Aufbauarbeiten nach der Naturkatastrophe – Ein Jahr nach dem Hochwasser

Veröffentlicht: Juni 29, 2014 von fluthelfer in Deutsche Fluthilfe

Das Hochwasser im Juni 2013 brachte viele Handwerksbetriebe beinahe um ihre Existenz. Drei geschädigte Unternehmer berichten von ihrem langen Weg zurück zur Normalität.

Nicht enden wollende Regenfälle, gebrochene Dämme, überflutete Straßen. Im Juni 2013 wurden große Teile Deutschlands vom Hochwasser erfasst. Besonders in Bayern und dem Osten des Landes stand das Wasser meterhoch in den Städten. Die Fluten überraschten auch viele Handwerksbetriebe, von denen einige an den Rand ihrer Existenz gebracht wurden.

Ein Jahr nach der Katastrophe ist trotz öffentlicher Hilfen bei vielen betroffenen Handwerkern noch immer keine Normalität eingekehrt.

Beinahe drei Meter hoch stand das Wasser in den Innenräumen des Malerbetriebs von Gerhard Lallinger, eine Fläche von 3.000 Quadratmetern, das Mauerwerk war von Feuchtigkeit durchzogen. Auch Equipment und Geschäftsunterlagen wurden zerstört. Auf rund zwei Millionen Euro belief sich Lallingers Gesamtschaden.

Jahre des Wiederaufbaus nötig

Von betrieblichem Alltag ist bis heute nichts zu spüren. „Es ist eher alles Flickwerk“, sagt der Inhaber. Das Geschäftsgebäude ist bisher nur provisorisch wieder aufgebaut. Drei bis vier Jahre könnte es noch dauern, bis alles wieder auf dem Niveau wie vor dem Hochwasser ist, schätzt Lallinger. Das ebenfalls betroffene Wohngebäude der Familie wurde bis auf den Rohbau entkernt. Inzwischen sind drei Stockwerke wieder aufgebaut und die Renovierungsarbeiten im Innengebäude fast abgeschlossen. Demnächst will die Familie dort wieder einziehen.

Trotz des Wiederaufbaus sind die Auftragsbücher derzeit gut gefüllt. Für Lallinger und sein Team bedeutet das allerdings auch eine ständige Doppelbelastung. „Der Stress ist mehr geworden und dafür gibt es keine Entschädigung“, sagt er.

Auch in Thüringen wütete das Hochwasser. Tecosi, dem Funktechnikbetrieb von Bernd U. Beyer aus Gera und Bad Köstritz, ist ein Schaden von über 200.000 Euro entstanden. Der Nachrichtentechniker versucht, die immer noch verzwickte Situation mit Entspannung zu meistern. „Man muss sich einfach zurücklehnen und sich bewusst werden, dass es nicht an einem Tag zu schaffen ist“, sagt Beyer.

Die Thüringer Aufbaubank ist für die Hälfe des entstandenen Schadens aufgekommen. Derzeit beantragt er Hilfen beim Bund, der weitere 30 Prozent übernehmen könnte. Mindestens 20 Prozent des Schadens muss er selbst tragen.

In den Geschäftsräumen und in der Kabelfernsehanlage in Geras Stadtteil Untermhaus wurde von der Flut die komplette Technik wie Verstärker und Schaltschränke zerstört. Auch das Archiv im Keller stand voll Wasser. Beyer hat versucht, die Situation mit provisorischen Lösungen zu überbrücken. Verrottete Kabelanschlüsse, Abzweiger und Verteiler müssen noch ersetzt werden.

Damit der Betrieb wieder läuft, arbeiten er und seine Mitarbeiter deutlich mehr als früher. Sonderschichten sind keine Seltenheit, auch am Wochenende ist Beyer oft in seinem Büro. Immerhin musste er keinen seiner Angestellten entlassen.

Von der Flut wurde auch das Haus getroffen, in dem er mit insgesamt acht Mietparteien wohnt. Eine Woche waren der Strom und die Elektroverteilung im Keller ausgefallen, drei Wochen lang funktionierte die Heizung nicht, man behalf sich mit Notstromaggregaten.

Für die Zukunft wünscht sich Beyer einen besseren Informationsfluss zwischen Betrieben und öffentlichen Stellen. Zudem müssten weitere Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden, die so eine Katastrophe in Zukunft verhindern. „Ich hoffe, dass die Talsperren endlich wieder einheitlich reguliert werden“, sagt Beyer.

Schleichende Schäden

Elektroinstallateur Christian Vogl war mit seinem Betrieb in Passau während des Hochwassers fast eine Woche von der Außenwelt abgeschnitten. Hof und Lager waren überflutet, der Gebäudeschaden beläuft sich mittlerweile auf weit über 200.000 Euro.

Von den bisher eingereichten Kostenrechnungen für Reparaturen wurden 80 Prozent übernommen, die restlichen 20 Prozent musste der Betrieb selbst aufbringen.

„Wir befinden uns nach wie vor in der Instandsetzung“, sagt Vogl. Dabei offenbaren sich nach und nach weitere böse Überraschungen. So macht sich in den Büroräumen inzwischen doch Feuchtigkeit im Boden bemerkbar, der nun ausgetauscht werden muss. Im Lagergebäude zeigen sich Risse in der Wand. Wie hoch diese Sanierungskosten sein werden und ob er staatliche Hilfe dafür bekommen wird, weiß der Elektro­installateur bisher noch nicht. Derzeit ist nur einer der drei Betriebsräume nutzbar, alle Arbeiten müssen auf engstem Raum stattfinden.

Mit dem Krisenmanagement während des Hochwassers war Vogl nicht ganz zufrieden. „Immer kamen neue Warnungen“, sagt er. Aber Vogl weiß, dass es auch die anderen Betriebe der Region erwischt hat. Einen Schuldigen möchte er nicht ausmachen, weil alle mit der Situation überfordert waren.

Wie viele andere hofft Vogl vor allem auf eines: bauliche Vorkehrungen, damit sich eine solche Katastrophe nicht mehr wiederholen kann.

 

Quelle: deutsche-handwerks-zeitung.de

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