Archiv für die Kategorie ‘Mühlberg’

Zweimal Glück in Mühlberg

Veröffentlicht: Juli 29, 2013 von fluthelfer in Mühlberg

Das Elbe-Hochwasser vor einigen Wochen richtete in Brandenburg Millionenschäden an. Nur einige Gegenden hatten Glück im Unglück. So hielten zum Beispiel Mühlbergs Deiche dicht. Doch der Ort fürchtet schon die nächste Flut.

Die Tore und Fenster des Bootshauses vom Ruderverein Mühlberg an der Elbe (Elbe-Elster) stehen sperrangelweit offen, sie geben den Blick frei auf die Sportboote. Es ist Freitagmittag, es ist heiß, kein Sportler ist zu sehen. In ein paar Metern Entfernung plätschert die Elbe sanft vorbei. Nichts erinnert an den reißenden Strom und das Hochwasser vor sechs Wochen, das das Bootshaus fast bis zum Dach in den Fluten versinken ließ – als einziges Haus der gesamten Stadt. „Wir müssen noch immer lüften, damit die Feuchtigkeit aus dem Gemäuer zieht“, erklärt der Vereinsvorsitzende Matthias Lohfink die offenen Fenster und Türen.

Auf einem Blechschild an der Hauswand kurz unter dem Dach steht die Zahl 9,98. Knapp zehn Meter hoch stand das Wasser am 17. August 2002. „Diesmal blieb der Pegel neun Zentimeter unter dieser Rekordmarke“, sagt Lohfink. Doch die Schäden für den kleinen Ruderverein seien trotzdem immens. 30.000 Euro kosten neue Wasserleitungen, der neue Putz an den Wänden und die Möbel. „Wir haben nach dem Hochwasser 2002 zwei Fehler gemacht“, erzählt Lohfink. Damals seien für die zerstörte Wasserversorgung Plastikwasserleitungen gelegt worden. „Das war damals der letzte Schrei. Die sind nun natürlich hinüber“, sagt Lohfink. Und Edelputz kam an die Wände. „Dabei ist der nicht atmungsaktiv. Das wussten wir aber nicht.“

Jetzt soll ein Kalk-Zement-Putz angebracht werden, der nach dem nächsten Hochwasser mit einem Kärcher gereinigt werden kann. Die Kosten für die Reparaturen sollen aus Hilfsfonds bezahlt werden, so hofft Lohfink. Am Montag kommt Finanzminister Helmuth Markov (Linke) nach Mühlberg. Mit ihm will Lohfink alles bereden.

Deiche wie Pudding

Der Hafen von Mühlberg hat nach dem Hochwasser von 2002 eine Mauer und eine Spundwand bekommen. Elf Millionen Euro hat das gekostet. Von Luxus- oder Prunkwand sprechen manche Einwohner. „Warum die Spundwand am Ufer nicht weitergezogen wurde, ist mir ein Rätsel“, sagt etwa Bernhardt Zimmer. Er wohnt hinter einem der alten Dämme und bangt bei jeder größeren Flut, dass die teils 200 Jahre alten Schutzanlagen den Druck des Wasser überstehen. „In Mühlberg haben die Dämme wieder gehalten, vermutlich tut sich hier deswegen auch weiterhin nichts“, sagt Zimmer säuerlich.

Vom zweiten Wunder von Mühlberg war die Rede, als die Dämme nach 2002 auch in diesem Jahr den Wassermassen der Elbe widerstanden. Der Ort wurde evakuiert. Unzählige Helfer auch aus anderen Gegenden halfen beim Verfüllen und Verlegen von Sandsäcken. „Eine Woche hat das Hochwasser gestanden und auf die Deiche gedrückt. Die waren weich wie Pudding“, erzählt Bürgermeisterin Hannelore Brendel (parteilos). Sie hat in ihrem Amtszimmer im Rathaus eine große Karte aufgerollt. Das Rathaus liegt vielleicht 200 Meter vom Hafen entfernt. Überhaupt ist hier alles dicht am Wasser gebaut. Idylle pur – wenn der Fluss kein Hochwasser trägt.

Die Karte vor Hannelore Brendel zeigt den Verlauf der Elbe um Mühlberg herum und die Schutzanlagen. Die roten Punkte seien Schadstellen im Deich, erklärt die 56-Jährige. Viel rot ist auf der Karte zu sehen. „Wenn das Hochwasser so kurz hintereinander auftritt, dann kommt man schon ins Grübeln“, sagt Brendel. Denn nach 2002 bangten die Mühlberger auch 2006 mit jedem Zentimeter, den der Pegel der Elbe zulegte. Vor sieben Jahren stiegen die Wassermassen nicht so bedrohlich, wie zunächst gefürchtet.

Hannelore Brendel erzählt von einer Studie, die ein unheilvolles Szenario zeichnet. „Wenn die Deiche in Mühlberg brechen, dann steht der halbe Landkreis Elbe-Elster unter Wasser, und ein Teil von Sachsen ist weg.“ Brendel sagt, sie wolle sich stark machen dafür, dass die Dammsanierung endlich vorankomme. Ursprünglich sollte 2017 alles fertig sein. „Der Termin steht jetzt bei 2020“, sagt die Bürgermeisterin. „Das hält der Deich niemals aus.“

Gleich neben dem Rathaus steht „Gudrun’s Imbiß“, seit 23 Jahren eine Institution in der Stadt. Gudrun Hebert steht in weißer Kittelschürze hinter dem Tresen ihres Wagens und verkauft kalte Getränke, Kaffee, Würstchen, Nudeln mit und ohne Gulasch und Schnitzel mit Bratkartoffeln oder Pommes. Die Radtouristen, die an der Elbe entlangfahren, sind längst wieder da und machen Halt an der Bude.

Wie alle Mühlberger musste auch Gudrun Hebert weg, als das Wasser kam. Den Imbisswagen brachte sie zu einem Bekannten auf ein höher gelegenes Grundstück. „Vier Tage war ich bei meinen Kindern“, sagt die 59-Jährige. Das war keine Erholung. „Ich hatte Angst, dass die Deiche diesmal nicht halten. Wir haben ein Fachwerkhaus, da wäre alles weggespült worden.“ Auch sie denkt, dass die Deichsanierung nun endlich schnell gehen müsse. „Ein drittes Wunder wird es nicht geben.“

Quelle: berliner-zeitung.de

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Aufräum-Arbeiten in Mühlberg beginnen

Veröffentlicht: Juni 11, 2013 von fluthelfer in Mühlberg

Die Hochwasserlage an der Elbe im Norden Brandenburgs hat sich in der Nacht zum Dienstag zwar nicht verschärft. „Aber die Situation ist weiter ernst“, sagte Wolfgang Brandt, Sprecher des Koordinierungszentrums Krisenmanagement.

Aufräumen in Mühlberg

In der südbrandenburgischen Elbestadt Mühlberg haben die Aufräumarbeiten begonnen. Grundstücksbesitzer schafften die Sandsäcke zum Schutz der Häuser wieder weg, wie die Stadtverwaltung am Dienstag mitteilte. Nachdem am Montag die Evakuierung der 4200-Einwohner-Stadt aufgehoben wurde, seien die Bewohner zurückgekehrt. Die drei Kindergärten hätten wieder geöffnet. Die Grundschule allerdings bleibe wegen Grundwassers in den Toiletten geschlossen.

Der Wasserstand war dort nach Angaben des Landesumweltamtes bis Dienstagmittag auf 8,14 Meter gefallen. Deshalb wollte das Lagezentrum den vor einer Woche für Mühlberg ausgerufenen Katastrophenalarm und die höchste Alarmstufe 4 am Dienstag um 15.00 Uhr aufheben. Die Kirchengemeinde Mühlberg lud für Mittwochabend zum Dankgottesdienst in die Frauenkirche ein.

Pegel der Spree steigt wieder

Die Wasserstände der Spree sind nach starken Regenfällen im Lausitzer Oberlauf wieder gestiegen. Am Pegel Spremberg (Spree-Neiße) wurde Dienstagmorgen mit vier Metern erneut der Richtwert für die höchste Alarmstufe 4 erreicht, wie Wolfgang Genehr vom Landesumweltamt in Cottbus sagte. Er rechnete mit dem Durchlauf des Scheitels für den Abend. In Cottbus stiegen die Wasserstände nach den Regenfällen vom Wochenende ebenfalls wieder leicht an, sie blieben aber innerhalb der Alarmstufe 1. Ausgerufen bleibt jedoch die Stufe 3, um auch überregionale Helfer einsetzen zu können. Die Hochwasser der Spree soll Ende Juni in abgeschwächter Form Berlin erreichen.

Stagnierende Pegel, aber Hochwasser-Plateau

Trotz gesunkenen Wasserspiegels der Elbe am Pegel Wittenberge bleibt die Hochwasserlage in der Prignitz angespannt. „Wir liegen am Dienstag bei 7,75 Meter und diese Höhe soll auch die kommenden zwei bis drei Tage so bleiben“, sagte Bodo Schwiegk vom Landesumweltamt nach der Sitzung des Krisenstabes am Dienstag in Perleberg. Es habe sich ein Hochwasser-Plateau ausgebildet. Das bedeutet, dass über mehrere Tage das Wasser auf hohem Niveau bleibe, anders als bei einem Hochwasserscheitel.

Scheitelpunkt am Mittag in Wittenberge erwartet

Am Morgen wurden nach Angaben des Krisenstabes in Wittenberge (Prignitz) am Pegel nur noch 7,75 Meter Wasser gemessen. Der Höhepunkt der Flut soll Wittenberge am Mittag erreichen. Nach Berechnungen der Behörden könnte ein historischer Höchstwert von 8,20 Meter erreicht werden. Der Mittelwert des Wasserstandes liegt dort bei 2,77 Metern. Telefonhotline zum Hochwasser Hochwasserbetroffene in Brandenburg können sich von diesem Mittwoch an mit ihren Fragen zu Versicherungsschutz und Schadensbeseitigung kostenlos bei den Verbraucherzentralen beraten lassen. Unter der Nummer 0800 / 100 37 11 sind wochentags zwischen 9 und 16 Uhr Experten zu erreichen. Im Internet finden Betroffene über http://www.vzb.de/hochwasser dann auch weitere Informationen und Ratschläge. Die Telefonhotline schalten die Brandenburger Verbraucherschützer in Kooperation mit den Verbraucherzentralen in anderen Bundesländern

Polder werden mit Havelwasser geflutet

Seit der Nacht zum Dienstag fließt das Wasser der Elbe nicht mehr in die Havel, seit das Flutungswehr der Havel bei Neuwerben (Havelland) geschlossen worden ist. Bisher war Elbewasser abgelassen worden, um die Hochwasserlage im Norden Brandenburgs, vor allem bei Wittenberge (Prignitz), zu entspannen. Dieses Ziel sei erreicht worden, teilte das Landsratsamt in Rathenow mit. Jetzt wird das Wasser der Havel in die dafür Polder geleitet. Da dies aber deutlich langsamer erfolge als beim Wasser aus der Elbe, werde mit keiner zunehmenden Gefährdung der Orte an der Havel gerechnet.

Weiter Verspätungen auf ICE-Strecken

Die Sperrung einer Elbbrücke bei Schönhausen in Sachsen-Anhalt sorgt weiter für Verspätungen im Fernbahnverkehr. Betroffen sind die ICE-Verbindungen Berlin-Köln und Berlin-Frankfurt am Main. Wegen der Umleitungen kann es zu Verspätungen von bis zu drei Stunden kommen. Wie lange die Sperrung der Brücke dauern werde, sei noch nicht abzusehen, sagte ein Bahnsprecher. Die Bahn habe darauf mit Ausnahmeregelungen reagiert: Bis 23. Juni werden die Kosten für Fahrkarten und Reservierungen bei Verspätungen oder Ausfällen erstattet, wenn Reisende die Fahrt nicht antreten möchten. Weitere Informationen gibt es auf der Internet-Seite der Deutschen Bahn.

3000 Helfer in der Region

Am Montag waren etwa 1800 der landesweit mehr als 3000 Helfer in der Region, um Deiche zu verstärken. Die Bundeswehr stockte die bislang 120 Mann starke Helfer-Truppe auf 600 auf, teilte das Innenministerium mit. Weitere Kräfte könnten noch hinzukommen, wenn am Dienstagmittag der Scheitelpunkt der Flut erreicht werden wird. Personelle Reserven stehen laut Brandt in Bereitschaft. Der Krisenstab befürchtet auch, dass das Hochwasser noch mindestens zwei Tage andauern wird. Dadurch könnte es immer noch zu durchfeuchteten oder brechenden Deichen kommen. Laut Brandt liegt der Wasserstand weiter deutlich über dem Hochwasser des Sommers 2002. Am Montagabend wurde im Landkreis Havelland ein rund 3,5 Kilometer langer Notdeich fertiggestellt, der seit den Morgenstunden errichtet worden war. Er soll als Schutz gegen das Wasser dienen, das seit dem Bruch des Elbdeichs bei Fischbeck in Sachsen-Anhalt ins Hinterland strömt.

Aufräumen in Mühlberg

In Mühlberg haben an der Elbe dagegen bereits die Aufräumarbeiten begonnen. Grundstücksbesitzer schafften die Sandsäcke zum Schutz der Häuser wieder weg. Die drei Kindergärten sind wieder geöffnet. Die Grundschule allerdings bleibt wegen Grundwassers in den Toiletten geschlossen. Die 160.000 Sandsäcke an den Elbedeichen sollen vorerst liegenbleiben, sagte eine Rathaus-Sprecherin. Die Elbe bildet im Raum Mühlberg auf 17 Kilometern Länge die Landesgrenze von Brandenburg und Sachsen. Der Wasserstand war dort nach Angaben des Landesumweltamtes bis Dienstagmittag auf 8,14 Meter gefallen. Deshalb wollte das Lagezentrum den vor einer Woche für Mühlberg ausgerufenen Katastrophenalarm und die höchste Alarmstufe 4 am Dienstag um 15.00 Uhr aufheben. Die Kirchengemeinde Mühlberg lud für Mittwochabend zum Dankgottesdienst in die Frauenkirche ein.

http://www.bz-berlin.de

Stadt Mühlberg

Veröffentlicht: Juni 10, 2013 von fluthelfer in Mühlberg

Die Einwohner aus der vom Elbe-Hochwasser bedrohten Stadt Mühlberg können in ihre Häuser zurück. Landrat Christian Jaschinski (CDU) entschied am Montag mit dem Krisenstab, die Evakuierung der Stadt ab 15.00 Uhr aufzuheben, teilte die Kreisverwaltung in Herzberg mit. An den Notunterkünften werden  Busse für den Rücktransport bereitgestellt, hieß es. Der Katastrophenalarm in der Stadt bleibe aber bestehen, betonten die Verantwortlichen. Etwa 80 Prozent der rund 4230 Einwohner hatten zum Wochenende ihr Zuhause verlassen.

http://www.haz.de/Nachrichten/Panorama/Uebersicht/Tausende-nach-Deichbruch-in-Fischbeck-evakuiert

Menschen können nach Mühlberg zurück

Veröffentlicht: Juni 10, 2013 von fluthelfer in Mühlberg

 

Die Einwohner der vom Elbe-Hochwasser bedrohten Stadt Mühlberg können in ihre Häuser zurück. Die Evakuierung der Stadt wird ab 15.00 Uhr aufgehoben, teilt die Kreisverwaltung in Herzberg mit. An den Notunterkünften werden Busse für den Rücktransport bereitgestellt. Der Katastrophenalarm in der Stadt bleibt aber bestehen. Etwa 80 Prozent der rund 4230 Einwohner hatten zum Wochenende ihr Zuhause verlassen.

 

http://www.n-tv.de/panorama/16-07-Hohengoehrener-Elbdeich-wird-aufgegeben-article10747971.html

Die Mühlberger glauben langsam an den „Boss da oben“

Veröffentlicht: Juni 10, 2013 von fluthelfer in Mühlberg

 

Einige Mühlberger in der Tröbitzer Turnhalle, die als Notquartier hergerichtet ist, haben ihre dritte Nacht hinter sich – als am Samstag plötzlich Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) in Begleitung von Elbe-Elster-Landrat Christian Jaschinski (CDU) und ihrer Bürgermeisterin Hannelore Brendel (parteilos) vor ihnen steht und wissen will, wie es ihnen im Notquartier ergeht. Etwa 60 Mühlberger schlafen gegenwärtig in fremden Betten in Tröbitz, weitere 20 in Schönborn. Die eingerichteten zusätzlichen 40 Kuschelstätten im Rückersdorfer Kindergarten werden nicht benötigt. Die meisten, die aus ihrem Zuhause raus mussten, haben Unterschlupf bei Bekannten und Freunden gefunden.

Versorgt werden die Hochwasser Geplagten liebevoll. Das Mittagessen kocht der DRK-Verpflegungstrupp aus Schönborn, mit frischen Salaten und leckerem Kuchen warten viele freiwillige Helfer auf. Und dennoch sind vor allem ältere Leute aufgewühlt. „Die 100 Jahre waren aber schnell um“, debattieren einige, die schon beim so genannten „Jahrhunderthochwasser“ 2002 aus Mühlberg und aus den angrenzenden Orten vor der Flut flüchten mussten.

Eine sichtlich nervöse Frau aus Mühlberg, die nach ihrer Evakuierung in der Turnhalle in Tröbitz untergebracht ist, fällt Polizeisprecherin Ines Filohn auf. Sie berichtet, dass sie ihre Katze zu Hause lassen musste. Und eine Fichtenbergerin: „Ich habe meine Medikamente vergessen.“ Ines Filohn zögert nicht lange, „packt“ beide Frauen ins Auto und fährt mit ihnen nach Mühlberg.

Sie, die schon 2002 in Mühlberg die Medienarbeit der Polizei koordinierte, kennt die Gefühle der Menschen. „Während junge Leute das alles mitunter noch als Abenteuer verstehen, werden bei Älteren Erinnerungen an Vertreibung und Krieg wach.“ Unterwegs lotst die Polizeisprecherin noch eine Familie zur 90-jährigen Mutter, die nun auch in Sicherheit gebracht werden soll.

Schnell sind Katze „Mietzi“ und die Medikamente an Bord. Ines Filohn entschließt sich zu einem besonderen Schritt: „Wir sind noch an den Damm bei Borschütz gefahren. Die Frauen waren gerührt von dem, was sie gesehen haben. Wenn sie nun im Evakuierungslager berichten, wie sich die Einsatzkräfte zur Rettung ihrer Heimat den Arsch aufreißen, wird das auch für Beruhigung bei den Evakuierten sorgen“, erklärt die Polizistin die menschliche Komponente der Hochwasser-Situation.

Bis Sonntag früh um 3 Uhr haben Hunderte Soldaten, Feuerwehrleute, das Technische Hilfswerk und viele Freiwillige gekämpft, um drei sehr schwierige Deichabschnitte der Elbe bei Mühlberg zu stabilisieren. „Die Männer haben bis zur Brust in der Knete gestanden, Sandsäcke weitergereicht und Faschinen gebaut. Da kriegst du lange Arme“, sagt Ines Filohn. Rettungstaucher haben Folien am Deich gezogen. Zuvor ist bei Borschütz durch die schlammige Wiese eine 500 Meter lange Straße aufgeschottert worden. 10 000 Tonnen Kies wurden an die gefährlichen Abschnitte nahe der Elbestadt gekarrt.

Als am Samstagnachmittag auf sächsischer Seite noch ein heftiges Gewitter niedergeht, Mühlberg aber verschont bleibt, meint Atheistin Ines Filohn angesichts haltender Dämme und dem „Wunder von Mühlberg 2002“, als eine Hochwasserkatastrophe beim Pegel von 9,98 Metern abgewendet werden konnte: „Mühlberg muss einen Draht zum Boss da oben haben.“

http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/ziel/62249/DE/

Helden im Hochwasser-Einsatz

Veröffentlicht: Juni 9, 2013 von fluthelfer in Mühlberg

 

Feuerwehrleute und Wasserretter aus dem Landkreis Dahme-Spreewald helfen seit Tagen in den Hochwasser-Gebieten. Gestern Abend wurde die von Klaus Speiler geleitete Katastrophenschutz-Einheit im brandenburgischen Mühlberg von Feuerwehrleuten aus dem Nachbarkreis Teltow-Fläming abgelöst. Fast zur gleichen Zeit trat die 13-köpfige Sonderrettungsgruppe Wasserrettung des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) den Rückmarsch von Bernburg nach Königs Wusterhausen an.

In Mühlberg an der Elbe war der von Klaus Speiler befehligte Katastrophenschutz-Zug seit Donnerstagabend 24 Stunden ohne Schlaf im Einsatz. Mehrere Stellen, an denen das Wasser bereits durch den Deich sickerte, wurden mit Sandsäcken abgedichtet. „Allein in der Nacht haben wir rund 10 000 Sandsäcke verbaut“, so Speiler.

Tagsüber brannte die Sonne unerbittlich auf die Feuerwehrleute herab. Schweißgebadet transportieren sie kiloschwere Sandsäcke über unwegsames Gelände, die von Hand zu Hand zum Deich gereicht wurden. Schulter an Schulter mit Mühlberger Kameraden, die in unmittelbarer Nähe wohnen. „Diese Nähe zu Feuerwehrkameraden, die um ihr Hab und Gut bangen, war für uns Motivation genug.“

Gegen 17.30 Uhr sackten ganz in der Nähe völlig durchnässte Deichstücke auf einer Länge von 1250 Metern ab. Eine Stunde später traf die Ablösung ein. „Es ist Wahnsinn, was alle 120 Kameraden geleistet haben. Dafür möchte ich allen danken“, so Speiler: „Hoffentlich trägt unsere Hilfe dazu bei, dass der Deich nicht bricht.“

„In der Not haben alle zusammengehalten“, schildert ASB-Wasserretter Sascha Swade seine Eindrücke nach dem Einsatz in Bernburg (Sachsen-Anhalt). Die mit Rettungsbooten, Rettungstransportwagen und Krankenwagen ausgestatteten Helfer kämpften seit Mittwoch in der Kleinstadt gegen die Wassermassen der Saale an. Ein Rettungsboot wurde genutzt, um mit der Polizei Streife zu fahren. Bis in die Abendstunden wurden Familien und deren Haustiere aus ihren überschwemmten Häusern befreit, während der Pegel der Saale immer weiter stieg.

Gemeinsam mit Einwohnern und Feuerwehrkameraden aus Bremen schleppten die Samariter auch nachts Sandsäcke zur Flutbrücke, die verteidigt werden musste, um eine Überschwemmung der Talstadt zu verhindern. „Unser Damm hielt, aber an anderen Stellen brachen die Sandsackdeiche, so dass das Wasser die Stadt flutete“, berichtet ASB-Einsatzleiter Sascha Swade. Donnerstag ging es nach nur wenigen Stunden Schlaf weiter. Die Pegelstände stiegen. Es galt, Sandsäcke zu schleppen, deren Transport zu koordinierten und die provisorischen Dämme zu sichern. Dann kam die Bitte, den Bernburger Tierpark zu evakuieren. Mehrere Ziegen, Vögel und sieben Lamas wurden vom ASB gerettet.

http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/ziel/19287264/DE

Einige harren aus in der Geisterstadt Mühlberg

Veröffentlicht: Juni 9, 2013 von fluthelfer in Mühlberg

von Sandra Dassler

Fast alle Einwohner haben Mühlberg aufgrund des Hochwassers verlassen. Nur einige wenige harren aus und hoffen, dass die Pegel weiter sinken. Ein Besuch in einem verrammelten Ort, der einer Geisterstadt gleicht.

Verlassen liegt die Schloßstraße von Mühlberg in der Mittagssonne, die langsam dunklen Gewitterwolken weichen muss. Die Jalousien aller Häuser sind geschlossen, vor den Türen türmen sich Sandsäcke, die Stille in der Geisterstadt wird nur vom Dröhnen eines Hubschraubers unterbrochen, der die Deiche entlang der Elbe abfliegt.

Nur der Pferdefleischer wohnt noch in der Schloßstraße. Peter Christen hat zwar seine Familie vor der drohenden Überflutung in Sicherheit gebracht, er selbst ist aber einer der wenigen Mühlberger, die dem Evakuierungsaufruf nicht gefolgt und in der Stadt geblieben sind. „Ich habe sehr viel Fleisch in meinen Kühlhäusern gelagert“, sagt er: „Wenn die Deiche brechen und das Wasser kommt, würde hier sofort der Strom abgeschaltet werden und alles verderben.

“ Deshalb hat sich Christen ein Notstromaggregat besorgt. Immerhin hat er die nach dem Krieg von seinem Großvater gegründete Pferdefleischerei schon über das Jahrhunderthochwasser von 2002, die Flut von 2006, den Tornado 2010 und sogar den Pferdefleischskandal gerettet. Letzterer habe ihm zumindest nicht geschadet, sagt Peter Christen: „Warum auch? Pferdefleisch ist gesund.“ Christen hat keine Angst vor dem Wasser. Sein Haus ist stabil, er wohnt im 2. Stock, bis dahin wird es nicht steigen. Außerdem ist er inzwischen etwas optimistischer. Schließlich fallen die Pegel.

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Hochwasser in Brandenburg Einige harren aus in der Geisterstadt Mühlberg

09.06.2013 10:24 Uhrvon

Das Gelände eines Bootshauses an der Elbe ist in Mühlberg (Brandenburg) bereits überflutet. Foto: dpa
Das Gelände eines Bootshauses an der Elbe ist in Mühlberg (Brandenburg) bereits überflutet. – Foto: dpa

Fast alle Einwohner haben Mühlberg aufgrund des Hochwassers verlassen. Nur einige wenige harren aus und hoffen, dass die Pegel weiter sinken. Ein Besuch in einem verrammelten Ort, der einer Geisterstadt gleicht.

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Verlassen liegt die Schloßstraße von Mühlberg in der Mittagssonne, die langsam dunklen Gewitterwolken weichen muss. Die Jalousien aller Häuser sind geschlossen, vor den Türen türmen sich Sandsäcke, die Stille in der Geisterstadt wird nur vom Dröhnen eines Hubschraubers unterbrochen, der die Deiche entlang der Elbe abfliegt.

Nur der Pferdefleischer wohnt noch in der Schloßstraße. Peter Christen hat zwar seine Familie vor der drohenden Überflutung in Sicherheit gebracht, er selbst ist aber einer der wenigen Mühlberger, die dem Evakuierungsaufruf nicht gefolgt und in der Stadt geblieben sind. „Ich habe sehr viel Fleisch in meinen Kühlhäusern gelagert“, sagt er: „Wenn die Deiche brechen und das Wasser kommt, würde hier sofort der Strom abgeschaltet werden und alles verderben.

“ Deshalb hat sich Christen ein Notstromaggregat besorgt. Immerhin hat er die nach dem Krieg von seinem Großvater gegründete Pferdefleischerei schon über das Jahrhunderthochwasser von 2002, die Flut von 2006, den Tornado 2010 und sogar den Pferdefleischskandal gerettet. Letzterer habe ihm zumindest nicht geschadet, sagt Peter Christen: „Warum auch? Pferdefleisch ist gesund.“ Christen hat keine Angst vor dem Wasser. Sein Haus ist stabil, er wohnt im 2. Stock, bis dahin wird es nicht steigen. Außerdem ist er inzwischen etwas optimistischer. Schließlich fallen die Pegel.

Das hören auch Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck und Innenminister Dietmar Woidke (beide SPD) gern. Sie sind am Samstagnachmittag nach Mühlberg gekommen, leger in Jeans und Hemden, um sich die Lage erklären zu lassen. Hier in Mühlberg selbst sei alles zur Zeit ganz in Ordnung, sagt der Landrat des Landkreises Elbe-Elster, Christian Jaschinsky (CDU). Problematischer sei es ein Stück flussaufwärts zwischen Borschütz und Gaitzsch. Dort drohe der Deich zu brechen, die Bundeswehr hat schon 25 000 Sandsäcke abgeworfen, am Freitag haben Taucher Folie verlegt, an diesem Sonnabend sind bereits wieder 10 000 Tonnen Kies für eine Behelfsstraße angefahren worden.

„Es ist unglaublich toll, wie schnell und reibungslos die 700 Helfer hier in den vergangenen Tagen gearbeitet haben“, lobt der Ministerpräsident, will aber nicht zu früh Entwarnung geben. Auch Innenminister Dietmar Woidke bleibt vorsichtig: „Derzeit sieht es nach etwas Entspannung aus“, sagt er: „Aber das kann sich schnell ändern.“ Immer wieder schauen Politiker und Helfer nach oben. Als ob der Süden Brandenburgs mit dem Hochwasser nicht schon genug gestraft wäre, zogen am Sonnabend mehrere Gewitterfronten mit zum Teil ergiebigem Regen über Spree und Neiße in der Lausitz und das Elbe-Elsterland. „Im 15 Kilometer entfernten Bad Liebenwerda soll es regnen“, sagt Mühlbergs Bürgermeisterin Hannelore Brendel: „Wenn starker Regen auf die aufgeweichten Deiche prasselt, könnte das für einige Stellen der Todesstoß sein.“

Bricht der Deich flussaufwärts, wären die kleinen Ortschaften Borschütz und Fichtenberg nicht mehr zu retten. Zwar wurden auch sie vorsorglich evakuiert, aber nicht alle Einwohner sind einsichtig. „Wir können niemanden zwangsweise aus seiner Wohnung tragen“, sagt Polizeisprecherin Ines Filohn: „Es ist schon unverantwortlich, wie sich manche Bürger verhalten.“ Zumal die Polizei inzwischen jenen Einwohnern, die ihr Vieh zurücklassen mussten, Passierscheine ausstellt, damit sie zum Füttern in ihre Häuser und Ställe können. Etwa 150 Mühlberger dürften noch in der Stadt sein, schätzen die Einsatzkräfte. Sorgen machen sie sich um ältere Menschen, die im Zweifel auch noch die Retter in Gefahr bringen

Man kennt das aus anderen Städten, die überflutet wurden. Im sächsischen Meißen mussten Polizisten und Mitarbeiter des DLRG einen Mann aus seiner Wohnung holen, dem schlecht geworden war. Dort waren nach der Überflutung der Innenstadt Telefone und Strom abgeschaltet worden, so dass Handys früher oder später nicht mehr funktionierten. Die verbleibenden Bürger waren aufgefordert worden, weiße Laken aus den Fenstern zu hängen, wenn sie gerettet werden wollten

So weit ist es in Mühlberg glücklicherweise noch nicht – im Gegenteil, sagt der Leiter des Landesumweltamts, Matthias Freude: „16 Zentimeter ist das Wasser seit gestern zurückgegangen, das ist doch was.“ Dennoch müssen die Einwohner noch einige Tage warten, bis sie zurückkönnen. Schäden wird es in jedem Fall viele geben, in einigen Häusern sind die Keller voll Grundwasser gelaufen. Ein Mühlberger hat am Sonnabend schnell noch seinen Keller ausgeräumt. „Ich bin bei der Feuerwehr“, sagt er: „Deshalb konnte ich schnell mal in mein Haus.“

Quelle: http://www.tagesspiegel.de

Lage in Mühlberg

Veröffentlicht: Juni 8, 2013 von fluthelfer in Mühlberg

 

An der Elbe in Mühlberg ist die Hochwassersituation nach Angaben der Kreisverwaltung Elbe-Elster am Nachmittag unverändert angespannt. Nach wie vor wird im Einsatzabschnitt 1 auf einer Länge von 150 Metern an einem Deichabschnitt gearbeitet, um ihn zu stabilisieren. Dort hatte es zwischen Borschütz und Gaitschhäuser eine Böschungsrutschung gegeben. Im Laufe des Tages wurden deshalb 6.000 Tonnen Kies an die Stelle transportiert.

http://www.torgauerzeitung.com

Viele Menschen verlassen schweren Herzens ihr Heim, andere bleiben

Veröffentlicht: Juni 8, 2013 von fluthelfer in Mühlberg

 

Die Zufahrtswege sind von der Polizei abgeriegelt. In Weinberge hat die Einsatzleitung Stellung bezogen. Die Bundeswehr rückt mit weiteren Fahrzeugen an. Schwimmpanzer stehen auf dem Gelände der Agrargenossenschaft. Am Ortseingang versammeln sich Feuerwehren aus vielen Teilen der Republik. Die Supermärkte sind noch geöffnet und der Parkplatz steht voller Autos.

In der Innenstadt bietet sich ein anderes Bild: Der Weg durch die engen Gassen des Städtchens ist frei. Vereinzelt räumen Bewohner Taschen, Beutel und Katzenkörbe in ihre Autos. Noch am Tag zuvor herrschte hier ein Durcheinander. Autos, teils mit fremden Kennzeichen, drängten sich durch die Straßen. Volle Sandsäcke wurden geliefert und vor den Kellerfenstern gestapelt. Gestern 10 Uhr läuft die Evakuierung seit 17 Stunden. Die Stadt scheint verlassen – fast.

Pater Alois hilft. Der Mann aus dem Kloster ist neu in der Stadt. Als Notfallseelsorger geht er nun durch die Straßen. „Wir laufen von Haus zu Haus, klingeln und fragen, ob jemand Hilfe braucht“, sagt der Süddeutsche. Dass ihn seine neue Heimat in einer solchen Lage braucht, habe er nicht gedacht. „Wir vergessen niemanden“, sagt er, als die Polizei vorbeifährt und seine Worte im Hall der Lautsprecherdurchsage untergehen. Die Busse würden um 14 Uhr das letzte Mal aus der Stadt fahren. Viele Türen öffnen sich nicht mehr. „Die Leute sind schon evakuiert. Sie haben sich vorbereitet. Aber das Zuhause verlassen zu müssen, ist schmerzhaft“, sagt der Geistliche.

In der Schlossstraße öffnet sich eine Tür. Karl Pfeifer tritt auf die Straße. „Ich muss doch meine Hühner noch versorgen. Hier ist kein Nachbar mehr, der aufpassen könnte. Aber die Tasche ist gepackt.“ Er werde zur Verwandtschaft nach Altenau gehen. „2002 war es hier nicht so aufregend. Die Deiche sind doch durchweicht. Hoffentlich halten sie“, sagt Karl Friedrich. Ein kurzer Plausch und Pater Alois verabschiedet sich. Seine Runde ist zu Ende.

Indessen kommt eine Gruppe junger Helfer am Stadthafen zusammen. Die Freiwillige Feuerwehr geht den provisorisch gesicherten Deich ab. „Alles in Ordnung“, sagt Jörg Müller. Claudie Theilemann steht in der Nähe. Ihr Hund Dexter watet am überfluteten Ufer, hinterlässt Fußabdrücke. „Ich wollte noch einmal den Pegelstand sehen, bevor ich nach Oschatz muss. Wenn ich aus meiner Stadt bin, kommen die Emotionen hoch. Man ist nur beruhigt, wenn man hier steht und sieht, dass alles in Ordnung ist“, sagt die Mühlbergerin, lässt ihren Hund in ihren VW-Käfer springen und fährt.

Bei der Familie Könitz räumt Lucie das Geschirr hoch. Auf dem Herd dampft der Kartoffeltopf, auf dem Tisch steht ein Schälchen Quark. Herbert Könitz: „Wir haben damals über die Spundwände geschimpft. Aber jetzt sind wir froh, dass wir sie haben.“ Er wolle noch bleiben. „Ich bin hier geboren, in der Elbstraße wohnen wir seit 1973. „Wir haben oft Wasser im Keller, aber die Angst, dass der Deich bricht, bleibt.“

Auf dem Deich, gleich hinter seinem Haus, sitzt Christoph Nawroth. „Wir bleiben. 2002 mussten wir raus und es ist nichts passiert“, sagt er. Sein Vater Helmut fügt hinzu: „Der Damm ist sicher. Es hat mich gefreut, dass besonders Jugendliche von Anfang an der Feuerwehr geholfen haben.“ Karl-Michael Kramer hat seine Tischlerei unweit vom unsanierten Deich entfernt. „Wir bleiben“, sagt auch sein Vater Karl. „Mühlberg ist es doch wert zu bleiben.“

Auch Nachbar Jörg Diecke räumt noch im Haus die Wertsachen in obere Stockwerke. Er wolle noch bleiben. „Ich habe doch ein Boot im Hof“, scherzt er. Die Vorfahren hätten mit dem Hochwasser gelebt und gebaut, sagt er nun ernster. „Die Wände meines Hauses sind aus Bruchstein und sehr dick. Wenn der Keller, wie jetzt vollläuft, strömt das Wasser nicht ins Haus, sondern aus den Kellerfenstern.“ Nebenan rollt die Bundeswehr an, bringt Sandsäcke für den Deich. Hubschrauber fliegen über der Stadt. Große Säcke werden angeflogen, Schiffe sichern den aufgeschwemmten Deich von der Elbseite.

Fast 30 Kilometer entfernt von der Heimat sitzt Wolfgang Frase in der Turnhalle Tröbitz, die als Notquartier mit 160 Schlafplätzen hergerichtet wurde. Auch in der Sporthalle Schönborn werden 40 Plätze angeboten. 50 Mühlberger haben sich in den Notquartieren eingefunden. Frase musste nicht lange überlegen, ob er sein Haus in Mühlberg, 600 Meter vom Elbufer entfernt, verlässt, um sich und seinen Hund in Sicherheit zu bringen. „Es ist Katastrophenalarm. Das heißt für mich, man muss den Weisungen folgen“, sagt er. Er denkt weiter: „Würde ich ausharren und müsste dann aufwendig gerettet werden, vielleicht sogar mit Hubschrauber, wird’s richtig teuer, weil ich das selbst bezahlen müsste.“ Sein Arbeitgeber hat ihn zwei Tage freigestellt. Gemeinsam mit einem Klempner hat Frase in seinem Haus alles gesichert. „Die paar Tage kommen wir schon hin.“ Er hofft wie alle, dass er bald wieder nach Hause ka

Quelle: http://www.maerkischeallgemeine.de/

Elbestadt Mühlberg (Elbe-Elster)

Veröffentlicht: Juni 8, 2013 von fluthelfer in Mühlberg

 

10.39 Uhr: Drei Viertel der Einwohner haben wegen des Hochwassers die Elbestadt Mühlberg (Elbe-Elster) bis Sonnabendvormittag verlassen. Die Evakuierung des Ortes mit rund 4230 Einwohnern war nach Ausrufung des Katastrophenfalles angeordnet worden. Nach Angaben des zuständigen Dezernenten für Recht, Ordnung und Sicherheit des Landkreises, Dirk Gebhard, kam ein großer Teil der Betroffenen bei Bekannten, Verwandten und Freunden unter. 57 Menschen verbrachten die Nacht in den Notunterkünften, 52 sind in derzeit in Altersheimen und Pflegeeinrichtungen untergebracht. Einige Bürger wollten trotz Warnung weiter in ihren eigenen vier Wänden bleiben.

 

Im Hochwassergebiet um Mühlberg haben Hunderte Helfer unterdessen den Deich weitestgehend stabilisiert, die Arbeiten werden aber fortgesetzt. Die Experten rechnen nicht damit, das sich die Situation ohne deutlich sinkende Pegelstände verbessern wird. Knapp 700 Einsatzkräfte verschiedener Einrichtungen und Organisationen sind im Einsatz.

 

In Bad Liebenwerda und Herzberg an der Schwarzen Elster entspannt sich die Lage langsam. Für beide Orte gilt nun die Alarmstufe 3 – Tendenz fallend. Im Herzberger Ortsteil Arnsnesta konnten Feuerwehrleute sowie Helfer aus Sachsen-Anhalt den am Donnerstag gebrochenen Damm endgültig reparieren. In Bad Liebenwerda lag der Pegel um 6 Uhr bei 2,77 Meter (normal etwa 70 Zentimeter), in Herzberg bei 3,16 Meter( normal etwa 80 Zentimeter

http://www.haz.de

Mühlberger fühlen sich in Notquartieren geborgen

Veröffentlicht: Juni 7, 2013 von fluthelfer in Mühlberg

 

Im Amt Elsterland werden seit Mittwochabend die ersten Mühlberger in Notquartieren betreut. Wegen des bedrohlich steigenden Hochwassers sind sie der Aufforderung gefolgt, sich in Sicherheit zu bringen. Die freiwilligen Feuerwehren haben zwei Turnhallen für sie hergerichtet.

Normalerweise wird in der Tröbitzer Turnhalle Badminton oder Fußball gespielt. Jetzt stehen dort Bierzeltgarnituren zum Sitzen und Doppelstockbetten. Die Halle ist vom Krisenstab des Landkreises Elbe-Elster ebenso wie die in Schönborn als Notquartier für vom Hochwasser bedrohte Mühlberger bestimmt. Etwa 40 Kameraden der freiwilligen Feuerwehren haben sie am Mittwochabend hergerichtet. „Die ersten Mühlberger standen gegen 18 Uhr vor der Tür. Gegen 22 Uhr sind endlich die Betten vom Katastrophenschutzlager Beeskow eingetroffen. Decken kamen erst um Mitternacht. 0.30 Uhr hatten wir alles aufgebaut“, schildert Gerald Schmidt, stellvertretender Amtsbrandmeister Anlaufschwierigkeiten.

160 Schlafplätze werden in Tröbitz vorgehalten, 40 in Schönborn. Weitere Betten sind noch in Reserve. Aber bis gestern machten die Mühlberger nur verhalten Gebrauch von dem Angebot. Knapp 50 Personen, darunter etliche Kinder, sind bis Mittag eingetroffen.

Wolfgang Frase und der 81-jährige Werner Schröter haben nicht lange gezögert.

Mit dem Nötigsten machten sie sich auf nach Tröbitz. Als im Fernseher neueste Nachrichten von Mühlberg vermeldet werden, verharren sie vor dem Bildschirm. 10,20 Meter Pegelstand werden erwartet, heißt es. „2002 haben alle vom Jahrhunderthochwasser gesprochen. Jetzt, zehn Jahre später, sind schon wieder 100 Jahre vorbei“, scherzt Wolfgang Frase trotz allem.

Auch wenn in der ersten Nacht kaum einer richtig schlafen konnte, sind alle des Lobes voll über die gute Betreuung. „Wir sind sehr herzlich aufgenommen worden“, sagt Sindy Winkler, die mit insgesamt zwölf Verwandten in Tröbitz ist. „Wenn es so entspannt läuft, wird man ruhiger“, sagt sie. „In einer Stunde standen alle Betten“, würdigt Wolfgang Frase Fleiß und Organisation.

Die 59-jährige Eveline Bloch ist seit gestern Mittag in Tröbitz. „Eigentlich wollte ich zu meinem Bruder, aber dort ist es nicht behindertengerecht“, erklärt sie. Schnell ist ein Brett für den Turnhalleneingang gefunden – Eveline Bloch kann so problemlos rein- und rausrollen und dreht mit Hündchen Lisa gleich eine Runde durchs Industriegebiet.

Carola Schröter, Silvio Heinrich und Roland Girke vom Verpflegungstrupp des DRK-Verbandes Elbe-Elster Nord haben Nudeln mit Tomatensoße zu Mittag gekocht. Girke ist seit 6 Uhr morgens auf den Beinen. 22.30 Uhr am Mittwoch kam die Einsatzmeldung. Bis Sonntag sind die Schönborner für die Mittagsversorgung verantwortlich.

Die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung ist enorm. Martina Reichardt aus Bad Liebenwerda und Rettungsschwimmerin Sybille Zipke vom Wonnemar bringen Spiel- und Badesachen. „Dann können die Mühlberger das Erlebnisbad neben der Turnhalle benutzen“, lädt Schwimmmeister Maik Gentsch ein.

Anke Lindner aus Tröbitz war Stunden vor Ort, muss dann aber zur Schicht im Supermarkt in Doberlug-Kirchhain. „Nach 21 Uhr schaue ich noch mal vorbei“, kündigt sie an. Die Tröbitzer Kita bietet an, Mütter mit Kleinkindern aufzunehmen. „Das läuft hier sehr gut“, freut sich Notfallseelsorgerin Elke Greißner, die auch schon zum zweiten Mal nach dem Rechten schaut.

 

 

Quelle: http://www.lr-online.de

Mühlberg wird geräumt – Sicherheit nicht gewährleistet

Veröffentlicht: Juni 7, 2013 von fluthelfer in Mühlberg

 

Die Kleinstadt Mühlberg in Brandenburg wird wegen des Elbhochwassers geräumt. Das haben die Verantwortlichen am Freitag entschieden. „Die Stadt ist nicht mehr sicher“, sagte ein Sprecher des Innenministeriums. Die Situation an den Deichen sei problematisch. Am Mittag hatte der Elbe-Scheitel die Stadt erreicht. Der Wasserstand lag um 12.00 Uhr bei 9,88 Meter, einen Zentimeter weniger als vier Stunden zuvor. Angelegt sind die Deiche dort auf zehn Meter Wasserhöhe. Der Druck auf die Dämme ist jedoch enorm, es gibt mehre Sickerstellen. Taucher versuchen einen unterspülten Deich zu sichern.

Quelle: http://www.nordkurier.de

 

Mühlberg an der Elbe

Veröffentlicht: Juni 7, 2013 von fluthelfer in Mühlberg

8.57Uhr: Im brandenburgischen Mühlberg an der Elbe sind die Sorgen weiter groß. Dort stieg das Wasser in der Nacht bis auf 9,88 Meter. Am Freitagmittag soll der Höchststand erreicht werden. Stündlich nimmt der Wasserstand um knapp einen Zentimeter zu. Angelegt sind die Deiche in der Stadt auf zehn Meter Wasserhöhe. Die 2100 Einwohner, die die Stadt freiwillig verlassen sollten, sind bisher zu großen Teilen geblieben. Das größte Problem ist laut der Koordinierungsstelle nicht die Höhe des Wasserstandes, sondern die Dauer des Hochwassers. Brandt rechnet damit, dass es noch etwa eine Woche lang Druck auf die Deiche ausüben wird.

 

Quelle: http://www.focus.de

 

Evakuierung der Stadt Mühlberg angelaufen

Veröffentlicht: Juni 5, 2013 von Generaldirektor in Mühlberg

+++ 5. Juni 2013, 17:15 Uhr: Evakuierung der Stadt Mühlberg angelaufen +++ http://www.torgauerzeitung.com
In Mühlberg ist angesichts der aktuellen Hochwasserlage mit der Evakuierung der Einwohner der Stadt begonnen worden. Die Polizei fährt dazu mit Lautsprecherwagen durch die Straßen, um die Bürger aufzufordern, ihre Wohnungen und die Stadt zu verlassen, um bei Verwandten, Freunden oder Bekannten unterzukommen. Für Bewohner, für die diese Möglichkeit nicht besteht, sind ausreichend Notquartiere in Turnhallen in Tröbitz, Schönborn und Finsterwalde bereitgestellt worden.