Archiv für die Kategorie ‘Fischbeck’

Was Glück für die Hochwasser-Opfer bedeutet

Veröffentlicht: November 19, 2013 von fluthelfer in Fischbeck

„Glück“ ist in dieser Woche das Thema für die ARD. In Mitteldeutschland hatten in diesem Jahr viele Leute wenig Grund zum Glücklichsein: Hunderttausende waren im Juni vom schweren Hochwasser betroffen. Wie verändert sich der Blick auf Glück dadurch und was erfreut die Menschen trotz eines solchen Unglücks?

Bei Tangermünde schlängelt sich die Elbe friedlich durch ihr Flussbett – ein Ort zum Glücklichsein. Wirklich? Nur ein paar Kilometer weiter liegt Fischbeck. Der Ort war im Juni mehrere Wochen lang vom Hochwasser überschwemmt. Container stehen vor vielen Häusern. Immer noch sind die Erdgeschosse unbewohnbar. Manche Häuser wurden sogar abgerissen.

Glück mit „aber“

Doch auf einem Grundstück steht schon ein halb fertiger Neubau. Ursula Thieke und ihr Mann gehören wohl zu den schnellsten – macht sie das glücklich? „Naja, Glück… Weiß ich nicht… Ich bin froh und glücklich, dass wir wieder alles aufbauen. Aber – da ist immer ein ‚aber‘ dabei“, sagt Ursula Thieke. Es fällt ihr schwer, sich zu freuen, wenn sie sieht, wie auch die Nachbarn zu kämpfen haben. Aber es habe sie glücklich gemacht, dass von überall so viel Hilfe kam.

Das betont auch Bodo Ladwig, Bürgermeister der Gemeinde Fischbeck. In seinem Büro hängen die Wände voller Spendenschecks. Geld macht nicht glücklich – aber es hilft. Und ein Glück sei auch, dass beim Deichbruch niemand zu Tode gekommen ist: „Wenn man vier Monate nach dem Deichbruch durch den Ort geht und mit den Leuten spricht, hört man schon heraus: Es ist ein anderes Glücksgefühl, als es früher mal war. Heute ist man froh, wenn man einen Elektriker oder Fliesenleger bekommt, oder wenn das alles wie ein Zahnrad ineinander greift und man sein Haus sanieren kann. Man hat doch eine andere Wertvorstellung, glaube ich.“

Blumen für Schönhausen

Im fünf Kilometer entfernten Schönhausen lebt Pfarrer Ralf Euker. Für ihn als Seelsorger ist die Flut zu einem Schwerpunkt geworden. Von Glück ist da nicht viel zu hören: „Erst mal die Phase des Wartens in der Evakuierung, dann die Schockphase, in der die Betroffenen gesehen haben, was das Wasser angerichtet hat, und jetzt nach Monaten macht sich deutlich so etwas wie Ermüdung und Erschöpfung breit. Teilweise liegen die Nerven blank, weil alles nicht so schnell vorangeht, wie man sich das vorstellt.“ In Schönhausen sieht man das an vielen Häusern.

Aber in vielen Vorgärten blühen Blumen. Das habe einen besonderen Grund, erzählt eine Schönhausenerin: „Während der Flut kam eine Gärtnerei aus Seehausen und hat gesagt: Es sieht alles so trostlos aus, aber wir machen Ihnen jetzt eine Freude, wir bringen Blumen. Da haben sie jede Menge Blumen abgeladen, die wir jetzt wieder in die Vorgärten gepflanzt haben. Das war der erste Lichtblick.“ Nun hofft sie, Weihnachten wieder in ihr Haus ziehen zu können.

Wer so eine riesige Aufgabe bewältigt, der dürfte wieder glücklich werden. Das hofft auch Ursula Thieke aus Fischbeck: „Glück… Vielleicht empfindet man das, wenn man mal drin ist, wenn alles eingerichtet ist, wenn man wieder Zuhause ist.“

Fischbeck: 100 Tage seit dem Deichbruch

Fotogalerie

Quelle: mdr.de

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Ein Gemälde. Darauf eine liebliche Landschaft. Bäume, ein Bauernhaus, ein Bächlein. Hans-Peter Janitzka und seine Frau Marina halten das Bild fest in ihren Händen. Beide haben dabei Tränen in den Augen. Sie schweigen. Marina schweigt ohnehin häufiger, doch für Hans-Peter ist das ungewöhnlich. Er ist umtriebig und redet eigentlich gerne. Doch jetzt schweigt auch er. Im neuen Zuhause soll das Gemälde einmal einen Ehrenplatz bekommen. Beide hängen sehr daran. Aus gutem Grund: Das Kunstwerk ist der einzige Gegenstand, den die Janitzkas aus ihrem alten Zuhause retten konnten. Der einzige. Ansonsten wurde alles restlos zerstört – vom Hochwasser, das in dem alten Haus bis kurz unters Dach stand. Das Haus muss demnächst abgerissen werden, so wie viele weitere Häuser hier in Fischbeck, jenem Ort in Sachsen-Anhalt, der es Anfang Juni bundesweit zu einer traurigen Berühmtheit gebracht hat.

Filmreife Szenen in Fischbeck

In der Nacht vom 9. auf den 10. Juni brach der Elbedeich in Fischbeck auf einer Länge von rund 50 Metern. Gewaltige Wassermassen strömten ungebremst ins Land hinein. Binnen Minuten mussten die Janitzkas ihr Haus verlassen, nur mit dem, was sie am Leib trugen. Auch die 30 Kaninchen, die hinter dem Haus in ihren Ställen waren, musste die Familie zurücklassen. Tochter Christin war bereits zuvor evakuiert worden. Die 24-Jährige ist
schwer behindert.

Am gebrochenen Deich spielten sich in der Folgezeit filmreife Szenen ab. Szenen, die dem kompletten Gegenteil der lieblichen Landschaft auf Janitzkas Gemälde entsprachen: Während Polizeipanzer für eine apokalyptische Stimmung sorgten und ratternde Bundeswehr-Hubschrauber überdimensionale Sandsäcke ins Wasser warfen, wurden in einer spektakulären Aktion drei Frachtkähne gesprengt, um diese als riesige Stöpsel für die Deichbruchstelle zu verwenden.

Christin kam in einer Einrichtung der Lebenshilfe unter. Die Eltern richteten sich übergangsweise in einem nahen, leer stehenden Konsum-Supermarkt ein. Doch Vater Hans-Peter hielt die Ungewissheit nur wenige Tage aus: Er entschloss sich, zu seinem Haus zurückzukehren, um sich einen Überblick zu verschaffen. „Nachts bin ich erst einmal ein Stück durch den dunklen Wald gegangen. Doch um das Haus herum stand alles noch unter Wasser. Ich schwamm rund 100 Meter zum Haus – alles war zerstört. Von den Kaninchen war nichts mehr zu sehen, sie wurden weggeschwemmt.“ Das Haus stand zehn Tage unter Wasser, es wurde vollständig unterspült und ist einsturzgefährdet. Schnell war klar: Es bleibt nur der Abriss.

Vormieter hatten Pferde in der Wohnung

Von ihrem Notquartier im Supermarkt aus machten sich die Janitzkas auf die Suche nach einem neuen Zuhause. Sie fanden es gleich gegenüber auf der anderen Straßenseite: Eine Wohnung, die zuvor Mietnomaden bewohnt hatten und die sich in einem jämmerlichen Zustand befand. „Die Vormieter besaßen zwei Pferde“, sagt Hans-Peter Janitzka. „Und in der Hochwasserphase brachten sie die Tiere doch tatsachlich in der Wohnung unter.“ Mit dem Rückgang des Wassers habe sich dann auch die Familie mitsamt den Pferden davongemacht.

Die Janitzkas standen vor der Mammutaufgabe, ihre neue Bleibe bewohnbar zu machen. Hilfe fanden sie beim Arbeiter-Samariter-Bund. „Wir haben Handwerker angestellt, die Flutopfer beim Wieder- oder Neuaufbau kostenlos unterstützen“, erklärt Stefan Eichler vom ASB Altmark. Drei dieser sogenannten „mobilen Engel“ seien zwei Wochen lang bei den Janitzkas im Einsatz gewesen. Tapete abreißen, grundieren, tapezieren, neu streichen und die Vorbereitungsarbeiten für den Fliesenleger. Schon bald können die Janitzkas in die neue Wohnung einziehen.

„Wegen der hohen Auftragslage finden viele Menschen derzeit keine Handwerker“, sagt ASB-Fluthilfekoordinator Dirk Biereige. „Weil aber der Winter vor der Tür steht, kann der Wiederaufbau nicht warten. Daher sind wir schnell mit konkreter Hilfe aktiv geworden.“ Der ASB hat neben den Handwerkern auch weitere Mitarbeiter, die sich speziell um das seelische Wohl der Menschen kümmern – oder betroffene Familien bei der Kinderbetreuung unterstützen.

Fischbeck blickt nach vorne – auch dank des Arbeiter-Samariter-Bundes.

Quelle: aktion-deutschland-hilft.de

Hochwasser 2013: Fischbeck ist weit entfernt von der Normalität

Veröffentlicht: September 16, 2013 von fluthelfer in Fischbeck

Das Dorf Fischbeck hat der Flut 2013 ein Gesicht gegeben. Hinter den Fassaden kämpfen die Bewohner noch immer.

Fischbeck. Von den Fischen, die über die Straßen schwammen und in den Häusern, erzählen sie noch heute in Fischbeck. Neben dem täglichen Kampf brauchen sie auch etwas zum Schmunzeln und Wundern. Bis zu zwei Meter hoch stand das Elbewasser in dem Ort im Elbe-Havel-Winkel. Während viele um ihre Deiche bangten und verschont blieben, brach vor 100 Tagen der Damm bei Fischbeck. Er ließ sich nur mit drei spektakulär gesprengten Lastkähnen verschließen.

Wer heute durch das Dorf fährt, denkt, die Welt sei wieder in Ordnung. Das Wasser ist weg, ebenso der Gestank von den Tierkadavern. Es sind schon wieder Blumen und Sträucher gepflanzt. Aber das Bild trügt. Die Fischbecker sind weit entfernt von einem normalen Leben.

„Kommen Sie rein, sehen Sie sich alles an.“ In Gummistiefeln und Fleecejacke steht die 73-jährige Karin Standke in ihrem Haus. Gleich hinter der Tür führt der erste Schritt durch Sand, drei Holzbretter ebnen den Weg. Einen Meter hoch stand das Wasser hier. Das Haus ist entkernt. „Mit dem Trocknen bin ich fertig“, sagt die Seniorin. Zehn Trockengeräte liefen sechs Wochen lang Tag und Nacht. Bis Weihnachten soll die Arbeit im Haus erledigt sein.

„Die meisten Einwohner wollen zurück nach Fischbeck.“

Bodo Ladwig, Bürgermeister

Wie Standke wollen die meisten der 400 Fischbecker ihre Häuser wieder aufbauen, sagt Bürgermeister Bodo Ladwig. Vereinzelt stünden Häuser zum Verkauf, einige Familien ziehen weg. „Die meisten Einwohner wollen aber zurück nach Fischbeck.“ Zwölf Häuser in Wust-Fischbeck müssten abgerissen werden, sagt Ladwig. Allein an den kommunalen Straßen entstand ein Schaden von 3,7 Millionen Euro, dazu kommen 2,6 Millionen Euro für Schäden an Sport- und Spielplätzen sowie dem Bürgerhaus.

Die Fischbecker hätten vieles selbst in die Hand nehmen müssen. Bis jetzt wisse er von niemandem, der Geld aus dem Acht-Milliarden-Euro-Hilfsfonds erhalten habe. Ladwig betont aber, wie dankbar alle Fischbecker für die Spenden und die Hilfe sind. Wenn andere Dörfer auch schon Dankeschön-Veranstaltungen für die Helfer organisieren: „Im Moment sind wir emotional nicht in der Lage dazu, wir werden das im Frühjahr nachholen.“

Quelle: wz-newsline.de

Rüsselsheimer Katholiken stiften Benzingeld für Fluthilfe-Transport

Veröffentlicht: August 31, 2013 von fluthelfer in Fischbeck

Um ein Haar hätte sich der Albtraum des Markus Kuntzsch erfüllt. Die Rettung für den Fluthelfer und seine Mitstreiter, Spender und Helfer, kam in letzter Minute. Zwölf Pfarrgemeinden des katholischen Dekanates Rüsselsheim erklärten sich am Mittwochabend spontan bereit, die noch fehlenden 400 Euro Benzingeld aufzubringen. Damit machten sie es möglich, dass die Hilfsgüter am Donnerstag und Freitag geladen und am heutigen Samstag mit zwei Lastzügen und einem Transporter zu den Familien nach Fischbeck gebracht werden können. Der Caritasverband streckte die Summe vor und holt sich die Beiträge nun bei den Gemeinden zurück, wie Roman Kotyga erklärte. Am Freitag nahmen Kuntzsch und Markus Jonas das Geld freudestrahlend in Empfang.

Unerwartete Fügung

Gleich als die „Main-Spitze“ am Mittwoch dem Caritas-Mann die Notlage geschildert hatte, war Kotyga sicher gewesen: „Es müsste mit dem Teufel zugehen, wenn wir das nicht hinbekämen. Und der Teufel hat bekanntlich in der Kirche nichts zu suchen.“ Nicht religiöse Menschen würden es Zufall nennen, Christen erkennen so etwas als Fügung: Just für Mittwochabend war aus anderem Anlass ein Treffen Dekan Norbert Kissels, der Pfarrer und weiterer Hauptamtlicher in Groß-Gerau angesetzt. Kotyga konnte dort das Anliegen vortragen und sofort wurde einmütig beschlossen, die Flutopfer, Kuntzsch samt seinen Helfern sowie all die Menschen, die seit Wochen gute Sachspenden in die ehemalige GEL-Speditionshalle in Raunheim gebracht hatten, zu unterstützen. Damit entsprechen die Katholiken dem Ergebnis der Ermittlungen, die wie berichtet im Auftrag ihres Mainzer Bischofs exemplarisch im Dekanat vorangetrieben worden waren und bringen sich noch stärker sozial handelnd in die Gesellschaft ein, als bisher. Wie Kotyga am Freitag der „Main-Spitze“ erläuterte, haben Caritas und die Pfarrgemeinden Kuntzsch und seinen Helfern von der neuen Interessengemeinschaft „2react“ angeboten, künftig häufiger für Menschen in Not zusammenzuwirken.

Ökumenischer Beistand

Die ursprünglich von Bianca Dühnen-Schweitzbacher ins Leben gerufene große Hilfsaktion für die Fischbecker Familien hätte ohne die evangelische Bonhoeffer-Gemeinde nicht in Schwung kommen können, die Lagerraum zur Verfügung stellte sowie mitsortierte und mitbelud. Kuntzsch wirkte als Fahrer am zweiten Transport mit und übernahm schließlich die Organisation. Die Unterstützung von zwölf katholischen Gemeinden hat es nun möglich gemacht, den dritten Transport auf die Reise zu schicken. Eine ökumenische Klammer, für deren Zustandekommen Kuntzsch allen dankt. Glücklich ist er auch über die Qualität fast aller Sachspenden. Während wenige Menschen versuchten, bei ihm Sperrmüll loszuwerden, haben ihm viele so gute Sachspenden gebracht, dass er sich schon jetzt auf die Gesichter der Empfänger in Sachsen-Anhalt freuen kann. Kinderspielzeug wurde so reichlich geschenkt, dass der Fischbecker Bedarf gedeckt ist. Ja noch mehr: Mit Einverständnis der Spenderfamilien wurde der Überschuss jetzt Helfern der Rüsselsheimer „Tafel“ zur Weitergabe an bedürftige hiesige Familien überreicht. Und einige Spiele lenken nun Kinder ab, die in der Kinderstation des hiesigen Krankenhauses auf Genesung warten.

Ein Haufen Trümmer ist alles, was vom Zuhause der Familie Reimann übriggeblieben ist. Der Abrissbagger greift seit gestern früh nach dem letzten Stück Erinnerung aus der Zeit vor dem Fischbecker Deichbruch.

 

„Das war’s!“ Als die Schaufel Montagfrüh kurz nach 8 Uhr das erste Mal zugreift und ein Stück Mauer am Giebel des Hauses „abknabbert“, können Elke und Rüdiger Reimann nicht mehr machen als zuzusehen. Und die Gedanken zurückschweifen lassen in die Zeit vor dem 10. Juni, als die Welt für sie und so viele andere Fischbecker und Menschen im Elbe-Havel-Land noch in Ordnung war. Der Deichbruch veränderte alles. Denn das über einen Meter hoch im Haus stehende Wasser machte das Gebäude unbewohnbar. Die rund 100 Jahre alten Wände teilweise aus Lehm weichten auf, die Decke drohte einzustürzen. „Totalschaden!“ lautete das Urteil des Bausachverständigen. Also blieb dem Ehepaar nichts anderes übrig, als zusammen mit Helfer alles das auszubauen, was man später noch irgendwie wiederverwenden kann. Die Dachziegel beispielsweise waren neu, auch die Fenster. Die schicken Fliesen aus Italien, auf die Reimanns lange gespart hatten, zermalmt jetzt der Abrissbagger. „Da steckt so viel Arbeit drin!“ seufzt der Familienvater und denkt an die Stunden, die er als gelernter Maurer auf der Baustelle gerackert hat. 1988 kauften Reimanns das alte Haus, sanierten es und zogen im August 1989 ein. Nach der Wende ist alles nicht mehr zeitgemäß und erneut machen sie sich an die Modernisierung. Rüdiger Reimann erkrankt 1996 an Leukämie, muss immer wieder ins Krankenhaus, bis heute gibt es gute und schlechte Tage. Diese schlechten Tage verdrängt er, hat kaum Zeit, sich die vom Arzt verordnete Ruhe zu gönnen und abzuschalten.

Deshalb fieberten Reimanns auch dem Tag entgegen, an dem der Abrissbagger endlich anrollt. „Wir sind einfach nur erleichtert, dass alles weg kommt und wir neu anfangen können!“ sprechen sie sich gestern Mut zu. Jedem Griff der Baggerschaufel schaut das Ehepaar zu, vor Augen die schöne Zeit, als sie hier die drei Kinder groß zogen. „Am Mittwoch sind wir fertig“, verspricht Bauleiter Steffen Stappenbeck von der Tangerhütter Abrissfirma. Die hat auch schon das geflutete Haus von Fischer Gernot Quaschny in Hohengöhren dem Erdboden gleich gemacht.

Reimanns Blick in die Zukunft ist nur verhalten optimistisch. Denn noch hat die Versicherung kein grünes Licht für ein neues Haus gegeben. „Wir warten und warten, das macht mürbe“, ist Elke Reimann langsam am Ende der Geduld. Denn zu gern würden sie planen und Nägel mit Köpfen machen. „Aber solange wir nicht wissen, wieviel Geld es gibt, sind uns die Hände gebunden“. Das Ehepaar liebäugelt mit einem Fertighaus. „Wir kriegen ja hier keine Firma, die uns relativ schnell ein neues Haus baut, die Baubetriebe in der Region sind monatelang ausgebucht.“

Und bis übernächstes Jahr warten, bis sie wieder ein eigenes Reich haben, wollen Reimanns nicht, „jeder Tag im Neubau ist einer zu viel“. Auch wenn sie es sich im Block am Fischbecker Ortsrand gemütlich eingerichtet haben, fühlen sie sich hier nicht zu Hause. Mindestens fünf Häuser in Fischbeck werden abgerissen, erklärt Bürgermeister Bodo Ladwig. Einige Familien sind baulich schon so weit, dass sie den Wiedereinzug für Herbst planen.

Die Verbandsgemeinde ist gerade dabei, die genauen Schäden an Straßen, Wegen und gemeindeeigenen Gebäuden im Elbe-Havel-Land zu ermitteln, bis Anfang September muss die Liste beim Land vorliegen. Genauso wichtig wie der Wiederaufbau ist dem Bürgermeister der schnelle Bau des neuen Deiches. An einem vor wenigen Tagen vorgestellten Plan für ein acht Kilometer langes Stück von Jerichow bis zur B188 wird jetzt gefeilt, im Frühling ist Baustart für den ersten Abschnitt.

Auch Reimanns drängen auf einen schnellen Deichbau, „das Wetter wird immer extremer und bis zum nächsten Hochwasser wird es wohl nicht lange dauern“. Ihr neues Haus muss dann sicher sein. „Wenn es bloß schon soweit wäre, dass wir einziehen können!“ Reimanns hoffen auf schnelle Antwort von der Versicherung und dass die Baugenehmigung auch nicht lange auf sich warten lässt. Zeitliche Pläne schmieden sie nicht, nur eines ist gewiss: „Nächstes Jahr um diese Zeit wachsen im Garten wieder Blumen“.

Quelle: volksstimme.de

Ramsauer lobt professionellen Wiederaufbau

Veröffentlicht: Juli 31, 2013 von fluthelfer in Fischbeck

Innerhalb von nur wenigen Tagen hatte das Hochwasser im Juni nach einem Deichbruch große Gebiete nördlich von Fischbeck überflutet. Die Reparaturen an der Infrastruktur dauern dagegen Monate.

Die Deutsche Bahn will bis Ende September ein Reparaturkonzept für die vom Hochwasser beschädigte ICE-Trasse nördlich von Fischbeck vorlegen. Erst dann könne prognostiziert werden, wann die Trasse für die ICE-Verbindung von Hannover nach Berlin wieder in Betrieb genommen werde, sagte der Infrastruktur-Vorstand der Bahn, Volker Kefer, am Dienstag bei einem Besuch von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) in der vom Hochwasser besonders betroffenen Region um Fischbeck. Die ICEs werden derzeit umgeleitet, was zu deutlichen längeren Fahrzeiten führt.

Derzeit wird mit Radarmessungen untersucht, ob sich tief unter der überspülten Trasse Hohlräume gebildet haben. „Wir brauchen Sicherheit, was den Untergrund angeht“, sagte Kefer. Die Bahn demonstrierte mit einem langsam fahrenden Bauzug, dass derzeit Wasser aus dem Beton der Trasse quillt, sobald sie belastet wird. Hohlräume wurden bei den bisherigen Radarmessungen allerdings noch nicht gefunden.

Ramsauer lobte den Wiederaufbau nach dem Hochwasser. „Ich bin wirklich überrascht, mit welchem Hochdruck und mit welcher Professionalität man mit den Schäden umgeht“, sagte er. In Fischbeck war ein Elbedeich gebrochen, wodurch riesige Landstriche unter Wasser gesetzt wurden. Erst an der Bruchstelle versenkte Lastkähne stoppten die Wassermassen.

Inzwischen grasen wieder Schafe auf dem Deich, der mit Spundwänden provisorisch repariert wurde. In der Region sind aber noch zahlreiche Felder gelb, weil die Pflanzen das Hochwasser nicht überlebten. Viele Menschen entrümpeln noch ihre überfluteten Keller, teilweise liegt meterhoch der Sperrmüll am Straßenrand.

Ramsauer besichtigte auch eine vom Hochwasser zerstörte Straßenbrücke bei Klietz. Hier soll in Kürze eine provisorische Brücke errichtet werden, erst 2015 wird eine neue Brücke fertig sein, wie Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Thomas Webel (CDU) erklärte.

Ramsauer sagte weiter, die Voraussetzungen für die Aufbauhilfe seien nun geschaffen worden. In der kommenden Woche werde das Kabinett die von Bund und Ländern vereinbarte Acht-Milliarden-Hilfe verabschieden.

Quelle: mz-web.de

Ungewöhnliche Spende: Haustiere für Fischbeck

Veröffentlicht: Juli 30, 2013 von fluthelfer in Fischbeck
Eine ungewöhnliche Spende haben Mitarbeiter des Jobcenters im Landkreis Harz an die Bewohner von Fischbeck übergeben.
Neben Spielsachen und Sitzbänken gingen auch Tiere auf die Reise in den vom Hochwasser heimgesuchten Ort. Mitarbeiter des Jobcenters und von Harzer Bildungswerken hatten sie gespendet, da viele Bewohner in Fischbeck auch ihre Tiere verloren hatten. Fünf Hühner, ein Hahn, ein Hase und eine Häsin wurden an den Fischbecker Bürgermeister Bodo Ladwig (parteilos) übergeben. Bei den Hühnern sei eigens eine Rasse ausgewählt worden, die cholesterinarme Eier legt, sagte eine Sprecherin des Jobcenters. Cholesterin gelte als eine Ursache für hohen Blutdruck – und für den habe die Flut schon reichlich gesorgt.
Quelle: focus.de

Deich bei Fischbeck wird 2014 neu gebaut

Veröffentlicht: Juli 27, 2013 von fluthelfer in Fischbeck

Der Elbedeich bei Fischbeck soll zügig neu gebaut werden. Das hat der Chef des Landesbetriebs für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft, Burkhard Henning, auf einem Forum von MDR SACHSEN-ANHALT in Schönhausen angekündigt. Der Deich werde DIN-gerecht auf einer Länge von acht Kilometern erneuert, hieß es. Dies betreffe den Abschnitt von Jerichow in Richtung Norden bis zur Bundesstraße 188. Auch die übrigen, unsicheren Deichgebiete sollten so schnell wie möglich angepackt werden, kündigte Henning an. Der Bürgermeister der Gemeinde Elbe-Havel-Land, Bernd Witt, sagte, es seien Nägel mit Köpfen gemacht worden.

Unsanierter Deich brach durch Hochwasser

Der unsanierte Elbedeich bei Fischbeck hatte dem Hochwasser nicht standgehalten und war gebrochen. Weite Teile des Elb-Havel-Winkels liefen mit Wasser voll. In gut 20 Ortschaften wurden enorme Schäden verursacht. Erst nach einer Woche konnte das Leck im Deich wieder geschlossen werden. Dazu wurden Lastkähne versenkt. Mittlerweile wurden die Schiffe wieder entfernt. Eine Spundwand dichtet nun den Deich ab.

Am Dienstag hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel das Hochwassergebiet in der Altmark besucht. Dabei sagte die Regierungschefin den Opfern im Elb-Havel-Winkel schnelle Hilfe zu. Noch im August solle erstes Geld aus dem Hilfsfonds von Bund und Ländern fließen.

Quelle: mdr.de

Versenkte Schiffe aus Fischbeck landen auf dem Schrott

Veröffentlicht: Juli 18, 2013 von fluthelfer in Fischbeck

Am gebrochenen Elbdeich bei Fischbeck gab es während der Elbeflut keine andere Lösung: Es wurden Schiffe versenkt, um die Region zu retten. Jetzt landen sie auf dem Schrott

Schiffeversenken gegen die Elbeflut: Von der spektakulärsten Aktion des Juni-Hochwassers am Deichbruch bei Fischbeck sind nur noch handliche Schrottteile übrig. Vor fünf Wochen waren auf einer Länge von rund 100 Metern drei Lastkähne gesprengt und auf Grund gesetzt worden, um den Elbe-Havelwinkel vor weiteren Elbefluten zu schützen. Sachsen-Anhalt hatte die ausgedienten, riesigen Wannen für die deutschlandweit beispiellose Sprengung kurzerhand für mehrere Hunderttausend Euro gekauft. Die Aktion gelang. Die Wassermassen wurden gestoppt. Zurück blieb der Schrott.

Abbau in meterhohem Wasser

„An den ersten Tagen standen wir noch im meterhohen Wasser“, erinnert sich der Magdeburger Abbruchunternehmer Siegward Geistlinger. Sein Unternehmen beseitigt die Altlast der Flut seit dem 27. Juni. Drei Mitarbeiter rückten den Kolossen mit Bagger und hydraulischer Schrottschere zu Leibe

Übrig blieben Schrottteile von weniger als 1,50 Meter Länge sowie 50 Zentimetern Breite und Tiefe. Zusammen seien das etwa 400 Tonnen Altmetall, die auf einen Stendaler Schrottplatz transportiert wurden, berichtet Geistlinger. Der 70-jährige Unternehmer war zu den Hoch-Zeiten immer mit im Einsatz in Fischbeck.

Inzwischen sind nur noch ein paar Schrotthaufen übrig. Für Geistlinger ist es schwierig, einen Transportunternehmer zu finden, der ihm die verbliebenen Überreste der Kähne wegschafft. Bis Ende der Woche soll es geschafft sein. Dann widmet sich der Abbruchunternehmer wieder dem klassischen Abriss von Gebäuden.

Unkonventionelle Idee kam von der Bundeswehr

Die unkonventionelle Idee, die Lastkähne als Barriere gegen das Elbehochwasser zu versenken, kam aus den Reihen der Bundeswehr. Der Chef des Landeskommandos Sachsen-Anhalt, Oberst Claus Körbi, brachte sie in den Krisenstab der Landesregierung ein. Niemand wollte weiter zusehen, wie die Elbefluten wasserfallartig in den Elbe-Havel-Winkel hineinströmten. Körbi sagte vorher: „Ob das funktioniert, können wir so zurzeit noch nicht sagen.“ Es klappte. In einem nächsten Schritt muss der gebrochene Deich wieder hergestellt werden.

Den Wunsch, sich ein Stück der Schiffe zu sichern – ob für den Garten oder den Schreibtisch – scheint es nicht zu geben. „Anfragen zur Sicherung eventueller Erinnerungsstücke haben dem Landkreis nicht vorgelegen“, hieß es im Landratsamt in Stendal. Abbruchunternehmer Geistlinger allerdings sind fünf Anker in Fischbeck geklaut worden. Das dürften aber eher Schrottdiebe gewesen sein.

Quelle: mz-web.de

Warme Mahlzeit aus der Notkantine

Veröffentlicht: Juli 17, 2013 von fluthelfer in Fischbeck

In Fischbeck, das von der Elbflut überrollt wurde, beginnt der Wiederaufbau oft mit einem Abriss. Die Einwohner fragen sich, ob sie dem Deichbruch geopfert worden sind.

Die beiden Weidenbäumchen vor dem Backsteinhaus in der Kabelitzer Straße 7 erhalten eine neue Kugelkopffrisur. Ein Mann setzt die elektrische Heckenschere immer wieder an, damit aus der Kugel kein Ei wird. Als ob es nichts Wichtigeres gäbe, wo man in Fischbeck Hand anlegen könnte!

Nein, gibt es nicht. „Es soll ordentlich aussehen“, sagt die 73 Jahre alte Karin Standke. Denn sonst ist in ihrem Haus und in ihrer Welt nichts mehr in Ordnung. Das Erdgeschoss ist leer geräumt, alle Möbel und Einrichtungsgegenstände sind abtransportiert und auf dem Sperrmüll gelandet. Von den Wänden ist eineinhalb Meter hoch der Putz abgeklopft. Die Reste lassen noch erkennen, dass dies mal ein gepflegtes Haus war. In allen Räumen stehen Trocknungsgeräte. 1300 Liter Wasser haben sie in zehn Tagen aus dem Gemäuer geholt, sagt der Mann mit der Heckenschere. Karin Standke hofft, dass die Versicherung auch die Stromrechnung übernimmt, sie hat den Zählerstand aufgeschrieben. Fünf Wochen nach dem Bruch des Elbe-Deichs hat der Wiederaufbau begonnen, der zunächst oft ein Abriss ist.

In der ganzen Kabelitzer Straße sieht es so aus. Niemand kann in seiner Wohnung leben. Joachim Klemm ist froh, dass das Wasser nur bis zur Fensterlaibung gestiegen ist – die Fenster können drinbleiben. Um ihn herum aber sieht es schlimm aus. Stellenweise steht nur noch das Fachwerk zwischen den Zimmern – die Lehmfüllung hat das Wasser ausgespült. Schräg gegenüber ein ähnliches Haus, auch aus Lehm gebaut. Das Stroh, das den Lehm mehr als 100 Jahre zusammenhielt, hängt jetzt innen aus den Wänden heraus. Das Haus ist nicht zu retten und muss abgerissen werden. Guido Lüdtke, wieder ein Stück weiter, hat damit begonnen, einen Stall hinter seinem Haus abzureißen. Das Wasser, das 14 Tage stand, hat das alte Gemäuer instabil werden lassen. Da bleibt nur der Abriss.

„Die Menschen funktionieren nur“

Bei Gernot Quaschny, dem einzigen Elbfischer in der Gegend, hat ein Bagger damit begonnen, sein Elternhaus – gut zwei Kilometer von der Elbe entfernt – abzureißen. Die Bausubstanz ist zu stark beschädigt. Er möchte einen Hügel von 2,50 Meter Höhe zusammenschieben und darauf ein Holzhaus errichten. Das geht schnell, dann soll es weitergehen. Derweil wohnt er bei seiner Lebensgefährtin. Während der Flut hat Quaschny mit seinem Fischerboot Menschen und Sachen transportiert, weil anderer Verkehr gar nicht möglich war. Er zeigt auf seinen etwa zwei Meter hohen Zaun: „Da bin ich mit dem Boot drübergefahren.“

Überall in Fischbeck, Kabelitz und Wust wird angepackt. Sie wollen nicht weg von ihren Häusern und aus ihrer Heimat. Warum auch? Fischbeck liegt nicht im Überschwemmungsgebiet. „Das letzte Hochwasser liegt mehr als 100 Jahre zurück“, sagt einer. Wenn der Deich nicht gebrochen wäre – Fischbeck wäre auch dieses Mal trocken geblieben. Nun steht in allen Kellern das Wasser. Das Grundwasser, das mit der Elbe steigt, ist durch die Wände eingedrungen. Es soll jetzt nicht abgepumpt werden, weil das die Statik des Hauses gefährden würde.

Der Optimismus der Leute täuscht. „Die Menschen funktionieren nur“, sagt Pfarrer Enders vom Kirchenkreis Stendal, zu dem Fischbeck gehört. Wie recht er hat! Schon bei der vorsichtigen Frage „Und wie geht es Ihnen dabei?“ wird die Stimme brüchig, und die Tränen laufen. Viele stehen vor dem Scherbenhaufen ihres Lebenswerks.

Die Ernte ist mit untergegangen

Die meisten sind irgendwie versichert, die einen für das gesamte Gebäude, andere nur für den Hausrat. Die Versicherungsgutachter waren schon da und haben den Schaden aufgenommen. Aber das Geld lässt auf sich warten. „Wir brauchen das Geld jetzt, wenigstens eine Zahlungszusicherung“, sagt Guido Lüdtke. Jede Fuhre vom Baumarkt, jeder Sack Zement, jeder Spaten kostet Geld. Bei dem Thema kommt Ärger auf. Sie wissen nicht, wann, wie und wo sie die Anträge für die staatliche Hilfe stellen können. Es gebe keine Informationen. Sie fürchten, dass alles viel bürokratischer ist als angekündigt. Sie haben auch Sorge, dass von den acht Milliarden Euro nur Straßen, Brücken und öffentliche Einrichtungen repariert werden.

Auch von den Spenden ist noch nichts bei ihnen angekommen. In Fischbeck hat man nun einen „Runden Tisch“ gebildet. Der Gemeinderat berät, wie die Spenden verteilt werden, die bei der Gemeinde oder beim Kirchenkreis angekommen sind. Es soll schnell gehen und den Leuten Mut machen. „Du stehst mit deinem Schaden nicht allein da“, sagt Pfarrer Enders, „und gerecht soll es zugehen.“ Die beste Vorkehrung, dass keiner übervorteilt wird: „Wir kennen uns hier.“

Die Fäden laufen beim ehrenamtlichen Bürgermeister Bodo Ladwig zusammen. Ihn hat die Flut dreifach getroffen. Im Hauptberuf gehört der 59 Jahre alte Mann zur Leitung der örtlichen Agrargenossenschaft. Schon damit hätte er genug zu tun, denn noch immer stehen die Felder teilweise unter Wasser, die Ernte ist in diesem Jahr mit untergegangen, und was im nächsten Jahr wird, weiß noch niemand. Außerdem ist er selbst Geschädigter und muss sich um das eigene Haus kümmern. Schließlich muss er als Bürgermeister die Notlage in seinem Ortsteil bewältigen. Seit fünf Wochen tut er nichts anderes. Zunächst galt es, die gefährdeten Straßenzüge zu evakuieren, dann waren die Tierkadaver zu beseitigen, denn viele Haustiere, vom Esel bis zum Huhn, die hinter den Häusern und auf Wiesen gehalten wurden, waren verendet.

Die Menschen fürchten, alleingelassen zu werden

Die Stromversorgung war sicherzustellen und eine Notversorgung für die Menschen zu organisieren. Die ist noch heute aktiv. In einer Scheune werden Sachspenden, Waschpulver, Hundefutter, Nahrungsmittel, ausgegeben. In Fischbeck gibt es keinen Kaufladen. Eine Art Notkantine sorgt für eine warme Mahlzeit, da ja auch die Kücheneinrichtungen im Wasser untergegangen sind. Ein großer koreanischer Hersteller von Elektrogeräten hat zehn Waschmaschinen und zehn Trockner zur Verfügung gestellt, dort wäscht Dorte Steuern aus dem Nachbarort die Wäsche für das halbe Dorf.

Quelle: faz.net

Warme Mahlzeit aus der Notkantine

Veröffentlicht: Juli 17, 2013 von fluthelfer in Fischbeck

In Fischbeck, das von der Elbflut überrollt wurde, beginnt der Wiederaufbau oft mit einem Abriss. Die Einwohner fragen sich, ob sie dem Deichbruch geopfert worden sind.

Die beiden Weidenbäumchen vor dem Backsteinhaus in der Kabelitzer Straße 7 erhalten eine neue Kugelkopffrisur. Ein Mann setzt die elektrische Heckenschere immer wieder an, damit aus der Kugel kein Ei wird. Als ob es nichts Wichtigeres gäbe, wo man in Fischbeck Hand anlegen könnte!

Nein, gibt es nicht. „Es soll ordentlich aussehen“, sagt die 73 Jahre alte Karin Standke. Denn sonst ist in ihrem Haus und in ihrer Welt nichts mehr in Ordnung. Das Erdgeschoss ist leer geräumt, alle Möbel und Einrichtungsgegenstände sind abtransportiert und auf dem Sperrmüll gelandet. Von den Wänden ist eineinhalb Meter hoch der Putz abgeklopft. Die Reste lassen noch erkennen, dass dies mal ein gepflegtes Haus war. In allen Räumen stehen Trocknungsgeräte. 1300 Liter Wasser haben sie in zehn Tagen aus dem Gemäuer geholt, sagt der Mann mit der Heckenschere. Karin Standke hofft, dass die Versicherung auch die Stromrechnung übernimmt, sie hat den Zählerstand aufgeschrieben. Fünf Wochen nach dem Bruch des Elbe-Deichs hat der Wiederaufbau begonnen, der zunächst oft ein Abriss ist.

In der ganzen Kabelitzer Straße sieht es so aus. Niemand kann in seiner Wohnung leben. Joachim Klemm ist froh, dass das Wasser nur bis zur Fensterlaibung gestiegen ist – die Fenster können drinbleiben. Um ihn herum aber sieht es schlimm aus. Stellenweise steht nur noch das Fachwerk zwischen den Zimmern – die Lehmfüllung hat das Wasser ausgespült. Schräg gegenüber ein ähnliches Haus, auch aus Lehm gebaut. Das Stroh, das den Lehm mehr als 100 Jahre zusammenhielt, hängt jetzt innen aus den Wänden heraus. Das Haus ist nicht zu retten und muss abgerissen werden. Guido Lüdtke, wieder ein Stück weiter, hat damit begonnen, einen Stall hinter seinem Haus abzureißen. Das Wasser, das 14 Tage stand, hat das alte Gemäuer instabil werden lassen. Da bleibt nur der Abriss.

„Die Menschen funktionieren nur“

Bei Gernot Quaschny, dem einzigen Elbfischer in der Gegend, hat ein Bagger damit begonnen, sein Elternhaus – gut zwei Kilometer von der Elbe entfernt – abzureißen. Die Bausubstanz ist zu stark beschädigt. Er möchte einen Hügel von 2,50 Meter Höhe zusammenschieben und darauf ein Holzhaus errichten. Das geht schnell, dann soll es weitergehen. Derweil wohnt er bei seiner Lebensgefährtin. Während der Flut hat Quaschny mit seinem Fischerboot Menschen und Sachen transportiert, weil anderer Verkehr gar nicht möglich war. Er zeigt auf seinen etwa zwei Meter hohen Zaun: „Da bin ich mit dem Boot drübergefahren.“

Überall in Fischbeck, Kabelitz und Wust wird angepackt. Sie wollen nicht weg von ihren Häusern und aus ihrer Heimat. Warum auch? Fischbeck liegt nicht im Überschwemmungsgebiet. „Das letzte Hochwasser liegt mehr als 100 Jahre zurück“, sagt einer. Wenn der Deich nicht gebrochen wäre – Fischbeck wäre auch dieses Mal trocken geblieben. Nun steht in allen Kellern das Wasser. Das Grundwasser, das mit der Elbe steigt, ist durch die Wände eingedrungen. Es soll jetzt nicht abgepumpt werden, weil das die Statik des Hauses gefährden würde.

Der Optimismus der Leute täuscht. „Die Menschen funktionieren nur“, sagt Pfarrer Enders vom Kirchenkreis Stendal, zu dem Fischbeck gehört. Wie recht er hat! Schon bei der vorsichtigen Frage „Und wie geht es Ihnen dabei?“ wird die Stimme brüchig, und die Tränen laufen. Viele stehen vor dem Scherbenhaufen ihres Lebenswerks.

Die Ernte ist mit untergegangen

Die meisten sind irgendwie versichert, die einen für das gesamte Gebäude, andere nur für den Hausrat. Die Versicherungsgutachter waren schon da und haben den Schaden aufgenommen. Aber das Geld lässt auf sich warten. „Wir brauchen das Geld jetzt, wenigstens eine Zahlungszusicherung“, sagt Guido Lüdtke. Jede Fuhre vom Baumarkt, jeder Sack Zement, jeder Spaten kostet Geld. Bei dem Thema kommt Ärger auf. Sie wissen nicht, wann, wie und wo sie die Anträge für die staatliche Hilfe stellen können. Es gebe keine Informationen. Sie fürchten, dass alles viel bürokratischer ist als angekündigt. Sie haben auch Sorge, dass von den acht Milliarden Euro nur Straßen, Brücken und öffentliche Einrichtungen repariert werden.

Auch von den Spenden ist noch nichts bei ihnen angekommen. In Fischbeck hat man nun einen „Runden Tisch“ gebildet. Der Gemeinderat berät, wie die Spenden verteilt werden, die bei der Gemeinde oder beim Kirchenkreis angekommen sind. Es soll schnell gehen und den Leuten Mut machen. „Du stehst mit deinem Schaden nicht allein da“, sagt Pfarrer Enders, „und gerecht soll es zugehen.“ Die beste Vorkehrung, dass keiner übervorteilt wird: „Wir kennen uns hier.“

Die Fäden laufen beim ehrenamtlichen Bürgermeister Bodo Ladwig zusammen. Ihn hat die Flut dreifach getroffen. Im Hauptberuf gehört der 59 Jahre alte Mann zur Leitung der örtlichen Agrargenossenschaft. Schon damit hätte er genug zu tun, denn noch immer stehen die Felder teilweise unter Wasser, die Ernte ist in diesem Jahr mit untergegangen, und was im nächsten Jahr wird, weiß noch niemand. Außerdem ist er selbst Geschädigter und muss sich um das eigene Haus kümmern. Schließlich muss er als Bürgermeister die Notlage in seinem Ortsteil bewältigen. Seit fünf Wochen tut er nichts anderes. Zunächst galt es, die gefährdeten Straßenzüge zu evakuieren, dann waren die Tierkadaver zu beseitigen, denn viele Haustiere, vom Esel bis zum Huhn, die hinter den Häusern und auf Wiesen gehalten wurden, waren verendet.

Die Menschen fürchten, alleingelassen zu werden

Die Stromversorgung war sicherzustellen und eine Notversorgung für die Menschen zu organisieren. Die ist noch heute aktiv. In einer Scheune werden Sachspenden, Waschpulver, Hundefutter, Nahrungsmittel, ausgegeben. In Fischbeck gibt es keinen Kaufladen. Eine Art Notkantine sorgt für eine warme Mahlzeit, da ja auch die Kücheneinrichtungen im Wasser untergegangen sind. Ein großer koreanischer Hersteller von Elektrogeräten hat zehn Waschmaschinen und zehn Trockner zur Verfügung gestellt, dort wäscht Dorte Steuern aus dem Nachbarort die Wäsche für das halbe Dorf.

Niemand hat hier etwas gegen Bürgermeister Ladwig. Aber hartnäckig hält sich die Überzeugung, dass Fischbeck geopfert worden sei. Das Wasser, das sich über Weiden und Felder ergoss, hat die Scheitelwelle um etwa 30 Zentimeter gesenkt und zum Beispiel Hitzacker gerettet. Die Verbandsgemeinde Wust-Fischbeck hat insgesamt 1600 Einwohner und besteht aus acht Ortsteilen. Nur drei davon, Wust, Kabelitz und Fischbeck, sind von der Elbeflut getroffen. Da wird das, was im Juni als „nationale Katastrophe“ beschworen wurde, ganz klein. Die Menschen fürchten, mit ihren großen Sorgen alleingelassen zu werden. „Wir brauchen die Klarheit, ob wir geopfert wurden, um hier weiterzuleben“, sagt Pfarrer Enders.

Inzwischen rollt der Verkehr wieder über die Hauptstraße in Fischbeck. Der eilige Autofahrer nimmt kaum etwas von dem wahr, was in Fischbeck passiert ist.

Quelle: faz.net

Fischbeck nach der Flut: Bauern hoffen auf schnelle Finanzhilfen

Veröffentlicht: Juni 21, 2013 von fluthelfer in Fischbeck

 

Das Wasser geht, die Existenzängste bleiben: Die Landwirte in der vom Hochwasser besonders betroffenen Region um Fischbeck im Norden Sachsen-Anhalts hoffen nun auf schnelle Finanzhilfen. «Es muss eine Sonderlösung für die Bauern her», sagte Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), am Freitag bei einem Besuch mehrerer Landwirtschaftsbetriebe in der Region. «500 Euro pro Hektar als Vorabzuschuss sind das mindeste.» Gerade im dünn besiedelten und von der Agrarwirtschaft geprägten Landesnorden seien die Bauern wichtige Arbeitgeber. «Man darf sie jetzt nicht alleinlassen», sagte Rukwied.

Nach Verbandsangaben stehen in Sachsen-Anhalt rund 115 000 Hektar unter Wasser, davon sind etwa 73 000 Hektar Äcker. Drei betroffene Agrarbetriebe erhielten von der Schorlemer Stiftung des DBV insgesamt 40 000 Euro Soforthilfe. (dpa/sa)

Quelle: fr-online.de

Felder unter Wasser – kein Futter für die Tiere

Veröffentlicht: Juni 21, 2013 von fluthelfer in Fischbeck

Heute kommt der Präsident des Landesbauernverbandes nach Fischbeck, um sich die Hochwasserschäden anzusehen. Die sind enorm in der Region, viele Felder stehen unter Wasser. Weil deshalb zum Beispiel Futter für Rinder fehlt, müssen manche Bauern Teile ihrer Herde verkaufen. Unsere Sachsen-Anhalt-Korrespondentin hat einen betroffenen Landwirt in Mangelsdorf besucht.

Im Kuhstall ist Aufruhr. Denn bei Sonnenaufgang werden 40 Rinder in einen Laster getrieben. Ihr Futtervorrat hat genau bis zum heutigen Tag gereicht. Damit sie nicht hungern müssen, werden sie verkauft. Am Sonntag war der Deich in Fischbeck gebrochen, einen Tag später kam das Wasser auch auf den Mangelsdorfer Weiden an. Gemeinsam mit Feuerwehrleuten konnten die Busses ihre achtzig Rinder noch rechtzeitig in den Stall bringen, bevor das Wasser die Weiden und die Heuwiesen überschwemmte und damit unbrauchbar machte. Deshalb muss Landwirt Hubertus Busse nun die Hälfte seine Rinderherde verkaufen: „Eigentlich ist der größte Schaden dadurch entstanden, dass wir die nicht mehr ausreichend versorgen können und zum großen Teil jetzt abgeben mussten – und uns dazu entschlossen haben, obwohl jetzt gerade die Herde anfing, sich finanziell selber zu tragen.“

Preisdrückerei beim Verkauf der Rinder

650 Euro pro Rind bekommt Hubertus Busse. 200 Euro mehr pro Rind sind üblich, aber Notlagen drücken die Preise. Immerhin kann er mit den Einnahmen das Futter für die andere Hälfte der Herde bezahlen. Dazu hofft er auf die 5.000 Euro Soforthilfe, die das Land Sachsen-Anhalt an Bauern zahlen will. Dafür muss er sich aber erst mal auf „Fotosafari“ begeben, wie er es nennt. Das Wort passt ganz gut, denn auf den überschwemmten Feldwegen kommt man nur im Jeep voran und aus dem Fenster sehen die Busses „Abenteuerliches“: „Hier die ganzen Zäune runter. Hier steht’s ja auch. Da hängt unser Heu. Das sind die Weiden links und rechts. Da sind Wasserwagen und die Tröge. Beim Wasserwagen waren die Räder nicht zu sehen, die waren weg.“

Mangelsdorf war eine Insel inmitten der Überschwemmungen rund um Fischbeck. Ins Dorf und die Häuser dort ist nur wenig Wasser gekommen. Die Busses hatten Glück im Unglück. Aber rundherum sind fast alle Felder überflutet. Anke und Hubertus Busse steigen aus und machen Fotos, um die Schäden zu belegen. Sie schätzen, dass 90 Prozent ihrer Flächen betroffen sind. Bodenproben müssen auf jeden Fall genommen werden. Aber als Weiden sind sie sowieso unbrauchbar, erklärt Landwirt Hubertus Busse. „Das erstickt ja unter Wasser. Und die Tiere riechen an ihrem Futter zur Beurteilung. Was mal unter Wasser war und modrig riecht, das fressen sie nicht mehr.“

Preistreiberei beim Kauf von Futter

Eine Kuh frisst gut 50 Kilo Heu am Tag. Also mussten die Busses schleunigst Futter organisieren. Mit Mühe haben sie noch einen Händler gefunden, bei dem sie 600 Heuballen bekommen. „Da zahlen wir 25 Euro pro Heuballen. Aber wir hatten auch ein Angebot aus Magdeburg für 50 Euro.“ Selbst ohne solche Preistreiberei kostet der Vorrat 15.000 Euro und reicht bis zum Herbst. Mit dem Verkauf der halben Herde und der Soforthilfe vom Land hoffen die Mangelsdorfer Landwirte, dass sie ihre Rinder ernähren und die Weiden wieder instand setzen können.

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Experten versenken drittes Schiff vor gebrochenem Deich

Veröffentlicht: Juni 17, 2013 von fluthelfer in Fischbeck

 

Mit einer einzigartigen Aktion haben Einsatzkräfte in Sachsen-Anhalt das Hochwasser der Elbe eingedämmt. Vor einem gebrochenen Deich bei Fischbeck versenkten sie drei Schiffe, um das Loch zu schließen. Außerdem werden Container und Betonteile versenkt. Es sei nur noch eine kleine Lücke in dem Deich, sagte ein Sprecherin des Krisenstabes.

Bereits am Samstag wurden dazu zwei Lastkähne an der Bruchstelle gesprengt. Ein drittes Schiff bugsierten die Experten am Sonntag vor die verbliebene etwa 20 Meter lange Lücke und versenkten es dort, wie der Krisenstab der Landesregierung in Magdeburg mitteilte. Hubschrauber warfen Sandsäcke auf die Barriere, um das Leck endgültig zu stopfen.

Deich zweimal gesprengt

Weiter südlich versuchten Einsatzkräfte derweil mit aller Gewalt, das Gegenteil zu erzielen. Gleich zweimal wurde der Saaledeich bei Breitenhagen gesprengt. Durch die entstandene rund 60 Meter breite Öffnung liefen die gewaltigen Wassermassen, die die Region überflutet haben, nun schneller zurück in den Fluss, hieß es.

Noch immer sind Tausende Menschen in den Hochwassergebieten ohne Wohnung. Am Samstag mussten die Menschen in den Orten Jederitz und Kuhlhausen wegen des gebrochenen Deichs bei Fischbeck ihre Wohnungen verlassen. Häuser ragen vielerorts wie Inseln aus den Fluten. Straßen sind überschwemmt. Unzählige Helfer kämpfen an den aufgeweichten Dämmen gegen die Fluten.

„Es war eine extrem gewagte Aktion“

Am Elbe-Havel-Winkel bei Fischbeck hatten am Samstagmorgen zunächst Taucher den Boden am Deichbruch inspiziert. Anschließend wurden Panzersperren und Netze mit Steinen per Hubschrauber zu der Stelle geflogen. Am Abend bugsierte dann ein Schiff die zwei Schuten – Kähne ohne eigenen Antrieb – an den Deich, wo sie per Sprengung versenkt wurden. Sandpakete verhinderten das Abtreiben. Das Land hatte die Kähne vorher eigens zu diesem Zweck gekauft.

Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) sagte nach der Sprengung: „Es war eine extrem schwierige und gewagte Aktion. Aber wir mussten handeln und das Menschenmögliche versuchen, um die Wassermassen aufzuhalten.“ „So eine Aktion haben wir vorher noch nicht gemacht“, sagte Kapitän Thomas Peter. „Aber wahnsinnig sind wir nicht. Wir konnten es halbwegs einschätzen.“

Schäden in Höhe von 100 Millionen Euro

Nicht nur die Bewohner der Hochwasserregionen schauen mit bangen Blicken auf die Überschwemmungen. Bei den Landwirten habe die aktuelle Flutkatastrophe größere Schäden als das Hochwasser 2002 angerichtet, sagte Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) bei einem Besuch am Samstag im Salzlandkreis. Die entstandenen Schäden lägen bereits bei knapp 100 Millionen Euro.

Allgemein entspannte sich die Hochwasserlage aber langsam. Der Pegel in Wittenberge erreichte am Sonntagmittag 6,88 Meter. Beim historischen Höchststand vor einer Woche lag er bei 7,85 Metern. Auch die Pegelstände der Flüsse in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein gingen allmählich zurück. In Magdeburg, wo die Alarmstufe 4 bereits seit Freitag nicht mehr gilt, entsorgten Hunderte Helfer unzählige Sandsäcke.

Die Lage im vom Elbehochwasser betroffenen Gebiet um Dömitz und Boizenburg in Mecklenburg-Vorpommern entspannte sich unterdessen. Der Sperrbereich und damit die Straßensperrungen sind nach Angaben von Landrat Rolf Christiansen seit Sonntagabend wieder aufgehoben, der Katastrophenalarm im Landkreis Ludwigslust-Parchim soll aber noch bis Montagmittag 12 Uhr bestehen bleiben. Die stark durchweichten Deiche dürfen noch nicht wieder betreten werden.

Quelle: dpa

Drittes Schiff soll Lücke am Deichbruch bei Fischbeck schließen

Veröffentlicht: Juni 16, 2013 von fluthelfer in Fischbeck

Mit einem dritten Schiff soll die verbliebene Lücke am Deichbruch bei Fischbeck im Kreis Stendal geschlossen werden. Wie der Krisenstab der Landesregierung mitteilte, soll der Kahn aber nicht gesprengt werden. Das Schiff werde stattdessen davor geschoben und geflutet. Zusätzlich sollen dann Übersee-Container beschwert und versenkt werden, um die Lücke vollständig zu schließen. Nach Angaben eines MDR-Reporters wirft die Bundeswehr aktuell große Sandsäcke über den bereits versenkten Kähnen ab. Sie sollten so weiter stabilisiert werden. © MDR INFO

Fischbeck: Die Aktion Schiffe versenken zeigt Erfolge

Veröffentlicht: Juni 16, 2013 von fluthelfer in Fischbeck

Einer der wohl ungewöhnlichsten Pläne im Kampf gegen das Hochwasser scheint aufzugehen: Das Loch im Elbdeich bei Fischbeck ist deutlich kleiner geworden. Dort liegen jetzt gesprengte Lastkähne. Doch noch ist der Einsatz nicht vorbei.

Deichsprengung und Schiffe versenken gegen das Hochwasser: Mit ungewöhnlichen Mitteln haben die Einsatzkräfte in den Hochwassergebieten am Wochenende die Wassermassen zurück in die Flüsse gedrängt. Zwar gingen die Pegelstände der Elbe am Wochenende zurück. Dennoch rechneten die Behörden in mehreren ostdeutschen Orten erst für den Verlauf der kommenden Woche mit einer Entspannung der Lage.

In Fischbeck in Sachsen-Anhalt wurden am Samstag zwei Lastkähne in der Elbe versenkt, um ein 90 Meter großes Loch im Damm zu stopfen. Die Lücke schrumpfte dadurch auf einen Durchfluss von 20 Metern.

„Wir werten das als echten Erfolg. Das hat noch nie jemand versucht“, sagte der Kommandeur des Landeskommandos Sachsen-Anhalt, Oberst Claus Körbi. Tagelang waren riesige Wassermengen in die Region geflossen.

Hochwasser in Fischbeck: Jetzt soll ein dritter Kran den Deich verschließen

Ein dritter Lastkahn sollte am Sonntag den gebrochenen Deich endgültig schließen. Er werde jedoch nicht wie die beiden anderen Kähne gesprengt und versenkt, sondern vor den etwa 20 Meter breiten noch verbliebenen Durchfluss geschoben, sagte eine Sprecherin des Krisenstabs der Landesregierung am Sonntag. Zusätzlich soll die Lücke mit Schiffscontainern geschlossen werden. Die Bundeswehr warf auch riesige Sandsäcke und Betonteile von Hubschraubern aus ins Wasser.

Weiter südlich versuchten unterdessen Einsatzkräfte derweil eine Lücke im Deich zu vergrößern, um den Abfluss aus überfluteten Gebieten zu beschleunigen. Am Saaledeich bei Breitenhagen wurde eine zweite Sprengung vorbereitet. Gegen Sonntagmittag sollte die am Samstag mit Sprengstoff geöffnete Stelle vergrößert werden, teilte der Krisenstab in Magdeburg mit. Das Wasser könne so noch schneller aus den überschwemmten Gebieten zurück in den Fluss laufen. Die erste Sprengung sei zwar ein Erfolg gewesen, doch wegen des sandigen Bodens habe das explosive Material nicht tief genug eindringen können

Allgemein entspannte sich die Hochwasserlage langsam. Der Elbe-Pegelstand im brandenburgischen Wittenberge erreichte am Sonntagmorgen einen Wert von 6,91 Metern. Beim historischen Höchststand vor einer Woche lag der Wert bei 7,85 Metern. Auch die Pegelstände der Flüsse in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein gingen allmählich zurück. Tausende Helfer waren am Sonntag aber noch im Einsatz. (dpa)

Quelle: tagesspiegel.de

 

6.460 Menschen in dem Gebiet bei Fischbeck in Sicherheit gebracht

Veröffentlicht: Juni 13, 2013 von fluthelfer in Fischbeck

 

Wie der Krisenstab der Landesregierung mitteilte, wurden seit Mittwoch 6.460 Menschen in dem Gebiet bei Fischbeck in Sicherheit gebracht. Einige Menschen hätten sich aber geweigert, ihre Häuser zu verlassen – unter anderem mit der Begründung, dass sie ihre Tiere nicht im Stich lassen wollten. Diese Menschen sind den Angaben zufolge immer noch in den betroffenen Orten. Sie sollen heute mit Booten und Hubschraubern versorgt werden. Die Gegend wird seit einem Deichbruch am Montag nach und nach überflutet.

http://www.mdr.de

Kamern gehen am Morgen die Arbeiten an der Landstraße 18 weiter

Veröffentlicht: Juni 13, 2013 von fluthelfer in Fischbeck

 

Bei Kamern gehen am Morgen die Arbeiten an der Landstraße 18 weiter. Die Straße soll durchbrochen werden, damit das Elbwasser abfließen kann. Nur so kann laut Krisenstab eine weitere Überflutung des Gebiets um Fischbeck verhindert werden.

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Hochwassergefahr im Milower Land bleibt

Veröffentlicht: Juni 12, 2013 von fluthelfer in Fischbeck

 

Die Hochwassergefahr ist noch immer nicht vorbei. Es kann immer noch nicht ausgeschlossen werden, dass etwas passiert.

Ruhiger als an den Tagen zuvor haben die Verantwortlichen der Gemeinde Milower Land gestern über die Gefahr durch Hochwasser gesprochen. „Die Lage ist angespannt“, hat Bürgermeister Felix Menzel Dienstagabend gesagt, „aber nicht mehr kritisch.“ Wenn der Deichbruch bei Fischbeck nicht größer werde, könnten die Einwohner ruhiger schlafen. Die Sammelstelle an der Grundschule für den Evakuierungsfall werde abgebaut, hat Felix Menzel gesagt.

Die Liegen seien zur Havellandhalle gebracht worden. An Evakuierung sei nicht mehr gedacht. Es sei aber angeraten, alle Vorsichtsmaßnahmen der letzten Tage beizubehalten. Der Zollchower Ortsvorsteher Wolfgang Gräfe war gestern Nachmittag mit der Polizei im Bereich des Hochwassers unterwegs. Wie er sagte, breitet sich das Wasser vor allem in Richtung Norden aus. Schmetzdorf und Zollchow sei es seit gestern nicht näher gekommen. Im Königsgraben und Schmiedegraben sei kein höherer Wasserstand festzustellen

Beide könnten im Ernstfall durch bereitstehende Big Bags sofort verschlossen werden. Die Straße zwischen Zollchow und Nitzahn sei nicht gesperrt, wie es fälschlich in einigen Medien berichtet worden sei. „In Zollchow haben die Leute toll geholfen“, wollte Gräfe noch loswerden. Das Füllen der rund 4000 Sandsäcke und die Versorgung der 150 Helfer habe gut geklappt. Im Einsatz seien Feuerwehrleute aus Bützer, Milow und Zollchow gewesen. Jeder im Ort, der sein Haus mit Sandsäcken sichern wollte, habe welche bekommen.

Der errichtete Behelfsdeich ist nur einen Kilometer lang, nicht 3,5 Kilometer, wie einige Medien berichteten. Der Alte Sydower Weg bei Zollchow wurde 60 Zentimeter erhöht. An der Straße zwischen Zollchow und Schmetzdorf ist indes kein Damm aufgeschüttet worden. Das soll nur im äußersten Ernstfall gemacht werden.

 

http://www.maz-online.de

Überflutungsgebiet Elbe: Aktuelle Lage in Hochwassergebieten

Veröffentlicht: Juni 12, 2013 von fluthelfer in Fischbeck

 

Der MDR-Verkehrsflieger hat verschiedene Orte im Hochwassergebiet angeflogen. Das Überflutungsgebiet Elbe sei größer geworden. Das Hochwasser fließt ins Dreieck der Ortschaften Fischbeck, Wust, Klietz. In Wust drückt das Wasser vor allem in die westlichen Grundstücke. Die ICE-Strecke bei Schönhausen ist auf einer Länge von drei Kilometern überspült. In Fischbeck ist keine Verkleinerung der Deichbruchstelle zu erkennen. Das Wasser geht an einigen Stellen sogar zurück. Die Kirche in Kabelitz steht wieder trocken. Keine Überschwemmung ist bisher in Mangelsdorf festzustellen

http://www.mz-web.de/hochwasser/hochwasser-in-sachsen-anhalt—liveticker-zum-hochwasser–,20642022,23110778.html#akt-button

Weiterer Deichbruch bei Fischbeck

Veröffentlicht: Juni 12, 2013 von fluthelfer in Fischbeck

 Nach einem weiteren Deichbruch bei Fischbeck in Sachsen-Anhalt müssen weitere überflutete Orte evakuiert werden. Wie der Krisenstab der Landesregierung mitteilte, war die Lage am Mittwochmorgen in der Region in einigen Orten dramatisch. Schon in der Nacht wurden die Bewohner von Wust bei Fischbeck aufgerufen, ihre Häuser zu verlassen. Wegen des Hochwassers war die Lebens-Rettungs-Gesellschaft mit Booten vor Ort, um die Einwohner zu retten. Am Morgen wurden auch die Menschen in Klietz und Kamern aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen. Es bestehe Lebensgefahr. Nach einer Schätzung könnten sich jedoch noch rund 200 Menschen in den drei Orten befinden.

http://www.rp-online.de/panorama/live-bund-und-laender-stellen-acht-milliarden-euro-bereit-1.3462254

Deichbruchstelle in Fischbeck unter Kontrolle

Veröffentlicht: Juni 11, 2013 von fluthelfer in Fischbeck

 

Wie der Landeskrisenstab informiert, ist die Deichbruchstelle in Fischbeck im Landkreis Stendal unter Kontrolle. Der Deichbruch sei durch Bundeswehr und Bundespolizei insoweit stabilisiert worden, dass ein weiteres Aufbrechen verhindert und die Fließgeschwindigkeit verringert werden konnte, sagte der Leiter des Krisenstabes der Landesregierung, Innenminister Holger Stahlknecht, am Dienstag. Die entsprechenden Deichabschnitte werden von Deichwachen weiter intensiv beobachtet.

Stahlknecht dankte der Bundeswehr sowie der Bundespolizei für die Unterstützung bei der Bekämpfung des Hochwassers. Beide Bundeseinrichtungen waren mit einem massivem Kräfteaufgebot sowie mehreren Hubschraubern im Einsatz. Bei einer Veränderung der Lage können sie wieder eingesetzt werden.

http://www.mz-web.de/hochwasser/hochwasser-in-sachsen-anhalt—liveticker-zum-hochwasser–,20642022,23110778.html#akt-button

Lage am Morgen in Sachsen-Anhalt

Veröffentlicht: Juni 11, 2013 von fluthelfer in Fischbeck

 

Lage am Morgen in Sachsen-Anhalt: Bundeswehrhubschrauber sollen heute weitere Riesensandsäcke abwerfen, um den Deichbruch an der Elbe bei Fischbeck zu schließen. Die Einsatzkräfte erklärten MDR INFO, ein vollständiges Abdichten sei nicht möglich. Ziel sei eine Verringerung der Durchflussmenge. In Hohengöhren hat es nach der Deichabrutschung bisher nicht den befürchteten Durchbruch gegeben. Die Arbeiten am Damm waren wegen des Sicherheitsrisikos für die Einsatzkräfte gestoppt worden. Im Laufe des Tages soll neu entschieden werden, ob weitere Sicherungsmaßnahmen folgen.

http://www.mdr.de/nachrichten/schaeden-durch-dauerregen120.html

9000 Soldaten sind in Sachsen-Anhalt weiter im Einsatz

Veröffentlicht: Juni 11, 2013 von fluthelfer in Fischbeck

 

In Sachsen-Anhalt suchen sich gigantische Wassermengen bei Fischbeck im Landkreis Stendal neue Wege, nachdem am Montag ein Deich gebrochen war. Die Bundeswehr warf Sandsäcke aus Hubschraubern ab, um die Fluten einzudämmen.
Rund 9000 Soldaten sind in Sachsen-Anhalt weiter im Einsatz, wie ein Bundeswehrsprecher sagte. Der Krisenstab der Landesregierung erklärte, man werde den Einsatz in Stendal nun selbst koordinieren, weil sich die Lage so zugespitzt habe. Eine enge Koordination mit dem Nachbarland Brandenburg und ein größerer Bundeswehreinsatz seien notwendig.

http://www.mz-web.de/hochwasser/hochwasser-in-sachsen-anhalt—liveticker-zum-hochwasser–,20642022,23110778.html#akt-button

Fischbeck:Nach Deichbruch

Veröffentlicht: Juni 10, 2013 von fluthelfer in Fischbeck

Nach Deichbruch in Fischbeck wurde nun auch Bewohner von Steinitz, Mangelsdorf und Klein Mangelsdorf im Landkreis Jerichower Land empfohlen, sich in Sicherheit zu bringen.

Wie ein Kampf gegen die Fluten verloren geht

Veröffentlicht: Juni 10, 2013 von fluthelfer in Fischbeck

 

Sie kämpfen bis zur letzten Minute. Dann gibt der durchweichte Deich dem enormen Druck der Elbe nach. Zur Stunde ergießt sich das Wasser des zu einem riesigen See angeschwollenen Flusses aus einem 50 Meter breiten Tor mit voller Wucht über das Land. Die Schäden sind noch nicht benannt, wohl aber das Leid der Bewohner.

„Helft uns, wir saufen ab!“, ruft Heidi Gericke in den Telefonhörer. Am anderen Ende ist ein Sprecher des Krisenstabes Sachsen-Anhalt. Er hat die schwierige Aufgabe, all die Verzweifelten auf Distanz zu halten. „Wir tun alles, was wir können. Wir setzen aber kein Leben aufs Spiel. Begeben Sie sich in Ihre Notquartiere – und zwar unverzüglich.“ Der Sprecher des Krisenstabes wiederholt damit nur, was ein Polizeiwagen unmittelbar zuvor den Einwohnern des 1000-Seelen-Ortes Fischbeck über Lautsprecher mitteilte: Die Lage am Elbdeich sei kritisch, man möge das Nötigste packen und sich unverzüglich in Sicherheit bringen. Stunden später gibt es in Fischbeck keinen Ort mehr, der irgendwie erreichbar wäre. Millionen von Kubikmeter Wasser ergießen sich durch einen riesigen Riss im Elbdeich übers Land.

Wie Heidi Gericke hat zuvor niemand wirklich an die Katastrophe geglaubt. „Wir sind mit dem Hochwasser von 2002 fertiggeworden. Damals wurde unser Ort verschont. Seitdem wurden Millionen in neue Deiche gesteckt, die sind stabiler und höher als die alten von damals.“ Die 55-Jährige hat schon viele Hochwasser an der Elbe erlebt. In der gegenüberliegenden Stadt Tangermünde wurde sie geboren und kennt ihren Fluss – glaubte, ihren Fluss zu kennen. „Irgendwas stimmt diesmal nicht“, sagt sie. Der Fluss sei höher denn je. Schon immer habe es starke Regenfälle gegeben, die die Elbe habe aufnehmen können. Doch diesmal steigt das Wasser und steigt. Als der Deich dem Druck der Elbe nicht mehr standhalten kann, sind es 8,36 Meter und damit fast 70 Zentimeter mehr als 2002.

Noch am Freitag hat die Fischbeckerin ihr Haus ausgeräumt. Wie viele ihrer Nachbarn in der kleinen Eigenheimsiedlung schafft sie mit Hilfe ihres Mannes und der Geschwister ihr Hab und Gut in das Obergeschoss des Hauses. Die Fenster werden mit Platten verrammelt, das Tor zur Tiefgarage wasserdicht mit Bauschaum versiegelt. Ebenso die Toiletten, Abflüsse und Belüftungen. „Du kannst ja nicht alles mitnehmen“, sagt sie mit Tränen in den Augen. Die Sauna, der Pool, der Fitnessraum, der Waschraum, der Heizungsraum – alles liegt unter dem Niveau der Elbe. Draußen wird das Grundstück mit Sandsäcken geschützt. Schwester, Bruder, Schwager, Neffe – alle helfen beim Schippen. Am Ende müssen sie sich entscheiden zwischen Aktionismus und reeller Gefahr. Die Gefahr wird zu dieser Stunde von allen Beteiligten unterschätzt.

„Wir haben das im Griff“

Bereits am Samstag erreichte der Elbepegel fast acht Meter. In der Gemeinde bemüht sich der Bürgermeister, die Leute zu beruhigen. „Wir haben das hier im Griff“, sagt er. Wenn alle anpacken, werde die Lage beherrschbar bleiben. Irgendwie liegt zu dieser Zeit das Unheil bereits in der Luft und niemand will ihm recht glauben. „Das klingt mir sehr nach Beruhigung der Massen“, sagte Heidi Gericke.

Nachdem die Gerickes ihr Haus gesichert haben, gilt die Hilfe jetzt der Allgemeinheit. Wieder werden Sandsäcke gefüllt. Wenn sie auch nicht mehr vor Ort benötigt werden, dann eben an anderen Brennpunkten. Der Deich in dieser Region, dem Landkreis Stendal, ist rund 40 Kilometer lang. Diese Strecke gilt es zu verteidigen. Die Einwohner wissen, wo die neuralgischen Punkte sind. Das sind Deiche, die zwar erneuert wurden, aber noch so „frisch“ sind, dass sich auf ihnen keine schützende Grasnarbe bilden konnte. Die hohe Fließgeschwindigkeit des Flusses und der enorme Druck lasten auf dem Bauwerk. Nach und nach stellt sich heraus, dass es ein Kampf gegen die Zeit werden wird, der Elbpegel ist längst Nebensache geworden.

Das Ende der Wildpferde

Beim Sandschippen dann eine Durchsage: Es würden dringend Helfer in Jerichow gebraucht. Dort sei ein Deich in hoher Gefahr. Die Stadt liegt fünf Kilometer südlich von Fischbeck und beherbergt eine romanische Klosteranlage – eine der größten und ältesten Backsteinbauten Norddeutschlands. Dort stehen rund 50 Freiwillige und stapeln Tausende Sandsäcke gegen einen durchweichten Deich. Unter den Freiwilligen sind auch die Familienmitglieder der Gerickes. Die Stimmung am Deich ist gut. Speisen und Getränke gibt es reichlich, dazu Geschichten vom aktuellen und von vergangenen Hochwassern. Feucht werden die Augen, als eine Anwohnerin von den Wildpferden erzählt. „Die haben eigentlich immer auf den Wiesen hier gelebt. Bis die Flut kam.“ Am Ende hätten die Przewalski-Pferde eingeschlossen von den Wassern der Elbe auf einer Insel gestanden. Niemand habe sie retten können. Bis zum Schluss habe man gehofft, sie würden einfach davonschwimmen. „Als sie bis zum Bauch im Wasser standen, sollten Jäger sie erschießen.“ Doch niemand sei bereit gewesen, über die reißenden Fluten bis zu dieser Insel zu fahren und „abzudrücken“. Dann habe man nichts mehr von ihnen gesehen – und auch nichts gehört. Für einen Moment halten die Helfer inne, dann stapeln sie weiter.

Am Montagmorgen wissen die Fischbecker noch immer nicht, was ihnen geblieben ist. Alle Zufahrtsstraßen zu ihrem Ort sind gesperrt, der Blick von der Elbe-Brücke verheißt nichts Gutes: Wasser, soweit das Auge reicht. Heidi Gericke versucht es von der gegenüberliegenden Seite, vom Tangermünder Burgberg aus. Doch auch hier nichts als Wasser. „Ein Meer liegt vor uns. Ich erkenne unseren Kirchturm und die Türme des Klosters Jerichow.“ Unklar ist, ob die Kirchen aus dem Wasser ragen, oder ob das Elbmeer davor endet.

Klar ist indes, dass der Elbpegel bei Tangermünde rasant fällt. Das Meer ergießt sich ins Hinterland und könnte bald bis Rathenow, tief nach Brandenburg, reichen. Was hier zur Katastrophe führt, könnte eine gute Nachricht für die nördlichen Anlieger der Elbe sein.

Ob den Gerickes mehr als ihre fünf Reisetaschen voller Habseligkeiten geblieben sind, ist zur Stunde unklar.

http://www.n-tv.de/panorama/Wie-ein-Kampf-gegen-die-Fluten-verloren-geht-article10792996.html

Landkreis Stendal: Deichbruch bei Fischbeck

Veröffentlicht: Juni 10, 2013 von fluthelfer in Fischbeck, Rathenow, Wissenswertes

Der Katastrophenschutzstab des Landkreises Stendal teilt mit, dass der Deich bei Fischbeck auf einer Länge von 10 Metern gebrochen ist. Weiter heißt es: „Die Bürger von Fischbeck, die der Empfehlung zur Evakuierung bisher noch nicht nachgekommen sind, werden dringend aufgefordert, ihre Wohnung zu verlassen. Daneben wurde vom Stab die Evakuierung der Orte Kabelitz, Wust und Schönhausen angeordnet. Die Räumung weiterer Ortschaften wird geprüft. Wenn die Berechnungen über die Ausbreitung vorliegen, wird die Liste der Orte, die evakuiert werden, vervollständigt. Als Notunterkunft steht das Berufsschulzentrum in Stendal, Schillerstraße, zur Verfügung. Bürger, die pflegebedürftig sind, einen Pflegeplatz benötigen oder sich aus anderen Gründen nicht selbst in die Notunterkunft begeben können, wenden sich an eine der folgenden Rufnummern: 03931 / 607 053, -054, -055.

 

http://www.mz-web.de/hochwasser