Archiv für die Kategorie ‘Havelberg’

Bundesgartenschau-Ort Havelberg hofft auf Besucher

Veröffentlicht: Juni 24, 2013 von fluthelfer in Havelberg

In der tausend Jahre alten Domstadt Havelberg in Sachsen-Anhalt, einer der Veranstaltungsorte der Bundesgartenschau 2015, sorgen sich die Verantwortlichen nach dem Hochwasser um ausbleibende Besucher. «Die Touristen meiden uns, obwohl es dafür keinen Grund mehr gibt», sagte Bürgermeister der Hansestadt, Bernd Poloski (parteilos), auf Anfrage. Nach dem Deichbruch von Fischbeck waren im Süden liegende Dörfer vor der Stadt von Hochwasser betroffen. Aus südlicher Richtung kann Havelberg nicht über die noch immer gesperrte Bundesstraße 107 erreicht werden. (dpa)

Quelle: fr-online.de

Pferde aus Katastrophengebiet evakuiert

Veröffentlicht: Juni 22, 2013 von fluthelfer in Havelberg

Die Neustädter Gestüte helfen Pferdebesitzern aus Neuermark-Lübars und Rübehorst, deren Flächen vom Hochwasser überflutet worden sind. Weitere Tiere wurden in Heilbrunn bei Wusterhausen aufgenommen.

Norbert Kuhns Empfang ist schwach. Er erzählt von einem Sendemast, der im Wasser steht. Am Handy liegt’s also nicht, das habe er ja gerade erst im Auto geladen. Weit käme er mit dem Wagen allerdings nicht mehr: Kuhn sitzt im vom Wasser noch immer eingeschlossenen Elbedorf Neuermark-Lübars inmitten des Hochwasser-Katastrophengebiets südlich von Havelberg in seiner Pension, die bekannt ist auch als Reiterhof samt Reithalle.

„Meinen Pferden geht’s hoffentlich gut“, sagt Kuhn, als die Leitung besser wird: „Die stammen alle von Neustädter Hengsten ab.“ Ein Anruf beim Landstallmeister Jürgen Müller genügte daher, erzählt Kuhn weiter. „Völlig unproblematisch wurde mir geholfen.“

Mit einem Lkw haben die Neustädter Kuhns vier Warmblüter, seine Fahrpferde, vor einigen Tagen in der Nähe von Rathenow abgeholt. Dorthin konnte Kuhn sie noch evakuieren, bevor das Elbehochwasser kam und er selbst vorige Woche mit einem Hubschrauber ausgeflogen werden musste. Sechs weitere Pferde brachte er rechtzeitig noch andernorts privat unter. Zu Beginn dieser Woche aber kehrte Kuhn eigenmächtig mit einem Boot zurück nach Neuermark, wo die Reithalle und sämtliche Keller auch heute noch voller Wasser stehen.

Auf einer Wiese an der Dosse in Neustadt stehen die Pferde jetzt bestens versorgt. Es ist eine aus tiermedizinischen Gründen etwas abgeschiedene Koppel. „Kuhn kennt das Gestüt als Züchter. Wir haben uns aber auch beim Krisenstab in Stendal gemeldet, dass wir Platz haben“, erklärt Gestüts-Sprecherin Antoinette Flemming. „Wir machen das erst mal umsonst im Rahmen dessen, was wir als Hilfe leisten können“, sagt sie.

So ließen sich noch rund 70 andere Pferde in Sicherheit bringen, falls sich auch bei Landwirt Hanjo Menck die Lage verschlechtert. Seine Tiere stehen von dieser Neustädter Koppel aus gesehen nur wenige Kilometer flussabwärts bei Rübehorst. „So lange der Dossedeich hält, komme ich zurecht. Ansonsten wird’s problematisch“, sagt Menck, der Mitglied im Neustädter Pferdezuchtverein ist. Kritisch wurde es schon, als man den Polder nebenan in Richtung Babe bis zum Rand mit Wasser volllaufen ließ.

Unmittelbar von der nächsten so gefluteten Havelpolderwiese bei Strodehne ist Familie Wellings aus Rhinow betroffen. Seitdem ihre Flächen unter Wasser stehen, beherbergen die Stephanus-Werkstätten im Wusterhausener Ortsteil Heilbrunn Wellings elf Pferde.

Der Landwirtschaftsbetrieb der Stephanus-Werkstätten für Menschen mit Behinderungen in Heilbrunn war gut darauf vorbereitet, wie Werkstattleiter Peter Abraham sagt: „Die Pferde fühlen sich bei uns sehr wohl und sicher. Auf dem Land halten wir eben zusammen, wenn die Not über andere hereinbricht.“

Wellings stießen über Bekannte auf die Werkstätten in Heilbrunn, die sich sofort zur Hilfe bereiterklärten. „Die Versorgung der Reit- und Springpferde ist gesichert, und die Beschäftigten der Stephanus-Werkstätten sind im Umgang mit Tieren sehr erfahren“, teilt Abraham mit.

Wie lange die durchnässten Weideflächen ungenutzt bleiben müssen, weiß keiner. In Neustadt und Heilbrunn heißt es jedenfalls, die Tiere könnten erst mal auf unbestimmte Zeit bleiben.

„Irgendwann muss das doch nachlassen“, sagt Kuhn an der Elbe. Sein kleinstes, aber lästigstes Problem sind jetzt die Mücken. Gerade wird er wieder gestochen, da bricht der Empfang ab.

http://www.maz-online.de/Region/Ostprignitz-Rup/Pferde-aus-Katastrophengebiet-evakuiert

Bei Havelberg beginnt die Flut erst jetzt

Veröffentlicht: Juni 15, 2013 von fluthelfer in Havelberg

 

Die Fluten, die seit dem Deichbruch von Fischbeck (Sachsen-Anhalt) nahe Brandenburg in das Gebiet südlich der Stadt Havelberg fließen, sind enorm. Selbst Kamern, ein Ort acht Kilometer von der Elbe entfernt, ist bedroht. Die Bundeswehr versucht, das Elbewasser umzulenken und reißt dabei sogar Straßen auf. Auch das Umspannwerk in Sandau ist nicht sicher vor dem Wasser. Sollte das Werk abgeschaltet werden, ist der gesamte Elbe-Havel-Winkel einschließlich der Stadt Havelberg ohne Energieversorgung.

HAVELBERG/KAMERN. Die Einheimischen nennen sie Seekurve, und nie war ein Spitzname treffender: Die Landstraße, die in Sachsen-Anhalt Wulkau und Kamern verbindet, ist zur Hälfte überströmt. Während Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks versuchen, den Ort Kamern mit Deichen zu sichern, fahren etwa zwei Kilometer weiter Pionierpanzer der Bundeswehr im Akkord. Sie zerstören planmäßig die Fahrbahn, reißen den Straßendamm regelrecht ein, um das Elbewasser an dieser Stelle in die Havelpolder umzulenken. Doch der Anstieg der Fluten, die seit dem Deichbruch von Fischbeck in das Gebiet südlich der Stadt Havelberg fließen, ist enorm. „Das Wasser steigt gegenwärtig um 15 Zentimeter pro Stunde“, erläutert Daniel Decker vom Landesverbindungskommando Sachsen-Anhalt der Bundeswehr. Die Pioniere aus der Havelberger Kaserne ziehen noch eine Art Flutmulde, um dem Wasser die beabsichtigte Richtung zu geben, dann rücken sie ab – zu gefährlich.

Auf dem Rückweg ist die „Seekurve“ bereits völlig überschwemmt. Das Wasser stürzt glucksend die Straßenböschung in den Kiefernwald hinunter. Es kommt aus dem Kamernschen See, einer Art Ausbuchtung des Trübengrabens. Normalerweise liegt der See mehrere hundert Meter von der Straße entfernt. Er führt jetzt nur noch Elbewasser. Der Fluss liegt eigentlich sechs bis acht Kilometer von hier entfernt.

In Warnau haben Susan und Remo Genz alles getan, was sie tun konnten, um das 250-Einwohner-Dorf zu sichern. „Vor der Havel haben wir keine Angst, aber vor dem Elbewasser aus dem Trüben“, sag Susann Genz. Sie und ihr Mann haben bei einem Busunternehmen im völlig überfluteten Schönhausen gearbeitet. Bis zum Montag hielten sie die Verbindung zu Kollegen und Bekannten noch per Smartphone. Inzwischen wissen sie nicht, wie es den Freunden dort geht. Die Ungewissheit ist groß in diesen Tagen. Auch Sabine Husung aus Warnau weiß nicht, wie sie es richtig machen soll. „Ich war schon bei Bekannten in Havelberg untergekommen, aber dann hieß es, so schlimm wird es doch nicht, und ich bin zurückgekommen“, sagt die Frau und blickt auf die überschwemmten Wiesen und den sandsackbewehrten Deich davor.
Auf der Havelbrücke, die bei Strodehne Sachsen-Anhalt mit Brandenburg verbindet, halten sich Ralf Wellig und Markus Arenz bereit, eine Funkstation aufzubauen. Die Malteser-Helfer aus Leverkusen sollen die Kommunikation der Rettungskräfte für den Fall sichern, dass das Umspannwerk im knapp 20 Kilometer entfernten Sandau überschwemmt wird und ausfällt. Es geht das Gerücht, dass das Werk abgeschaltet werden muss, um es zu sichern. Sollte das geschehen, wäre der gesamte Elbe-Havel-Winkel einschließlich der Stadt Havelberg ohne Energieversorgung.

Für diesen Fall haben Jürgen Christmann und seine 140 Mitarbeiter von der DRK-Landesverstärkung Hessen vorgesorgt. Zumindest die Notaufnahme in der Grundschule „Am Eichenwald“ in Havelberg kann so weiter versorgt werden. Vom DRK-Bundesverband hat Christmann vorsorglich weitere Aggregate geordert. Sie werden von Berlin-Schönefeld aus nach Havelberg gebracht. 3000 Portionen Essen können die hessischen Freiwilligen pro Tag zubereiten. „Jetzt geht’s grad’“, sagt Christmann. „Aber heut’ Nacht, als die Hubschrauber die Evakuierten brachten, ging’s hier zu, wie aufm Frankfurter Flughafen.“

Inzwischen ist für 8000 Menschen die Zwangsevakuierung angeordnet worden. 3500 wollen laut Krisenstab in Magdeburg in den Orten bleiben. Sprecherin Anke Reppin sagt, das Wasser fließt bei Kamern noch nicht, wie es soll, aber das Umspannwerk sei sicher. Zuverlässige Aussagen sind in diesen Tagen Mangelware.

http://www.maz-online.de/Region/Brandenburg/Bei-Havelberg-beginnt-die-Flut-erst-jetzt