Archiv für die Kategorie ‘Hochwasserschutz’

Drei Erfurter Kleingartenanlagen im Focus. Freistaat will Uferrandstreifen erwerben. Dringenden Gesprächsbedarf angemahnt

Es sind kleine Idyllen am Wasser. Kleingärten, die die Gera säumen und seit Dutzenden von Jahren ihren Pächtern und Bewohnern Heimstatt bieten, Ruhepunkte, Anbauflächen für Obst und Gemüse.

Lebensinhalt für die einen. Gefahrenpotenzial für andere. Marcel Glebe ist Ingenieur in der Landesanstalt für Umwelt und Geologie Jena. Er hat drei Anlagen auf seinen Messkarten, die die Gera einengen in ihrem Lauf und die beim Juni-Hochwasser zum wiederholten Mal überflutet wurden. „Zum Feierabend“ in Gispersleben, „Hochheim“ und „Am Bachstelzenweg“ im Süden der Stadt.

„Wir müssen zurück zu Uferschutzstreifen mit einem natürlichen, sich selbst stabilisierenden Ufer“, sagt er. Derzeit seien viele Uferbereiche steil und instabil.

8 bis 10 Meter breit sei der nötige Korridor direkt am Fluss, auf dem jetzt Gärten und Lauben stehen. Das würde in Hochheim die komplette Aufgabe der ersten Reihe am Fluss bedeuten und für Gispersleben die Verkleinerung von Parzellen. Glebe zeigt Dutzende Fotos, auf denen rustikale Landgewinnung in Gartenanlagen zu sehen ist: Holzbohlen und Steinaufschüttungen, die in die Gera ragen, Hütten, Betonteile. Für den Fluss sei das verheerend und für das Stadtgebiet eine Gefahr.

2011 begann das Landesamt mit der Planung für ein Hochwasserschutzkonzept. Es favorisierte eine mittel- bis langfristige Umsetzung von Gärten. Doch das Wasser war schneller als die Pläne. „Das hat gezeigt, wie akut die Situation im Hochwasserfall wirklich ist“, sagt Glebe. Das millionenschwere Konzept sieht unter anderem vor, dass der Freistaat den nötigen Gewässerschutzstreifen von der Stadt erwirbt und sofort mit der Umgestaltung beginnt. Die Pächter sollen entschädigt werden und alternative Standorte angeboten bekommen. „Der eingeengten Gera müssen wir Raum geben, Fluss und Flussaue ökologisch vernetzen“, so der Ingenieur. Er wisse, dass die Kleingärtner das anders sähen.

„Das Konzept beträfe allein bei uns 36 Parzellen, es findet keinerlei Zuspruch“, sagt Jürgen Mai, Vorsitzender der Anlage Am Bachstelzenweg. Auch die 166 nicht betroffenen Pächter seien solidarisch. Er möchte erst einmal Analysen des letzten Hochwassers sehen, er kritisiert die Informationspolitik der Landesanstalt ebenso wie „verfehlten Hochwasserschutz und den Umgang mit Rückhaltebecken und Talsperren.“

„Es gibt immer mehr große Hochwasser“, sagt Jörg Lummitsch, Leiter des Umweltamts. „Wir werden nicht umhin kommen, einzugreifen, es gibt keine Alternativen.“ Die Hochheimer Kleingärtner könnten nichts für die Situation. „An dieser Stelle hätte es nie eine Gartenanlage geben dürfen.“ Mancher sei zu DDR-Zeiten sogar hierher zwangsversetzt worden, nachdem er seinen Garten an Bauprojekte verloren hätte.

Der Stadtverband beginnt nach seiner Sommerpause am Montag wieder mit der Arbeit und will das Thema umgehend diskutieren. Einig sind sich alle nur über den dringenden Gesprächsbedarf. „Gartenvereine, Stadtverband, das Gartenamt als Verpächter, Umweltamt und TLUG müssen an einen Tisch“, fordert Jürgen Mai.

„Statistisch gesehen werden die Hochheimer Anlagen alle zehn Jahre überflutet“, sagt Marcel Glebe. „Wir müssen was tun. Dazu brauchen wir Konsens.“

Quelle: otz.de

Sandsäcke auf dem Überkinger Damm bleiben

Veröffentlicht: August 15, 2013 von fluthelfer in Hochwasserschutz

Nach der Flut ist vor der Flut: Die Sandsäcke auf dem Überkinger Hochwasserdamm bleiben noch so lange liegen, bis ein Gewässerkonzept geklärt hat, wie sich die Gemeinde künftig gegen Hochwasser schützt.

Als Anfang Juni die große Flut übers Filstal hereinbrach, haben sie den Ort vor dem Untergang bewahrt. Und die „Retter“ halten immer noch die Stellung – obwohl die zahllosen Sandsäcke auf dem Hochwasserdamm in Bad Überkingen inzwischen zum Teil einen ziemlich desolaten Eindruck machen. „Solange unser Hochwasserkonzept noch nicht feststeht, bleiben sie vorsichtshalber erst mal liegen.“ Bürgermeister Matthias Heim geht auf Nummer sicher: „Man weiß ja nie, wann die nächste Flut kommt.“

Ursprünglich sollten die 22.000 Säcke nur einige Wochen trocknen und dann (soweit noch brauchbar) kostenlos an die Bevölkerung für den „privaten Hochwasserschutz“ abgegeben werden. 1500 Säcke haben so inzwischen ihre Abnehmer gefunden, was man an einigen „Zahnlücken“ vor allem in flacheren Bereichen des Damms deutlich erkennen kann. Das auch sonst zunehmend in Auflösung befindliche bunte Sammelsurium entlang der Fils ist auf ein Umdenken bei der Gemeinde zurückzuführen. Zunächst wollten Verwaltung und Gemeinderat nur prüfen lassen, ob der vom Hochwasser sichtlich in Leidenschaft gezogene Damm weiteren Belastungen standhält oder man ihn sanieren oder gar ganz neu bauen muss. Inzwischen ist eine weitere Variante im Spiel: „Wir lassen gleichzeitig untersuchen, ob eine Verbreiterung des Flussbettes der Fils nicht die sinnvollere Alternative ist“, erläutert Heim.

Der Überkinger Schultes spielt damit auf die guten Erfahrungen in Bad Ditzenbach an. Dort hat man bereits vor Jahren der Fils am Ortseingang mehr Platz gegeben. Die Investition in Höhe von 1,5 Millionen Euro (70 Prozent davon übernahm das Land) hat sich gelohnt. Als eine der wenigen Gemeinden im Oberen Filstal blieb Bad Ditzenbach bei der Flut im Juni weitgehend vom Hochwasser verschont. Bad Überkingen hat inzwischen ein Ingenieurbüro mit der Erstellung eines Gewässerkonzeptes beauftragt. Darin sollen beide Alternativen und die jeweils zu erwartenden Kosten untersucht werden.

60.000 Euro für die Flutopfer in Bad Überkingen

Gute Nachrichten gibt es derweil für die vom Hochwasser betroffenen Privatleute. Von den zwei Millionen Euro, die von der Landesregierung zur Entschädigung nicht versicherter Flutopfer zur Verfügung gestellt werden, sind 60.000 Euro nach Bad Überkingen geflossen. Damit können im Einzelfall bis zu 30 Prozent der Schäden erstattet werden. Bislang sind 25 Anträge von betroffenen Bürgern im Bad Überkinger Rathaus eingegangen, die Gesamtsumme der angegeben Schäden beträgt rund 110.000 Euro. „Wir werden also voraussichtlich wieder Geld nach Stuttgart zurücküberweisen müssen“, schränkt der Bürgermermeister ein. Heim zufolge können aber noch bis zum 30. Oktober Anträge gestellt werden. Die entsprechenden Formulare gibt es im Rathaus.

Allerdings können die Hochwasseropfer noch auf Geld vom Bund hoffen. Wie berichtet, hat die Bundesregierung im Rahmen ihres „Fluthilfegesetzes“ eine Soforthilfe in Höhe von acht Milliarden Euro bewilligt. Nachdem das Gesetz Bundestag und Bundesrat bereits passiert hat, geht es jetzt nur noch darum, nach welchen Kriterien die Hochwasserhilfe verteilt wird. Das soll sich in den nächsten Tagen entscheiden. Nach dem „Fluthilfegesetz“ können auch Unternehmen auf Förderung hoffen, was bei der Landesbeihilfe nicht der Fall ist.

Quelle: swp.de

Mehr „Breitwasser“ gegen Hochwasser

Veröffentlicht: August 15, 2013 von fluthelfer in Hochwasserschutz

Auf Einladung des SPD-Kreisverbandes und der SPD-Gemeinderäte in Marklkofen und Steinberg hat am Montag die Bundestagsabgeordnete Dr. Bärbel Kofler, Mitglied im Umweltausschuss, den Vilstalstausee bei Steinberg besucht. Mit dabei: Bezirkstagsdirektkandidatin Christine Trapp, Landtagsdirektkandidat Dr. Bernd Vilsmeier und SPD-Gemeinderat Adolf Moser.

Sie zeigten Kofler das Bauwerk: Der Vilstalsee wurde im Zeitraum von 1972 bis 1975 errichtet und bietet einen Hochwasserschutzraum mit etwa 9,2 Millionen Kubikmeter mit einer Wasserfläche von bis zu 350 Hektar. Die normale Fläche des Sees sind etwa 100 Hektar.

Ein Ergebnis der Besichtigung: Um solche Hochwasserkatastrophen wie im Juni zu vermeiden, müsse Hochwasser mit „Breitwasser“ bekämpft werden. Dies heiße unter anderem, den Flüssen mehr Vorflutraum zur Verfügung zu stellen, zum Beispiel durch Zurückversetzen von Dämmen.

Quelle: pnp.de

3,36 Millionen Euro in den Hochwasserschutz investiert

Veröffentlicht: August 13, 2013 von fluthelfer in Bayern, Hochwasserschutz

Das Gesamtprojekt in Langenneufnach ist nun abgeschlossen und eingeweiht worden. Seine erste Bewährungsprobe hat der neue Schutzdamm bereits erfolgreich bestanden

Viele Bewohner in den Stauden denken noch immer mit einem mulmigen Gefühl an Überflutungen in den Jahren 2002 und 2005 zurück. Damals gab es noch keinen Hochwasserschutz an der Neufnach und die Regengüsse hatten für die Bürger verheerende Auswirkungen. Das hat sich geändert. Am Ortsrand von Langenneufnach entstand nach 20-monatiger Bauzeit ein Schutzdamm, der seine erste Bewährungsprobe bereits bestanden hat. Anfang Juni stand das Wasser dort 1,60 Meter hoch und der Damm sorgte dafür, dass Hochwasser keine Schäden in den umliegenden Gemeinden anrichtete (wir berichteten).

Einfach war das Projekt nicht. Langenneufnachs Bürgermeister Josef Böck bewies Beharrlichkeit und Ausdauer, die zur Planfeststellung im Februar 2010 führte. Allerdings musste tief in die Tasche gegriffen werden, um das Konzept Wirklichkeit werden zu lassen. 3,36 Millionen Euro waren nötig an Baukosten inklusive ökologischer Verbesserung am Gewässer.

Bei der offiziellen Einweihung betonte Bürgermeister Böck, wie viele Hände nötig waren, um dem Wasser seine Schrecken zu nehmen. „Der Mensch kann vieles, aber nicht das Wetter beeinflussen. Es ist unsere Aufgabe, das Hab und Gut unserer Bewohner zu schützen. Dafür haben wir das Geld investiert“, so Böck. Er dankte unter anderem auch dem Markt Fischach, der sich finanziell an dem Bauvorhaben beteiligte und so ebenso zum Gelingen des Bauvorhabens beigetragen hat.

Europapolitiker Markus Ferber sagte, dass bereits 50 Millionen Euro für den Hochwasserschutz in der Region bereitgestellt wurden: Es habe sich gezeigt, dass alle Maßnahmen zur Hochwasservermeidung, die bisher in Schwaben durchgeführt wurden, dazu beigetragen haben, dass wesentlich weniger Wasser zur Donau fließt. Daher sei es absolut richtig, dass Hochwasserschutzdämme und Rückhaltebecken bewerkstelligt werden.

Landrat Martin Sailer hob den langen Atem aller am Bauvorhaben Beteiligten hervor: „Es ist nicht selbstverständlich, sich ein so großes Projekt vorzunehmen und durchzuführen. Die extremen Niederschläge haben uns alle erschüttert und gezeigt, wie wichtig Hochwasserschutz ist“, so Sailer.

Ralph Neumeier, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Donauwörth, meinte: Bäche und Flüsse seien wichtig für Mensch und Natur, aber leider gingen von ihnen auch Gefahren aus. „Es muss uns immer bewusst sein, dass wir Demut vor der Natur und den Naturereignissen zeigen müssen.“ Demut vor der Natur: Das spürten die Teilnehmer während des Festaktes, als sie zwar nicht mit Hochwasser zu kämpfen hatten, jedoch für einen Moment mit kräftigen Windböen. Die Natur ist eben immer noch stärker als der Mensch. Daher segneten Pater Georg und Pfarrerin Gertraud Mair den Hochwasserschutzdamm. Petrus sollte gnädig gestimmt sein und künftig Unwetter vermeiden. Und falls nicht, Langenneufnach und die Region Stauden ist nun für die Zukunft bestens gerüstet.

Quelle: augsburger-allgemeine.de


3,36 Millionen Euro in den Hochwasserschutz investiert – weiter lesen auf Augsburger-Allgemeine: http://www.augsburger-allgemeine.de/schwabmuenchen/3-36-Millionen-Euro-in-den-Hochwasserschutz-investiert-id26601721.html

3,36 Millionen Euro in den Hochwasserschutz investiert – weiter lesen auf Augsburger-Allgemeine: http://www.augsburger-allgemeine.de/schwabmuenchen/3-36-Millionen-Euro-in-den-Hochwasserschutz-investiert-id26601721.html

3,36 Millionen Euro in den Hochwasserschutz investiert – weiter lesen auf Augsburger-Allgemeine: http://www.augsburger-allgemeine.de/schwabmuenchen/3-36-Millionen-Euro-in-den-Hochwasserschutz-investiert-id26601721.html

3,36 Millionen Euro in den Hochwasserschutz investiert – weiter lesen auf Augsburger-Allgemeine: http://www.augsburger-allgemeine.de/schwabmuenchen/3-36-Millionen-Euro-in-den-Hochwasserschutz-investiert-id26601721.html

Hochwasser soll breiter werden

Veröffentlicht: August 12, 2013 von fluthelfer in Hochwasserschutz, Sachsen

Grüne fordern weitere Überflutungsflächen in Sachsen / Deichverlegung erfolgt sehr langsam

Damit Fluten an sächsischen Flüssen weniger Schäden anrichten, müssen sich diese ausbreiten können. Doch bei den geplanten Vorhaben kommt das Land nicht voran.

Die Aussicht klingt ernüchternd. In etwa 250 Jahren werden Sachsens Flüsse den Raum haben, der ihnen nach dem Hochwasser 2002 versprochen wurde – vorausgesetzt, das Tempo, mit dem Deiche verlegt und damit neue Flussauen geschaffen werden, erhöht sich nicht spürbar. An 49 Stellen sollten, so ist es in den Konzepten zum Hochwasserschutz für den Freistaat zu lesen, zusätzliche Auen und Überflutungsflächen entstehen; Flüsse wie die Elbe, die Freiberger und Zwickauer Mulde, Zschopau und Spree sollten sich auf 7500 Hektar zusätzlich ausbreiten können. Die Realität hinkt diesen Planungen meilenweit hinterher: Gerade einmal zwei Vorhaben mit 110 Hektar sind umgesetzt. Stand der Planerfüllung: 1,5 Prozent.

Gisela Kallenbach will das nicht hinnehmen. »Das muss schneller gehen«, meint die Abgeordnete der Grünen im Landtag. Ihre Fraktion fordert vom Land jetzt sogar, sich ehrgeizigere Ziele zu setzen. Eine Studie, die sie beim WWF-Aueninstitut in Rastatt in Auftrag gab, schlägt weitere 17 Deichrückverlegungen vor, mit denen die Flüsse weitere 3418 Hektar Rückhaltefläche erhalten würden.

Wie notwendig das ist, hat nach Ansicht von Oliver Harms vom Aueninstitut das Hochwasser im Juni 2013 gezeigt. Das hat in Sachsen viel weniger Schäden angerichtet als die Flut 2002. Grund: Der technische Hochwasserschutz – Deiche und Flutmauern – wurde verbessert, Deichbrüche kamen seltener vor. Dafür aber wurde das flussabwärts gelegene Sachsen-Anhalt um so stärker getroffen: »Die Unterlieger müssen es ausbaden«, sagt Harms. Die Pegel lagen dort viel höher als 2002, weil das Wasser ungehindert durch Elbe, Mulde und Saale floss. Magdeburg entging nur knapp einer Katastrophe; um Breitenhagen und Fischbeck, wo Deiche brachen, trat sie ein.

Harms fordert deshalb, technische Schutzmaßnahmen nur auf Ortschaften, Siedlungen und Bauwerke zu beschränken, alle weiteren Flächen aber zur Verfügung zu stellen, damit Wassermassen sich besser ausbreiten können: »Das Hochwasser soll breiter werden«, formuliert der Experte. Allerdings lasse sich nicht exakt beziffern, um wie viele Zentimeter sich die Pegel kappen ließen: »Dafür sind die Ereignisse jeweils zu verschieden.«

In der Theorie dürfte die Forderung, den Flüssen mehr Raum zu geben, einleuchten; in der Praxis steht sie, wie die sehr zögerliche Umsetzung der Pläne zeigt, vor großen Hürden. Vorbehalte gibt es etwa bei den Bewohnern von Orten, die näher am verlegten Deich lägen und den Anstieg des Grundwassers fürchten. Ablehnend reagieren häufig auch Landwirte, die ihre zu Überflutungsflächen umgewandelten Felder nur noch extensiv nutzen dürfen oder damit rechnen müssen, dass ihr Mais öfter im Wasser steht. Harms hält es für selbstverständlich, dass Bauern in solchen Fällen entschädigt werden. Man müsse aber generell abwägen, »ob wir Städte schützen wollen oder Maisäcker«.

Kein plausibles Argument sind nach Ansicht Kallenbachs die Kosten. Zwar ist eine Verlegung von Deichen nicht eben preiswert, wie ein Modellprojekt in Sachsen-Anhalt belegt. Dort werden in Regie der Naturschutzorganisation WWF im Lödderitzer Forst 7,3 Kilometer Elbedeich tiefer ins Land verlegt, was etwa 27,8 Millionen Euro kosten soll. Allerdings kostet auch die Ertüchtigung vorhandener Deiche viel Geld. Zudem seien 100 Millionen Euro aus dem Topf für Hochwasserschutz im Landesetat nicht abgerufen worden, wie die Abgeordnete herausgefunden hat. Sie vermutet neben den Konflikten mit Anwohnern, Bauern und Besitzern der Flächen einen weiteren, recht banalen Grund für die Skepsis gegen einen ökologischen Hochwasserschutz. Beim zuständigen Landesbetrieb arbeiteten zumeist Ingenieure, und »deren Denkansatz ist ein anderer: Sie wollen bauen.«

Quelle: neues-deutschland.de

Nach Streit und Hochwasser ein Gedicht an den Fluss

Veröffentlicht: August 12, 2013 von fluthelfer in Bayern, Hochwasserschutz

Die Musterstrecke „Wertach vital“ ist fertig. Kiesbänke, flache Ufer und mehr „Spielraum“ für Wasserfluten

Schwabmünchen Es ist ein Vorzeigeprojekt und eine Besonderheit im Landkreis: die Musterstrecke „Wertach vital“, die von den Bayerischen Elektrizitätswerken (BEW) nun fertiggestellt wurde. Aufgeschüttete Kiesinseln mindern die Fließgeschwindigkeit des Wassers bei Schwabmünchen, die Flusssohle wurde stabilisiert und abgedichtet, der Stauraum erweitert, Uferbereiche abgeflacht und der Zugang erleichtert. Die Elektrizitätswerke sehen in dem neuen Zustand des bislang kanalartigen Wassers fast wieder Natur pur: Die ökologische und biologische Vielfalt des Flusses sei wieder hergestellt. Zumindest gilt dies zunächst auf einer Länge von rund hundert Metern im Bereich der Wertachau beim Flusskilometer 30,6. Vorausgegangen waren viele Überschwemmungen und ein Streit mit Anliegern.

Ein Gewässerkonzept, das in Zusammenarbeit der BEW und des Wasserwirtschaftsamts Donauwörth unter Beteiligung der Bürger erarbeitet wird, sieht weitere Maßnahmen vor, um die Wertach bis zur Stadtgrenze Augsburg wieder in Einklang mit der Natur zu bringen und dabei die Hochwassergefahr deutlich zu verringern.

Ralf Klocke, Leiter des Wasserbaus der BEW, sagte beim Festakt zur Fertigstellung der Musterstrecke: Bürger, Behörden, Politiker, Gemeinden und Vereine hätten sich am Projekt beteiligt, Ideen eingebracht, sich aktiv für ein gemeinsames Ziel eingesetzt. „Aus Gegnern wurden Partner“, so Klocke.

Rudolf Zerhau, Sprecher der Bürgerinitiative (BI) der Siedlergemeinschaft Wertachau, bestätigte: „Heute ist es für uns ein historischer Tag. Wir haben endlich das erreicht, wofür wie lange gekämpft haben.“ Die BI forderte seit Jahren einen wirksamen Hochwasserschutz für die Wertachau. „Wir haben ehrenamtlich viel Zeit und Geist investiert, um auf unser Anliegen aufmerksam zu machen, Vorschläge zum Hochwasserschutz zusammengestellt, eine Petition eingereicht und etliche Verhandlungen mit den Behörden, den Politikern und der BEW geführt“, so Zerhau. Hermann Kraus, Zweiter Sprecher der BI brachte seine Freude mit einem Gedicht zum Ausdruck: „Möge das Werk das hier gelungen / Dienen den Alten und den Jungen. / Ein Lob an alle, hier zum Schluss / Zum Wohle der Gemeinschaft und dem Fluss!“ Dass eine „gemeinsame Lösung“ gefunden werden konnte, darüber zeigte sich auch Landrat Martin Sailer erfreut: „Das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen.“ Mit der BI, der Stadt Schwabmünchen, dem Landkreis Augsburg, dem Naturschutz, dem Landschaftspflegeverband und anderen Interessengruppen soll im Herbst ein Verein gegründet werden, der die „Vision Wertachau vital“ weiter vorantreiben soll. Bürgermeister Lorenz Müller meinte: Flüsse seien die „Lebensader“ einer Stadt. An der Musterstrecke könne man nun die Wertach „hautnah erleben“ und auf „Tuchfühlung“ mit dem Fluss gehen. „Wir haben miteinander einen großen Erfolg erzielt.“

BEW-Geschäftsführer Peter Strobel sieht in der Maßnahme einen Beweis dafür, dass „bei der Gewässerentwicklung die Wasserkraft nicht das Problem ist, sondern ein Teil der Lösung“.

Quelle: augsburger-allgemeine.de

 

 


Nach Streit und Hochwasser ein Gedicht an den Fluss – weiter lesen auf Augsburger-Allgemeine: http://www.augsburger-allgemeine.de/schwabmuenchen/Nach-Streit-und-Hochwasser-ein-Gedicht-an-den-Fluss-id26601806.html

Nach Streit und Hochwasser ein Gedicht an den Fluss – weiter lesen auf Augsburger-Allgemeine: http://www.augsburger-allgemeine.de/schwabmuenchen/Nach-Streit-und-Hochwasser-ein-Gedicht-an-den-Fluss-id26601806.html

Wenig Interessierte, viele Fragen

Veröffentlicht: August 12, 2013 von fluthelfer in Hitzacker, Hochwasserschutz

Nur gut 30 Besucher bei Bürgerversammlung zum Thema Hochwasser in Hitzacker

Hitzacker. Fast einen Monat ist es her, dass das Hochwasser an den Lüchow-Dannenberger Elb- und Seegedeichen seinen Höchststand erreichte. Als die Angst wuchs, die Hochwasserschutzanlagen könnten nicht halten, als allerorts in den Samtgemeinden Elbtalaue und Gartow hektische Betriebsamkeit herrschte beim Bauen neuer Deiche und Dämme und dem Sichern der vorhandenen.

Am Montag hatte die Stadt Hitzacker zu einer Bürgerversammlung in das Café Dierks eingeladen, um die Ereignisse noch einmal Revue passieren zu lassen. Und um Fragen zu beantworten. Denn davon gibt es jetzt, wo die Elbe wieder friedlich in ihrem Bett fließt, viele in der Elbestadt.

So beispielsweise jene, warum kurz vor dem Erreichen des Hochwasserscheitels die Hitzackeraner Stadtinsel evakuiert worden war, das gefährdete Wussegel jedoch nicht. »Das lag daran, dass es sich um völlig verschiedene Verhältnisse handelte», antwortete Stadtdirektor Jürgen Meyer. Die Gefährdung der Stadtinsel sei deutlich intensiver gewesen als jene Wussegels, was vor allem daran lag, dass die Hochwasserschutzwand in Hitzacker von im Fluss treibenden Baumstämmen oder Ähnlichem hätte beschädigt werden können. Diese Gefahr bestand auch in Wussegel, so Meyer, doch dort wäre es wegen der deutlich kleineren Zahl zu evakuierender Menschen jederzeit möglich gewesen, alle in Sicherheit zu bringen – eben anders als auf Hitzackers Stadtinsel, wo gut 400 Menschen leben. Allerdings sei man auch auf die Evakuierung Wussegels vorbereitet gewesen, stellte Meyer heraus.

Was mit den zahlreichen Sportbooten und Yachten im Falle eines erneuten Hochwassers geschehen solle, wenn erst einmal der Sportboothafen wie geplant erweitert ist und dann mehr Platz bietet, wollte ein anderer der nur etwa 30 interessierten Bürger wissen. Denkbar sei eine Verlagerung der Boote nach Tießau oder Dömitz, so Meyer. »Da gibt es noch Abstimmungsbedarf, aber das sollte kein Problem sein», betonte der Stadtdirektor. Keine Antwort konnte die Verwaltung hingegen auf die Frage geben, ob denn das Elbvorland und der Fluss selbst jetzt nach dem Hochwasser in irgendeiner Weise mit Giftstoffen, Bakterien oder anderen Hinterlassenschaften der Flut belastet sind – wie 2002, als weite Teile des Elbvorlandes wegen abgelagerten Giftstoffen für die Landwirtschaft nicht mehr nutzbar waren. »Bislang haben wir keine Informationen darüber», so die ers- te Samtgemeinderätin Petra Steckelberg auf EJZ-Nachfrage. Und auch beim NLWKN, dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz, gibt es bislang keinerlei Erkenntnisse über gefährliche oder auch nur signifikante Schadstoffablagerungen im Lüchow-Dannenberger Elbvorland, sagt NLWKN-Sprecherin Herma Heyken.

Die Hochwasserschutzwand in Hitzacker habe sich indes bewährt, berichteten Ortsbrandmeister Egon Behrmann und Ehrengemeindebrandmeister Norbert Schulz auf Nachfrage. Während des Hochwassers seien Vertreter des Herstellers in Hitzacker gewesen und hätten sich von der Standfestigkeit der Konstruktion überzeugt, so Schulz. Allerdings sei durch den Rekordstand der Elbe das sogenannte Freibord, also die Höhe der Schutzeinrichtung über dem Wasserspiegel, auf unter 1,5 Meter geschrumpft. Da aber ein Freibord von eineinhalb Metern erforderlich sei, müsse die Aluminiumwand, die im Hochwasserfall auf die Hochwasserschutzmauer aufgesetzt wird, erhöht werden, stellte Deichhauptmann Axel Schmidt heraus. Ein entsprechendes Schreiben werde an Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) gesandt. Weil hatte bei seinem Besuch in Lüchow-Dannenberg während des Hochwassers versprochen, dass er für alle Fragen und Bitten zum Thema Hochwasserschutz ein offenes Ohr haben werde und sich alle Institutionen, Kommunen und Verbände gern an ihn wenden könnten.

Quelle: ejz.de

Halle zieht wegen Deichbauprojekt vor Oberverwaltungsgericht

Veröffentlicht: August 11, 2013 von fluthelfer in Halle, Hochwasserschutz

Halle will wegen eines gestoppten Deichbau-Projekts im Stadtgebiet vor das Oberverwaltungsgericht ziehen. Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) wolle so den sofortigen Weiterbau am Gimritzer Damm erreichen, berichtete die «Mitteldeutsche Zeitung» (Samstag). Wiegand hatte mit dem Deichneubau beginnen lassen, das Verwaltungsgericht stoppte das Projekt allerdings. Wiegand begründete seinen Gang in die nächste Instanz damit, dass der Beschluss des Verwaltungsgerichts auf falschen Annahmen beruhe. Er befürchte anders als das Gericht, dass schon bei einem einfachen Hochwasser Gefahr für Leib und Leben der Anwohner an er Haale-Saale-Schleife bestehe.

Umweltminister Hermann Onko Aeikens (CDU) hatte in der vergangenen Woche Wiegand signalisiert, dass 2014 ein neuer Deich gebaut werden solle. Es müssten jedoch die Vorschriften eingehalten werden. Wiegand hatte aber schon im Vorfeld erklärt, dass im Herbst dieses Jahres eine neue Überschwemmung möglich sei. (dpa/sa)

Quelle: ksta.de

Mit umfangreichen Hochwasserschutzprojekten setzt sich der Freistaat für einen bestmöglichen Schutz der Bürgerinnen und Bürger vor Naturgefahren ein. Dies betonte der Bayerische Umweltminister Dr. Marcel Huber bei der offiziellen Einweihung der neuen Hochwasserschutz-Maßnahmen im Bereich der Kläranlage Straubing. Huber: „Die neue Schutzmaßnahme in Straubing schützt die Kläranlage als bedeutende Infrastruktureinrichtung vor einem 100-jährlichen Hochwasser. Die Maßnahme hat die Feuertaufe bestanden und sich beim Junihochwasser 2013 bestens bewährt.“ In nur zwei Jahren Bauzeit wurden im Bereich der Kläranlage eine 700 Meter lange Hochwasserschutzmauer und ein 900 Meter langer Ringdeich neu errichtet sowie der bestehende Deich auf einer Länge von 1.400 Metern erhöht. Dabei wurden 30.000 Quadratmeter Spundwände als Deichinnendichtung eingebaut und 170.000 Kubikmeter Erdmasse bewegt. Die Kosten für die Baumaßnahme belaufen sich auf über 9 Millionen Euro. Sie werden vom Freistaat Bayern, dem Bund, der Europäischen Union sowie dem Entwässerungsbetrieb der Stadt Straubing getragen. Der Hochwasserschutz der Stadt Straubing ist Dank der guten Zusammenarbeit vor Ort ein Vorbild für andere Kommunen. „Der Schutz von Menschen und bedeutenden Sachwerten vor Hochwasser hat höchste Priorität. Wir wollen bayernweit den Hochwasserschutz vor Ort weiter verbessern. Wir werden deshalb gemeinsam die Maßnahmen noch intensivieren und weiter beschleunigen“, so Huber.

Nach dem diesjährigen Hochwasser hat der Freistaat schnell und konsequent reagiert. „Hochwasserschutz ist eine generationenübergreifende Aufgabe. Wir stellen uns dieser Herausforderung mit größtmöglichem Einsatz“, so Huber. Zur beschleunigten Umsetzung des bayernweiten Hochwasserschutzes wurde das Aktionsprogramm 2020plus beschlossen. Dieses sieht eine Verdopplung der bisherigen finanziellen Mittel für den Hochwasserschutz vor. Im Zeitraum bis 2020 investiert der Freistaat insgesamt 3,4 Milliarden Euro für den Ausbau des Hochwasserschutzes. Seit dem Jahr 2001 hat der Freistaat bereits 1,6 Milliarden Euro in Hochwasserschutzmaßnahmen investiert. Die durchgeführten Maßnahmen schützen rund 400.000 Menschen vor Überflutungen durch ein 100-jährliches Hochwasser.

Weitere Informationen im Internet unter http://www.wasser.bayern.de

Quelle: Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit

Die Grünen in Sachsen fordern mehr Überflutungsflächen für den Fall eines erneuten Hochwassers. „Wir müssen aus den Ereignissen lernen. Wir können nicht alle paar Jahre ein neues Jahrhunderthochwasser hinnehmen“, sagte die umweltpolitische Sprecherin der Fraktion, Gisela Kallenbach, am Freitag in Dresden. In Sachsen gebe es zu wenig Flächen, die steigendes Flusswasser aufnehmen könnten.

Kallenbach bezog sich dabei auf eine Studie des WWF-Auen-Institutes im baden-württembergischen Rastatt, die ihre Fraktion in Auftrag gegeben hatte.Die Studie schlägt unter anderem vor, 17 neue Überflutungsflächen entlang von Elbe, Zwickauer oder Freiberger Mulde mit einer Gesamtfläche von rund 3400 Hektar in ehemaligen Flussauen zu schaffen.

Technischer Schutz sei zwar wichtig, um Orte vor den Fluten zu schützen, sagte Kallenbach. Jede andere Fläche solle aber für ökologischen Hochwasserschutz zur Verfügung gestellt werden.Die Grünen warfen der Regierung vor, zu wenig für den ökologischen Hochwasserschutz zu tun. So sei nach der Flut von 2002 die Rückverlegung von 49 Deichen geplant gewesen – so sollte eine Überflutungsfläche von 7500 Hektar entstehen. Bis heute wurden den Grünen zufolge aber nur zwei Maßnahmen mit einer Überflutungsfläche von 111 Hektar umgesetzt. Andere Maßnahmen zum Hochwasserschutz hätten Priorität gehabt, sagte ein Sprecher des Umweltministeriums auf Anfrage.

Dabei sei es vor allem darum gegangen, Menschenleben, Städte und Dörfer zu schützen. Die Juni-Flut habe gezeigt, dass technischer Hochwasserschutz wie Mauern oder Schutzwände gegriffen habe. Zudem sei man mit Landwirten im Gespräch über mögliche Überflutungsflächen. Solche Entschädigungs- und Planungsverfahren seien allerdings aufwendig.

Quelle: dnn-online.de

„Beim Hochwasserschutz gibt es kein Sorglos-Paket“

Veröffentlicht: August 8, 2013 von fluthelfer in Hochwasserschutz, Thüringen

Das Jahr 2013 stellte die Erfurter Wasserexperten schon vor einige Herausforderungen. Die Schutzbauten haben sich bisher aber bewährt.

 Wie beurteilt der Wasserexperte den bisherigen Jahresverlauf 2013?

Das Jahr 2013 ist wasserwirtschaftlich schon jetzt eine Herausforderung.

Sie unterscheiden zwischen Starkregen, Schneeschmelze, Hochwasser. Wo ordnen Sie die Erfurter Ereignisse von Mai und Juni ein?

Die Schneeschmelze 2013 ist relativ geordnet abgeflossen. Dann kamen die Niederschläge im Mai zu Pfingsten und bis 2.Juni. Der starke Regen stellte die Nebenvorfluter in den Ortsteilen auf eine Bewährungsprobe

Danach kam ein Dauerregengebiet, das das Einzugsgebiet von Gera und Apfelstädt reichlich mit Wasser versorgte. Hier waren die Hochwasserspitzen am 31. Mai und 1. Juni am Pegel Möbisburg etwa mit dem Sommerhochwasser von 1984 vergleichbar. Damit nicht genug, folgte am 20. Juni ein Niederschlagsgebiet über den Haarberg, es traf den Linderbach. In 2 Stunden fielen 80 Liter auf den Quadratmeter. Diese Menge in diesem Zeitraum liegt über dem statistischen Abflusswert des Jahrhunderthochwassers (HQ100), der die Hochwassermenge für Gewässer einstuft.

Stichwort Hochwasserschutz – was hat sich bewährt ?

Dank der Gewässerumbauten am Eingang zum Orphalgrund blieb in Tiefthal der Weißbach in seinem Bett. Die Schadensbilanz für Erfurt fiel dank einer guten Gewässerunterhaltung und einer guten Koordinierung in der Leitstelle des Katastrophenschutzes relativ gering aus.

Gut klappte das Zusammenspiel der Freiwilligen Wehren mit den Ämtern der Stadt. Den Hochwasserschutz in Möbisburg konnten wir leider aus planungsrechtlichen Gründen bis jetzt noch nicht umsetzen. Der Planfeststellungsbeschluss ist aber jetzt rechtswirksam.

Sie sind auch Fachberater im Katastrophenschutz. Wo sehen Sie dringend Handlungs- und Klärungsbedarf?

Zuallererst müssen Hochwässer als ein Naturereignis und als ester Bestandteil des natürlichen Wasserkreislaufs vom Bürger akzeptiert werden. So ein starker Niederschlag wie am 20. Juni kann von keiner Kanalisation und teils von den Gewässern nicht aufgenommen werden. Auch fehlt es dem Wasser durch die Bebauung an Platz zum Abfließen.

Konnte der Deich nach den Problemen 2011 bei Bischleben rechtzeitig stabilisiert werden?

Die Ursachen der plötzlichen Setzung konnten nicht mehr ermittelt werden. Die zuständige Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie ertüchtigte den Deich. Gleichzeitig wurde das Gewässerbett geräumt. Das hat sich in Bischleben beim Hochwasser positiv ausgewirkt.

Haben sich die Schutzbauten bei Molsdorf bewährt?

Ja, die Schutzbauten und auch der kleinteilige Hochwasserschutz in den Oberläufen der Kleingewässer.

Es fallen aber immer die selben Namen bei den Katastrophenmeldungen: die Wasserdörfer Hochheim, Bischleben zum Beispiel. Ist Büßleben neu dazu gekommen und warum?

Wir müssen bei den Hochwasserereignissen unterscheiden: Im Bereich des Linderbaches waren die Niederschläge – eine Sturzflut – am 20. Juni besonders heftig. Der Peterbach in Büßleben ist Bestandteil des Linderbaches in seinem Oberlauf.

Dort gibt es Gewässereinbauten, die den Abfluss behindern; zum einen die Brücke über den Peterbach an der Straße „Zur Trolle“ und zum anderen die Wehreinbauten am Platz der Jugend. Hier ist immer die Gefahr, dass sich durch umgestürzte Bäume oder herabfallende Äste Treibgut bildet. Das macht bei Hochwasser zusätzliche Probleme.

Nach Ihren Beobachtungen: Werden die Unwetterabstände kürzer und deren Heftigkeit weiter zunehmen? Was bedeutet das für den Schutz?

Ob die Häufigkeit zunimmt oder ob wir durch eine hochwertigere Nutzung der Grundstücke empfindlicher geworden sind, mag ich nicht beurteilen. Am 24. Mai haben wir erst der Thüringer Sintflut von Bruchstedt im Jahr 1950 gedacht.

Wir werden unsere Philosophie zur Schaffung von naturnahen Wasser-Rückzugsräumen in den Oberläufen der Gewässer mit den Kollegen von Naturschutz und Gewässerunterhaltung mit Nachdruck fortsetzen. Wo notwendig, setzen wir den technischen Hochwasserschutz um wie am Wiesenbach und an der Gera in Möbisburg.

Wichtig ist es, die Bürger zu sensibilisieren, dass Starkniederschläge wie am Linderbach oder Hochwässer wie an der Gera immer Naturereignisse sind, die nicht einhundertprozentig durch Hochwasserschutzmaßnahmen verhindert werden können. Es gibt kein Sorglospaket im Hochwasserschutz. Jeder muss an seinem Haus und Grundstück prüfen, wie durch Eigenvorsorge Schäden durch Hochwasser vermieden werden können. Das nächste Hochwasser, das nächste Starkregenereignis kommt bestimmt.

Quelle: thueringer-allgemeine.de

 

 

Nach Hochwasser: Stadt erarbeitet Katastrophenplan

Veröffentlicht: August 8, 2013 von fluthelfer in Bayern, Hochwasserschutz

Das Thema Hochwasser ist „noch nicht gegessen“, sagt der OB. Wasserwirtschaftsamt und Stadt werden einen Katastrophenplan für die Moosach und kleinere Gräben erarbeiten. Auch wenn beim nächsten Hochwasser wieder alles anders sein wird.

Mittlerweile ist klar: Bei dem Ereignis Anfang Juni hat es sich um ein HQ 100, also ein Hochwasser gehandelt, das statistisch nur alle 100 Jahre vorkommt. Statt drei Kubikmeter Wasser pro Sekunde, wie es normalerweise der Fall ist, rauschten 27 Kubikmeter, also 27 000 Liter, pro Sekunde, durch die Moosach – so viel wie im Normalfall durch die Isar. Folge: „Das war letztendlich zu viel Wasser“, sagte Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher am Montag bei einer Bilanz des Hochwassers. Dass dieses Mal die Moosach Probleme bereitete hatte alle überrascht. Alle Augen waren zunächst auf die Isar gerichtet.

Um für den nächsten Katastrophenfall an der Moosach besser gerüstet zu sein, werde man eine so genannte „Basisstudie“ für den Hochwasserschutz an der Moosach erstellen lassen, sagte die Leiterin des Wasserwirtschaftsamts (WWA) München, Sylva Orlamünde. Als Ergebnis der Erhebung komme ein Kosten-Nutzen-Faktor für bestimmte Maßnahmen heraus, dem dann eine Priorität zwischen 1 und 5 zugewiesen werde. Je nachdem, wie hoch die Priorität ausfalle, werde man in Maßnahmen für ganz Bayern eingeordnet. Etwas ähnliches wird die Stadt auch für Gewässer dritter Ordnung wie den Giggenhauser und den Thalhauser Graben erstellen. Am Ende gebe es einen Hochwassermelde- und Katastrophenplan, sagte der OB – auch wenn man wisse, dass jedes Hochwasser wieder neue Überraschungen bringe.

Und auch andere Probleme werde man angehen, so der OB: Beispielsweise waren in den Gräben „Dinge drin“, die da nichts zu suchen hatten und die Durchflüsse verstopften – Grünschnitt, Teppiche, Gelbe Säcke. Und auch die „Schleusenproblematik“ werde man angehen, um schneller reagieren zu können. Hinweisen von Anliegern werde man weiter nachgehen, versprach der OB. Und noch etwas: Laut Aussage eines Freisinger Versicherungsdienstes gebe es in der Domstadt keine Häuser, die man nicht gegen Oberflächenwasser versichern könne.

Ganze Arbeit geleistet haben die Hilfsorganisationen: 360 Tonnen Sand geschaufelt, 9000 Liter Sprit verbraucht, 30 Fahrzeuge im Einsatz, 110 Helfer Tag und Nacht am Werk und 5000 Stunden gearbeitet – das war laut Stadtbrandinspektor Anton Frankl die Bilanz der Freiwilligen Feuerwehr Freising. 40 Einsatzkräfte und 2600 Stunden – so die Statistik des THW, wie sie Michael Wüst verkündete. Dass eine Gesamtpumpleistung von 20 000 Liter pro Minute bei einem Abfluss von 27 000 Liter pro Sekunde zwar für Erleichterung sorgte, die Überflutungen aber nicht verhindern konnte, müsse einleuchten, sagte Wüst.

Und noch etwas müsse einleuchten, sagte Winfried Adam, Abteilungsleiter für Freising beim WWA: Wegen der Enge an der Karlwirtkreuzung könnten durch die Moosach unter der Hauptstraße nur 4000 Liter pro Sekunde fließen. Und die seien geflossen. Mehr gehe einfach nicht. Das habe also auf die geplante Moosachöffnung in der Oberen Hauptstraße keinen Einfluss. Außerdem: Wenn die Moosach in diesem Bereich für Überflutungen sorge, dann tue sie das auch mit der derzeitigen Abdeckung: „Dann drückt es das Wasser aus den Gullis.

Quelle: merkur-online.de

Das Hochwasser Anfang Juni hat offenbar viele Energien freigesetzt in der Bayerischen Staatsregierung. Sie treibt nun den Hochwasserschutz massiv voran. Doch manche Orte wollen ihn gar nicht – so zum Beispiel am Tegernsee.

Der Tegernsee sei kein Stausee, sagt das Aktionsbündnis „Rettet den Tegernsee“, das innerhalb kürzester Zeit viele Unterstützer gefunden hat. Das Bündnis befürchtet, dass künftig alle Gemeinden im Tal bei Hochwasser großflächig überschwemmt werden, sollte das Wasserwirtschaftsamt Rosenheim seine Pläne durchsetzen.

„Es sind schon einige Schwergewichte, die wirtschaftlich große Betriebe darstellen: mehrere Hoteliers, Kliniken, auch das Bräustüberl als größter Gastronomiebetrieb. Es sind auch sehr viele Einzelpersonen dabei, die schon sehr viele Schäden haben.“

Andreas Scherzer, Sprecher des Aktionsbündnisses

Fehlende Auen, steigender Grundwasserpegel

Die Schäden werden noch mehr werden, sollte der Tegernsee tatsächlich einmal Rückhaltebecken werden, prophezeit das Aktionsbündnis. Seeanlieger befürchten ein wiederholtes „Absaufen“, denn nicht nur der Seespiegel, sondern auch das Grundwasser würden steigen.

Ein großes Problem sind die begradigten Ufer der Zuflüsse Rottach und Weißach. Deren Auen als natürliche Rückhaltebecken bei Hochwasser sind mittlerweile verschwunden.

„Monsterwehr“ in Gmund

Das Vertrauen in die Pläne des Wasserwirtschaftsamtes Rosenheim ist also nicht groß. Das geplante neue Wehr in Gmund werde ein „Monsterwehr“ heißt es. Schließlich sollen die Mauern sogar ein Hochwasser zurück halten können, dessen Pegel 1,20 Meter über den jetzt prognostizierten Werten liegt:

„Heißt ganz konkret, da unten wird das Wasser 1,20 Meter höher? Welche Auswirkungen hat das auf den gesamten See?“

Anlieger Christoph Ebensberger

Nur ein Kommunikationsproblem?

Das Wasserwirtschaftsamt ist überrascht vom Tegernseer Gegenwind. Vor zwei Wochen sollte eine Informationsveranstaltung in Gmund aufklären und für Zustimmung sorgen. Der Schuss ist aber nach hinten losgegangen, seitdem formiert sich der Widerstand. Der Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Paul Geisenhofer betont man sei ganz am Anfang der Planung.

„Es ist denkbar, dass es ein Kommunikationsproblem ist, speziell Fragen der Steuerung eines Projektes sind natürlich viel schwerer zu erklären, als wenn man nur irgendwo Deiche und Schutzanlagen baut. Wir setzen weiterhin darauf zu informieren. Wir gehen auf die Gegner zu. Ich hoffe, dass es jetzt bald zu Gesprächen kommt und dass wir dann unsere Pläne auf den Tisch legen und nähere Einzelheiten besprechen können.“

Paul Geisenhofer, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Rosenheim

Schutz für Rosenheim

Die Gegner lassen unterdessen zwei Gutachten erstellen. Ein Ingenieurbüro in Gründwald wurde damit beauftragt, ein Gesamtkonzept für das Tegernseer Tal zu erarbeiten.

Fakt ist: Schutzmaßnahmen am Tegernsee bedeuten auch Schutz für das untere Mangfalltal, für die Region Rosenheim. Auch wenn der Tegernsee hier nur eine kleine Teilmenge liefert, sagt Paul Geisenhofer:

„Das Grundprinzip ist, jeder Tropfen zählt. Und deswegen wollen wir die Rückhaltemöglichkeiten im Tegernsee durchaus nutzen.“

Paul Geisenhofer, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Rosenheim

Quelle: br.de

Info-Flyer der Stadt Gera ist jetzt im Amtsblatt erschienen.

Die angekündigte Übersicht der Stadt Gera mit Tipps und Kontaktdaten rund um den Fall eines Hochwassers ist am Wochenende im Amtsblatt der Stadt erschienen. Unter dem Titel „Bürgerinformation bei Hochwasser“ werden sowohl Ratschläge zur Prävention beziehungsweise Vorbereitung gegeben, nützliche Telefonnummern und Internetseiten aufgelistet, Handlungsanweisungen für den Ernstfall gegeben sowie notwendige Maßnahmen nach einem Hochwasser aufgezählt. Neben Tipps für die eigene Sicherheit, die eigenen Besitztümer, wird in dem Infoblatt unter anderem auch zur Nachbarschaftshilfe aufgerufen.

Das Infoblatt – in dessen Impressum im Übrigen darauf hingewiesen wird, dass das Informationsmaterial „nicht zur Wahlwerbung benutzt“ werden darf – ist ein Ergebnis der AG Hochwasser, die sich nach den verheerenden Überflutungen Anfang Juni gebildet hatte.

Es ist unter anderem auch auf der städtischen Internetseite http://www.gera.de abrufbar.

Quelle: otz.de

„Beim Hochwasserschutz gibt es kein Sorglos-Paket“

Veröffentlicht: August 7, 2013 von fluthelfer in Hochwasserschutz, Thüringen

Erfurt. Das Jahr 2013 stellte die Erfurter Wasserexperten schon vor einige Herausforderungen. Die Schutzbauten haben sich bisher aber bewährt.

Wie beurteilt der Wasserexperte den bisherigen Jahresverlauf 2013?

 

Das Jahr 2013 ist wasserwirtschaftlich schon jetzt eine Herausforderung.

 

Sie unterscheiden zwischen Starkregen, Schneeschmelze, Hochwasser. Wo ordnen Sie die Erfurter Ereignisse von Mai und Juni ein?

 

Die Schneeschmelze 2013 ist relativ geordnet abgeflossen. Dann kamen die Niederschläge im Mai zu Pfingsten und bis 2.Juni. Der starke Regen stellte die Nebenvorfluter in den Ortsteilen auf eine Bewährungsprobe.

 

Danach kam ein Dauerregengebiet, das das Einzugsgebiet von Gera und Apfelstädt reichlich mit Wasser versorgte. Hier waren die Hochwasserspitzen am 31. Mai und 1. Juni am Pegel Möbisburg etwa mit dem Sommerhochwasser von 1984 vergleichbar. Damit nicht genug, folgte am 20. Juni ein Niederschlagsgebiet über den Haarberg, es traf den Linderbach. In 2 Stunden fielen 80 Liter auf den Quadratmeter. Diese Menge in diesem Zeitraum liegt über dem statistischen Abflusswert des Jahrhunderthochwassers (HQ100), der die Hochwassermenge für Gewässer einstuft.

 

Stichwort Hochwasserschutz – was hat sich bewährt ?

 

Dank der Gewässerumbauten am Eingang zum Orphalgrund blieb in Tiefthal der Weißbach in seinem Bett. Die Schadensbilanz für Erfurt fiel dank einer guten Gewässerunterhaltung und einer guten Koordinierung in der Leitstelle des Katastrophenschutzes relativ gering aus.

 

Gut klappte das Zusammenspiel der Freiwilligen Wehren mit den Ämtern der Stadt. Den Hochwasserschutz in Möbisburg konnten wir leider aus planungsrechtlichen Gründen bis jetzt noch nicht umsetzen. Der Planfeststellungsbeschluss ist aber jetzt rechtswirksam.

 

Sie sind auch Fachberater im Katastrophenschutz. Wo sehen Sie dringend Handlungs- und Klärungsbedarf?

 

Zuallererst müssen Hochwässer als ein Naturereignis und als ester Bestandteil des natürlichen Wasserkreislaufs vom Bürger akzeptiert werden. So ein starker Niederschlag wie am 20. Juni kann von keiner Kanalisation und teils von den Gewässern nicht aufgenommen werden. Auch fehlt es dem Wasser durch die Bebauung an Platz zum Abfließen.

 

Konnte der Deich nach den Problemen 2011 bei Bischleben rechtzeitig stabilisiert werden?

 

Die Ursachen der plötzlichen Setzung konnten nicht mehr ermittelt werden. Die zuständige Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie ertüchtigte den Deich. Gleichzeitig wurde das Gewässerbett geräumt. Das hat sich in Bischleben beim Hochwasser positiv ausgewirkt.

 

Haben sich die Schutzbauten bei Molsdorf bewährt?

 

Ja, die Schutzbauten und auch der kleinteilige Hochwasserschutz in den Oberläufen der Kleingewässer.

 

Es fallen aber immer die selben Namen bei den Katastrophenmeldungen: die Wasserdörfer Hochheim, Bischleben zum Beispiel. Ist Büßleben neu dazu gekommen und warum?

 

Wir müssen bei den Hochwasserereignissen unterscheiden: Im Bereich des Linderbaches waren die Niederschläge – eine Sturzflut – am 20. Juni besonders heftig. Der Peterbach in Büßleben ist Bestandteil des Linderbaches in seinem Oberlauf.

 

Dort gibt es Gewässereinbauten, die den Abfluss behindern; zum einen die Brücke über den Peterbach an der Straße „Zur Trolle“ und zum anderen die Wehreinbauten am Platz der Jugend. Hier ist immer die Gefahr, dass sich durch umgestürzte Bäume oder herabfallende Äste Treibgut bildet. Das macht bei Hochwasser zusätzliche Probleme.

 

Nach Ihren Beobachtungen: Werden die Unwetterabstände kürzer und deren Heftigkeit weiter zunehmen? Was bedeutet das für den Schutz?

 

Ob die Häufigkeit zunimmt oder ob wir durch eine hochwertigere Nutzung der Grundstücke empfindlicher geworden sind, mag ich nicht beurteilen. Am 24. Mai haben wir erst der Thüringer Sintflut von Bruchstedt im Jahr 1950 gedacht.

 

Wir werden unsere Philosophie zur Schaffung von naturnahen Wasser-Rückzugsräumen in den Oberläufen der Gewässer mit den Kollegen von Naturschutz und Gewässerunterhaltung mit Nachdruck fortsetzen. Wo notwendig, setzen wir den technischen Hochwasserschutz um wie am Wiesenbach und an der Gera in Möbisburg.

 

Wichtig ist es, die Bürger zu sensibilisieren, dass Starkniederschläge wie am Linderbach oder Hochwässer wie an der Gera immer Naturereignisse sind, die nicht einhundertprozentig durch Hochwasserschutzmaßnahmen verhindert werden können. Es gibt kein Sorglospaket im Hochwasserschutz. Jeder muss an seinem Haus und Grundstück prüfen, wie durch Eigenvorsorge Schäden durch Hochwasser vermieden werden können. Das nächste Hochwasser, das nächste Starkregenereignis kommt bestimmt.

Quelle: otz.de

 

Mühlhausen. Johannistalbach trat wiederholt über die Ufer. Grünflächenamt der Stadt kündigt außerplanmäßige Kontrolle an

Das, was sich dieser Tage am Johannistalbach ereignete, das sei zu erwarten gewesen. Die Kleingärtner, die entlang des Bachlaufs ihrem Hobby nachgehen und Erholung suchen, empören sich. „Zwar wird es immer wieder uns in die Schuhe geschoben, dass wir am Ufer unsere Gartenabfälle entsorgen, aber dem ist nicht so“, empört sich eine Dame. Vielmehr sei es so, dass der Bach vom Grünflächenamt der Stadtverwaltung nur nachlässig gesäubert und gepflegt werde, lautete die Kritik.

 

Vor zwei Wochen hatte starker Regen den Pegel im Johannistalbach ansteigen lassen. Mehr noch: Am Kreisel zwischen Tonberg- und Mittelstraße trat das Wasser über die Ufer. Die Feuerwehr der Stadt war im Einsatz, um das Schutzgitter von Pflanzen zu befreien (unsere Zeitung berichtete). Nicht zum ersten Mal im Übrigen. Allerdings schwammen in der Vergangenheit auch schon Plastekanister und anderes wild Entsorgtes in dem kleinen Bach, verstopften die Auffangrechen.

 

Stadt kümmert sich um 83″Wasserkilometer

„Die Stadtverwaltung wird in den nächsten Tagen den Lauf des Johannistalbachs noch einmal überprüfen – außerhalb der turnusmäßigen Kontrollen“, hieß es jetzt von einem Sprecher der Verwaltung, nachdem sich die Anwohner beklagt hatten.

 

Nach derzeitiger Einschätzung des zuständigen Fach­bereichs für Grün- und Verkehrsflächen sei für die jüngste Überschwemmung vor allem die extreme Wetterlage mit den hohen Niederschlagsmengen innerhalb von kurzer Zeit ursächlich gewesen. Auch der Feuerwehreinsatz am Kreisel habe ergeben, dass die Verstopfung am Auffangrechen zum größten Teil auf Grünalgen zurückgegangen sei und nicht auf Schnittabfälle. Auch am bachaufwärts gelegenen ersten Auffangrechen, auf Höhe Pestalozzischule, fand sich beim jüngsten Einsatz kaum Schwemmholz, hieß es.

 

Die Stadt kümmert sich nach eigenen Angaben um insgesamt 83 Kilometer Bachläufe und wasserführende Gräben. Der Wildwuchs an den Ufern wird durch die Mitarbeiter des Bauhofes in regelmäßigen Abständen beseitigt und entsorgt.

 

„Neben ganzjährigen Kontrollgängen wird in jedem Herbst eine umfassende Gewässerschau durchgeführt. Etwaige Gefahrenstellen werden aufgenommen und anschließend nach Dringlichkeit beseitigt“, heißt es von Stadtsprecher Christian Fröhlich nach Anfrage unserer Zeitung. Zuletzt seien Arbeiten schwerpunktmäßig entlang der Breitsülze, am Popperöder Bach zwischen Schneidemühlenweg und Obermühlenweg, am Felchtaer Bach oberhalb Weidensee und unterhalb des Gewerbegebietes oder am Pfafferöder Steingraben durchgeführt worden.

 

Die beiden Auffangrechen entlang des Johannistalbachs werden nach Angaben der Verwaltung jede Woche kontrolliert und nach Bedarf gereinigt.

Quelle: otz.de

360 000 Euro für Hochwasserschutz sowie der Entwicklung von Flora und Fauna investiert. Thüringer Aufbaubank trägt 70 Prozent der Kosten.

Laasdorf. In die frohe Botschaft über den Abschluss der umfangreichen Renaturierungsarbeiten entlang der Roda in Laasdorf, die sowohl dem Hochwasserschutz dient als auch Raum für die Entwicklung von Flora und Fauna einräumt, mixte Bürgermeister Jürgen Bösemann zugleich einen Appell. „Wir dürfen bei der Renaturierung nicht alleine bleiben, auch flussauf- und flussabwärts muss etwas bei der Renaturierung getan werden. Für sinnvoll erachte ich, dass die Anrainerorte einen Roda-Zweckverband gründen, um den Belangen des Hochwasserschutzes sowie der Flora und Fauna gemeinsam gerecht werden zu können“, regte er an.

Gestern feierte die kleine Gemeinde Laasdorf, die gerade rund 550 Einwohner zählt, den Abschluss der Renaturierungsarbeiten. Rund 360 000 Euro sind in das Projekt geflossen, in dem Vorgaben der europäischen Wasserrahmenrichtlinie Beachtung fanden, in der Belange des Hochwasserschutzes sowie Vorgaben für Flora und Fauna enthalten sind.

„70 Prozent der Kosten hat die Thüringer Aufbaubank zur Verfügung gestellt. Laasdorf steuerte Eigenmittel von 108 000 Euro bei“, erläutert Bösemann.

Erkenntnisse durch Hochwasser umgesetzt

Nach dem sich die Gemeinderäte zum ersten Mal im Jahre 2007 mit der Thematik Renaturierung beschäftigt hatten, begann das Großprojekt im ersten Bauabschnitt 2010. Jeweils in zwei Bauabschnitten über zwei Jahre verteilt, sei das Vorhaben realisiert worden. Entlang der Roda sind dabei auf einer Länge von insgesamt rund 1,7 Kilometern an den Uferrändern unter anderem so genannte Faschinen – das sind walzenförmige Reisig- oder Rutenbündel, die zur Befestigung der Uferbereiche in die Böschungen eingezogen werden – gesetzt worden. Dazu sind über 20 Steinbuhnen im Flussbett aufgeschichtet worden, um Fließgeschwindigkeiten und Strömungen zu drosseln.

Erste Erkenntnisse habe man schon während der Bauphase, ganz speziell zu den Buhnen gewinnen können, merkte der Bürgermeister an. „Die ersten Steinbuhnen waren an neuralgischen Stellen in der Roda schon errichtet, als auch Laasdorf das Hochwasser Ende Mai erreichte. Die Erfahrung lehrte uns, die Anzahl der zu errichtenden Steinbuhnen an einer Stelle zu erhöhen, um noch mehr Sicherheit vor Ausspülungen erreichen zu können. Insgesamt ist Laasdorf beim Hochwasser glimpflich davon gekommen, weil zu diesem Zeitpunkt die Arbeiten für einen Durchlauf der Roda ohne Hindernisse schon erreicht war“, so Bösemann.

Neu entstanden sei entlang des Ufers ein befestigter Weg, der sowohl als kleiner Wanderweg genutzt werden kann aber in erster Linie als Zugang diene, um Pflegemaßnahmen ausführen zu können. Um dieses Vorhaben umsetzen zu können, habe man mit den Pächtern einer kleinen Gartenanlage einen Kompromiss finden. „Die Pächter mussten ein Stück Pachtland abgeben und etwas nach hinten rücken, damit die Renaturierung in diesem Bereich fortgesetzt werden konnte. Dafür konnte die Gartenanlage als Ganzes erhalten bleiben“, erläutert der Bürgermeister.

Im ersten Bauabschnitt im Bereich des ehemaligen Mühlgrabens, hier stehen unmittelbar am Flusslauf Wohnanlagen, sei es gelungen, Überreste der alten Mühle im Flussbett zu beseitigen und das Bett tiefer zu legen. Damit sei eine ungehinderte Durchflussfähigkeit gesichert worden. Ein weiterer wichtiger Punkt der Renaturierung sei die Beseitigung des alten Wehrs oberhalb des ehemaligen Mühlgrabens gewesen. „Dadurch kann die Roda über zwei Flussstränge fließen. Und auch hier hat sich während des Hochwassers gezeigt, dass diese Entscheidung richtig war. Denn beim letzten Hochwasser im Jahre 2007 war Wasser über die Ufer getreten und schwappte damals dicht an die Häuser heran“, berichtet der Bürgermeister.

Zum Abschluss der Maßnahme hatte Bürgermeister Jürgen Bösemann alle an dem Projekt Beteiligten, darunter Vertreter der Verwaltungsgemeinschaft Südliches Saaletal, des Planungsbüros, die Baufirma, die Aufbaubank sowie die Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie eingeladen, um ihnen Dank für das Gelingen des Vorhabens zu sagen.

Quelle: otz.de

 

 

In 18 bis 20 Monaten soll die neue Sportstätte neben der Eisbahn in Greiz eingeweiht werden. Bis zu 1000 Zuschauer sollen Platz finden. Landrätin will Kreisräte bitten, einem Zuschuss zuzustimmen.

Greiz. Zehn Schaufeln wurden gestern vor dem Spatenstich für die Zweifelder-Sporthalle, die neben der Eisbahn in Aubachtal entsteht, verteilt. Um zu zeigen, dass die als „Ringerhalle“ bekannt gewordene Sportstätte eben nicht nur von den RSV-Athleten, sondern auch von diversen anderen Vereinen und der Polizei genutzt werden soll, durften deren Vertreter mit schaufeln.

Hochwasserschutz ab September im Aubachtal

Rund 3,75 Millionen Euro wird der Neubau, der in 18 bis 20″Monaten eingeweiht werden soll, kosten. Das sind 750″000″Euro mehr als ursprünglich geplant. Womit das zusammenhängt, erklärt Frank Böttger, Geschäftsführer der kommunalen Bauherrin Greizer Freizeit- und Dienstleistungsgesellschaft mbH & Co. KG. Zunächst einmal wird aus Hochwasserschutzgründen – der unmittelbar in der Nähe befindliche Aubach hatte Anfang Juni beträchtlichen Schaden angerichtet – die Grundfläche um zirka einen Meter aufgeschüttet. Begonnen wird zunächst mit 4000 Kubikmetern, die dann lagenweise verdichtet werden. Wie viele Kubikmeter insgesamt für die Aufschüttung gebraucht werden, lasse sich derzeit noch nicht sagen.

Ebenfalls mit Hochwasserschutz begründet wird der Bau eines Regenrückhaltebeckens, das bei Starkregen dafür sorge, dass nur eine bestimmte Literzahl in den Aubach abgegeben wird. Zudem hätten Brandschutzmaßnahmen und ein Blockheizkraftwerk zu den Mehrkosten geführt.

Die zuständige Ministerin Heike Taubert (SPD), die im Vorfeld den 1,2-Millionen-Fördermittelbescheid für die Halle überreicht hatte, sieht trotz der Aussage von Seiten der Landesregierung, dass Neubauten in Hochwassergebieten nicht unterstützt werden, den Zuschuss nicht in Gefahr. „Das war eher eine grundsätzliche Bemerkung“, sagt Taubert, die überzeugt ist, dass die entsprechenden Schutzvorkehrungen getroffen werden. Ein gutes Gewissen habe sie schon allein deshalb, weil sie sich nicht erinnern könne, dass von der Stadt Greiz jemals eine Maßnahme in Angriff genommen wurde, die nicht durchdacht gewesen wäre.

Auch wenn Bürgermeister Gerd Grüner (SPD) gestern davon sprach, dass das Aubachtal „kein Hochwassergebiet“ sei, wies er auf die im September startenden Schutzmaßnahmen hin, bei denen unter anderem „die Staumauerbrücke bei Caspar“ verschwinden soll. Wenn die entsprechenden Bauarbeiten abgeschlossen sind, mache er sich bei einer Flut wie Anfang Juni keine Sorge um die neue Halle. Grüner und Böttger wiesen darauf hin, dass das Hochwasser in der benachbarten Eishalle lediglich eine Betonrampe weggespült habe und das Wasser nur wenige Zentimeter hoch gestanden habe – der Schaden sei gering.

Die neue Mehrzweckhalle wird eine Grundfläche von 68 mal 38 Meter haben, das Spielfeld ist 40 mal 20 Meter groß. Neben Foyer, Sanitäranlagen und Kraftraum für alle Vereine wird es einen Trainingsraum mit Ringermatte geben. Bis zu 1000″Zuschauer dürfen in den Flachbau gelassen werden, 500 – einschließlich sechs Rollstuhlfahrer – finden auf der Zuschauertribüne Platz.

Landrätin Martina Schweinsburg (CDU) findet es „richtig, dass die Mehrzweckhalle in Aubachtal gebaut wird“, sagte sie. Die neue Sportstätte biete „optimale Möglichkeiten für Sportvereine“, so dass sie die Kreisräte darum bitten will, dass sich der Landkreis finanziell beteilige – auch mit Blick auf die ausgereizten Kapazitäten in den vorhandenen Turnhallen, die bis zu 95 Prozent allein durch den Schulsport ausgelastet seien. Geht es nach Schweinsburg, wird im Doppelhaushalt 2014/2015 ein Zuschuss für die Aubachtaler Halle zu finden sein.

Quelle: otz.de

Renaturierung der Sieg – Mehr Platz für neue Kiesbänke

Veröffentlicht: Juli 30, 2013 von fluthelfer in Hochwasserschutz

Im Windecker Ortsteil Hoppengarten lässt die Bezirksregierung Köln die Steinschüttung am Siegufer zurückbauen. Ziel ist es, dass sich das Gewässer naturnah in die Breite entwickeln und und dabei Kiesbänke und Nebengerinnen bilden kann.

Auch an ihrem Flusslauf im Ortsteil Hoppengarten soll sich die Sieg künftig wieder natürlich entwickeln können. Dazu lässt die Bezirksregierung Köln die Steinschüttung am Siegufer zurückbauen. Ziel ist es, dass sich das Gewässer naturnah in die Breite entwickeln und dabei Kiesbänke und Nebengerinnen bilden kann.

Die Arbeiten sind Teil des Programms „Lebendige Gewässer in Nordrhein-Westfalen“, das bis 2027 gute Lebensbedingungen für Fische und andere Lebewesen schaffen soll. Der Rückbau der Steinschüttung könnte nach schon beim nächsten Hochwasser dazu führen, dass sich bei Hoppengarten eine neue Uferlinie bildet.

Schlafende Sicherung

Zum Schutz des Damms an der nahe gelegenen Siegtalstraße (L 133) wird eine schlafende Sicherung errichtet. Dazu werden die vom Ufer entfernten Steine in einem Graben eingebaut. Wenn sich die aus ihrem steinernen Korsett befreite Sieg dann weiter in Richtung L 133 ausbreitet, wird diese Sicherung dafür sorgen, dass die Entwicklung nur bis dort erfolgen kann. Der Landesbetrieb Straßen NRW stellt entsprechende Flächen zur Verfügung.

Im Zuge der Arbeiten am Siegufer soll auch der Löhrsiefener Bach im Mündungsbereich in die Sieg von seinen Fesseln befreit werden. Bislang floss der Bach dort in einem Rohr, damit die Stelle von landwirtschaftlichen Fahrzeugen überquert werden kann. Jetzt soll dort eine natürliche Furth geschaffen werden, an der die Fahrzeuge den Bach problemlos durchqueren können.

Quelle: ksta.de

Renaturierung als Hochwasserschutz

Veröffentlicht: Juli 17, 2013 von fluthelfer in Hochwasserschutz, NRW

Nach dem Auslaufen des Tagebaus Hambach wird der Grundwasserspiegel wieder. Vor Hochwasser müssen sich die Erftanlieger dennoch nicht fürchten. Bereits jetzt gibt es Rückhaltebecken für die Zeit nach dem Tagebau.

Bergheim/Rhein-Erft-Kreis. 

Ein Hochwasser wie zuletzt an Main, Donau und Elbe brauchen die Bewohner an einem Flüsschen wie der Erft wohl nicht zu fürchten. Oder doch? „Hätten wir hier solche Niederschläge gehabt wie in den betroffenen Gebieten im Osten, dann hätten wir auch ganz schön alt ausgesehen.“ Wulf Lindner, im September scheidender Vorstand des Erftverbands, redet beim Jahrespressetreff in der Bergheimer Verbandszentrale offen. „Die Erft würde gewiss nicht so über die Ufer treten wie die großen Flüsse. Aber die Kanalisation wäre überlastet, viele Keller würden volllaufen.“

Damit sich die Erftanlieger selbst vor Jahrhundert- oder gar Jahrtausendhochwassern nicht fürchten müssen, setzt der Erftverband einiges in Bewegung. Zuletzt wurde das Hochwasserrückhaltebecken Garsdorf zwischen Bedburg und Bergheim eingerichtet. „Wir brauchen es jetzt eigentlich noch nicht“, sagt Lindner. Gedacht sei es für die Zeit nach dem Braunkohlenabbau, wenn RWE Power kein Grundwasser mehr abpumpe und kein Sümpfungswasser mehr bei Kenten in die Erft gegeben werde. „Dann steigt der Grundwasserspiegel wieder. Der Kerpener Bruch etwa wird dann nicht mehr so viel Wasser aufnehmen können.“

Ebenfalls dem Hochwasserschutz und der Zeit nach dem Tagebau Hambach geschuldet sei die Renaturierung der Erft. „Sie muss wieder ein kleines Flüsschen werden“, sagt Lindner. Und wenn sie sich wieder wie in alten Zeiten durch die Landschaft schlängelt, gebe man dem Fluss auch wieder mehr Raum.

Von Kenten an erftabwärts will der Erftverband in den nächsten Jahrzehnten überall mit Renaturierungsmaßnahmen tätig werden. Die derzeit wohl prominenteste Baustelle befindet sich in Höhe des Vogelwäldchens bei Kenten, wo aus rund 900 Metern Erftflutkanal in diesem Jahr 1300 Meter entfesselte Erft werden. In Schlangenlinien wird sich die Erft dann durch Wald und Flur winden. Da die Erft ihren Lauf dann auch selbst beeinflussen kann und auch ihr Bett verlassen darf, wird es keine Spazierwege direkt neben dem Fluss geben. „Wir sehen den Menschen aber auch als Bestandteil der Natur, daher soll er die renaturierte Erft auch genießen dürfen“, sagt Linder. Immer wieder würden daher Wege dort, so nah es geht, an die Erft herangeführt.

Mit der Arbeit seines Verbands ist Lindner, dem Anfang Oktober sein bisheriger Stellvertreter Norbert Engelhardt als Vorstand nachfolgen wird, hoch zufrieden. „Es war ein solides Jahr“, sagt Lindner. Dank Sonnenenergie und Windkraft wolle man zukünftig immer mehr Strom für die eigenen Anlagen selbst erzeugen und zugleich den Strombedarf durch Sanierungen senken. „Das Ziel ist, autark zu werden“, sagt Lindner.

Kosten will der Erftverband durch Umsetzung seines „Masterplans Abwasser 2025“ sparen. In den nächsten Jahren sollen demnach bis zu 19 der 40 Kläranlagen des Erftverbands stillgelegt werden. Im Rhein-Erft-Kreis ist allerdings keine Kläranlage betroffen. „Je kleiner eine Anlage ist, desto teurer ist sie in der Unterhaltung“, erläutert Lindner. Die anderen Kläranlagen würden aufgerüstet oder seien schon jetzt in der Lage, Kapazitäten aufzunehmen.

Engelhardt wiederum warb um Auszubildende. Die Arbeit beim Erftverband sei spannend und abwechslungsreich. Elf Ausbildungsberufe würden angeboten, derzeit gebe es 20 Azubis.

Quelle: ksta.de

Siegrenaturierung – Am Ufer drohen Verletzungen

Veröffentlicht: Juli 11, 2013 von fluthelfer in Hochwasserschutz

Seit Jahren überwuchert das Drüsige Springkraut an der Sieg Uferbereiche. Durch die geplante Renaturierung könnte die Pflanze noch bessere Bedingungen zur Ausbreitung finden, sagt der Leiter des Amts für Natur- und Landschaftsschutz.

 

Bemerkenswert klare Worte waren jetzt auf einer Bürgerversammlung der CDU zum Thema Siegrenaturierung zu hören: Allerdings kamen die nicht von einem Vertreter der Bezirksregierung, die verantwortlich für das Projekt ist, sondern von Bernd Zimmermann, Leiter des Amts für Natur- und Landschaftsschutz beim Rhein-Sieg-Kreis. „Unterhalb der Wasserlinie sieht es etwas karg aus“, beschrieb er den Zustand der Sieg, und wurde noch deutlicher: Die hohe Fließgeschwindigkeit führe dazu, das sich kaum Pflanzen ansiedeln könnten. An machen Stellen sehe das Flussbett aus wie eine „glatt gehobelte Steinplatte.“ Wie berichtet, sollen in den kommenden Jahren Flussbefestigungssteine ausgebaggert werden, damit sich die Sieg ein bereiteres und natürlicheres Bett suchen kann: Das fordert zudem eine Wasserrahmenrichtlinie der EU.

Glatt gehobelte Steinplatte

Zimmermann machte vor 60 Teilnehmern im Sportheim Müllekoven auf eine Konsequenz aufmerksam, die das Projekt an Land schlimmstenfalls konterkarieren könnte: Er erläuterte, dass das Drüsige Springkraut, das seit Jahren riesige Uferbereiche überwuchert und andere Pflanzen verdrängt, durch das entfesselte Flussbett noch bessere Bedingungen zur Ausbreitung finden würde. „Wenn Du dann neue Pflanzen sehen willst, musst Du tauchen gehen“, scherzte eine Zuhörerin.

Zimmermann zufolge gilt das auch für die Verbreitung des Riesenbärenklau, vor dem seine Behörde immer wieder warnt, damit sich niemand an den übermannshohen Pflanzen verletzt: Ihr Pflanzensaft stört die Pigmentierung der menschlichen Haut, so dass schwere Verletzungen entstehen können, wenn ein benetztes Körperteil der Sonne ausgesetzt wird. „Überschwemmungsgebiete sind für Riesenbärenklau besonders gut geeignet.“ Rund 60 000 Knollen hätten die Kolonnen im Auftrag des Kreis bereits ausgegraben. Zimmermann fordert, dass sich die Bezirksregierung künftig der Pflege annimmt. In Gesprächen habe sich gezeigt, dass auch Landwirte mit dem entsprechenden schweren Gerät mit der Bekämpfung beauftragt werden könnten.

Weitgehende Einigkeit herrscht darüber, dass das Projekt Renaturierung in den vergangenen zwei Jahren nicht optimal lief, was vor allem an der Informationspolitik der Bezirkregierung liegt: Zahlreiche Bürger fühlen sich verunsichert, da ihre Fragen nicht beantwortet wurden. Das gilt auch für 25 Punkte, die der Stadtverordnete Christian Siegberg (CDU) nach Köln geschickt hatte, woraufhin er aber nur zehn allgemein gefasste Antworten bekam. Thomas Sebesta vom Verein „Pferdefreunde Siegauen“ vermisst Informationen, was überhaupt nötig sei, um die Rahmenrichtlinie zu erfüllen. Die Bezirksregierung spricht von einem bis zu 200 bis 300 Meter breiten Korridor entlang der Ufer, in dem sich die Sieg entwickeln soll. Die Troisdorfer FDP aber zitiert ein Gutachten, in dem von lediglich 75 Metern die Rede ist.

Auch SPD-Fraktionschef Uwe Göllner, der zu der Veranstaltung der Konkurrenz gekommen war, wartet auf Antworten: Er wollte wissen, wer den Unrat entsorgt, der künftig in der Flusslandschaft angespült wird.

Sorge um Investitionen in die Auen

Er sorgt sich um Investitionen der letzten Jahrzehnte. So habe die Biologische Station in Eitorf maßgeblich dazu beigetragen, dass sich in den Auen viele Tiere und Pflanzen, darunter auch Arten der Roten Liste, angesiedelt hätten. „Das Verhalten der Bezirksregierung ist nicht produktiv. Ich wünsche mir mehr Fleisch am Knochen, bevor wir im Stadtrat zusagen.“

Bürgermeister Klaus-Werner Jablonski (CDU) betonte, dass er das Vorhaben positiv sehe, da es in Troisdorf sicherlich etwas für den Naturschutz bringen werde. Sollte die Stadt aber mit der Planung nicht einverstanden sein, werde man nötige Flächen in städtischem Besitz einfach nicht verkaufen – und nötigenfalls auch gegen das Projekt klagen. Auch Jablonski hob aber hervor, dass man sich noch in einem frühen Stadium befinde und auf konkrete Planungen warte. Zimmermann riet den Anwesenden eindringlich, Anträge zu ihren Anliegen früh genug bei der Bezirksregierung einzureichen.

Quelle: ksta.de

Unwetter in Lohmar – Feuerwehr errichtet mobilen Deich

Veröffentlicht: Juli 1, 2013 von fluthelfer in Hochwasserschutz, NRW

Die Feuerwehr hat in Lohmar nach einem heftigen Unwetter am Montagnachmittag an der Kreuzung Zur Jabachbrücke/Hauptstraße eine mobile Barriere errichtet, um die Gegend vor einer erneuten Überflutung zu schützen. Weitere Einsätze gab es nicht.

Einen mobilen Deich errichteten am Montag Einsatzkräfte der Feuerwehr Lohmar an der Einfahrt zum RSB-Gebiet sowie den Eingängen von Realschule und Jabachkindergarten. Grund war eine Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes für Montagabend. Sofort wurden der Stab für außergewöhnliche Ereignisse der Verwaltung und die Führungsgruppe im Feuerwehrhaus einberufen.

Einen mobilen Deich errichteten am Montag Einsatzkräfte der Feuerwehr Lohmar an der Einfahrt zum RSB-Gebiet sowie den Eingängen von Realschule und Jabachkindergarten. Grund war eine Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes für Montagabend. Sofort wurden der Stab für außergewöhnliche Ereignisse der Verwaltung und die Führungsgruppe im Feuerwehrhaus einberufen.

Bereits beim Unwetter am 20. Juni hat es die Gegend rund um die Straße Am Kop besonders schwer getroffen. Bis in die Nacht waren hier die Einsatzkräfte im Einsatz und bauten Deiche. Auch da hatten Wehrleute und Freiwillige des Technischen Hilfswerks einen Deich an der Zufahrt zum RSB-Gelände errichtet, nachdem für die Nacht eine zweite Unwetterfront angekündigt worden war.

Quelle: ksta.de

In der Siegaue soll der Fluss mehr Raum bekommen. Dadurch gehen Nutzflächen verloren, die Landwirte und Freizeitreiter beanspruchen. Die Bezirksregierung setzt auf Konsens, beantwortet aber nicht alle Fragen der Kommunalpolitiker.

 

Die Sieg verliert ihre Fesseln. Dort, wo der Fluss heute in ein enges Bett gezwängt ist, werden schwere Steine ausgebaggert, so dass sich das Wasser neue Wege suchen kann – allerdings in einen festgelegten Korridor. Doch wie der Flusslauf mit neuen Mäandern und kleine Inseln eines Tages genau aussehen wird, lässt sich nicht exakt vorhersagen.

Da die Pläne nicht wenige Bürger beunruhigen, spricht die Regierungspräsidentin Gisela Walsken in einer Informationsbroschüre davon, „eine möglichst breite Akzeptanz in der Region“ erzielen. „Machen wir gemeinsame Sache in bestem Sinne und helfen Sie mit, zum Gelingen des Projekt beizutragen.“ Bei der Kompromissvariante, die jetzt in das Planfeststellungsverfahren eingebracht werde, sollten alle Anwohner Gelegenheit haben, „ihre Anregungen und Bedenken in den Prozess einzubringen“.

Der Troisdorfer Ratsherr und Fraktionsgeschäftsführer Christian Siegberg (CDU) nahm die Bezirksregierung beim Wort und schickte einen Katalog mit 25 detaillierten Fragen nach Düsseldorf. Unter anderem wollte er wissen, wie sich die Renaturierung auf das Hochwasser auswirkt, ob durch neu entstehende Mulden eine Zunahme von Bakterien, Ungeziefer und Mücken zu befürchten sei, wer für die Entfernung von Neophyten wie des Drüsigen Springkrauts zuständig ist, ob Badestellen für Jugendliche und Kinder wegfallen und vieles mehr.

Als Antwort ging ein Schreiben mit zehn eher allgemein gehaltenen Punkten ein. So wird hervorgehoben, dass die Zugeständnisse, die man nach Protesten den Meindorfern bei er Breite des Korridors gemacht habe, nicht zulasten der Troisdorfer gehen sollen.

Zudem nahm jetzt Martin Nußbaum, Dezernent für Wasserwirtschaft bei der Bezirksregierung, im Stadtentwicklungsausschuss Stellung zu dem Vorhaben. Die Renaturierung werde keine Auswirkungen auf Hochwasserstände haben, mit den Jahren könne sich bestenfalls ein Absinken der Pegel um zwei bis drei Zentimeter einstellen. In der Broschüre weist die Bezirksregierung ausdrücklich daraufhin, dass Deiche und andere Schutzeinrichtungen nicht angetastet werden. Befestigte und auch unbefestigte Wirtschaftswege sollen ersetzt werden, nicht aber Trampelpfade. Nussbaum ging auch auf Eigentumsverhältnisse im Korridor ein. Wo Flächen gekauft werden müssten, werde es keine „schleichende Enteignung“ geben, sondern „faire Marktpreise“. Denkbar seien auch spätere Rückverpachtungen.

Freizeit-Reiter in Troisdorf und Sankt Augustin sorgen sich unterdessen um die Zukunft von Weiden und Trampelpfaden. Dem Troisdorfer Thomas Sebesta zufolge hätten sich einzelne Bürger nicht mit Fragen an die Behörde wenden können, weshalb die Betroffenen, zu denen auch Landwirte zählen, den Verein „Pferdefreunde Siegauen“ mit bislang 46 Mitgliedern gründeten. „Wir wollen unsere Nutzungsrechte behalten“, so der Vorsitzende Sebesta. Das Schreiben ist allerdings eindeutig: Die Sieg solle sich künftig in einem zwischen 400 und 600 Meter breiten Korridor entfalten und ihr Bett suchen können. Und dieser Korridor könne nur reduziert werden, „wo eine existenzielle Bedrohung landwirtschaftlicher Nutzer, naturräumliche Zwangspunkte oder städtebauliche Restriktionen anzutreffen sind“. Die Belange der Pferdefreunde und anderer „Freizeitnutzungsgruppen“ sollen aber „im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens gehört“ werden. Das Flächenangebot werde später neu geregelt.

Christian Siegberg zeigte sich nach der Sitzung zufrieden, vor allem nach dem nichtöffentlichen Teil, in dem es auch um Besitzverhältnisse ging. „Wir sind auf einem guten Weg“, sagte er, auch wenn einige seiner Fragen offen geblieben seien. „Mit dem, was gesagt wurde, kann ich gut leben.“

Eine Bürgerversammlung zum Thema gibt es am Mittwoch, 10. Juli, um 19 Uhr im Sportheim Zur Siegaue in Müllekoven.

Quelle: ksta.de

Europa soll für natürlichen Sieg-Lauf zahlen

Veröffentlicht: Juni 26, 2013 von fluthelfer in Hochwasserschutz, NRW

Mit 3,1 Millionen Euro soll die Europäische Union die Renaturierung der Siegmündung fördern. Die Bezirksregierung will die Siegauen zwischen der A 59 an der Siegburger Stadtgrenze und Niederkassel-Mondorf in einen naturnahen Zustand versetzen.

Die Europäische Union soll die Renaturierung der Siegmündung mit 3,1 Millionen Euro finanziell unterstützen. Einen Förderantrag hat die Bezirksregierung Köln nach Brüssel geschickt.

Die Behörde will die Siegauen zwischen der A 59 an der Siegburger Stadtgrenze und der Mündung bei Niederkassel-Mondorf wieder in einen naturnahen Zustand versetzen lassen und damit eine verbindliche Gewässerrichtlinie der Europäischen Union umsetzen. Die Sieg, die mit Uferbefestigungen aus dem 19. Jahrhundert zu einem kanalartigen Fluss gemacht wurde, soll von diesen Fesseln befreit werden.

Landschaftsplaner wollen der Sieg innerhalb bestimmter Grenzen die Möglichkeit geben, sich ihren wieder einen natürlichen Lauf zu suchen und dabei auch Seitenarme auszubilden, ohne dabei die Hochwassergefahr zu erhöhen. Die Kosten des Projekts belaufen sich nach bisheriger Planung auf 6,2 Millionen Euro. Gewährt die EU den beantragten Zuschuss, müsste das Land einen gleichhohen Betrag zahlen

Quelle: ksta.de

Schutzmaßnahmen Immobilienschäden durch Hochwasser

Veröffentlicht: Juni 13, 2013 von fluthelfer in Hochwasserschutz

Kolbermoor in Oberbayern, Anfang Juni: Das Hochwasser der Mangfall verursacht schwere Schäden in und an den Häusern. Mittlerweile ist der Fluss in sein Bett zurückgekehrt. Was er an Hausrat zerstört hat, ist unübersehbar.

http://www.br.de/fernsehen/bayerisches-fernsehen/sendungen/geld-und-leben/geld-und-leben-immobilien-100.html

Vieles ist nicht mehr zu retten. Neben solchen Müllbergen sehen die Häuser auf den ersten Blick unversehrt aus. Auch das von Familie Meier. Doch auf sie kommen beträchtliche Sanierungskosten zu.

„Wenn wir das dann regulär machen lassen, ich schätze schon, dass da so 30.000 Euro zusammen kommen werden.“

Günther Meier, Hauseigentümer

Im Keller sind die verborgenen Schäden besonders schlimm. Der Estrich: vom Wasser angehoben. Die Wände: komplett durchfeuchtet. Es riecht modrig. Trockengeräte werden wochenlang laufen müssen. An manchen Stellen löst sich der feuchte Putz schon von der Decke. Das Tragische ist: Die Meiers kannten das Hochwasser-Risiko, als sie Anfang der 90er-Jahre ihr Haus planten. Sie wollten das Erdgeschoss höher als das Straßenniveau bauen, um sich zu schützen. Doch das Landratsamt verweigerte die Genehmigung.

„Die Fenster und den Keller kann man so dicht machen, dass kein Wasser reinkommt. Aber dass es bei den Fenstern und der Haustür reinläuft, das haben die auch nicht überrissen.“

Günther Meier, Hauseigentümer

Keine Baugenehmigung für den Hochwasserschutz – und das Anfang der 90er-Jahre. Dabei war die Gefahr bekannt. Kolbermoor ist in der Geschichte mehrfach von Überschwemmungen verwüstet worden. Doch seit fast 60 Jahren blieb die Mangfall friedlich. Die Gefahr verblasste bei Anwohnern und Behörden.

Und das nicht nur in Kolbermoor, sondern auch in Rosenheim

Baudezernent Helmut Cybulska erklärt uns, dass man erst seit ein paar Jahren das Überschwemmungs-Risiko für jedes einzelne Grundstück errechnet – und dann Auflagen zum hochwassersicheren Bauen stellt.

„Man hat die Gefahr vorher schlichtweg in dieser Form nicht gesehen. Heute würden wir anders bauen, wenn eine Bebauung heute dort zulässig wäre, dann würden Grundsätze des hochwasserangepassten Bauens berücksichtigt, dann müssten Höhenlagen korrigiert werden und dann müssten individuelle Vorkehrungen an den Gebäuden vorgenommen werden.“

Helmut Cybulska, Baudezernent Rosenheim

Der Rosenheimer Stadtteil Oberwöhr am Hochwasser-Wochenende

Hier haben sich viele Familien ihren Traum vom Eigenheim verwirklicht, noch in den letzten Jahren gekauft oder gebaut. Jetzt, wo das Wasser weg ist, kann man hier sehen, welchen Unterschied es macht, ob dabei an das Hochwasserrisiko gedacht wurde – oder nicht. In älteren Häusern liefen die Keller voll, Heizöl aus und das Wasser stand im Erdgeschoss. Erst vor wenigen Jahren setzte ein Umdenken ein: Neubauten, bei denen die Behörden Schutzvorkehrungen forderten, blieben zum Teil fast trocken.

Tipp – die Hochwasserfibel

Jahrzehntelang hat man in vielen Hochwasserregionen die Gefahr ausgeblendet: Es wurde gebaut als ob kein Gewässer in der Nähe wäre – mit tief im Boden liegenden Erdgeschossen, ohne wasserdichte Fenster, ohne Hochwasserschotts. Zum Teil haben die Behörden bauliche Vorkehrungen sogar untersagt, weil Häuser in ihrer Optik dann nicht ihren planerischen Vorstellungen entsprochen hätten. Erst in den letzten Jahren hat ein Umdenken stattgefunden: Mittlerweile werden per Computer für Grundstücke in Gefahrenzonen die Wasserstände bei möglichen Hochwasserkatastrophen simuliert. Dort darf nur gebaut werden, wenn vorgebeugt wird. Das heißt: Das Erdgeschoss muss so weit über Straßenniveau errichtet werden, dass es über dem prognostizierten Pegelstand eines hundertjährlichen Hochwassers liegt. Aber auch bei Altbauten kann man nachrüsten. Genauere Informationen darüber gibt es in der „Hochwasserfibel“ des Bundesbauministeriums.

Entfesselung mit Augenmaß gefordert

Veröffentlicht: August 21, 2012 von fluthelfer in Hochwasserschutz, NRW

Die Sieg soll sich ihren Flusslauf zwischen Siegburg und Mondorf nach dem Willen der EU wieder selbst suchen. Bei Anwohnern ist das umstritten. Ein Vorschlag der schwarz-grünen Kreiskoalition soll Freizeitnutzung und Naturschutz versöhnen.

 

„Die Siegaue muss erlebbar bleiben.“ Mit dieser Forderung gehen die Koalitionsfraktionen von CDU und Grünen im Kreistag in die weitere Diskussion über eine Renaturierung der Siegauen zwischen der Autobahn 59 an der Siegburger Stadtgrenze und der Mündung des Flusses bei Niederkassel-Mondorf. In einem gemeinsamen Antrag fordern die beiden Parteien den Kreis auf, sich in den weiteren Gesprächen mit der Kölner Bezirksregierung dafür einzusetzen, dass bei der angestrebten naturnahen Umgestaltung des Uferbereichs nicht nur ökologische Aspekte berücksichtigt werden. Bei einer entsprechenden Überarbeitung des Landschaftsplanes müsse auch den Interessen von Landwirtschaft und Naherholung Rechnung getragen werden.

Nach dem Willen von Schwarz-Grün sollen Erholungssuchende von den sich verändernden Uferverläufen, Siegstränden und Schotterflächen nicht ausgeschlossen werden. Zudem müssten vorhandene Spazier- und Radwege erhalten sowie Reit- und Wanderwege mit eingeplant werden. Klar positionieren sich CDU und Grüne auch in der Diskussion über den Meindorfer Sportplatz um dessen Fortbestand viele Bürger des Sankt Augustiner Stadtteils im Falle einer Renaturierung des Flusslaufes fürchten. Wenn dieser nicht verlegt werden könne oder solle, müsse er am jetzigen Standort bleiben, argumentiert der Kreistagsabgeordnete Martin Metz (Grüne). Der in Siegnähe gelegene Platz müsse dann „gegen die Eigendynamik des Gewässers abgesichert werden“.

Dem Gewässer seine Eigendynamik zurückgeben – das ist eines der Ziele der von der Bezirksregierung vorangetriebenen Renaturierung. Die Kölner Behörde will damit eine verbindliche Richtlinie der Europäischen Union umsetzen. Die Sieg, die mit ihren noch aus dem 19. Jahrhundert stammenden Uferbefestigungen zu einem kanalartigen Fluss gemacht wurde, soll von den Fesseln dieser Befestigungen befreit werden. Landschaftsplaner wollen dem Gewässer innerhalb bestimmter Grenzen die Möglichkeit geben, sich seinen natürlichen Flusslauf selbst zu suchen und dabei auch Seitenarme auszubilden.

Dagegen regt sich entlang des Flusses Widerstand. Vor allem in dem siegnahen Sankt Augustiner Stadtteil Meindorf wird Front gegen die Pläne gemacht. Die Meindorfer fürchten, dass dem Projekt ein beliebtes Naherholungsgebiet zum Opfer fällt. Bereits im Frühjahr hatten sich bei einer Unterschriftensammlung rund 500 Meindorfer dafür ausgesprochen, dass alle Sport- und Erholungsmöglichkeiten wie Radwege, ein Spielplatz, ein Grillplatz und der örtliche Sportplatz erhalten bleiben. Kritik hatten die Meindorfer auch an der Informationspolitik der Bezirksregierung geäußert, von der sie sich bei den Planungen übergangen fühlen. Diese Kritik hat die schwarz-grüne Koalition jetzt noch einmal bekräftigt. „Das hat die Menschen verunsichert, viele befürchten nun eine Einschränkung der Aufenthaltsqualität, das hätte verhindert werden können“, sagte Norbert Chauvistré, der umweltpolitische Sprecher der CDU-Fraktion.

 

Quelle: ksta.de

Angst vor einer Überschwemmung

Veröffentlicht: August 2, 2012 von fluthelfer in Hochwasserschutz, NRW

Der Wenigerbach in Seelscheid soll renaturiert werden: Anwohnerin Ute Weitner macht das Sorgen, denn ihr Grundstück grenzt direkt an den Bach. Sie fürchtet, dass ihr Grundstück bei Dauerregen überflutet wird.

 

Um die geplante Renaturierung des Wenigerbaches in Seelscheid gibt es nach dem Planfeststellungsbeschluss weiterhin Streit. So fürchtet die Anwohnerin Ute Weitner, dass ihr Grundstück künftig bei Dauerregen überflutet wird. Es schließt flussabwärts an jenen Bachabschnitt an, der freigelegt werden soll. Der Wenigerbach ist dort recht schmal. „Schon jetzt steht das Wasser nach starkem Regen bis zum Rand der Wiese.“

Weitner erwartet, dass der Bach künftig regelmäßig über die Ufer tritt, ja vielleicht bis zu ihrem Haus hochsteigt. „Ich bin nicht grundsätzlich gegen die Renaturierung“, betont sie. Doch frage sie sich, „warum im Zuge der Maßnahme der Bach hier nicht einfach verbreitert werden kann, damit sich das Wasser nicht staut“.

Der Bach solle in den ursprünglichen Zustand versetzt und gerade nicht gelenkt werden, sagt dagegen Franz Lohre, Leiter der Gemeindewerke. Er bezieht sich auf eine Berechnung, nach der einer grundsätzlichen Verbesserung der hydraulischen Situation des Baches eine „leichte Erhöhung“ der Überflutungsgefahr für Weitners Grundstück gegenübersteht – bezogen auf ein 100-jähriges Regenereignis. Die Gefahr lasse sich mit einer Erhöhung der Uferwallung auf dem Grundstück kompensieren. Zudem verweist Lohre auf das Wasserhaushaltsgesetz: „Es ist allgemeine Sorgfaltspflicht des Gewässeranliegers, sich gegen Hochwasser zu schützen.“ Dennoch hätten die Gemeindewerke „angeboten, die Uferwallung nicht nur um 20, sondern um 50 Zentimeter zu erhöhen“. „Zusätzlich wollen wir einen Zufluss gegenüber dem Grundstück abschrägen, damit das Wasser von der anderen Seite besser abfließen kann.“

Weitner bezweifelt die Sicherheit des Walles und hält die Hochwassergefahr für erheblich, das habe ihr ein Gutachter privat bestätigt. „Die Gefahr entsteht erst durch die Maßnahme.“ Zudem ist sie verärgert, nicht zum Planfeststellungsverfahren gebeten worden zu sein, „obwohl der Gemeinde Einwände von uns schriftlich vorlagen“. Erst über das Ergebnis seien sie informiert worden. Vom Kreis heißt es, das Verfahren sei öffentlich bekannt gemacht, die Unterlagen vom 16. Mai bis 15. Juni offengelegt worden. Die Bürger hätten Gelegenheit gehabt, Bedenken einzureichen.

Quelle: ksta.de

Wenigerbach nimmt seinen natürlichen Lauf

Veröffentlicht: Juli 20, 2012 von fluthelfer in Hochwasserschutz, NRW

Die Gemeinde will die geplante Freilegung des teilweise unterirdisch unter dem Sportplatz verlaufenden Wenigerbaches in Angriff nehmen. Nächsten Sommer soll dem Bach wieder ein natürliches Bett bereitet werden.

 

Der Wenigerbach wird künftig wieder seinem natürlichen Lauf am nördlichen Rand des ehemaligen Sportplatzes folgen können. Schon bald will die Gemeinde die lange geplante Freilegung in Angriff nehmen. „Der Kreis hat den Planfeststellungsbeschluss bestätigt“, sagt Franz Lohre, Leiter der Gemeindewerke. Im kommenden Winter sollen die vorbereitenden Gehölzarbeiten im Bereich des ehemaligen Seelscheider Sportplatzes, unter dem der Bach seit den 1960er Jahren unterirdisch in einem Rohr verläuft, durchgeführt werden. Im Sommer 2013, so der Plan, wird dem Bach dann wieder ein natürliches Bett bereitet.

Die Freilegung des etwa 250 Meter langen Gewässerabschnitts zwischen Breite Straße (K16) und der Straße Am Sportplatz hat eine lange Vorgeschichte. Wie der Gemeindewerkschef berichtet, wurde die Renaturierung seit den 90er Jahren diskutiert, zusammen mit der Verlegung des Sportplatzes. Während letzteres Projekt längst umgesetzt ist und im Bereich des alten Platzes die Franziskus-Schule eine Heimat gefunden hat, gerieten die Renaturierungspläne ist Stocken. Anwohner äußerten Bedenken. Lohre: „Deshalb konnte das Amt für technischen Umweltschutz beim Kreis keine wasserrechtliche Erlaubnis geben.“ Die Gemeinde beantragte das Planfeststellungsverfahren.

Für die Freilegung sprechen, wie Lohre erklärt, mehrere Gründe. Zum einen fordert die Europäische Wasserrahmenlinie gesunde Gewässer. Der Wenigerbach jedoch sei in dem verrohrten Stück „quasi tot“. Weder für Kleinlebewesen noch für Wanderfische sei die Passage geeignet, so dass durch das Rohr Ober- und Unterlauf de facto getrennt seien. Zum anderen gibt es am Wenigerbach viele Niederschlagswassereinleitungen. Um den Bach damit nicht zu überfordern, müsste der Zufluss durch den Bau neuer beziehungsweise größerer Regenrückhaltebecken gedrosselt werden. „Ein freigelegter Fluss ist aber leistungsfähiger“, erläutert Lohre. Damit können die Regenrückhaltungen geringer dimensioniert werden, was Geld spart. Und schließlich ist die Renaturierung eine ökologische Ausgleichsmaßnahme für den Sportplatz in Breitscheid.

Im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens brachten Naturschutzverbände und Anwohner etliche Vorschläge ein. „Die werden im Wesentlichen berücksichtigt“, sagt Franz Lohre. So werde die Freilegung des Gewässers außerhalb von Hochwasserzeiten und die Gehölzarbeiten außerhalb der Vegetationsperiode durchgeführt. „Und der Bach bekommt ausreichend Entwicklungsraum zum Mäandern.“

Zugleich sollen die Anschlüsse am etwa parallel zum Bach verlaufenden Schmutzwasserkanal erhalten bleiben. „Wir verbessern außerdem den Durchlass an der Straße Am Sportplatz“, so Lohre.
Die Kosten für die Freilegung beziffert er auf rund 350 000 Euro: „Die Gelder stehen seit Jahren bereit.“ Derzeit liegt der Planfeststellungsbeschluss im Rathaus aus.

Quelle: ksta.de

Neue Betten für die Gewässer

Veröffentlicht: Juli 17, 2012 von fluthelfer in Hochwasserschutz, NRW

Nicht nur der Unterlauf der Sieg soll in Sankt Augustin von seinem künstlichen Lauf befreit werden und künftig so fließen, wie es der Fluss vor Jahrhunderten tat. Auch an Schleuterbach und Siemensbach kommt es zu Eingriffen.

Die Sieg soll in Zukunft wieder so fließen, wie das einst vor Jahrhunderten der Fall war: So wird der Fluss in den kommenden Jahren an seinem Unterlauf weitgehend aus dem künstlichen Korsett befreit. Doch auch im kleineren Maßstab werden die Gewässer nach Möglichkeit renaturiert. An Schleuterbach und Siemensbach etwa, die durch den Niederpleiser Wald fließen, sollen in den kommenden Monaten erhebliche Eingriffe vorgenommen werden. Wie Martina Hirschberg als Geschäftsführerin des Wasserverbandes Rhein und Sieg erklärt, erhalten die beiden schlanken Gewässer an einigen Stellen ein ganz neues Bett. Dabei gilt es, ökologisch und landschaftsarchitektonisch sinnvolle Ideen umzusetzen.

So verschwindet das Wasser seit den 1960er Jahren im angrenzenden Industriegebiet im Erdboden, von dort wird es der Kläranlage zugeführt. Das, so betont Hirschberg, sei früher gar nicht einmal so sinnlos gewesen, wie das nun vordergründig klingen möge. „Denn die Kläranlage benötigt für ihren Betrieb eine bestimmte Mindestmenge an Wasser.
Mittlerweile jedoch sei das überflüssig – und auch die Gesetzeslage hat sich geändert: Im Sinne der Nachhaltigkeit ist es oberstes Gebot, nicht mehr Wasser als nötig wiederaufzubereiten. Schon im kommenden Jahr soll das Wasser beider Bäche dem Pleisbach zugeführt werden – der einst auch der natürliche Abfluss war.

Dazu jedoch bedarf es einer nicht unbeträchtlichen Anstrengung: Die Bäche erhalten nicht nur neue Betten, sondern sie werden in Zukunft um das Industriegebiet herumgeführt. Der Siemensbach soll dann neben einem Spazierweg verlaufen, der die Straße „Am Kreuzeck“ mit der Grundschule am Pleiser Wald verbindet. Zwischen 60 und 70 Zentimeter tief muss das Bachbett sein, damit es auch bei einem erhöhten Spiegel ausreichend Wasser aufnehmen kann. Weit oberhalb der Wohnbebauung wird zudem der Schleuterbach in einem kastenförmigen, flacheren Bett heimisch. Wer zurzeit am Spazierweg entlangläuft, sieht bereits die neue Trasse des Baches, für die eine Schneise in den Wald geschlagen worden ist. „Das sieht nicht schön aus“, sagt Hirschberg, doch sie ist überzeugt, dass die Landschaft letztlich hinzugewinnen werde.

Die vor zwei Wochen begonnenen Arbeiten wurden nach einer Ortsbegehung mit einem Artenschutzexperten indes schnell ausgesetzt: Die Nester von bodenbrütende Vögeln könnten beschädigt oder zerstört werden. Unter anderem, so Hirschberg, habe man Zaunkönige dort gesichtet. Der Technische Beigeordnete der Stadt, Rainer Gleß, hat mit dieser Pause seinen Frieden: „Ich halte das für richtig.“ Mit der Fertigstellung des Projekt rechnet er Anfang kommenden Jahres. Insgesamt lässt sich die Stadt die Maßnahme um die 400 000 Euro kosten, der Wasserverband stellt neben Expertenwissen auch die erforderlichen Maschinen zur Verfügung.

 

Quelle: ksta.de

Lange Zeit hatte man sie in ein Korsett gezwängt, jetzt ist die Isar in München wieder wild: Renaturierung heißt das Zauberwort. Die Natur erhält den Fluss zurück, er wird tiefer und breiter. Das schützt vor Hochwasser – und hat noch ganz andere, angenehme Nebeneffekte.

Sogar Los Angeles interessiert sich plötzlich für die Isar. Der LA River taugt zwar als Motiv für Hollywood-Filme, ist aber ansonsten ein unansehnlicher Betongraben. Das will die Stadtverwaltung der kalifornischen Metropole nun ändern – und nimmt sich dabei den Isar-Abschnitt in Münchens Süden zum Vorbild

Auch der verlief auf den acht Kilometern zwischen Großhesseloher Brücke und Museumsinsel lange Zeit in einem begradigten Korsett. Doch das hat man nun in einen – mehr oder weniger – wilden Fluss zurückverwandelt. Das Gemeinschaftsprojekt „Isar-Plan“ von Stadt und Freistaat hatte die Hochwasser als Geburtshelfer gar nicht nötig. Schon 1995 begann die Planung, 2000 die Arbeit, im August 2011 war sie abgeschlossen.

Tiefer gelegt und breiter gemacht

Renaturierung hieß das Zauberwort. Dabei ist die attraktiver gewordene Isar-Landschaft eigentlich ein Nebeneffekt, den Münchner und Touristen aber gerne in Kauf nehmen. Priorität bei dem Programm hatte der Hochwasserschutz. Dazu vertiefte und verbreiterte man das Flussbett, damit bei einer Flut mehr Wasser abfließen kann: Zusätzlich 300 Kubikmeter pro Sekunde sind es nun.

Flache Ufer sorgen für mehr Kontakt zum Wasser

Bagger rückten an, um Tausende Tonnen Erdreich auszuheben, darunter befanden sich auch Unmengen von Kriegsschutt. Nach 1945 hatten die Münchner den Isar-Kies zum Wiederaufbau verwendet und stattdessen den Schutt der zerbombten Gebäude im Fluss entsorgt. Die früher steilen Betonböschungen ersetzte man durch flache Ufer. Terrassenartige Anlagen erleichtern nun den Kontakt zum Wasser. Zusätzlich erhöhte man leicht die Deiche.

Deich und Erholungswert gesichert

Manche Deichabschnitte stellten sich jedoch als Problemzone heraus, wie Klaus Arzet, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes München, erläutert. Man hatte sie teilweise vor 80 Jahren angelegt. Das Problem: Man hatte sie auch mit Bäumen bepflanzt, obwohl diese auf Deichen eigentlich nichts zu suchen haben. Ihr Wurzelwerk kann die Stabilität gefährden und damit einen Dammbruch herbeiführen, etwa, wenn der Deich durch Flusswasser unterspült ist. Da die Bäume Spazierwege auf den Deichen säumen, wollte man sie den Münchnern aber nicht wegnehmen.

Dichtwände aus Erdbeton

Man wählte daher ein alternatives Sicherungsverfahren, eine patentierte Technik aus dem Tiefbau: Auf mehreren Hundert Metern zwischen Marienklausensteg und Thalkirchener Brücke zog man sogenannte Dichtwände aus Erdbeton zur Deichstabilisierung ein. Billig war diese Variante nicht: 1.300 Euro kostete der Meter, so Arzet.

Hochwasser 2005: Gelegenheit macht Flüsse

Die Flussbett-Vergrößerung war aber nur ein Teil des Projektes, der andere die Renaturierung der Ufer- und Au-Bereiche. Dazu musste man nicht nur auf technische Hilfsmittel wie Bagger zurückgreifen, man ließ die Natur selbst ans Werk. Vor allem das große August-Hochwasser von 2005 kam den Wasserbau-Ingenieuren dabei gerade recht.

Freie Fahrt für die Isar

Die Isar durfte – kontrolliert – gewähren, ganze Uferstreifen abreißen und das Material an andere Stellen transportieren. So entstanden neue Schlingen und Schleifen, Kiesbänke und Seitenarme – Lieblingsplätze für kleine Fische. An den renaturierten Uferbereichen siedelten sich wieder Pflanzen, Wildkräuter und Käfer an, die vom Verschwinden bedroht waren.

Bund Naturschutz: Noch besser wird’s bei Freising

Technischer und ökologischer Hochwasserschutz wurde mit dem Projekt „Neues Leben für die Isar“ verbunden. Es sollte einem 200-jährigen Hochwasser standhalten, meint Arzet. Bei der Flut von 2005 habe es bereits seine erste Bewährungsprobe bestanden. Auch der Bund Naturschutz (BN) erteilt ihm gute Noten: „Im Rahmen des Machbaren sind die Maßnahmen in Ordnung. Innerhalb einer Stadt kann man ja nicht Deiche rückbauen“, sagt Christine Margraf, Leiterin der BN-Fachabteilung München. Ein Paradebeispiel von Renaturierung werde in ihren Augen im Abschnitt Freising-Moosburg entstehen: nicht nur, weil dort keine neuen Befestigungen vorgesehen seien, sondern auch Deiche zurückverlegt würden.

Quelle: br.de

Hochwasser – Was tun? Eine Checkliste

Veröffentlicht: Mai 31, 2010 von fluthelfer in Hochwasserschutz

 

Alles Wasserempfindliche raus aus dem Keller, Heizöltank ordentlich versiegeln, Gummistiefel parat – einige Tipps für den Fall, dass Hochwasser im Anmarsch ist.

  • Beachten Sie die aktuelle Berichterstattung in Fernsehen, Radio und Internet! Sollten in Ihrer Umgebung Dämme oder Brücken vom Einbruch bedroht, das Trinkwasser verunreinigt oder wichtige Verkehrsadern gesperrt sein, erfahren Sie es dort zuerst.
  • Schauen Sie in den Keller, bevor es das Wasser tut: Verderbliche und wasserempfindliche Gegenstände in Keller und Souterrain sollten Sie nicht in Bodennähe aufbewahren, Wertgegenstände in Sicherheit bringen. Wichtig: Keine giftigen oder ätzenden Stoffe einlagern (Benzinkanister, Insektizide, Autobatterien)!
  • Stellen Sie sicher, dass Ihr Heizöltank ordnungsgemäß versiegelt und befestigt ist! Für Hochwassergebiete gelten besonders strenge Schutzvorschriften.
  • Wo ist Ihr Auto? Wenn es in Gewässernähe oder in einer Bodenmulde steht, sollten Sie besser umparken.
  • Regenmantel in der Reinigung, Gummistiefel noch im Geschäft? Stellen Sie sicher, dass alles für den Notfall griffbereit ist!
  • Notieren Sie Notfallnummern: Neben dem Notruf 112 sollten Sie die Telefonnummern der Freiwilligen Feuerwehr, des Technischen Hilfswerks und Ihres Landratsamts griffbereit haben. Dort erfahren Sie auch, ob und wo Sie im Notfall Sandsäcke erhalten. Beachten Sie, dass eine flächendeckende Versorgung meist nicht möglich ist!

Links

Hochwasserschutz – Polder

Veröffentlicht: Mai 31, 2010 von fluthelfer in Hochwasserschutz

 

Das Pfingsthochwasser von 1999 traf das Allgäu ganz besonders. Allein im Iller-Tal entstanden Schäden in Millionhöhe. Die Lehre daraus: Man baute einen Polder nahe Immenstadt.

Das Pfingsthochwasser von 1999 schockte vor allem auch das Allgäu. Bis zu 300 Liter Regen prasselten damals innerhalb 24 Stunden auf einen Quadratmeter. So mancher Landwirt war in seiner Existenz bedroht. Allein im Iller-Tal entstanden Schäden in Höhe von 60 Millionen Euro. Um so etwas künftig zu verhindern, wurde in diesem Gebiet eines der größten Schutzprogramme Bayerns umgesetzt: das Projekt „Obere Iller“.

„Riesige Badewanne“

Hochwasser will man dort unter anderem durch einen Polder in den Griff bekommen. Stauplatz im Allgäu ist eine gletschergeformte riesige Wiesenmulde: der Polder Weidachwiesen am Seifener Becken nahe Immenstadt. 2007 wurde das Projekt fertig gestellt.

Nach Angaben von Helmut Weis, stellvertretender Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Kempten, wurde der natürliche Polderraum durch Baumaßnahmen so erweitert, dass er nun über eine Einstautiefe von sieben Metern verfügt. Früher waren es nur zwei Meter.

Damit kann das Becken im Notfall sechs Millionen Kubikmeter Wasser zwischenspeichern. „Wir lassen praktisch eine riesige Badewanne volllaufen“, so Weis. Für das Projekt wurde sogar die Iller auf einer Länge von mehr als einem Kilometer um 100 Meter verlegt.

Polder

Ein Flutpolder ist ein sogenanntes Retentionsgebiet: ein vom Fluss getrenntes, teils deichgeschütztes Gelände, das niedriger als seine Umgebung liegt, und bei Hochwasser geflutet wird.

Deutliche Flusspegel-Absenkung

Der Zwischenspeicher im Seifener Becken ist ein sogenannter gesteuerter Flutpolder: Kommen die Fluten, passieren sie zunächst das Einlassbauwerk – das kappt die Hochwasserspitze. Mit sieben Einlässen lässt sich die Menge des „abgefangenen“ Wassers dosieren. Über eine Flutrinne läuft es dann in den etwa zwei Kilometer langen und 900 Meter breiten Polder Weidachwiesen östlich der Iller. Innerhalb von etwa acht Minuten ist er voll. Der Flusspegel kann damit um bis zu 50 Zentimeter gesenkt werden. Ein Auslassbauwerk hält das Wasser zurück und gibt es dosiert wieder an die Iller ab.

Bund Naturschutz wenig euphorisch

Der Polder soll Jahrhundert-Hochwasser wie jene von 1999 oder 2005 bewältigen können. Die Unterlieger, die Einwohner von Kempten oder Neu-Ulm, blieben damit künftig vor derartigen Katastrophen verschont. Der Bund Naturschutz (BN) zeigt sich von einem derartigen Großprojekt dennoch nicht übermäßig begeistert – schon allein wegen des massiven Eingriffs in die Landschaft und des Gewässer-Regimes. Zwei Millionen Kubikmeter Erdreich wurden an der oberen Iller bewegt.

Christine Margraf, Leiterin der BN-Fachabteilung München, kritisiert grundsätzlich das Polder-Prinzip: Fließendes Wasser könne nicht natürlich über eine Auenlandschaft gebremst werden, sondern werde künstlich gestoppt und müsse längere Zeit stehen. Dadurch erwärmt es sich und wird sauerstoffärmer, was Absterbeprozesse nach sich ziehe. Zudem seien Niederschlags-Vorhersagen nicht so genau zu treffen, dass man das Hochwasser punktgenau steuern könne. So könnten weitere, nicht prognostizierte Wassermassen herabdonnern, obwohl der Polder schon voll ist – und die Einwohner von Kempten oder Neu-Ulm blieben doch nicht verschont.

 

Bayern plant sechs weitere Polder

Das Iller-Programm kostete insgesamt etwa 100 Millionen Euro. Die Summe teilten sich EU, Bayern, Kommunen, der Landkreis Oberallgäu und der Bund. Im Freistaat soll es laut Umweltministerium noch sechs weitere Flutpolder geben. (Stand: Juni 2010)

Im Genehmigungsverfahren

Donau: Riedensheim (Landkreis Neuburg-Schrobenhausen)
Rückhaltevolumen: 8,1 Millionen Kubikmeter
Kostenbeteiligung des Freistaats: 12 Millionen Euro

In Planung

Mangfall: Feldolling (Landkreis Rosenheim)
Rückhaltevolumen: 4,6 Millionen Kubikmeter
Kostenbeteiligung des Freistaats: 30 Millionen Euro

Main: Bergrheinfeld (Landkreis Schweinfurt)
Rückhaltevolumen: 4,3 Millionen Kubikmeter
Kostenbeteiligung des Freistaats: 13 Millionen Euro

Donau: Katzau (Landkreis Pfaffenhofen)
Rückhaltevolumen: 7,2 Millionen Kubikmeter
Kostenbeteiligung des Freistaats: 24 Millionen Euro

Donau: Öberauer Schleife bei Straubing
Rückhaltevolumen: 10,8 Millionen Kubikmeter
Kostenbeteiligung des Freistaats: 33 Millionen Euro

Donau: Isarmündung (Landkreis Deggendorf)
Rückhaltevolumen: 1,5 Millionen Kubikmeter
Kostenbeteiligung des Freistaats: 10 Millionen Euro

Quelle: br.de
 

Hochwasserschutz – Mobile Mauern in Regensburg

Veröffentlicht: Mai 31, 2010 von fluthelfer in Hochwasserschutz

Die Donau führt immer wieder gewaltiges Hochwasser. Regensburg wird daher regelmäßig überflutet. Die Stadt behilft sich inzwischen mit mobilen Hochwasserschutz-Elementen.

Wegen ihrer vielen Zuflüsse ist die Donau ganz besonders hochwassergefährdet. Unter anderem Regensburg weiß ein Lied davon zu singen. Nach dem Hochwasser von 2002 investierte man fünf Millionen, um die Donau-Dämme zu erhöhen und zu befestigen.

Zusätzlich behilft sich Regensburg mit sogenannten mobilen Hochwasserschutz-Elementen. Diese portablen Aluminium-Wände können bei Bedarf zu einer Hochwasserschutzmauer zusammengebaut werden, erläutert Alfons Lerch, Leiter der Planungsabteilung im Wasserwirtschaftsamt Regensburg. Der Vorteil: Nach Entwarnung kann die Wand wieder entfernt werden. Die Stadtplanung ist somit nicht beeinträchtigt und die Sichtbeziehung der Einwohner zum Gewässer bleibt ungestört.

Quelle: br.de

Hochwasserschutz – Die Deichbauer von Eschenlohe

Veröffentlicht: Mai 31, 2010 von fluthelfer in Hochwasserschutz

 

Seit der Überschwemmung von 2005 ist das oberbayerische Eschenlohe die bayerische Hochwasser-Symbolgemeinde schlechthin. Den Fluten hielten damals Dämme und Deiche nicht stand. Eschenlohe baute daraufhin noch höhere.

August-Flut 2005: Das Fernsehen zeigte immer wieder Bilder aus dem temporär untergegangenen Eschenlohe. Der 1.600-Einwohner-Ort im Werdenfelser Land nahe Garmisch ist seitdem die bayerische Hochwasser-Symbolgemeinde schlechthin. Das Wasser stand bis zu 1,50 Meter hoch in dem kleinen Ort.

Die Überschwemmungen der Loisach richteten horrende Schäden an, in manchen Haushalten mehr als 100.000 Euro. Die Dämme und Deiche hatten den Fluten nicht standgehalten.

Auf zu neuen Ufern – vor allem zu höheren und massiveren

Danach wurde im notorisch von Fluten heimgesuchten Eschenlohe wieder mal heftig diskutiert, was zu tun sei. Nicht alle Einwohner waren von der Aussicht auf eine noch massivere Uferverbauung begeistert. Stattdessen wurde eine tiefe Ausbaggerung der Loisach oder eine Ableitung ins Murnauer Moos vorgeschlagen.

Durchgesetzt hat sich doch der klassische Hochwasserschutz – in modernisierter Variante. Im Sommer 2006 war dann Spatenstich für neue, höhere Dämme und Deiche. Zusätzlich schaffte man aber auch Raum für ökologischen Hochwasserschutz: Zwei Zuflüsse sollten renaturiert, ein Fünf-Hektar-Auwald südlich der Gemeinde gepflanzt werden.

Eine neue Loisach-Brücke kommt ohne Pfeiler aus, sodass die Wassermassen künftig ohne Widerstand fließen können. Das gesamte Projekt kostete rund sechs Millionen Euro, von denen der Freistaat den größten Teil übernahm.

Warten auf Entschädigung

Hohe Summen werden in den Hochwasserschutz gepumpt. Bei der Entschädigung von Betroffenen wird der Geldfluss jedoch rasch zum Rinnsal, obwohl sie nicht nur vollgelaufene Keller beklagen, sondern zum Teil schwere Folgeschäden. Flutopfer müssen oft sehr lange auf eine Entschädigung warten.

Schutzprogramme weiterer Kommunen

Mehrere Hochwasser-Katastrophen kurz hintereinander zeigten Wirkung: Eschenlohe machte seine Deiche höher, anderswo griff man zu anderen Maßnahmen. Einige bayerische Beispiele:

Schwabach (März 2010)
In Schwabach gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Überschwemmungen. Um Abhilfe zu schaffen, übergab im März 2010 Umweltminister Markus Söder der mittelfränkischen Stadt eine halbe Million Euro Fördergelder für zwei Rückhaltebecken und größere Kanalrohre zum besseren Wasserabfluss.

Coburg (November 2009)
Zusätzlich zu den zwei Rückhaltebecken begann man im November 2009 in Coburg mit der Grabung eines zwei Kilometer langen Stollens. Er soll künftig Hochwasser durch den Bergrücken zwischen Oberlauter und Beuerberg in das Rückhaltebecken des Goldbergsees leiten. Die 27 Millionen Euro für das Projekt, das 2012 fertig sein soll, teilen sich die Stadt, die Gemeinde Lautertal, der Freistaat Bayern und die EU.

Weiden (September 2009)
Nach 14-jähriger Bauzeit wurde im September 2009 der Flutkanal entlang der Weidener Altstadt eingeweiht. Er soll vor einem hundertjährigem Hochwasser schützen. Die Kosten von 5,7 Millionen Euro finanierte hauptsächlich der Freistaat Bayern unter Beteiligung der Stadt.

Quelle: br.de

Maßnahmen gegen Hochwasser Technischer Schutz

Veröffentlicht: Mai 31, 2010 von fluthelfer in Hochwasserschutz

 

Traditionelle Flutabwehrtechnik wie Deiche und Dämme hat bei den jüngsten Hochwassern in vielen Orten versagt. Mancherorts setzt man auf mobile Schutzelemente. Für manche Gebiete eignen sich am besten Rückhaltebecken oder Polder.

Hochwasser hat eine belebende Wirkung für Auenlandschaften, aber auch eine zerstörerische in Ansiedlungen. Gerade Städte und Gemeinden, die nah am Wasser gebaut sind, behelfen sich seit Jahrhunderten in der Regel mit einfachen Mauern, Deichen oder Dämmen.

Doch diese traditionelle Flutabwehrtechnik hat bei den jüngsten Hochwassern in vielen Orten versagt. Meistens investiert man dann in den Ausbau dieser Wehre. Andernorts, wie in Regensburg, setzt man auch auf sogenannte mobile Schutzelemente: Wände, die auf- und wieder abgebaut werden können.

Für manche Gebiete eignen sich besser Rückhaltebecken oder Polder. Man nutzt dazu natürliche Senken, die man zum Teil durch technisch anspruchsvolle Anlagen mit Schleusensystemen aufrüstet. Damit ist eine kontrollierte Überschwemmung in dem für das Hochwasser vorgesehenen Muldengelände möglich. Das erfordert allerdings die Reservierung größerer Flächen für den Hochwasserschutz. In Bayern wurde an der Iller bei Immenstadt im Allgäu das erste große Polder-Projekt verwirklicht. Bürgerproteste dagegen gab es kaum, aber Kritik von Naturschützern

Quelle: br.de

Nutzen für Natur umstritten

Veröffentlicht: November 15, 2006 von fluthelfer in Hochwasserschutz, NRW

Sankt Augustin – Eine großflächige Renaturierungsmaßnahme am Pleisbach zwischen Niederpleis und Birlinghoven stößt auf unterschiedliche Bewertungen beim Kreis und bei Naturschützern. In dem Naherholungsgebiet, wo einst Felder und Äcker bis an den Bach heranreichten, wurden nun unter Federführung des Wasserverbandes des Rhein-Sieg-Kreises so genannte Gewässerrandstreifen eingerichtet. Sie sind in der Regel zehn bis 20 Meter breit und sollen dem Gewässer ermöglichen, seine ursprüngliche Eigendynamik wiederzuerlangen. Zudem dient der Grünstreifen als natürlicher Schutzwall gegen die mitunter schädlichen Einflüsse der Landwirtschaft.

Ausgleichsmaßnahme

Insgesamt haben Geschäftsführer Hermann Meierhenrich und zehn Mitarbeiter des Wasserverbandes zwei Kilometern des Pleisbaches ein neues Gesicht gegeben. Dabei wurden unter anderem neue Abzäunungen gebaut und Viehtränken am Ufer errichtet. Inklusive der Kosten für den Grunderwerb hat das Projekt rund 300 000 Euro verschlungen. Möglich gemacht wurde es in erster Linie durch so genannte Ausgleichsmaßnahmen, zu denen die Deutsche Bahn AG im Zuge des Neubaus der ICE-Strecke Köln-Frankfurt verpflichtet war. Nicht zuletzt deshalb hat die Bezirksregierung Köln dem Projekt eine Förderung mit Landesmitteln in Höhe von 80 Prozent bewilligt.

Der Pleisbach ist nicht das einzige Gewässer im Kreis, das in jüngster Zeit renaturiert wurde. Auch entlang des Wahnbachs ziehen sich auf rund 60 Prozent seines Laufes nun wieder natürliche Gewässerrandstreifen. Zu diesem Zweck musste etwa 150 verschiedenen Grundstückseigentümern eine Gesamtfläche von 30 Hektar abgekauft werden. Kostenpunkt: 600 000 Euro.

In seiner Funktion als Vorsteher des Wasserverbandes bezeichnete Frithjof Kühn die Renaturierungsmaßnahme als vorbildlich: „Hier ist in beispielhafter Weise zu erkennen, welche wichtige Arbeit der Wasserverband Rhein-Sieg-Kreis für die ökologische Aufwertung der Bäche leistet.“

Paul Kröfges, Vorsitzender der Kreisgruppe des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND), bewertet das Gesamtbild des hiesigen Gewässerschutzes allerdings völlig anders: „Der Rhein-Sieg-Kreis eignet sich hervorragend als schlechtes Beispiel für die Beachtung des Verschlechterungsverbots der Wasserrahmenrichtlinie“, erklärte er. Damit spielt Kröfges auf zahlreiche wasserrechtliche Entscheidungen der jüngsten Zeit an, die keineswegs im Sinne der Natur gewesen seien.

Großer Aufwand

Als Beispiel nannte er die häufige Genehmigung von Bauvorhaben in Überschwemmungsgebieten.

Auch mit der Renaturierungsmaßnahme in Niederpleis ist der BUND unzufrieden. Kröfges‘ Stellvertreter Achim Baumgartner findet, dass zwar mit „großem Aufwand Zäune gebaut“ worden seien, für die Natur aber ansonsten kaum ein Nutzen zu erkennen sei. Außerdem, ergänzte Kröfges, habe der Wasserverband bei der Maßnahme komplett auf Beratungen mit den Umweltverbänden verzichtet. „Dabei“, so Kröfges weiter, „wäre es doch schön gewesen, wenn man unser Fachwissen mit eingebunden hätte“. So müsse man sich mit der Hoffnung begnügen, dass dies wenigstens in Zukunft häufiger geschehen werde.

Quelle: ksta.de

Zurück zu neuen Ufern

Veröffentlicht: November 9, 2006 von fluthelfer in Hochwasserschutz, NRW

Wahnbach und Pleisbach, die beiden Nebenflüsse der Sieg, gehen gestärkt aus einem Projekt des Wasserverbandes Rhein-Sieg hervor. Dieser hatte sich zum Ziel gesetzt, den beiden Sieg-Nebenflüssen mehr Raum zur Entfaltung zu geben und von baulichen Eingriffen zu befreien. Alle Arbeiten konnten nun abgeschlossen werden. Insgesamt kostet das Projekt nach Angaben des Kreises über zwei Millionen Euro.

Pleisbach: Barrieren beseitigt

Die Planungen für die Arbeiten am Pleisbach begannen bereits im Jahr 1994. Der über 15 Kilometer lange Fluss, der in Sankt Augustin in die Sieg mündet, wurde von Wehren und sonstigen Absturzbauwerken befreit. Außerdem legten die Mitarbeiter an zahlreichen Stellen, etwa von Niederpleis bis Birlinghoven oder am Zufluss Kochenbach bei Bad Honnef, zehn bis 20 Meter breite grüne Randstreifen für den Flusslauf an. Durch diese kann sich das Wasser besser verbreiten; bei Hochwasser stehen dem Fluss Rückzugsmöglichkeiten zur Verfügung.

Zur Hilfe kam dem Projekt, dass es für die ICE-Strecke von Köln nach Frankfurt ohnehin eine Flurbereinigung gab. Dadurch konnte der Verband Raum für Uferflächen erwerben. Das Projekt, das insgesamt rund 300.000 Euro kostete, wird zu 80 Prozent von der Bezirksregierung Köln finanziert.

Wahnbach: 30 Hektar Ufer begrünt

Auch beim Wahnbach existierten Planungen seit 1995. Der über 25 Kilometer lange Fluss, der bei Drabenderhöhe im Oberbergischen entspringt, wurde mitsamt seiner zahlreichen Nebenbäche auf weiter Fläche renaturiert. In den Berg-Gemeinden Much und Neunkirchen-Seelscheid startete schließlich 1999 die Umsetzung des Konzeptes.

Hierzu wurden vom Wasserverband im Bereich des Flusses und einige seiner Nebenbäche auf rund 30 Hektar Gesamtflüche ebenfalls Grünstreifen angelegt. Diese haben etwa fünf bis zehn Meter Breite. Auch hier ging eine Flurbereinigung voraus: diese hatte das Amt für Agrarordnung Siegburg angestoßen. Die Gesamtkosten belaufen sich am Wahnbach auf rund zwei Millionen Euro. Besonders teuer wurde dabei, den bisherigen Besitzern die nötigen Flächen abzukaufen. Der Verband setzte mit der GfL Planungs- und Ingenieurgesellschaft aus Koblenz ein externes Landschaftsarchitekten- und -realisierungsbüro ein, das die Koordination in diesem Bereich übernahm.

Der Erwerb der Grundstücke erfolgte „in enger Abstimmung mit den Landwirten“ und Grundbesitzern, so Herr Wedel vom Koblenzer Büro der GfL. Im Vorfeld sei es darum gegangen, wie die Maßnahme umzusetzen sei – man habe sich entschieden, keine Zwangsverkäufe anzuordnen. Einige Parzellen wurden auch mit Dienstverträgen gesichert, andere teilweise im Tausch erworben worden. „Dies ist uns sehr gut gelungen“, betont er.

Positives Fazit

Landrat Frithjof Kühn, in Personalunion Vorsteher des Wasserverbandes, Kreis-Umweltdezernent Michael Jaeger und der Geschäftsführer Hermann Meierhenrich begaben sich an die Ufer des Pleisbaches. Sie hoben die Bedeutung dieses Projektes für die ökologische Entwicklung der Flusse und ihrer direkten Umgebung hervor.

Quelle: ksta.de