Archiv für die Kategorie ‘Fluthilfe für Unternehmen’

Der Spielraum für finanzielle Soforthilfe bei Hochwasserschäden in der Thüringer Wirtschaft ist bisher nicht ausgereizt. Finanzielle Unterstützung in Höhe von 1,35 Millionen Euro sei für 49 Firmen zugesagt worden, erklärte Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD) auf Anfrage. Über 3 Millionen Euro sind bereits schon ausgezahlt worden.

Insgesamt ständen über das Soforthilfeprogramm jedoch bis zu zehn Millionen Euro für die Thüringer Wirtschaft zur Verfügung. Es sei als Überbrückungshilfe gedacht. Nun startet aber auch das Wiederaufbauprogramm, aus dem sich auch größere Projekte finanzieren ließen.

Mit den bisher zugesagten Summen seien kurzfristige Ausgaben der Betriebe in Höhe von 3,12 Millionen Euro für Reparaturen oder die Beseitigung von Schäden durch die Juni-Flut unterstützt worden, teilte das Wirtschaftsministerium mit. Weitere 107 Förderanträge lägen vor. Die Zuschüsse pro Fall seien jedoch auf maximal 100.000 Euro begrenzt.

Mit dem Aufbauhilfeprogramm, für das der Bundesrat am Freitag endgültig den Weg frei gemacht hatte, seien auch höhere Förderbeträge möglich, sagte Machnig. Es lasse zudem Unterstützung bei der Beseitigung von Hochwasserschäden in Industrie- und Gewerbegebieten zu. Während des Hochwassers Anfang Juni musste Katastrophenalarm in vier Regionen Ostthüringens ausgerufen werden. In der Stadt Gera, dem Altenburger Land sowie den Kreisen Greiz und Saale-Holzland waren größere Flächen überflutet. Dort sind die Schäden am höchsten.

Die Soforthilfe konnte nur für akute Notfälle genutzt werden – beispielsweise Reparaturen, um die Produktion wieder in Schwung zu bringen oder Folgeschäden zu verhindern. Gefördert werden konnte laut Ministerium maximal die Hälfte der dabei für die Firmen angefallenen Kosten.

Um deutlich größere Projekte gehe es nun in der nächsten Phase. Immerhin haben nach Angaben des Ministeriums etwa 800 Thüringer Unternehmen Flutschäden gemeldet. Sie sollen sich nach Schätzungen auf insgesamt 100 Millionen Euro summieren. Allerdings hätten bisher nur 600 Firmen ihren Schaden konkret beziffern können.

Quelle: otz.de

Anfang Juni sorgte das Hochwasser in vielen Regionen Deutschlands für riesige Schäden. Auch viele Betriebe aus dem Handwerk waren betroffen und mussten um ihre Existenz bangen. Wie geht es den Flutopfern zwei Monate später?

Auf einen niedrigen zweistelligen Milliardenbetrag wird der volkswirtschaftliche Gesamtschaden durch das Hochwasser 2013 geschätzt, dass vor allem in Bayern und dem Osten Deutschlands für Verwüstung sorgte.

Schon am 25. Juni hatten Bund und Länder einen Hilfsfonds über acht Milliarden Euro beschlossen. Eine Verwaltungsvereinbarung dazu soll heute vom schwarz-gelben Kabinett abgesegnet werden und am Freitag in einer Sondersitzung im Bundesrat finalisiert werden.

Richtig greifbar wird das Ausmaß aber erst bei einem Blick auf die Einzelschicksale der Betroffenen. Auch viele Handwerksbetriebe in Deutschland hat es getroffen. Schon vor zwei Monaten hatte die Deutsche Handwerks Zeitung mit mehreren von ihnen gesprochen.

Malermeister hofft auf Vollersatz

Zum Beispiel Gerhard Lallinger, Malermeister aus Fischdorf. Das Hochwasser hatte ihm beinahe die Existenz genommen. Sowohl das Firmen- als auch das Wohngebäude wurden komplett zerstört. Der Schaden belief sich auf etwa 1,5 Millionen Euro. Kaum etwas konnte gerettet werden, das Wasser kam mit 500.000 Litern pro Sekunde. Um eine Elementarschutz-Versicherung hatte sich der Betrieb zuletzt 2012 vergeblich bemüht.

Heute herrscht bei Lallinger leiser Optimismus. Zwar wird von öffentlicher Stelle immer noch das Ausmaß des finanziellen Schadens ermittelt und Geld ist bisher keines geflossen. Aber Lallinger hat wieder eine Perspektive. Zu 100 Prozent soll ihm der Schaden ersetzt werden, so lauten zumindest die Versprechungen. Bis das Geld da ist, dürfte aber noch einige Zeit vergehen und der Wiederaufbau der alten Existenz dürfte weit mehr als ein Jahr dauern, vielleicht sogar zwei, schätzt Lallinger.

In der Zwischenzeit konnte sich Lallinger auf die Solidarität seiner Mitmenschen verlassen. So wurden ihm kostenfrei Betriebsräume zur Verfügung gestellt, damit die Geschäfte weitergehen können und auch wichtige Einnahmen in die Kassen fließen. So ist es Lallinger auch möglich seine Mitarbeiter zu halten. Der Betriebsinhaber ist froh, seine wirtschaftliche Existenz wohl gerade noch retten zu können.

Elektroinstallateur kämpft mit der Bürokratie

Auch Elektroanlagen Johann Vogl in Passau hat das Hochwasser hart getroffen. Fast eine Woche waren die Elektroinstallateure von der Außenwelt abgeschnitten, weil die Innbrücke für den Verkehr gesperrt war. Hof und Lager waren überflutet, 20 cm mehr und das Büro wäre unter Wasser gestanden. Was ging, wurde in Sicherheit gebracht, das Gebäude hatte einen Schaden von 130.000 Euro.

Einige Wochen später ist Betriebsinhaber Johann Vogl die Katastrophe immer noch anzumerken. Ein erstes Hilfsprogramm kann Vogl nicht in Anspruch nehmen, weil der Betrieb keine Elementarschutzversicherung abgeschlossen hatte, die nach Aussage der öffentlichen Stellen möglich gewesen wäre. Bekommen hat Vogl bisher nur die Soforthilfe von 5.000 Euro und weitere 1.500 Euro für das Gebäude.

Jetzt hofft Vogl auf ein zweites Programm, das jenen Betrieben helfen soll, die keinen Versicherungsschutz geltend machen können. Doch das Geld zu bekommen ist nicht einfach. Jede entstandene Handwerksrechnung muss einzeln vorgelegt werden, um eine Rückzahlung zu bekommen. Und die Gelder sollen auch nicht auf einmal fließen, sondern in mehreren Teilbeträgen.

Vogl ist enttäuscht über die bürokratischen Hürden, die den betroffenen Firmen in den Weg gestellt werden. Vor allem denkt er an die Unternehmen, die zum Beispiel wegen mangelnder Sicherheiten keine Überbrückungskredite von der Bank bekommen.

Vogl konnte seinen Geschäftsbetrieb aber trotzdem fortsetzen. Zum Glück waren die Unternehmensräume mit den Computern nicht vom Hochwasser betroffen. Um dringende Reparaturen an Maschinen durchzuführen, konnte Vogl eigene Rücklagen mobilisieren.

Quelle: deutsche-handwerks-zeitung.de

Die bisher ermittelte Schadenssumme beläuft sich auf rund 600 000 Euro. Noch bis 31. August ist Zeit, beim Landwirtschaftsamt in Rudolstadt Anträge auf Fluthilfe zu stellen.

Von 30 Hektar mit Winter­gerste, 79 Hektar mit Winter­­weizen und 86 mit Mais angebauten Hektar werden die Landwirte der Agrargenossenschaft Schöps in ­diesem Jahr nichts ernten. Die Felder, auf denen sie im letzten Herbst bzw. Frühjahr das ­Getreide und die Futterpflanzen abgebaut hatten, liegen allesamt zwischen Großpürschütz und Maua in der Saaleaue. Beim Hochwasser Anfang Juni waren die Felder überschwemmt. 227 der 1600 Hektar Fläche des Unternehmens waren über­flutet, auf einem Teil der Äcker haben die Landwirte Total­ausfälle der Ernte zu beklagen.

Nach ersten Schätzungen eines Gutachters belaufen sich die Flutschäden des Unternehmens auf rund 175 000 Euro. „Wir hatten die Schäden doch etwas höher eingeschätzt, aber, das Urteil des Gutachters gilt“, sagte Graf auf Nachfrage dieser Zeitung. „Wir dachten zwar, dass wir Fachleute genug sind, aber es wird nun mal eine externe Einschätzung verlangt.“ Die Richtlinie des Landes Thüringen, nach der land- und forstwirtschaftliche Unternehmen einen finanziellen Ausgleich für Überschwemmungsschäden erhalten, schreibt die Einbeziehung eines Gutachters bei einer Schadenssumme von mehr als 100 000 Euro vor.

Ein solcher Sachkundler wird deshalb auch in der Gleistal ­Agrar eG über die Felder gehen und die Hochwasserschäden ­begutachten. Agrar-Chef Ralf Wickler spricht von Verlusten in Millionen-Höhe. Sein Unternehmen gehört zu den am schwersten betroffenen Landwirtschaftsbetrieben in Thüringen. 350 Hektar standen unter Wasser, auf 240 Hektar seien Erntetotalschäden zu beklagen. Vier der fünf Tochterfirmen, die zur Agrar eG gehören, hätten je 2000 Euro Soforthilfe erhalten, doch das sei angesichts der wirklichen Schäden nur der berüchtigte Tropfen auf den heißen Stein. Und: die Soforthilfe wird mit anderen Hilfen verrechnet.

Was Wickler zusätzlichen ­Ärger bereitet: „Ich erinnere mich noch an die Fernsehbilder in den Fluttagen und die Versicherung der Politiker, dass man den Bauern ihre Ernteausfälle 100-prozentig ersetzen müsse“, sagt er. „Doch in der nun verabschiedeten Thüringer Richtlinie steht eindeutig, die Höhe der Zuwendung beträgt bis zu 50 Prozent des Gesamtschadens“. Es sei also längst nicht einmal sicher, ob überhaupt wenigstens die Hälfte der Ausfälle ausgeglichen werden könnte.

Wickler kritisiert zudem die komplizierten Antragsverfahren und „fast täglich neue Regularien“. Dazu gehöre auch, dass mögliche Erträge auf den Äckern, die nach dem Hochwasser aufwendig trockengelegt und neu bestellt wurden, von den Ausgleichszahlungen abgezogen würden. „Wir haben für die Wiederbestellung extrem hohen Aufwand treiben müssen, gleichzeitig konnten die Kollegen nicht auf den anderen Schlägen eingesetzt werden, etwa zum Jauchefahren oder zur Feldvorbereitung, weil sie in Wat­hosen und mit Spaten drei ­Wochen Gräben gezogen haben auf den nassen Feldern.“

Jürgen Hebert vom Landwirtschaftsamt in Rudolstadt, das die Fluthilfe-Förderanträge der Landwirte auch aus dem Saale-Holzland-Kreis entgegen nimmt, bestätigt, dass es Ertragsrichtwerte für die verschiedenen Zweitkulturen gibt, die auf die Flutverluste angerechnet werden. Dafür könnten jedoch auch die Gutachterkosten von den Unternehmen als Belastung mit aufgerechnet werden.

Nach seinen Angaben wurden bisher 20 Anträge auf Schadensausgleich von Agrarunternehmen im Rudolstädter Amt ein­gereicht, 13 davon sind bereits geprüft und an die Thüringer Aufbaubank, die die Hilfen auszahlt, weiter gereicht worden. Der Großteil der in Schwierigkeiten gekommenen Unternehmen sei im Saale-Holzland-Kreis ansässig. „Die bisher ermittelte Schadenssumme beläuft sich auf rund 600 000 Euro. Doch dabei wird es nicht bleiben, denn die Anträge einiger großer Unternehmen fehlen noch“, sagte Hebert. Dazu gehören die Agrargenossenschaft Catharinau in Uhlstädt-Kirchhasel genauso wie die Gleistaler Agrar eG oder ein großer Privatbetrieb in Etzelbach.

Noch bis 31. August ist Zeit, die Anträge auf Fluthilfe zu stellen.

Quelle: otz.de

Dem vom Hochwasser stark betroffenen Unternehmen wird erneut finanzielle Unterstützung in Aussicht gestellt.

In einer Pressemitteilung stellt das Thüringer Wirtschaftsministerium für die beim Juni-Hochwasser stark betrof­fene Stahlgießerei Silbitz Guss erneut Hilfen in Aussicht.

Das Unternehmen könne in Kürze Unterstützung aus dem Aufbauhilfefonds beantragen, den Bund und Länder gemeinsam finanzieren, heißt es. „Vergangene Woche wurde er vom Thüringer Kabinett verabschiedet, jetzt muss er in Brüssel no­tifiziert werden“, sagte die stell­vertretende Pressesprecherin des Wirtschaftsministerium, ­Larissa Schulz-Trieglaff.

Der Fonds stellt unter anderem Hilfen für Unternehmen und wirtschaftsnahe Infrastruktur zur Verfügung. „Sobald der mit insgesamt acht Milliarden Euro ausgestattete Aufbauhilfefonds zur Verfügung steht, kann das Unternehmen finanzielle Hilfen beantragen.“

Landesbürgschaft wurde nicht benötigt

Das Thüringer Wirtschafts­ministerium und die Thüringer Aufbaubank (TAB) stünden ­darüber hinaus in engem Kontakt mit den Geschäftsführern von Silbitz Guss. Wirtschafts­minister Matthias Machnig (SPD) hatte dem Unternehmen bei seinem Besuch im Juni Unterstützung mittels einer Landesbürgschaft angeboten, die Silbitz aber nicht in Anspruch nehmen wollte, da das Unternehmen von seiner Versicherung Geld für den Produktionsausfall und zur Besei­tigung der Hochwasserschäden bekommen sollte, so die Pressesprecherin. Der TAB-Vorstandsvorsitzende Matthias Wierlacher sei das erste Mal sofort nach Beginn des Hochwassers und kurze Zeit später ein weiteres Mal bei dem Unternehmen gewesen, um Hilfe anzubieten und zu beraten.

Soforthilfeprogramm traf nicht auf Unternehmen zu

Der Thüringer Wirtschafts­minister hatte in Abstimmung mit den Kammern und Verbänden der Wirtschaft ein Sofort­hilfeprogramm in Höhe von zehn Millionen Euro initiiert, das am 17. Juni in Kraft getreten ist. „Leider konnte Silbitz davon nicht profitieren, da das Unternehmen nicht zu den Kleinunternehmen und Mittelständlern zählt“, so Larissa Schulz-Trieglaff.

Quelle: otz.de