Nach Hochwasser-Entschädigung – Schäferin erhält keine Förderung für Landschaftspflege mehr

Veröffentlicht: Januar 23, 2014 von fluthelfer in Zentrale der Deutschen Fluthilfe

Weil die Schäferin Barbara Guckes eine Hochwasser-Entschädigung erhalten hat, werden ihr vertraglich erbrachte Leistungen im Naturschutz nicht vergütet. Wer sich auf natürliche Landschaftspflege einlässt, bekommt Fördermittel, sonst könnten solche Schafbetriebe wie der von Barbara Guckes nicht überleben.

Die Schafe grasen friedlich auf den Elbwiesen zwischen Gorsdorf und Schützberg. Nur wenn „Kobold“, einer der beiden Altdeutschen Hütehunde, mal meint, seine Anwesenheit etwas deutlicher kundtun zu müssen, lassen sie sich aus der Ruhe bringen und flitzen Schafbock „Hans“ nach, immer im Kreis herum.

Job in Konstanz aufgegeben

„Verflixter Kerl, was soll das“, mahnt Schäferin Barbara Guckes – pfeift „Kobold“ zurück und zürnt: „Hast wohl wieder zu viel Energie?“ Wirklich böse klingt das jedoch nicht. Einmal zur Ordnung gerufen, folgt der Vierbeiner wieder aufs Wort. Mit Tieren ist es halt einfacher als mit Menschen. Auch deshalb hat Philosophie-Dozentin Barbara Guckes vor einigen Jahren ihren gut bezahlten Job an der Universität Konstanz aufgegeben. Dort hat sie ihre Studenten mit den Lehren von Aristoteles bis Kant vertraut gemacht. Jetzt „studiert“ sie die Philosophie der blökenden Rasenmäher, die weitaus genügsamer sind und die Welt in Ordnung finden, wenn sie ein Fleckchen Wiese unter sich und andere Schafe neben sich haben.

Dass die 49-Jährige ihre Universitäts-Karriere abgebrochen hat, bereut sie auch jetzt nicht, obwohl sie gegenwärtig gewissermaßen ein Lehrstück erlebt, das deutlich zeigt, welche Unsicherheiten ihr Traumberuf mit sich bringt.

Es geht um Geld, genaugenommen um etwa 5 000 Euro, deren Zahlung ihr das Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten (ALFF) Sachsen-Anhalt verweigert, wie sie sagt. Für die Schäferin bedeutet das eine äußerst schmerzhafte Nachwirkung des jüngsten Hochwassers. „Die Regierung rühmt sich dafür, dass alle betroffenen Land- und Tierwirte – auch Schäfer, eine Entschädigung erhalten haben. Auch ich bekam etwa 5 000 Euro dafür, dass ich im Juni auf der überfluteten Fläche kein Heu machen konnte und somit der erste Schnitt ausgefallen ist. Das war okay.“

Alles hätte nach ihren Worten gut weitergehen können. Sie erläutert: „Als kleiner Schäfereibetrieb erbringe ich mit meinen 540 Schafen so genannte Freiwillige Naturschutzleistungen (FNL) im Rahmen der Argrarumweltverordnung. Dafür muss ich vorgegebene Weidezeiten einhalten und darf die Flächen nicht so intensiv beweiden, wie es sonst üblich wäre. Zum Beispiel darf ich vor Mitte Juni kein Heu machen. Außerdem sind Pausen in der Beweidung einzuhalten, damit sich die Fläche wieder erholen kann. Deshalb stehen nur wenige Schafe auf der Weide, die anderen auf Deichabschnitten.“ Dort „arbeiten“ sie im Auftrag des Landesamtes für Hochwasserschutz und sind als Deichpfleger gern gesehen, weil sie mit ihrem Tritt die Erde verdichten, „eine landwirtschaftliche Dienstleistung, die bezahlt wird. Das klappt auch prima“, lobt die Schäferin.

Wer sich auf diese natürliche Landschaftspflege einlässt und damit quasi die Beweidung der Wiesenflächen erheblich einschränkt, bekommt Fördermittel, sonst könnten solche Schafbetriebe nicht überleben. „Alle Auflagen diesbezüglich habe ich trotz des Hochwassers erfüllt“, gibt Barbara Guckes an. Aber die Reaktion des ALFF nach der gezahlten Hochwasserentschädigung kann sie nicht nachvollziehen: Normalerweise wäre im November die Zahlung der jährlichen Fördermittel für natürliche Landschaftspflege fällig gewesen. Doch die Schäferin wundert sich, dass dieses Geld aus- und ihr Konto leer bleibt. Bis zum jetzigen Zeitpunkt.

Zunächst an Versehen geglaubt

„Da kein Schreiben von der Behörde kam, habe ich zunächst an ein Versehen geglaubt, etwas abgewartet und nach Wochen beim ALFF nachgefragt.“ Was sie dort zu hören bekam, konnte sie nur kopfschüttelnd vernehmen: „Man sagte mir, ich hätte bereits Fördermittel als Hochwasser-Entschädigung bekommen. Eine weitere Förderung für ein und dieselbe Fläche dürfe nicht gezahlt werden.“

Mit der sprichwörtlichen Schafsgeduld hat Barbara Guckes seitdem nichts mehr am Hut. „Das ist unglaublich. Somit ist die Hochwasserentschädigung faktisch zurückgenommen worden, indem erbrachte Leistungen nicht vergütet werden. Wenn das wirklich verrechnet wird, bleibe ich auf dem Schaden sitzen, als Dankeschön dafür, dass ich mich brav an die Auflagen gehalten habe. Wenn das so ist, wird Naturschutz zu Lasten derjenigen realisiert, die ohnehin schon ein Risiko auf sich nehmen. Zusätzlich muss ich nun damit rechnen, dass mir bei jedem Hochwasser der Ruin droht.“

Der Unteren Naturschutzbehörde scheint die Reaktion des ALFF ebenso unverständlich: „Sie hat mir geraten, dagegen Widerspruch einzulegen“, so Guckes. „Dazu brauche ich jedoch erst einmal einen schriftlichen Bescheid vom ALFF, dass ich die Gelder nicht bekomme. Aber der liegt mir immer noch nicht vor.“ Mittlerweile, so erfuhr sie, sei ihr Fall ans zuständige Ministerium in Magdeburg weitergeleitet worden.

Quelle: mz-web.de

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s