackwälle und Dämme beschädigt und instabil werden. Der Scheitel der Elbeflut fließt derzeit durch die Prignitz. Der Pegelstand war mit rund 7,75 Meter in Wittenberge relativ stabil.

http://www.mdr.de/nachrichten/schaeden-durch-dauerregen120.html

 

In der Prignitz ist am Samstag um 8 Uhr die Hochwasserwarnstufe 4 ausgerufen worden – in der Nacht hatte die Elbe einen Wasserstand von 6,70 Meter am Pegel Wittenberge erreicht. Ab dieser Höhe gilt die höchste Alarmstufe. Am Samstagvormittag hatte das Hochwasser in Wittenberge dann bereits die sieben Meter erreicht und lag damit schon 30 Zentimeter über den ursprünglichen Prognosen für diesen Zeitpunkt. Innerhalb von nur 24 Stunden hatte die Elbe einen ganzen Meter Wasser bei Wittenberge draufgepackt.

Etwa 1400 Einsatzkräfte bemühen sich derzeit darum, die Deiche in der Prignitz zu erhöhen und die Region vor dem schlimmsten zu bewahren. „Wir sind ab auf eine Höhe von 8,45 Meter eingestellt“, sagte dazu am Samstagvormittag der Prignitzer Landrat Hans Lange. Die Prognosen waren am Freitag auf einen Hochwasserscheitel von 8,10 Meter nach oben korrigiert worden, der die Prignitz am Montagabend oder am Dienstag passieren soll.

Um diesen Scheitel zu kappen sollen am Sonntag oder Montag die gut 30 Kilometer vor Wittenberge liegenden Havelpolder bei Neuwerben und havelaufwärts geflutet werden, so wie es bereits vor elf Jahren geschehen ist. Laut Brandenburger Umweltministerium werden die Flutungen bereits vorbereitet. Wann genau die Wehre geöffnet werden entscheidet sich, wenn absehbar ist, wann der Hochwasserscheitel die Prignitz passiert. Denn er müsse genau getroffen werden, um ihn tatsächlich kappen zu können, erklärte Hans Lange weiter.  Laut  Bodo Schwiegk vom Landesumweltamt bedeutet dies, dass man  in Rathenow nasse Keller bekomme, wenn nicht mehr. Allerdings warten die Menschen weiter elbabwärts genauso sehnlich auf eine solche Scheitelkappung wie in Wittenberge.

Derzeit fließt die Havel nicht mehr in die Elbe ab. Das Wehr bei Gnevsdorf am Zusammenfluss des Havelvorfluters mit der Elbe wurde geschlossen, weil zunehmend Elbwasser in Richtung Havel gedrängt hatte.

An der Deichbaustelle bei  Garsedow unweit von Wittenberge kommen heute 15 Taucher zum Einsatz, um den Deich von der Wasserseite her abzudichten.

In Wittenberge laufen die Arbeiten zur Sicherung der Deiche ebenfalls auf Hochtouren. Bürgermeister Oliver Hermann rief  die Bürger dazu auf, weiter mitzuhelfen, jede Hand werde nach wie vor gebraucht. Die Stadt kontaktiert Gruppen, die bereits Hilfe angeboten hatten, zum Teil von sich aus, bittet aber auch darum, sich in Wittenberge zu melden.

Das gilt natürlich auch für den Deichabschnitt bei Bälow und im Hinterland bei Weisen, wie Gerald Neu  vom Amt Wilsnack-Weisen betonte. Wer hier helfen möchte, rufe zwischen 8 und 20 Uhr im Amt in Wilsnack unter der Nummer 038791 999-0 an. Er wird von da aus eingewiesen – die Behördenwollen auch die Helfer möglichst kontrolliert an die Deiche lotsen.

Auf MAZ-Nachfrage erklärte Hans Lange, dass das Hochwasser  die Hilfskräfte in der Prignitz mutmaßlich noch gut zehn Tage beschäftigen dürfte, selbst, wenn die Pegel dann bereits die Höchststände überschritten haben. Aber es kommt noch viel Wasser nach. Zwar war im Raum Dresden der Rekordpegelstand von 2002 nicht ganz erreicht worden. Doch sorgen die riesigen Wassermassen, die via Schwarze Elster und Saale gen Elbe fließen, jetzt schon für Rekordwasserstände im Raum Magdeburg, von wo es nur noch etwa 120 Kilometer bis Wittenberge sind.

Auch die Polizei hat die Zahl ihrer Einsatzkräfte entlang der Deiche erhöht. Damit soll verhindert werden, dass Schaulustige und Radfahrer noch auf die Hochwasserschutzwälle gelangen können.  Entlang der Deiche gibt es bereits jetzt umfangreiche Sperrmaßnahmen.

Am heutigen Samstag besuchen der brandenburgische Innenminister Dietmar Woidke und der Landeskommandeur der Bundeswehr das Prignitzer Hochwassergebiet

http://www.maerkischeallgemeine.de

Erste Evakuierungen in der Prignitz

Veröffentlicht: Juni 8, 2013 von fluthelfer in Prignitz

von Claus-Dieter Steyer

Der Pegel der Elbe steigt rasant: In Wittenberge in der Prignitz hat der Katastrophenstab am Abend die Evakuierung von rund 1 500 Einwohnern der Altstadt angeordnet.

In Wittenberge in der Prignitz hat der Katastrophenstab am Abend die Evakuierung von rund 1 500 Einwohnern der Altstadt angeordnet. Damit  reagierten die Behörden auf den rasant steigenden Pegel der Elbe. Er stand um 21 Uhr bei rund 7,50 Meter und übertraf damit sogar den bisherigen Höchststand aus dem Jahre 1880. Da das Wasser unaufhörlich weiter steigt, kann die Sicherheit der Deiche nicht mehr garantiert werden.

Um sie zu entlasten, soll die Mündung der Havel in die Elbe bei Quitzöbel teilweise gesperrt werden. Das würde zu großflächigen Überschwemmungen von landwirtschaftlichen Flächen im Westhavelland bis nach Rathenow führen.

Der Zeitpunkt dafür soll im Laufe des Sonntags bekanntgegeben werden

Quelle: http://www.tagesspiegel.de

Hochwasser-Alarmstufe für die Prignitz

Veröffentlicht: Juni 7, 2013 von fluthelfer in Prignitz

 

Das Hochwasser im Nordwesten Brandenburgs steigt rasant. Neue Prognosen sprechen von über acht Metern. Viel Luft nach oben an den Deichen ist nicht mehr.

Am Prignitzer Elbabschnitt gilt seit Freitagnachmittag die zweithöchste Hochwasser-Alarmstufe. Innerhalb von 24 Stunden ist der Wasserstand um fast einen Meter gestiegen. „Neuste Prognosen des Wasser- und Schifffahrtsamts Magdeburg gehen für Dienstag von über 8 Metern am Pegel Wittenberge aus“, sagte Prignitz-Landrat Hans Lange (CDU) am Freitagnachmittag besorgt. Viel Platz nach oben ist an den Deichen dann nicht mehr.

Seit Mittwoch gilt bereits Katastrophenalarm. „Unsere Anlagen sind auf 7,45 Meter plus einem Meter Reserve ausgelegt“, erklärte der Hochwasserexperte des Landkreises, Bernd Lindow.
Hunderte Helfer arbeiten seit Tagen auf Hochtouren, um die letzten Schwachstellen an den Schutzanlagen zwischen Bälow und Wittenberge zu schließen. „Bis Samstagabend wird von Bälow bis nach Wittenberge alles gesichert sein“, erklärte der Landrat. In der Elbestadt sind bereits die Spundwände aufgezogen und mit mehr als 100 000 Sandsäcken gesichert worden, sagte Bürgermeister Oliver Hermann (parteilos).

2002 bei der Jahrhundertflut wurde am Pegel Wittenberge ein Spitzenwert von 7,34 Meter erreicht. Nur 1888 wurde dieser noch um 10 Zentimeter übertroffen.
Um Entlastung für die Prignitz zu schaffen, will Lange jetzt dem Rat einer Expertenkommission folgen, die Havel-Hochwasserpolder zu öffnen. Damit könnte der schnelle Anstieg der Elbe gemindert werden. „Wir müssen alle Optionen ziehen“, erklärte Lange.

Das Hochwasser-Poldergebiet reicht von der Havelmündung beim Prignitzdörfchen Quitzöbel über Havelberg in Sachsen-Anhalt bis ins havelländische Rathenow. Insgesamt sechs Überflutungsflächen stehen entlang des sogenannten Havel-Schlauchs zur Verfügung, erklärte der Prignitz-Landrat. Im Idealfall können bis zu 140 Millionen Kubikmeter Hochwasser aufgenommen werden.

Bei der Jahrhundertflut 2002 konnte der Elb-Wasserstand so um bis zu 30 Zentimeter gesenkt werden. Lange hofft jetzt auf einen ähnlichen Effekt. Einen Termin, wann die Polderoption gezogen werden soll, steht noch nicht fest. (dpa)

Quelle: http://www.berliner-zeitung.de

 

Prignitz: Hochwasser steigt rasant

Veröffentlicht: Juni 7, 2013 von fluthelfer in Prignitz

 

Am Prignitzer Elbabschnitt gilt seit Freitagnachmittag die zweithöchste Hochwasser-Alarmstufe. Innerhalb von 24 Stunden ist der Wasserstand um fast einen Meter gestiegen. „Neuste Prognosen des Wasser- und Schifffahrtsamts Magdeburg gehen für Dienstag von über 8 Metern am Pegel Wittenberge aus“, sagte Prignitz-Landrat Hans Lange (CDU) am Freitagnachmittag besorgt. Viel Platz nach oben ist an den Deichen dann nicht mehr. Seit Mittwoch gilt bereits Katastrophenalarm.
Meldung von Freitag 7. Juni

Quelle: http://www.nordkurier.de

 

Kreis erklärt Prignitz zum Katastrophengebiet

Veröffentlicht: Juni 6, 2013 von fluthelfer in Prignitz

 

Ich geh’ hier nicht raus“, sagt Karissa Nickel aus Breese. In dem etwas geduckten Haus mit der leuchtend gelben Fassade hat schon ihre Mutter lange ausgeharrt, als 2002 das Hochwasser einen Meter hoch im Keller stand. „Ich träum’ schon nachts von dem schönen Deich, den sie uns versprochen haben“, sagt die Frau. Doch jetzt heißt es erst einmal Sand schippen. Noch nicht direkt in Säcke, denn die sollen erst gebracht werden, aber von der Straße aufs Grundstück, denn wer weiß, ob nicht jemand anders zugreift. Der Stepenitzgrund gehört zu den am tiefsten liegenden Punkten von Breese und ist demnach vom Hochwasser besonders betroffen. Gegen Mittag kommt Bürgermeister Werner Steiner vorbei und deutet an, dass eine Evakuierung nötig werden könnte.

Als problematisch gilt auch der Abschnitt vom Hafen in Wittenberge bis zur Stepenitzbrücke. Dort wurde gestern von Feuerwehrleuten eine Spritzwand errichtet und mit Sandsäcken verstärkt. Sie soll nicht nur das Gelände sichern, sondern verhindern, dass die Fluten in die Innenstadt fließen. Feuerwehrleute aus Wittenberge und anderen Orten der Prignitz, unter anderem aus Meyenburg, dichteten die Führungsschienen ab und setzen dann die Kunststoffelemente ein, die den Hochwasserschutz auf insgesamt 8,99 Meter Höhe heben sollen (wenn man das sogenannte Freibord von einem Meter hinzurechnet). Eine ähnliche Aufgabe kommt den aufgeschütteten Dämmen zu, die etwa das Industriegebiet Süd sichern helfen sollen.

Auf dem Gelände der Alten Ölmühle werden Sandsäcke gefüllt, allein bis gestern Mittag waren es bereits 24 000, wie der Wittenberger Bürgermeister Oliver Hermann mitteilte. Keiner ist zu jung oder zu klein, um zu helfen. Die Schüler der 6. Klasse der Jahn-Grundschule packen mit an. Selbst aus dem knapp 100 Kilometer entfernten Rheinsberg kamen Freiwillige nach Wittenberge.

„Über die Bereitschaft der Bürger mitzuhelfen sind wir sehr erfreut“, sagt der Bürgermeister. Wir brauchen auch jede Hand, denn unsere Feuerwehrleute arbeiten an der Belastungsgrenze.“ Daher forderten Oliver Hermann wie auch die Amtsdirektoren von Bad Wilsnack/Weisen und Lenzen-Elbtalaue die Feststellung des Katastrophenfalls. „So haben wir ganz andere Möglichkeiten, Mittel und Personal anzufordern“, erläuterte der Wittenberger Bürgermeister. Am Nachmittag wurde die Bitte erhört: Landrat Hans Lange stellt den Katastrophenfall fest.

Für den Landkreis und die vom Hochwasser betroffenen Kommunen sind damit deutlich erweiterte Befugnisse verbunden: Damit darf die Hilfe der Bundeswehr angefordert werden. MAZ-Informationen zufolge sind bereits 140 Panzergrenadiere aus Viereck bei Eggesin in der Prignitz. Sie sollen zwischen Bälow und Sandkrug eingesetzt werden.

Unterdessen wurde die Hochwasser-Prognose der Bundesschifffahrtsverwaltung gestern deutlich gesenkt. War vorgestern noch von bis zu 8,20 Metern am Pegel Wittenberge für Sonntag die Rede, nannte der Landkreis in seiner Hochwassermeldung eine Höhe von 7,25 Meter. Die Schifffahrtsverwaltung des Bundes gab als (ungesicherte) Vorhersage für Sonntag 7,39 Meter und 7,59 Meter für Dienstag an. Das ist noch nicht unbedingt ein Grund zum Aufatmen, aber die Aussichten sind vielleicht nicht mehr ganz so düster.

Karissa Nickel und ihre Kinder Bianka und Tony sowie deren Freunde und Bekannte wollten versuchen, das Haus im Stepenitzgrund in Breese mit Sandsäcken zu sichern. Gleiches unternahm die Feuerwehr am Sportplatz und dann im Ort. Am Nachmittag war ganz Breese für den Durchgangsverkehr gesperrt: Es wurden Sandsäcke aufgeschichtet. (Von Andreas König)

Ein neuer Sandsackfüllplatz wird am Donnerstag auf dem Sportplatz des Eisenbahnersportvereins an der Breeser Straße eingerichtet. Der Standort Packhofstraße wird aufgegeben. Bürger können den Sand dort für den Privatgebrauch kostenlos entnehmen.

FREIWILLIGE FEUERWEHREN AUS DEM LANDKREIS HELFEN TATKRÄFTIG AM DEICH

  • Der Kreisfeuerwehrtag , bei dem sich wie gestern angekündigt am Samstag, 8. Juni, in Vettin (Gemeinde Groß Pankow) die Wehren im Wettkampf messen wollten, fällt aus. Alle betreffenden Feuerwehren seien in Bereitschaft, hieß es. Das wurde am Abend des 4. Juni wegen der Hochwasserlage so beschlossen, informierte gestern Ernst Bohusch aus Vettin. Ein neuer Termin für das Kreisfeuerwehrtreffen soll dann bekannt gegeben werden.
  • Der Meyenburger Amtsausscheid findet wie geplant am Sonnabend in Stepenitz statt. Die Stepenitzer Wehr ist wegen ihres 120-jährigen Bestehens dieses Jahr der Gastgeber für den Ausscheid. Laut Meyenburgs Ordnungsamtsleiter Matthias Habermann schickten die Meyenburger Feuerwehren ihre Leute bereits gestern zum Helfen an den Deich. Auch am morgigen Freitag und am Sonntag, 9. Juni, sind sie wieder vor Ort im Einsatz.
  • Die Feierlichkeiten zu 140 Jahre Feuerwehr Putlitz finden nach dem Stand von gestern Nachmittag wie geplant am Freitagabend und am Samstag statt, informierte Putlitz-Berges Amtsdirektor Gerd Ehrke. Das könne sich aber – je nach Lageentwicklung – auch ändern, gab der Amtsdirektor zu bedenken. Laut Amtsbrandmeister Christian Reisinger sind Kräfte aus dem Amtsbereich am Freitag und am Sonntag vor Ort, so dass die Putlitzer am Samstag Zeit zum Feiern haben. Amtsdirektor Ehrke merkte kritisch an, dass wesentlich weniger Arbeitslose in den Feuerwehren aktiv sind als beim letzten Hochwasser. „Wenn es dann um die Arbeitszeit in den Betrieben geht, wird es schwierig“, sagte er. bat

http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/12527776/19287300/Deiche-werden-verstaerkt-Stepenitzgrund-Breese-auf-Evakuierung-eingestellt.html