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Hochwasser beschädigt das neue Haus

Veröffentlicht: November 2, 2013 von fluthelfer in Grimma

FLUTHILFE Siefersheimer Landfrauen helfen Familie in Grimma

Tief beeindruckt von den Bildern der Flutkatastrophe in Ostdeutschland hatten die Siefersheimer Landfrauen beschlossen, eine betroffene Familie aus Grimma mit einer Spendenaktion zu unterstützen.

Nun war es soweit, dass eine Delegation der Siefersheimer Landfrauen in Richtung Grimma starten konnte und dort das gesammelte Geld der Familie übergeben konnte. Unterstützt wurden die Frauen dabei von der Mercedes Benz Niederlassung in Mainz, die ihnen einen Kleinbus für die Fahrt zur Verfügung stellte. „Auf den ersten Blick machte das Städtchen Grimma einen sehr aufgeräumten Eindruck. Saubere Straßen, frisch verputze Häuser in einladend, hellen Farben machten Lust auf einen Spaziergang durch die Stadt. Doch schon nach den ersten Metern zeigte sich die traurige Wirklichkeit“, fasst Annerose Kinder im Gespräch mit der AZ zusammen.

Auch Elke Zydziun, die diese Aktion ins Leben gerufen hatte, berichtet, was die Landfrauen in Grimma erlebten: „In den unteren Stockwerken der Häuser entlang der von Hochwasser betroffenen Straßen waren Fenster und Türen geöffnet, überall hingen Abluftrohre von Trocknungsgeräten aus den Fenstern. Putz war abgeklopft, Kabel und Leitungen hingen von den Decken, Fußböden waren herausgerissen. Ein modriger Geruch nach feuchtem Holz und Erdreich lag in den Straßen. Kaum ein Geschäft war geöffnet. Im Elektroladen standen aufgetürmte Waschmaschinen, die vom Wasser unbrauchbar geworden waren, ein Haushaltswarengeschäft bot die Hochwasserware in Kisten für 10 bis 50 Cent das Stück an“, fasst Zydziun zusammen.

Besonders in Erinnerung behalten werden die Siefersheimerinnen dabei aber auch die Botschaften der Bewohner, die sie in den Fenstern der Häuser entdeckten. Diese reichten nämlich von einem hoffnungsvollen „Wir machen weiter“, „Vielen Dank allen Helfern“, bis hin zu resignierten Aussagen wie dieser: „Das Wasser hat uns den Mut genommen.“

„Noch beeindruckt von unserem Rundgang empfing uns dann Familie Trautner. Die junge Familie hatte das Haus erst vor drei Jahren gekauft und gerade die Renovierung abgeschlossen, als das Hochwasser die untere Etage völlig zerstörte. Hier bot sich das gleiche Bild. Das untere Stockwerk musste völlig entkernt werden. Bad, Küche, Esszimmer, Wohnzimmer, Türen, Fenster, Kachelofen alles war unbrauchbar geworden“, beschreiben die Landfrauen, die Situation der jungen Familie.

Die Familie lebe nun seit Juni mit beiden Kindern im oberen Stockwerk des Hauses mit provisorischer Koch- und Waschgelegenheit. „Ein Ende ist vorerst nicht in Sicht. Aber sie sind guten Mutes. Mit großer Freude nahmen sie die Spende von 2.015 Euro ent gegen. Als lieben Gruß aus Siefersheim hatten wir noch eine Geschenkkiste mit Wein und Spezialitäten im Gepäck, die Kinder freuten sich über ein Paket mit Kleidung und ganz besonders über zwei Kuscheltiere“, berichtet Zydziun.

Quelle: allgemeine-zeitung.de

Grimma – Die Situation in den Anfang Juni vom Hochwasser betroffenen Gebieten hat sich entspannt: Schutt und Schlamm wurden vielerorts weggeräumt, Arztpraxen und Geschäfte öffnen wieder, Gelder zum Wiederaufbau fließen. Auch in der 30.000 Einwohner zählenden sächsischen Stadt Grimma, die nach 2002 schon zum zweiten Mal stark von der Flutkatastrophe betroffen war, geht es weiter, wie zwei niedergelassene Ärzte dem Deutschen Ärzteblatt berichten.

„Es sind enorm viele private Spenden eingegangen. Die Hilfsbereitschaft  war einfach großartig“, sagt Arne Drews. Diese Spenden seien über die Stadt oder die Kirchengemeinden  an von der Flut stark betroffene und hilfsbedürftige Menschen verteilt worden, sofern sie nicht ganz konkret für eine bestimmte Einrichtung, bestimmt gewesen seien. Der in Grimma niedergelassene Internist und Arbeitsmediziner zählte nicht dazu. Denn er hatte Glück: Seine Praxis im ersten Stockwerk war nicht direkt betroffen.

Glücklicherweise sei diesmal die Flut langsam gekommen, und die Behörden hätten die Bevölkerung rechtzeitig informieren können, erzählt Drews: „So hatten wir noch Zeit, alle wichtigen Unterlagen aus dem Keller, in dem wir Patientenakten und Röntgenbilder aufbewahren, nach oben zu tragen.“ Auch die Apotheke, die sich im Erdgeschoss des Hauses befindet, wurde in Eigeninitiative in die Praxisräume des Arztes evakuiert. Nach drei Tagen ohne Strom konnte die Praxis von Drews bereits am 6. Juni wieder ihren Betrieb aufnehmen.

Stark betroffen war hingegen Andreas Nolopp. Die Praxis des Gastroenterologen in der Altstadt von Grimma stand nun schon das zweite Mal unter Wasser. Doch während 2002 dort das Wasser bis unter die Decke reichte, waren diesmal die Wände nur im unteren Bereich  nass geworden, auch der nach 2002 geflieste Fußboden hat gehalten. „Ich denke, dass ich Mitte September die Praxis wieder eröffnen kann“, erzählt Nolopp optimistisch.

Computer und Endoskope konnte der Arzt diesmal rechtzeitig in Sicherheit bringen. Dennoch sei der Schaden groß gewesen: „Alle Möbel waren aufgequollen, die Türen verzogen“, berichtet Nolopp. Glücklicherweise habe er nach der Flut 2002 eine Elementarversicherung abgeschlossen. „Ein Freund hatte mir das damals empfohlen, obwohl natürlich keiner gedacht hat, dass es so bald wieder eine Flut geben würde. Mit der Zahlung hat jetzt auch alles gut und zügig geklappt.“ Die Kosten für die Renovierung könne er so decken.

Hilfe hat Nolopp auch von vielen Kollegen bekommen. Seinen Praxisbetrieb konnte er – wenn auch reduziert in einem Raum fortsetzen, den ihm das Krankenhaus in Grimma zur Verfügung gestellt hat. „Viele zu einer Magenspiegelung angemeldete Patienten kamen aber nicht“, berichtet er. Zwar gebe es immer ein „Sommerloch“, doch in diesem Jahr hätten die Menschen vermutlich noch ganz andere Sorgen gehabt.

Den betroffenen sächsischen Ärzten hatte die Sächsische Landesärztekammer schon im Juni günstige Darlehen angeboten. „17 Ärzte haben sich nach dem Hochwasser wegen persönlicher Betroffenheit bei der Sächsischen Landesärztekammer gemeldet. 15 haben die Hilfe in Anspruch genommen“, berichtet Knut Köhler, Sprecher der Kammer. Ein Arzt muss es auch nicht zurückzahlen.

Auch der Weg für die Auszahlung der staatlichen Wiederaufbauhilfen nach der Hochwasserkatastrophe ist jetzt frei. Nachdem der Bundesrat Mitte August die rechtlichen Grundlagen geschaffen und der Verordnung über die Wiederaufbauhilfen aus dem vom Bund und den Ländern getragenen Fonds zugestimmt hatte, beschloss das sächsische Kabinett am 26. August die entsprechenden Landesregelungen.  Nach der „Richtlinie Hochwasserschäden 2013“ können Privatpersonen, Unternehmen und Vereine bis zu 80 Prozent der Schäden ersetzt bekommen. Dabei werden Schäden bis einem Betrag von 5.000 Euro berücksichtigt. Die Anträge auf Zuschüsse können sie bis zum 31. Dezember 2014 stellen.

Nach dem Verteilungsschlüssel stehen Sachsen knapp 29 Prozent der an die betroffenen Länder zu verteilenden Gelder aus dem Fonds zur Verfügung. Das sind rund 1,7 Milliarden Euro. Sachsen hat in den Verhandlungen zudem erreicht, dass es diese Förderung auch für einen Wiederaufbau an anderer, hochwassersicherer Stelle geben kann. Darüber hinaus plant Sachsen, Umsiedlungswilligen mit günstigen Darlehen in Höhe von 20 Prozent des Schadens unter die Arme zu greifen. Gefördert werden Umsiedlungen innerhalb Sachsens.

Dass viele Leute umziehen wollen, beobachten auch Nolopp und Drews. „2002 hatten die Menschen noch viel Elan und haben die Altstadt wunderbar rekonstruiert“, erzählt Nolopp. Doch jetzt werde es in der Altstadt, wo sich auch seine Praxis befindet, wohl Lücken geben werden. „Ich weiß von einigen Geschäftsleuten, die noch an dem Kredit von 2002 zu knabbern haben und jetzt aufgeben“, berichtet er.

Auch Drews erzählt von einem Ausdünnen der Altstadt: „Mietshäuser außerhalb des Flutgebiets gehen jetzt weg wie warme Semmeln. Die einfachen Leute wollen nicht mehr in der Stadtmitte wohnen. Für eine Wohnung außerhalb des Flutgebiets gibt es jetzt 80 Bewerbungen“, weiß er. Die beliebten Ausflugshotels und Restaurants an der Mulde bis Nimbschen oder Höfgen würden vermutlich erhalten bleiben, aber frühestens im Oktober, wohl aber erst im Januar wieder eröffnen können.

Quelle: aerzteblatt.de

Grimma hat Hochwasser-Warnsystem modernisiert

Veröffentlicht: Juni 28, 2013 von fluthelfer in Grimma
Nach dem Hochwasser hat die Stadt Grimma (Kreis Leipzig) ihr Warnsystem modernisiert. Statt über eine Telefonanlage werden Warn-SMS jetzt über das Internet versendet.
wie die Stadt am Freitag mitteilte. Damit werde sichergestellt, dass Nachrichten auch während eines Stromausfalls an die betroffenen Hausbesitzer gingen. Zudem könnten mit der Neuauflage mehr Telefonnummern in den Verteiler aufgenommen werden. Bisher gab es nur 500 Plätze. Nach Angaben der Stadt waren allein beim jüngsten Hochwasser 2500 Menschen betroffen. Seit der Jahrhundertflut 2002 können sich die Grimmaer per SMS über Hochwasserwarnungen, Pegelstände und Prognosen informieren lassen.
Quelle: focus.de

Vor den Trümmern der Existenz

Veröffentlicht: Juni 16, 2013 von fluthelfer in Grimma

 

Vor genau einer Woche wurde es wieder ernst für Bewohner, Behörden und Händler in der Innenstadt von Grimma. Nach 2002 führte die Mulde erneut Hochwasser und überschwemmte die Stadt, deren Schutzmauer erst halbfertig war. Inzwischen hat sich das Wasser aus der Stadt zurückgezogen die Menschen stehen vor den Trümmern ihrer Existenz.

von Maren Beddies

Die Sonne strahlt über Grimma – Bewohner und Mieter in der Altstadt brauchen diese Energie. Genau wie die feuchten Hauswände die Wärme aufsaugen. Rund um den Marktplatz herrscht eine Woche nach dem Hochwasser reges Treiben. Menschen entrümpeln Häuser, Stadtgärtner bepflanzen die Grünanlagen mit bunten Sommerblumen, am Rathaus wird der Putz von der Felssteinwand geholt. Peter Schäfer ist Vereinsvorsitzender der angrenzenden Rathausgalerie, die neben dem Bauschaden keine größeren Mängel davongetragen hat: „Dreißig, vierzig Klappstühle für die Eröffnungsfeier sind untergegangen. Aber das Wesentliche, die Kunst an den Wänden und die Beleuchtung, ist ganz geblieben.“

Große Solidarität

Anders sieht es bei vielen Händlern in der Altstadt aus. Ronny Kaufmann betreibt mit seiner Familie einen Naturkostladen, der Bio-Kaufhalle und Bistro beherbergt. Hier brummen derzeit keine Kühlanlagen für Frischware sondern Trockner, die Feuchtigkeit aufsaugen sollen: „Wir haben uns vorgenommen, sehr intensiv zu trocknen, um eben in einem halben Jahr nicht nochmal anfangen zu müssen. Und dann fangen wir wieder an einzuräumen und Anfang Juli wollen wir wieder eröffnen.“ Ronny Kaufmann hebt einen Folien-Vorhang hinter dem die Überreste seines gerade erst modernisierten und vergrößerten Ladens sichtbar werden. Erheblicher als der Schaden am Gebäude ist der Warenverlust. Beziffern kann der Biohändler den Schaden noch nicht, aber er weiß – wenn am vergangenen Sonntag nicht so viele Leute mit zugepackt hätten, dann wäre der Schaden noch größer geworden: „Wir haben eigentlich niemanden um Hilfe gerufen und dann kamen immer mehr Leute dazu, auch Kunden, die gesehen haben, dass wir hier was machen. Ich sehe mich deshalb schon in der Pflicht weiterzumachen.“ Ronny Kaufmann blickt nach vorn, auch wenn sein Laden – wie fast alle Geschäfte und Privatwohnungen in der Nähe der Mulde – nicht versichert werden konnten und auch künftig wohl nicht versichert werden. Es sei denn, eine Elementarschadenversicherung für alle wird Pflicht. Wichtiger aber wäre ihm, dass zwischen Fluss und Altstadt endlich ein Schutz gegen Hochwasser errichtet wird.

Forderung nach Hochwasserschutz

Darauf hofft auch Peter Eibeck, der bislang ein traditionsreiches Eiscafé unweit der Mulde geführt hat: „Ich baue jetzt das Geld in mein Eiscafé ein, dann haben wir drei Wochen Regen, dann saufen wir wieder ab. Dann kann ich das Geld in die Mulde schmeißen.“ Die jüngsten Grimmaer im nahegelegenen Kindergarten und viele treue Kunden hat Peter Eibeck damit geschockt, dass er nach dem zweiten Hochwasser innerhalb kürzester Zeit das Eiscafé schließen will. Peter Eibeck und seine Frau Brigitte wollen vom Gesamtschaden und den Schutzmaßnahmen für die Altstadt in Grimma abhängig machen, ob sie nun wieder eröffnen oder nicht: „2002 hat uns die Politik auf die Schultern geklopft und gesagt: ‚Herr Eibeck, machen Sie! Wir kümmern uns um alles.‘ Das sehe ich alles ein; wenn das Gewerbe in Grimma weg ist, dann ist die Stadt tot. Wir sind ja indirekt gezwungen, weiterzumachen.“ Und zwar nicht nur wegen der laufenden Kredite, sondern auch, weil Kinder ein Bild gemalt haben auf dem steht: „Grimma ohne Eibecks Eis? Unvorstellbar!“

Vertrauen in den Bürgermeister

In fast allen Schaufenstern hängen aufmunternde Zettel. An der zerstörten Scheibe des Sporthauses Grimma jedoch hängt keine Botschaft. Ulf Weiland, Eigentümer des Sporthauses Grimma, steht in seinem zerstörten Laden, in dem Bodenplatte und Ladenbau völlig hinüber sind: „Wir machen jetzt erst mal die Heizungsanlage. Wir werden auch trocknen, weil wir die Substanz schützen müssen. Aber Aufbau? Da kann ich nur von rechts nach links den Kopf schütteln und sagen: Entweder es gibt irgendeine Zusage, dass, wenn in zwei Jahren wieder etwas passiert, unsere Investitionen geschützt sind. Ansonsten geht das nicht.“ Es ist diese Mischung zwischen Resignation, Hoffnung und dem Willen, die Stadt nicht im Stich zu lassen: „Wenn man es in elf Jahren nicht schafft, diese Investitionen nicht zu schützen, indem man diese Mauer einfach mal durchzieht, auch gegen Widerstände von irgendwelchen Quenglern, dann müssen wir jetzt erst mal die Bremse reinmachen. Aber wir haben ja Vertrauen in unsere Stadt und in unseren wirklich guten Bürgermeister“, der ebenfalls hofft, dass die Schutzmauer endlich fertig gebaut wird. Dem Land Sachsen hat Matthias Berger noch einmal deutlich gemacht, dass die Mehrheit der Bürger in Grimma diesen Bau wünscht – wie der Vereinsvorsitzende der Rathausgalerie Peter Schäfer und seine Frau Bärbel: „Dass die erst durch so eine neue Katastrophe wieder aufgeweckt werden, bringt mich schon in Wut.“

In Grimma wird dieser Tage also viel diskutiert und abgewogen – auch wenn die Stadt scheinbar wieder zur Normalität zurückfindet.

http://www.mdr.de/mdr-info/Grimma_nach_der_Flut100.html

Papierfabrik Golzern bei Grimma verlagert den Standort

Veröffentlicht: Juni 7, 2013 von fluthelfer in Grimma

 

Das Hochwasser hat Tausende privat getroffen. Doch auch die Wirtschaft spürt die Folgen der Flut. Viele Unternehmen haben ihren Sitz in der Nähe von Flüssen. Wo diese über die Ufer traten, stehen nun Arbeitsplätze auf der Kippe. Ralf Geißler hat sich umgehört, wie die Wirtschaft das Hochwasser verkraftet.

Ein Unternehmer muss auch im Chaos seine Würde wahren. Martin Röhrenbeck trägt ein weißes Hemd. Die Flut hat ihn schon ein zweites Mal getroffen. Die Mulde schwappte Anfang der Woche durch seine Papierfabrik Golzern bei Grimma. Nun läuft Röhrenbeck über Schutt und Unrat zu einer Halle, die ein Generator notdürftig mit Strom versorgt. „Das ist eigentlich unsere Hauptproduktionshalle hier. Da hinten in der Ecke kann man noch die Verpackungsmaschine und die Verpackungsstraße erkennen. Das ist alles komplett von der Flut überschwemmt worden. Die Motoren sind nicht mehr brauchbar, die sind festgesetzt mit Schlamm ähnlich wie die Schaltschränke.“

Hoffen auf Hilfe vom Staat

 

Den Gesamtschaden beziffert Röhrenbeck auf mindestens zehn Millionen Euro. Produzieren kann er hier nichts mehr. Die Hochwasserfolgen spüren viele Unternehmen – auch solche, die nicht an Flüssen sitzen. Denn Wirtschaft ist ein komplexes Gebilde. Bei Porsche in Leipzig etwa ging gestern eine Schicht lang nichts mehr. Geschäftsführer Siegfried Bülow: „Wir haben Schwierigkeiten mit unseren Materialtransporten. Insbesondere aus Bratislava bekommen wir Karosserien. Und die Züge, die über das Elbtal nach Deutschland fahren, sind natürlich im Moment sehr behindert, so dass wir von Tag zu Tag schauen müssen, wie sich die Situation entwickelt und so steuern wir unsere Produktion.“

Auch bei VW Zwickau standen die Bänder schon still. Wie hoch der Schaden der Flut am Ende sein wird, lässt sich nicht beziffern. Thomas Brockmaier hofft jetzt auf den Staat. Der Hauptgeschäftsführer der IHK Halle-Dessau fordert, dass Vorschriften in diesen Zeiten nicht so streng ausgelegt werden. „Bei Lenkzeiten beispielsweise von LKW-Fahrern. Da sind Kipplasterfahrer, die hören auf zu fahren, weil sie bei einer Überschreitung der Lenkzeit das ein Jahr in ihren Büchern stehen haben und da muss man Leine geben und sagen: Ihr könnt das machen.“

Mancher will nicht wieder am Fluss bauen

Bislang hat die Politik vor allem Geld versprochen – wenn auch nicht viel. In Sachsen gibt es 1.500 Euro Soforthilfe für Unternehmer. Manche lächeln darüber, Papierfabrikant Röhrenbeck tut das nicht. „Also, es nutzt in der Tat jeder Euro etwas. Natürlich haben wir ganz andere Summen zu stemmen, um wieder neu anfangen zu können. Aber 1.500 Euro wenn ich es allein für meine Belegschaft rechne, wären das für jeden 25 Euro und die möchte ich natürlich keinem verwehren.“ Röhrenbeck will seine Fabrik wieder aufbauen – allerdings nicht an der Mulde. Der Geschäftsführer sucht einen neuen Standort, höher gelegen. Denn bei der nächsten Flut zahlt die Versicherung vermutlich nichts mehr. Zurück werden leere Hallen bleiben. Direkt am Ufer der Mulde enden dann 150 Jahre Papierverarbeitung.

http://www.mdr.de/mdr-info/hochwasser-und-wirtschaft100.html

Existenzangst nach dem Hochwasser

Veröffentlicht: Juni 6, 2013 von fluthelfer in Grimma

Aus Grimma berichtet Heike Baldauf

Wo die Flut vorbei ist, beginnt die Arbeit der Gutachter. In Grimma ist der Schaden für viele beträchtlich und existenzbedrohend. Nur wenige sind gegen Hochwasserschäden versichert – nach der letzten Flut waren bezahlbarePolicen kaum noch zu bekommen.

Am Tag vier nach der Muldeflut tragen, kehren und spritzen die Menschen in der Altstadt den Fluss aus ihren Häusern. Mit Schaufeln, Besen und Wasserschläuchen ziehen sie in die Schlacht. Stadt und Technisches Hilfswerk schicken Bagger, Container und Kehrmaschinen. Die Feuerwehr ist weiterhin im Dauereinsatz. Unzählige Helfer sind unterwegs. Auf dem Markt wird kostenlos gespendetes Essen und Wasser in Flaschen ausgegeben.

Es ist die Zeit der Nachbarschaftshilfe, des solidarischen Miteinanders. Und der Gutachter von Versicherungen. Jetzt geht es nicht mehr um steigende Pegel. Es geht um die nackte Existenz.

„Die Gutachter kommen heute“, sagt Udo Schönfeld, das Handy am schlammverschmierten Ohr. Wie einige seiner Kunden ist er mit seinem Büro für Versicherungen der LVM abgesoffen. Sein Ladengeschäft liegt direkt am Markt. Hier stand das Wasser mannshoch. Er hat auch noch einen Spielwarenhandel – von der Mulde mitgenommen.

„Keine Versicherung wollte das Risiko tragen“

Doch die Gutachter mit den spitzen Bleistiften und fachmännischen Blicken, die heute für die wenigen Kunden in Grimma unterwegs sind, die gegen Überschwemmungen abgesichert sind, sagen ihm nur guten Tag. Mehr nicht. „Ich habe keine Versicherungspolice für Elementarschäden.“ Das klingt vielleicht paradox, meint er. „Doch einige Jahre nach der Flutkatastrophe von 2002 wollte keine Versicherung das Risiko tragen.“ Fünf Jahre danach hat er sein Büro eröffnet. Hier allein schätzt er den Schaden „auf 50.000 Euro“.

So wie Schönfeld ergeht es den meisten Bewohnern der Straßen unmittelbar hinter dem Fluss und der Stadtmauer. Ihre Wohnungen, Häuser, Geschäfte und Werkstätten liegen im Gebiet der höchsten Gefährdungsklasse 4. Das bedeutet, dass hier statistisch gesehen häufiger als einmal in zehn Jahren mit einem Hochwasser zu rechnen ist.

Der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) hat nahezu jedes Gebäude in Deutschland in eine von vier Gefährdungsklassen eingestuft. Seit Frühjahr 2012 können sich Mieter, Hausbesitzer und Unternehmer darüber im Internet informieren. Unter zuers-public.de sind die Überschwemmungsdaten der Wasserwirtschaftsämter abrufbar.

Das computergestützte System ZÜRS (Zonierungssystem für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen) ist längst zu einem Instrument der Versicherungswirtschaft geworden. Auch wenn dort der Freistaat Sachsen informiert, dass ZÜRS „keine rechtlich verbindliche Auskunft liefert“.

Die Ausnahme: Alte DDR-Policen

Bereits 2004, zwei Jahre nach der angeblichen Jahrhundert-Flutkatastrophe an Mulde und Elbe, sahen Verbraucherschützer aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen den finanziellen Folgen künftiger Hochwasser mit großer Besorgnis entgegen.

Die Einführung einer Elementar-Pflichtversicherung für Wohngebäude, wie von ihnen gefordert, „wurde von Politik und Versicherungswirtschaft nicht umgesetzt“, so Sprecherin Julia Schäfer. „Zur Begründung dafür hieß es unter anderem, dass die erforderlichen Garantien für den Bund und die Länder zu teuer seien.“

Für Betroffene, die in gefährdeten Gebieten wohnen und immer seltener bezahlbaren Versicherungsschutz gegen Hochwasser und andere Elementarschäden erhalten, bedeutet das ein Leben und eine Zukunft in Angst, heißt es bei den sächsischen Verbraucherschützern. Ohne Versicherungsschutz sind Hochwasseropfer erneut auf staatliche Förderkredite und Spenden angewiesen. Doch mit einer so hohen Spendenbereitschaft der Menschen wie im Jahr 2002 könne man ein zweites Mal nicht rechnen.

Eine Ausnahme bilden alte DDR-Policen, die Überschwemmungsschäden absichern und durch die Allianz weitergeführt werden.

Im Jahr 2010, auch ein Flutjahr für Sachsen, startete die Verbraucherzentrale eine Umfrage unter 43 Versicherungsunternehmen, mit der Bitte um Auskunft zum Versicherungsschutz und den Konditionen in gefährdeten Zonen. Anlass war die Aufforderung von Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich an die Bürger, mehr Eigenvorsorge vor derartigen Naturereignissen zu betreiben. Gegen Überschwemmungen könne man sich versichern, habe es geheißen. „Im Gegensatz dazu hörten wir immer wieder, dass Betroffene keinen Versicherungsschutz erhalten“, erzählt Versicherungsexpertin Andrea Heyer.

Griff in die Stadtkasse

Das Ergebnis der Umfrage, an der sich 28 Unternehmen beteiligten, ging für Grimma nicht gut aus. Kein Angebot; ZÜRS 4; ohne Überschwemmung; individuelle Prüfung – so lauteten die Antworten auf eine von der Verbraucherzentrale konkret genannte Adresse. „Mir klingt dieser Tage immer wieder die Aussage des GDV im Ohr, dass 99 Prozent aller Haushalte den Schutz gegen Elementarschäden bekommen würden“, sagt Heyer. „Da haben wir unsere Zweifel.“ Deshalb werde die Verbraucherzentrale Sachsen eine erneute Umfrage starten und mit Infoständen in betroffene Regionen kommen, auch nach Grimma.

Grimmas Oberbürgermeister Matthias Berger hat noch keine Antwort gefunden auf die Versicherungsfrage, die ihn wie die Bevölkerung der Stadt umtreibt. Einige Leute haben schon laut gesagt, dass sie ihre Geschäfte in der Altstadt aufgeben und wegziehen wollen. Noch ist sein Team dabei, die Schadenshöhen von Bürgern und Firmen aufzunehmen.

Doch anders als Kommunen ringsum wartet Berger nicht ab, was von Bund und Land zur Finanzierungsfrage an Signalen nach Grimma schwappt. Vier Tage nach der Evakuierung der Gefahrenzone der Mulde hat an diesem Donnerstag jeder Erwachsene, der sich ausweisen konnte und von der Katastrophe betroffen ist, 400 Euro in die Hand gedrückt bekommen, Kinder 250 Euro.

„Mit einem Griff in die Stadtkasse haben wir das vorfinanziert“, sagt Rathaussprecher Sebastian Bachan, der die gute Nachricht über Facebook verbreitete und damit eine lange Schlange an Hilfesuchenden auslöste.

Der Bürgermeister hatte für die Organisation der Geldausgabe keine Zeit. Er kämpft schon wieder an anderen Fronten.

http://www.spiegel.de/panorama/flut-in-sachsen-betroffene-sind-gegen-hochwasser-nicht-versichert-a-904240.html

Erinnerung an das Hochwasser 2002 in Grimma

Veröffentlicht: August 15, 2012 von fluthelfer in Grimma

Bildergalerie Grimma 2002

Fluchtpunkt Frauenkirche

 

Unsere Reporter sind in der Nacht, in der die Flut kommt, vor Ort und erleben gemeinsam mit den Bewohnern Grimmas Hilflosigkeit und Verzweiflung angesichts der Katastrophe.

Die Nacht, in der die Flut kam

Nach der Flut

Erste Aufräumarbeiten

So schnell wie das Mulde-Hochwaser in Grimma kam, so schnell war es auch wieder weg. Was blieb, waren gewaltige Schäden.

Ein Jahr danach

Mit dem Hochwasser verschwanden auch die Fernsehkameras, doch für die Flutopfer in Grimma begannen die eigentlichen Probleme erst jetzt.

Zehn Jahre später

Grimmaer Pöppelmannbrücke wieder frei

Den Kampf gegen die Fluten hat Grimma 2002 verloren. In der historischen Innenstadt hieß es „Land unter“. Neben Dutzenden Häusern wurde auch die Mulde-Brücke von Daniel Matthäus Pöppelmann zerstört. Dem Rekordwasserstand von 8,68 Meter hielt das einstige Wahrzeichen der Stadt nicht stand. Doch zehn Jahre später gibt es wieder Grund zu feiern.

Unter dem Titel „Aufgetaucht – Grimma zehn Jahre nach der Flut“ hat die Stadt an diesem Wochenende den Wiederaufbau und die Eröffnung der Pöppelmannbrücke gefeiert. 12.000 Einwohner und Gäste waren zur Eröffnung mit einem Brückenfest gekommen. Dazu hatten sich Hobbymaler, Kunstradler, Musiker und Vereine auf und an der Brücke versammelt.

Den Auftakt zur Eröffnungsfeier gestalteten die Musiker der Sächsischen Bläserphilharmonie mit einer sogenannten Landschaftssymphonie. Während sie auf der Brücke spielten, wurde das Bauwerk selbst mit einer Lichtperformance in Szene gesetzt.

Die Flut in sieben Bildern

Das Werk erzählte in sieben Bildern von der Flutkatastrophe 2002 – mit Licht, Klang und Musik. Zu hören waren klassische Orchester-Töne und Choräle. Aber auch die Feuerwehr mit Pumpen und Wasserschläuchen war an der Aufführung beteiligt. Die Gesamtleitung lag in den Händen von Kurt Uwe Andrich. Als Geschäftsführer der Denkmalschmiede Höfgen inszeniert er seit 15 Jahren in Landschaften. Laut Andrich sind Aufführungen dieser Art besonders „eindrucksvollen Momente“. Bei der Show am Sonnabend waren Andrich zufolge Projektionen, Fotografien und Filmsequenzen zu sehen sein, welche die unvergesslichen Tage in chronologischer Abfolge Revue passieren ließen. Es wurde an die „kollektive Erfahrung der Angst“, aber auch an die „Kraft der Solidarität und der Gemeinschaft“ erinnert. Zum Abschluss glitten Schwimmkerzen auf die Brücke zu.

Dokumentation zur Geschichte der Pöppelmannbrücke

Grimma erinnert seit Tagen schon an die Jahrhundertflut. Unter dem Motto „Abgebrannt, gesprengt und weggespült“ können sich Interessierte in der St. Georgenkapelle eine Dokumentation über die fast 300-jährige Geschichte der Pöppelmannbrücke ansehen. Einige der Bilder, Gegenstände und Fotos werden erstmals öffentlich gezeigt. Die zweite Ausstellung „WasserZeichen“ zeigt in der Klosterkirche 30 großformatige Fotos über das Hochwasser in Grimma.

Grimma wird zum Touristenmagnet

Die historische steinerne Brücke von 1719 nach Plänen des Dresdner Zwingerbaumeisters Matthäus Daniel Pöppelmann wurde bei der Flut 2002 nahezu völlig zerstört. Am 13. August 2002 stand das Wasser dort 8,68 Meter hoch. Das waren 2,70 Meter mehr als beim bisherigen Rekord von 1771.

Besonderen Respekt verschaffte sich der damals erst 34 Jahre alte Bürgermeister Matthias Berger. Er war erst kurz zuvor ins Amt gewählt worden. Er bewahrte in den Tagen der Flut Ruhe und zeigte Mut, richtete einen Krisenstab ein und dirigierte alle Rettungsmaßnahmen. 3.000 bis 5.000 Freiwillige waren damals in der Stadt, um mit anzupacken. Rund 250 Millionen Euro Schaden hatte die Flut angerichtet, 14 Millionen Euro Spendengelder kamen zusammen. Auch nach der Flut zeigten Berger und seine Einwohner Tatkraft und bauten die Stadt neu auf. Heute ist die Innenstadt ein Kleinod, mit hübsch sanierten Fachwerkhäusern, Gassen und Gässchen, florierendem Handel. Kaum ein Laden steht leer. Inzwischen freut sich Grimma über stark steigende Übernachtungszahlen. Diese haben sich innerhalb weniger Jahre verdoppelt.

Alte und neue Brücke vereint

Seit 2009 wurde die Pöppelmannbrücke für rund 6,4 Millionen Euro als Stahlkonstruktion wieder aufgebaut. Die 280 Tonnen schwere Konstruktion ist 65 Meter lang und ruht auf den originalen, verschalten Pfeilern des Vorgängerbaus. Die neue Brücke wurde so konstruiert und gebaut, dass die Mulde auch in Hochwassersituationen problemlos durchfließen kann. Das neu installierte Flutalarmierungssystem zählt zudem zu den fortschrittlichsten in Deutschland. In den kommenden Jahren soll die alte Stadtmauer als Schutzwall gegen Hochwasser ausgebaut werden.

Grimma – zehn Jahre nach der Flut

Auch Grimma war 2002 von der Flut betroffen. Damals wussten viele nicht, wie es weiter gehen sollte. Heute aber ist die Kleinstadt im Muldental ein echtes Schmuckstück

Quelle: mdr.de