Als Absolventin sofort zur Hochwasser-Hilfe in Gera und im Altenburger Land unterwegs

Veröffentlicht: Januar 21, 2014 von fluthelfer in Zentrale der Deutschen Fluthilfe

Nadine Wehlte, Sozialarbeiterin bei der Caritas, betreut und berät 90 Familien in Gera, Caaschwitz und Gößnitz bei der Überwindung der Hochwasserschäden vom Juni 2013. Sie sagt: „Hilfe ist weiter nötig“

Gera/Caaschwitz/Gößnitz. Nadine Wehlte hatte im Sommer 2013 gerade ihr Sozialarbeiterstudium an der Hochschule für Wirtschaft, Technik und Kultur absolviert, da wurde sie beruflich gleich ins sprichwörtliche Wasser geworfen, ins Hochwasser von Elster und Pleiße. „Seit dem 5. August 2013 bin ich in Gera, Caaschwitz und Gößnitz im Altenburger Land unterwegs, um Familien zu helfen, die Opfer des verheerenden Juni-Hochwassers geworden sind . 90 Familien betreue ich.“ Warum acht Monate nach der Flut immer noch Hilfe nötig ist, erklärt die 34-jährige praktische junge Frau: „Bis heute laufen in vielen überschwemmten Häusern die Trockner. Viele Familien sind zusammengerückt. Sie wohnen in der Enge übermöblierter Obergeschosse ihrer Häuser. Nicht sofort konnten die mit Reparaturaufträgen überhäuften Handwerker in allen Häusern arbeiten.“ Sehr dankbar sei deshalb die Beratung des Bauexperten des Bistums, Jürgen Tiefholz, angenommen worden. Er habe Ratschläge gegeben, wie die Bausubstanz zu erhalten ist, in welcher Reihenfolge Handwerksarbeiten laufen sollten. „Her Tiefholz hat mir bei mindestens 20 Familien einen guten Einstieg verschafft“, schätzt Nadine Wehlte die Arbeit ihres Fluthelferkollegen.

Doch nicht nur Hilfe bei der Antragsausfüllung oder Rat in finanzieller-materieller Hinsicht war gefragt. „Die meisten wollten einfach nur darüber reden, wie sie das Hochwasser erlebt hatten, als die Gefahr immer näher rückte.“ Sie hörte Feuerwehrleute, die im Einsatz waren, Familien mit Kindern, ältere Leute an. „Ganz unterschiedlich geht jeder mit dem Erlebten um, fertig ist man damit noch lange nicht.“ Die Spendenfeste der Caritas Ostthüringen halfen, wieder Zuversicht zu gewinnen, zur Normalität zurückzukehren. So wurden im Spätherbst in Gera- Heinrichsgrün, Caaschwitz und Göschwitz kleinere Sachspenden vor Ort angeboten. Nebenbei konnte man Kaffee trinken, Roster essen, basteln, spielen – die Notgemeinschaft fand sich zusammen. “ Aus ganz Ostthüringen sind 80 Anträge für Großspenden wie Möbel, Teppiche, Kühlschränke eingegangen“, berichtet Caritas-Geschäftsführer Andreas Zube. „Nach dem Bedürftigkeitsprinzip wurden 25 positiv beschieden. Nun sind die Spendensammellager leer und geschlossen.“ Rund 35 Fluthelfer aus den Jobcentern Gera und Altenburg standen der Caritas in den Spendensammellagern, beim Transport und der Verteilung hilfreich zur Seite.

Mit dem Katalog in nasse Wohnungen

Nadine Wehlte reiste wie eine Vertreterin mit einem Katalog in die Hochwasserwohnungen. Dort konnten die Familien anhand der Fotos und Maße von Couchgarnituren, Teppichen Auslegware, Schrankwänden entscheiden, was in ihre Wohnung passt. Die Sozialarbeiterin ist im ersten Beruf Kauffrau für Groß- und Einzelhandel für Sanitär und Heizung, Sie bringt also durch aus Beratererfahrung und Fachkenntnisse mit. Warum hat sich die Mutter von zwei Kindern, der zehnjährigen Sophie und des fünfjährigen Tim, für ein Sozial-Studium entschieden? „Ich wollte unbedingt noch eine neue Herausforderung im Leben und ich arbeite gerne mit Menschen.“ So bewerkstelligte sie es, dass ein schwerbehinderter alter Mann, der wegen der gefluteteten Parterreräume im Rollstuhl im Obergeschoss zwei Monate fest saß, endlich wieder nach draußen kam. „Zwei Männer trugen ihn die Treppen hinunter und nach seinem Ausflug wieder hinauf. Er war dankbar.“ Eine Frau, der ein Ofen gespendet wurde, bedankte sich mit Kuchen und Spritzringen als erstem Backresultat aus dem neuen Ofen. „Der Dank war rührend, so wie von den Gößnitzer Kindergartenkindern vom „Knirp­senland“ mit ihrem Programm. Die Phase des Neuaufbruchs komme für viele Menschen erst jetzt im Frühjahr, wenn gebaut und geputzt, notfalls auch umgezogen wird. „Bei manchen liegen die Nerven immer noch blank, gibt es Partnerschaftsprobleme, Mehrbelastung durch die Handwerker im Haus. Ältere Leute sind von dieser Umbruchsituation in ihrem Leben, auf die sie nicht vorbereitet waren, überfordert.“ Ihre Betreuungstätigkeit möchte die Sozialarbeiterin gerne auf die Hochwassergebiete in Berga und Wünschendorf ausweiten. „Bedarf besteht“, weiß sie. Nadine Wehlte hat feste Sprechzeiten: In Caaschwitz Mittwoch, 14 bis 16 Uhr, im Gemeindehaus, in Gößnitz Dienstag, 9 bis 12 Uhr, in der Waldenburger Straße 4 und in Gera Donnerstag, 15 bis 18 Uhr, in der Geschäftsstelle der Caritas in der Kleiststraße 7. Erreichbar ist sie unter ihrer Handynummer 0174 173 2693.

Quelle: otz.de

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