Archiv für die Kategorie ‘Hochwasserfolgen’

Auch wenn das Hochwasser längst zurückgegangen ist, hat es immer noch starke Auswirkungen. In Gommern betrifft das den Wald, in den das Wasser bei der Überspülung des Ehledeiches gelaufen ist. Tausende Bäume sterben ab.

 

Gommern l Ein gespenstischer Anblick bietet sich dem Wanderer, der sich in die im Sommer überfluteten Fläche des Waldes zwischen Vogelsang und Gommern begibt. Viele der Bäume sind schon kahl, obwohl der Herbst erst begonnen hat. „Sie sterben ab“, erklärte Revierförster Jens Dedow auf Nachfrage. Betroffen seien die meisten Baumarten des Waldstücks zwischen Vogelsang, AWG-See und Gommern. Nur wenige seien stark genug, um das Wasser unbeschadet überstanden zu haben. Zehn Wochen haben die Bäume im Wasser gestanden. Dedow schätzt, dass das die Bäume regelrecht erstickt hat. „Sauerstoff fehlt im Stauwasser“, erklärte er.

Nur Bäume, die die Fähigkeit haben, durch wasserhaltende Schichten im Boden zu wachsen, scheinen zu überleben. „Das sind vor allem Eichen. Allerdings scheinen die Kiefern auch unbeschadet zu sein, damit hätte ich nicht gerechnet“, fügte er an. Dedow gibt sich auch da vorsichtig. „Wir haben mit solchen Ereignissen keine Erfahrung“, sagte er. Noch immer stehe an vielen Stellen das Wasser kurz unter der Bodenfläche, an einigen Stellen füllt es noch immer Senken. Viele Bäume wurden so geschwächt, dass sie nun Opfer von Parasiten werden. Käfer, aber vor allem Pilze setzen den Bäumen weiterhin zu. Die Roteichen in dem Waldstück weisen fast alle tiefschwarze Flecken auf. „Das ist Schleimfluss“, erklärt Dedow. Schuld daran ist ein Pilz. Er befürchte, dass dieser sich weiter ausbreite, so dass auch für diese Bäume nur das Abholzen bleibt

Vielen Bäumen sei es anzusehen, dass sie nur noch von ihren Reserven leben. „Sie haben nur wenige grüne Blätter. Sie leben von dem, was noch im Stamm ist und gehen dann ein“, erklärte der Fachmann. Die Wurzel sei bei ihnen schon tot.

Zwischen 15 bis 20 Hektar, so vermutet der Revierförster, müssen nun kahlgeschlagen werden. „Wir haben das bei der Unteren Forstbehörde beantragt“, erklärte er. Noch sei aber keine Entscheidung gefallen. Ihm wäre es lieb, wenn der Schlag so schnell wie möglich passieren würde. „Das Holz wird ja nicht besser“, betonte er. Einige Stämme könnten noch zu Brettern verarbeitet werden, viele junge Bäume reichen nur für Industrieholz, erklärte er. Die Menge an Holz sei nicht unbedingt das Problem, „das fängt unsere Planung schon auf“, erklärte er. Es ist eher die Qualität, die nicht mehr genügt, damit aus den Bäumen Sägeholz werden kann. „Oder eben nur mit Preisnachlässen“, befürchtet er.

Vier bis fünf Jahre werde er sich noch mit den Flutschäden beschäftigen müssen, schätzte Dedow. „Das Aufziehen der neuen Bäume ist dabei noch nicht mal mitgerechnet“, fügte er an.

Zusätzlich zu den Schäden am Holz hat das Hochwasser etliche Forstwege zerstört. Beziehungsweise wurden die Wege zerstört, als die Lkw Sand und Schotter während der Flut gefahren haben, um Deiche zu errichten. Rund 15 Kilometer Wege seien nun wieder aufgefüllt worden.

Auch die Fauna habe das Wasser beeinflusst. „In diesem Gebiet vermute ich, dass die Hälfte des Rehwildes verendet ist.“

Da das Wasser von zwei Seiten kam, sei das Wild eingeschlossen gewesen. Wildschweine seien die besseren Schwimmer, daher haben vermutlich mehr überlebt. Einen besseren Einblick bringen die nächsten Wochen, wenn alle Blätter gefallen seien. Doch schon jetzt registriert Dedow, der auch Jäger ist, „wesentlich weniger Fährten“.

Quelle: volksstimme.de

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Viele Hochwasser-Schäden noch nicht behoben

Veröffentlicht: Oktober 12, 2013 von fluthelfer in Hochwasserfolgen, Thüringen

Rund vier Monate nach der Flutkatastrophe vom Frühsommer ist in Thüringen ein großer Teil der Schäden an den Flussläufen noch immer nicht beseitigt. Karlheinz Hintermeier von der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG) sagte MDR THÜRINGEN, rund 70 bis 80 Prozent der betroffenen Gebiete habe man bereits „im Griff“.

Besonders an Ilm und der Elster bei Greiz müssten aber noch dringend Schäden behoben werden. Probleme bereiteten vor allem angeschwemmte Kiesbänke, sagte Hintermeier. Die müssten weg, um die Flussläufe zu normalisieren. Die Aufträge für die Arbeiten mit einem Volumen von rund 2,3 Millionen Euro seien größtenteils vergeben, die Baufirmen kämen jedoch kaum hinterher.

Für die weitere Schadensbeseitigung an den Hochwasserschutzanlagen rechnet Hintermeier mit einer Dauer von vier Jahren. Beispielsweise müssten alte oder zu niedrige Deiche ausgebaut werden, etwa in Greiz, Treben und Wünschendorf. Möglich sei, dass zusätzlich zu den dafür bereitstehenden Mitteln über 14 Millionen Euro eine weitere einstellige Summe nötig werde. Manche Schäden könnten erst nach Monaten erkannt werden.

Quelle: mdr.de

Das Juni-Hochwasser hat am städtischen Eigentum erheblichen finanziellen Schaden angerichtet. Mit einem Maßnahmenplan bemüht sich die Stadt Zerbst nun um Landesmittel zur Beseitigung dieser Schäden.

Zerbst l „Hochwasserschäden Sachsen-Anhalt vom 2. August 2013“ lautet der sachliche Titel einer Richtlinie des Landes Sachsen-Anhalt, die für die Einheitsgemeinde Stadt Zerbst von großer Bedeutung ist. Gemäß dieser Richtlinie werden vom Land Zuwendungen für Maßnahmen zur Beseitigung von Hochwasserschäden gewährt. Und diese sind im Bereich Zerbst teilweise erheblich.

Die Verwaltung hat den geforderten Maßnahmenplan bereits erarbeitet und dem Landkreis übermittelt, der nun im Bau- und Stadtentwicklungsausschuss erörtert wurde. Zwölf Einzelmaßnahmen umfasst der Plan, davon sind einige Maßnahmen in mehreren Varianten gefasst. Gravierenste Maßnahmen sind der Elberadweg zwischen Steutz und Steckby sowie die Sportanlage in Walternienburg.

„Am Beispiel des Elberadweges ist die teuerste Variante auch die flutsicherste“, erklärte Bernd Köhler, Leiter Bauverwaltung, das Papier. Hier wird von einer Schadenshöhe von 861 641 Euro ausgegangen. Die zweite Variante, ein Ersatzneubau an anderer Stelle, schlägt mit 375 911 zu Buche. Variante 3, die die Wiederherstellung des Weges vorsieht, würde sich auf 127 484 Euro belaufen. „Für die Sportanlage in Walternienburg ist ebenso zu überlegen, ob eine Verlegung nicht sinnvoller wäre“, ergänzte Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD). Daher seien für diese Maßnahme auch zwei Varianten im Maßnahmeplan enthalten. Zum einen ein Ersatzneubau an anderer Stelle mit einer Schadenshöhe von 509 518 Euro oder die Wiederherstellung von Anlage und Sportlerheim (161 264 Euro).

„Allerdings hat dieses Verfahren noch seine Tücken.“

Bürgermeister Andreas Dittmann

„Der Landkreis wird nun die Plausibilität der Maßnahmen und Varianten prüfen“, erklärte Köhler das weitere Prozedere. Infolge dessen wird der Landkreis für alle kommunalen Maßnahmen im Sinne der Richtlinie eine Übersicht erstellen und diese dem Landesverwaltungsamt vorlegen.

Im kommenden Jahr sei dann mit einer Auskunft zu rechnen, ob und welche Maßnahmen gefördert werden. „Wenn Land und Landkreis Ja zur Plausibilität sagen, würde die detaillierte Planung der Maßnahmen erfolgen“, erklärte Köhler auf Nachfrage.

„Allerdings hat auch dieses Verfahren noch seine Tücken“, erklärte Dittmann. Beispielsweise wäre beim Neubau der Walternienburger Sportanlage ein neues Bebauungsplanverfahren notwendig. Dafür wäre eine Finanzierungszusage des Landes ein Muss.

Bei einem Mitwirkungsverbot stimmten zehn Ausschussmitglieder diesem Maßnahmenplan zu. Zwingend notwendig ist jedoch der Stadtratsbeschluss. Dieser muss so schnell wie möglich gefasst werden.

Quelle: volksstimme.de

Hohenfelden (Weimar). Männer in wasserdichter Kleidung, glitzernde Fischleiber – an viele Teiche und Stauseen kommen dieser Tage wieder Schaulustige. Etliche Fischer befürchten jedoch eine geringere Ernte als 2012.

Die Fischsaison in Thüringen ist eröffnet. In Teichen, Stauseen, Talsperren und Rückhaltebecken werfen in diesen Herbsttagen Fischer im Haupt- und Nebenerwerb ihre Netze aus, um die diesjährige Ernte einzuholen. Vielerorts bangen Teichwirte jedoch um den Ertrag. „Das Hochwasser im Frühsommer hat vor allem in Ostthüringen bei einigen Betrieben großen Schaden angerichtet“, sagte der Vorsitzende des Thüringer Fischereiverbandes, Uwe Müller . Aber auch Vögel wie Kormorane und Graureiher hätten unter den Jungfischen gewildert. Thomas Vogel von der Fischerei Schwerstedt rechnet lediglich mit der Hälfte des Fangs von zwölf Tonnen im Vorjahr.

2012 hatten die 178 Betriebe im Freistaat insgesamt 894 Tonnen Speisefisch an Land gezogen. Mit 494 Tonnen machte die Regenbogenforelle laut Statistischen Landesamtes mehr als die Hälfte des Fangs aus.

Vorwiegend Karpfen, Hechte, Schleien, Zander und Welse werden in den Seen und Teichen, deren Geschichte teils bis ins Mittelalter zurückgeht, produziert und gefischt, wie Müller sagte. Neben der traditionellen Methode der Teichwirtschaft hat sich in vergangenen Jahren die Forellenzucht auch in Rinnenanlagen mit guter Wasserqualität etabliert.

Diese Saison war laut Verband für die Fischer bisher nicht besonders gut. Die Fluten im Mai und Juni rissen viele der ausgesetzten Jungtiere mit. In der Teichwirtschaft Wilchwitz im Altenburger Land seien die Karpfen im Maisfeld geschwommen, in der Forellenzucht Russ bei Wichmar an der Saale im Hof. Allein auf mehr als eine halbe Million Euro werde der Gesamtschaden an Fischverlusten, abgesoffenen Gebäuden und kaputten Dämmen geschätzt, sagte der Verbandvorsitzende, der den Stausee Hohenfelden bei Erfurt bewirtschaftet.

Hauptberuflich ist der Naturwissenschaftler Müller in der Landesanstalt für Geologie und Umwelt mit für den zoologischen Artenschutz zuständig ist. Die Verbindung von Fischerei, Umwelt, Naturschutz und Naherholung im beliebten Stausee Hohenfelden ist eines seiner Ziele.

In diesem Jahr hätten allerdings nicht nur in Hohenfelden die Fluten Erde und Dünger in die Seen gespült und die Wasserqualität verschlechtert, schilderte er. Dies hatte auch negative Auswirkungen auf das Wachstum der Jungfische, sagte der Binnenfischer Thomas Vogel. Es war auch zu kalt. Zudem machten sich im Frühjahr Kormorane, Graureiher, Gänsesäger oder Zwergtaucher über Jungfische unter 800 Gramm her. „Wir haben viele angehackte oder gerissene Tiere am Ufer gefunden. Das Problem sind bei uns wirklich die Vögel“, sagte der Binnenfischer. Am 19. Oktober wird im Stausee Schwerstedt abgefischt.

Quelle: thueringer-allgemeine.de

Das Hochwasser im Juni 2013 war verheerend. In Sachsen-Anhalt ist nun auch das Ausmaß der Naturkatastrophe für die Wälder bekannt geworden. Laut Umweltministerium seien 20.000 Hektar überschwemmt gewesen.

Vernässte Stämme, abgeknickte Äste und brachliegende Wurzeln: Die Hochwasserkatastrophe von Juni hat die Baumbestände im Land stark beschädigt. Etwa 20.000 Hektar Wald seien überschwemmt gewesen, teilte das Umweltministerium in Magdeburg mit. Besonders betroffen seien mit 12.000 Hektar vor allem private Wälder. In einigen Gebieten der einstigen Hochwasserregionen im Land müssten Bäume wieder aufgeforstet werden. Das gesamte Ausmaß könne erst mit der kommenden Vegetationszeit im Frühjahr abgeschätzt werden.

Quelle: mz-web.de

Handwerker kämpfen weiter um ihre Existenz

Veröffentlicht: September 27, 2013 von fluthelfer in Hochwasserfolgen

Das Hochwasser war im Juni das beherrschende Nachrichtenthema. Inzwischen ist es ruhig geworden. Das Wasser ist weg, die Aufräumarbeiten scheinen weitgehend abgeschlossen, die finanziellen Hilfen auf dem Weg. Doch entspannt ist die Situation bei vielen betroffenen Betrieben aus dem Handwerk noch längst nicht, wie Gespräche mit den Geschädigten zeigen.

Gerhard Lallinger führt seinen Malerbetrieb im niederbayerischen Deggendorf. Das Hochwasser hatte ihm beinahe die Existenz genommen. Sowohl das Firmen- als auch das Wohngebäude wurden komplett zerstört. Der Schaden belief sich auf etwa 1,5 Millionen Euro. Kaum etwas konnte gerettet werden, das Wasser kam mit 500.000 Litern pro Sekunde. Um eine Elementarschutz-Versicherung hatte sich der Betrieb zuletzt 2012 vergeblich bemüht. Heute herrscht bei Lallinger leiser Optimismus. Schien die Situation vor drei Monaten noch aussichtslos, sind inzwischen Soforthilfen von 200.000 Euro geflossen. Ein Bruchteil des entstandenen Schadens. Weitere Anträge sind noch in Bearbeitung. „So ist halt die Bürokratie, es geht alles nicht so schnell, wie es gesagt wird“, ärgert sich Lallinger.

Zu 100 Prozent soll ihm der Schaden ersetzt werden, lauten die Versprechungen. Sorge macht dem Malermeister der bevorstehende Winter. So lange aber keine Bewilligungsbescheide vorliegen, kann Lallinger keine Reparaturen in Auftrag geben. Der Aufbau der alten Existenz dürfte noch ein Jahr in Anspruch nehmen, vielleicht sogar zwei, schätzt er.

Elektroinstallateur wartet auf Geld

Auch Elektroanlagen Johann Vogl in Passau hat das Hochwasser hart getroffen. Fast eine Woche waren die Elektroinstallateure von der Außenwelt abgeschnitten, weil die Innbrücke für den Verkehr gesperrt war. Hof und Lager waren überflutet, 20 cm mehr und das Büro hätte unter Wasser gestanden. Was ging, wurde in Sicherheit gebracht, das Gebäude hatte einen Schaden von 130.000 Euro.

Einige Wochen später ist Geschäftsführer Christian Vogl die Katastrophe immer noch anzumerken. Bekommen hat Vogl bisher nur die Soforthilfe von 5.000 Euro und weitere 1.500 Euro für das Gebäude. Jetzt hofft er auf das Hilfspaket, das jene Betriebe unterstützen soll, die keinen Versicherungsschutz geltend machen können.

Doch das Geld zu bekommen, ist nicht einfach. „Jede entstandene Handwerksrechnung muss einzeln vorgelegt werden“, sagt Vogl. Der Elektroinstallateur ist enttäuscht über die bürokratischen Hürden. Vor allem denkt er an die Firmen, die wegen mangelnder Sicherheiten keine Überbrückungskredite von der Bank bekommen.

Vogl kann seinen Geschäftsbetrieb fortsetzen. Zum Glück waren die Betriebsräume mit den Computern nicht vom Hochwasser betroffen. Um dringende Reparaturen an Maschinen durchzuführen, konnte Vogl eigene Rücklagen mobilisieren.

Überbrückungskredit hat geholfen

Auf rund 200.000 Euro belief sich der materielle Schaden bei Bernd U. Beyer, Diplomingenieur für Nachrichtentechnik aus Gera. Davon hat der Betrieb bisher 50 Prozent über das Sofortprogramm des Landes von der Thüringer Aufbaubank erstattet bekommen. Von der Antragstellung bis zur Erstattung hat es rund sechs Wochen gedauert. „Wir haben das Geld Ende August bekommen und mussten dafür die entsprechenden Nachweise und Rechnungen einreichen“, berichtet Beyer. Ein Schadensersatz von insgesamt 80 Proerhofft sich der Ingenieur.

Die schwierige finanzielle Situation direkt nach dem Hochwasser konnte der Betrieb durch einen Kredit zu Sonderkonditionen von der Hausbank überbrücken. Ein Teil der beschädigten Technik wurde selbst repariert, einiges musste aber auch neu angeschafft werden. „Trotz der finanziellen Hilfen wird es noch Jahre dauern, bis wir wieder auf dem Stand sind wie vor dem Hochwasser“, glaubt Beyer.

Hauser Naturstein aus Rosenheim wirkt zuversichtlicher. Die sichtbaren Schäden sind größtenteils aufgeräumt und der Betrieb läuft. „Wenn man die Augen etwas verschließt, könnte man meinen, es hätte kein Hochwasser gegeben“, sagt Chef Georg Hauser mit einem Augenzwinkern. Soforthilfen sind geflossen, weiter Anträge sind gestellt.

Trotzdem steht dem Unternehmen noch ein langwieriger Prozess bevor. Die Maschinen konnten zwar alle instand gesetzt werden, aber die Folgeschäden sind noch nicht absehbar. Durch Korrosion könnten sie irgendwann plötzlich ausfallen. Das finanzielle Ausmaß des Hochwassers kann Hauser deshalb immer noch nicht genau abschätzen. Bis zu 230.000 Euro könnten es am Ende sein.

Quelle: deutsche-handwerks-zeitung.de

Starker Regen und Renaturierung Ursachen für Lachte-Hochwasser?

Veröffentlicht: September 27, 2013 von fluthelfer in Hochwasserfolgen

LACHTEHAUSEN. „Es war schon ein mulmiges Gefühl“, erinnert sich Willi Wiessatty an die Zeit des Hochwassers in Lachtehausen ungern zurück. Denn gerade als das Wasser seinen Hochstand erreichte und in sein Haus eindrang, weilte er in der Heide und sah sich das Unheil auf Fotos über das Internet an. Eine unbequeme Situation.

Unbequeme Fragen stellte Wiessatty dagegen gestern dem Ortsrat Altenhagen, Bostel und Lachtehausen bei dessen Sitzung im bis auf den letzten Sitz mit Lachtehäusern gefüllten Schießsportheim Altenhagen. Die Frage, ob eventuell bei der Renaturierung der Lachte Fehler gemacht wurden, interessierte die Zuhörer ebenso wie der künftige Schutz vor Hochwasser.

Jens Hanssen, Fachbereichsleiter Straßen, Verkehr und öffentliche Einrichtungen bei der Stadt Celle, stellte die Ursachen für das Hochwasser anhand einer Karte vor. Laut seinem Bericht ist die Hauptursache für die Lachte-Flut der Dauerregen – sogenannter „Katastrophenregen“. 123 Millimeter Niederschlag seien innerhalb acht Tagen gefallen – und das großflächig im betroffenen Raum. „Ein Jahrhundertereignis“, so Hanssen. Zum Vergleich: Im Mittel fallen im Mai 61 und im Juni 76 Millimeter.

Der Wasserstand am Pegel Lachendorf betrug danach 2,94 Meter. Entsprechend hoch war der Zufluss der Lachte in den Freitagsgraben vor dem Mühlengrundstück in Lachtehausen. Hier wurde das Wasser in großen Teilen über die Wiesen in Richtung Flutmuldenbrücke unter der Wittinger Straße und zum neuen Lachteverlauf abgeschlagen.

„So schnell kann das Wasser aber nicht steigen“, sagt Wiessatty. Er erinnert sich noch, dass am Tag vor dem Hochwasser alles normal gewesen war. So vermutet der Anwohner, dass sich das Wasser am Wehr gestaut habe. Tatsächlich hat das Wehr laut Hanssen aber keine Schuld, es wurde über die Wiesen umströmt. „Wenn man ein Wehr in die renaturierte Lachte eingebaut hätte, hätten wir aber weniger Schaden gehabt“, entgegnete Wiessatty.

Nach Aussagen vieler Bewohner sei das Wasser zunächst durch die Kanaldeckel geströmt, dann trat der Freitagsbach über die Ufer. Wie dies in Zukunft verhindert werden könnte, skizzierte Hanssen ebenfalls: So könnten in der Lachte Pegelmarken installiert werden – eine Art Vorwarnsystem. Wenn zusätzliche Gräben geräumt werden, hätte das Wasser zudem mehr Platz. Ein Deichsystem am Freitagsbach ist ebenfalls angedacht: „Bisher spielte der keine Rolle“, sagt Hans-Martin Schaake, stellvertretender Ortsbürgermeister Lachtehausens. „Deshalb hatte er bisher keinen ausreichenden Schutz.“ So wie auch die renaturierte Lachte: Dort wird erwogen, einen Wall zu errichten, damit nicht wieder Wasser überschwappt.

Einen Wall sollen auch die Bürger schneller errichten können. Die Sandsack-Situation im Mai war laut Schaake katastrophal. „Wir möchten, dass jeder über ausreichend Sandsäcke verfügt und auch einen Ansprechpartner der Stadt Celle am Wochenende erreichen kann“, sagt er. Deshalb soll eine Art Notruf-Hotline eingerichtet werden.

Quelle: cellesche-zeitung.de

Wegen des Juni-Hochwassers haben in den vergangenen drei Monaten 171 Thüringer Unternehmen für ihre Mitarbeiter Kurzarbeit angemeldet.
Mehr als 1500 Mitarbeiter waren davon betroffen, wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit am Donnerstag in Halle (Saale) mitteilte. Rund 70 Prozent der Unternehmen hatten demnach bis zu neun Angestellte. Nur in zwei Fällen hätten Firmen mit mehr als 100 Mitarbeitern Kurzarbeitergeld beantragt. Bislang zahlte die Bundesagentur rund 320 000 Euro an Unterstützung, unter anderem für die Sozialversicherungsbeiträge, die den Angaben zufolge komplett übernommen wurden.
Quelle: focus.de

Hochwasser-Folgen  43 Posten auf Schadensliste in Bernburg

Veröffentlicht: September 24, 2013 von fluthelfer in Hochwasserfolgen

Die Schäden des Juni-Hochwassers sind noch lange nicht aufgearbeitet. Der Salzlandkreis meldet in einem Maßnahmeplan die Schäden an kreiseigenen Gebäuden und Straßen an das Landesverwaltungsamt.

Bernburg „Wir könnten immer noch etwas nachmelden“, meinte Karin Pfeiffer, Fachdienstleiterin Kreisentwicklung, Bauen und Umwelt in der Bernburger Kreisverwaltung. Auf der Tagesordnung des Kreisausschusses stand der so genannte Maßnahmeplan des Salzlandkreises. Es geht dabei um eine Auflistung von Hochwasserschäden an kreiseigenen Immobilien und Kreisstraßen, die Mitarbeiter des Landratsamtes in den vergangenen Monaten auch fotografisch dokumentiert haben.

Richtlinie herausgegeben

Demnach ist das Aufbauhilfegesetz des Bundes am 19. Juli in Kraft getreten. Die zur Umsetzung notwendige Verordnung über die Verteilung der Mittel gilt seit 18. August. Inzwischen hat das Land Sachsen-Anhalt eine Richtlinie herausgegeben, die Anhaltspunkte geben soll über die Gewährung von Zuwendungen zur Beseitigung der Hochwasserschäden 2013. Diese Richtlinie ist auch im Internet einzusehen.

Die in der Richtlinie aufgeführten Einzelprogramme sind in acht Gruppen unterteilt. Die Gemeinden, Verbandsgemeinden und Landkreise sind aufgefordert, „alle notwendigen Maßnahmen zur Beseitigung der Hochwasserschäden an der Infrastruktur“ nach dem Einzelprogramm E zu erfassen. Darunter sind gefasst die Hilfen zur Schadensbeseitigung bei der Infrastruktur in den Gemeinden und weiterer Körperschaften des öffentlichen Rechts.

Dieses Programm setzt voraus, dass zuvor das genannte Maßnahmeplanverfahren durchgeführt wird. Die Gemeinden und Verbandsgemeinden waren gehalten, ihre Schäden an den Salzlandkreis bis zum 15. September zu melden. Die Kreisverwaltung prüft die Schäden und leitet sie dann bis 15. Oktober ans Landesverwaltungsamt weiter.

Land prüft die Angaben

Nach Angaben von Landrat Ulrich Gerstner (SPD) wird die Plausibilität der einzelnen Maßnahmen durch das Land geprüft. Damit stehe jedoch noch keineswegs fest, wann die Reparaturarbeiten durchgeführt werden.

Schäden des Salzlandkreises an Gebäuden, an Infrastruktur und an Kreisstraßen waren bis 15. September an das Landesverwaltungsamt zu melden. Diese Landesbehörde prüft wiederum die einzelnen Maßnahmen und den Maßnahmeplan nach der Kausalität und der Höhe des Schadens, außerdem den Zeitraum für die Umsetzung einer Maßnahme. Die Sportstätten werden nicht vom Landesverwaltungsamt geprüft.

In den vergangenen Monaten haben der Kreiswirtschaftsbetrieb und der Fachdienst Gebäudemanagement die Schäden an Einrichtungen des Salzlandkreises erfasst und in dem Maßnahmeplan zusammengefasst. Wichtig ist dabei, dass die Reihenfolge in der Liste bereits Auskunft geben soll zum geplanten Beginn der Umsetzung.

Quelle: mz-web.de

Ein schwerer Schicksalsschlag

Veröffentlicht: September 20, 2013 von fluthelfer in Hochwasserfolgen, Saale

Anfang Juni dieses Jahres sucht sich die Saale ihren Weg über die Wiesen nach Uichteritz. Die erfahrenen Einwohner wissen: „Wir saufen ab“. In einer Nacht- und Nebelaktion befüllen sie Sandsäcke und bringen sie an die kritischen Stellen des Ortes, die ihnen noch aus der Vergangenheit bekannt sind. Eines der am schlimmsten von der Flut betroffenen Häuser ist das Gebäude der Familie Breitbarth. Es liegt so ziemlich an der tiefsten Stelle des Ortes. Gerhard und Brunhilde Breitbarth können ihr Zuhause nur noch mit geliehenen Wathosen verlassen. Zu hoch steht das Wasser. Aufgebockte Möbel versinken in der Saale. Das komplette Erdgeschoss, erst kürzlich vollständig saniert, muss noch mal völlig neu aufgebaut werden. Seitdem wohnt das Rentnerpaar in einem Provisorium – und das, obwohl es gesundheitlich angeschlagen ist.

Quelle: mz-web.de

Erste Kleingärten sind weg

Veröffentlicht: September 17, 2013 von fluthelfer in Hochwasserfolgen, Sachsen-Anhalt

In der Tiergartenstraße sind Bagger und Lkws unterwegs – sie reißen die vom Hochwasser betroffenen Anlagen „Am Waldfrieden“ und „Elsteraue“ ab. Die Kleingärtner beschließen den Abriss einstimmig auf einer Versammlung.

Auf dem Radweg hinter der Tiergartenstraße fährt ein Laster mit Schutt Richtung Stadt. Weiter hinten, dort, wo Blumen blühen und Äpfel reifen sollten, rangiert ein Bagger: Die Zeitzer Kleingartenanlage „Am Waldfrieden“ wird gerade dem Erdboden gleich gemacht. Es ist die erste Anlage, die nach dem Hochwasser – und als dessen Folge – aufgelöst wird.

Frank-Dieter Lippert war Vorsitzender der kleinen Anlage mit ihren 20 Parzellen, in der zuletzt zwölf belegt, aber alle gepflegt waren. Das heißt, er ist es noch „bis die Anlage abgewickelt ist. Ein ganz schön aufwendiger Prozess“, sagt er. Er steht vor dem Feld, auf dem auch seine Oase stand – seit über drei Jahrzehnten. Aber sentimental wird er nicht.

„Freilich fiel es schwer“, gibt er zu. Aber es sei nicht zu ändern gewesen. Zwar hätten er und ein Teil der Mitstreiter nach dem Hochwasser gedacht, sie bekämen alles wieder hin. Aber nach wenigen Wochen war klar, es wird viel schwerer als erwartet. Das Wasser habe 1,50 Meter hoch in den Hütten gestanden – seine Fertigteillaube schimmelte anschließend, Pilze wuchsen an der Wand. Und dann wogen die sieben Kleingärtner, die aufhören wollten, umso schwerer. Jedes fehlende Vereinsmitglied würde die Kosten für die Elektroanlage noch höher steigen lassen.

Einstimmig für Auflösung

Es habe eine Versammlung gegeben, bei der einstimmig beschlossen wurde, den Verein aufzulösen. Ohne Gegenstimmen? „Bei uns gab es keine Diskussionen“, bestätigt Lippert. Es lohne sich einfach nicht, wenn die Laube so hoch im Wasser stand und man sie wieder herstellen muss. Oder wenn der Geruch – wie in seiner Holzhütte – einfach nicht verschwindet. Er hatte nach 2011 nicht damit gerechnet, noch mal Wasser in den Garten zu bekommen, doch es kam; und höher denn je.

Was ihn und die Gartenfreunde ärgerte, waren die unterschiedlichen Termine, die die Stadt setzte. Anfangs habe es geheißen, bis Ende des Jahres seien die Parzellen besenrein zu räumen. Das hätte den Gärtnern zugesagt, wollten sie doch Pflanzen mitnehmen, einen Teil des Materials für die nächsten Gärten sichern. Doch plötzlich habe es geheißen: Nicht Dezember, sondern Ende September müssen die Gärten geräumt sein. Und schließlich, bei der letzten Besprechung war daraus Anfang September geworden. „Da musste alles viel schneller gehen“, sagt Lippert, aber sie hätten es hinbekommen. Er versucht, die Stadt in Schutz zu nehmen: Auch sie hätten wahrscheinlich nur Vorgaben befolgt.

Demontage der Nachbarlauben

In der Nachbaranlage „Elsteraue“ hatte man sich schwerer getan. Da gab es Leute, die bleiben wollten. Augenblicklich stehen dort noch Lauben, aber Stadtmitarbeiter kümmern sich. Es wird in ihnen gehämmert, Scheiben krachen klirrend auf den Boden. Der einzige Aushang im Mittelungskasten kündigt an, wann die Abrissarbeiten starten. Der Rückbau hat begonnen. Auch die „Elsteraue“ wird bald Geschichte sein.

Quelle: mz-web.de

Stadt zieht Schadensbilanz

Veröffentlicht: September 15, 2013 von fluthelfer in Hochwasserfolgen

Das Hochwasser vom 20. Juni hat in Lohmar verheerende Schäden angerichtet. Allein an städtischen Gebäuden entstand ein Schaden von rund 240 000 Euro. Nun hat die Verwaltung eine detaillierte Aufstellung veröffentlicht

Lohmar. 

Das Hochwasser am 20. Juni hat allein an städtischen Gebäuden einen Schaden von insgesamt rund 240 000 Euro verursacht. Eine ausführliche Aufstellung legte die Verwaltung jüngst im Bauausschuss vor.

Die größten Posten wurden am Donrather Dreieck verzeichnet: Allein die Realschule wurde derart in Mitleidenschaft gezogen, dass für die Aufräum- und Instandsetzungsarbeiten knapp 100 000 Euro anfielen.

Arbeiten dauern noch an

Die Kellerräume, ließ die Verwaltung im Ausschuss mitteilen, wurden von der Rückseite her über einen langen Lichtschacht durch die Wassermassen des Jabachs überschwemmt, auch Abluftkanäle der Lüftungsanlagen waren rasch voll mit brauner Brühe. 70 bis 90 Zentimeter hoch standen Schlamm und Wasser in der Realschule.

Es entstanden Schäden an Heizzentrale und Blockheizkraftwerk, Schaltschränken, Lüftungsanlagen, Bodenbelägen, Trockenbauwänden und am Inventar. Die Einrichtung musste mehrere Tage geschlossen bleiben.

Auch das Gymnasium blieb nicht verschont: Über einen unterirdischen Verbindungsgang zwischen Realschule und Gymnasium drang das Wasser auch dort ein, bis zu einer Höhe von rund 70 Zentimetern.

Das Abpumpen von Wasser, das Entfernen des Schlamms und des nassen Inventars, sowie die Reinigung der Einbauten schlugen zusammen mit allen nötigen Reparaturen wie etwa Fliesen-, Maurer-, Elektro-, Heizungs-, und Lüftungsarbeiten mit geschätzten 55 000 Euro zu Buche.

Hochwassersperren

Die Schadensbeseitigung ist noch nicht abgeschlossen. Im Jabachkindergarten wurde der Innenhof vom Jabach geflutet, zwei Gruppenräume sowie das Familienzentrum wurden überschwemmt. Durch Wasser auf den Dachflächen entstanden obendrein Schäden an den Innendecken. Alles in allem betrugen die Kosten für die Instandsetzung 28 700 Euro. Ebenfalls vom Unwetter betroffen waren unter anderem Jabachhalle, Rathaus, Stadthaus, Villa Friedlinde, Bürgerhaus Birk sowie die Grundschulen Wahlscheid und Donrath.

Quelle: ksta.de

Die Elbe versteckt sich hinter den Fliesen / „Viele Elbanrainer sind in die oberen Etagen gezogen“

Minden/Diepenau. Eigentlich ist das Wasser seit zwölf Wochen weg. Wenn Mark Schwarze kommt, ist es plötzlich wieder da.

Der Projektleiter der Firma ASW-Schadenbeseitigung muss derzeit vielen Elbanrainern sagen, was sie nicht hören wollen: Dass ihre Wohnung zwar sauber aussieht, die Bauarbeiten aber trotzdem erst anfangen. Schwarze gehört zu denen, die kommen, wenn die Laune gerade richtig im Keller ist. Der Diepenauer kümmert sich um Schimmelbeseitigung, Leckortung und Bautrocknung. Er wird bei Problemen in Abwasserleitungen und Rohrbrüchen angerufen und muss dann so Dinge sagen wie: „Die Fliesen müssen alle raus, hinter der Wand sitzt noch Feuchtigkeit.“ Dass er damit selten auf Begeisterungsstürme trifft, weiß der 29-Jährige. Trotzdem seien die Menschen meist froh, dass sich jemand kümmere.

Derzeit beschäftigt sich der Projektleiter mit Schäden, die jeden Wasserrohrbruch zur Kleinigkeit werden lassen. Mark Schwarze und seine Kollegen ziehen wie viele andere Aufräumtrupps durch die Elbdörfer, um aufzubauen, was das Wasser zerstört hat. Im Auftrag der Versicherungen begutachten sie Schäden, schlagen Fliesen von den Wänden und legen Keller und Häuser trocken.

 

11.09.2013

Vorlesen

Elbhochwasser: Handwerker aus der Region immer noch im Hochwasser-Einsatz
Die Elbe versteckt sich hinter den Fliesen / „Viele Elbanrainer sind in die oberen Etagen gezogen“
VON NINA KÖNEMANN

Minden/Diepenau (mt). Eigentlich ist das Wasser seit zwölf Wochen weg. Wenn Mark Schwarze kommt, ist es plötzlich wieder da.

Immer noch im Hochwasser-Einsatz: Mark Schwarze (l.) und seine Kollegen Simone Klusmeyer und Eduard Teichrieb vertreiben die Elbe aus den Häusern. | Foto: Alex Lehn
Der Projektleiter der Firma ASW-Schadenbeseitigung muss derzeit vielen Elbanrainern sagen, was sie nicht hören wollen: Dass ihre Wohnung zwar sauber aussieht, die Bauarbeiten aber trotzdem erst anfangen. Schwarze gehört zu denen, die kommen, wenn die Laune gerade richtig im Keller ist. Der Diepenauer kümmert sich um Schimmelbeseitigung, Leckortung und Bautrocknung. Er wird bei Problemen in Abwasserleitungen und Rohrbrüchen angerufen und muss dann so Dinge sagen wie: „Die Fliesen müssen alle raus, hinter der Wand sitzt noch Feuchtigkeit.“ Dass er damit selten auf Begeisterungsstürme trifft, weiß der 29-Jährige. Trotzdem seien die Menschen meist froh, dass sich jemand kümmere.

Derzeit beschäftigt sich der Projektleiter mit Schäden, die jeden Wasserrohrbruch zur Kleinigkeit werden lassen. Mark Schwarze und seine Kollegen ziehen wie viele andere Aufräumtrupps durch die Elbdörfer, um aufzubauen, was das Wasser zerstört hat. Im Auftrag der Versicherungen begutachten sie Schäden, schlagen Fliesen von den Wänden und legen Keller und Häuser trocken.

Vor allem aber hören sie Geschichten und erleben Schicksale: In manchen Straßen seien fünf bis sechs Häuser nebeneinander vom Hochwasser betroffen, sagt Schwarze. Der Elbschlamm und die Feuchtigkeit haben sich tief in die Wände gefressen, sitzen hinter den Fliesen im Bad, im Keller oder in der Küche. Früher oder später bilden sie Schimmel und der ist hochgiftig. Viele Wände müssten aufgestemmt werden, sagt Schwarze. Teilweise seien noch Schäden vom Hochwasser 2002 sichtbar. „Damals war man mit der Trocknung noch nicht so weit.“

Das Problem: Viele der Bewohner sind alt, wollen ihre Häuser nicht verlassen, auch wenn manche kaum noch bewohnbar sind. Für viele ist es nicht die erste Flut. „Die Familien sind in die oberen Etagen gezogen“, sagt Schwarze. Keller und Erdgeschoss seien meist leergeräumt, manchmal stünde dort noch eine Waschmaschine oder ein Herd. Man hat sich in den Provisorien eingerichtet.

An einen Besuch erinnert sich der 29-Jährige besonders. „Eine Seniorin hat gesagt, sie macht alles selbst, sie braucht keine Handwerker“, sagt Schwarze. Die Frau sei über 70 gewesen und sehr resolut. Der Projektleiter musste Überzeugungsarbeit leisten. „Immerhin die Trocknungsgeräte durften wir später aufbauen.“

Die Seniorin steht stellvertretend für viele Menschen an der Elbe. Die Wochen des Bangens, der Arbeit und des Aufräumens haben ihre Spuren hinterlassen. Die Menschen haben es satt, auf Baustellen zu leben. „Sie wollen zur Normalität zurückkehren“, sagt Mark Schwarze. Das Geld der Versicherungen liege bereits seit Wochen auf den Konten der Geschädigten, da falle es manchmal schwer, sich zu trennen. „Nur weil man das Elbwasser nicht mehr sieht, ist es aber nicht weg“, sagt Schwarze.

Wie hoch die Elbe vor drei Monaten noch stand, erkennt der Experte am Putz. „Der ist entweder noch feucht oder schon abgeklopft.“ So trockneten die Häuser am besten. Vier Tage die Woche ist Schwarze mit den Handwerkern an der Elbe unterwegs. Auch zehn Wochen nach der Flut trudeln immer noch Aufträge ein. Bis zum Frühjahr wird das auch noch so bleiben, schätzt der Experte. Erst dann seien die letzten Keller trockengelegt.

Quelle: mt-online.de

 

Einen Millionenschaden hat das Hochwasser in Barby hinterlassen. Vor allem die öffentliche Infrastruktur ist stark geschädigt worden. Das Bauamt kommt auf eine Schadenssumme nur in der Stadt von rund 8,7 Millionen Euro.

 

Barby l Manchmal wäre der Abriss vielleicht sinnvoller als die Sanierung. Zumindest bei Gebäuden, die bei der nächsten Flut wieder vom Wasser bedroht sind, lohne die Überlegung, meint der Ortschaftsrat Barby. Die Volksvertreter trafen sich am Donnerstagabend, um sich auch mit der Schadensliste des Bauamtes zu beschäftigen.

Das Bootshaus an der Elbe soll nun nach Expertenmeinung nicht mehr ersetzt werden, hieß es. Die Verwaltung habe sich dafür entschieden, das Gebäude zu sanieren. Mit vielen gefliesten Wänden soll bei einer erneuten Überflutung der Schaden geringer gehalten werden, heißt es hierzu.

Doch was ist mit der Sporthalle am Gribehner Weg. Auf mehr als eine halbe Million Euro Schaden kommen hier die beauftragten Gutachter. Neben dem Fußboden seien ebenso die Sportgeräte in der Halle unbrauchbar. Doch lohnt hier die Sanierung? Eine Frage, mit der sich die Ortschaftsräte beschäftigen. Die Sporthalle stehe 30 Zentimeter zu tief, hieß es in der Runde. Beim nächsten Hochwasser könnte das Gebäude also wieder unter Wasser stehen. Wer ersetze dann den Schaden? Wäre ein Neubau nicht sinnvoller vor diesem Hintergrund? Zumal das Land, so die Verwaltung, die Kommunen darauf aufmerksam gemacht hat, dass die Sanierungen der Schäden mit dem Hintergrund erfolgen, dass ein neuer Hochwasserschaden ausgeschlossen werden soll. Bei der Barbyer Sporthalle ist dies einfach unmöglich. Schon beim nächsten Hochwasser könnte die Sporthalle erneut überflutet werden.

Das Problem sei aber, dass die Kommune die vom Land beauftragten Gutachter kaum überzeugen könne, einen Ersatzneubau für die überflutete Sporthalle zu befürworten, meinen die Fachleute aus der Bauverwaltung. Und selbst wenn sich doch ein Gutachter dazu hinreißen ließe, gebe es in der ganzen Stadt kein Grundstück, welches nicht hochwassergefährdet sei, meinte Ortsbürgermeister Ernst Neugebauer (CDU). Es bleibe nichts anderes übrig, als das zur Verfügung gestellte Geld in die Sanierung der betroffenen Objekte zu stecken, auch wenn dies aus heutiger Sicht vielleicht nicht immer sinnvoll erscheine, meinte er weiter. Die Stadt könne kaum den Neubau einer ganzen Sporthalle fordern.

Auf 43 Vorhaben bringt es das Bauamt in der Liste allein für Barby. Auch das Rathaus hat das Bauamt inzwischen auf die Liste gesetzt. Denn im Keller dringt langsam Wasser durch die Wände. Auch hier ist eine Sanierung notwendig.

Daneben sind zahlreiche Straßensanierungen, wo das Drängwasser zu Setzungen auf den öffentlichen Straßen geführt hat.

Sinn machen die Sanierungen aber überhaupt nur, wenn die Drängwasserproblematik überhaupt gelöst werden kann. In einem zweiten Schritt hat sich hierzu die Stadtverwaltung mit Fachleuten beraten, sagte Bürgermeister Jens Strube.

Nach überschlägigen Schätzungen von Experten dürften die notwendigen Investitionen in den Hochwasserschutz im Elbe-Saale-Winkel viele Millionen Euro kosten. Der für die Region beauftragte Fachmann von Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft habe den Bau eines zweiten Dammes an der Saale vorgeschlagen, führte er aus. Das Drängwasser soll hier aufgehalten werden. Gleichzeitig dürfte der zwischen den Deichen steigende Wasserstand dafür sorgen, dass kaum noch Wasser ins Hinterland eindringen könne, schilderte Strube die Idee.

Daneben müssen vor allem viele neue Gräben gebaggert werden, um das Wasser wieder in die Elbe zu bekommen. Außerdem benötige die Stadt ein festes sowie ein mobiles Schöpfwerk, fordern die Fachleute. Auf 15 Maßnahmen kommen die Experten.

Im Vordergrund sollen dabei vor allem Vorhaben stehen, die die Drängwasserproblematik, die wohl auch für den hohen Grundwasserstand verantwortlich ist, zu lösen. Direkt an der Ursache wollen die Fachleute dort angreifen, erklärte Strube.

Doch er weiß ebenso, dass es ein langer Kampf um jedes Projekt sein wird, um die Landesbehörden von der Notwendigkeit zu überzeugen. Sauer sind die Barbyer auf den Chef des Landesbetriebes für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft. Einen wirschen Brief haben sie noch nicht verdaut, meinten die Volksvertreter. Deswegen soll der Bürgermeister den Behördenvertreter zu einer der nächsten Sitzung einladen, damit sie mit ihm sprechen können, verlangen sie.

Quelle: volksstimme.de

de, das die Zahlen der 131 größten deutschen Städte verglich.

Doch Frank Hoffmann, Vorsitzender des Stadtverbandes der Dresdner  artenfreunde, stehen trotz dieser erfreulichen Zahlen tiefe Sorgenfalten auf der Stirn. Denn viele Kleingärten in Dresden wird es in absehbarer Zeit nicht mehr geben – sie müssen der Elbe Platz machen. Frank Hoffmann rechnet mit mindestens 120 Gärten, die wohl künftig aufgegeben werden müssen. Konkret betrifft das Parzellen in der Spitze der Kleingartenanlage „Ostragehege“, in der Anlage „An dem Zschierbach I“, im Verein „Die Ufergärten“ in Lockwitz sowie große Teile der Anlage „Leubener Wiesen“, weil sie im Hochwasserfall im Durchströmungs- oder im Abflussbereich der Elbe liegen. Betroffen waren im Juni dieses Jahres vom Hochwasser bzw. vom dadurch  verursachten Anstieg des Grundwassers insgesamt rund 1500 Gärten. Eine konkrete Forderung der Stadt, die Gärten zu beseitigen, gibt es  allerdings noch nicht

. „Die Stadt wird uns auch nicht kündigen, weil sie uns nicht entschädigen kann“, ahnt der Chef der Kleingärtner. Und trotzdem werden die Gärten weichen müssen. Zum Beispiel weil nach der Flut 2002 erteilte, aber bis 30. Juni 2014 befristete  wasserrechtliche Sondergenehmigungen zur Reparatur bzw. zum Wiederaufbau von Lauben mit großer Wahrscheinlichkeit nicht verlängert werden. „Das Umweltamt will keine Verlängerung pro forma vergeben.“ Das hat Hoffmann schon schriftlich. Er geht davon aus, dass die
Lauben abgerissen werden müssen. Zur Disposition stehen allein dadurch 83 Gartenhäuschen in den Anlagen „Elbtal II“, „Berchtesgadener Straße“, „Altleuben“, „Neu-Leuben“ und „An dem Zschierbach I“.

„Zudem dürfen weitere Lauben, die jetzt durch das Hochwasser im Juni beschädigt oder zerstört wurden, nicht mehr repariert, geschweige denn aufgebaut werden“, weiß Hoffmann aus einem Schreiben des Umweltamtes Dresden. „Es wurde auch darauf hingewiesen, dass im Gewässerrandstreifen – beidseitig zehn Meter ab  Löschungsoberkante – keine Gehölze angepflanzt und Baulichkeiten oder andere Abflusshindernisse errichtet werden dürfen.“ Dadurch werden weitere Kleingärten in den Vereinen „Ostragehege“, „An dem Zschierbach I“, in den „Leubener Wiesen“ und in den „Ufergärten“ keine Zukunft haben. In manchen Gartenanlagen entstehe dadurch ein Flickenteppich. In der Kleingartenanlage „Ostragehege“  werden von 79 Gärten voraussichtlich nur 19 erhalten bleiben. Gegenwärtig tourt der Vorsitzende des Stadtverbandes der Kleingärtner durch die betroffenen Vereine, um mit den Pächtern der Parzellen über die Zukunft zu diskutieren. 120 Kleingärtner warfen schon von sich aus das Handtuch.

Sie kündigten ihren Pachtvertrag, weil sie keine Kraft mehr haben, wieder von vorn anzufangen. „Die Stadt hat uns ihre Bereitschaft zugesagt,
die Beräumung der aufgegebenen Gärten zu übernehmen“, ist Frank Hoffmann froh. Doch das reicht ihm und den Dresdner Kleingärtnern nicht. „Meine Forderung an die Stadt ist, den Dresdner Kleingärtnern Ersatzflächen zur Verfügung zu stellen.“

Quelle: dnn-online.de

Die Millionenliste der Deich-Schäden

Veröffentlicht: September 3, 2013 von fluthelfer in Hochwasserfolgen

Die Schäden an Deichen, Schleusen, Schöpfwerken sowie Wehr- und Sielanlagen belaufen sich nach dem Juni-Hochwasser auf 260 Millionen Euro. Erste Sanierungen sollen 2015 abgeschlossen sein. Die Länder wollen dafür stärker zusammenarbeiten.

 

Die Liste ist lang, sehr lang. 250 einzelne Punkte hat der Landesbetrieb für Hochwasserschutz (LHW) zusammengetragen. Mit dieser Liste soll nun Geld aus dem Acht-Milliarden-Euro-Fluthilfefonds von Bund und Ländern beantragt werden. Von 5 000 Euro bis hin zu zweistelligen Millionenbeträgen. Insgesamt summieren sich die Schäden an Deichen, Schleusen, Schöpfwerken sowie Wehr- und Sielanlagen auf 260 Millionen Euro. „Das ist zunächst eine Ersterfassung, wir werden in der Planung sehen, wie hoch die Schäden dann wirklich sind“, sagte Burkhard Henning, Direktor des LHW.

Größere Einzelprojekte

Allerdings gibt es mehrere Einzelprojekte, die herausstechen. So schlägt die Sanierung des Elbe-Umflutkanals in Magdeburg mit zehn Millionen Euro zu Buche. Den hatten während der Juni-Flut tausende professionelle und ehrenamtliche Helfer nur mit Mühe und Not verteidigen können. „Da geht jetzt gar nichts mehr, da müssen wir komplett ran“, sagte Henning.

Das gilt auch für den Deichbruch bei Fischbeck (Altmark). Derzeit ist dort eine Spundwand in die Lücke eingebaut, um für ein mögliches Herbsthochwasser gerüstet zu sein. Das wird aber dauerhaft nicht reichen, Henning rechnet damit, dass der Deich auf acht Kilometern Länge komplett saniert werden muss. Dafür sind Kosten von rund zehn Millionen Euro veranschlagt.

2,6 Millionen Euro für Gimritzer Damm

Doch auch im Süden Sachsen-Anhalts hat das LHW große Schäden an den Deichen festgestellt. So soll der Hochwasserschutz rund um Zeitz (Burgenlandkreis) für 5,8 Millionen Euro verbessert werden. „Das ist eine extrem aufwendige Maßnahme“, sagte Henning. Auch der Neubau des Gimritzer Damms in Halle steht mit 2,6 Millionen Euro auf der Liste. Den wollte Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) schon selbst bauen, wurde aber nach langem Streit mit dem Land vom Verwaltungsgericht gestoppt.

Allerdings geht es nicht um eine einfache Schadensregulierung. „Es muss danach besser, nicht nur geflickt sein“, sagte Henning. So sei der Landesbetrieb auch beim Hochwasser 2002 vorgegangen – mit Erfolg. Laut Henning sei keiner der in den vergangenen elf Jahren sanierten Deiche bei dieser Flut gebrochen. Zudem sollen die Investitionsmittel für den Hochwasserschutz von rund 40 Millionen Euro jährlich mit der Schadensregulierung verzahnt werden.

Priorität genießen zunächst diejenigen Projekte, bei denen die Planung schon vor der Flut weit fortgeschritten war. Dazu gehört der Deich bei Groß-Rosenburg (Salzlandkreis), der Gimritzer Damm in Halle und der Deich bei Fischbeck. Der soll, wenn alles gut geht, 2015 fertig sein. Die meisten Projekte werden aber etwas länger dauern. Nach der Flut 2002 wurden die letzten Fördermittel des Bundes für die Schäden an Deichen im Jahr 2010 verbaut. Das LHW will auch die bis 2020 laufende Hochwasserschutzkonzeption bis Anfang des nächsten Jahres überarbeiten.

Abstimmung erforderlich

Die Umweltminister der Länder haben sich unterdessen auf einer Konferenz in Berlin darauf geeinigt, ein nationales Hochwasserschutzprogramm bis zum Herbst 2014 auszuarbeiten. Darin sollen die einzelnen Maßnahmen besser aufeinander abgestimmt werden. „Die Neigung zu Länderegoismen nimmt ab“, sagte Sachsen-Anhalts Umweltminister Hermann Onko Aeikens (CDU). Die Länder fordern zudem die Bundesregierung auf, den Förderanteil beim Binnenhochwasserschutz von 60 auf 70 Prozent zu erhöhen. Der Bund soll auch insgesamt mehr Geld investieren. „Was wir im Sommer erlebt haben, hat auch den letzten wachgerüttelt, dass beim Hochwasserschutz nicht gespart werden darf“, sagte Aeikens.

Auch das Baurecht in Hochwassergebieten soll verschärft, die Verfahren zur Genehmigung von Deichbauten beschleunigt werden. Die Umweltminister haben die Justizministerkonferenz aufgefordert, Vorschläge auszuarbeiten, wie die Versicherungsquote erhöht werden kann. Auch ein Zwang ist im Gespräch.

Quelle: mz-web.de

Hochwasser-Schäden: Wieder Abriss in Natternberg

Veröffentlicht: August 29, 2013 von fluthelfer in Bayern, Hochwasserfolgen

Schnelle Entscheidung wegen statischen Gründen – Ölgeschädigte warten seit Wochen

Karl Marchl junior war ein halbes Jahr alt, als er in Natternberg-Siedlung in das Anwesen Pappelweg 4 einziehen konnte. Vor 47 Jahren haben seine Eltern Karl Marchl (74) und Maria Marchl (71) dieses Haus gekauft und zu einem Nest für die damals junge Familie ausgebaut.

Vor einigen Jahren haben die Marchls dann unmittelbar hinter diesem Haus neu gebaut. Seither wohnen sie gemeinsam mit der Familie der Tochter Martina in diesem „Neubau“. Marchl jun. bewohnt seither das alte Haus alleine und hat es für seine Bedürfnisse umgebaut und gepflegt. Das Hochwasser hat die Familie nun zweifach getroffen. Das ältere Gebäude musste aus statischen Gründen jetzt abgerissen werden. Das neuere war schon höher gebaut, so dass das Erdgeschoss nicht ganz überflutet war. Es ist mit Sanierungsmaßnahmen ohne Abriss zu sanieren.

Während dem Abriss des Marchl-Hauses berichteten Passanten, die selbst betroffen sind, dass sie massive Probleme hätten, weil sie Gutachter brauchen würden, die ihnen den Ölschaden bestätigen. Doch die Gutachter sind gegenwärtig ausgelastet.

Quelle: idowa.de

Die Flutschäden in den Kleingärten in Jeßnitz gehen in die Hunderttausende. Doch Hilfe ist kaum in Sicht. Manche der Kleingärtner klammern sich ans Prinzip Hoffnung, andere wollen aufgeben.

Dahlien, Callas, Rosen, Nelken, Astern, Purpurglöckchen – der Garten von Sybille Richter verwandelt sich im August immer in ein Blütenmeer. Doch dieses Jahr ist alles anders. Denn die grüne Oase ist abgesoffen. Statt bunter Blumen nur braun-grünes Chaos. Die Folgen der Hochwasserkatastrophe sind nicht nur im Garten der Vereinschefin zu sehen. Kein Wunder, stand doch die Anlage „Lauseborn“ in Jeßnitz komplett unter Wasser. 149 000 Euro Schaden haben die Parzellenpächter bislang gemeldet. Damit sind die Lauseborner traurige Spitzenreiter in der Schadensbilanz des Bitterfelder Regionalverbands der Gartenfreunde.

Noch immer gehen bei Verbandschef Axel Richter die Meldungen ein. Die Flutbilanz ist verheerend: 529 Gärten sind betroffen. „Die bislang gemeldeten Schäden belaufen sich auf mindestens 380 000 Euro“, so Richter. Neben „Lauseborn“ war auch die Wolfener Anlage „Am Busch“ mit 209 Gärten völlig überschwemmt. Der gemeldete Schaden: 67 000 Euro. In Bitterfeld waren am schlimmsten die Anlagen „Goldene Aue“, „Am Strengbach“, „Krautwall“ und „Kühler Grund“ betroffen. Die Schäden gehen in die Zehntausende.

Dabei seien viele Flutfolgen aber noch gar nicht abschätzbar. „Bislang geht es vor allem um Einrichtungsgegenstände, Lauben, Vereinsheime, elektrische Anlagen und Technik, die ersetzt werden müssen“, erklärt Richter. Vernichtete Pflanzen dagegen würden relativ selten gemeldet. „Dabei ist auch deren Ersatz teuer.“

Das hat Sybille Richter am eigenen Leib erfahren. Ihr Garten liegt am tiefsten Punkt der Lauseborn-Anlage, ist der letzte vor jenem Bereich, wo der schützende Deich hinkommen soll. „Doch auf den warten wir ja seit 2003 vergebens“, ärgert sich die Vereinschefin. Die Folgen sieht man in jedem der Schrebergärten. Nicht nur die Einrichtung der Lauben landete auf dem Sperrmüll: „Die Erdbeerernte fiel ebenso aus wie die jetzt anstehende Kartoffelernte. Es gibt keine Zwiebeln, keine Tomaten, keine Gurken – alles vernichtet“, so Sybille Richter. Von Blumen gar nicht zu reden. Viele Staudenpflanzen seien eingegangen. „Die Dahlien sind völlig verfault.“ Und ob sich die Beerensträucher wieder erholen, stehe in den Sternen. „Essen konnte man die Früchte nicht“, meint Richter und zeigt als nächstes auf die Koniferen. Deren braune Verfärbung zeigt, wie hoch das Wasser stand. Selbst die Obstbäume sehen aus, als hätten sie eine Krankheit. „Die Äpfel sind von Schorf befallen, die Pflaumen fallen alle ab.“ Erst nächstes Jahr wisse man, was noch verloren gegeben werden muss.

Doch wie geht es nun weiter? Der Regionalverband versucht, viele Quellen anzuzapfen. Man habe sich beim Landesverband um Mittel beworben, so Axel Richter. Auch beim Bundesverband laufe eine Spendenaktion. „Doch niemand weiß, was nach Sachsen-Anhalt kommt.“ Auch die 64 000 Euro, die die Stadt Bitterfeld-Wolfen für Sport- und Gartenvereine in Aussicht gestellt habe, reichen nicht weit. „Und Raguhn-Jeßnitz will gar nichts zahlen.“ Einen Hilferuf habe man an alle 67 Mitgliedsvereine gestartet. Bisheriges Ergebnis: 1 000 Euro. Dennoch bleibt Richter Optimist: „Schließlich hat Kanzlerin Merkel gesagt, dass 80 Prozent der entstandenen Schäden reguliert werden.“

Doch längst nicht alle Pächter sind so trotzig-hoffnungsfroh. Viele haben resigniert, wollen ihre Parzelle aufgeben. Richter weiß das: „Ich habe Andeutungen von 80 Gartenfreunden, dass sie nicht weitermachen wollen.“ Natürlich versuche man, sie zu halten. Doch gerade bei älteren Leuten sei das nicht einfach. Noch aber sei keine komplette Anlage in Gefahr. Er hoffe, dass die Betroffenen den Mut haben, von vorn anzufangen. „Schließlich ist Gärtnern eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung. Und die Solidarität unter Gartenfreunden möchte hoffentlich keiner missen.“

Auch bei Sybille Richter in Jeßnitz sind etliche Kündigungen eingegangen. Die Pflege der Außenanlagen wird immer schwieriger, weil junge Leute fehlen, die mit Hand anlegen. „Und ich befürchte, dass wir auch finanziell als Verein ein Problem bekommen.“ Denn auch wenn die Zahl der Mitglieder und damit die Höhe der Einnahmen sinke, müsse man ja Pacht an die Stadt zahlen. Aus dem Rathaus aber bekomme man null Unterstützung. Früher war „Lauseborn“ eine Großanlage mit 130 Gärten, inzwischen sind es noch 70. Und bei allem Engagement der Pächter steht die Frage im Raum: Wie viele werden es in ein, zwei Jahren noch sein?

Quelle: mz-web.de

Die Zahlen steigen noch immer

Veröffentlicht: August 28, 2013 von fluthelfer in Hochwasserfolgen

Die Jeßnitzer Anlage „Lauseborn“ mit 124 Gärten wurde komplett überflutet. Das Pumpenhaus stand unter Wasser, die Elektrik ist ausgefallen, die Einrichtung der Lauben konnte nur noch entsorgt werden. Auch Arbeitsgeräte wie Rasenmäher müssen ersetzt werden. Zäune sind noch eingedrückt. Der gemeldete Gesamtschaden liegt bislang bei 149 000 Euro.

209 Gärten wurden in der Wolfener Anlage „Am Busch“ Opfer der Fluten. Schaden bislang: 67 000 Euro. Das Vereinsheim braucht neue Technik. 50 000 Euro Schaden wurden aus der Bitterfelder Anlage „Goldene Aue“ gemeldet, wo 64 Gärten betroffen sind. Auch dort wurden das Vereinsheim und die Technik beschädigt.

30 Gärten sind im „Krautwall“ betroffen. Im Schaden von 30 000 Euro fehlen aber noch die Kosten für die Schäden am Vereinsheim, das 2012 neu aufgebaut worden war. Die Anlage am Strengbach meldet 27 000 Euro Schaden und 19 betroffene Gärten. Komplett unter Wasser stand die Anlage „Kühler Grund“. Hier stehen die Schadensmeldungen noch aus.

Quelle: mz-web.de

Flucht vor der Flut – Isarmünd wird abgerissen

Veröffentlicht: August 24, 2013 von fluthelfer in Deggendorf, Hochwasserfolgen

Das Dorf Isarmünd bei Deggendorf muss wegen des Hochwasserschutzes verschwinden, die Bewohner werden umgesiedelt. Das ist die kostengünstigste Variante. Besonders die Älteren tun sich damit schwer

In Isarmünd kehren normalerweise Wanderer und Vogelfreunde ein, die im idyllischen Mündungsgebiet von Isar und Donau die Natur genießen. Doch dieser Tage wüten in dem niederbayerischen Örtchen die Bagger. Isarmünd soll dem Erdboden gleichgemacht werden. Statt der neun Häuser umfassenden Siedlung wird hier ein Polder für den Hochwasserschutz entstehen.

Ein Haus ist bereits Geschichte, nur Stein- und Erdhaufen, gesondert nach Materialien, künden noch von seiner Existenz. Dieser Tage wird das zweite Haus abgerissen, gelber Bagger vor grünen Maisfeldern, darüber der blaue Himmel. Doch niemand will sich das farblich so idyllische Schauspiel ansehen. „Da steckt zu viel Herzblut drin“, sagt Roland Schmid vom Wasserwirtschaftsamt Deggendorf.

„Was kann man ändern“

Neben dem von Steinhaufen gesäumten Platz, auf dem sich einmal das erste abgerissene Haus befand, steht eine weißhaarige Dame auf ihrer Terrasse. Balkone und Geländer sind liebevoll geschmückt mit Petunien und Oleander, Stuhlkissen und Deko zeugen von regem Gebrauch. „Es war immer so schön hier“, sagt sie. „Aber was kann man ändern.“

Die Frau will ihren Namen nicht in der Zeitung lesen. Es müsse genügen, was sie als Anwohnerin zu erzählen habe, sagt sie. Wie fast alle im Weiler ist sie eine Alteingesessene, zwar nicht hier geboren, aber vor 50 Jahren durch ihre Hochzeit hierhergekommen.

Seitdem hat sie in ihrem Haus gewohnt, umgeben von denselben Menschen, eine verschworene Gemeinschaft. Hier gibt es nur Wohnhäuser, Höfe und ein Kirchlein, der nächste Ort ist mehrere Kilometer entfernt. Wer Brot braucht, kauft es beim Bäcker, der in einem blauen Kleintransporter bis vor die Haustür kommt.

Wasserexperte Schmid ist dafür verantwortlich, dass die Überschwemmungsfläche entstehen kann, also dafür, dass die Häuser der Isarmünder abgerissen werden. Sein Wasserwirtschaftsamt hat einen Experten engagiert, der den Wert der einzelnen Häuser geschätzt hat.

Dann haben sie den Anwohnern Angebote unterbreitet, in welcher Höhe, will Schmid nicht sagen. Schon seit fünf Jahren laufen die Gespräche über Isarmünds Zukunft. Doch, und das ist Schmid so wichtig, dass er es gleich mehrfach betont: „Die Absiedlung ist absolut freiwillig.“

Abreißen ist am günstigsten

Zwar wird es noch Monate, wenn nicht Jahre dauern, bis alle Bewohner Isarmünds ihre Häuser verlassen haben. Erst müssen die neuen Häuser fertiggebaut werden, die Umzüge organisiert. Die meisten Einwohner ziehen nach Moos, die nächstgelegene Gemeinde. Doch die Bagger künden davon, dass das Ende Isarmünds bereits begonnen hat.

Die Menschen haben eigentlich gelernt, mit dem Hochwasser zu leben. Die Dame erzählt, dass sie den Keller immer als Erstes leer räumen, der laufe ohnehin voll. Zudem sei dort eine Tauchpumpe installiert. Isarmünd liegt nahe bei Deggendorf, einem der Orte, die unter dem Juni-Hochwasser am meisten gelitten haben. Weil in Deggendorf ein Damm brach, kam Isarmünd einigermaßen glimpflich davon, nur die Keller liefen voll, und im Erdgeschoss stand das Wasser 50 Zentimeter hoch. Die Spuren sieht man noch heute.

Dass das Hochwasser ein Problem ist, darin sind sich Anwohner und Wasserwirtschaftsamt einig. Die weißhaarige Dame sagt: „Gesund ist das nicht, immer wieder Wasser im Haus zu haben.“ Herr Schmid vom Wasserwirtschaftsamt sagt, es sei die Aufgabe seiner Behörde, die Anwohner vor Überschwemmungen zu schützen.

Das Amt habe vorher verschiedene Varianten durchkalkuliert, wie man diesen Schutz am besten umsetzen könne, neue Deiche, Deicherhöhungen. Dabei sei es um Naturschutz, aber auch um Wirtschaftlichkeit gegangen. Am Ende stand die Erkenntnis: „Der Schutz der Gebäude kostet mehr, als sie abzureißen.“ Man hätte für neun Häuser einen kompletten Deich erhöhen müssen. Da entschied man sich für die Umsiedlung.

Moos wirkt wie eine Verheißung

Die Isarmünder sind gespalten, was ihre Zukunft angeht, und eine Kluft zeigt sich auch zwischen Jung und Alt. Schräg gegenüber von der weißhaarigen Dame, einmal über die Wiese, wohnt eine andere ältere Dame: Franziska Bauer. Auch sie hat nach Isarmünd geheiratet, 1957 war das, und ist hier seitdem verwurzelt. „Für uns Alten wäre es schöner, wenn wir nicht mehr wegmüssten“, sagt Bauer.

Die weißhaarige Dame hat ihr Haus traditionell vor Jahren an die Kinder übergeben und wohnt jetzt im „Altenteil“. „Jetzt habe ich hier nichts mehr zu sagen“, seufzt sie. Für ihre Kinder, die heute selber Kinder haben, sei klar, dass sie wegziehen. Sie kennen den Ort aus ihrer eigenen Kindheit: Kein Bus außer dem Schulbus, kaum Kinder außer den Geschwistern. Da wirkt Moos wie eine Verheißung.

Auch in Moos wird ein kleines Stück Isarmünd erhalten bleiben. Mehrere der Anwohner bauen in ihrer neuen Heimat direkt nebeneinander, sodass sie auch künftig Nachbarn bleiben. Auch die beiden Damen werden beieinander bleiben.

Wenn Isarmünd untergeht und ihre eigenen, heute noch blumengeschmückten Häuser abgerissen wird, wollen sie bei aller Verbundenheit nicht dabei sein. „Das muss ich mir nicht antun“, sagt Frau Bauer. So pragmatisch die Isarmünder auch abwägen, am Ende behält das Herzblut doch die Oberhand.

Quelle: welt.de

Zweieinhalb Stunden im Schulbus nach Greiz

Veröffentlicht: August 24, 2013 von fluthelfer in Hochwasserfolgen, Thüringen

Bergas Schüler lernen nach der Flut im Ausweichquartier Berufsschule I in Greiz. Für Wünschendorfer Schüler würde der Schulweg per Bahn nur 40 Minuten betragen, doch selbst zu bezahlen sein. Kein Kompromiss in Sicht?

Wünschendorf/Greiz. Bei vielen Wünschendorfer Schülern sind die Schultaschen für Montag schon gepackt. Doch rechte Freude auf den 1. Schultag will sich nicht einstellen.

Seit das Juni-Hochwasser ihre Bergaer Schule flutete, besuchen die Regelschüler aus Wünschendorf, Berga und dem Einzugsgebiet die Berufsschule I in Greiz als Ausweichquartier. „Die Kinder sind am Tag etwa zweieinhalb Stunden im überfüllten Schulbus unterwegs“, beschreibt Anja Elsner, Mutti der 12-jährigen Pia die komplizierte Situation. Pia verträgt Auto- wie Busfahren schlecht. „Das geht nicht nur mir so, auch anderen Kindern. Vor allem bei der Heimfahrt stehen manche von uns im überfüllten Bus oder sitzen am Boden. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht nach vorne fallen. Dazu der Lärm von 50 Schülern.“ Selbst bei nur sechs Stunden Unterricht, erläutert Neuntklässlerin Sophie Löschner, seien sie erst 16.30 Uhr zu Hause, dann folgen Hausaufgaben und Lernen, früh 6 Uhr heißt es wieder aufstehen. Myriam Ratzer, 10. Klasse, fragt: „Wann sollen wir uns zusammensetzten, um im Februar unsere Projektarbeiten abzuliefern? Da bleibt kaum noch Zeit.“ Für Hobbys ohnehin nicht. Pia, Kreisjugendmeisterin im Dressurreiten, musste ihre Übungsstunden in Köckritz absagen. Trotzdem spricht sie auch für andere Schüler: „Die Lehrer sind sehr verständnisvoll, überlasten uns nicht mit Hausaufgaben. Am Stundenplan können sie keine Abstriche machen. Wir wollen ja selbst das ganze Pensum lernen.“ Viele der Familien der Schüler tragen noch an den Hochwasserfolgen. In Pias Kinderzimmer wohnt die 85-jährige Uroma, Familie Steinmann ist ganz aus dem Haus ausgezogen.

Hintergrund aller Aufregung ist die Tatsache, dass die Fahrt mit der Bahn für die Wünschendorfer und Bergaer Schüler weitaus schneller und bequemer wäre als der Bus. Statt zweieinhalb Stunden wären die Wünschendorfer Mädchen und Jungen nur 40 Minuten unterwegs. Doch für die Bahn gibt es keine Schülerfahrkarten. Per 31. Juli sind sie ausgelaufen, gelten nun nur für den Schulbus. Bahntickets für 4,30 Euro für unter 14-Jährige und 6,30 Euro für Ältere täglich bedeuten bei mehreren Schulkindern in der Familie einen tiefen Schnitt ins Familienbudget.

Anja Elsner, die sich mit ihrer Bitte um Änderung ans Landratsamt gewandt hatte, wurde gesagt, dass die Fahrzeit zumutbar sei. Die OTZ-Nachfrage ergab leider kein anderes Ergebnis. So ließ die Landrätin mitteilen, dass „der Landkreis als Schulträger bei allem Verständnis eine vertretbare Lösung für alle 175 Schüler der Regelschule Berga aus Berga, Neumühle, Wünschendorf und Umland mit den Busunternehmen gefunden hat. Der von Wünschendorfer Eltern favorisierte Schülertransport mit der Bahn steht jedem offen, dann aber auf eigene Kosten. Die Schülerbeförderung komplett per Bahn abzusichern, kann nach Auskunft der Bahnanbieter aus Kapazitätsgründen nicht gewährleistet werden.“

Die Bahn informierte OTZ: „Die DB Regio erbringt die Leistungen im Schienenpersonennahverkehr im Auftrag des Freistaats, vertreten durch die Nahverkehrsservicegesellschaft Thüringen mbH (NVS). Im Verkehrsvertrag ist auch das Sitzplatzangebot geregelt. Danach erfolgt die Ressourcenplanung für Fahrzeuge und Personal. Ergibt sich ein vom Vertrag abweichendes Beförderungsbedürfnis, sollte sich das Landratsamt an die NVS wenden.“

Auf einen Wiederbezug der Bergaer Schule hofft das Landratsamt bis Jahresende. Und wenn nicht? Könnte es vielleicht doch einen Kompromiss im Sinne der Schüler geben? Vielleicht einen Waggon mehr oder die Verrechnung des staatlich finanzierten Busgeldes mit dem privat gekauften Bahnticket?

Quelle: otz.de

Zimmern. Das Hochwasser in Thüringen ist längst weg, doch die Touristen halten sich bei ihren Buchungen zurück. Werbung soll Verunsicherung entgegenwirken. Ein Sommerteam der Thüringer Tourismus GmbH reist durchs Land.

„Wie ganz Ostdeutschland hat auch Thüringen mit einem touristischen Imageschaden zu kämpfen“ , sagte Wirtschaftsminister Matthias Machnig . Er kündigte eine verlängerte Kampagne an, in der unter anderem die einstigen Hochwassergebiete beworben werden. Auch der Park an der Ilm in Weimar lädt wieder zum Bummel, lautet eine der Botschaften.

Die Thüringer Tourismusgesellschaft wirbt ihrerseits mit einem Sommerteam um die Urlauber. Seit Anfang Juli sind Kathrin und Katrin gemeinsam an jedem Wochenende unterwegs, um verschiedene Ecken des Landes zu durchstreifen und die Besonderheiten der Regionen zu erkunden.

„Wir kennen vorher immer nur ein Stichwort, lassen uns dann von dem überraschen, was auf uns zukommt“, verrät Katrin Silvers. An diesem Tag war es der Baumkronenpfad im Hainich. „Unesco Weltnaturerbe“ – weithin sichtbar kündet die Tafel von dieser Auszeichnung.

Erst seit zwei Jahren darf sich der „Urwald mitten in Thüringen“ mit dem Titel schmücken, doch dessen Wirkung ist immens. „Wir werden von vielen Besuchern gezielt darauf angesprochen“, bestätigt Ranger Gerd Frixel beim Besuch des Sommerteams der Thüringer Tourismusgesellschaft.

Der 55-jährige aus Weberstedt gehört zu den Parkführern der ersten Stunde, der von Anfang an dabei war. Doch in den letzten Jahren habe der Andrang spürbar zugenommen, das habe sicher auch mit dem Titel zu tun, ist Frixel überzeugt.

Gemeinsam mit dem Thüringen-Team erkundet er den Hainich. „Gewaltig“ entfährt es den beiden Frauen, als Frixel an drei Stationen die Ausmaße der größten Bäume der Welt veranschaulicht. In Kalifornien stehen diese Mammutbäume, die bis zu 116 Meter hoch werden.

Holz aus dem Hainich ist unverkäuflich. Hier wird nicht bewirtschaftet, hier überlässt man die rund 1500 Hektar Waldfläche allein der Natur.

„Wir bieten spezielle thematische Wanderungen zu Themen wie Pilze, Kräuter oder Nachtwanderungen an“ , verrät Frixel. Geführt könne man den Wald auch im Dunkeln durchstreifen, auf eigene Faust sollte man es unterlassen, sagt der Experte. Immer wieder bekomme man nachts Hilferufe und müsse dann Wanderer suchen.

Beeindruckt zeigten sich die jungen Frauen vom Gang über den Baumkronenpfad. Es sei eine völlig ungewohnte Perspektive, sagten sie hinterher.

Allerdings hätten sie sich etwas mehr Ruhe gewünscht, sagen Katrin und Kathrin. Die bekommen sie später beim Yoga über den Baumwipfeln.

Am Wochenende ist das Sommerteam erneut unterwegs. Thüringen hat viel zu bieten, das beweisen auch die Bilder und Texte des Teams im Internet.

Quelle: otz.de

Pappeln sind gefällt an der Saale in Camburg

Veröffentlicht: August 20, 2013 von fluthelfer in Hochwasserfolgen, Thüringen

Mancher Passant oder Autofahrer hat sich in den letzten Tagen auf dem Weg zum großen Parkplatz oder zum Einkaufen bei Rewe sicher gewundert: Die Sicht zum anderen Saaleufer hinüber ist jetzt vom Schießplatz aus frei.

Camburg. Bisher war sie von mehreren mächtigen Pappeln verdeckt. Doch die Bäume liegen jetzt gefällt im Gras am Saaleufer.

 

Eine Rückfrage im Rathaus, welche Bewandtnis es damit hat, ergab, dass hier Gefahr im Verzug gewesen sei. „Es handelt sich um mehrere Pappeln, die Wochen nach dem Hochwasser welke Blätter bekamen“, erklärte Carsten Schöne vom Bauamt der VG Dornburg-Camburg. Ein Baumfachmann sei hinzugezogen worden, und es habe sich der Verdacht bestätigt, dass die Bäume abgestorben sind. Dies sei eine Folge des Hochwassers.

 

Um Schäden durch herabstürzende Äste oder gar umstürzende Bäume zu vermeiden, sei eine Spezialfirma mit der Fällung beauftragt worden. Die Fachleute vom „Baummarder“ aus Jena ­haben die Bäume am vergangen Freitag entastet und am Sonnabend gefällt. Da die Stadt eine Baumschutzsatzung hat, musste die Untere Naturschutzbehörde nicht für eine Genehmigung ­herangezogen werden.

Quelle: otz.de

Schäden durch Hochwasser am Meininger Theater

Veröffentlicht: August 18, 2013 von fluthelfer in Hochwasserfolgen, Thüringen

Davon war bislang nichts bekannt: Das Hochwasser Ende Mai/Anfang Juni hat im Meininger Theater Schäden angerichtet. Insbesondere der Orchestergraben und ein Aufzugsschacht sollen betroffen sein. Dieser Umstand wurde erst mit der jetzt verbreiteten Nachricht öffentlich, dass Thüringens Kultusminister Christoph Matschie am heutigen Montagnachmittag gemeinsam mit Bürgermeister Fabian Giesder die Hochwasserschäden in Augenschein nehmen will.

Positiv ist dabei die Nachricht, dass die entstandenen Schäden dank einer zusätzlichen Finanzspritze aus dem Kultusministerium, für die Matschie eine feste Zusage im Gepäck hat, umgehend behoben werden können. Damit steht nach Aussagen von Bürgermeister Fabian Giesder, der zugleich stellvertretender Vorsitzender der Kulturstiftung Meiningen-Eisenach, auch fest, „dass der Betrieb zur neuen Spielzeit ohne Einschränkung möglich sein wird

Quelle: insuedthueringen.de

Pirna trocknet dem Herbst entgegen

Veröffentlicht: August 18, 2013 von fluthelfer in Hochwasserfolgen, Sachsen

Das Elbehochwasser stand lange in der Stadt und traf vor allem die Geschäftsleute. Die Mauern der Läden trocknen langsam, aber in ein paar Wochen soll das normale Leben wieder beginnen.

Aus dem Hauseingang mit der Nummer 10 dringt das schrille metallische Rasseln eines Bohrhammers auf die Lange Straße in Pirna. Das spätgotische Bürgerhaus von 1730 hat schon wer weiß wie viele Hochwasser der Elbe überstanden, denn die Lange Straße steht fast immer unter Wasser, wenn der Fluss über die Ufer tritt. Zuletzt 2006 bei dem „Zwischenhochwasser“ und eben dieses Jahr wieder. Nun werden abermals die Spuren und Schäden beseitigt. Gegenüber auf der anderen Straßenseite liegt ein Schaufenster dunkel.

Da war einmal ein Kosmetikladen. Durch die blinden Scheiben ist der frühere Verkaufsraum zu erkennen, bis auf eineinhalb Meter Höhe ist der Putz abgeschlagen. Je weiter man in die historische Altstadt Pirnas kommt, desto mehr dunkle Schaufenster. An der Dohnaischen Straße, der Geschäftsstraße, die direkt zur Elbe führt – wo auch Bundeskanzlerin Angela Merkel war, als das Wasser ihr noch entgegen kam – ist aus geöffneten Ladentüren noch immer das rauhe Gebläse der Trocknungsgeräte zu hören. Vereinzelt bunte Schilder: „Wir haben geöffnet“.

Wie ein Weihnachtsmarkt im Hochsommer

„Acht Wochen ging das Ungemach – nu’s wieder uff ab Donnerschdach – und däden uns ooch sehre freuen – Sie wie vorher scheen zu betreuen“, heißt es an einem Bekleidungsgeschäft. Am Markt steht das Schuhhaus Eppstädt leer. In dem weiträumigen Geschäftsraum rührt sich nichts. „Es muss trocknen“, sagt später Kerstin Emmrich, die Tochter der Eigentümerin. „Sie finden uns im Hüttendorf auf dem Marktplatz“, heißt auf einem Schild. Vor dem Pirnaer Rathaus wirkt das Hüttendorf wie ein Weihnachtsmarkt im Hochsommer. Tatsächlich sind die Verkaufsstände aus dem Lager geholt worden, wo sie auf den nächsten Weihnachtsmarkt warteten.

Jetzt werden daran Blumen und Gemüse, Kleider und Haushaltswaren und eben Schuhe verkauft. „So können wir wenigstens unsere Sommerkollektion anbieten“, sagt Kerstin Emmrich. Zwei Plastikstühle und ein grüner Kunststoffläufer dienen zur Anprobe. Die junge Frau erzählt: In der Woche, als das Wasser kam, wollte das Schuhhaus den 80. Jahrestag seines Bestehens feiern. Die Ware für den Sonderverkauf war schon ausgepackt, und die ganze Familie war am Sonntag damit beschäftigt, kleine Präsente für die Kunden zu packen – bis am Mittag die Hochwasserwarnung kam.

Dann brachte die Familie die Schuhe in Sicherheit. Es ist nicht viel Betrieb zwischen den Verkaufsbuden. „Wir wollen aber zeigen, dass es weitergeht“, sagt Kerstin Emmrich. Nein, sie wollen sich nicht geschlagen geben vom Wasser und den Naturgewalten. „So viel Anfang war noch nie,“, fasst Stadtsprecher Thomas Gockel die Stimmung zusammen. Rund um den Marktplatz haben die Restaurants, Gasthöfe und Imbisslokale die Sommermöbel auf die Straße gestellt. In den Gaststuben bietet sich dasselbe Bild: Baustelle, abgeschlagener Putz, Trocknungsgeräte. Unter den Sonnenschirmen aber lässt es sich gut aushalten.

Der schöne Sommer macht es leicht, das Leben nach draußen zu verlagern. „Man muss ja auch mal Glück haben“, sagt Uwe von Schröter vom „Café und Bistro“. Doch etwa zwei Drittel der Stühle sind leer. Die Touristen, für die Pirna sonst eine feste Station ist, kommen nicht. Auch der städtische Touristen-Service nebenan verzeichnet 30 Prozent weniger Besucher, berichtet Antje Pötschke, die Leiterin. Die Stornierungswelle habe gleich mit dem Hochwasser eingesetzt.

„Viele wollen nicht als Gaffer erscheinen“

„Da haben auch Leute abgesagt, deren Quartiere gar nicht vom Hochwasser getroffen waren“, sagt sie. Obwohl in Pirna alle touristischen Ziele vom Hochwasser unbeschadet geblieben sind, und obwohl der Elbe-Radweg wieder zu befahren ist, bleiben die Besucher weg. „Viele wollen nicht als Gaffer erscheinen oder bei den Aufräumarbeiten im Weg stehen“, mutmaßt sie über die Motive. Manches bekommt sie bei den telefonischen Anfragen zu hören. „Aber gerade jetzt brauchen wir die Besucher.“ Erst am Ende des Jahres wird man eine Bilanz ziehen können.

Das Wasser hat viele Tage in der Pirnaer Altstadt gestanden und ist tief ins Mauerwerk eingedrungen. Das muss jetzt trocknen, das dauert und ist kaum zu beschleunigen. In Pirna traf das Hochwasser überwiegend Geschäftsleute, denn im Parterre der Häuser liegen eben die Geschäftsräume.

Fast alle konnten ihre Waren und die Einrichtung rechtzeitig in Sicherheit bringen, aber die Böden quollen auf, die Mauern sind nass. Oft sind die Geschäftseigentümer auch die Hauseigentümer. Während Mieter sich flutsichere Quartiere suchen konnten, bleibt den Hausherren gar nichts anderes übrig, als weiterzumachen.

„Wir wollen wieder Leben in die Stadt bekommen“, sagt Oberbürgermeister Klaus-Peter Hanke. Dazu hat man kürzlich schon das traditionelle Hoffest genutzt, bei dem Privatleute ihre versteckten Höfe öffnen und die Gäste bewirten. Zum ersten Mal stand das Fest unter einem Motto: „Wir sind wieder aufgetaucht“. Ausnahmsweise waren auch die Geschäftsleute geladen, ihr Sortiment anzubieten. Die übliche Verkaufsnacht, die sonst Anfang September stattfindet, wurde auf Ende des Monats verschoben. Es soll der Startschuss werden für ein wieder „normales“ Geschäftsleben in Pirna.

Quelle: faz.ne

Zahl der Jung-Vögel in Thüringen bricht ein

Veröffentlicht: August 17, 2013 von fluthelfer in Hochwasserfolgen, Thüringen, Tier Fluthilfe

Ein Experte nennt als Ursachen die schlechte Witterung in diesem Jahr und den Futtermangel.

Zig Tausend Vögel sammeln sich bereits wieder für ihre Reise gen Süden oder haben wie die Mauersegler Thüringen schon Adieu gesagt.

Doch konnten viele Vogel­arten dieses Jahr viel weniger Junge aufziehen als sonst. Nach ersten Schätzungen sei die Zahl der Jungvögel in Thüringen um mehr als die Hälfte eingebrochen, sagte Rudolf Sienhold von der Staatlichen Vogelschutzwarte Seebach. Bei einigen Arten wie den Raufußkäuzen berichteten Beobachter sogar von Totalausfällen bei der Brut. Sienhold: „Verluste gibt es jedes Jahr, aber in diesem Jahr ist es wegen der schlechten Witterung besonders schlimm.“

Zum einen verlören die Tiere ohnehin Jahr für Jahr an Lebensraum: durch neue Siedlungen, den Bau von Windrädern und die intensive Landwirtschaft. In diesem Jahr habe ihnen zusätzlich zu schaffen gemacht, dass es nach dem langen Winter auch im Frühjahr noch sehr kühl und regnerisch blieb. „Wenn die Vögel aus Afrika kommen, brauchen sie viel Futter, um wieder Kraft zu sammeln“, erklärte der Experte. Doch in diesem Jahr sei der Tisch für viele von ihnen nicht ausreichend gedeckt gewesen. Hinzu kam das Hochwasser, das nicht nur Bodenbrütern zugesetzt, sondern auch anderen Vögeln die Futtergrundlage genommen habe.

Schon jetzt sei klar, dass die Brutverluste etwa bei den Schwarzstörchen bei weit mehr als 50 Prozent liegen. Bei den Weißstörchen sei die Lage besser. Insgesamt brüten seinen Angaben nach etwa 25 Weißstorch- und rund 50 Schwarzstorchpaare im Freistaat. Auch in der Auffangstation seien bisher weit weniger Vögel eingeliefert worden als in anderen Jahren. Waren es sonst 30 bis 40 Turmfalken, kamen dieses Jahr bislang nur zwölf. „Bei Bussarden verhält es sich ähnlich, Schleiereulen haben wir gar keine bekommen“, erläuterte Sienhold.

Quelle: otz.de

Vor zwei Monaten ging Fischerdorf nach einem Dammbruch an der Isar unter. Die schmutzige Brühe ist abgeflossen, doch die Schäden sind geblieben. Ein Ortsbesuch bei Familie Kufner

Ringsum überall dunkle Wolken. Nach den heißen Tagen im Juli ergießen sich „ergiebige Regenfälle über Bayern“, berichtet ein Radiosprecher in schönstem Meteorologendeutsch. Nur im Deggendorfer Stadtteil Fischerdorf fällt seltsamerweise bisher kein Tropfen. Wer an höhere Mächte glaubt, der könnte das so deuten: Der Himmel will gutmachen, was er vor zwei Monaten hier verbrochen hat.

Und da ist einiges zusammengekommen. Jeder hat noch die Bilder des niederbayerischen Ortes vor Augen, der Anfang Juni in schmutzig-braunen Fluten versank. Denn Fischerdorf liegt wie in einer Badewanne, eingeschlossen zwischen den Dämmen von Isar und Donau, die dort zusammenfließen. Nur kurz ließ sich der bröckelnde Isardamm verteidigen. Dann kam die Flut – binnen weniger Stunden rollte das Wasser wie eine Lawine heran. Lautlos schluckte es alles, was sich ihm in den Weg stellte. Fischerdorf gab es nicht mehr. Auf Luftbildern waren allenfalls noch die Dächer zu sehen. 14 Tage dauerte es, bis die Bewohner wieder in die Häuser konnten. Oder besser gesagt: in das, was von ihnen übrig geblieben war.

Das Wasser rollte wie eine Lawine heran

Jetzt, Mitte August, wirkt die Gegend nach der wochenlangen Hitze wie ausgedörrt. Das Gras in den Vorgärten ist verbrannt. Martina Kufner steht in Shorts und T-Shirt vor ihrem Haus an der Hauptstraße und zeigt auf die Wand, von der – wie an vielen anderen auch – weit über Mannshöhe der Putz abgeklopft ist. „2,30 Meter hoch stand die Brühe“, erzählt die 35-jährige Grafikerin. Ein dunkler Streifen zeichnet sich wie ein Mahnmal der Flut an der Mauer ab. Und, man mag es kaum glauben: Es riecht noch immer nach Öl.

„War ma Fischerdorfer, sam ma Fischerdorfer, bleim ma Fischerdorfer.“ Martina Kufner

Die Kufners sind eine von über 600 betroffenen Familien in Fischerdorf. Über eine halbe Milliarde Euro betragen die Schäden, die die Wassermassen im Raum Deggendorf angerichtet haben. Das hat man im Landratsamt errechnet. Freistaat und Bund haben massive Hilfsprogramme verabschiedet. Vor kurzem waren Ministerpräsident Horst Seehofer und sein Umweltminister Marcel Huber vor Ort, um zu zeigen, dass die Fischerdorfer nicht vergessen seien. Die ersten Zahlungen aus dem Bund-Länder-Wiederaufbau-Fonds werden noch im August fließen, sicherte Seehofer zu. Damit sollen bis zu 80 Prozent der Schäden abgedeckt werden.

Doch die Leute wissen: Es ist Wahlkampfzeit. Da versprechen Politiker gerne. Ob sie das später auch halten, daran zweifelt in Fischerdorf noch der ein oder andere. „Mal sehen, was passiert. Fragen Sie mich in einem Jahr noch mal, ob wir den Wiederaufbau finanziell stemmen konnten“, bemerkt Stefan Kufner und wischt sich den Schweiß von der Stirn. Er nimmt gerade Bodenproben im Garten, dessen Humusschicht möglicherweise von den Fluten verseucht wurde.

600 betroffene Familien in Fischerdorf

Das Schicksal der Kufners ist beispielhaft für viele in dem Deggendorfer Ortsteil. Das 1995 erbaute Haus des jungen Paares konnte wie die meisten hier im Überschwemmungsgebiet nicht versichert werden. Doch der immense finanzielle Schaden ist nicht das einzige Problem. Im Erdgeschoss wohnte die pflegebedürftige Mutter, die seither bei Verwandten einquartiert ist. Es wird noch Monate dauern, bis sie wieder zurück kann. Das Elternhaus, direkt an der Straße, hat die Familie aufgegeben. „Es wird wohl abgerissen.“ Die neue Immobilie soll aber erhalten werden – allerdings ist dazu eine Generalsanierung notwendig. Sogar die Ziegel müssen mit hochaggressivem Wasserstoffperoxid behandelt werden, damit all der Schimmel, die Pilze und die giftigen Ölrückstände verschwinden.

Das Elternhaus wird wohl abgerissen

Gerade ziehen die letzten Handwerker ab. Sie verabschieden sich in den Sommerurlaub. „Wir haben unseren Urlaub storniert“, sagt die junge Mutter. Zum Trauern über die missliche Situation hatten die Kufners allerdings bisher keine Zeit. Seit Wochen arbeiten sie praktisch ohne Unterbrechung. Stefan Kufner bekam von seinem verständnisvollen Arbeitgeber 20 Tage Sonderurlaub. Vor dem Haus steht ein Schuttcontainer, in dem Ziegel liegen. Ein Erker wurde abgerissen, weil sich das Mauerwerk mit Öl vollgesaugt hatte. Auch diverse Innenwände mussten raus. Noch steht alles leer. Rohbauatmosphäre. Wie in vielen Häusern surren auch hier mitten im Sommer die Bautrockner. Die Suche nach den Schuldigen der Flut steht für die Kufners nicht im Vordergrund. Sie kämpfen wie die meisten anderen Fischerdorfer weiterhin um Anschluss an die Normalität. Die ist noch nicht in Sicht. Tief ins kommende Jahr wird es dauern, bis die Schäden behoben sind. Erst in den letzten Tagen konnte der 36-Jährige wieder halbwegs geregelt seiner Arbeit nachgehen.

Mauerwerk von Öl getränkt

Mancherorts sieht es schon aufgeräumter aus. Zwischen den zwei Deichen der Donau, gleich hinter der mächtigen modernen Brücke, die nach Fischerdorf führt, beispielsweise. Da kann man wieder von einem Postkartenidyll sprechen. Auf sattgrünen Wiesen weiden die Rösser des örtlichen Reitvereins. Nichts erinnert hier an die Katastrophe. Doch dahinter hat sich das Leben nicht erholt. Der Bäcker hat nach wie vor geschlossen. Das Farbengeschäft ist umgezogen. Ein großes Plakat weist auf den neuen Standort hin. Die Renovierungsarbeiten haben hier noch nicht einmal begonnen. Vor den Autohäusern, auf deren Parkplätzen die Autos im Juni schwammen wie bunte Enten, sieht es schon wieder geschäftig aus. Wer aber hinter die Kulissen in die Schauräume blickt, der bemerkt, dass die Händler nur eine Art Notbetrieb fahren. „Es geht weiter, aber es ist schwierig“, berichtet eine Mitarbeiterin. Die Geschäftsführung des BMW-Vertreters lehnt eine Stellungnahme ab. Die Leute haben anderes zu tun, als über Wasserschäden zu lamentieren. Es gilt, das Unternehmen zu retten, was schwer genug sein dürfte. Billige, flutgeschädigte Gebrauchtwagen gibt es in Fischerdorf übrigens nicht. Die meisten Autos seien zurück zu den Herstellern gebracht worden, hört man. Die anderen wurden von Autoteilehändlern aus Tschechien zerlegt wie Schlachtvieh.

„Es geht weiter, aber es ist schwierig“

Nicht weit entfernt ist das Haus von Josef Gruber zu sehen. Es steht leer. Die Garage davor ist – wie das Nachbarhaus auch – abgerissen. Die Fensterstöcke im Obergeschoss fehlen, einige Dachplatten sowie die Außenverkleidung ebenfalls. Das erst vor wenigen Jahren renovierte Gebäude scheint nicht mehr sanierbar zu sein. Am 14. Juni berichteten wir an dieser Stelle über das Schicksal des 50-jährigen Gruber und seiner Familie. Die Resonanz war enorm. Viele Leser meldeten sich und wollten für ihn spenden. Leider war die Familie nicht mehr zu erreichen. Denn das Telefon ist seit der Flut tot. „Das Haus vom Gruber muss abgerissen werden“, bestätigen die Nachbarn die eigene Vermutung. Er lebe mit seiner Familie inzwischen im benachbarten Plattling. Genaueres weiß man nicht.

Staat prüft, dass Geldempfänger wirklich bedürftig sind

Doch auch Gruber, der in den ersten Tagen nach der Flut so verzweifelt war, darf hoffen. Er könnte zu den Härtefällen zählen, denen der Schaden aus öffentlichen Geldern komplett ersetzt wird. Denn sein Haus war längst noch nicht abbezahlt. Die Altschulden drücken. Allerdings überprüft der Staat penibel, wer wirklich hilfsbedürftig ist, um Betrügern das Wasser abzugraben. Denn es sollen, so hört man, in den ersten Tagen auch einige Leute Soforthilfe kassiert haben, die gar nicht hochwassergeschädigt sind. 15 Seiten stark ist der Antrag des Landes Bayern. „Das ist wie ein Hartz-IV-Antrag. Wer Geld will, muss die Hosen runterlassen“, beschreibt Kufner das Schreiben. Der Antrag des Bundes umfasse nur drei Seiten.

Finanziell sieht es derzeit trotz Unterstützung aus regionalen Hilfsprojekten düster aus. Alles in allem etwa 18 000 Euro, schätzt Martina Kufner, dürfte die Familie bisher erhalten haben. Das ist bei einem Gesamtschaden von knapp einer halben Million Euro nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Auch günstige Kredite über 10 000 oder 20 000 Euro, die von örtlichen Banken angeboten werden – die ersten zwei Jahre rückzahlungsfrei –, helfen nicht wirklich weiter.

„Das ist wie ein Hartz-IV-Antrag. Wer Geld will, muss die Hosen runterlassen.“ Stefan Kufner

Zwischen all den Problemen gibt es auch gute Nachrichten. Eine davon: Die vorhergesagte Mückenplage hält sich in Grenzen. Möglicherweise konnten die Insekten auf dem giftigen Wasser nicht richtig brüten. „Die Fliegen sind schlimmer“, bestätigt Martina Kufner. Und: In all dem Chaos sind die Fischerdorfer nach wie vor überrascht von der unglaublichen Hilfsbereitschaft, die sie erlebt haben. Wildfremde Menschen hatten angepackt, viele mit bloßen Händen, andere zeigten sich als finanzielle Wohltäter. Die seien durch den Ort gelaufen und hätten gesagt: „Da habt’s einen Hunderter“, erzählt Martina Kufner. Das hat bei ihr und ihrem Mann nachhaltig Eindruck hinterlassen. Oben, am Balkon ihres Hauses, hängt ein Banner mit der Aufschrift: „Vielen Dank den freiwilligen Helfern.“ Stefan Kufner, selbst Mitglied in der Freiwilligen Feuerwehr, fügt hinzu: „Wenn das alles hier rum ist, dann helfe ich auch woanders mit, wenn irgendwo Hilfe gebraucht wird.“

Mückenplage hält sich in Grenzen

Einige Straßen weiter lebt Sieglinde Pfeffer. Sie hat ihre im überschwemmten Erdgeschoss lebenden Eltern in den Urlaub geschickt: „Die waren fix und fertig.“ Zusammen mit ihrem Mischlingshund Sissy hütet sie das Haus. Der Ofen aus hellblauen Kacheln ist das einzige Möbel, das übrig blieb. „Der Rest war Sperrmüll.“ Wie die meisten Fischerdorfer, sagt auch sie, habe man gewusst, dass die Gegend Überschwemmungsgebiet ist. Viele waren darauf eingerichtet, hatten Pumpen im Keller, die Regale waren höher angebracht. Ein guter Meter Hochwasser hätte kaum Schaden angerichtet. „Aber wer konnte mit so etwas rechnen?“

Interessant ist, dass sich die Menschen trotz großer Unsicherheit nicht unterkriegen lassen. Ein Umzug in ein hochwassersicheres Gebiet kommt für die meisten nicht in Frage. „War ma Fischerdorfer, sam ma Fischerdorfer, bleim ma Fischerdorfer“, sagt Martina Kufner. Das klingt wie eine Kampfansage.

Quelle: augsburger-allgemeine.de


Nach dem Hochwasser kommt der Abriss: Opfer warten auf Fluthilfe – weiter lesen auf Augsburger-Allgemeine: http://www.augsburger-allgemeine.de/bayern/Nach-dem-Hochwasser-kommt-der-Abriss-Opfer-warten-auf-Fluthilfe-id26653161.html

Nach dem Hochwasser kommt der Abriss: Opfer warten auf Fluthilfe – weiter lesen auf Augsburger-Allgemeine: http://www.augsburger-allgemeine.de/bayern/Nach-dem-Hochwasser-kommt-der-Abriss-Opfer-warten-auf-Fluthilfe-id26653161.html

Nach dem Hochwasser kommt der Abriss: Opfer warten auf Fluthilfe – weiter lesen auf Augsburger-Allgemeine: http://www.augsburger-allgemeine.de/bayern/Nach-dem-Hochwasser-kommt-der-Abriss-Opfer-warten-auf-Fluthilfe-id26653161.html

Es sind kleine Idyllen am Wasser. Kleingärten, die die Gera säumen und seit Dutzenden von Jahren ihren Pächtern und Bewohnern Heimstatt bieten, Ruhepunkte, Anbauflächen für Obst und Gemüse. Lebensinhalt für die einen. Gefahrenpotenzial für andere.

Marcel Glebe ist Ingenieur in der Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG) Jena. Er hat drei Anlagen auf den Messkarten, die die Gera einengen in ihrem Lauf und die beim Juni-Hochwasser zum wiederholten Mal überflutet wurden. „Zum Feierabend“ in Gispersleben, „Hochheim“ und „Am Bachstelzenweg“ im Süden der Stadt.

„Wir müssen zurück zu Uferschutzstreifen mit einem natürlichen, sich selbst stabilisierenden Ufer“, sagt er. Derzeit seien viele Uferbereiche steil und instabil. 8 bis 10 Meter breit sei der nötige Korridor direkt am Fluss, auf dem jetzt Gärten und Lauben stehen. Das würde in Hochheim die komplette Aufgabe der ersten Garten-Reihe am Fluss bedeuten und für Gispersleben die Verkleinerung von Parzellen. Glebe zeigt Dutzende Fotos, auf denen rustikale Landgewinnung in Gartenanlagen zu sehen ist: Holzbohlen und Steinhaufen, die in die Gera reichen, Hütten, Betonteile. Für den Fluss sei das verheerend und für das Stadtgebiet eine Gefahr.

2011 begann das Landesamt mit der Planung für ein Hochwasserschutzkonzept. Es favorisierte eine mittel- bis langfristige Umsetzung von Gärten. Doch das Wasser war schneller als die Pläne. „Das hat gezeigt, wie akut die Situation im Hochwasserfall wirklich ist“, sagt Glebe. Das millionenschwere Konzept sieht unter anderem vor, dass der Freistaat den nötigen Gewässerschutzstreifen von der Stadt erwirbt und sofort mit der Umgestaltung beginnt. Die Pächter sollen entschädigt werden und alternative Standorte angeboten bekommen. „Der eingeengten Gera müssen wir Raum geben, Fluss und Flussaue ökologisch vernetzen“, so der Ingenieur. Er wisse, dass die Kleingärtner das anders sähen.

Auch Umweltamt sieht Handlungsbedarf

„Das Konzept beträfe allein bei uns 36 Parzellen, es findet keinerlei Zuspruch“, sagt Jürgen Mai, Vorsitzender der Anlage „Am Bachstelzenweg“. Auch die 166 nicht betroffenen Pächter seien solidarisch. Er möchte erst einmal Analysen des letzten Hochwassers sehen. Er kritisiert die Informationspolitik der Landesanstalt ebenso wie „verfehlten Hochwasserschutz und den Umgang mit Rückhaltebecken und Talsperren“.

„Es gibt immer mehr große Hochwasser“, sagt Jörg Lummitsch, Leiter des Umweltamts. „Wir werden nicht umhin kommen, einzugreifen, es gibt keine Alternativen.“ Die Hochheimer Kleingärtner könnten nichts für die Situation. ,An dieser Stelle hätte es nie eine Gartenanlage geben dürfen.“ Mancher sei zu DDR-Zeiten sogar hierher zwangsversetzt worden, nachdem er seinen Garten an Bauprojekte verloren hätte.

Der Stadtverband beginnt nach seiner Sommerpause erst am Montag wieder mit der Arbeit und will das Thema umgehend diskutieren. Einig sind sich alle nur über den dringenden Gesprächsbedarf. „Gartenvereine, Stadtverband, das Gartenamt als Verpächter, Umweltamt und TLUG müssen an einen Tisch“, fordert Jürgen Mai. „Statistisch gesehen werden die Hochheimer Anlagen alle zehn Jahre überflutet“, sagt Marcel Glebe. „Wir müssen was tun. Dazu brauchen wir Konsens.“

Besitzverhältnisse

  • Der Freistaat Thüringen ist in Gestalt der Landesanstalt für Umwelt und  Geologie für die Gera samt Flussbett zuständig.
  • Der Stadt gehören die angrenzenden Flächen. Sie werden verpachtet.
  • Der Stadtverband der Kleingärtner ist der Dachverband, die drei von den Plänen betroffenen Gartenvereine gehören zu den 120 Mitgliedsvereinen.

 

Quelle: thueringer-allgemeine.de

Mylauer sauer auf Stadt

Veröffentlicht: August 17, 2013 von fluthelfer in Hochwasserfolgen, Sachsen

Nur wenige Wochen nach dem Hochwasser vom Juni wurden Teile Mylaus durch Starkregen erneut überflutet. Die Bürger fordern die Stadt deshalb auf, endlich zu handeln.

Mylau. Die vom Hochwasser betroffenen Mylauer sind mit der Stadtverwaltung unzufrieden. Das wurde am Donnerstagabend bei einer Bürgerversammlung im Biergarten Rosin deutlich. Mehr als 40 Mylauer waren der Einladung von Kerstin Platzer und Katrin Rosin gefolgt.

Provisorische Brücke gefordert

Ein Hauptproblem ist aus Sicht der Mylauer die Brücke am Karl-Marx-Ring, die beim Hochwasser zum Nadelöhr wurde und extrem beschädigt ist. „Es gibt ein Gefahrengutachten von 2002, in dem der Abriss der Brücke dringend empfohlen wurde. Elf Jahre ist nichts passiert“, sagte der Mylauer Steffen Singer. „Die Brücke muss weg und dafür ein Provisorium her, bis die andere Brücke am Ring gebaut ist“, pflichtete ihm Michael Held bei. Er bezweifelt aber, dass die Stadt eine provisorische Brücke bauen lässt. „Doch wenn das Gebiet wieder überflutet wird, kostet das mehr als ein Provisorium“, sagte er.

In der Stadtratssitzung vom Juni hatten die Bürger zudem verlangt, einen Notfallplan für Katastrophen wie das jüngste Hochwasser zu erarbeiten. Der fehle aber immer noch. Beim letzten Regen habe es so wieder Probleme gegeben, die Feuerwehr zu erreichen, um prophylaktisch Sandsäcke zu ordern. Die Rettungsleitstelle habe die Auskunft erteilt, dass sie nicht für die Vorbeugung da sei. Für die Sandsäcke sei dann Sand vom Spielplatz am Schützenhaus zusammengekratzt worden. Die Stadt habe immer noch kein Hilfsmaterial auf Lager.

Angst um Gesundheit

Die Mylauer machen sich zudem Sorgen und ihre Gesundheit. Ein Gutachten hat das Fabrikgelände am Hirschstein als verseucht eingestuft. Jetzt steht die Frage, ob von dort Schadstoffe in Richtung Stadt gelangt sind.

Kritik gab es auch an stadteigenen Grundstücken, die immer noch aussehen, wie kurz nach dem Hochwasser im Juni. „Wenn man an den leer stehenden Häusern vorbeigeht, riecht man die Nässe. In einigen war seit dem Hochwasser noch keiner drin. Wir werden hier zum Rattenloch“, so Carmen Singer. Einige befürchten darüber hinaus, dass der gesperrte Spielplatz am Karl-Marx-Ring zum Müllplatz verkommt. Kritisiert wurde auch die Informationspolitik des Rathauses. Am 29. August soll Bürgermeister Christoph Schneider (CDU) deshalb Rede und Antwort stehen. „Es kann ja sein, dass der Bürgermeister viel gemacht hat, nur die Bevölkerung weiß nichts davon“, sagte Karin Rosin.

Bürgermeister bekommt Post

Die Mylauer wollen nun einen Brief an Bürgermeister Christoph Schneider schicken, der auch dem Landrat und dem Reichenbacher Oberbürgermeister zugehen soll. „In Neumark und Reichenbach funktioniert die Beseitigung der Flutschäden“, sagte Katrin Rosin, die bei dem Starkregen vor zwei Wochen erneut mit dem Wasser zu kämpfen hatte. „Während Sie und Ihre Mitarbeiter Ihren Urlaub genießen, sind wir ein weiteres Mal abgesoffen, wühlen in Schlamm, Dreck und Müll und versuchen, unsere Häuser und Firmen wieder instandzusetzen“, heißt es im Entwurf des Schreibens.

Von Normalität sind die Landesklasse-Fußballer des SV Elstertal Silbitz/Crossen noch ein ganzes Stück entfernt.

Morgen nutzen die Silbitzer und die Gästemannschaft vom SV Schott Jena II zum ersten Mal nach dem Hochwasser am ersten Juni-Wochenende einige der Umkleidekabinen im Sportlerheim. Es ist das zweite Heim-Punktspiel in Silbitz nach der Natur-Katastrophe. Beim letzten Punktspiel der Vorsaison am 15. Juni gegen die SG Bad Lobenstein/Eliasbrunn zogen sich die Mannschaften in anderen Räumen auf dem Gelände um.

„Auch wenn wir uns morgen in unserem Vereinsheim umziehen können, bleibt es ein Provisorium. Die Wände sind immer noch nicht trocken. Deshalb konnten auch schon einige Male angekündigten Malerarbeiten immer noch nicht durchgeführt werden;“ sagte gestern Ralf Prieger, Trainer der ersten Mannschaft. Der Zuschauer bekommt morgen Nachmittag von den Schäden des Jahrhundert-Hochwassers nichts mit. Die öffentlich zugänglichen Toiletten an der Stirnseite des Gebäudes funktionieren wieder.

Die Duschen im Erdgeschoss für die Spieler, Trainer und Schiedsrichter sind auch intakt. Woran es morgen noch empfindlich hapert, ist am Inventar.

Für das Männerspiel werden extra drei Türen eingesetzt, um vor, während und nach dem Spiel die Kabinen vor ungebetenen Gästen abschließen zu können. Die Einrichtung in den drei Kabinen ist äußerst spärlich. Die Silbitzer Fußballer müssen aus ihrer eigentlichen Umkleidekabine ausziehen. Sie nutzen den Raum gegenüber der Schiedsrichter, „weil dort an der Wand noch Bänke angebracht sind“, sagte Prieger. Die Gäste-Mannschaft muss auch umziehen. Sie bekommen die Kabine der zweiten Silbitzer Mannschaft.

Einen Computer zur Übermittlung der Mannschaftsaufstellungen, der Tore und des Endergebnis in das DFB-Internet gibt es noch nicht. Auch hier heißt es improvisieren.

Trainer Prieger stellt morgen seinen transportablen PC zur Verfügung. Wieder vorhanden ist ein Kühlschrank, der kam von einer Privatperson. Eine Firma aus Eisenberg sponserte den Silbitzern zwei große Büro-Schränke. Weitere Anschaffungen seien geplant, sagte Doreen Näther, Freundin vom Mannschaftskapitän Reymond Prüfer, „wir werden aber dazu mit der Gemeinde reden.“ Die Gemeinde Silbitz mit Bürgermeister Lothar Schlag an der Spitze ist der Eigentümer der Sportanlage an der Elster. Über die immer noch etwas veränderten Rahmenbedingungen will Prieger die Gäste heute informieren. „Ich werde mit dem sportlichen Leiter telefonieren. Ich denke mal nicht, dass die Leute von Schott damit ein Problem haben, dass es bei uns auf dem Sportplatz noch nicht wie gewohnt zugeht.“

Quelle: tlz.de

Zuletzt schlechte Geschäfte für Gaststätten und Hotels

Veröffentlicht: August 16, 2013 von fluthelfer in Hochwasserfolgen, Thüringen

Deutschlands Hotels und Gaststätten haben in der ersten Jahreshälfte kein gutes Geschäft gemacht. Inflationsbereinigt blieb den Unternehmern ein Minus von 1,4 Prozent. Besonders stark betroffen waren die Hotels.

Deutschlands Hotels und Gaststätten haben in der ersten Jahreshälfte kein gutes Geschäft gemacht. Auf dem Papier stieg der Umsatz der Unternehmen der Branche von Januar bis Juni zwar um 0,9 Prozent im Vergleich zu den ersten sechs Monaten 2012, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Unter dem Strich – also nach Abzug der Inflation – blieb allerdings ein Minus von 1,4 Prozent.

Besonders stark betroffen waren Hotels und andere Unterkünfte: Ihr Umsatz schrumpfte real um 2,2 Prozent. Restaurants, Cafés, Bars und andere Gaststätten setzten 0,9 Prozent weniger um.

Deutschland kurz anstiegen, stand bei den Gastronomen ein minimales Umsatzplus von 0,1 Prozent unterm Strich. Im Mai, der von starkem Regen und dem Hochwasser geprägt war, fiel das Minus mit 3,6 Prozent aber besonders hoch aus.

 

Quelle: otz.de

Durch das Hochwasser im Juni sind rund rund private 400 Häuser in Elster sowie weitere 80 in Listerfehrda erheblich beschädigt worden. Zahlreiche Familien wohnen bs heute bei Freunden oder Verwandten. Ein Experte rechnet damit, dass die Versicherungen in beiden Orten insgesamt rund 750.000 Euro auszahlen werden. Der Rotary-Club in Wittenberg ruft zu Spenden für Opfer des Juni-Hochwassers auf.

 

Spenden für die Hochwasser-Opfer vom Juni fließen zweifellos, bisweilen aber etwas einseitig. Nach neuesten Angaben sind für Zahna-Elster bislang 138.000 Euro zusammengekommen – 110.000 Euro davon sind laut Bürgermeister Peter Müller dem schwer beschädigten Kindergarten von Elster zugedacht. „An die Privaten denkt kaum jemand“, sagt Stefan Hammersen – er muss es wissen. Der Wittenberger ist Geschäftsführer bei den Finas-Versicherungen. Allein sein Unternehmen verzeichnet 50 Schadensfälle in Elster und Listerfehrda. Ausgezahlt seien bislang 350.000 Euro: „Ich rechne damit, dass wir am Ende bei 750.000 Euro landen.“ Vom Kindergarten, bemerkt Hammersen, ist oft die Rede – von den immensen Schäden in Privathäusern deutlich weniger.

Dabei wohnen bis heute noch etliche der betroffenen Familien bei Freunden oder Verwandten, ihre Häuser gleichen einem Rohbau. In Listerfehrda sollen rund 80, in Elster rund 400 Häuser durch das Wasser erheblich in Mitleidenschaft gezogen worden sein. Schadenssumme: 16 Millionen Euro. Für den Rotary Club Wittenberg, dem Hammersen angehört, Grund genug, sich in Absprache mit dem Bürgermeister den Privaten zuzuwenden. Hammersen: „Unterstützt werden sollen die Familien, die versucht haben, ihre Wohnhäuser gegen das Risiko Elementarschäden zu versichern, dies aber nicht oder nur mit sehr hoher Selbstbeteiligung geschafft haben.“ Rotary ruft also zu Spenden auf – nicht zuletzt jene, die 2002 vom Hochwasser stark betroffen waren und damals viel Solidarität erfahren haben. Der Club garantiert, dass das Geld ausschließlich Geschädigten aus dem Kreis Wittenberg zugute kommen wird.

2002 konnte Rotary Wittenberg laut Bernd Hinners rund 300 000 Euro verteilen. Dass diese stattliche Summe diesmal nicht erreicht werden wird, ist klar. Zu groß sind die Schäden anderenorts. Aber auf rund 50 000 Euro hoffen die Rotarier schon. Über 20 000 Euro sind bereits eingenommen – von hiesigen Mitgliedern, anderen Rotary-Clubs, Finas-Kollegen und einem anonymen Spender aus Hamburg.

Wer sich beteiligen möchte: Konto 302 929, Sparkasse Wittenberg 805 501 01, Spende Hochwasser 2013, Rotary Hilfswerk Wittenberg (Empfänger).

Quelle: mz-web.de

Anfang Juni sorgte das Hochwasser in vielen Regionen Deutschlands für riesige Schäden. Auch viele Betriebe aus dem Handwerk waren betroffen und mussten um ihre Existenz bangen. Wie geht es den Flutopfern zwei Monate später?

Auf einen niedrigen zweistelligen Milliardenbetrag wird der volkswirtschaftliche Gesamtschaden durch das Hochwasser 2013 geschätzt, dass vor allem in Bayern und dem Osten Deutschlands für Verwüstung sorgte.

Schon am 25. Juni hatten Bund und Länder einen Hilfsfonds über acht Milliarden Euro beschlossen. Eine Verwaltungsvereinbarung dazu soll heute vom schwarz-gelben Kabinett abgesegnet werden und am Freitag in einer Sondersitzung im Bundesrat finalisiert werden.

Richtig greifbar wird das Ausmaß aber erst bei einem Blick auf die Einzelschicksale der Betroffenen. Auch viele Handwerksbetriebe in Deutschland hat es getroffen. Schon vor zwei Monaten hatte die Deutsche Handwerks Zeitung mit mehreren von ihnen gesprochen.

Malermeister hofft auf Vollersatz

Zum Beispiel Gerhard Lallinger, Malermeister aus Fischdorf. Das Hochwasser hatte ihm beinahe die Existenz genommen. Sowohl das Firmen- als auch das Wohngebäude wurden komplett zerstört. Der Schaden belief sich auf etwa 1,5 Millionen Euro. Kaum etwas konnte gerettet werden, das Wasser kam mit 500.000 Litern pro Sekunde. Um eine Elementarschutz-Versicherung hatte sich der Betrieb zuletzt 2012 vergeblich bemüht.

Heute herrscht bei Lallinger leiser Optimismus. Zwar wird von öffentlicher Stelle immer noch das Ausmaß des finanziellen Schadens ermittelt und Geld ist bisher keines geflossen. Aber Lallinger hat wieder eine Perspektive. Zu 100 Prozent soll ihm der Schaden ersetzt werden, so lauten zumindest die Versprechungen. Bis das Geld da ist, dürfte aber noch einige Zeit vergehen und der Wiederaufbau der alten Existenz dürfte weit mehr als ein Jahr dauern, vielleicht sogar zwei, schätzt Lallinger.

In der Zwischenzeit konnte sich Lallinger auf die Solidarität seiner Mitmenschen verlassen. So wurden ihm kostenfrei Betriebsräume zur Verfügung gestellt, damit die Geschäfte weitergehen können und auch wichtige Einnahmen in die Kassen fließen. So ist es Lallinger auch möglich seine Mitarbeiter zu halten. Der Betriebsinhaber ist froh, seine wirtschaftliche Existenz wohl gerade noch retten zu können.

Elektroinstallateur kämpft mit der Bürokratie

Auch Elektroanlagen Johann Vogl in Passau hat das Hochwasser hart getroffen. Fast eine Woche waren die Elektroinstallateure von der Außenwelt abgeschnitten, weil die Innbrücke für den Verkehr gesperrt war. Hof und Lager waren überflutet, 20 cm mehr und das Büro wäre unter Wasser gestanden. Was ging, wurde in Sicherheit gebracht, das Gebäude hatte einen Schaden von 130.000 Euro.

Einige Wochen später ist Betriebsinhaber Johann Vogl die Katastrophe immer noch anzumerken. Ein erstes Hilfsprogramm kann Vogl nicht in Anspruch nehmen, weil der Betrieb keine Elementarschutzversicherung abgeschlossen hatte, die nach Aussage der öffentlichen Stellen möglich gewesen wäre. Bekommen hat Vogl bisher nur die Soforthilfe von 5.000 Euro und weitere 1.500 Euro für das Gebäude.

Jetzt hofft Vogl auf ein zweites Programm, das jenen Betrieben helfen soll, die keinen Versicherungsschutz geltend machen können. Doch das Geld zu bekommen ist nicht einfach. Jede entstandene Handwerksrechnung muss einzeln vorgelegt werden, um eine Rückzahlung zu bekommen. Und die Gelder sollen auch nicht auf einmal fließen, sondern in mehreren Teilbeträgen.

Vogl ist enttäuscht über die bürokratischen Hürden, die den betroffenen Firmen in den Weg gestellt werden. Vor allem denkt er an die Unternehmen, die zum Beispiel wegen mangelnder Sicherheiten keine Überbrückungskredite von der Bank bekommen.

Vogl konnte seinen Geschäftsbetrieb aber trotzdem fortsetzen. Zum Glück waren die Unternehmensräume mit den Computern nicht vom Hochwasser betroffen. Um dringende Reparaturen an Maschinen durchzuführen, konnte Vogl eigene Rücklagen mobilisieren.

Quelle: deutsche-handwerks-zeitung.de

Nach den großen Schäden durch das Hochwasser startet der VfB 1990 Steudnitz in die Spielzeit. Vorerst werden Räume und Sanitäranlagen der Regelschule mitgenutzt.

Dorndorf-Steudnitz. Nur kurz war der Bau eines neuen Vereinsheimes Thema der VfB-Vorstandssitzung. „Wenn mir jemand sagt, wo wir 300 000 Euro für ein neues Vereinshaus herbekommen, können wir über das Thema diskutieren. So aber ist es kaum einen Gedanken wert“, sagt Frank Regner, Vorsitzender beim Dorndorf-Steudnitzer Sportverein. Das Projekt „Neues Vereinshaus“ wurde im Zuge des Hochwassers an Regner herangetragen. „Ich kann schon nachvollziehen, dass man Bedenken hat, in das jetzige Haus wieder viel Zeit und Geld zu investieren.“ Die Steudnitzer hatte es in der Nacht vom 31. Mai zum 1. Juni schlimm erwischt. Die Fluten hinterließen dem Verein finanzielle Schäden in Höhe von mindestens 60″000 Euro, für die er selbst aufkommen muss, weil das Gelände dem Verein gehört und nicht wie andernorts der Kommune. Nur gut ein Zehntel der Summe wird aus staatlichen Mitteln geleistet, gut 16″000 Euro hat der Verein bislang selbst an Spenden gesammelt. Von Untergangsstimmung ist in den Reihen des VfB nichts zu spüren. „Das liegt an den vielen Helfern und Freunden. Jeder blickt nach vorn. Jeder will, dass hier Normalität einzieht“, sagt Regner.

Vor Wochen stand in Frage, ob man vor Ende August einen regulären Spielbetrieb würde abhalten können. „Wir spielen in jedem Fall“, sagt der Vorsitzende nun. In der Vorbereitungsphase habe man glücklicherweise alle Testspiele auswärts absolvieren können. „Das kam uns sehr entgegen.“ Wenn nun am Sonntag die SG Union Isserstedt in der Vorrunde zum Kreispokal anreist und der VfB am kommenden Samstag inklusive Juniorenspielbetrieb in die neue Saison startet, müssen alle Beteiligten sich vorerst zwar mit einigen Behelfsumständen arrangieren – Duschen etwa stünden frühestens nächste Woche wieder zur Verfügung, Toiletten, außer Dixie, vorerst überhaupt nicht – doch sieht Regner dem gelassen entgegen. Mit der jenseits der B“88 gelegenen Regelschule und dem Landratsamt habe man eine Vereinbarung, welche die Nutzung der Räume zum Umkleiden sowie die der sanitären Einrichtungen im Schulhaus erlaubt. „Es wird weinig Probleme geben.“ Vom Vorschlag des Ortsteilbürgermeisters Klaus Enkelmann, ein nicht mehr genutztes Nebengebäude der Schule dauerhaft als Vereinsgebäude umzubauen, hält nicht nur der Vorsitzende hingegen nichts. Der Fußweg vom Sportplatz zum etwa 60 Meter entfernten Flachbau ist dabei nicht das Problem, sondern die Überquerung der viel befahrenen Bundesstraße. Zumal auf der hier lange geraden Strecke durchaus sportlich gefahren werde, wie Regner zu Bedenken gibt. Allein die Fußballer im Nachwuchsbereich dauerhaft dieser Gefahr auszusetzen, komme nicht in Frage. Gegen die Gefahr andererseits, auf absehbare Zeit erneut derartige Hochwasserschäden zu erleiden, tue man derzeit in der noch laufenden Sanierung des Vereinshauses sein Möglichstes.

Quelle: otz.de

Ein Haufen Trümmer ist alles, was vom Zuhause der Familie Reimann übriggeblieben ist. Der Abrissbagger greift seit gestern früh nach dem letzten Stück Erinnerung aus der Zeit vor dem Fischbecker Deichbruch.

 

„Das war’s!“ Als die Schaufel Montagfrüh kurz nach 8 Uhr das erste Mal zugreift und ein Stück Mauer am Giebel des Hauses „abknabbert“, können Elke und Rüdiger Reimann nicht mehr machen als zuzusehen. Und die Gedanken zurückschweifen lassen in die Zeit vor dem 10. Juni, als die Welt für sie und so viele andere Fischbecker und Menschen im Elbe-Havel-Land noch in Ordnung war. Der Deichbruch veränderte alles. Denn das über einen Meter hoch im Haus stehende Wasser machte das Gebäude unbewohnbar. Die rund 100 Jahre alten Wände teilweise aus Lehm weichten auf, die Decke drohte einzustürzen. „Totalschaden!“ lautete das Urteil des Bausachverständigen. Also blieb dem Ehepaar nichts anderes übrig, als zusammen mit Helfer alles das auszubauen, was man später noch irgendwie wiederverwenden kann. Die Dachziegel beispielsweise waren neu, auch die Fenster. Die schicken Fliesen aus Italien, auf die Reimanns lange gespart hatten, zermalmt jetzt der Abrissbagger. „Da steckt so viel Arbeit drin!“ seufzt der Familienvater und denkt an die Stunden, die er als gelernter Maurer auf der Baustelle gerackert hat. 1988 kauften Reimanns das alte Haus, sanierten es und zogen im August 1989 ein. Nach der Wende ist alles nicht mehr zeitgemäß und erneut machen sie sich an die Modernisierung. Rüdiger Reimann erkrankt 1996 an Leukämie, muss immer wieder ins Krankenhaus, bis heute gibt es gute und schlechte Tage. Diese schlechten Tage verdrängt er, hat kaum Zeit, sich die vom Arzt verordnete Ruhe zu gönnen und abzuschalten.

Deshalb fieberten Reimanns auch dem Tag entgegen, an dem der Abrissbagger endlich anrollt. „Wir sind einfach nur erleichtert, dass alles weg kommt und wir neu anfangen können!“ sprechen sie sich gestern Mut zu. Jedem Griff der Baggerschaufel schaut das Ehepaar zu, vor Augen die schöne Zeit, als sie hier die drei Kinder groß zogen. „Am Mittwoch sind wir fertig“, verspricht Bauleiter Steffen Stappenbeck von der Tangerhütter Abrissfirma. Die hat auch schon das geflutete Haus von Fischer Gernot Quaschny in Hohengöhren dem Erdboden gleich gemacht.

Reimanns Blick in die Zukunft ist nur verhalten optimistisch. Denn noch hat die Versicherung kein grünes Licht für ein neues Haus gegeben. „Wir warten und warten, das macht mürbe“, ist Elke Reimann langsam am Ende der Geduld. Denn zu gern würden sie planen und Nägel mit Köpfen machen. „Aber solange wir nicht wissen, wieviel Geld es gibt, sind uns die Hände gebunden“. Das Ehepaar liebäugelt mit einem Fertighaus. „Wir kriegen ja hier keine Firma, die uns relativ schnell ein neues Haus baut, die Baubetriebe in der Region sind monatelang ausgebucht.“

Und bis übernächstes Jahr warten, bis sie wieder ein eigenes Reich haben, wollen Reimanns nicht, „jeder Tag im Neubau ist einer zu viel“. Auch wenn sie es sich im Block am Fischbecker Ortsrand gemütlich eingerichtet haben, fühlen sie sich hier nicht zu Hause. Mindestens fünf Häuser in Fischbeck werden abgerissen, erklärt Bürgermeister Bodo Ladwig. Einige Familien sind baulich schon so weit, dass sie den Wiedereinzug für Herbst planen.

Die Verbandsgemeinde ist gerade dabei, die genauen Schäden an Straßen, Wegen und gemeindeeigenen Gebäuden im Elbe-Havel-Land zu ermitteln, bis Anfang September muss die Liste beim Land vorliegen. Genauso wichtig wie der Wiederaufbau ist dem Bürgermeister der schnelle Bau des neuen Deiches. An einem vor wenigen Tagen vorgestellten Plan für ein acht Kilometer langes Stück von Jerichow bis zur B188 wird jetzt gefeilt, im Frühling ist Baustart für den ersten Abschnitt.

Auch Reimanns drängen auf einen schnellen Deichbau, „das Wetter wird immer extremer und bis zum nächsten Hochwasser wird es wohl nicht lange dauern“. Ihr neues Haus muss dann sicher sein. „Wenn es bloß schon soweit wäre, dass wir einziehen können!“ Reimanns hoffen auf schnelle Antwort von der Versicherung und dass die Baugenehmigung auch nicht lange auf sich warten lässt. Zeitliche Pläne schmieden sie nicht, nur eines ist gewiss: „Nächstes Jahr um diese Zeit wachsen im Garten wieder Blumen“.

Quelle: volksstimme.de

Barbara Toch und Wolfgang Schwarzentrub mussten schweren Herzens Hunderte ihrer Kunstwerke vernichten, die das Hochwasser zerstört hatte. In ihrer Galerie „uferlos“ vereinen sie nun Atelier, Werkstatt und Ausstellungsraum.

Ironie des Schicksals: „Der kleine Unfall“ heißt das Bild, das Barbara Toch 1991 malte. Darauf zu sehen ist ein Aquarium. Seit Juni dieses Jahres ist die Hälfte des Bildes mit einer dünnen Schicht feinen Schlammes überzogen – denn das Hochwasser hatte im Atelier der Geraer Künstlerin und ihres Mannes Wolfgang Schwarzen­trub ganze Arbeit geleistet.

Im sonst so schönen Untermhaus gelegen, hatte das Elsterwasser genau den Bereich 60 Zentimeter überflutet, in dem das Paar fast das komplette Werk seiner Künstlerlaufbahn lagerte: Ölbilder, Arbeiten auf Hartfaser, Buchbinderleinen, Papier und Pappmaché-Objekte. Das Wasser war durch die Grafikschränke einfach hindurch gelaufen. Hunderte Stücke waren auf diese Weise Opfer der Fluten geworden, waren wellig oder eingelaufen, nun ohne Farbe, also für Ausstellungen nicht mehr zu gebrauchen. „Vieles haben wir einfach weggeschmissen. Es wäre zu riskant gewesen, das schimmelige Papier wieder übereinander zu stapeln“, sagte Wolfgang Schwarzentrub. Er spricht von einer Art „Zeitraffer“, in dem sie sich während der Aufräumarbeiten befunden hätten, denn jedes Bild, das sie jemals gemalt hatten, musste auf Schäden geprüft werden.

„Dinge, die man 20 Jahre lang nicht in der Hand hatte, kamen so wieder ans Licht. Es war quasi eine erzwungene Rückschau im Schnelldurchgang.“

Auch Barbara Toch spricht von einer Zäsur: „So ein Erlebnis zwingt einen, einen anderen Blick auf die eigene Arbeit zu werfen. Es geht einem sehr nahe, aber es entspringt auch Neues daraus.“

Die beiden Künstler halten es für ein großes Glück, ein zweites Arbeitsatelier in der Greizer Straße zu haben. Hierhin hatten sie mit vielen Helfern und Unterstützung des städtischen Fachdienstes für Kultur einige ihrer künstlerischen Arbeiten retten und zum Trocknen ausbreiten können. Erst im Nachhinein fiel ihnen auf, dass sie die Galerie „uferlos“ genannt hatten – und wo kein Ufer ist, kommt auch so schnell kein Wasser. Wenigstens hier ist das empfindliche Gut sicher. Auch die jüngsten Arbeiten standen in der Greizer Straße und blieben so vom Hochwasser verschont.

Nun haben Toch und Schwarzentrub vor allem ihre großformatigen Werke in der Galerie „uferlos“ archiviert. Weil sie sich nicht unterkriegen lassen wollen, sind sie etwas enger zusammengerückt. „Jeder hat noch seinen separaten Atelierbereich, aber in jeder freien Ecke lagern unsere Bilder und im vorderen Raum finden weiterhin kleine Ausstellungen statt“, sagt Barbara Toch und freut sich schon auf je eine Schau im August und September und den 3. Herbstsalon im Oktober. Die Künstlerin beteiligt sich außerdem an der Ausstellung „Warten auf Gott“ im Kunstverein und arbeitet ohne Unterlass an neuen Bildern, die zur Ausstellungseröffnung am 12. September fertig sein müssen. Daneben fordert auch ein Lyrikprojekt mit Blättern zu Gedichten von Charlotte Grasnick ihre volle Aufmerksamkeit.

Zum Herbstsalon wollen Toch und Schwarzentrub das Hochwasser noch einmal thematisieren, ohne jedoch auf die Tränendrüse zu drücken. Die Rückschau sei zwar unfreiwillig gewesen, aber nun müsse man nach vorn schauen und sich lieber neuen Arbeiten zuwenden, als den alten nachzutrauern. Das Atelier in Untermhaus haben sie trotzdem aufgegeben.

Quelle: otz.de

Weil das Gerätehaus vom Hochwasser beschädigt wurde, ist die Freiwillige Feuerwehr Lödderitz gegenwärtig abgemeldet. Jetzt suchen die Kameraden einen Ausweichraum.

 

„Am 9. Juni war das Wasser genau um 21.41 Uhr da“, sagt Feuerwehrmann Robert Schulenburg. Der 20-jährige weiß das so genau, weil er mit dem Handy Fotos machte, in deren Anhang das Datum zu sehen ist. Bereits einen Tag zuvor wurden fast alle Lödderitzer evakuiert.

Wertvolles Zuchtgeflügel ertrank in den Fluten

Danach erfolgte tagelang die Tierrettung. Von Hühnern über Schafe und Ziegen bis hin zum Schwein mussten die Tiere aus den überfluteten Häusern und Ställen in Sicherheit gebracht werden. Doch überall gelang das nicht. So setzten Mitglieder des Geflügelzuchtvereins Lödderitz/Breitenhagen wertvolle Tiere zu, die ertranken.

Betroffen vom Hochwasser ist auch das Depot der Freiwilligen Feuerwehr Lödderitz. Sie ist, wie Breitenhagen auch, abgemeldet. Im Einsatzfall kommt die Wehr aus Groß Rosenburg.

Das Wasser ist schon wochenlang weg, doch die Feuchtigkeit bleibt. Optimale Voraussetzungen für großflächige Schimmelkulturen, sogar die Einsatzkleidung ist davon betroffen. Hinzu kommt abends die Mückenplage.

In den besonders betroffenen Häusern von Lödderitz wird das Küchengeschehen nach draußen verlagert. Weil die Räume saniert werden, steht der Herd auf dem Hof. Doch das nur am Rande.

Ortswehrleiter Helmut Maczulat hofft, dass seinen 18 aktiven Kameraden recht bald ein Ausweichraum zugewiesen wird, in dem sie Dienstabende verbringen können und Teile der Ausrüstung unterbekommen.

Über einen konkreten Sanierungsfahrplan konnte die zuständige Stelle der Einheitsgemeinde gestern noch nichts sagen. Die betroffenen Feuerwehrgerätehäuser seien in der Beratung, hieß es.

Ortswehrleiter bedankt sich bei allen Helfern

Helmut Maczulat drängt es, sich bei allen Helfern der Flutkatastrophe zu bedanken. Er hat eine lange Liste, darauf stehen die Feuerwehren Egeln, Westeregeln, Tarthun, Etgersleben, Löderburg, Eickendorf, Sachsendorf, Zuchau, Wedlitz, Nienburg sowie die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft, die Wasserrettung Schönebeck, das DRK, die Technische Einsatzleitung Rosenburg sowie das Feuerwehrtechnische Zentrum in Staßfurt. Sein besonderer Dank gilt allen freiwilligen Helfern, den Zuchauer Bürgern sowie dem Lödderitzer Landwirtschaftsbetrieb für die Bereitstellung von Flächen und Technik. Letzteren hat es besonders hart getroffen: 95 Prozent der Ernte seien vernichtet, sagt Feuerwehrmann Fred Schulenburg, der dort arbeitet. Und trotz lang anhaltender Trockenheit steht das Wasser zum Teil noch immer auf den Feldern.

Quelle: volksstimme.de

Zeitz – Kanuten hatten im Hochwasser doppelt Pech

Veröffentlicht: August 13, 2013 von fluthelfer in Hochwasserfolgen, Thüringen

Im Bootshaus der Zeitzer Kanuten und am Neumühlenwehr in Haynsburg stand im Juni das Hochwasser. Noch immer sind nicht alle Schäden beseitigt.

Die Spuren des Juni-Hochwassers am Bootshaus der Zeitzer Kanuten sind noch deutlich sichtbar. An den Wänden ist der Putz kniehoch abgehackt, das Mauerwerk muss trocknen, die Tapeten fehlen an einigen Wänden, der Fußboden ist in vielen Räumen herausgerissen. „Wir haben hier rund 30 000 Euro Schaden erlitten“, sagt Michael Trummer, der im Verein zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit ist. Dabei hatte es die Kanuten sogar doppelt hart getroffen. Nicht nur das Bootshaus in der Zeitzer Stephanstraße wurde durch das Hochwasser in Mitleidenschaft gezogen, sondern auch das Gelände am Neumühlenwehr in Haynsburg. Und das kurz bevor dort die Deutschen Schülermeisterschaften stattfinden sollten.

„Wir hatten dann den Fokus erst einmal auf Haynsburg gelegt, um dort alles aufzuräumen“, sagt Trummer. Das gelang auch mit ganz vielen Helfern und so konnte der Wettkampf wie geplant stattfinden. Auch der normale Trainingsbetrieb läuft derzeit nahezu reibungslos im Zeitzer Bootshaus. Das war dem Verein wichtig, denn die Kanuten müssen trainieren, haben Wettkämpfe zu absolvieren.

Aber zu tun gibt es am und um Bootshaus noch einiges. „Das Außengelände ist wieder in Ordnung gebracht und drinnen ist alles so vorbereitet, dass es trocknen und wieder aufgebaut werden kann“, sagt Trummer. Das war Dank der Hilfe von Mitarbeitern möglich, die über die Zeitzer innovative Arbeitsfördergesellschaft (Ziag) am Bootshaus anpackten. Im Herbst, so sagt Trummer, soll dann das Bootshaus wieder so hergerichtet sein, dass es voll nutzbar ist. Vor allem die Turnhalle muss dann wieder benutzbar sein, da sie den Winter über viel zum Training gebraucht wird.

Quelle: mz-web.de

Viel Solidarität nach Hochwasser

Veröffentlicht: August 12, 2013 von fluthelfer in Hochwasserfolgen, NRW

Die 91-jährige Greta Becker aus Bergisch Gladbach hatte nach den Unwettern alles verloren. Ihre Wohnung war überschwemmt, die Möbel zerstört. Zahlreiche Menschen boten der Seniorin Hilfe an.

Bergisch Gladbach. Eine Welle der Solidarität hat der Artikel im „Kölner Stadt-Anzeiger“ über die 91-jährige Greta Becker aus Bergisch Gladbach ausgelöst. Wie in der Ausgabe vom 1. Juli berichtet, war in die tiefer gelegene Parterre-Wohnung der Seniorin an der Hammermühle innerhalb von Minuten sehr viel Wasser geströmt. Die Seniorin verlor infolgedessen alle ihre Besitztümer und musste ausziehen. Eine Caritas-Mitarbeiterin, die in der betreuten Wohneinrichtung eher zufälligerweise vor Ort war, konnte die Seniorin noch rechtzeitig in Sicherheit bringen. „Es hätte noch schlimmer kommen können“, sagt Schwiegertochter Marion Dömkes-Becker – wäre die Seniorin in dem reinströmenden Wasser gestürzt, hätte sie auch ertrinken können.

Nach dem Unglück lebte die Seniorin bei ihrem Sohn Holger Becker – und erlebte große Hilfsbereitschaft. „Viele Menschen haben ihr Möbel angeboten“, erzählt Becker. Auch ein liebevoll zusammengestelltes, großes Paket mit Duschgel, Handtüchern, einem „Wohlfühl-Tee“ und weiteren Dingen für den täglichen Bedarf stand vor der Tür „Leider konnten wir uns nicht persönlich bedanken, weil auf dem Paket lediglich der Name der Absenderin vermerkt war, aber keine Adresse oder Telefonnummer“, sagt Dömkes-Becker, hörbar gerührt über die Hilfsbereitschaft.

Fassungslos und zornig hatte die Familie Becker sich nach dem Ereignis schriftlich an die Verwaltung des Rheinisch-Bergischen Kreises und an den Bergisch Gladbacher Bürgermeister Lutz Urbach gewandt, um nach den Ursachen und den Verantwortlichen für die große Überschwemmung zu fragen. Urbach habe rasch, freundlich und umfassend geantwortet, so Becker, und in seinem Schreiben erklärt, dass das Gebäude laut den Hochwassergefahrenkarten für die Strunde in einem Überschwemmungsgebiet liege. Der Schaden sei aufgrund einer abgesenkten Böschung entstanden und empfiehlt den Hausbesitzern „wegen der offensichtlichen Gefahrenlage“ dringend „Maßnahmen zum Objektschutz“. Greta Becker ist jüngst in das Haus zurückgezogen. Ins Obergeschoss – überflutungssicher. Becker: „Mit vereinten Kräften konnten wir ihr wieder ein lebenswertes Umfeld schaffen.“

Quelle: ksta.de

Mit dem Kopf durch die Wand

Veröffentlicht: August 12, 2013 von fluthelfer in Hochwasserfolgen, Sachsen-Anhalt

Das Ehepaar Müller war nach dem Deichbruch bei Klein Rosenburg schwer von dem Juni-Hochwasser betroffen. Uwe Müller kämpft nun um sein Heim und jede finanzielle Hilfe.

Klein Rosenburg/Bernburg/MZ. 

„Klingeln oder rufen, ich bin wie immer im Garten“, steht auf einem provisorischen Pappschild am Zaun eines Grundstücks in Klein Rosenburg. Hält man kurz inne, bemerkt man die unnatürliche Unruhe in dem kleinen Dorf. Es wird gehämmert und gesägt, am Straßenrand stehen Transporter von Handwerksunternehmen und überhaupt ist viel los. Und das bei weit über 30 Grad.

Das provisorische Schild fordert zum Klingeln auf und sogleich ruft es aus dem Garten: „Ich bin hier, ich komme Ihnen entgegen.“ Das Schild und die Stimme gehören Uwe Müller. Der 57-Jährige lebt seit 19 Jahren in diesem Haus. Es ist sein Heim – gewesen. Mit dem Juni-Hochwasser wurde alles zerstört. Wo das Wasser herkam? Von überall, denn unweit von Klein Rosenburg mündet die Saale in die Elbe. „Niemand hat geglaubt, der Deich könnte brechen“, so Müller. Doch am Sonntag, 9. Juni, brach der Deich bei Klein Rosenburg am frühen Morgen. Und das Grundstück von Uwe Müller lief voll.

Mit dem Rollstuhl fährt der 57-Jährige nun über die Wege im Garten. Die Übergänge zu den Steigungen sind hart. Er muss aufpassen, nicht umzukippen. „Früher“, so sagt er, „war da ein weicher Übergang. Alles weggespült.“ Die Wege sind genau so breit, dass er gut durchkommt. „Ich brauche keine Hilfe. Ich fahre hier seit 19 Jahren durch und wer weiß, wie oft ich schon hingefallen bin“, sagt der Mann grinsend. Er lädt zum Kaffee auf dem mit Folien beschlagenen Fundament ein, was mal eine Terrasse vor einem Gartenhaus gewesen sein soll. Über Wochen hat das Wasser gestanden und hat nichts übrig gelassen.

Das Haus ist jetzt nur noch im Rohzustand. Nur mit Gehhilfen kann Uwe Müller gerade so in das Haus, um die Trockner anzustellen. Die Hauseingänge liegen Zentimeter weit über dem Boden, alles musste rausgenommen werden. Auch der Putz wurde bis zu 1,30 Meter hoch abgehackt. Nur ein Paar Rohre schlängeln sich durch das Haus. „Heute kam der Bauleiter freudestrahlend auf mich zu“, fängt er an zu erzählen. Er habe gesagt, zu Weihnachten könnten sie wieder einziehen. Die Freude teilt Uwe Müller nicht.

Kämpferisch

Die Flut ist die eine Sache. „Wir wohnen im Hochwassergebiet. Dass man da nicht immer gut wegkommen kann, ist klar.“ Der 57-Jährige kämpft aber nun um jede finanzielle Ausgabe, jeden Tag. Es ist der Kampf um seine Selbstständigkeit. Die Gutachter kommen und gehen, die Telefonate sind zahlreich und die Versicherung zahlt oder eben nicht. Aber Uwe Müller ist pragmatisch, vor allem aber kämpferisch. „Man sagt doch: ,Nicht mit dem Kopf durch die Wand’. Ich komme durch!“

Vieles kann er nicht selber machen, da ihn eine Krankheit an den Rollstuhl bindet. Und dennoch kommt er jeden Tag und tut, was er eben kann, aus dem Rollstuhl oder kniend auf dem Boden. Mitleid ist hier fehl am Platz. Hin und wieder fragt er Nachbarn um Hilfe, aber er will so viel wie möglich selbst erledigen: Er reinigt den Garten und die Sandkiste, damit seine Enkel wieder darin spielen können. Den Zaun hat er auch schon vom grauen Schlamm befreit.

Uwe Müller hat die 2 000 Euro Soforthilfe erhalten, wie jeder Hausbesitzer – mehr nicht. Er wandte sich an den Bernburger Torsten Sielmon. Der ehrenamtliche Behindertenbeauftragte des Salzlandkreises ist 2008 vom Kreistag gewählt worden und kümmert sich um die Belange der Behinderten in der Region. Bei einer Veranstaltung Mitte Juli, auf der Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Hartmut Möllring (CDU) über Hilfen informierte, war auch Sielmon anwesend. Er hatte gehört, dass es in anderen Ländern spezielle Fördertöpfe gebe. Für Menschen, die vom Hochwasser betroffen sind und eine Behinderung haben. Durch die Reihen ging an diesem Abend nur Kopfschütteln, so etwas gebe es nicht in Sachsen-Anhalt. Sielmon habe sich aber so gut er konnte für Uwe Müller eingesetzt, so dass dieser eine Spende von anderer Stelle erhielt. „Dafür bin ich so dankbar“, sagt er. Überhaupt sei er überwältigt von Menschen, die auf ihn zukommen und ihm einfach Dinge in die Hand drücken. „Niemand will etwas dafür, nicht einmal ein Danke.“

Nur langsame Fortschritte

Das Haus, in dem er mit seiner Frau bis Anfang Juni wohnte, ist ebenerdig. Anders ginge es auch nicht mit dem Rollstuhl und den Gehhilfen. Daher sei der Schaden so immens. Mit etwa 95 000 bis 100 000 Euro rechnet Müller nun. Und nur langsam geht es voran. Anfang August waren die Trockner zwei Wochen im Gebäude. Die Messung an den Mauern zeigte aber noch immer eine Feuchtigkeit von 76 Prozent an. Daraufhin habe er mehr Putz entfernt, sagt Uwe Müller. Nun sollte es schneller gehen. „Ich habe einen Fliesenleger und Türenbauer. Sie stehen alle in den Startlöchern“, so Müller. Aber es gehe nicht voran.

Und so arbeitet er weiter. Jeden Tag bringt ihn seine Frau zum Grundstück. Denn derzeit wohnt das Ehepaar in Calbe, dort haben sie Unterschlupf gefunden. Die Firma und Mitarbeiter seiner Frau haben dort alles getan, um es den beiden so angenehm wie möglich zu machen. Aber es ist nicht das Gleiche. Was er sich für die Zukunft wünscht? „Mein Heim. Das Stückchen bedeutet mir alles.“

Quelle: mz-web.de

Das Hochwasser im Juni hat auch in den Wäldern an Elbe und Aland seine Schäden hinterlassen. Darüber informierten gestern die Leiterin des Forstamtes „Nordöstliche Altmark“, Katja Döge, und ihr Mitarbeiter Stefan Kaiser im Seehäuser Ratssaal.

Betroffen davon ist vor allem die Verbandsgemeinde Seehausen – und zwar zwischen der Landesgrenze zu Niedersachsen bis nach Werben. Die überfluteten Waldflächen – circa 400 Hektar – wurden mittlerweile von den Forstfachleuten kartiert.

Insbesondere die Kiefernbestände und Einfriedungen wurden arg in Mitleidenschaft gezogen. „Derartige Belastungen in diesen Größenordnungen haben wir in den zurückliegenden Jahren noch nie gehabt“, berichtet die Forstamtsleiterin. Sie appelliert an die Waldbesitzer, ihre Flächen hinsichtlich von Schäden in Augenschein zu nehmen und diese beim Forstamt registrieren zu lassen. Immerhin stellt das Land Sachsen-Anhalt Gelder zur Entschädigung bereit. Über das Prozedere wird Stefan Kaiser auf einer Informationsveranstaltung für alle Waldbesitzer am Donnerstag, 22. August, ab 17 Uhr im Rathaussaal der Hansestadt Seehausen referieren. Er wird unter anderem Hinweise zum Ausfüllen der Formulare und weitere Tipps und Ratschläge geben. Um Voranmeldungen aus organisatorischen Gründen wird unter der Nummer (039384) 98 00 gebeten. Auch im Vorfeld steht er den geschädigten Waldbesitzern unter obiger Telefonnummer beratend zur Seite.

Quelle: az-online.de

Greenpeace sieht Spreewald weiterhin durch Rostschlamm bedroht

Veröffentlicht: August 9, 2013 von fluthelfer in Hochwasserfolgen

Der Spreewald ist nach Einschätzung von Greenpeace auch nach dem Juni-Hochwasser durch Schadstoffe aus alten Lausitzer Braunkohle-Tagebauen bedroht. Messungen an Gewässern südlich des Biosphärenreservates hätten hohe Konzentrationen an Eisenoxid ergeben, berichtete der Klima- und Energieexperte Niklas Schinerl am Donnerstag in Berlin.

Die Werte erreichten bis zu 100 Milligramm Eisen pro Liter. Bereits ab 3 Milligramm werde das Ökosystem geschädigt. Fische und Kleinkrebse müssten bei zu hohem Eisengehalt sterben. Der Bergbausanierer LMBV in Senftenberg (Oberspreewald-Lausitz) verwies auf erste Erfolge bei der Reinigung des eisenhaltigen Wassers.

Das Eisenoxid sowie die Schwefelverbindung Sulfat stammen aus ehemaligen DDR-Bergwerken in Ostsachsen und Südbrandenburg. Mit dem Kohleabbau wurde auch das Abpumpen von Grundwasser eingestellt. Dadurch steigt das Grundwasser und schwemmt die Schadstoffe aus, verstärkt durch Regen und Hochwasser. So mussten Anfang Juni die Tore der Spree-Talsperre Spremberg (Spree-Neiße) weit geöffnet werden. Dadurch wurden große Mengen eisenhaltigem Schlamm, die sich dort aufgestaut hatten, flussabwärts durch Cottbus in Richtung Spreewald gespült.

Hohe Eisenwerte wurden etwa am Lorenzgraben, an der Wudritz, am Vetschauer Mühlenfließ und am Greifenhainer Fließ gemessen, sagte der Greenpeace-Experte. Dagegen seien in der Mitte und im nördlichen Bereich des Spreewaldes keine problematischen Konzentrationen festgestellt worden. Die Messergebnisse am Südrand des Biosphärenreservates zeigten jedoch, dass die Sofortmaßnahmen der Landesregierung Brandenburgs wirkungslos seien. Dazu gehöre eine Wasserreinigungsanlage an der Spree, die offenkundig nicht funktioniere. Das staatliche Unternehmen LMBV hatte Ende Mai bei Vetschau (Oberspreewald-Lausitz) eine alte Grubenwasser-Reinigungsanlage wieder in Betrieb genommen. Sie soll verhindern, dass eisenhaltiges Wasser dort aus dem alten Tagebau in die Spree gelangt. „Die Analysenwerte zeigen, dass etwa 70 Prozent des Eisens im Fließ in der Anlage zurückgehalten werden können“, sagte Uwe Steinhuber, Sprecher der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV). Das Vetschauer Mühlenfließ weise nach dem Verlassen der Anlage unkritische Konzentrationen von etwa 2 Milligramm Eisen pro Liter auf. Nach Ansicht von Greenpeace muss das Problem an der Quelle bekämpft werden, also direkt an den stillgelegten Tagebauen. Dies könne etwa mit Barrieren und Kalkung geschehen, sagte Schinerl. Das Land Sachsen, wo die meisten der alten Bergwerke liegen, habe sich bislang seiner Verantwortung entzogen.

Das Energieunternehmen Vattenfall erklärte in Cottbus, es habe keinen Anteil an den Braunfärbung der Spree. Vattenfall halte sich an die strengen Auflagen. Es leite drei Viertel des in den Tagebauen gehobenen Grundwassers – jährlich etwa 300 Millionen Kubikmeter – zur Reinigung in moderne Anlagen und danach vor allem in die Spree. Ein weiteres Viertel, also 100 Millionen Kubikmeter, werde direkt an Gewässer und Schutzgebiete verteilt. Das Problem der Braunfärbung werde durch neue Tagebaue nicht verschärft, hieß es.

Greenpeace fordert, die fünf Lausitzer Braunkohletagebaue möglichst bald zu schließen. Der Betreiber Vattenfall solle außerdem keine neuen Gruben öffnen, damit sich die Umweltprobleme in den nächsten Jahrzehnten nicht noch verschärften.

Quelle: t-online.de

 

Wer hilft den Kleingärtnern?

Veröffentlicht: August 9, 2013 von fluthelfer in Hochwasserfolgen

SPD-Landespolitiker Rüdiger Erben sucht gemeinsam mit Nienburgs Bürgermeister Markus Bauer das Gespräch mit den Nienburger Gartensparten, die vom Juni-Hochwasser betroffen waren. Zuvor waren sie auch in Alsleben und Plötzkau zu Besuch.

„Es geht um das gesamte Vereinsleben“, betonte Nienburgs Bürgermeister Markus Bauer (SPD), als er am Freitag Rüdiger Erben, den innenpolitischen Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, mit dem Fahrrad durch einige Orte des Altkreises Bernburg begleitete. Nach Alsleben und Plötzkau war am Mittag die Gartensparte „Eigenscholle“ in Nienburg die dritte und längste Station.

Dort standen über 40 Kleingärtner zum Gespräch bereit. Sie trugen dem Landespolitiker, der für Fragen des Katastrophenschutzes zuständig ist, ihre Sorgen vor. „Bis zum Hochwasser hatten wir noch 85 Mitglieder, die 87 Parzellen bewirtschaftet haben“, berichtete Mareike Schmidt, die Vorsitzender der Gartensparte „Flora“. Ab 2014 wird die Mitgliederzahl um rund ein Viertel auf 64 schrumpfen. „Unser Vereinshaus ist komplett kaputt“, sagte die Vereinsvorsitzende.

 

Roland Funke, Geschäftsführer des Regionalverbandes der Gartenfreunde Bernburg und Umgebung, forderte, dass der Bund die pflegerischen Leistung der Kleingärtner für die Natur stärker würdigen müsse. Er gab den Gärtnern konkrete Hinweise zum Anbau nach dem Juni-Hochwasser, nachdem der Kreisverband eine Bodenprobe veranlasst hatte. Gärtnern, die eher zur Vorsicht neigen, werde geraten, auf Blattgemüse möglichst zu verzichten und Pflanzen mit großer, bodennaher Oberfläche oder stark gekräuselten Blättern vor dem Verzehr gut zu waschen. Trotz aller Schäden sei die große Solidarität unter den Ländern ein Glücksfall, erklärte Rüdiger Erben.

Von den acht Milliarden Euro, die für den Hochwasser-Hilfsfonds zur Verfügung stehen, würden drei Milliarden von den Ländern getragen. Davon wiederum trage Sachsen-Anhalt nach einem Verteilungsschlüssel gerade einmal 2,8 Prozent. Geklärt sei, dass kommunale Einrichtungen von dem Topf profitieren. Für Kleingartenvereine treffe dies nicht zu, bestätigte Erben. Man werde noch viel über den richtigen Hochwasserschutz reden müssen, betonte der Landespolitiker. „Wenn freie Flächen in Gartensparten entsiegelt werden, dann ist das auch Hochwasserschutz“, erklärte Erben. Am Morgen hatte sich der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion über das nach dem Hochwasser geschlossene Schwimmbad in Alsleben informiert. Außerdem sah er sich die marode Turnhalle im benachbarten Plötzkau an, deren Boden nach dem Hochwasser heraus gerissen werden musste.

Quelle: mz-web.de

Spielplatz der Kita nicht verseucht

Veröffentlicht: August 9, 2013 von fluthelfer in Hochwasserfolgen, Sachsen-Anhalt

Das Außengelände der Kindertagesstätte Spatzennest wurde während des Hochwassers nicht mit Schwermetallen oder Fäkalien verschmutzt. Doch bis zur Rückkehr der Kindern müssen noch Reparaturen vorgenommen werden.

Erleichterung in Friedeburg: Das Außengelände der stark vom Juni-Hochwasser betroffenen Kindertagesstätte Spatzennest wurde nicht von Fäkalien oder Schwermetallen verseucht. „Die Bodenproben ergaben keine Auffälligkeiten“, gab Gerbstedts Bürgermeister Siegfried Schwarz (CDU) nun bekannt. Damit können die Kinder nach ihrer Rückkehr in die Einrichtung auch bedenkenlos auf dem Spielplatz spielen. Bis es soweit ist, werden allerdings noch einige Wochen vergehen.

Zuvor müssen die Heizungsanlage ausgetauscht und die Böden im Erdgeschoss erneuert werden. Außerdem sind neue Farbe an den Wänden der Gruppenräume nötig, nachdem die Öltanks im Keller aufgeplatzt waren und sich die Flüssigkeit im Mauerwerk breit gemacht hatte. Voraussichtlich bis November werden deshalb die rund 40 Kinder in der stillgelegten Einrichtung im benachbarten Zickeritz (Salzlandkreis) von den Erziehern betreut.

Quelle: mz-web.de

Der Haushalts- und Finanzausschuss in Aken befasst sich mit Kriterien, um Geldspenden nach dem Hochwasser zu verteilen. Ein Gremium soll dann über die Vergabe der Spendengelder entscheiden. Insgesamt geht es dabei um 113 523 Euro.

Als Dieter Heilmann den Ratssaal in Aken weithin hörbar wieder verlässt, die Tür hinter sich zuknallt und schimpft, scheint klar: Dies wird keine normale Sitzung des Haushalts- und Finanzausschusses. Eine emotional brisante schon eher.

Heilmann (SPD) hat sich im Tag vertan. Eigentlich ist er gekommen, um seine Fraktion zu komplettieren, aber nicht am Mittwochabend. Donnerstag ist er gefragt – im Hauptausschuss. Ein Irrtum und Weckruf für die Ausschusssitzung.

Die Stadträte wollen entscheiden, welche Kriterien man heranziehen sollte, um die bei der Stadt eingegangenen Geldspenden für die Hochwasseropfer zu verteilen. Es geht um 113 523 Euro. Weitere 112 040 sind an einen bestimmten Zweck gebunden, sollen städtischen Einrichtungen und hier im weitesten Sinne der Kinder- und Jugendarbeit zugute kommen. 178 Häuser sind in der Elbestadt im unmittelbaren Wohnbereich durch das Hochwasser beschädigt, davon waren 74 Objekte nicht versichert. Und – auch diese Zahl nennt Evelyn Klee, Kämmerin im Akener Rathaus, zu Beginn der Sitzung – 915 Anträge auf Soforthilfe gibt es.

Aufgabe des Ausschusses?

Spätestens als sie aus der Richtlinie des Landes zitiert, ist den fünf Versammelten – die CDU erscheint aus verschiedenen Gründen (Urlaub und vom Hochwasser betroffen) in diesem Ausschuss gar nicht – klar, dass sie keine einfache Aufgabe vor sich haben. Dennoch ist Klaus Hummel (SPD), der Vorsitzende des Ausschusses, überzeugt, man solle hier, in dieser Runde die Kriterien festlegen, nach denen die Spenden verteilt werden.

Das sieht Richard Strauch, der für Die Linke spricht, etwas anders: Er will nicht, dass ein parlamentarisches Gremium mit den entsprechenden Mehrheitskonstellationen darüber befindet. Er will eine unabhängige Institution. Auch mit Parlamentariern, aber nicht nur. Er ist überzeugt, der Haushalts- und Finanzausschuss sei nicht in der Lage, eine gerechte Lösung zu finden.

Strauch plädiert auch für eine pauschale Verteilung. „Wir sollten es uns nicht so schwer machen. Wir teilen die zur Verfügung stehende Summe durch die Anzahl der Anträge von Betroffenen, dann sind wir fertig und hätten niemanden benachteiligt oder bevorzugt.“ Darüber soll der Ausschuss nun abstimmen. Doch Lothar Seibt (FDP) will etwas Ruhe in die Sitzung bringen und schlägt vor, nicht vorschnell Ja oder Nein zu sagen; „das ist wirklich nicht so einfach“. Die Frage sei doch nicht, ob man schnell zu einer Lösung käme, sondern, was gerecht wäre.

Zeit drängt

Pfarrer Ulf Rödiger ist da und soll einmal aus Sicht der Kirche erläutern, wie man dort mit Spenden verfährt. Er sagt: Man müsse in jedem Fall Sorge tragen, dass niemand überzahlt wird, dass keiner mehr bekommt, als es kostet, den entstandenen Schaden zu ersetzen. Und er betont: „Die Leute brauchen das Geld jetzt. Wir können nicht warten, bis die Rechnungen da sind.“ Es müsse die Möglichkeit bestehen, Belege nachzureichen. Aber sein wichtigster Hinweis an die Akener Verwaltung hat nichts mit dem Verfahren an sich, sondern mit der Form zu tun: Das Antragsformular müsse einfach und verständlich gehalten sein.

Seibt betont an diesem Abend, dass Spendenmittel keine Versicherung seien. Ob jemand schwer oder nicht so schwer betroffen ist, fände er sekundär. Hummel zum Beispiel sieht das komplett anders. Er berichtet, dass die Leute, die gespendet haben, immer wieder betonten, das Geld sollten die wirklich Bedürftigen erhalten. Michael Bonke (SPD) empfindet es sogar als unsozial, die Spenden pauschal zu vergeben. Auch Bürgermeister Hansjochen Müller ist dagegen, Evelyn Klee, die Kämmerin, ist für eine Quote nach dem Prinzip: großer Schaden, größere Spende, kleiner Schaden, kleinere Spende.

Einigkeit besteht am Ende doch, als es um das Gremium geht. Ein Gremium, das über die Vergabe der Spendenmittel entscheiden soll. Im Rahmen dessen, was der Ausschuss nach intensiver Auseinandersetzung an Kriterien festgelegt hat, aber auch mit dem nötigen Spielraum. Müller zum Beispiel führt echte Härtefälle an, Klee das andere Extrem, woraufhin Seibt erklärt: „Es gibt immer Gangster, Leute mit krimineller Energie.“ Offen bleibt, wann sich das Gremium zum ersten Mal trifft.

Quelle: mz-web.de

Unabhängige Hilfsgelder für Hochwasser-Opfer

Veröffentlicht: August 8, 2013 von fluthelfer in Bayern, Hochwasserfolgen

Neue Zuschussprogramme sollen die Schäden des Hochwassers bis zu 80 Prozent abdecken. Versicherung und Hochwasserzonen spielen für die Förderung dabei keine Rolle.

Ein neues Zuschussprogramm soll den Betroffenen des Hochwassers im Juni dieses Jahres den Neustart erleichtern: Unabhängig von der Versicherbarkeit oder einer Einordnung in eine sogenannte „ZÜRS-Zone“ sollen nun die Hilfsgelder fließen, wie die OVB-Heimatzeitungen berichten. Hausbesitzer und Mieter sollen so die Möglichkeit erhalten, bis zu 80 Prozent der Schäden zu ersetzen. Die restlichen 20 Prozent könnten über Spenden finanziert werden.

Anspruch auf diesen neuen Zuschuss hat jeder, der direkt vom Hochwasser betroffen war. Abgezogen werden dann bereits erhaltene Zuschüsse aus Sofortgeldern und Versicherungsleistungen. Im Antrag wird ebenfalls nach erhaltenen Spendengeldern gefragt, wie das OVB in seiner Mittwochsausgabe schreibt.

Anträge für das Zuschussprogramm

In Stadt und Landkreis Rosenheim sowie im Landkreis Traunstein stehen die Anträge bei den Gemeindeämtern und auf den Webpräsenzen der jeweiligen Gemeinden zur Verfügung.

Auch die Stadt Freilassing und die Gemeinde Laufen stellen die Anträge zum Zuschussprogramm auf ihrer Homepage sowie vor Ort bereit. Antragsfrist für die Sofortgelder ist in Freilassing der 30. Dezember 2013. In der Gemeinde Laufen können Anträge bis zum 30. September 2013 abgegeben werden, wobei anschließend der Spendentopf der Stadt ausgeschüttet wird. Laufen will die Regelung der Sofortgelder unkompliziert und möglichst unbürokratisch halten. Für einen genehmigten Antrag in Freilassing sind dagegen Nachweise wie Rechnungen bei Haushaltsschäden oder Kostenvoranschläge bei Gebäudeschäden vorzuzeigen. Für Schäden, die vom Staat nicht gedeckt werden, können auch hier Anträge auf Spendengelder gestellt werden.

Quelle: rosenheim24.de

Nach Hochwasser: Seehaus droht Anzeige

Veröffentlicht: August 8, 2013 von fluthelfer in Hochwasserfolgen

Als an jenem Samstagnachmittag, dem 1. Juni, sintflutartige Regenfälle in Teilen Pforzheims und der Region für katastrophale Zustände sorgten, hieß es auch im Hagenschieß „Land unter“. Der Waldboden war durch die Niederschläge der vorherigen Tage bereits vollgesogen, so dass hier nichts mehr versickern konnte. Auch der Seehaus-See konnte die Wassermassen nicht mehr aufnehmen, so dass er über seinen Damm trat.

Verheerend wirkte sich das für den Landgasthof „Seehaus“ aus, in dessen Kellern die dreckige Brühe bis zur Decke reichte. Zwei Pumpen waren dem massiven Wassereinbruch nicht gewachsen.

Der Schaden an Installationen, Einrichtung. Toiletten. Kühlhäusern und gelagerten Waren war immens. Und noch können die Pächter Gabriele und Borislav Kampmann ihr Restaurant nicht wieder eröffnen. Dies wird voraussichtlich erst Ende September der Fall sein. „Mittlerweile sind die Kellerräume wieder trocken. Wir haben bisher rund 200000 Euro investiert“, sagte Brauhaus-Geschäftsführer Wolfgang Scheidtweiler.

Die Angst vor einem erneuten Stark- oder Dauerregen und dass der See wieder über die Dämme treten könnte, veranlasste Scheidtweiler zum Handeln – auf eigene Kosten. Er beauftragte eine Landschaftsbaufirma, um den Ablaufgraben des Sees zu säubern, damit er wieder Wasser aufnehmen kann. Rund 20 Kubikmeter Dreck wurden herausgebaggert. Jetzt sei er „perfekt sauber“. Zudem nahm Scheidtweiler selbst einen weiteren See-Abfluss in Angriff – impulsiv, nur das Beste damit vorhabend, wie er anmerkte.

Als das Wehr annährend fertig war, die beiden Betonstützen standen, der Schieber installiert war, wurde der Fischerverein als Pächter des Sees darauf aufmerksam. Das Amt Pforzheim von Vermögen und Bau Baden-Württemberg – das Land ist Besitzer des Sees – wurde alarmiert. Ein Mitarbeiter erschien mit der Polizei vor Ort. Diese stellte die Baustelle ein, Scheidtweiler droht nun eine Anzeige.

Quelle: pz-news.de

20.000 Bücher hatte Andreas Funke-Reuter zusammengetragen, nur wenige konnte er nach der Regenflut noch retten. Über 400 Jahre hat die Bibel von Andreas Funke-Reuter überstanden, Feuersbrünste wie Dutzende Kriege. Die Regenflut vom Juni aber könnte ihr Ende bedeuten.

Als der Boden nach tagelangen Niederschlägen nichts mehr aufnehmen konnte, floss das Wasser über die Erde wie über Beton, staute sich in Gräben und Senken zu einer riesigen Welle auf, die sich am 20. Juni durch Bad Berka und Tiefengruben, Tonndorf und Isseroda, Nohra und auch Linderbach wälzte.

Dort ergossen sich die Wassermassen in den Peter- und den Linderbach und überschwemmten binnen weniger Minuten die Gartenanlage, die Kreuzung der vielbefahrenen B7 und die angrenzenden Häuser.

Als eines der ersten traf es das Haus, in dem Andreas Funke-Reuter mit seiner Lebensgefährtin wohnt. Durch die Kellerfenster sahen sie das Wasser kommen. Weil das Untergeschoss als Wohnung ausgebaut war, hatte der Theologe dort seine Bibliothek eingerichtet. Etwa 20.000 Bücher standen in den Regalen.

Seit der Lehrzeit trug der langjährige Pfarrer sein Geld in Buchhandlungen und Antiquariate, erstand Romane und Krimis, wissenschaftliche Werke, Partituren und theologische Schriften. Zum Familienbesitz gehörte auch eine gut erhaltene, seltene Bibel aus dem Jahr 1609. Die liegt nun zwischen Fisch und Gemüse in der Tiefkühltruhe, um die verheerende Schimmelbildung zu verhindern.

Denn am Abend des 20. Juni schwamm die Heilige Schrift wie alle anderen Bücher in der schlammigen Brühe. Mit Handtüchern und Wischlappen stellten sich Andreas Funke-Reuter und seine Lebensgefährtin dem Wasser entgegen, mussten sich aber der ungestümen Kraft schnell geschlagen geben: „Innerhalb weniger Minuten stand das Wasser fast zwei Meter hoch im Raum, warf die schweren Regale um und spülte die Bücher durcheinander“, erinnert sich der 52-Jährige.

1500 Euro Haushaltshilfe von „Thüringen hilft!“

Nur etwa 2000 Bände konnten sie retten, sie liegen verklebt und verklumpt in der Garage. Schlamm und Schimmel ziehen sich auch über die umfangreiche Briefmarken-Sammlung, durch Fotoalben und persönliche Dokumente.

Nach einer jahrelang unentdeckten schweren Krankheit, die zur frühen Erwerbsunfähigkeit führte, weiteren schlimmen Schicksalsschlägen, dem Verlust geliebter Menschen und der Flut hat sich auch der Theologe schon die Frage gestellt, „warum immer ich?“ Eine Antwort hat er bis heute nicht erhalten.

Aber Hilfe: 1500 Euro Haushaltsbeihilfe aus dem Spendentopf der Leser und fünf Trockner, die brummend den Keller trockenlegen sollen, damit nicht noch der Boden aufgerissen werden muss.

„Ein kleiner Anfang, aber eine großes Zeichen der Ermutigung und Anteilnahme“, bedankt sich Andreas Funke-Reuter bei unseren Lesern.

Quelle: thueringer-allgemeine.de

Auch Fischerei von Juni-Hochwasser geschädigt

Veröffentlicht: August 8, 2013 von fluthelfer in Hochwasserfolgen, Thüringen
Zahlreiche Teiche sind übergelaufen.

Das Juni-Hochwasser hat zu großen Schäden in der Thüringer Fischwirtschaft geführt. Der Präsident des Landesfischereiverbandes Uwe Müller sagte MDR Thüringen, er rechne mit Verlusten in Höhe von rund einer halben Million Euro. Am stärksten betroffen seien Fischereibetriebe in Ostthüringen. Allein die „Fischerei Altenburger Land“ habe Schäden von mehr als 200 000 Euro zu beklagen.

Inhaber Stefan Schröer sagte dem MDR, dass durch den Starkregen 13 Teiche mit Karpfen, Schleien und Hechten übergelaufen seien. Zum Hochwasserschutz des Ortes habe er zudem einen Damm geöffnet, so dass insgesamt rund 15 Tonnen Fisch verloren gingen.

Vom Hochwasser besonders betroffen ist nach Angaben des Thüringer Fischereiverbandes auch die Forellenzucht in Wichmar im Saale-Holzland-Kreis. Hier habe sich das Quellwasser so gestaut, dass es die Fische aufs Betriebsgelände schwemmte.

Nach Angaben der Thüringer Aufbaubank, die für die Hochwasserhilfen zuständig ist, hat bisher ein Fischereibetrieb einen Antrag auf Fördermittel gestellt. Die Ansprüche müssten per Gutachten bis zum 30. Oktober 2013 belegt werden. Das sächsische Umweltministerium hat der Fischerei Altenburger Land eine Soforthilfe von 1500 Euro für Schäden an einem Teich bewilligt.

Quelle: tlz.de

 

Nach Flut: Zukunft von Traditionsgasthaus Weinberger ungewiss

Veröffentlicht: August 8, 2013 von fluthelfer in Hochwasserfolgen

Es kursieren etliche Gerüchte in Burghausen wie es mit dem Gasthaus Weinberger in Ach nach der Hochwasserkatastrophe weitergehen soll. Vor allem aber zeigen viele Einheimische und Touristen so gar kein Verständnis, dass das Wirtshaus, das so idyllisch an der Salzach gelegen ist, in diesem Sommer nicht geöffnet ist. Die Burghauser Gastronomen-Familie Mitterer, die das Traditionsgasthaus erst im Dezember 2012 erworben hat und der auch das Hotel Burgblick nebenan gehört, geht nun in die Offensive. Am Samstag, 10. August 2013, beim Wein- und Gassenfest wird das Gasthaus Weinberger geöffnet sein. Aber es wird keine Schmankerl in der einst so gemütlichen Floriani Stüberl geben, sondern Führungen der Kinder der Mitterers. „So können sich alle Interessierten selbst ein Bild über das Schadensausmaß machen“, sagt Johanna Mitterer.

Das Mitterer-Geschwister-Trio hat bislang nicht entschieden, wie es mit dem Gasthaus weitergehen soll. Seit dem Hochwasser Anfang Juni ist es geschlossen worden, ob es so wie es noch da am Salzachufer steht je wieder geöffnet werden soll, das ist momentan die Frage. Denn: „Das nächste Hochwasser kommt bestimmt“, sagt Johanna Mitterer. Das Haus sei schwer beschädigt.

Das Hauptproblem sei, dass die Grundmauern des Weinbergers direkt in der Erde stehen. „Das Wasser kommt von unten. Das ist wie eine Badewanne mit Bodeneinlass“, so Mitterer.

Am Samstag, 10. August, kann während des Wein- und Gassenfestes das Gasthaus Weinberger ab 17 Uhr besichtigt werden. Zwischen Weinberger und Burgblick wird es je nach Witterung eine Bewirtung geben.

Quelle: pnp.de