Archiv für Januar 20, 2014

Hochwasserschutz für Bürger und Bauherren

Veröffentlicht: Januar 20, 2014 von fluthelfer in Bayern, Hochwasserschutz

Das Überschwemmungsgebiet an der Donau bei Günzburg ist jetzt amtlich festgesetzt

Das Landratsamt Günzburg hat das Überschwemmungs-gebiet der Donau für den Bereich des Landkreises amtlich festgesetzt. Dies dient dem Schutz der Bürger vor Hochwasser. Bauherren sollen dadurch ebenfalls mehr Sicherheit bekommen. Denn Bauvorhaben und Geländeveränderungen bedürfen dort einer wasserrechtlichen Genehmigung. Da es bisher schon eine „vorläufige Sicherung“ gegeben hatte, ergeben sich für Grundstückseigentümer jetzt keine zusätzlichen Einschränkungen, teilt das Landratsamt mit.

Die Fotos der Hochwasserkatastrophe vom Juni 2013 hätten deutlich gemacht, wie gefährdet Menschen und Gebäude sind. Deshalb sei die Lenkung der baulichen Entwicklung ein wesentlicher Teil der Vorsorge gegen die Hochwassergefahren, so das Landratsamt. Nach der amtlichen Festsetzung brauchen Bauvorhaben und Geländeveränderungen im Überschwemmungsgebiet der Donau eine wasserrechtliche Genehmigung durch das Landratsamt beziehungsweise durch die Stadt Günzburg.

Peter Kaufmann vom Landratsamt erläutert: „Wichtig für die Entscheidung ist, ob ein Vorhaben bei Hochwasser Nachteile für andere Grundstücke oder die Allgemeinheit haben kann.“ Dies sei beispielsweise der Fall, wenn durch ein Gebäude oder eine Auffüllung Hochwasser auf andere Grundstücke umgeleitet wird. Bei der Prüfung gehe es aber auch darum, den Bauherrn selbst zu schützen. „So muss die Höhenlage von bewohnten Räumen an die zu erwartende Hochwasserkote angepasst werden“, erläutert Kaufmann.

Im festgesetzten Überschwemmungsgebiet gibt es Anforderungen und Prüfpflichten für Öltanks und andere Anlagen für wassergefährdende Stoffe. Kaufmann: „Öl-Havarien waren in der Vergangenheit oft die Folge von Hochwasser.“ Ein Öltank entwickle eine enorme Auf-triebskraft, wenn er von Hochwasser umspült wird. Der Tank könne schlimmstenfalls schwimmen wie ein Boot und zerdrückt werden. Kaufmann: „Die Hülle üblicher Tanks ist dünner, als man allgemein vermutet.“ (zg)

Die neue Verordnung kann man im Internet abrufen unter

http://www.landkreis-guenzburg.de

Unterlagen In Papierform gibt es die Verordnung und Planunterlagen bei den Städten Leipheim und Günzburg und der Verwaltungsgemeinschaft Offingen. Die 56 Seiten umfassende farbige „Hochwasserschutzfibel“ des Bundesverkehrsministeriums informiert, wie sich Gebäude vor Hochwasser schützen lassen. Sie steht kostenlos zum Download bereit unter http://www.bmvbs.de (Auswahl: Publikationen). Im Landratsamt (Landkreisbürgerbüro) und der Außenstelle Krumbach liegen auch gedruckte Exemplare zur Abholung bereit.


Hochwasserschutz für Bürger und Bauherren – weiter lesen auf Augsburger-Allgemeine: http://www.augsburger-allgemeine.de/guenzburg/Hochwasserschutz-fuer-Buerger-und-Bauherren-id28501112.html

Hochwasserschutz für Bürger und Bauherren – weiter lesen auf Augsburger-Allgemeine: http://www.augsburger-allgemeine.de/guenzburg/Hochwasserschutz-fuer-Buerger-und-Bauherren-id28501112.html

Quelle: augsburger-allgemeine.de

Hochwasserschutz am Tegernsee – Jeder Tropfen zählt

Veröffentlicht: Januar 20, 2014 von fluthelfer in Bayern, Hochwasserschutz

Um die Anwohner am Tegernsee vor Hochwasser zu schützen, will das Wasserwirtschaftsamt Rosenheim ein neues Wehr bauen. Es soll den Seespiegel bei Überschwemmungsgefahr um bis zu 30 Zentimeter absenken. Doch die Bürger befürchten schlimme Folgen der Baumaßnahme.

Andreas Scherzer kennt die vernichtende Kraft des Wassers, auch am Tegernsee gibt es Hausbesitzer, die nach der Flut vom vergangenen Juni noch immer mit Schäden zu kämpfen haben. Er weiß also, dass es eine existenzielle Frage für viele Menschen ist, ob der Tegernsee eine neue, bedeutendere Rolle im Hochwasserschutz übernehmen kann. Aber ihn und seine Mitstreiter von der Bürgerinitiative „Gegenwehr“ treibt auch diese Angst um, dass künftig irgendwo in einer Behörde jemand sitzt, der die Macht hat, Schicksal zu spielen. Der entscheiden kann, „ob die oben absaufen oder die unten“.

Ob also bei einem Hochwasser die Uferanlieger am Tegernsee das Wasser in den Wohnungen haben oder die Menschen an der Mangfall, die am Ausfluss des Sees entspringt und in Rosenheim in den Inn mündet. „Ein solches Instrument muss man nicht schaffen“, sagt Scherzer.

Das Instrument, das er meint, ist ein neues Wehr, dass das Wasserwirtschaftsamt Rosenheim am Tegernsee bauen will. Es soll laut Auskunft der Behörde dazu dienen, den Seespiegel vor einem Hochwasser um bis zu 30 Zentimeter zu senken. Das sei technisch jetzt nicht möglich und werde im Falle einer neuen Flut den Anliegern ebenso zugute kommen wie den Menschen an der Mangfall, weil es einem Hochwasser hier wie dort eine dramatische Spitze nehmen könnte. Eine „Win-win-Situation“ nennt Behördenchef Paul Geisenhofer seine Pläne. Der See werde aber unter keinen Umständen zu einem künstlichen Rückhaltebecken wie etwa der Sylvensteinspeicher umgebaut. Und der Wasserspiegel werde auch künftig nicht höher steigen als das jetzt bei Hochwasser auch der Fall sei. „Da lassen wir die Finger davon. Der Tegernsee bleibt ein natürlicher See, ein ökologisches Kleinod“, sagt Geisenhofer. Aber er räumt auch ein, dass es „eine Gruppierung gibt, die uns das nicht glaubt“.

Die dramatischen Bilder von der Juni-Flut, bei der die Mangfall ein Rosenheimer Stadtviertel komplett unter Wasser setzte, aber auch der Tegernsee weit über die Ufer trat, sind erst ein halbes Jahr alt. Und der Hochwasserschutz steckt fest. Für die Menschen an der Mangfall in Kolbermoor oder Rosenheim sei diese Nachricht schade, aber nicht dramatisch, sagt Wasserwirtschaftsamts-Chef Geisenhofer. Viel wichtiger sei für sie, dass die Deiche saniert oder erhöht würden und das riesige Rückhaltebecken in Feldolling realisiert werde. Er hoffe, dass dafür Ende 2014 der Planfeststellungsbescheid ergehe und dann die etwa vierjährige Bauphase beginnen könne. „Feldolling ist in der Bedeutung für die Mangfall Champions-League, das neue Wehr am Tegernsee Kreisliga.“ In Zeiten sich verschärfender Hochwasser könne aber jeder Tropfen zählen.

„Wir wollen ja auch gerne ein neues Wehr“, sagt Gegenspieler Scherzer von der Bürgerinitiative. „Aber keines, das den See einen Meter oder mehr aufstauen kann.“ Warum müsse ein so monströser Bau das alte Schuhmacherwehr ersetzen, fragt er. Was passiere denn, wenn es bei einem Hochwasser am See einen Öltank zerreißt oder gleich mehrere, wie es im Juni zum Beispiel in Passau der Fall war? „Wir haben keinen Zugriff, was die mit diesem Wehr machen.“ Um mögliche Folgen von Eingriffen in den See zu untersuchen, gab die Bürgerinitiative ein limnologisches Gutachten in Auftrag. Beide Parteien interpretieren es zu ihrem Vorteil. Zu viele Eingriffe in den Wasserspiegel würden Schilf, Vögeln und Fischen schaden, sagt Scherzer. Die für die Natur so schädlichen Hochwasser würden durch das neue Wehr verringert, sagt das Wasserwirtschaftsamt.

Die Pläne für einen Neubau an Stelle des jetzigen Schuhmacherwehrs gibt es schon einige Jahre. Die fünf Gemeinden im Tegernseer Tal lehnten eine erste Variante, die sogar zwei Wehre vorgesehen hatte, schon erfolgreich ab. Die Talbürgermeister, für die als Hauptbetroffener in Sachen Wehr der Gmunder Bürgermeister Georg von Preysing (CSU) spricht, sehen grundsätzlich das neue Wehr positiv. „Wenn es eine Lösung gibt, die uns oben im Tegernseer Tal und den Leuten unten an der Mangfall nützt, sind wir dafür.“ Nach einer Bürgerversammlung im vergangenen Sommer, in der das Wasserwirtschaftsamt die Sorgen der Menschen nicht zerstreuen konnte, warte er nun auf eine Reaktion.

Für seine Gemeinde Gmund müsse aber gelten: „Für die Menschen, die am Seeausfluss wohnen, darf es keine Verschlechterung geben.“ Diese müssten ohnehin mit bis zu fast eineinhalb Metern Betonmauern leben, die laut Wasserwirtschaftsamt bei einem neuen Wehr als Begrenzung der Mangfall nötig würden. Denn diese wird sich dann aus technischen Gründen höher aufstauen. Die Kommunen haben deshalb zwei Experten beauftragt, die die Pläne des Wasserwirtschaftsamts laufend prüfen. Wenn den neue kommen. „Momentan herrscht Stillstand“, sagt Bürgermeister Preysing.

Quelle: sueddeutsche.de