Archiv für die Kategorie ‘im Norden’

Niedernjesa. Die Staumauer am Wendebachsee rückbauen, das Naturerholungsgebiet erhalten und nicht zuletzt den Hochwasserschutz für Niedernjesa sichern – diese scheinbare Quadratur des Kreises versucht die aktuelle Landesregierung.

Jetzt war Umweltminister Stefan Wenzel vor Ort, um sich auch mit Landrat Stefan Reuter und Andreas Friedrichs zu beraten.

Jahrelang wurde darüber debattiert, jetzt ist es so gut wie amtlich: Nach dem Regierungswechsel Anfang des Jahres plant das Land Niedersachsen den Rückbau der Talsperre am Wendebach. Damit einher entfällt die Hochwasser-Schutzfunktion für nur einen Kilometer westlich vom Staudamm gelegene Ortschaft Niedernjesa. Da die Gefährdung dort als hoch eingeschätzt wird, war gestern Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) vor Ort.

„Ich freue mich, dass wir jetzt eine Mischung gefunden haben, mit der das Naherholungsgebiet Wendebach erhalten bleibt, gleichzeitig aber der Hochwasserschutz für Niedernjesa gewährleistet wird“, betont Friedrichs. „Damit findet eine Never ending Story endlich ein Ende.“

Die Pläne sehen vor, dass die mehr als 40 Jahre alte Staumauer, die wegen mangelnder Standfestigkeit nie einen echten Hochwasserschutz gewährleistete (wir berichteten), bis auf eine Höhe wenige Zentimeter über der jetzigen Wasserfläche des Wendebachstausees abgetragen wird. Nach einer groben Beurteilung würden dann jedoch bei einem Jahrhunderthochwasser rund 35 Prozent Niedernjesas überflutet werden. Deshalb sollen nach einem ersten Grobkonzept des Rosdorfer Ingenieurbüro Rinne & Partner südlich und nördlich des Ortes sowie im Verlauf der Leine Schutzeinrichtungen angelegt werden. Diese werden aus einem Hochwasserschutzdamm, mobilen Schutzwänden, Schutzmauern sowie Abgrabungen bestehen.

Die geschätzten Gesamtkosten für das Projekt, dessen Fertigstellen bis zu vier Jahre dauern wird, beziffert Umweltminister Wenzel auf etwa 2,1 Millionen Euro. Davon übernimmt das Land knapp 1,7 Millionen Euro. Auf die Gemeinde Friedland, die für den Hochwasserschutz in Niedernjesa zuständig ist, kommen Kosten von 421 000 Euro zu.

„Uns ist es wichtig, dass bei einem Hochwasser das Problem nicht auf die Unterlieger und damit auf die Stadt Göttingen umgeleitet wird“, betont Landrat Bernhard Reuter.

Daher werde man dafür sorgen, dass die Wasserflächen, die durch die Schutzmaßnahmen im Ort selbst verloren gehen, ortsnah als Ausgleichsflächen zur Verfügung gestellt werden.

„Niedernjesa bekommt nun endlich einen Hochwasserschutz, der sowohl der Gefährdung durch die Leine als auch durch den Wendebach Rechnung trägt“, zeigt sich Andreas Friedrichs mit der dann wohl endgültigen Lösung sehr zufrieden.

Quelle: hna.de

Advertisements

Hamburger Schleusenleitdamm soll aufgerüstet werden, Stadt zahlt nur 40 000 Euro.

Geesthacht. Wenn Hamburg die Borghorster Elbwiesen flutet, dann bekommt Geesthacht einen Lückenschluss im Hochwasserschutz an der Elbe. Darauf haben sich jetzt die Hamburger Projektrealisierungs-Gesellschaft (ReGe) und das Land Schleswig-Holstein verständigt. Hamburg baut und Kiel zahlt — zumindest 90 Prozent der Baukosten. Die Restsumme, wohl lediglich 40 000 Euro, muss die Stadt Geesthacht finanzieren.

Um den Hochwasserschutz hatten sich zuletzt immer wieder die Unternehmer aus dem Gewerbegebiet an der Vierlander Straße und Anwohner der Bereiche Heuweg, Verschwisterungsviertel und Hans-Meyer-Siedlung gesorgt. Hintergrund: Geesthachts Hochwasserschutz endet im Nirgendwo in Höhe des Mischwerks am Horster Damm. Dahinter klafft eine Lücke, denn Hamburg hat seinen Hauptdeich weit zurückverlegt errichtet. Der Schleusenleitdamm, der Geesthachts Deich und den Deich in Hamburg verbindet, soll zum Deich aufgerüstet werden.

Nach dem Elbe-Hochwasser im Juni hatte sich die Stadt an die Landesregierung gewandt und um Unterstützung gebeten. Geplant war bisher ein „Flügeldeich“, der rechtwinklig zum Elbufer vom bestehenden Deich in die Besenhorster Sandberge führen sollte. Ein Millionenprojekt, dessen Realisierung in weiter Ferne stand „Die jetzt aufgezeigte Lösung ist bestechend, man fragt sich, warum nicht schon früher jemand darauf gekommen ist“, freute sich Geesthachts Bürgermeister Volker Manow, nachdem Dietmar Wienholdt aus dem Kieler Umweltministerium die Lösung präsentiert hatte. Wienholdt: „Hamburg fasst den Leitdamm für die Maßnahme zur Wiedervernässung der Elbwiesen sowieso an. Wir satteln drauf und bauen den Damm zum Deich aus.“ So sollen Baukosten in Höhe von nur 400 000 Euro ausreichend sein.

Die ReGe und das Land haben sich auf diese Lösung bereits geeinigt. Nur wann die Bauarbeiten starten, ist noch unklar. Allerdings ist das Planfeststellungsverfahren beschlossene Sache und Wienholdt geht nicht davon aus, dass der veränderte Aufbau — der Leitdamm erhält eine Verbreiterung um die Straße Horster Damm zwischen Geesthacht und Altengamme aufzunehmen und eine einen Meter dicke Lehmschicht als Abdeckung — zu einem neuen Verfahren führen wird. Damit kann voraussichtlich 2014 mit den Bauarbeiten begonnen werden. „Dann ist Geesthacht entlang des Ufers komplett sicher“, so Manow.

Ein Flut-Beauftragter für Lauenburg

Dipl.-Ing. Dietmar Wienholdt aus der Abteilung für Wasserwirtschaft des Umweltministeriums war von Ministerpräsident Torsten Albig zum Flut-Beauftragten der Stadt Lauenburg ernannt worden, um in Kiel direkt Bericht zur Situation vor Ort zu erstatten. Jetzt war Wienholdt zum Arbeitsgespräch in Lauenburg.

 

Mit dem Schutz vor der Altstadt laufe es bereits, im nächsten Sommer sollen Lösungen präsentiert werden. „Wir wollen aber mehr. Zurzeit bewegt uns die Frage, was in Lauenburg passiert wäre, wenn in Fischbek der Deich nicht gebrochen wäre und wenn man die Havelpolder nicht geflutet hätte“, so Wienholdt. Dann wäre der Wasserstand der Elbe in Lauenburg statt auf 9,64 Meter wohl auf mehr als zehn Meter angestiegen. Unklar, was dann im Industriegebiet an den Söllerwiesen und entlang des Elbe-Lübeck-Kanals passiert wäre.

 

Länderübergreifend sitzen die Experten der Elbanrainer außerdem zusammen, um zu prüfen, ob der Bemessungswasserstand ausreichend ist. Anhand dieses Wertes werden Schutzmaßnahmen gegen Hochwasser ausgelegt — etwa Deichhöhen. „Das Hochwasser der Elbe im Juni hatte den Bemessungswasserstand fast erreicht“, erinnert Wienholdt. Zu allen Themen arbeiten die Länder auch mit der Wasserschifffahrtsverwaltung des Bundes eng zusammen.

Quelle: ln-online.de

Elbe-Flut: Was hilft gegen Touristenmangel?

Veröffentlicht: Juli 6, 2013 von fluthelfer in im Norden

Es ist Sommer, es ist Ferienzeit, es ist Hochsaison – und dennoch: Entlang der Elbe zwischen Lauenburg und Schnackenburg heißt es Stornierung, Stornierung, Stornierung. Ausfälle bis zu 70 Prozent verzeichnen die Gastronomen. Der Grund: das Jahrhunderthochwasser. Die Flut hat die Touristen so verunsichert, dass sie ihren Urlaub umbuchen. Um dem entgegenzuwirken, wollen die Gastronomen und Hoteliers jetzt gegensteuern. Es müsse deutlich gemacht werden, dass etwa der Elberadweg frei sei und es auch keine Schäden an Quartieren oder Ausflugszielen gäbe, hieß es nach Informationen von NDR 1 Niedersachsen bei einer gemeinsamen Sitzung am Donnerstag. Eine umfangreiche Werbekampagne soll mehr Gäste in die Region locken. Denn zurzeit herrscht Flaute.

Auswirkungen schlimm wie nie

Deutlich bemerkbar macht sich das unter anderem in Hitzacker (Landkreis Lüchow-Dannenberg). Hier mal eine Gruppe Radfahrer, da mal eine Familie am Tisch vor der Eisdiele – aber wirklich Andrang herrscht nirgends in Hitzacker. Sandra Junge von der Touristinfo hört von den Gastgebern und den Restaurants, dass fünf Leute zum Mittagessen da sind, wo sonst 50 Gäste essen, wie sie sagt. „Und abends in der Touristinformation haben wir sonst zehn bis 15 Gäste – momentan haben wir einen bis zwei, die noch mal nach Zimmern fragen.“ Zimmervermieter und Gastronomen sind sich einig: So schlimm waren die Auswirkungen eines Hochwassers noch nie.

Tiefes Minus in den Umsatzbüchern

Der Vorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbandes im Landkreis Lüchow-Dannenberg, Frank Lehmann, sagt, dass 80 bis 90 Prozent der Buchungen im Ortskern storniert wurden. „Und das ist natürlich verheerend, da die Saison sehr, sehr schleppend begann.“ Auch den vielen inhabergeführten Geschäften in Hitzacker geht es ähnlich. Denn das Hochwasser bescherte der Touristenstadt 14 Tage Totalausfall. Vor allem auf der historischen Stadtinsel, die erst gesperrt und dann schließlich evakuiert werden musste. Die Umsatzbücher weisen darum ein tiefes Minus aus.

Quelle: ndr.de

Wie wird der Hochwasserschutz besser?

Veröffentlicht: Juni 17, 2013 von fluthelfer in im Norden

 

Die Pegelstände entlang der Elbe sinken, die Aufräumarbeiten nach dem Hochwasser laufen. Parallel dazu beginnt die Diskussion über Lehren aus der Flut: Forderungen nach höheren Deichen und genaueren Prognosen werden laut. Die betroffenen Landkreise in Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern gaben inzwischen Entwarnung. Im schleswig-holsteinischen Lauenburg gilt er dagegen länger.

Genauere Prognosen müssen her

Das vierte Rekordhochwasser seit 2000 hat gezeigt, dass vor allem die Qualität der Vorhersagen verbessert werden muss. In diesem Jahr hätten die Angaben um mehr als einen Meter variiert, was zu Verwirrung bei Bürgern und Einsatzkräften führte, sagte Jürgen Meyer, Bürgermeister der Samtgemeinde Elbtalaue, NDR.de. Er forderte eine noch engere Zusammenarbeit zwischen den betroffenen Bundesländern, dem Bund und dem Nachbarland Tschechien. Man müsse schnell eine Gesamtlösung mit allen Beteiligten diskutieren. „Nach acht Wochen haben viele das Hochwasser vergessen“, sagte Meyer weiter.

Noch höhere Deiche?

Nur die Flutung der Havelpolder in Brandenburg und der Deichbruch bei Fischbeck in Sachsen-Anhalt hätten verhindert, dass die Elbe auch an den neuen Deichen im Landkreis Lüneburg bis zur Krone gestanden habe. Der Vorsitzende des Deichverbandes Norbert Thiemann vermutet, dass die Fluten in Zukunft noch höher steigen könnten. Vor allem dann, wenn in den anderen betroffenen Bundesländern, wie Sachsen-Anhalt, der Hochwasserschutz in den kommenden Jahren verbessert wird. Thiemann fordert daher, die niedersächsischen Deiche erneut zu erhöhen. Auch Schutzanlagen wie die Flutmauer in Hitzacker müssten aufgestockt werden.

Niedersachsen: Kreise heben Katastrophenalarm auf

Das Hochwasser in Niedersachsen weicht allmählich, welche Schäden es angerichtet hat, ist aber noch nicht abzusehen. „Um das Ausmaß der Schäden zu überblicken, ist es definitiv noch zu früh, sagte Sprecherin Herma Heyken vom Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) am Montag.

Die Landkreise Lüchow-Dannenberg und Lüneburg hoben am Sonntag den Katastrophenalarm auf. Das Betreten der Deiche sei aus Sicherheitsgründen aber weiterhin verboten.

An fast allen Schulen in Niedersachsen findet der Unterricht seit Montag wieder statt. In der Gemeinde Amt Neuhaus werde der Betrieb erst am Dienstag wieder aufgenommen. Die Schulen im Kreis Lüchow-Dannenberg sollen am Mittwoch wieder geöffnet werden. Alle Informationen über Schulausfälle gibt es hier.

Aufräumarbeiten in Lauenburg laufen

Auch in Schleswig-Holstein geht das Hochwasser zurück. In der Altstadt von Lauenburg laufen die Aufräumarbeiten. Etwa die Hälfte der 160 Häuser hat nach Feuerwehrangaben mittlerweile wieder Strom, bis heute Abend sollen es 80 Prozent sein.

Wie groß die Schäden tatsächlich sind, wird sich erst im Laufe der kommenden Tage zeigen. Bauamtsleiter Reinhard Nieberg rechnet mit einem mehrstelligen Millionenbetrag. Das Land hat bereits 300.000 Euro Soforthilfe an die Stadt überwiesen – von heute an wird das Geld bar und möglichst unbürokratisch an die Betroffenen ausgezahlt.

Der Katastrophenalarm im Kreis Herzogtum Lauenburg wird vorerst noch nicht aufgehoben. Grund sei der belastete Elbdeich, so ein Sprecher des Kreises am Montag. So lange die Gefahr einer Durchweichung bestehe, brauche man THW-Helfer vor Ort. Eine Entwarnung für den Deich gebe es erst ab einem Wasserstand von 7,30 Meter. Das könne noch bis zu einer Woche dauern.

Alarm aufgehoben – Lage an den Deichen weiterhin ernst

In den Hochwasserregionen Mecklenburg-Vorpommerns um Dömitz und Boizenburg entspannt sich die Lage ebenfalls. Der Katastrophenalarm für den mecklenburgischen Landkreis Ludwigslust-Parchim wurde Montagmittag aufgehoben. Laut Landrat Rolf Christiansen (SPD) ist die Lage an den Deichen weiterhin ernst. Deshalb dürfen sie auch in den kommenden Tagen nicht betreten werden.

http://www.ndr.de/regional/elbhochwasser159.html

Mit Sand, Kraft und Einsatz – Helden der Flut

Veröffentlicht: Juni 15, 2013 von fluthelfer in im Norden

Wie viele Sandsäcke von Feuerwehrleuten, von Soldaten, Mitarbeitern des Technischen Hilfswerks und Freiwilligen gefüllt, geladen, entladen und verbaut wurden, das kann niemand mehr zählen. Sicher ist aber: Jeder Sandsack ging durch dutzende Hände bis er seinen Platz in den provisorischen Deichen gefunden hatte. Vor allem dieser beispielhaften Gemeinschaftsleistung ist es zu verdanken, dass das Hochwasser im Norden nicht noch schlimmere Ausmaße angenommen hat. Zwei Wochen Kampf um die Deiche, jeden Tag, jede Nacht, gehen jetzt in die Endphase.

Es ist Zeit, Danke zu sagen!

Die Hilfe hat tausend Gesichter

Hier zur Bildergalerie

 

Elbanwohner sagen überall „Danke!“

Die Helfer haben Großes geleistet in Gelting, und dafür bedanken sich die Einwohner. „Ganz Gelting sagt Dank an alle Helfer!“, steht auf einem Banner vor einem Haus in Gelting (Kreis Schleswig-Flensburg). „Herzlichen Dank sagt die Stadt Dannenberg und Umgebung“, verkündet ein selbstgemaltes Schild an einem Bauzaun. Inmitten der Hochwasser-Katastrophe haben die Menschen an der Elbe sich immer wieder die Zeit genommen, den Helfern ihre Anerkennung zu zeigen. Und die haben die unzähligen Einsatzkräfte sich auch redlich verdient.

Helfer von überall her

Lange Tage und Nächte, schwere Arbeit, schmerzende Glieder. Manche arbeiteten, um ihr eigenes Zuhause zu schützen, andere reisten aus ganz Niedersachsen an oder aus Nordrhein-Westfalen, Hessen und anderen Bundesländern. Und dazu kamen die unzähligen Freiwilligen, die anpackten, Essen machten, organisierten, Helfer bei sich aufnahmen. In der Not haben die Menschen in beeindruckender Weise zusammengehalten. Trotz aller Schäden, die auch dieses Hochwasser wieder angerichtet hat: Diese starke Solidarität hat allen Fluten standgehalten.

Dafür auch von uns ein herzliches Dankeschön und großen Respekt an alle Helfer!

Merkel macht neue Schulden für Flutopfer

Veröffentlicht: Juni 13, 2013 von fluthelfer in im Norden

 

Die Pegelstände in Norddeutschland sinken – trotz Dauerregen, der am Abend einsetzt. Auch in Mecklenburg-Vorpommern bleibt die Lage angespannt. Zumindest finanziell gibt es einen kleinen Trost: Die Flutopfer sollen acht Milliarden Euro aus einem Fonds bekommen.

Der heutige Tag:

21:01 Uhr: Nach Bundeskanzlerin Merkel und Verteidigungsminister de Maizière kommt nun auch der Bundespräsident: Joachim Gauck wird am Freitag das Hochwassergebiet in Deggendorf/Bayern besuchen. Er will den vielen tausend Helfern und Einsatzkräften danken und den Hochwasser-Betroffenen Mut zusprechen. Nach einem Lagebericht in der Einsatzzentrale trifft sich der Bundespräsident in der Technischen Hochschule Deggendorf mit Studenten, die die Arbeit der freiwilligen Helfer koordinieren. Begleitet wird Gauck vom bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU). Am vergangenen Sonntag hatte Gauck die Hochwasser-Städte Halle an der Saale und Meißen in Sachsen besucht. Von der aktuellen Lage und dem Besuch des Ministers berichten wir auch am Freitag. Damit beenden wir den Liveticker zum Hochwasser für heute.

20:13 Uhr: Schluss mit Sonnenschein im Landkreis Lüchow-Dannenberg. Seit einiger Zeit regnet es ununterbrochen. Die Einsatzkräfte haben an vielen Stellen Planen über die Notdeiche gelegt, damit sie nicht auch noch vom Regen durchnässt werden. Auch in den nächsten Tagen werden Niederschläge erwartet.

André Gansfort vom THW-Ortsverband Lingen kontrolliert eine Pumpe, die das Wasser aus der Kanalisation von Neu Darchau zurück in die Elbe pumpt. Die Pumpe „Hannibal“ schafft 5000 Liter Wasser pro Sekunde. „Wenn das Wasser in der Kanalisation zu hoch steigt, werden die Keller überflutet“, sagt Gansfort. Zusammen mit zehn Kameraden ist er seit Dienstag im Hochwassergebiet im Einsatz. Am Sonntag werden sie abgelöst.

19.07 Uhr: Die Europaminister der Länder wollen EU-Fördermittel auch für Hochwasseropfer einsetzen. Nach ihrer Ansicht sollte geregelt werden, dass Gelder aus den Strukturfonds und dem Fonds für den ländlichen Raum in der verbliebenen Förderperiode bis Ende 2013 flexibel dafür verwendet werden können. „Wir haben es mit einer Flut bislang unbekannten Ausmaßes zu tun“, betonte der Vorsitzende der Europaministerkonferenz der Länder, Brandenburgs Wirtschafts- und Europaminister Ralf Christoffers (Linke), am Donnerstag. Das Angebot der EU-Kommission zur Unterstützung der betroffenen Gebiete werde begrüßt.

17.50 Uhr: Trotz weiter rückläufiger Elbe-Pegelstände weicht die Anspannung in Mecklenburg-Vorpommern nicht. An immer mehr Stellen sickert Wasser durch die vollgesogenen Deiche, wie ein Sprecher des Landkreises Ludwigslust-Parchim sagte. Sie würden mit Sandsäcken abgedichtet. Noch immer führe die Elbe mehr Wasser als bei der Rekord-Flut im Januar 2011. Die Pegelstände unterschritten am Donnerstag in Dömitz erstmals die Sieben-Meter-Marke. Derzeit sinkt das Wasser um knapp einen Zentimeter in der Stunde. Normalerweise liegt der Wasserstand der Elbe hier um die zwei Meter. Der Katastrophenalarm werde aufrechterhalten.

17.21 Uhr: In Hitzacker lag der Pegelstand am Donnerstag knapp unter acht Metern – am Abend zuvor waren es noch 8,07 (normal: 2,67 Meter) gewesen. Die Bundeswehr überwacht seit Tagen in den niedersächsischen Flutgebieten die Deiche. Verteidigungsminister Thomas de Maizière bedankte sich auf einem Feld bei Penkefitz im Kreis Lüchow-Dannenberg bei den Soldaten für ihren Einsatz. Es sei der bisher größte Flut- und Katastropheneinsatz, den die Bundeswehr je hatte. Bei sinkenden Wasserständen waren die Einheiten damit beschäftigt, die Deiche mit Sandsäcken auf der Rückseite zu verstärken.

16:45 Uhr: Etwa jeder sechste Deutsche hat laut einer Umfrage schon für die Opfer der aktuellen Flutkatastrophe gespendet. Das berichtete am Donnerstag das Meinungsforschungsinstitut YouGov in Köln. Gefragt wurde nach der Bereitschaft, Geld oder Sachspenden für Betroffene der Hochwasserkatastrophe in Süd- und Ostdeutschland beizusteuern. 40 Prozent der Bundesbürger sind demnach bereit, einen Beitrag zu den Spendenaktionen zu leisten. 27 Prozent wollten nicht spenden und 15 Prozent hatten bereits eine Spende getätigt. 18 Prozent sagten: „Ich weiß nicht.“

16:05 Uhr:  Landwirte und Bundeswehrsoldaten haben in Sachsen-Anhalt gemeinsam Tausende Tiere vor dem Hochwasser in Sicherheit gebracht. Etwa 10.000 Rinder, davon 1500 Milchkühe, und mehr als 1000 Schweine seien vor allem nördlich von Magdeburg und im Landkreis Stendal in andere Ställe gebracht worden, sagte der Hauptgeschäftsführer des Landsbauernverbands, Fritz Schumann, der Nachrichtenagentur dpa. „Die Tiere sind nicht abgesoffen, sie leben jetzt auf höheren Inseln“, sagte er. Rinder und Schweine würden über das Wasser mit Futter versorgt.

15.40 Uhr: Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) forderte ein Bund-Länder-Konzept zum Hochwasserschutz. Er will am kommenden Dienstag eine Regierungserklärung zum Elbe-Hochwasser  abgeben. Im Anschluss an Weils Erklärung will der Landtag zudem einen Antrag der FDP zum Hochwasserschutz beraten. Unter anderem fordern die Liberalen mehr Landesgelder für Schutzmaßnahmen, eine länderübergreifende Zusammenarbeit der Elbe-Anrainerländer und bei Bedarf auch höhere Deiche.

14.57 Uhr: Der von Bund und Ländern getragene Fluthilfe-Fonds wird ein Volumen von etwa acht Milliarden Euro haben. Das teilte Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) am Donnerstag in Berlin nach einem Treffen der Ministerpräsidenten mit.

13.34 Uhr: Ein Durchbruch in einer Landstraße lässt erste Wassermassen aus der überschwemmten Region bei Fischbeck nun in Richtung Havelpolder ablaufen. Die Bundeswehr hatte am Morgen in dem Hochwassergebiet im Landkreis Stendal einen rund 50 Meter breiten Durchfluss geschaffen, wie der Krisenstab der Landesregierung in Magdeburg mitteilte. Bisher hatten sich die Wassermassen dort nach einem Deichbruch an der höher gelegenen Straße gestaut. Nach Angaben des Krisenstabs sind in dem Gebiet inzwischen rund 6400 Menschen in Sicherheit gebracht worden.

12.46 Uhr: Das Elbehochwasser in Lauenburg hat seinen höchsten Stand offenbar überschritten. Am Vormittag lag der Pegel in Lauenburg bei 9,50 Meter. Gegen Mitternacht hatte er noch bei 9,56 Meter gelegen. Die Lage habe sich weitgehend stabilisiert, an den Deichen seien bislang keine Risse festgestellt worden, sagte Krisenstabsprecher Peter Schütt. Derzeit prüfen Experten, wann mit dem Abpumpen des Wassers aus der Elbstraße begonnen werden kann. „Das hängt nicht nur vom Wasserstand, sondern auch vom Zustand der Straße ab, denn die Pumpen sind schwer und müssen von schweren Lastwagen gezogen werden“, sagte Schütt. Die Frage des Pumpeneinsatzes sei derzeit das Kernthema im Krisenstab, sagte Schütt. „Die Anwohner wollen natürlich so schnell wie möglich in ihre Häuser zurück. Aber das geht erst, wenn wieder Strom da ist und die Gebäude von Bausachverständigen auf ihre Standfestigkeit überprüft worden sind. Beides ist erst möglich, wenn die Elbstraße trocken ist“, sagte er. Durch die Überprüfung der Gebäude soll ausgeschlossen werden, dass sie wegen unterspülter Fundamente einstürzen und womöglich Nachbargebäude mitreißen.

12.05 Uhr: Um Schwachstellen in aufgeweichten Deichen zu entdecken, setzen Geo-Experten aus Hannover vom Hubschrauber aus eine Wärmebildkamera ein. Nach einem Testflug im Raum Magdeburg sollte der Hubschrauber am Donnerstag an der Elbe zwischen Lenzen in Mecklenburg-Vorpommern und dem niedersächsischen Gorleben zum Einsatz kommen, teilte die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) mit. Das Projekt sei positiv verlaufen, bei Magdeburg seien bereits Sickerwasserstellen treffsicher entdeckt worden, sagte ein Sprecher. Eine Ortsbegehung habe die aus 300 Metern Höhe vom Hubschrauber aus entdeckten Schwachstellen bestätigt. Auf den Thermalbildern sind die durchweichten Partien zu erkennen, weil sie eine um drei bis fünf Grad niedrigere Temperatur haben, als die übrigen Flächen. Auch Qualmwasser, das bei einer Unterströmung eines Deiches auftritt, kann an seiner niedrigeren Temperatur erkannt werden. Ziel sei es, in Zukunft durch ein Abfliegen der Deiche und Dämme mit einer Thermalkamera auffällige Temperaturmuster und damit mögliche Schwachstellen zu registrieren. Die gewonnenen Daten können dann in Karten oder Luftbildern den Einsatzkräften bereits vorab und während eines Hochwassers zur Verfügung gestellt werden. Einen Einsatz von Thermalkameras vom Hubschrauber aus hat es bereits in den achtziger Jahren gegeben. Jedoch liegen keine umfassenden aktuellen Karten mehr vor, die dazu beitragen können, auffällige Durchsickerungsstellen zu erkennen. Eine jetzt eingesetzte neue Methode soll es ermöglichen, Problempunkte noch besser zu lokalisieren und analysieren.

11.43 Uhr: Die derzeitige Flut wird nach Einschätzung von Experten teurer als die Katastrophe vor elf Jahren. Die Ratingagentur Fitch schätzte die Schäden durch die Überschwemmung von Elbe, Donau und Saale auf rund zwölf Milliarden Euro. Das wäre rund eine halbe Milliarde Euro mehr als 2002 beim Hochwasser an Elbe und Oder. Damals hatten Bund und Länder die Flutopfer nach Angaben des Finanzministeriums mit einem Hilfsfonds in Höhe von sechseinhalb Milliarden Euro unterstützt.

11.10 Uhr: Knapp zwei Wochen nach Beginn des verheerenden Hochwassers in weiten Teilen Bayerns ebbt auch die zweite Flutwelle ab. Laut dem amtlichen Hochwasserlagebericht vom Donnerstagmorgen lag der höchste Punkt der ablaufenden Hochwasserwelle der Donau im niederbayerischen Raum Pfelling und Deggendorf. Neue für den Abend vom Deutschen Wetterdienst vorhergesagte Schauer und Gewitter mit starkem Regen könnten örtlich zu einem Anstieg der Wasserstände führen. Großen Einfluss auf die abfließende Hochwasserwelle der Donau hätten sie aber nicht mehr.

10.40 Uhr: Die Hochwasserlage in Magdeburg entspannt sich deutlich. Inzwischen können alle Bewohner der ostelbischen Ortsteile wieder in ihre Häuser zurück, wie die Stadt am Donnerstag mitteilte. Auch die Beschränkungen für Randau-Calenberge und Pechau seien aufgehoben. Am Freitag soll an den Schulen der Unterricht wieder anlaufen. Die Schulen, in denen Einsatzkräfte und Flutopfer untergebracht worden waren, werden frei.

10.15 Uhr: Die Regierungschefs von Bund und Ländern wollen sich an diesem Donnerstag in Berlin über die Hilfen für die Opfer der Hochwasserkatastrophe verständigen. Auf Bundesseite ist ein Aufbaufonds mit bis zu acht Milliarden Euro im Gespräch. Das Geld sollen Bund und Länder jeweils zur Hälfte aufbringen. Damit würde die Hilfe weitaus höher ausfallen als 2002. Bei der damals als „Jahrhundertflut“ eingestuften Katastrophe wurden etwa 6,5 Milliarden Euro abgerufen

9.08 Uhr: In Sachsen-Anhalt stehen ganze Landstriche meterhoch unter Wasser. Allein 1100 Quadratkilometer Agrarflächen sind nach Schätzungen des Bauernverbandes landesweit überflutet. Das Hochwasser wird für viele Wildtiere zur Todesfalle. Roland Gramling von der Umweltschutzorganisation WWF: „Fast ohne jede Chance sind Kleintiere wie Mäuse, Hamster oder Kaninchen. Viele sind in ihren unterirdischen Bauten ertrunken. Eine ernsthafte Chance zur Flucht hatten sie nicht. Gleiches gilt für Bodenbrüter, die auf der Erde ihre Nester haben oder für Vögel, die im niedrigen Schilf gerade ihren Nachwuchs großziehen. Es ist Nistzeit, die Jungtiere sind noch nicht flügge und die Elterntiere nicht in der Lage, sie zu retten.“

8.33 Uhr: Leichte Entspannung am Hochwasser-Gebiet im schleswig-holsteinischen Lauenburg: Der Anstieg der Elbe scheint gestoppt. Der Wasserstand ist in der Nacht zum Donnerstag um rund sechs Zentimeter gefallen. Am frühen Morgen lag der Pegel in Lauenburg bei 9,50 Meter. Gegen Mitternacht hatte er noch bei 9,56 Meter gelegen. Die Lage habe sich weitgehend stabilisiert, an den Deichen seien bislang keine Risse festgestellt worden, teilte ein Sprecher des Krisenstabs mit. Er rechnete damit, dass der Wasserstand im Laufe des Tages weiter zurückgehen wird.

7.11 Uhr: Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) wird heute gegen 10.50 Uhr in Dannenberg im Hochwassergebiet an der Elbe eingesetzte Soldaten treffen. Er wolle sich ein Bild von der Lage machen und mit Soldaten des Logistikbataillons 141 sprechen, teilte ein Sprecher des Landeskommandos Niedersachsen mit. Derzeit seien insgesamt 2000 Soldaten im Hochwassereinsatz, rund 2900 stünden als Reserve bereit. Die Bundeswehr überwacht in Niedersachsen mit Aufklärungsflugzeugen  die Deiche. Am vergangenen Freitag hatte de Maizière Soldaten am Zusammenfluss von Elbe und Saale südlich von Magdeburg bei ihrem Einsatz besucht.

7.05 Uhr: In den Flutregionen der Elbe sind die Pegelstände in der Nacht zum Donnerstag fast überall weiter zurückgegangen. In Hitzacker in Niedersachsen lag der Wert am frühen Donnerstagmorgen knapp unter acht Metern – am Abend zuvor waren es noch 8,07 gewesen. Nach Angaben des Landkreises Lüchow-Dannenberg blieb die Nacht ruhig. Das Hochwasser ist leicht zurück gegangen.

2006 stand die Elbe in Hitzacker 7,63 Meter hoch. Seit 2008 sorgt ein rund 36 Millionen Euro teurer Hochwasserschutz für Sicherheit. Doch jetzt ist die Stadt erneut von Hochwasser bedroht.

In Bleckede (Landkreis Lüneburg) betrug der Wasserstand zum selben Zeitpunkt etwa drei Zentimeter weniger als am Abend zuvor. Einsatzkräfte errichteten eine zweite Deichlinie bei Neu Darchau (Landkreis Lüchow-Dannenberg).

Zwar sei in Wussegel bei Hitzacker an mehreren Stellen Wasser durch die Deiche gesickert, die Lage sei jedoch unter Kontrolle, sagte die Sprecherin. Zeitweise drohte in der Nähe des kleinen Ortes auch ein Baum auf eine Schutzmauer zu stürzen. Ob der Baum weiterhin eine Gefahr darstellt und gefällt werden muss, werde im Laufe des Vormittags feststehen, hieß es.

Am Pegel Hohnstorf bei Lauenburg in Schleswig-Holstein wurden knapp neuneinhalb Meter gemessen. Ursprünglich waren für Lauenburg Pegelstände von zehn Metern und mehr prognostiziert worden. In Dömitz in Mecklenburg-Vorpommern waren es knapp unter 7 Meter. Am Dienstag war hier noch der Höchstwert mit 7,21 Metern registriert worden. Nach wie vor besteht aber die Gefahr von Deichbrüchen.

In der Katastrophenregion im Landkreis Stendal in Sachsen-Anhalt wurden bis zum späten Mittwochabend noch Menschen in Sicherheit gebracht. Einige weigerten sich nach Angaben des Krisenstabs der Landesregierung jedoch, ihre Häuser zu verlassen. Sie sollten im Laufe des Tages mit Booten und Hubschraubern mit Lebensmitteln versorgt werden. Durch die Bruchstelle des Elbdeichs bei Fischbeck fließt nach wie vor Wasser ins Hinterland. Bereits in der Nacht zum Montag war der Deich gebrochen. Seither sind weite Landstriche überflutet worden. Tausende Menschen mussten ihre Häuser verlassen.

7.02 Uhr: Bund und Länder wollen sich heute auf Milliardenhilfen für die Opfer der Hochwasserkatastrophe verständigen. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) trifft am Nachmittag mit den Ministerpräsidenten der Länder in Berlin zusammen. Dabei soll unter anderem über einen Aufbaufonds für Flutschäden beraten werden.

Im Gespräch ist ein Hilfspaket von bis zu acht Milliarden Euro, das je zur Hälfte von Bund und Ländern finanziert werden soll. Damit würde die Unterstützung weitaus höher ausfallen als 2002. Bei der damals als „Jahrhundertflut“ eingestuften Katastrophe wurden etwa 6,5 Milliarden Euro abgerufen.

dpa/mhu/sup

Sinkende Pegelstände, aber keine Entwarnung

Veröffentlicht: Juni 13, 2013 von fluthelfer in im Norden

 

In den Flutregionen der Elbe sind die Pegelstände in der Nacht zum Donnerstag überall im Norden weiter zurückgegangen – etwa um zehn Zentimeter. Doch von Entspannung ist in den norddeutschen Flutgebieten nichts zu spüren. Experten gehen davon aus, dass die Wassermassen noch tagelang auf die Deiche drücken und sie aufweichen. Einsätzkräfte kämpfen gegen Risse und Sickerstellen. Deichwachen beobachten rund um die Uhr kritische Punkte. Auf der Elbe patrouillieren Helfer mit Booten, um Treibgut einzusammeln, das bei der hohen Strömungsgeschwindigkeit die Deiche beschädigen könnte. In einigen Regionen drohen, erste Deiche zu brechen

Niedersachsen: Baum bedroht Schutzwand

In Wussegel im Landkreis Lüchow-Dannenberg hat sich ein großer Baum auf dem aufgeweichten Boden bedrohlich in Richtung einer Schutzwand geneigt. Weil der Boden durch das Hochwasser aufgeweicht ist, verliert der Baum den Halt. Einsatzkräfte der DLRG, des Technischen Hilfswerks und der Feuerwehr versuchen, die Gefahr zu beseitigen, indem sie von der Wasserseite aus Äste abtransportieren. Auch das Treibgut stellt eine Gefahr für die Schutzwände dar. In Neu Darchau hat sich die Lage derweil vorerst beruhigt. Hier haben die Einsatzkräfte einen zweiten Schutzwall aus Sandsäcken aufgeschichtet, weil der Behelfsdeich durchgeweicht ist und absackt.

In Dömitz geht die Elbe langsam zurück

Die Elbeflut hat in Mecklenburg-Vorpommern ihren Höhepunkt überschritten. In Dömitz lag der Pegelstand in der Nacht zum Donnerstag bei knapp unter 7 Metern – am Dienstag war hier noch der Höchstwert mit 7,21 Metern registriert worden. Die Gefahr von Deichbrüchen bleibe aber hoch, betonte der Katastrophenabwehrstab des Landkreises Ludwigslust-Parchim. Die Deichwachen melden immer mehr Sickerstellen an den aufgeweichten Dämmen.

Scheitelpunkt in Lauenburg erreicht – Sorge um historische Häuser

Im schleswig-holsteinischen Lauenburg scheint sich die Lage langsam zu entspannen. Hier ist der Pegelstand der Elbe seit Mittwoch nahezu unverändert geblieben. Während in Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern vielerorts noch immer Deichbrüche drohen, besteht diese Gefahr in Lauenburg offenbar nicht mehr. „Der Deich am Gewerbegebiet östlich der Altstadt hält. Er wird zweimal täglich mit Wärmebildkameras überwacht und es gibt keine Anzeichen für Schwachstellen“, sagte der Krisenstabssprecher Karsten Steffen.

Auch in Hamburg sickert es durch

Auch Hamburg bekommt die Auswirkungen des Hochwassers zu spüren. Wie NDR 90,3 berichtet, ist am Altengammer Hauptdeich das Wasser an mehreren Stellen durchgesickert. Der Zentrale Katastrophenschutzdienst dichtete die Lecks mit insgesamt 40 Paletten Sandsäcken ab. Zur Kontrolle patrouillieren die Deichwarte in der Hansestadt alle zwei Stunden. Es bestehe aber weiterhin keine Gefahr durch das Elbe-Hochwasser. „Die Deiche in Hamburg sind sicher“, bekräftigte ein Sprecher der Innenbehörde am Mittwoch.

Bis zu acht Milliarden Euro Hilfe?

Gestern hatte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) die Hochwasserregion im Norden besucht. Sie dankte den Helfern in Lauenburg und Hitzacker und sprach ihnen Mut zu.

Heute will sich Merkel mit den Chefs der 16 Bundesländer über die Flutkatastrophe und deren Aufarbeitung beraten. Sie wollen sich über einen Aufbaufonds für die Folgen der Hochwasserkatastrophe verständigen. In Berliner Koalitionskreisen ist von bis zu acht Milliarden Euro die Rede, die sich Bund und Länder jeweils zur Hälfte teilen sollen. Damit würde die Hilfe weitaus höher ausfallen als 2002. Die betroffenen norddeutschen Länder haben bereits Soforthilfen in Millionenhöhe zugesagt.

http://www.ndr.de/regional/elbhochwasser159.html

Die Welle rollt nach Norden

Veröffentlicht: Juni 12, 2013 von fluthelfer in im Norden

von Dieter Hanisch und Claus-Dieter Steyer

Das Hochwasser ist noch lange nicht überstanden, auch wenn die Pegelstände mancherorts sinken. Sechs Bundesländer sind nach wie vor betroffen. Am gebrochenen Deich bei Fischbeck gibt es derweil einen ersten kleinen Erfolg

Ein Reh nimmt Anlauf zum Sprung über die Sandsackbarriere. Es gerät ins Stolpern, sucht auf dem glatten Material vergeblich nach Halt, rappelt sich dann doch mit letzter Kraft auf und schwimmt schließlich zu einer kleinen Insel in der Mitte der Elbe. Das Schauspiel in der Nähe der Stadt Wittenberge im nordwestlichen Brandenburg hat die Helfer am Deich aufgeschreckt: Als sie die Stelle näher betrachteten, sahen sie, dass das Tier drei Sandsäcke bei seinem Überlebenskampf weggerissen hatte. Nun strömte Wasser aus der Elbe über den mit Sandsäcken erhöhten Damm und bedrohte die Standsicherheit des ganzen Bauwerks. Nur mit großem Einsatz konnte die Lücke wieder geschlossen werden.

So eine kleine Episode aus dem nunmehr seit einer Woche andauernden Kampf gegen die Fluten erzählt der Chef des Krisenstabes in der Prignitz, Landrat Hans Lange, nicht in großer Runde. Da geht es eher um Pegelstände, den Einsatz von 200 zusätzlichen Bundeswehrsoldaten oder die Absperrung des Evakuierungsgebietes in Wittenberge, auf halber Strecke zwischen Berlin und Hamburg gelegen. „Aber zumindest bei den Einsatzkräften an den Deichen sprechen sich solche Erlebnisse schnell herum, zum Glück“, sagt Lange. „Sie zeigen, wie sehr die Sicherheit unseres Landstrichs am dünnen Faden hängt.“ Wäre das Reh nicht rechtzeitig gesehen worden, wäre der ganze Damm möglicherweise ins Wanken geraten. So aber konnte die Prignitz vor einer Überschwemmung bewahrt werden.

Bei 7,75 Meter verharrte der Pegel in Wittenberge. Am Sonntag waren es noch zehn Zentimeter mehr. Doch die Marke des „Jahrhunderthochwassers“ von 2002 ist längst überschritten. Nur noch meterhohe Schichten von Sandsäcken auf den Deichen halten die Elbe in ihrem Bett.

Der Nordwesten Brandenburgs profitiert außerdem von zwei Deichbrüchen bei Tangermünde in Sachsen-Anhalt. Bei Fischbeck strömen seit Montag pro Sekunde rund 1000 Kubikmeter Wasser ungehindert ins Hinterland. Der Riss vergrößerte sich bis zum Morgen auf eine Länge von 100 Metern, obwohl die Bundeswehr im Fünf-Minuten-Takt riesige Sandsäcke und sogar Steine aus Hubschraubern auf die Bruchstelle abwarf. Von Land aus ist diese Stelle schon lange nicht mehr erreichbar.

Am Nachmittag brachte der Einsatz der Hubschrauber einen ersten kleinen Erfolg: Luftbilder zeigten, dass die Öffnung im Deich etwas verkleinert werden konnte. Dennoch wurden weitere Gebiete überschwemmt. Tausende Menschen mussten vor den Fluten in Sicherheit gebracht werden. „Die Feuerwehr fährt mit Booten in die eingeschlossenen Orte“, hieß es vom Krisenstab des Landkreises Stendal. „Menschen, die zuerst noch in ihren Häusern ausharren wollten, bitten nun um die Evakuierung. Ohne Strom, Trinkwasser und Lebensmittel ist ein längerer Aufenthalt unmöglich.“ Überschwemmt wurde auch der Ort Schönhausen, in dem 1815 der spätere Reichskanzler Otto von Bismarck zur Welt kam.

Weiterhin unterbrochen bleibt der Zugverkehr zwischen Berlin und dem Ruhrgebiet und in Richtung Amsterdam, weil die Bahn die Eisenbahnbrücke in diesem Bereich vorsorglich gesperrt hatte.

Unterdessen schob sich der Hochwasserscheitel im Laufe des Dienstags zu den Elbanrainern in Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein, so dass jetzt sechs Bundesländer von der Flut betroffen sind. Die Bewohner der Altstadtinsel im niedersächsischen Hitzacker müssen sich auf eine Evakuierung einstellen. Hier schützt zwar ein Damm den Ort, aber angesichts noch nie erreichter Pegelstände wollen die Behörden kein Risiko eingehen. Am heutigen Mittwoch wollen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) die vom Elbhochwasser bedrohte Stadt besuchen.

Auch in Lauenburg ist man hochwassererprobt. Die bisherigen Rekord-Höchststände 2006 (9,12 Meter) und 2011 (9,22 Meter) wurden bereits am Montag übertroffen. Die Menschen der 11 000 Einwohner zählenden südlichsten Stadt Schleswig-Holsteins erwarten noch den Scheitelpunkt der Flut, doch die vorausgesagten 10,35 Meter werden wohl nicht erreicht. Am Dienstagabend lag der Pegelstand bei 9,61 Metern bei einem Anstieg von einem Zentimeter pro Stunde. In der Nacht zu Montag wurden 400 Altstadtbewohner wegebracht. Rund 1000 Helfer waren zuletzt in Lauenburg im Einsatz. Dort wurde bereits am 5. Juni Katastrophenalarm ausgerufen.

Auch in den nächsten Tagen bleibt der Einsatz eines Hubschraubers mit Wärmebildkameras wichtig, um die Stabilität der Deiche zu überwachen. Nicht die Wasserhöhe, sondern die ungewisse Dauer des immensen Wasserdrucks sorgt die Katastrophenschützer am meisten. Womöglich bleibt die Wasserhöhe noch eine Woche lang über neun Meter – das gab es noch nie in Lauenburg.

Flussabwärts ein paar Kilometer weiter liegt die Stadt Geesthacht. Die dortige Elbuferstraße, an der auch das vom Netz genommene Kernkraftwerk Krümmel liegt, wurde für den Durchgangsverkehr gesperrt. Ein Stadtsprecher betonte, direkt am Meiler gebe es keine Wasserprobleme. Aus dem Kieler Umweltministerium, das für die Atomaufsicht zuständig ist, heißt es ebenfalls, dass keine Gefahr für eine Flutung des Reaktors bestehe. Kritisch werde es bei einem Wasserstand von 9,70 Metern Höhe. Gerechnet werde mit maximal 8,35 Metern. Derzeit sind es etwa 7,40 Meter.

Quelle: tagesspiegel.de

Der Norden rüstet sich für die Elbfluten

Veröffentlicht: Juni 7, 2013 von fluthelfer in im Norden

Das Hochwasser stellt Teile Deutschlands weiter vor große Probleme. In Magdeburg steht das Wasser schon höher als bei der Flut 2002. Die nördlichen Bundesländer bereiten sich mit Millionen Sandsäcken auf das Schlimmste vor.

Der Überblick.

In Sachsen hat das Hochwasser die höchsten Pegelstände teilweise schon erreicht, nun bedrohen die Fluten zunehmend den Norden Deutschlands.n“Das wird ganz knapp“, sagte ein Sprecher des Brandenburger Innenministeriums in der Nacht. Kritisch ist die Lage laut der Koordinierungsstelle Katastrophenschutz vor allem in Mühlberg an der Elbe. Dort stieg das Wasser in der Nacht bis auf 9,88 Meter. Am Freitagmittag soll der Höchststand erreicht werden. Stündlich nimmt der Wasserstand um knapp einen Zentimeter zu. „Die Lage ist ganz, ganz schwierig“, sagte Wolfgang Brandt von der Koordinierungsstelle.

Angelegt sind die Deiche in der Stadt auf zehn Meter Wasserhöhe, 2002 stieg das Hochwasser auf 9,98 Meter. Die 2100 Einwohner, die Mühlberg freiwillig verlassen sollten, sind bisher zu großen Teilen geblieben. Das größte Problem ist laut der Koordinierungsstelle nicht die Höhe des Wasserstandes, sondern die Dauer des Hochwassers. Brandt rechnet damit, dass es noch etwa eine Woche lang Druck auf die Deiche ausüben wird.

Auch in Sachsen-Anhalt ist die Lage weiter angespannt. Teile von Bitterfeld und der nahen Gemeinde Muldestausee werden evakuiert. In dem Gebiet leben rund 10.000 Menschen. Der Landkreis Anhalt-Bitterfeld forderte sie auf, sofort ihre Häuser zu verlassen und sich in Sicherheit zu bringen. Hintergrund: Wegen Sicherungsmaßnahmen am Lober-Leine-Kanal am Seelhausener See erhöhe sich die Gefahr eines Wassereinbruchs in den Goitzschesee. Wenn Wassermassen unkontrolliert in den See laufen, könnten Teile von Bitterfeld überflutet werden.

Der Druck auf die Dämme in Halle an der Saale sinkt, bleibt aber laut dem Krisenstab der Stadt enorm hoch. Am Morgen ging der Pegelstand in Halle-Trotha auf 7,45 Meter zurück. Das waren fast zehn Zentimeter weniger als in der Nacht. Die Entwicklung sei insgesamt positiv. Die Lage stabil, aber weiter sehr ernst.

In Magdeburg hat der Pegelstand der Elbe die Marke des Hochwassers von 2002 überstiegen. Damals wurden 6,72 Meter gemessen, inzwischen sind es 6,97 Meter – und das Wasser soll weiter steigen, der Scheitel wird erst für Sonntag erwartet. Normal sind für die Elbe in Magdeburg knapp zwei Meter.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte den Betroffenen in den Flutgebieten am Donnerstag erneut Unterstützung versprochen. „Ich glaube, dass man sich darauf verlassen kann, dass das Menschenmögliche getan wird“, sagte sie bei einem Besuch in Bitterfeld.

Im Kampf gegen die Wassermassen kam am Donnerstagabend in Wittenberg ein 74 Jahre alter Mann ums Leben. Er wurde von einem Baufahrzeug erfasst.

In Sachsen hatte das Elbe-Hochwasser seinen Höhepunkt am Donnerstag erreicht. In Dresden verharrte der Fluss stundenlang bei 8,76 Metern. Seither ist die Situation in der Stadt nach Angaben eines Sprechers stabil. Während Stadtteile im Osten und Westen unter Wasser standen, blieb die historische Altstadt bisher verschont.

In Niedersachsen dürfen die Menschen wieder hoffen: Die Prognosen für die höchsten Pegelstände wurden deutlich nach unten korrigiert. Für die besonders bedrohte Kleinstadt Hitzacker erwartet die Hochwasserzentrale nun für Dienstag und Mittwoch Höchststände von 7,65 Metern – 1,15 Meter weniger als noch vor zwei Tagen. Die auf einer Insel gelegene Altstadt wird trotzdem bis Sonntag evakuiert. „Das ist eine reine Vorsichtsmaßnahme. Ab einem bestimmten Pegel muss der Landkreis handeln“, sagte ein Sprecher des Kreises Lüchow-Dannenberg. Der Kreis geht demnach von einem Pegelstand der Elbe von 8,15 Metern aus.

Im Landkreis Lüneburg waren in der Nacht erneut Hunderte Helfer im Schichtdienst im Einsatz. Nun hätten aber fast alle Deiche die erforderliche Höhe. „Jetzt heißt es, den Status quo zu halten und die weitere Entwicklung abzuwarten“, sagte Sigrid Ruth vom Einsatzstab des Landkreises. Bereits eine halbe Million Sandsäcke seien im Kreis Lüneburg gefüllt worden.

URL: http://www.spiegel.de/panorama/hochwasser-norddeutschland-ruestet-sich-fuer-elbe-hochwasser-a-904289.html