Archiv für die Kategorie ‘Brandenburg’

Nach Hochwasser 2013 – Deich bei Hemsendorf wird repariert

Veröffentlicht: Juli 2, 2014 von fluthelfer in Brandenburg

Der Deich an der Schwarzen Elster gegenüber von Hemsendorf wird auf einer Länge von 200 Metern ausgebessert. Beim Juni-Hochwasser 2013 war er beschädigt worden. Bei einem neuen Hochwasser wären landwirtschaftliche Flächen in Gefahr.

 

Die Vorarbeiten sind angelaufen, dass der Deich an der Schwarzen Elster, gegenüber von Hemsendorf, in Ordnung gebracht werden kann. Über ein Jahr lang, seit dem Juni-Hochwasser 2013, klaffte hier eine großes Loch, war der Schutzwall auf mehreren Metern komplett fortgespült worden. Doch da das Hochwasser an vielen Stellen große Schäden angerichtet hatte, war diese Reparatur im Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) nicht als Prioritär eingestuft worden. Vor allem, weil bei einem neuerlichen Hochwasser keine Menschen oder Gebäude gefährdet gewesen wären, landwirtschaftliche Flächen mehrerer Agrarbetriebe allerdings schon. Doch die Schwarze Elster blieb im Verlauf der vergangenen Monate zahm, so dass Sorgen vor neuerlichen Überflutungen keine Bestätigung fanden.

Spundwände werden nicht eingebracht

Der Deich wird auf einer Länge von 200 Meter instand gesetzt bzw. neu aufgebaut. Denn in der Nachbarschaft der Deichbruchstelle hatte es ebenfalls massive Schäden an der Hochwasserschutzanlage gegeben. Spundwände werden nicht eingebracht, informierte gestern Jörg Herrmann, Flussbereichsingenieur im LHW. Er bestätigte, dass es mal entsprechende Überlegungen gegeben habe, doch solch ein Vorhaben sei dann verworfen worden.

Jetzt werden durch die mit den Arbeiten beauftragte Firma, die Bau und Haustechnik Bad Düben, die Voraussetzungen geschaffen, um mit der erforderlichen Technik an die Deichbrauchstelle zu gelangen. In den nächsten Tagen entsteht die Baustraße.

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Erste Hochwasser-Hilfen an Landwirte gezahlt

Veröffentlicht: Oktober 23, 2013 von fluthelfer in Brandenburg, finanzielle Hilfen

Potsdam  Gut vier Monate nach dem Sommer-Hochwasser hat das Potsdamer Agrarministerium die ersten Hochwasserhilfen ausgezahlt. An 13 Landwirte sei Schadensausgleich in Höhe von insgesamt zwei Millionen Euro gezahlt worden, sagte Agrarminister Jörg Vogelsänger (SPD) am Mittwoch in Potsdam. Vorrangig wurden die Härtefälle aus den Havelpoldern bei Rhinow entschädigt, die einen wirtschaftlichen Totalausfall hatten.

„Das sind vor allem kleinere und mittlere Betriebe“, erläuterte Ministeriumssprecher Jens-Uwe Schade. Zu den Schäden gehörten neben Ernteausfällen die Kosten für Bergung der Tiere und für die Räumung der überfluteten Flächen. Insgesamt wurden nach Angaben des Ministeriums bis Mitte Oktober 318 Anträge auf Hochwasserhilfe mit einem Volumen von rund 20 Millionen Euro eingereicht. Davon seien bereits 55 Anträge mit einem Volumen von 5,3 Millionen Euro bewilligt.

Quelle: moz.de

Elbe-Deichabschnitte saniert

Veröffentlicht: Oktober 6, 2013 von fluthelfer in Brandenburg, Hochwasserschutz

Jedes große Hochwasser bedeutet eine Zitterpartie für die Stadt Mühlberg im Süden Brandenburgs. Doch der Deichbau macht dort Fortschritte. Jetzt wird noch eine Rückzugsfläche gebaut.

Mit sanierten Deichen wird die Stadt Mühlberg (Elbe-Elster) besser gegen Hochwasser geschützt. Umweltministerin Anita Tack (Linke) übergab am Mittwoch die ersten beiden fertigen Deichabschnitte in der Nähe des Ortsteils Köttlitz. Für 3,5 Millionen Euro wurden dort 450 Meter Deich saniert und auf 750 Metern Länge ein Damm auf einer neuen Trasse errichtet. Zugleich entsteht dort eine 180 Hektar große Überflutungsfläche. Weitere Deichabschnitte sollen bei Mühlberg in den nächsten fünf Jahren gebaut werden. Die Arbeiten kosten 22 Millionen Euro.

Mühlberg war im August 2002 und im Juni dieses Jahres nur knapp einer Flutkatastrophe entgangen. Die Kleinstadt musste beide Male evakuiert werden. Doch die durch Sandsäcke verstärkten Dämme hielten dem Druck der Wassermassen stand. Der tagelange Abwehrkampf Tausender Bewohner und ihrer Helfer begründete das „Wunder von Mühlberg“.

Quelle: nordkurier.de

Land bedankt sich bei Fluthelfern mit Medaille

Veröffentlicht: August 17, 2013 von fluthelfer in Brandenburg

Tausende Helfer stemmten sich im Juni gegen die Hochwasserfluten in Brandenburg. Jetzt gibt es ein großes Dankeschön.

Brandenburg will sich bei den Tausenden Juni-Hochwasser-Helfern mit einer speziellen Medaille bedanken. „Die Landesregierung möchte die Helferinnen und Helfer damit für deren großen Einsatz sichtbar ehren“, sagte Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) in Mühlberg (Elbe-Elster) bei einer ersten Dankeschön-Veranstaltung. Die Flutmedaille solle zu einem späteren Zeitpunkt verliehen werden.

Allein im Landessüden hätten etwa 17 000 Menschen „mutig und unermüdlich“ geholfen, Städte und Gemeinden vor dem Hochwasser zu schützen, sagte Platzeck vor gut 500 geladenen Hochwasserhelfern aus den Landkreisen Elbe-Elster, Oberspreewald-Lausitz, Spree-Neiße und der Stadt Cottbus. Eine zweite Veranstaltung für die Helfer in der Prignitz und im Havelland ist für September in Wittenberge (Prignitz) geplant.

Das Hochwasser der Elbe hatte in Mühlberg am 7. Juni nach Angaben der Stadtverwaltung 9,89 Meter erreicht und lag damit nur knapp unter dem Rekordwert von 9,98 Meter bei der Jahrhundertflut 2002. Am Pegel Wittenberge stieg die Elbe am 9. Juni dieses Jahres auf den historischen Spitzenwert von 7,85 Meter, ein halber Meter mehr als 2002. Der Flutpegel der Elbe war etwa dreimal höher als sonst. Hochwasser führten auch die Spree, Lausitzer Neiße, Schwarze Elster, Havel und die Stepenitz.

Quelle: nordkurier.de

Die größtenteils sanierten Deiche hielten zwar dem Druck stand, dennoch richtete das Wasser Schäden an Gebäuden und auf Agrarflächen an. Brandenburg erhält für die Beseitigung der Hochwasserschäden 112 Millionen Euro aus dem milliardenschweren Fonds des Bundes.

Fußball – Hochwasser: Hertha BSC hilft Flutopfern in Brandenburg

Veröffentlicht: August 13, 2013 von fluthelfer in Brandenburg

Fußball-Bundesligist Hertha BSC greift von der Flutkatastrophe betroffenen Sportvereinen in Brandenburg unter die Arme.

Wie Finanzgeschäftsführer Ingo Schiller bekanntgab, spenden die Berliner die gesamten Einnahmen aus dem Testspiel bei RB Leipzig, das am 13. August in Dessau stattgefunden hatte. Hertha-Präsident Werner Gegenbauer habe die Spende zudem um mehrere tausend Euro aufgestockt. Schiller sprach von einer fünfstelligen Summe, die dem Landessportbund (LSB) Brandenburg treuhänderisch zur Verfügung gestellt worden sei. «Mit dem LSB haben wir einen idealen Kooperationspartner, der die Notsituation in den Städten und Gemeinden genau kennt», sagte Schiller. Laut LSB-Hauptgeschäftsführer Andreas Gerlach seien besonders Sportvereine in den Regionen Mühlberg und Prignitz von den Flutschäden betroffen.

Quelle: sueddeutsche.de

Die Stadthalle wurde vom Juni-Hochwasser doch mehr beschädigt als angenommen. Noch bis zum Herbst dauern die Reparaturarbeiten, bis dahin bleibt die Halle geschlossen.

Das Hochwasser ist weg, die Elbe führt sogar wieder Niedrigwasser, auch der modrige Geruch ist aus dem Stadtpark fast überall verschwunden – nur die Schäden, die die Fluten angerichtet haben, kommen zum Teil erst langsam ans Tageslicht. Wie in der Stadthalle.

Als die braune Brühe vor einem Monat abgeflossen war, dachte man bei der MVGM noch, die Schäden seien nicht ganz so hoch wie befürchtet. Sind sie dann aber doch. Die Halle ist nicht betriebsbereit, alle Veranstaltungen mussten verlegt, einige sogar abgesagt werden, wie etwa das große Tanz-Turnier am 19. Oktober. Und das Schiller-Konzert am 22. September findet im AMO statt. Hartmuth Schreiber, Geschäftsführer der städtischen MVGM, die die Stadthalle betreibt, erläuterte im Volksstimme-Gespräch, wo genau die Probleme in der Stadthalle liegen.

Die „gute Nachricht“ sei, so Hartmuth Schreiber, dass das Grundmauerwerk der denkmalgeschützten Backstein-Halle nicht beschädigt sei. „Eine Sorge weniger.“ Die Stadthalle ist auf Holzpfählen gegründet und die seien in Ordnung. „So weit entsprechende Untersuchungen möglich sind“, schränkt Schreiber ein. Auch könne Wasser den Stämmen nicht schaden, denn die stünden immer im Wasser und müssten auch immer feucht bleiben.

Dann aber die Probleme.

Das Mauerwerk: Im Erdgeschoss, in dem das Hochwasser stand, sei Feuchtigkeit rund 80 Zentimeter hoch in die Wände eingezogen. „Das hat dazu geführt, dass in vielen Bereichen Putz oder Paneele erneuert werden müssen“, sagte Hartmuth Schreiber. Dabei sei es wichtig, die Wände auch wieder vollständig trocken zu bekommen. Darum sind zahlreiche Luftentfeuchter rund um die Uhr im Einsatz. Und es müsse überall nach versteckten Feuchtigkeitsstellen gesucht werden. „Wenn man diese nicht findet, kann sich dort Schimmel oder Pilz bilden.“ Die Folge: Gelangen größere Mengen Schimmel- oder Pilzsporen in die Raumluft, dürfe die Halle nicht betrieben werden.

Die Fußböden: An vielen Stellen seien die Fußböden im Erdgeschoss noch feucht, durch das Wasser beschädigt und müssen ausgewechselt werden. Auch hier gelte: Erst trockenlegen, dann neue Böden einbauen.

Die Türen: Viele von den insgesamt 60 hätten sich durch die Feuchtigkeit verzogen. „Wir haben in der Stadthalle kein Türmaß, das zweimal vorkommt, jede Tür ist fast ein Unikat“, sagte Hartmuth Schreiber. Auch da wisse man noch nicht, welche wieder gangbar gemacht werden könnten und welche ausgewechselt werden müssen.

Die Technik: Große Teile der Hallen-Elektrik befinde sich im Erdgeschoss. „Wir haben dort beispielsweise mehrere Kilometer Elektrokabel, dazu Schaltkästen und Verteiler, die nass geworden sind“, sagt der MVGM-Geschäftsführer. Jedes einzelne Kabel müsste auf Feuchtigkeit kontrolliert werden.

Licht im Albinmüller-Turm, aber kein Besucherverkehr

Erst wenn alles einwandfrei sei, könne die Elektrik wieder unter Spannung gesetzt werden. Das gelte auch für die Brandschutzanlage und für die Notbeleuchtung.

Aus diesem Grunde sei der Albinmüller-Turm ebenfalls geschlossen. Die Elektrik des Turms hänge am Netz der Stadthalle. „Auch dort können wir die Brandmeldeanlage und den Fahrstuhl noch nicht wieder anschalten“, so Schreiber. Die Turmbeleuchtung funktioniere allerdings, es sei nur kein Publikumsverkehr möglich.

Bei der MVGM hofft man, dass die Stadthalle Ende Oktober/Anfang November wieder ihren Betrieb aufnehmen kann. Um die Schäden zu ermitteln, hat die MVGM übrigens Unterstützung von der Messegesellschaft aus Leipzig bekommen. „Die haben Fachleute, die uns beraten haben“, sagt Hartmuth Schreiber.

Und die Kosten der Instandsetzung? „Die werden mit Sicherheit im einstelligen Millionenbereich liegen“, schätzt Schreiber. Genaues wisse man aber erst in den kommenden Tagen, dann werde eine Kostenaufstellung vorgenommen. „Glücklicherweise haben wir für die Halle eine Gebäudeversicherung abgeschlossen, die jetzt greift. Darum konnten wir auch sofort mit den Reparaturmaßnahmen anfangen“, erklärt der Geschäftsführer dazu.

Und stellt klar: Die gegenwärtigen Reparaturmaßnahmen, auch wenn sie ein, zwei oder mehr Millionen Euro kosten würden, seien keine grundsätzliche Modernisierung der Halle. Die würde rund 40 Millionen Euro kosten.

„Was wir jetzt machen, ist reine Wiederherstellung des Zustandes vor dem Hochwasser.“

Quelle: volksstimme.de

Über sechs Wochen lang hielten sich die Pegelstände mancherorts hartnäckig über den Normalwerten – auch lange nach den Höchstständen von Juni. Nun ist das Sommerhochwasser 2013 wohl endgültig vorbei. Was bleibt ist eine Mückenplage.

Nach sechs Wochen Hochwasser an Brandenburger Flüssen sind jetzt auch die letzten Pegelstände unter den Wert für die niedrigste Alarmstufe gefallen.

Am Pegel in Stützkow (Uckermark) an der Oder wurde am Dienstagmorgen nach Angaben der Hochwasserinformation des Landesumweltamtes mit 7,67 Metern die niedrigste Alarmstufe 1 von hier 7,70 Meter unterschritten. Vor 14 Tagen hatte dort der Pegelstand noch über 9 Metern gelegen, normal sind sieben Meter.

Auch an Elbe und Spree ist das Wasser in den vergangenen Wochen deutlich zurückgegangen und liegt jetzt auf normalem Niveau.

Mücken plagen die Brandenburger

Nach dem Hochwasser leidet Brandenburg nun unter einer Mückenplage. Bei normaler Witterung benötigten Mücken drei Wochen zur Entwicklung. Bei Temperaturen über 25 Grad schaffen sie es jedoch in zehn Tagen. Dann können gleichzeitig mehrere Generationen unterwegs sein – was jetzt vielerorts der Fall ist.

Quelle: rbb-online.de

Kampf gegen Elbe-Hochwasser

Veröffentlicht: Juli 1, 2013 von fluthelfer in Brandenburg

Sandsäcke beschaufeln, Dämme absichern: Das Hochwasser an der Elbe hielt die Menschen in Atem.

Ein Rückblick in Bildern

Quelle: rbb-online.de

Eine Flut von Absagen

Veröffentlicht: Juli 1, 2013 von fluthelfer in Brandenburg
von Annette Kögel und Claus-Dieter Steyer
Touristen machen einen Bogen um Brandenburg, obwohl viele Gebiete gar nicht vom Hochwasser betroffen waren. Eine neue Werbekampagne soll helfen. Und einige sonst beliebte Regionen kann man dank der ausbleibenden Besucherscharen derzeit so entspannt erleben wie selten
Wer als Radfahrer die sonst viel befahrenen Fernwege durch Brandenburgs Weite ohne Pulks nur für sich genießen will, sollte jetzt zu einer Tour starten. Denn selbst bei nahezu idealem Wetter für eine Radpartie fehlen seit einem Monat die Touristen. Auch viele Berliner Tagesausflügler machen bislang einen Bogen auch um viele andere Ziele in der weiteren Umgebung. Dabei appellieren jetzt Behörden und Tourismusexperten, dass es die beste Fluthilfe sei, in den Regionen mit vielen Attraktionen Urlaub zu buchen. Man könne viele vom Hochwasser völlig unbeeinflusste Regionen ohne Schlangestehen genießen.Im Tourismusjahr 2013 stehen viele Brandenburger Regionen und Anbieter bislang im Regen.

Erst das kalte Frühjahr, dann die vielen Güsse. „Es liegt eindeutig am Hochwasser“, sagt Sandra Ziesig, Marketingchefin des Tourismusverbandes Oder-Spree. „Viele Urlauber sind derart verunsichert, dass sie gleich den gesamten Urlaub stornieren. Dabei sind die meisten Gebiete gar nicht vom Hochwasser betroffen gewesen.“ Selbst in Beeskow und Storkow, die viele Dutzend Kilometer weit weg von der Elbe liegen, stehen Hoteliers, Pensionsvermieter oder Rad- und Bootsverleiher vor einer langen Liste von Absagen. Und selbst im Harz haben Stornierer schon auf das Brandenburger Hochwasser verwiesen.

Ein Test auf dem Oder-Neiße-Radweg am Wochenende bestätigt die Aussagen. Obwohl beide Flüsse diesmal kein Hochwasser führten, blieb die aus Berlin angereiste Gruppe fast gänzlich unter sich. In den Pensionen und Gaststätten herrschte nahezu völlig Ruhe. „Das Hochwasser ist schuld“, lautet auch hier die Standardantwort. „Ganz Ostdeutschland wird über einen Kamm geschoren“, meint eine Pensionsbetreiberin in Groß Neuendorf an der Oder. „Nun leiden wir alle unter den Bildern, wobei bei uns doch alles in bester Ordnung ist.“

Die Tourismus Marketing Brandenburg GmbH hat noch keine detaillierten Zahlen über die Einbußen parat. Aber die Verluste dürften teilweise bei 50 Prozent und darüber liegen. Dabei waren im April mit 313 100 Gästen, die 835 900 Übernachtungen im Land buchten, schon ein Verlust von 6,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zu verkraften. In der Prignitz, wo tausende Helfer Anfang Juni mit rund zwei Millionen Sandsäcken eine Überflutung durch die Elbe verhinderten, verloren einige Hotels, Geschäfte und Freizeitanbieter die Umsätze mehrerer Wochen. „Einige Gäste sind übervorsichtig und möchten nicht als Hochwassertouristen gelten“, sagt Uwe Neumann, Geschäftsführer des Tourismusverbandes. „Aber das ist der falsche Weg. Unsere Infrastruktur ist wieder intakt und selbst der Elberadweg kann wieder wie vor dem Hochwasser befahren werden.“

Auch im Spreewald, wo wegen der starken Strömung für zehn Tage jeglicher Bootsverkehr verboten werden musste und 90 Prozent der Tagesgäste deswegen ausgeblieben waren, ist die Situation wieder normal. „Jeder Gast wird individuell und noch liebevoller als sonst umsorgt“, verspricht Dirk Meier, Hafenmeister in Burg im Spreewald und Sprecher für rund 1000 Fährleute, „und wir haben auch keine Mückenplage.“ Die meisten Fließe sind für Paddler wieder befahrbar.

Doch die Lage ist ernst. Deshalb hat das brandenburgische Wirtschaftsministerium, vor allem in Hamburg und Berlin, eine 100 000 Euro teure Werbekampagne gestartet unter dem Motto „Brandenburg, jetzt erst recht“. Werbefilme über intakte Landschaften und gut gelaunte Gastronomen sollen bald im Internet stehen. Brandenburg lebt im Unterschied zu anderen Tourismusregionen wie etwa Mecklenburg-Vorpommern vor allem von kurzfristigen Buchungen.

Selbst Ministerpräsident Matthias Platzeck appellierte in einer Videobotschaft an alle, „sich vom zurückliegenden Hochwasser nicht zur Änderung von Ferienplänen verleiten zu lassen“. Er ermunterte Touristen, sich im Havelland, im Spreewald, in der Prignitz oder im Elbe-Elster-Land einzumieten oder das Zelt aufzuschlagen. „Sie werden auf gastfreundliche Menschen treffen und auf reizvolle Landschaften. Seien Sie zu Gast bei den Helden der vergangenen Tage, die ihre Heimat gegen die Fluten geschützt haben“, sagte Platzeck.

Derzeit gibt es nur noch im Westhavelland einige Einschränkungen im Radtourismus, der Havel-Radweg ist zwischen Rathenow und Havelberg und die „Tour-Brandenburg“ ab Rhinow in Richtung Strodehne gesperrt. Bootskapitäne können die Untere Havel-Wasserstraße ab Grütz in Richtung Havelberg bis zur Elbmündung nicht befahren. Unterdessen sind viele anderer Meinung als Theologe Friedrich Schorlemmer. Er schlägt statt mehr Schutzausbauten im „Kampf gegen die Natur“ vor, dass die Menschen überlegen sollten, umzusiedeln.

Quelle: tagesspiegel.de

Lieber Wasserbüffel als Kamele

Veröffentlicht: Juni 30, 2013 von fluthelfer in Brandenburg

Angesichts ihrer seit Wochen überfluteten Wiesen und Äcker bleibt manchen Bauern in Brandenburg nur Sarkasmus: „Die haben uns erzählt, dass hier alles versteppt – in Wahrheit können wir uns bald Wasserbüffel kaufen und Reis anbauen“, sagt ein Landwirt in Plessa im Elbe-Elster-Kreis. Tatsächlich ist seit den extremen Regenfällen im Jahr 2010 auch das Grundwasser in Brandenburg gestiegen. Nicht nur die Landwirtschaft, sondern auch viele Betriebe und Privatpersonen leiden darunter, weil ihre Keller immer wieder unter Wasser stehen. Doch die aktuelle Entwicklung ist trügerisch und könnte zu falschen Schlussfolgerungen verleiten, sagt der Präsident des brandenburgischen Landesumweltamts, Matthias Freude.

Denn in den drei Jahrzehnten zuvor ist das Grundwasser in Brandenburg durchschnittlich um drei Meter abgesunken – mehr als in allen anderen Teilen Deutschlands. Grund ist laut Freude der Klimawandel, der das am östlichsten gelegene Bundesland am härtesten trifft. Weil es weniger regnete und wegen des Temperaturanstiegs mehr verdunstete, sind sogar viele Seen in der Schorfheide ausgetrocknet. Die extremen Niederschläge und Hochwasser von 2010 haben diese Situation umgekehrt, das Grundwasser stieg wieder, vor allem in denFlussniederungen von Havel, Dahme oder Müggelspree war das zu spüren. Eine besondere Situation gibt es im Süden des Landes, wo das Grundwasser wegen der Braunkohletagebaue seit etwa 1920 jahrzehnte- lang um bis zu 70 Meter abgesenkt wurde. Nach Schließung vieler Tagebaue seit 1990 steigt es wieder und bereitet jenen Probleme, die beim Bau ihrer Häuser nicht damit gerechnet hatten. Für sie ist auch kein Trost, wenn Experten davon ausgehen, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis die Trockenheit nach Brandenburg zurückkehrt. Also doch lieber Kamele statt Wasserbüffel. Sandra Dassler

Quelle: tagesspiegel.de

Hochwasser-Soforthilfe gefordert

Veröffentlicht: Juni 22, 2013 von fluthelfer in Brandenburg

Das Hochwasser in Brandenburg und in den anderen betroffenen Gebieten geht zurück, doch das Ausmaß der Flut-Katastrophe wird Wochen nach deren Beginn immer deutlicher. Auch viele Bauern stehen vor den Trümmern ihrer Existenz.

Der Bauernverband befürchtet sehr hohe Verluste für die Landwirte in den deutschen Hochwassergebieten und macht sich für schnelle Soforthilfen stark. „Ich schließe nicht aus, dass bei der Schlussbilanz der derzeit geschätzte Schaden von 430 Millionen Euro weiter nach oben verändert werden muss”, sagte Bauernpräsident Joachim Rukwied vor dem Deutschen Bauerntag in der kommenden Woche in Berlin. Bis durchnässte Böden wieder tragfähig seien, könne es teils bis in den Winter dauern. „Nach der Vernichtung dieser Ernte wäre auch eine Herbstbestellung möglicherweise nicht machbar.” Geschädigte Landwirte müssten in den geplanten Fluthilfefonds von Bund und Ländern aufgenommen werden.

„Wir fordern, vom Hochwasser betroffenen Bauern zu helfen, indem sie 500 Euro pro Hektar als Soforthilfe bekommen”, sagte Rukwied. So könnten sie Futter für ihre Tiere kaufen, laufende Rechnungen zahlen und den Betrieb weiterführen. „Da stehen Existenzen auf dem Spiel.” Allein die Schäden an Gebäuden und Betriebseinrichtungen würden auf mindestens 100 Millionen Euro geschätzt.

Unabhängig davon hat ungünstiges Wetter in Teilen der Branche in diesem Jahr bereits Einkommenseinbußen verursacht. „Der lange Winter, das späte Frühjahr, der kühle, nasse Mai haben zu Ernteverzögerungen und geringeren Erntemengen vor allem bei Erdbeeren, Spargel und Frühgemüse geführt.” Für die Ernte bei den späteren Kulturen setzten die Bauern nun auf optimales Wetter. „Für Getreide, Raps, Rüben, Mais, Obst und Wein ist noch alles offen.” Insgesamt sei die Geschäftslage weiterhin durchaus freundlich.

http://www.maz-online.de/Region/Brandenburg/Hochwasser-Soforthilfe-gefordert

Hilfe mit lauter zuckersüßen Verführungen

Veröffentlicht: Juni 21, 2013 von fluthelfer in Brandenburg

 

Die Bilder von überschwemmten Orten und Landschaften haben die Malchiner Lindenschüler aufgerüttelt. Und sie hatten ein Idee.

Klar, den Flutopfern zu helfen, das machen wir! So viele schreckliche Bilder haben Anne, Ramon, Ricardo und ihre Mitschüler von der Malchiner Lindenschule im Fernsehen und in der Zeitung gesehen. Bilder, die betroffen sie machten.
Deshalb stand für die Mädchen und Jungen sowie ihre Lehrer fest: Wie veranstalten am Donnerstag vor den Sommerferien einen Kuchenbasar – gemeinsam mit dem Sozialwerk. Kirsch- und Schokoladenkuchen, kleine Törtchen und Muffins mit zuckersüßer Glasur – all das boten die Schüler auf dem Malchiner Marktplatz an. Und die Leute standen Schlange. Regina Fritsche brachte gleich einige Mitarbeiterinnen aus dem Rathaus mit. „Ich stamme selbst aus dem sächsischen Döbeln“, sagte sie. Der Ort liege an der Freiberger Mulde und war schon im Jahr 2002 bei der Flut überschwemmt. „Ich finde, die Aktion ist eine tolle Idee. Es ist wichtig, dass wir den Menschen dort helfen.“
Genauso sehen es Anke Steinbach und Peggy Scherbarth vom Friseursalon Figaro. Sie reihten sich ein in die lange Schlange und nahmen für ihre Kolleginnen das eine oder andere Stück Torte mit. „Für die Flutopfer wird jede Hilfe gebraucht.“
Anne legt Stück für Stück auf die Teller. Dabei hat sie Auswahl aus 42 Kuchen. Denn so viele Bleche und Torten haben die Eltern für die Aktion gebacken. Anne half ihrer Mutter natürlich beim Einrühren des Kuchens. Für sie ist es schön, den Flutopfern zu helfen. Viele hätten kaum Geld für Renovierungen oder für neue Möbel, meint sie. Ihre Mitschüler zogen indes mit Kuchenblechen durch Geschäfte, Praxen und ins Pflegeheim an der Bleiche.
Für Schulsozialarbeiterin Rica Düde-Grandtke war es schon der zweite Kuchenbasar gemeinsam mit der Lindenschule. Sie hoffte, dass wieder soviel Geld zusammenkommt wie bei der Spendenaktion für krebskranke Elmaida. Damals seien 500 Euro gesammelt worden. Ganz soviel wurde es dann doch nicht. 421 Euro können die Kinder jetzt überweisen. Rica Düde-Grandtke findet es aber schade, dass es bis jetzt kaum Aktionen für die Flutopfer in der Region gegeben hat.
Kontakt zu den Autoren
red-malchin@nordkurier.de

Kräftezehrende Woche im Flutgebiet

Veröffentlicht: Juni 21, 2013 von fluthelfer in Brandenburg


Der Einsatz im Hochwassergebiet verlangte den Neubrandenburger Katastrophenschützern täglich 18-Stunden- Schichten ab. Bei dem Unwetter wären ihnen die eigenen Zelte beinahe selbst um die Ohren geflogen.

Neubrandenburg.Die Neubrandenburger Katastrophenschützer sind zurück von ihrem Hochwassereinsatz im südlichen Mecklenburg. „Als die Fahrzeuge wieder in der Halle standen und nicht mehr gefragt wurde, wann die nächste Lieferung raus muss, hab ich gemerkt, wie ausgelaugt ich bin“, sagt Andreas Hänisch. Hinter ihm liegt eine kräftezehrende Woche. Er und 24 weitere Mitarbeiter des Roten Kreuz Kreisverbandes Neubrandenburg waren sieben Tage lang täglich 18 Stunden auf den Beinen. Sie wurden alarmiert, um die Hochwasserhelfer in Boitzenburg an der Elbe zu verpflegen. Frühstück, Mittag, Abendbrot.
Kreisbereitsschaftsleiter Stefan Lammert spricht vom Chaos der ersten Tage. Der Wasserpegel in Boitzenburg stieg schneller als vorhergesagt. Von Bundeswehr über DRK bis zum Technischen Hilfswerk waren plötzlich alle verfügbaren Einheiten im Einsatz. Alles mit Blaulicht auf dem Dach musste versorgt werden. „Zu Spitzenzeiten haben wir 1200 Essen ausgegeben.“
Lebensmittel wurden aus ganz Norddeutschland angeliefert. Allerdings fehlten zunächst die notwendigen Kühltransporte. Alles musste deshalb sofort gekocht werden. Nach der Zubereitung musste das Essen zu den verschiedenen Einsatzstationen gefahren werden. „Wir sind an unsere Grenzen gestoßen“, sagt Lammert. Deshalb sandte der Kreisbereitschaftsleiter einen Hilferuf zur DRK-Zentrale in Neubrandenburg.
Von da an unterstützen auch hauptamtliche Mitarbeiter die ehrenamtlichen Helfer vor Ort. Als wenn die Dauerbereitschaft noch nicht belastend genug war, setzten den Helfern in Boitzenburg auch Sturm und Regen zu. „Uns wären fast die Zelte weggefolgen“, erinnert sich Stefan Lammert. Plötzlich brauchten sie selbst Hilfe. Die Feuerwehr sicherte das DRK-Lager auf dem örtlichen Sportplatz schließlich mit Sandsäcken, die die Zelte beschwerten.
Wie man einen solchen Einsatz überhaupt durchhält? „Man funktioniert“, sagt Andreas Hänisch knapp. Es sei auch nicht sein erster Einsatz gewesen. Andere Kollegen hielten das Pensum nicht durch. „Drei hat es entschärft“, so Stefan Lammert. Sie hätten bei der großen Anstrengung in der Hitze ihre Leistungsgrenze überschritten. Karin Lammert verweist auf die Dankbarkeit der Leute vor Ort, die die Hilfe zu schätzen wissen. „Da weiß man, wofür man das macht.“ Am Ende der Woche hatten die Neubrandenburger etwa 10200 Portionen Essen gekocht. Nach einer ersten Bestandsaufnahme des Inventars steht fest: Der Einsatz mit zwölf verschiedenen Anlaufstellen zu Spitzenzeiten hat enorm viel Material verschlissen. Es bleibt die Dankbarkeit der Flutopfer.

Kontakt zum Autor
d.kleindienst@nordkurier.de

Tausende Wildtiere sind im Hochwasser ertrunken

Veröffentlicht: Juni 20, 2013 von fluthelfer in Brandenburg

 

Das Hochwasser hat in Brandenburg tausenden Wildtieren das Leben gekostet. „Viele Rehe und Hasen, einige Füchse, aber auch andere kleine Tiere wie Mäuse und Maulwürfe sind in den überfluteten Gebieten ertrunken“, sagte der Präsident des Umweltamtes, Matthias Freude. Auch zahlreiche Vogelnester von Wiesenbrütern wurden überspült. „Sogar Biber ertrinken beim Hochwasser, wenn die Strömung zu stark ist oder sie in ihren Bauen eingeschlossen werden und ersticken.“

Viele Tierkadaver werden erst jetzt sichtbar, da das Wasser in der Prignitz, im Havelland und in den anderen betroffenen Regionen langsam abfließt. Die bei weitem größten Auswirkungen hat die Flut bei Spinnen und Insekten. „Millionen kleiner Krabbeltiere sind hier betroffen“, sagte Freude. Und sogar Fische hätten unter den Wassermassen zu leiden: „Mit dem Hochwasser selbst kommen ältere Fische zwar meist klar. Schwierig wird es, wenn das Wasser auf überfluteten Flächen länger steht“, erklärte der Umweltexperte. Bei den jetzigen heißen Temperaturen sei der Sauerstoffvorrat rasch aufgebraucht und die Tiere ersticken. „Ein Fischsterben ist hier vorprogrammiert. Und wenn das Wasser zurückgeht, werden weitere Fische auf dem Trockenen zappeln“, ergänzte Freude.

Störche, Kraniche, Graureiher gehören zu den Profiteuren

Störche, Kraniche, Graureiher und andere fischfressende Arten können sich da freuen – sie gehören zu den Profiteuren der Flut. Auch ans Tageslicht kommende Regenwürmer sowie flüchtende Mäuse und Maulwürfe brauchen sie nur aufzusammeln. Aber viele Flüchtlinge überleben die Fluten auch unbeschadet – selbst ohne eine Arche Noah: „Die Tiere sind nicht unvorbereitet. In ihrer Entwicklungsgeschichte haben sie Hochwasser schon oft erlebt“, sagte Freude. Und manche hätten im Laufe der Jahrmillionen erstaunliche Mechanismen entwickelt, um Flutkatastrophen zu entgehen. So können alle Säugetiere schwimmen. Vögel legen neue Eier und machen sogenannte Nachgelege, wenn ihre Nester überspült wurden. Und sogar am Boden krabbelnde Spinnen können den Wassermassen entfliehen. „Sie geben seidene Fäden in die Luft ab und lassen sich vom Wind wie an kleinen Fallschirmen davontragen“, sagte Freude.

http://www.nordkurier.de

Die Pegel in Potsdam steigen kaum

Veröffentlicht: Juni 17, 2013 von fluthelfer in Brandenburg

von Peter Könnicke

Während viele Ortschaften in Brandenburg mit der Jahrhundertflut kämpfen, gab es in Potsdam keine Probleme. Dabei ist eine Hochwassergefahr in der Landeshauptstadt durchaus möglich

Während in diesen Tagen zahlreiche Brandenburger Orte mit Hochwasser kämpfen und noch jahrelang die Folgen der Flut spüren werden, gab es keine Probleme in der Landeshauptstadt. Dabei ist eine Hochwassergefahr in Potsdam durchaus möglich, sagt Thomas Frey, Experte im Landesumweltamt. So gab es zu Beginn des Jahres 2011 Alarmstufe 2 an der Havel.

Doch Überflutungen auf Potsdamer Gebiet sind lange her. Der höchste bisher gemessene Havel-Wasserstand, der in Potsdam gemessen wurde, datiert aus dem Jahr 1940 – 2,29 Meter.

In der vergangenen Woche wurden 1,13 Meter gemessen. Bei dem aktuellen Hochwasser profitiert Potsdam von der günstigen Situation. Das Hochwasser im Oberlauf der Spree durchläuft auf seinem Weg nach Potsdam mit dem Spreewald ein großes Niederungsgebiet sowie mehrere Seen im Berliner Raum. „Auf dieser Strecke kommt es zu einer deutlichen Dämpfung der Hochwasserwelle, das Wasser erreicht Potsdam deutlich verzögert mit geringeren Spitzenwerten“, sagt Umweltexperte Frey. Die großen Havelseen bilden einen natürlichen Speicher.

Zum anderen liegt Potsdam deutlich oberhalb der Elbmündung der Havel. Am Lauf entlang gibt es wiederum Seen und Polder. Diese sind in der Lage, größere Wassermengen aufzunehmen. „Das sind gigantische Flächen“, sagt Detlef Knuth, als Direktor des Potsdamer Naturkundemuseum mit Hochwasserfragen sehr vertraut. Es müsse schon der unwahrscheinliche Fall auftreten, dass bei entsprechender Windrichtung die Nordsee über mehrere Monate auf die Elbe drückt und diese sich bis zur Havel staut.

Wirkliche Hochwasser sind vor allem für die Nuthe notiert. So wird in einem Kirchenbuch über „Hochwasserkatastrophen“ bis ins 18. und 19. Jahrhundert geschrieben. Auch Fontane erwähnt in einer seiner Erzählungen das Hochwasser 1755. Und eine Postkarte von 1921 liefert immerhin einen fotografischen Beweis für ein Nuthe-Hochwasser: Sie zeigt den überfluteten Neuendorfer Anger im heutigen Babelsberg.

Quelle: http://www.tagesspiegel.de

Hochwasser in Brandenburg – Wittenberger dürfen zurück

Veröffentlicht: Juni 14, 2013 von fluthelfer in Brandenburg

Die Wittenberger dürfen in ihre Häuser zurück. Der Evakuierungsbeschluss vom Sonnabend ist aufgehoben. Von genereller Entspannung spricht der Brandenburger Krisenstab aber ausdrücklich noch nicht.

 

Angesichts sinkender Pegelstände der Elbe in der Prignitz können alle Bewohner von Wittenberge wieder in ihre Häuser zurückkehren. Der Beschluss zur Evakuierung wurde am Freitag aufgehoben. Landrat Hans Lange (CDU) begründete das mit einer Stabilisierung der Hochwasserlage, wie eine Sprecherin des Krisenstabes sagte. Der Katastrophenalarm bleibe jedoch bestehen, da weiterhin höchste Aufmerksamkeit erforderlich sei. Die aufgeweichten Deiche dürfen weiterhin nicht betreten werden.

Die rund 1500 Bewohner der Altstadt waren am Sonnabendabend zum freiwilligen Verlassen ihrer Wohnungen aufgefordert worden, als die Elbe in Wittenberge auf 7,50 Meter gestiegen war. Die Mehrheit blieb jedoch in der Stadt.

 

Von genereller Entspannung ist noch keine Rede

Generell ist der Pegel der Elbe in den Hochwassergebieten in Ost- und Norddeutschland am Freitag weiter gesunken. Wegen des weiterhin hohen Drucks auf die durchweichten Deiche wollten die Behörden aber noch nicht von genereller Entspannung sprechen. Davon könne „keine Rede sein“, teilte der Landes-Krisenstab von Brandenburg in Potsdam mit.

Die Deiche erforderten „höchste Aufmerksamkeit“ von den Einsatzkräften, betonte der Krisenstab. Am Deichbruch bei Fischbeck an der Grenze zwischen Brandenburg und Sachsen-Anhalt strömt weiter Wasser in das Hinterland rechts der Elbe. Dort hatten Bundeswehr-Pioniere am Donnerstag mit Bergepanzern eine Landstraße aufgebrochen, um einen künstlichen Abflusskanal für die Fluten zu schaffen und die Gemeinde Kamern zu schützen. In der Region breiten sich die Wassermassen der Elbe über immer weitere Gebiete aus.

Im Spreewald hingegen dürfen wieder Kähne fahren. Seit diesem Freitag, 15 Uhr, sind einzelne Routen von Burg, Lübbenau, Lübben und Schlepzig wieder befahrbar. Allerdings gilt die Genehmigung nicht für den gesamten Spreewald – und auch nur für gewerbsmäßige Kahnfahrer.

Paddeln bleibt wegen der starken Strömung und des teilweise hohen Wasserpegels verboten. Auf diesen Kompromiss verständigten sich die zuständigen Behörden in einer Konferenz im Landratsamt in Lübben mit den Kahnfährbetrieben. Diese hatten gegen die vor etwa einer Woche verhängte Sperrung wegen des Hochwassers protestiert.

 

Regenfälle bereiten Sorgen

Auch in Niedersachsen sanken die Pegel weiter, blieben aber auf hohem Niveau. Die Einsatzkräfte hätten die Lage an den Deichen „unter Kontrolle“, teilte der Krisenstab des Landkreises Lüneburg am Freitag mit. Die Behörden rechneten zudem damit, dass die Evakuierung von Teilen der kleinen Elbstadt Hitzacker im Kreis Lüchow-Dannenberg am Morgen aufgehoben werden konnte.

Zusätzliche Sorge bereiteten den Einsatzkräften an einigen Orten Regenfälle. Diese könnten die beanspruchten Deiche weiter durchfeuchten. In Landkreis Lüchow-Dannenberg deckten Helfer einen Notdeich mit Planen ab. Im ebenfalls hochwasserbedrohten Landkreis Ludwigslust-Parchim stuften die Experten den Regen zunächst aber als harmlos ein.

 

Nationaler Aufbaufonds ist beschlossen

Noch immer kämpfen in mehreren Bundesländern tausende Helfer von Feuerwehren, Bundeswehr und Hilfsorganisation mit den Folgen des Hochwassers. Zahlreiche Menschen müssen noch immer in Notunterkünften ausharren, weil Ortschaften geräumt wurden. An etlichen Orten elbabwärts haben unterdessen Aufräumarbeiten begonnen.

Die Flutschäden in Deutschland werden auf mehrere Milliarden Euro geschätzt, einen genaue Aufstellung gibt es nicht. Bund und Länder hatten sich am Donnerstag auf die Einrichtung eines nationalen Aufbaufonds für die Hochwassergebiete geeinigt. Er soll ein Volumen von etwa acht Milliarden Euro haben und je zur Hälfte von Bund und Ländern getragen werden. Zudem gibt es Soforthilfeprogramme.

Auch die Versicherungen rechnen mit höheren Sachschäden als beim Hochwasser im August 2002. „Wir müssen davon ausgehen, dass der Schaden durchaus höher sein kann als bei der Elbe-Flut 2002“, sagte Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Alexander Erdland. Eine Zahl lasse sich erst nennen, wenn das Wasser in Sachsen-Anhalt und Niedersachsen abgelaufen und die Schäden sichtbar seien.

Durch das Elbe-Hochwasser 2002 entstand nach GDV-Angaben in Privathaushalten und Unternehmen ein versicherter Schaden von 1,8 Milliarden Euro. Der volkswirtschaftliche Schaden wurde auf 11 Milliarden Euro geschätzt.

 

© Berliner Morgenpost 2013

Naturschützer fordern Überflutungsflächen

Veröffentlicht: Juni 12, 2013 von fluthelfer in Brandenburg

Um Brandenburg zukünftig besser vor Hochwasser zu schützen, fordert der Naturschutzbund mehr Überflutungsflächen. Gegen diese Forderungen gehen die Landwirte auf die Barrikaden. Sie sprechen von Enteignung.

Die Forderungen des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) für mehr Überflutungsflächen in Flussgebieten hat der Bauernbund Brandenburg scharf kritisiert. „Das wäre faktisch die Enteignung der Bauern, die dort seit vielen Jahrhunderten wirtschaften”, sagte Lutz Wercham, Vorstandsmitglied des Bauernbundes aus Wilhelmsaue (Märkisch-Oderland), am Mittwoch

Die Landwirtschaft sei nicht verantwortlich für Naturkatastrophen, sondern in erster Linie Opfer, betonte er mit Blick auf überflutete Äcker und Wiesen vor allem im benachbarten Sachsen-Anhalt.

Der Naturschutzbund (Nabu) hatte am Dienstag gefordert, angesichts der Hochwasserkatastrophe an der Elbe schnell mehr Überflutungsflächen zu schaffen. Bis 2020 sollten mindestens 500 000

Hektar sowie langfristig 80 Prozent der heute landwirtschaftlich genutzten Auen an Flüssen naturnah gestaltet werden, hatte es in der Mitteilung geheißen.

Wercham betonte, der Bauernbund sei offen für sinnvolle Maßnahmen, wie etwa der Vorhaltung von Polderflächen. Diese würden von Landwirten normal bewirtschaftet und bei starkem Hochwasser gegen Entschädigung der Betriebe geflutet. (dpa)

 

http://www.maz-online.de

 

Der Krisenstab

Veröffentlicht: Juni 12, 2013 von fluthelfer in Brandenburg

Rund 40 Leute sorgen im Innenministerium dafür, dass die Sandsäcke an den Deichen ankommen

Seit Tagen kämpft Brandenburg mit Hochwasser. Helfer werden geschickt, wenig später abgezogen und woanders eingesetzt. Im Krisenstab versucht man den Überblick zu behalten.

Knapp 1,9 Millionen Sandsäcke liegen an den Deichen. 3000 Helfer sind rund um die Uhr im Einsatz, Hubschrauber bringen Material in die Krisengebiete.

Bei Flutkatastrophen muss die Logistik klappen. Herzstück dafür ist der Krisenstab, der in Brandenburg einen sperrigen Namen trägt: Koordinierungszentrum Krisenmanagement. Er ist im Innenministerium angesiedelt. Seit mehr als einer Woche wirken dort rund 40 Mitarbeiter. Bislang tun sie es mit Erfolg. Bis auf einen Dammbruch bei Arnsnesta an der Schwarzen Elster haben die Deiche im Bundesland gehalten. Noch ist die Gefahr aber nicht gebannt. Im Norden ist die Situation angespannt und das Hochwasser wird noch lange auf die durchweichten Dämme drücken.

»Drei Millionen Sandsäcke haben wir im Grundbestand«, berichtet Cheflogistiker Hagen Bodinka von der Landesschule und Technischen Einrichtung für Brand- und Katastrophenschutz. Fast zwei Drittel sind bereits verbaut, rund eine Million allein in der Prignitz. Immer wieder werden Sandsäcke nachbestellt, auch wenn die Preise dafür derzeit steigen. »Was gebraucht wird, besorgen wir«, sagt der 52-Jährige.

In der Regel werden die Materialien im Katastrophenschutzlager in Beeskow abgerufen. Neben Sandsäcken lagern dort Abdichtfolien für Deiche, Schutzausrüstungen, Notstromaggregate, Pumpen und Schläuche. Der Bestand ergänzt, was die Landkreise selbst für den Fall der Fälle bereitliegen haben. Manchmal sind aber ganz spezielle Dinge nötig, beispielsweise Amphibienfahrzeuge oder Hubschrauber. Dann werden Bundeswehr oder Organisationen wie das Technische Hilfswerk um Hilfe gebeten. »Geht nicht, gibt’s nicht«, sagt Bodenka.

Weil es schnell gehen muss, sitzen im Krisenstab Feuerwehr, Polizei, Technisches Hilfswerk, Sanitätsdienste, Bundeswehr und Landesverwaltung. Im Kampf gegen das Hochwasser sollen weder Zeit noch Informationen durch unnötige Dienstwege verloren gehen. Im Ernstfall ist der Krisenstab des Innenministeriums innerhalb einer Stunde handlungsfähig, berichtet Sprecher Wolfgang Brandt. Mehr als eine Woche liegt hinter den Mitarbeitern, etwa eine Woche haben sie nach derzeitigen Schätzungen noch vor sich.

Dreimal täglich treffen sich die Fachleute zur Lagebesprechung am langen, ovalen Tisch. Ein überdimensionaler Touchscreen zeigt die jüngsten Meldungen aus den Hochwasserregionen, an den Wänden hängen Karten, Pegeltabellen und hydrologische Berechnungen von digitalen Geländemodellen. »Wenn nötig, können wir uns auch auf einen Helikopter schalten und die Situation aus der Luft betrachten«, erklärt Brandt.

Bei der Lagebesprechung wird die Situation analysiert. Einsatzkräfte und Material werden in Bewegung gesetzt. »Durchschnittlich 100 Mails und Faxe gehen bei mir ein«, schildert Roman Trummerer. Er sichtet die Bitten der Landkreise. Die Steuerung erfolgt allerdings durch die Krisenstäbe vor Ort. Das Krisenzentrum des Innenministerium arbeitet ihnen zu, übergeordnet ist es nicht.

Dafür erhalten die Mitarbeiter Lob. »Die Zusammenarbeit mit dem Potsdamer Krisenzentrum ist super«, schwärmt Prignitz-Landrat Hans Lange (CDU). »Die lesen uns förmlich unsere Materialwünsche von den Augen ab.« Auch im Team selbst scheint eine gute Stimmung zu herrschen. Trotz der Anspannung wird miteinander geflachst. Mit den Worten »Hier ist unser Herzstück«, zeigt Brand auf die kleine Küche des Krisenstabs. »Ohne Mampf kein Kampf« lautet das Credo.

URL: http://www.neues-deutschland.de/artikel/824216.der-krisenstab.html

Das Hochwasser könnte noch bis zu zehn Tage stehen

Veröffentlicht: Juni 11, 2013 von fluthelfer in Brandenburg

von Claus-Dieter Steyer

Der Scheitel der Flutwelle hat Perleberg erreicht. Die Lage ist stabil, aber sie bleibt weiterhin angespannt, die Pegel steigen im Moment nicht weiter. Jetzt gilt es, die Deiche zu halten, denn die weichen allmählich durch. Dabei müssen sie noch eine ganze Weile durchhalten.

Die Spitze des Elb-Hochwassers hat die Prignitz erreicht. „Das Plateau geht jetzt langsam durch“, sagte eine Sprecherin des Krisenstabes am Dienstag in Perleberg (Brandenburg). Der Wasserstand zeigte sich zunächst bei einer Höhe um 7,75 Meter in Wittenberge relativ stabil. „Die Situation ist dennoch nicht zu unterschätzen, weil das Wasser sehr lange bei uns stehen wird“, sagte die Sprecherin.

Der Landkreis rechnet mit einer Dauer von bis zu zehn Tagen. Die Spitze des Hochwassers soll Berechnungen zufolge etwa 40 Kilometer lang sein. Experten hatten befürchtet, dass die Elbe einen historischen Höchststand von mehr als acht Metern erreicht.

Mit der Flutung von Poldern konnte die Situation bislang entspannt werden.

Insgesamt stabilisiert sich die Lage in den brandenburgischen Hochwassergebieten entlang der Elbe etwas. Der Pegel von 7,75 Metern war zehn Zentimeter weniger als beim bisherigen Höchststand am vergangenen Sonntag. Beim letzten großen Elbehochwasser lag der Pegel rund 40 Zentimeter tiefer. In den nächsten Tagen erwartet der Krisenstab des Landkreises kein weiteres Ansteigen des Wassers.

Dennoch nehme die Belastung auf die Deiche weiter zu, so dass von einer Entwarnung noch nicht gesprochen werden könne. Je länger das Wasser steht, umso mehr weichen sie durch – im Mittelpunkt stehe jetzt die Verteidigung der Dämme.

Zur Beruhigung der Lage im 73 Kilometer langen Elbabschnitt rund um Wittenberge haben zweifellos die beiden Deichbrüche im Raum Tangermünde in Sachsen-Anhalt beigetragen. Hier hat das Wasser der Elbe den Ort Fischbeck und weitere Dörfer überschwemmt. Bundeswehrhubschrauber versuchen mit dem Abwurf von großen  Sandsäcken den Wasserdurchlauf etwas zu bremsen. Fischbeck liegt rund 50 Kilometer südlich von Wittenberge.

Die Spitze des Hochwassers an der Elbe hat Sachsen-Anhalt verlassen. Sie ist seit Dienstagmorgen in Höhe von Wittenberge im Land Brandenburg, teilte der Landesbetrieb für Hochwasserschutz am Dienstag in Magdeburg mit. In Magdeburg sank der Pegelstand an der Strombrücke um 9.00 Uhr auf 6,85 Meter.

Da weitere Deichbrüche elbaufwärts nicht ausgeschlossen sind, wurde das am Sonntag geöffnete Wehr bei Quitzöbel wieder geschlossen. Hier strömte bis zum Morgen Elbwasser in den Havelschlauch und die eigens für Hochwasser reservierten Polder. „Wir brauchen diese Flächen als Reserve für die Aufnahme weiterer Wassermassen, die möglicherweise aus der Elbe unkontrolliert ins Havelland fließen“, sagte ein Sprecher des Brandenburgischen Landesumweltamtes.

In der Nähe von Wittenberge stehen rund zehn Grundstücke und Häuser unter Wasser. In Bälow und Breese konnten die Deiche dem Druck des Wassers nicht standhalten.

Derzeit werden keine freiwilligen Helfer von außerhalb in der Prignitz zum Sandsackfüllen gebraucht. Die örtlichen Kräfte reichen nach Auskunft des Wittenberger Bürgermeister Oliver Hermann aus. Weitere Informationen gibt es am Bürgertelefon unter 03877 / 566 9000.

Quelle: tagesspiegel.de

Pegel bei Lenzen erreicht Rekordstand

Veröffentlicht: Juni 9, 2013 von fluthelfer in Brandenburg

Wir beziehen uns auf Angaben des Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV):

Der bisherige je gemessene, historische Höchstwert von 747 cm aus dem Jahr 02.04.1895 ist am Pegel Lenzen überschritten worden: Wasserstand [in cm] 753,00 am 09.06.2013 um 07:00 Uhr.

Gleiches gilt für Wittenberge: Wasserstand [in cm] 769,00 am 09.06.2013 um 07:00 Uhr. Höchster Wasserstand war bis dato 734 cm am 20.08.2002.

Schnackenburg liegt nur noch wenige cm unter seinem Allzeithoch: Wasserstand [cm] 748,00 am 09.06.2013 um 07:00 Uhr.

http://wendland-net.de

Ein Dorf trotzt den Fluten

Veröffentlicht: Juni 8, 2013 von fluthelfer in Brandenburg

Tagelang haben die Menschen in der Kleinstadt Elster gegen die drohende Flut gekämpft, dann mussten sie den Deich aufgeben. Nun steigt das Wasser unaufhörlich, es gibt weder Strom noch funktionierendes Abwassersystem. Die Stadt will die Bewohner evakuieren – doch die wollen davon nichts wissen.

Der Kampf war hart und er hat ihn verloren. Stefan Grolet, 30, hat tagelang am Deich seiner Heimatstadt Elster gearbeitet. Er hat Sandsäcke gefüllt und gestapelt, wollte verhindern, dass die Elbe sein Elternhaus überflutet. Mittwochnacht hat er bis um halb drei durchgehalten, dann siegte die Müdigkeit. Am nächsten Morgen lag eine Nachricht der Stadt im Briefkasten: Wir geben den Deich auf. Wir können nichts mehr tun.

Fast 2500 Menschen leben in Elster im Landkreis Wittenberg, die Stadt liegt direkt an der Elbe. Nach tagelanger Flut hat sich das Wasser hinter den Deichen durch das Erdreich nach oben gedrückt, inzwischen quillt es aus den Gullideckeln der Stadt. In den meisten Straßen kommt man nur mit Booten vorwärts. Eine wenige Monate alte und 2,8 Millionen teure Kindertagesstätte ist ruiniert. Das Gewerbegebiet mit Möbelhaus und Supermarkt ist überflutet. Das Abwassersystem funktioniert nicht mehr. Pumpen, Stromaggregate oder Campingtoiletten sind in den Baumärkten Mangelware.

Aber von Katastrophenstimmung ist in Elster nichts zu merken. Dutzende Bewohner haben sich bei strahlendem Sonnenschein am alten Sportplatz versammelt, wer Kraft hat, füllt Sandsäcke zum Schutz der Häuser, die anderen sorgen für Getränke oder Kuchen, man kennt sich, man plauscht. Nebenan hat die DLRG ihr Lager aufgebaut. Es ist mehr Party als Panik.

Die meisten Sitzenbleiber haben dasselbe Argument Doch tatsächlich wird die Lage für viele Bewohner in den überfluteten Häusern immer dramatischer. Denn was tun, wenn ein Unfall passiert – aber das Telefon nicht funktioniert oder der Rettungswagen nicht zum Haus vorkommt Bürgermeister Peter Müller hat deshalb die Evakuierung angeordnet. Doch die Bewohner von Elster weigern sich.

Bis zum Freitagabend habe der DLRG gerade einmal 20 Menschen evakuieren können, sagt Müller. Einige wenige hätten sich freiwillig auf den Weg zu Freunden oder Verwandten gemacht. Die meisten Sitzenbleiber haben dasselbe Argument: „2002 haben wir’s doch auch geschafft.“ Allerdings sei das Wasser damals sehr schnell abgeflacht, sagt Müller. Diesmal werde der Pegel tagelang auf sehr hohem Niveau bleiben. Am Freitagabend waren es 6,68 Meter, bis Mitternacht sollen es noch zwölf Zentimeter mehr werden – dann wäre der Stand von 2002 erreicht.

Auch Daniel und seine Mutter gehören zu den Evakuierungs-Verweigerern. Neun Steinstufen führen zu ihrem Haus, die unteren drei sind in der braunen Wassermasse nur zu erahnen, im Keller steht sie anderthalb Meter hoch. „Irgendwann muss es ja weniger werden“, sagt die Mutter von Daniel, die namentlich nicht erwähnt werden will. Wir haben doch eine Chemie-Toilette!

Sie sitzt vor ihrem Haus, spricht mit den Nachbarn gegenüber, die es sich ebenfalls auf den Stufen ihres von Wasser umzingelten Hauses gemütlich gemacht haben. Abends spielt sie Halma mit ihrem Sohn und isst Dosen-Ravioli, Licht kommt von den Solarlampen. „Das hat schon was von Camping-Flair“, sagt Daniel. Und im Notfall? Na, da habe der Nachbar ein Schlauchboot.

Und so harren sie wie die anderen Bewohner von Elster aus: Ohne Strom, ohne funktionierende Klospülung, ohne Möglichkeit, das Haus trocken zu verlassen. Aber sie haben einander: Man kennt sich in Elster, man hilft sich.

Helfen, das will auch Judith Kahlert. Aber in Elster wird es ihr schwer gemacht. Kahlert, 22, arbeitet bei der DLRG und fährt mit ihren Kollegen seit Stunden zu Häusern von Flutopfern, eingepackt in wasserdichte Riesenhosen. An den Türen bekommt sie immer wieder zu hören: Wir haben Angst vor Plünderern, wir wollen unser Haus bewachen. Wir haben doch eine Chemie-Toilette. Wir haben 2002 doch auch überstanden. Was kann man da noch antworten?

Kahlert kann die Beweggründe der Bewohner verstehen. Wo Emotionen im Spiel sind, lohnt sich das sachliche Argumentieren selten. Sie kann nur eins tun: Hilfe anbieten. Sie versucht, ein offenes Ohr für die Nöte der Flutopfer zu haben. Und ihnen klar zu machen, dass es – ganz rational betrachtet – einfach sicherer ist, nicht im überfluteten Haus zu bleiben. Denn wer weiß schon, wie schlimm es noch werden wird?

URL: http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/hochwasser-in-elster-stadt-muss-deich-an-der-elbe-aufgeben-

Schlechte Aussichten

Veröffentlicht: Juni 7, 2013 von fluthelfer in Brandenburg

 

Brandenburgs Innenminister Dietmar Woidke äußerte sich am Donnerstag besorgt über die Lage in den Hochwassergebieten: Sie sei schwieriger als bei der großen Flut im Jahr 2002, sagte er im rbb. „Dieses Mal kommen alle Nebenflüsse mit großer Wucht dazu.“ Anders als 2002 haben zudem in Sachsen und Sachsen-Anhalt die meisten Deiche gehalten. Seinerzeit milderten die Deichbrüche, die vor Ort katastrophale Folgen hatten, die Auswirkungen der Flut auf Brandenburg ab.In Wittenberge wird für Montag mit einem Wasserstand von 7,45 Metern gerechnet, das sind zehn Zentimeter mehr als 2002.

Quelle: http://www.berliner-zeitung.de

Dammabriss in Herzberg

Veröffentlicht: Juni 7, 2013 von fluthelfer in Brandenburg

In Herzberg in Südbrandenburg spitzt sich die Hochwasser-Lage zu: Am Donnerstagabend ist am Verlauf der Schwarzen Elster ein Stück Deich abgerissen.

In Herzberg in Südbrandenburg hielt am Donnerstagabend ein Stück Deich am Verlauf der Schwarzen Elster den Wassermassen nicht mehr stand und ist abgerissen. An der Mühlstraße im Stadtteil Alt-Herzberg wurde der Damm nach Angaben des Einsatzleiters der Feuerwehr auf einer Länge von 35 Metern aufgebrochen.
130 Einsatzkräfte und betroffene Anrainer versuchten bis zum späten Abend, den Riss mit Sandsäcken, die über Loren auf Gleisen transportiert wurden, zu schließen.

Das ausgetretene Wasser floss in die Keller der anliegenden Grundstücke. Mehrere Schaulustige beobachteten das Geschehen. Insgesamt sind 9 000 Einwohner von Herzberg im Landkreis Elbe-Elster vom Hochwasser bedroht.

Quelle: http://www.berliner-zeitung.de

 

Deiche in Brandenburg halten – Hochwasser steigt und steigt

Veröffentlicht: Juni 7, 2013 von fluthelfer in Brandenburg

Die Situation in den Brandenburger Hochwassergebieten bleibt dramatisch. Die vom Süden her kommenden Wassermassen haben in der Nacht zum Freitag die Deiche stark belastet. Kritisch ist die Lage nach Angaben der Koordinierungsstelle Katastrophenschutz vor allem in Mühlberg (Elbe-Elster). Dort stieg das Wasser in der Nacht bis auf 9,88 Meter. Am Freitagmittag soll der Höchststand erreicht werden. Stündlich nimmt der Wasserstand um knapp einen Zentimeter zu. „Die Lage ist ganz, ganz schwierig“, sagte Wolfgang Brandt von der Koordinierungsstelle am Freitagmorgen.

 

Angelegt sind die Deiche in der Stadt auf zehn Meter Wasserhöhe, 2002 stieg das Hochwasser auf 9,98 Meter. Die 2100 Einwohner, die die Stadt freiwillig verlassen sollten, sind bisher zu großen Teilen geblieben. Innenminister Dietmar Woidke (SPD) wird am Freitag erneut in der Stadt sein. Er hat bisher eine Zwangsevakuierung abgelehnt.

Das größte Problem ist laut der Koordinierungsstelle nicht die Höhe des Wasserstandes, sondern die Dauer des Hochwassers. Brandt rechnet damit, dass es noch etwa eine Woche lang Druck auf die Deiche ausüben wird. Je Quadratmeter drückten sechs Tonnen Gewicht dagegen.

Der Krisenstab befürchtet, dass das Wasser an einzelnen schwachen Stellen durchkommt.

Nach wie vor angespannt ist auch die Lage an der Schwarzen Elster.

Der gebrochene Deich in Herzberg ist aber mittlerweile durch Sandsäcke, die die Bundeswehr per Hubschrauber antransportiert hat, geschlossen worden. Sorgen bereitet auch hier der anhaltend hohe Wasserstand. Ein abgerutschter Deich verursachte am Donnerstagabend keine größeren Probleme.

Auch an der Elbe im Landkreis Prignitz steigt das Wasser. Der Höchststand wird am Samstag erwartet. Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) hatte am Donnerstagabend den Kreis besucht. „Wir gehen von dem Schlimmsten aus – hoffen aber, dass es nicht eintrifft“, sagte er. Seit Donnerstag sind neben 150 Bundeswehrsoldaten zusätzlich 200 Feuerleute aus dem Barnim und der Uckermark.

Das Hochwasser steigt auch an der Spree. In Cottbus sind die Fußgängerbrücken über den Fluss gesperrt worden. Die Stadt warnt vor Besuchen am Ufer, weil Bäume auf den Deichen umstürzen könnten.

Quelle: nnn.de