Archiv für Januar, 2014

vergangenen Dienstag trafen sich in Bleckede Vertreter aus betroffenen Gemeinden, Hochwasser-Fachleute von verschiedenen Institutionen sowie Vertreter des Umweltministeriums, um sich über den aktuellen Stand von Hochwasserschutzplanungen und -finanzierung auszutauschen.

Neben der Vorstellung eines komplexen Maßnahmenprogramms zum Hochwasserschutz ging es in Bleckede auch um die Finanzierung. Eine Förderrichtlinie zur Aufbauhilfe wurde inzwischen von der Landesregierung freigegeben und soll nun schnellstmöglich umgesetzt werden. Für Maßnahmen des Hochwasserschutzes stehen demnach jährlich insgesamt rund 14 Mio. Euro zur Verfügung (freiwillige Landesmittel + EU-Mittel).

Gefördert werden damit u.a. der Bau von Deichen einschließlich Deichverteidigungswegen, Schöpfwerken, Sielen, Wehre und Wasserläufe. Neu hinzugekommen sind die Instandsetzung von
Schöpfwerken einschließlich der dazugehörigen technischen Anlagen, der Rückbau von Deichen zur Verbesserung des Hochwasserschutzes, insbesondere zur Wiedergewinnung von Überschwemmungsgebieten sowie die Beratung und Förderung von örtlichen Akteuren, wie es möglich wird, das gesamte Flusseinzugsgebiet bei der Entwicklung eines effektiven Hochwasserschutzes zu berücksichtigen.

Im Rahmen der ersten Tranche (50%) sollen zunächst die dringlichsten Schäden gefördert werden wie z.B. die Sandsackentsorgung, die Beseitigung und Entsorgung der Notdeiche sowie die Wiederherstellung der Deichaußenbermen sowie ähnliche dringliche Deichbaumaßnahmen

Einen ersten Überblick über die Fördermöglichkeiten gibt es hier!

Ausführliche Analyse steht vor der Planung

Das Bemessungshochwasser (BHW) wurde nach Erkenntnissen der Gewässerkundler an allen niedersächsischen Elbepegeln mit Werten zwischen 10 – 50 cm überschritten . Jedoch gibt es immer noch keine klaren Signale aus dem Ministerium, dass das Bemessungshochwasser heraufgesetzt wird. (Das würde für einige Deiche bedeuten, dass sie erhöht werden müssten).

Besprochen wurde außerdem der Fortgang der Planungen für verbesserten Hochwasserschutz in Orten an der Elbe, wie zum Beispiel in Vietze, Wussegel und Neu Darchau. So ergaben Grundbautechnische Untersuchungen und Standsicherheitsüberprüfungen, dass im Dannenberger Bereich auf ca. 11 km Deichlänge (zwischen Damnatz und Wussegel) Deiche erhöht, überprüft und saniert werden müssen. Des weiteren sind im Landkreis mehrere Siele und Schöpfwerke nicht für die Wasserstände des Hochwassers 2013 geeignet. In einigen Bereichen wird auch eine Anhebung der Deichverteidigungswege notwendig sein.

Einig sind sich sowohl Ministerium als auch die Hochwasser-Fachleute, dass mindestens Vietze und Katemin/Neu Darchau „echte“ Deiche benötigen, um zukünftig Schäden in ihren Orten zu vermeiden. Zusagen für die Übernahme der Planungskosten durch das Land gibt es bereits – über die Finanzierung der Deichbauten wird derzeit noch verhandelt. Insgesamt ist bei der Umsetzung wohl mit einem Zeitraum von mehreren Jahren zu rechnen.

Ganzheitliches Konzept in Arbeit

Ein umfangreicher Katalog von Maßnahmen soll in Zukunft im Mittel- und Unterlauf der Elbe für Entspannung sorgen. Abgrabungen, Deichrückverlegungen und Gehölzschnitt sind dabei nur einige der geplanten Maßnahmen. Die Zusammenarbeit mit den anderen Elb-Anrainer-Ländern, national wie internationa (Tschechien) spielt dabei eine ebenso wichtige Rolle wie die ganzheitliche Betrachtung des gesamten Flussraumes.

Vor der Planung steht eine ausführliche Analyse. Das Bundesamt für Gewässerkunde stellte in Bleckede Ergebnisse ihrer Untersuchungen zu Auswirkungen verschiedener Einflusse auf die Entwicklung des Hochwassers 2013 vor. Demnach flossen alleine 207 Mio. Kubikmeter Wasser durch den Deichbruch bei Fischbek ab. Weitere Deichbrüche, die Polderflutung in der Havelniederung sowie die Regelung der Talsperren in Tschechien führten nach Ansicht der Fachleute dazu, dass die Scheitelhöhen der Flutwelle um 20 – 75 cm niedriger als ursprünglich prognostiziert ausfielen. Die Deichbrüche allein trugen allerdings nur unwesentlich zur Pegelsenkung bei, so die Fachleute.

Zusätzliche Pegelsenkungen in Höhe von etwa 20 – 40 cm wären eingetreten, wenn die zum Teil bereits 2006 vereinbarten Maßnahmen aus dem Aktionsplan Hochwasser sowie aus den Vereinbarungen der Internationalen Kommission zum Schutz der Elbe geplanten Rückhalteräume vollständig einsatzbereit gewesen wären. (Anmerkung: Staatssekretärin Almut Kottwitz hatte bereits kurz nach dem Hochwasser 2013 darauf hingewiesen, dass von diesen vereinbarten Maßnahmen lediglich knapp die Hälfte umgesetzt sind).

Ebenfalls auf der Tagesordnung stand das gemeinsam vom Umweltministerium und von der Biosphärenreservatsverwaltung vorgestellte Konzept für ein integriertes Auenmanagement, das unter anderem ein Beweidungskonzept enthält.

Die Themen der Informationsveranstaltung und die in Bleckede gehaltenen Vorträge können im Detail hier! auf den Internetseiten des Niedersächsischen Umweltministeriums nachgelesen werden.

 

Quelle: wendland.net

Weil die Schäferin Barbara Guckes eine Hochwasser-Entschädigung erhalten hat, werden ihr vertraglich erbrachte Leistungen im Naturschutz nicht vergütet. Wer sich auf natürliche Landschaftspflege einlässt, bekommt Fördermittel, sonst könnten solche Schafbetriebe wie der von Barbara Guckes nicht überleben.

Die Schafe grasen friedlich auf den Elbwiesen zwischen Gorsdorf und Schützberg. Nur wenn „Kobold“, einer der beiden Altdeutschen Hütehunde, mal meint, seine Anwesenheit etwas deutlicher kundtun zu müssen, lassen sie sich aus der Ruhe bringen und flitzen Schafbock „Hans“ nach, immer im Kreis herum.

Job in Konstanz aufgegeben

„Verflixter Kerl, was soll das“, mahnt Schäferin Barbara Guckes – pfeift „Kobold“ zurück und zürnt: „Hast wohl wieder zu viel Energie?“ Wirklich böse klingt das jedoch nicht. Einmal zur Ordnung gerufen, folgt der Vierbeiner wieder aufs Wort. Mit Tieren ist es halt einfacher als mit Menschen. Auch deshalb hat Philosophie-Dozentin Barbara Guckes vor einigen Jahren ihren gut bezahlten Job an der Universität Konstanz aufgegeben. Dort hat sie ihre Studenten mit den Lehren von Aristoteles bis Kant vertraut gemacht. Jetzt „studiert“ sie die Philosophie der blökenden Rasenmäher, die weitaus genügsamer sind und die Welt in Ordnung finden, wenn sie ein Fleckchen Wiese unter sich und andere Schafe neben sich haben.

Dass die 49-Jährige ihre Universitäts-Karriere abgebrochen hat, bereut sie auch jetzt nicht, obwohl sie gegenwärtig gewissermaßen ein Lehrstück erlebt, das deutlich zeigt, welche Unsicherheiten ihr Traumberuf mit sich bringt.

Es geht um Geld, genaugenommen um etwa 5 000 Euro, deren Zahlung ihr das Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten (ALFF) Sachsen-Anhalt verweigert, wie sie sagt. Für die Schäferin bedeutet das eine äußerst schmerzhafte Nachwirkung des jüngsten Hochwassers. „Die Regierung rühmt sich dafür, dass alle betroffenen Land- und Tierwirte – auch Schäfer, eine Entschädigung erhalten haben. Auch ich bekam etwa 5 000 Euro dafür, dass ich im Juni auf der überfluteten Fläche kein Heu machen konnte und somit der erste Schnitt ausgefallen ist. Das war okay.“

Alles hätte nach ihren Worten gut weitergehen können. Sie erläutert: „Als kleiner Schäfereibetrieb erbringe ich mit meinen 540 Schafen so genannte Freiwillige Naturschutzleistungen (FNL) im Rahmen der Argrarumweltverordnung. Dafür muss ich vorgegebene Weidezeiten einhalten und darf die Flächen nicht so intensiv beweiden, wie es sonst üblich wäre. Zum Beispiel darf ich vor Mitte Juni kein Heu machen. Außerdem sind Pausen in der Beweidung einzuhalten, damit sich die Fläche wieder erholen kann. Deshalb stehen nur wenige Schafe auf der Weide, die anderen auf Deichabschnitten.“ Dort „arbeiten“ sie im Auftrag des Landesamtes für Hochwasserschutz und sind als Deichpfleger gern gesehen, weil sie mit ihrem Tritt die Erde verdichten, „eine landwirtschaftliche Dienstleistung, die bezahlt wird. Das klappt auch prima“, lobt die Schäferin.

Wer sich auf diese natürliche Landschaftspflege einlässt und damit quasi die Beweidung der Wiesenflächen erheblich einschränkt, bekommt Fördermittel, sonst könnten solche Schafbetriebe nicht überleben. „Alle Auflagen diesbezüglich habe ich trotz des Hochwassers erfüllt“, gibt Barbara Guckes an. Aber die Reaktion des ALFF nach der gezahlten Hochwasserentschädigung kann sie nicht nachvollziehen: Normalerweise wäre im November die Zahlung der jährlichen Fördermittel für natürliche Landschaftspflege fällig gewesen. Doch die Schäferin wundert sich, dass dieses Geld aus- und ihr Konto leer bleibt. Bis zum jetzigen Zeitpunkt.

Zunächst an Versehen geglaubt

„Da kein Schreiben von der Behörde kam, habe ich zunächst an ein Versehen geglaubt, etwas abgewartet und nach Wochen beim ALFF nachgefragt.“ Was sie dort zu hören bekam, konnte sie nur kopfschüttelnd vernehmen: „Man sagte mir, ich hätte bereits Fördermittel als Hochwasser-Entschädigung bekommen. Eine weitere Förderung für ein und dieselbe Fläche dürfe nicht gezahlt werden.“

Mit der sprichwörtlichen Schafsgeduld hat Barbara Guckes seitdem nichts mehr am Hut. „Das ist unglaublich. Somit ist die Hochwasserentschädigung faktisch zurückgenommen worden, indem erbrachte Leistungen nicht vergütet werden. Wenn das wirklich verrechnet wird, bleibe ich auf dem Schaden sitzen, als Dankeschön dafür, dass ich mich brav an die Auflagen gehalten habe. Wenn das so ist, wird Naturschutz zu Lasten derjenigen realisiert, die ohnehin schon ein Risiko auf sich nehmen. Zusätzlich muss ich nun damit rechnen, dass mir bei jedem Hochwasser der Ruin droht.“

Der Unteren Naturschutzbehörde scheint die Reaktion des ALFF ebenso unverständlich: „Sie hat mir geraten, dagegen Widerspruch einzulegen“, so Guckes. „Dazu brauche ich jedoch erst einmal einen schriftlichen Bescheid vom ALFF, dass ich die Gelder nicht bekomme. Aber der liegt mir immer noch nicht vor.“ Mittlerweile, so erfuhr sie, sei ihr Fall ans zuständige Ministerium in Magdeburg weitergeleitet worden.

Quelle: mz-web.de

Nadine Wehlte, Sozialarbeiterin bei der Caritas, betreut und berät 90 Familien in Gera, Caaschwitz und Gößnitz bei der Überwindung der Hochwasserschäden vom Juni 2013. Sie sagt: „Hilfe ist weiter nötig“

Gera/Caaschwitz/Gößnitz. Nadine Wehlte hatte im Sommer 2013 gerade ihr Sozialarbeiterstudium an der Hochschule für Wirtschaft, Technik und Kultur absolviert, da wurde sie beruflich gleich ins sprichwörtliche Wasser geworfen, ins Hochwasser von Elster und Pleiße. „Seit dem 5. August 2013 bin ich in Gera, Caaschwitz und Gößnitz im Altenburger Land unterwegs, um Familien zu helfen, die Opfer des verheerenden Juni-Hochwassers geworden sind . 90 Familien betreue ich.“ Warum acht Monate nach der Flut immer noch Hilfe nötig ist, erklärt die 34-jährige praktische junge Frau: „Bis heute laufen in vielen überschwemmten Häusern die Trockner. Viele Familien sind zusammengerückt. Sie wohnen in der Enge übermöblierter Obergeschosse ihrer Häuser. Nicht sofort konnten die mit Reparaturaufträgen überhäuften Handwerker in allen Häusern arbeiten.“ Sehr dankbar sei deshalb die Beratung des Bauexperten des Bistums, Jürgen Tiefholz, angenommen worden. Er habe Ratschläge gegeben, wie die Bausubstanz zu erhalten ist, in welcher Reihenfolge Handwerksarbeiten laufen sollten. „Her Tiefholz hat mir bei mindestens 20 Familien einen guten Einstieg verschafft“, schätzt Nadine Wehlte die Arbeit ihres Fluthelferkollegen.

Doch nicht nur Hilfe bei der Antragsausfüllung oder Rat in finanzieller-materieller Hinsicht war gefragt. „Die meisten wollten einfach nur darüber reden, wie sie das Hochwasser erlebt hatten, als die Gefahr immer näher rückte.“ Sie hörte Feuerwehrleute, die im Einsatz waren, Familien mit Kindern, ältere Leute an. „Ganz unterschiedlich geht jeder mit dem Erlebten um, fertig ist man damit noch lange nicht.“ Die Spendenfeste der Caritas Ostthüringen halfen, wieder Zuversicht zu gewinnen, zur Normalität zurückzukehren. So wurden im Spätherbst in Gera- Heinrichsgrün, Caaschwitz und Göschwitz kleinere Sachspenden vor Ort angeboten. Nebenbei konnte man Kaffee trinken, Roster essen, basteln, spielen – die Notgemeinschaft fand sich zusammen. “ Aus ganz Ostthüringen sind 80 Anträge für Großspenden wie Möbel, Teppiche, Kühlschränke eingegangen“, berichtet Caritas-Geschäftsführer Andreas Zube. „Nach dem Bedürftigkeitsprinzip wurden 25 positiv beschieden. Nun sind die Spendensammellager leer und geschlossen.“ Rund 35 Fluthelfer aus den Jobcentern Gera und Altenburg standen der Caritas in den Spendensammellagern, beim Transport und der Verteilung hilfreich zur Seite.

Mit dem Katalog in nasse Wohnungen

Nadine Wehlte reiste wie eine Vertreterin mit einem Katalog in die Hochwasserwohnungen. Dort konnten die Familien anhand der Fotos und Maße von Couchgarnituren, Teppichen Auslegware, Schrankwänden entscheiden, was in ihre Wohnung passt. Die Sozialarbeiterin ist im ersten Beruf Kauffrau für Groß- und Einzelhandel für Sanitär und Heizung, Sie bringt also durch aus Beratererfahrung und Fachkenntnisse mit. Warum hat sich die Mutter von zwei Kindern, der zehnjährigen Sophie und des fünfjährigen Tim, für ein Sozial-Studium entschieden? „Ich wollte unbedingt noch eine neue Herausforderung im Leben und ich arbeite gerne mit Menschen.“ So bewerkstelligte sie es, dass ein schwerbehinderter alter Mann, der wegen der gefluteteten Parterreräume im Rollstuhl im Obergeschoss zwei Monate fest saß, endlich wieder nach draußen kam. „Zwei Männer trugen ihn die Treppen hinunter und nach seinem Ausflug wieder hinauf. Er war dankbar.“ Eine Frau, der ein Ofen gespendet wurde, bedankte sich mit Kuchen und Spritzringen als erstem Backresultat aus dem neuen Ofen. „Der Dank war rührend, so wie von den Gößnitzer Kindergartenkindern vom „Knirp­senland“ mit ihrem Programm. Die Phase des Neuaufbruchs komme für viele Menschen erst jetzt im Frühjahr, wenn gebaut und geputzt, notfalls auch umgezogen wird. „Bei manchen liegen die Nerven immer noch blank, gibt es Partnerschaftsprobleme, Mehrbelastung durch die Handwerker im Haus. Ältere Leute sind von dieser Umbruchsituation in ihrem Leben, auf die sie nicht vorbereitet waren, überfordert.“ Ihre Betreuungstätigkeit möchte die Sozialarbeiterin gerne auf die Hochwassergebiete in Berga und Wünschendorf ausweiten. „Bedarf besteht“, weiß sie. Nadine Wehlte hat feste Sprechzeiten: In Caaschwitz Mittwoch, 14 bis 16 Uhr, im Gemeindehaus, in Gößnitz Dienstag, 9 bis 12 Uhr, in der Waldenburger Straße 4 und in Gera Donnerstag, 15 bis 18 Uhr, in der Geschäftsstelle der Caritas in der Kleiststraße 7. Erreichbar ist sie unter ihrer Handynummer 0174 173 2693.

Quelle: otz.de

Hochwasserschutz für Bürger und Bauherren

Veröffentlicht: Januar 20, 2014 von fluthelfer in Bayern, Hochwasserschutz

Das Überschwemmungsgebiet an der Donau bei Günzburg ist jetzt amtlich festgesetzt

Das Landratsamt Günzburg hat das Überschwemmungs-gebiet der Donau für den Bereich des Landkreises amtlich festgesetzt. Dies dient dem Schutz der Bürger vor Hochwasser. Bauherren sollen dadurch ebenfalls mehr Sicherheit bekommen. Denn Bauvorhaben und Geländeveränderungen bedürfen dort einer wasserrechtlichen Genehmigung. Da es bisher schon eine „vorläufige Sicherung“ gegeben hatte, ergeben sich für Grundstückseigentümer jetzt keine zusätzlichen Einschränkungen, teilt das Landratsamt mit.

Die Fotos der Hochwasserkatastrophe vom Juni 2013 hätten deutlich gemacht, wie gefährdet Menschen und Gebäude sind. Deshalb sei die Lenkung der baulichen Entwicklung ein wesentlicher Teil der Vorsorge gegen die Hochwassergefahren, so das Landratsamt. Nach der amtlichen Festsetzung brauchen Bauvorhaben und Geländeveränderungen im Überschwemmungsgebiet der Donau eine wasserrechtliche Genehmigung durch das Landratsamt beziehungsweise durch die Stadt Günzburg.

Peter Kaufmann vom Landratsamt erläutert: „Wichtig für die Entscheidung ist, ob ein Vorhaben bei Hochwasser Nachteile für andere Grundstücke oder die Allgemeinheit haben kann.“ Dies sei beispielsweise der Fall, wenn durch ein Gebäude oder eine Auffüllung Hochwasser auf andere Grundstücke umgeleitet wird. Bei der Prüfung gehe es aber auch darum, den Bauherrn selbst zu schützen. „So muss die Höhenlage von bewohnten Räumen an die zu erwartende Hochwasserkote angepasst werden“, erläutert Kaufmann.

Im festgesetzten Überschwemmungsgebiet gibt es Anforderungen und Prüfpflichten für Öltanks und andere Anlagen für wassergefährdende Stoffe. Kaufmann: „Öl-Havarien waren in der Vergangenheit oft die Folge von Hochwasser.“ Ein Öltank entwickle eine enorme Auf-triebskraft, wenn er von Hochwasser umspült wird. Der Tank könne schlimmstenfalls schwimmen wie ein Boot und zerdrückt werden. Kaufmann: „Die Hülle üblicher Tanks ist dünner, als man allgemein vermutet.“ (zg)

Die neue Verordnung kann man im Internet abrufen unter

http://www.landkreis-guenzburg.de

Unterlagen In Papierform gibt es die Verordnung und Planunterlagen bei den Städten Leipheim und Günzburg und der Verwaltungsgemeinschaft Offingen. Die 56 Seiten umfassende farbige „Hochwasserschutzfibel“ des Bundesverkehrsministeriums informiert, wie sich Gebäude vor Hochwasser schützen lassen. Sie steht kostenlos zum Download bereit unter http://www.bmvbs.de (Auswahl: Publikationen). Im Landratsamt (Landkreisbürgerbüro) und der Außenstelle Krumbach liegen auch gedruckte Exemplare zur Abholung bereit.


Hochwasserschutz für Bürger und Bauherren – weiter lesen auf Augsburger-Allgemeine: http://www.augsburger-allgemeine.de/guenzburg/Hochwasserschutz-fuer-Buerger-und-Bauherren-id28501112.html

Hochwasserschutz für Bürger und Bauherren – weiter lesen auf Augsburger-Allgemeine: http://www.augsburger-allgemeine.de/guenzburg/Hochwasserschutz-fuer-Buerger-und-Bauherren-id28501112.html

Quelle: augsburger-allgemeine.de

Hochwasserschutz am Tegernsee – Jeder Tropfen zählt

Veröffentlicht: Januar 20, 2014 von fluthelfer in Bayern, Hochwasserschutz

Um die Anwohner am Tegernsee vor Hochwasser zu schützen, will das Wasserwirtschaftsamt Rosenheim ein neues Wehr bauen. Es soll den Seespiegel bei Überschwemmungsgefahr um bis zu 30 Zentimeter absenken. Doch die Bürger befürchten schlimme Folgen der Baumaßnahme.

Andreas Scherzer kennt die vernichtende Kraft des Wassers, auch am Tegernsee gibt es Hausbesitzer, die nach der Flut vom vergangenen Juni noch immer mit Schäden zu kämpfen haben. Er weiß also, dass es eine existenzielle Frage für viele Menschen ist, ob der Tegernsee eine neue, bedeutendere Rolle im Hochwasserschutz übernehmen kann. Aber ihn und seine Mitstreiter von der Bürgerinitiative „Gegenwehr“ treibt auch diese Angst um, dass künftig irgendwo in einer Behörde jemand sitzt, der die Macht hat, Schicksal zu spielen. Der entscheiden kann, „ob die oben absaufen oder die unten“.

Ob also bei einem Hochwasser die Uferanlieger am Tegernsee das Wasser in den Wohnungen haben oder die Menschen an der Mangfall, die am Ausfluss des Sees entspringt und in Rosenheim in den Inn mündet. „Ein solches Instrument muss man nicht schaffen“, sagt Scherzer.

Das Instrument, das er meint, ist ein neues Wehr, dass das Wasserwirtschaftsamt Rosenheim am Tegernsee bauen will. Es soll laut Auskunft der Behörde dazu dienen, den Seespiegel vor einem Hochwasser um bis zu 30 Zentimeter zu senken. Das sei technisch jetzt nicht möglich und werde im Falle einer neuen Flut den Anliegern ebenso zugute kommen wie den Menschen an der Mangfall, weil es einem Hochwasser hier wie dort eine dramatische Spitze nehmen könnte. Eine „Win-win-Situation“ nennt Behördenchef Paul Geisenhofer seine Pläne. Der See werde aber unter keinen Umständen zu einem künstlichen Rückhaltebecken wie etwa der Sylvensteinspeicher umgebaut. Und der Wasserspiegel werde auch künftig nicht höher steigen als das jetzt bei Hochwasser auch der Fall sei. „Da lassen wir die Finger davon. Der Tegernsee bleibt ein natürlicher See, ein ökologisches Kleinod“, sagt Geisenhofer. Aber er räumt auch ein, dass es „eine Gruppierung gibt, die uns das nicht glaubt“.

Die dramatischen Bilder von der Juni-Flut, bei der die Mangfall ein Rosenheimer Stadtviertel komplett unter Wasser setzte, aber auch der Tegernsee weit über die Ufer trat, sind erst ein halbes Jahr alt. Und der Hochwasserschutz steckt fest. Für die Menschen an der Mangfall in Kolbermoor oder Rosenheim sei diese Nachricht schade, aber nicht dramatisch, sagt Wasserwirtschaftsamts-Chef Geisenhofer. Viel wichtiger sei für sie, dass die Deiche saniert oder erhöht würden und das riesige Rückhaltebecken in Feldolling realisiert werde. Er hoffe, dass dafür Ende 2014 der Planfeststellungsbescheid ergehe und dann die etwa vierjährige Bauphase beginnen könne. „Feldolling ist in der Bedeutung für die Mangfall Champions-League, das neue Wehr am Tegernsee Kreisliga.“ In Zeiten sich verschärfender Hochwasser könne aber jeder Tropfen zählen.

„Wir wollen ja auch gerne ein neues Wehr“, sagt Gegenspieler Scherzer von der Bürgerinitiative. „Aber keines, das den See einen Meter oder mehr aufstauen kann.“ Warum müsse ein so monströser Bau das alte Schuhmacherwehr ersetzen, fragt er. Was passiere denn, wenn es bei einem Hochwasser am See einen Öltank zerreißt oder gleich mehrere, wie es im Juni zum Beispiel in Passau der Fall war? „Wir haben keinen Zugriff, was die mit diesem Wehr machen.“ Um mögliche Folgen von Eingriffen in den See zu untersuchen, gab die Bürgerinitiative ein limnologisches Gutachten in Auftrag. Beide Parteien interpretieren es zu ihrem Vorteil. Zu viele Eingriffe in den Wasserspiegel würden Schilf, Vögeln und Fischen schaden, sagt Scherzer. Die für die Natur so schädlichen Hochwasser würden durch das neue Wehr verringert, sagt das Wasserwirtschaftsamt.

Die Pläne für einen Neubau an Stelle des jetzigen Schuhmacherwehrs gibt es schon einige Jahre. Die fünf Gemeinden im Tegernseer Tal lehnten eine erste Variante, die sogar zwei Wehre vorgesehen hatte, schon erfolgreich ab. Die Talbürgermeister, für die als Hauptbetroffener in Sachen Wehr der Gmunder Bürgermeister Georg von Preysing (CSU) spricht, sehen grundsätzlich das neue Wehr positiv. „Wenn es eine Lösung gibt, die uns oben im Tegernseer Tal und den Leuten unten an der Mangfall nützt, sind wir dafür.“ Nach einer Bürgerversammlung im vergangenen Sommer, in der das Wasserwirtschaftsamt die Sorgen der Menschen nicht zerstreuen konnte, warte er nun auf eine Reaktion.

Für seine Gemeinde Gmund müsse aber gelten: „Für die Menschen, die am Seeausfluss wohnen, darf es keine Verschlechterung geben.“ Diese müssten ohnehin mit bis zu fast eineinhalb Metern Betonmauern leben, die laut Wasserwirtschaftsamt bei einem neuen Wehr als Begrenzung der Mangfall nötig würden. Denn diese wird sich dann aus technischen Gründen höher aufstauen. Die Kommunen haben deshalb zwei Experten beauftragt, die die Pläne des Wasserwirtschaftsamts laufend prüfen. Wenn den neue kommen. „Momentan herrscht Stillstand“, sagt Bürgermeister Preysing.

Quelle: sueddeutsche.de

Warum die Saalekaskade in Ostthüringen weiter nur ein Zehntel ihres Stauvolumens für den Hochwasserschutz nutzt. Auf dem Papier hat die Flut 2013 gar nicht stattgefunden

Hohenwarte/Jena/Halle/Brambach. Das war knapp. Noch fünf Zentimeter mehr, sagte Anfang Juni ein Feuerwehrmann in Halle, „und wir wären erledigt gewesen“. „Drei“, verbesserte ein Kollege. Drei Zentimeter, und Sachsen-Anhalts größte Plattenbausiedlung in Halle-Neustadt wäre im Hochwasser der Saale versunken

Noch während der Jahrhundertflut, der dritten in 19 Jahren, ist es der ehemalige CDU-Stadtrat Eberhard Doege, der von Halle aus nach Ostthüringen zeigt. „Schaut euch doch mal das Talsperren-Management dort an“, zitiert ihn die „Mitteldeutsche Zeitung“. Zu DDR-Zeiten habe es zwar auch Hochwasser gegeben. Aber nicht mit solchen Auswirkungen. Das falle „schon auf“

Heinz Schmerschneider, ein Hallenser Anwalt, vertieft das Thema. Er fragt ein bisschen polemisch, was eigentlich aus den Staumauern in den Thüringer Bergen geworden sei. Wurden die gerade renoviert? Sind sie inzwischen zurückgebaut? Oder war eben mal der Talsperrenwärter krank?

Natürlich nicht. Die Bleiloch-Talsperre, fertiggestellt 1928, ist mit 215 Millionen Kubikmetern noch immer die größte Rückhaltewanne Deutschlands. Zusammen mit dem Stausee Hohenwarte und drei kleineren Speichern bildet sie die Saalekaskade. Ein System, dessen 400 Millionen Kubikmeter Fassungsvermögen in der Lage ist, die Pegelstände bis in die Elbe bei Magdeburg zu beeinflussen. Das ist in trockenen Sommern wichtig. Aber noch wichtiger, wenn es sintflutartig regnet.

Nur im Krisenfall gibt die Behörde Anweisung

So wie in der letzten Maiwoche 2013. Seltsam, dass sich ausgerechnet in diesen Tagen der Stausee Hohenwarte randvoll präsentierte. Einige Besitzer von schwarz gebauten DDR-Bungalows in der Bucht Alter vermuten, der Vollstau galt ihnen. Der Energiekonzern Vattenfall, er ist Eigentümer der Stauseen, will die Bungalows weghaben. Vattenfall konnte aber darauf verweisen, dass der vorgeschriebene Sommer-Stauraum für den Hochwasserschutz eingehalten worden ist. Nämlich in der Bleiloch-Sperre, man müsse beide immer zusammen sehen. Und Bleiloch hatte zu Beginn des Hochwassers 40 Millionen Kubikmeter Luft, fünf Millionen mehr als nötig. Bei der Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG) in Jena heißt es, Vattenfall sei ein sehr kompetenter Partner, was das Management der Kaskade angeht. Nur im Krisenfall gebe die Behörde selbst die Anweisungen.

Weshalb nicht Platz für 100 Millionen Kubik?

Nicht allein in Halle wurde die Frage laut, weshalb ein so wirksames Schutzsystem wie die Saalekaskade keine zehn Prozent ihres Stauvolumens für Hochwasser freihalten muss. Im Winter mit 55 Millionen Kubikmetern etwas mehr wegen der erwartbaren Schneeschmelze. Aber reicht das?

Bei weitem nicht, mit solchen „verhängnisvollen Stauraumwerten“ könnten nur Befehlsausführende eines „fachlich inkompetenten Gesetzgebers“ hantieren, erregte sich schon vor elf Jahren der kundige Jenaer Harald Kluge. Er bezog sich allerdings auf die damals nur 25 Millionen Kubikmeter Sommerstauraum und 40 Millionen im Winter, die der promovierte Freizeitangler für unvertretbar hielt. Kein Wunder, denn das Hochwasser im Januar 2003 hatte die High-Tech-Stadt schwer in Mitleidenschaft gezogen. Erst am 16. April 2008 reagierte das Umweltministerium mit einem müden Erlass, die Freiräume zu vergrößern. „Aber mindestens das Doppelte wäre nötig“, ärgert sich Frank Jauch, der Dezernent für Finanzen und Sicherheit in Jena. Hätte die Saalekaskade für 100 Millionen Kubikmeter Platz gehabt, wäre Jena-Göschwitz im Juni 2013 nicht so jämmerlich abgesoffen, glaubt der SPD-Mann. Er fasse es nicht, wie hochnäsig die TLUG über die Jenaer Argumente hinweg gehe.

Es gebe keinen Grund, am aktuellen Stauregime etwas zu ändern, beharrt Peter Krause, bei der Behörde zuständig für den gewässerkundlichen Landesdienst und die Hochwasser-Nachrichtenzentrale. Denn erstens, sagt er, sei der Starkregen im Mai/Juni ein wirklich seltenes Ereignis gewesen. Und zweitens hätten vor allem die Saale-Zuflüsse hinter der Kaskade das Hochwasser gebracht.

Ja, genau wie 1994, dreht Gerhard Kemmler vom Verband Angeln und Naturschutz den Spieß argumentativ um. Damals habe besonders die Schwarza extreme Wassermassen in die Saale geschüttet. Nur mit dem Unterschied, dass die Saaletalsperren zufällig so viel Luft hatten, dass sie erstmalig drei Tage lang komplett geschlossen werden konnten. Der Angelfreund schlussfolgert: Das war vergangenen Juni wieder nur Glück. Denn hätte die Schwarza genauso getobt wie 1994, wäre bei gleichzeitigem Überlaufen der Hohenwarte-Sperre vermutlich sogar der Jenaer Marktplatz geflutet worden. Über die Schäden der Unterlieger in Sachsen-Anhalt, so Kemmler, dürfe man gar nicht erst nachdenken. Hoffentlich komme dort niemand auf die Idee, von Thüringen Schadenersatz zu fordern.

Horst-Dieter Hantschel hat das nicht vor. Er mag die Thüringer, die einen Gutteil der Gäste in seinem Hotel „Elbterrassen zu Brambach“ ausmachen. In normalen Zeiten. Das Juni-Hochwasser verwüstete zwar nicht Brambach, heute ein Ortsteil der Doppelstadt Dessau-Roßlau. Einen Teil der hübschen Herberge mit Gastronomie aber schon. Runde 100″000 Euro Schaden. Das Haus steht seit 1918 direkt an der Elbe.

Mit der Saale, die erst einige Kilometer flussabwärts bei Barby einbiegt, hat Hantschel demnach nichts zu tun. Leider doch, korrigiert der gemütlich brummende Mann, der mit seiner Frau Ramona das Hotel seit 1991 betreibt. Führten Elbe und Saale gleichzeitig Hochwasser, mache der Rückstau der Saale bis zu zehn Zentimeter aus. Zehn Zentimeter, die entscheidend sein können.

Im Juni waren sie es. „Die Saale erleben wir hier sonst eher als ruhigen Fluss“, erzählt Hantschel. Alarm geschlagen werde mehr wegen der sächsischen Mulde. Man habe gelernt, mit Hochwasser zu leben. Aber es komme immer öfter und heftiger, beobachtet der Anhalter Gastronom. Am schwersten ausgerechnet in der Gästesaison. „Voriges Jahr blieben selbst Stammgäste weg, als wir alles schon wieder in Ordnung hatten“, grämt sich Hantschel über den Umsatzeinbruch. Er hat trotzdem keinen seiner Mitarbeiter entlassen.

„Wir bekamen nach dem Hochwasser auch viele Anrufe, ob es sich lohnt, zu uns in Urlaub zu kommen“, gibt Almut Lukas, die Vorsitzende des Fördervereins Bleiloch-Hohenwarte-Stausee e.V., Auskunft. Aber ob sich überhaupt noch Feriengäste und Camper anlocken ließen, wenn der Wasserspiegel der Stauseen beständig sechs oder gar acht Meter tiefer läge, weiß sie nicht zu sagen. Da müssten vorher viele Partner an einen Tisch, um das zu diskutieren, findet die Touristikerin.

„Die müssen sich mal klar werden, was sie wollen.“

„Mir wäre das lieber als zu viel Wasser, dann hätte ich mehr Stellfläche“, sagt Reinhard Schniz, der in Neumannshof und Droschkau zwei Zeltplätze betreibt. Als die Hohenwarte schon zu Pfingsten voll war, musste er Gästen absagen. Ganz anders denkt Klaus-Peter Pretzsch, der mit zwei Kabinenschiffen auf dem Bleiloch-Stausee schippert. „Die müssen sich mal klar werden, was sie eigentlich wollen“, wettert er beim Gedanken an Niedrigwasser. Viel mehr als Tourismus sei doch hier nicht, und gemessen an DDR-Zeiten werde der Wasserstand schon um einiges niedriger gehalten.

Erinnerung täuscht manchmal. Im Mai 2011 konnte Pretzsch sein Hotelschiff „Bad Lobenstein“ zur Premierenfahrt bis Harra steuern. Erstmals in der Nachkriegszeit kam hier wieder ein größerer Kahn hin. „Das geht bei weniger Wasser nicht“, räumt der Schiffsführer ein. Auch die Freunde des Motorboot-Sports würden bei wenig Wasser wohl endgültig aufgeben, gibt er zu bedenken.

Jüngste Jahrhundertflut kam nicht in Risikokarte

Hochwasserschutz sei nie der einzige Zweck der Kaskade gewesen, betont Marcel Möller vom Referat Wasserbau des Umweltministeriums. Schon die Erbauer hätten auch die Energiegewinnung im Blick gehabt. Der touristische Aspekt sei dann später hinzu gekommen. Die Stadt Jena, sagt der Ministeriale, sollte erst mal ihre Hausaufgaben im Fach Hochwasserschutz machen. Spundwände und so. Man könne Vattenfall nicht 100 oder gar 130 Millionen Kubikmeter Freihaltevolumen zumuten: „Dann müssten wir die dafür irgendwie entschädigen.“

Für Thomas Schulz ist das neu. Aus Sicht der Energieerzeugung, erklärt der langjährige Experte beim Stromkonzern, nütze es nicht, möglichst viel Wasser in den Talsperren zu haben. Denn bei einem Hochwasser müssen dann die Fluten über den Grundablass und die Hochwasserentlastung an den Staumauern abgelassen werden. Also energetisch ungenutzt. Für Vattenfall, so Schulz, würden auch die unterschiedlichen Einstellungen der Sommer- und Winterkapazität für den Hochwasserschutz keine Rolle spielen. Die würden von den Behörden so vorgegeben.

Die TLUG hat jetzt 74 Hochwasser-Risikogebiete kartiert und online gestellt. Die Bezeichnungen HQ20, HQ100 und HQ200 geben an, wo das Hochwasser im statistischen Mittel ein Mal in 20, 100 und 200 Jahren hinkommt. Frank Jauch hat erwartet, dass sich der HQ100-Wert nach der Juni-Flut entsprechend verändert. Fehlanzeige, schimpft der Jenaer Dezernent. Das Land tue so, als hätte es die Flut 2013 gar nicht gegeben. Das sei „der Gipfel der Verantwortungslosigkeit“.

Quelle: otz.de

Mehr als ein halbes Jahr nach der Flut hat die Sanierung der Clodramühle immer noch nicht begonnen. Wirt Silvio Müller zieht angesichts der ungewissen Zukunft die Konsequenz und steigt aus

Clodra. Silvio Müller gibt auf. Der Pächter der Gaststätte Clodramühle kann nicht mehr, teilte er der OTZ mit. Ob es eine Zukunft für das gerade bei Wan­derern beliebte Lokal gibt, ist offen. Müller zieht, wie er sagte, die Konsequenz aus einem halben Jahr, in dem vor Ort kaum etwas passierte.

Der Zustand der Clodra­mühlen-Gaststätte ist nach dem verheerenden Junihochwasser nahezu unverändert. Zwar sind einige Schäden, etwa Löcher in der Straße, inzwischen be­hoben. Und auch im Haus wurde mit Arbeiten begonnen. Aber nicht fortgeführt. Zudem steckt noch immer Nässe in den Wänden. Aufgestellte Heizer helfen nur notdürftig. Was hinter dem Putz oder im Boden noch steckt, ist kaum zu sagen.

Weil es keinen Lichtblick gebe, es nicht gelungen sei, etwas auf die Beine zu stellen, habe er beschlossen, aus dem Pacht­vertrag auszusteigen, sagte Müller. Zumal auch die finanziellen Zwänge immer stärker geworden seien. Eine komplette Saison sei ihm verloren gegangen, so Müller, der die Gasstätte seit 2009 betrieb. Aus den Plänen, schnell zumindest kleine Ver­anstaltungen durch­zuführen, sei wegen der nicht erfolgten Re­novierung nichts geworden. Ausfallversicherung und Kurzarbeitergeld seien von laufenden Kosten aufgefressen worden bzw. inzwischen aus­gelaufen.

Zudem bliebe auch nach einer eventuellen Sanierung die Situation an der Elster vertrackt. Wegen der ebenfalls von der Flut zerstörten Brücke ist die Gasstätte vom Wanderweg am jenseitigen Elsterufer abgeschnitten. „40 bis 50 Prozent der Gäste“ würden auch nach einer Wiedereröffnung fehlen, schätzt Müller. Zudem müsste man fast wieder von vorne beginnen und den Namen der Clodramühle bekannt machen. Am schlimmsten sei aber das Warten darauf, dass etwas passiert.

Seit 20 Jahren ist Müller in der Gastronomie tätig und will es weiterhin bleiben. Er sucht nun nach einem Job in der Branche. Ob Koch, Kellner oder Außendienst sei ihm egal. „Ich würde alles machen“, sagt er, „wenn sich nur jemand findet, der mir helfen möchte.“

Die Inhaberin der Gaststätte, Diana Heyne-Bretschneider, wollte sich zur Entwicklung vor Ort weiterhin nicht gegenüber OTZ äußern. Neuigkeiten erwarte sie im März. Mehr wolle sie im Moment nicht sagen.

Quelle: otz.de

Eine Stadt am Fluss, das ist auch immer mal wieder eine Stadt am oder schlimmstenfalls im Hochwasser. So idyllisch die Lage Dettelbachs am Main auch ist, der Fluss bleibt ein unberechenbarer Geselle. Zwar gibt es technische Hilfen, um im Fall der Fälle die Fluten einigermaßen im Zaum zu halten, doch braucht es dafür einiges an Geld – wobei die Qualität des Hochwasserschutzes natürlich auch den Preis bestimmt.

Welche Möglichkeiten es gibt, Häuser und Bewohner in der Stadt Dettelbach und im auf der anderen Flussseite liegenden Mainsondheim zu schützen, darüber informierte in der jüngsten Stadtratssitzung Markus Schiffler vom Tiefbautechnischen Büro Glückert. Schiffler unterschied zwischen einem Hochwasser-Basisschutz sowie Vorkehrungen gegen fünf-, 20- und 50-jähriges Hochwasser. Überlegungen zu einem Schutz vor 100-jährigem Hochwasser dürften demnach wohl ausscheiden – der Kosten wegen, die eine Studie des Wasserwirtschaftsamtes Aschaffenburg im vergangenen Jahr auf 7,6 Millionen Euro beziffert hatte.

Die Maßnahmen darunter liegen jedoch offenbar im Bereich des Möglichen. Dabei geht es vor allem um Veränderungen an Kanaldeckeln oder Regenüberläufen sowie um vergleichsweise überschaubare Bauarbeiten beispielsweise im Bereich der Dettel. Den Basisschutz für Dettelbach bezifferte Schiffler mit 99 000 Euro, die Zusatzkosten auf 46 000 Euro (fünfjähriges Hochwasser), 15 000 Euro (20-jähriges) und 54 000 Euro (50-jähriges). Insgesamt würden für die Stadt also 214 000 Euro für den Schutz vor einem 50-jährigen Hochwasser anfallen.

Schwieriger gestaltet sich die Sache in Mainsondheim. „Kostengünstig“ im fünfstelligen Eurobereich sei hier nur eine sogenannte Binnenentwässerung zu haben, bei der es lediglich um die Ableitung von Wasser geht, das sich im geschützten Bereich sammelt. Ein Gebäudeschutz sei wegen der geografischen Lage schwierig – und teuer. Um die flussnahen Gebäude Mainsondheims zu schützen, müsse ein 450 Meter langer mobiler Hochwasserschutz eingerichtet werden, dessen Kosten Schiffler mit 460 000 Euro angab. Allerdings reiche dieser Schutz auch nur für ein 20-jähriges Hochwasser.

Wie es nun weitergeht, ist offen. Bürgermeisterin Christine Konrad wollte in der Sitzung die Ausführungen Schifflers zunächst nur als Information verstanden wissen.

Quelle: mainpost.de

Horb-Mühringen – Wie soll Mühringen künftig vor Hochwasser geschützt werden? Das von der Stadt in Auftrag gegebene Gutachten macht erste konkrete Vorschläge. Nun ist das Regierungspräsidium am Zug.

Am 22. September 2013 hatte das Ingenieurbüro Heberle aus Rottenburg die vorläufigen Ergebnisse zur Schadensanalyse und zum Hochwasserschutz in einem Zwischenbericht öffentlich vorgestellt. Bürgermeister Jan Zeitler stellte jetzt die fertige Analyse vor. An diesem Pressegespräch nahmen Bernhard Asprion und Ottmar Meyer vom Fachbereich Technische Betriebe sowie Mühringens Ortsvorsteherin Monika Fuhl teil.

Bürgermeister Zeitler war es wichtig zu betonen, dass die Stadt dieses Gutachten schon im Januar 2013 in Auftrag gegeben hatte, das heißt bereits vor dem großen Hochwasser am 1. Juni. Sein Ziel sei es, möglichst schnell einen verbesserten Hochwasserschutz für Mühringen zu erreichen.

Die Eyach ist im Bereich Mühringen ein Gewässer 1. Ordnung und steht damit in der Ausbau- und Unterhaltspflicht des Landes. Zuständig für den Abschnitt Mühringen ist das Regierungspräsidium Karlsruhe. Die Stadt Horb ist hier, obwohl sie nicht zuständig ist, in Vorleistung getreten und hat das Gutachten in Auftrag gegeben und bezahlt. »Wir lassen die Bürger nicht im Stich«, betonte Zeitler. Es sei städtisches Geld eingesetzt worden, um eine wissenschaftlich fundierte Grundlage für Gespräche mit dem Regierungspräsidium Karlsruhe zu haben. Das RP hat das Gutachten inzwischen bekommen, um es zu prüfen.

Danach sollen Gespräche mit den Regierungspräsidium geführt werden, bei denen auch Ortsvorsteherin Monika Fuhl dabei sein wird. Zeitler sprach die Hoffnung aus, dass man so noch in diesem Jahr einen Schritt weiter kommen könne. Bei der Nutzen-Kosten-Analyse wurden verschieden Varianten untersucht und verglichen. Erkenntnisse aus früheren Hochwassern flossen in die Untersuchung komplett mit ein.

Unter Berücksichtigung des Vergleichs, in dem der volkswirtschaftliche Schaden, der durch das Hochwasser entsteht, den Kosten für einen verbesserten Hochwasserschutz gegenüber gestellt wird, empfiehlt das Ingenieurbüro die Variante 1.1 mit Investitionskosten von 1,42 Millionen Euro, die Linienschutz und örtlichen Hochwasserschutz beinhaltet.

Ein HQ100-Schutz (Schutz gegen hundertjähriges Hochwasser) könne im Ortsbereich erreicht werden durch Verwallung, Ufermauern und mobile Elemente beidseitig der Eyach.

Für die Umsetzung dieser Variante sind bereits sichtbare Schutzstrukturen vorhanden. Es müssten hier die Schutzhöhen ausgeführt werden bzw. noch Fehlstellen geschlossen werden. Ortsvorsteherin Monika Fuhl wies noch einmal darauf hin, dass sich gezeigt habe, dass das Wasser immer schneller kommt und höher steigt.

Zeitler ist es wichtig, dass man schnellstens zu einem Ergebnis für Mühringen kommt und sah es im Moment nicht als vordringlich an, eine Lösung zu suchen, die die ganze Eyach, die von Balingen und Haigerloch kommend aus zahlreichen Nebengewässern gespeist wird, einzubeziehen. Da hier verschiedene Landkreise und Regierungspräsidien beteiligt sind, würde das die Sache verzögern, so der Bürgermeister.

 Quelle: schwarzwaelder-bote.de
Eine Fläche von rund 410 Quadratkilometern gilt in Mecklenburg-Vorpommern als Hochwasserrisikogebiet.

Die Gebiete liegen an der Küste, aber auch an Flüssen im Binnenland wie an der Elbe, wie aus den neuen Hochwassergefahren- und -risikokarten hervorgeht. Agrarminister Till Backhaus (SPD) stellte die Karten am Mittwoch in Schwerin vor und schaltete sie im Internet frei. Jeder Bürger, jedes Unternehmen oder jede Behörde könne sich jetzt ein Bild davon machen, wie sich verschiedene Wasserstände auswirken könnten, sagte er. Die Hochwassergefahrenkarten zeigen für die jeweiligen Gebiete und Orte bis auf die Straßen sowie einzelne Gehöfte und Häuser genau, welche Flächen bei bestimmten Wasserständen überflutet werden und welche Wege dann nicht mehr passierbar sind. Das sei eine Hilfe für Entscheidungen jedes einzelnen Bürgers, aber auch für Behörden, wenn es etwa um die Evakuierung von Orten im Hochwasserfall gehe. Wie Backhaus sagte, hätten die Karten bei der Elbeflut 2013 schon gute Dienste leisten können. So habe es damals Überlegungen gegeben, die von Hochwasser bedrohten Orte entlang der Elbe im Land zu evakuieren. Etwa 14 300 Menschen wären betroffen gewesen.

Für die Hochwasserrisikogebiete sollen bis 2015 Managementpläne erarbeitet werden. Es dürfe dann nicht mehr vorkommen, dass Gemeinden etwa Baugenehmigungen in überschwemmungsgefährdeten Gebieten erteilen.

Außerdem stellt das Land seit Mittwoch auf einem Pegelportal Informationen über die aktuellen Wasserstände an Flüssen bereit. Rund 80 Pegel sind einbezogen. Die Seite ermöglicht außerdem den direkten Zugriff auf Wetterwarnungen und Sturmflutwarnungen. Backhaus räumte ein, dass es keinen hundertprozentigen Schutz vor Naturereignissen wie Hochwasser und Sturmfluten gebe. Die Menschen könnten sich aber besser darauf einstellen und Vorsichtsmaßnahmen treffen. Die EU hat laut Backhaus die Karten und entsprechende Managementpläne gefordert, weil bei den immer häufiger auftretenden Hochwasserereignissen immer höhere Schäden entstanden. Mecklenburg- Vorpommern hat laut Minister seit 1990 rund 96 Millionen Euro in den Hochwasserschutz investiert.

Quelle: focus.de

Hochwasser: Stadt verstärkt sich

Veröffentlicht: Januar 15, 2014 von fluthelfer in Hochwasserschutz, Sachsen

Für gut acht Millionen Euro sollen die Schäden in Glauchau behoben und Schutzmaßnahmen realisiert werden. Eigens dafür wurde eine neue Stelle im Rathaus geschaffen.

Glauchau. Sie selbst ist von den Hochwasserkatastrophen 2002 und 2013 verschont geblieben. Aber sie weiß, wie schnell Wasser ansteigen und Schäden bringen kann. In den 1990er-Jahren schwoll der Bach vor ihrem Grundstück in Zwickau bedrohlich an. Sigrun Steinert beschäftigt sich seit Jahresanfang mit dem Hochwasserschutz in Glauchau. „Ich komme aus der freien Wirtschaft“, sagt sie. Viele Jahre habe sie in verschiedenen Ingenieurbüros gearbeitet, war für Baugenehmigungen und Bauüberwachungen zuständig. Somit sei sie auch mit der Arbeit mit Behörden vertraut.

Jetzt sitzt die 59-Jährige quasi auf der anderen Seite und hat einen Berg Arbeit vor sich. Sie ist nun erst einmal dabei, sich einzuarbeiten. Die Stadt Glauchau hatte die Stelle ausgeschrieben, sieben Bewerber kamen in die engere Auswahl. Schließlich wurde sie mit Sigrun Steinert besetzt. Sie wird für sämtliche Vorhaben des Wiederaufbauplans nach dem Hochwasser 2013 zuständig sein. Insgesamt handelt es sich um 57 Einzelmaßnahmen mit einem Gesamtumfang von mehr als acht Millionen Euro. „Das macht man nicht nebenbei“, sagt Glauchaus Oberbürgermeister Peter Dresler (parteilos). Deshalb habe er das Personal verstärkt.

Aus seiner Sicht ist es seit dem Hochwasser des Jahres 2002 nicht gelungen, für wirksamen Schutz vor allem an den Zuflüssen in Mulde und Lungwitzbach zu sorgen. Deshalb stehen zum Beispiel Planungen im Bereich der Bahntrasse in Niederlungwitz und entlang des Reinholdshainer Baches ganz oben auf der Liste. Diese Arbeiten laufen bereits, sagt Heike Joppe, stellvertretende Fachbereichsleiterin für Planen und Bauen im Rathaus.

Ihren Worten nach sind die Wiederaufbaumaßnahmen finanziert, dennoch müsse für nahezu jede ein Fördermittelantrag gestellt werden. Wenn es sich um Neubauten handelt, müssen die Anträge entsprechend qualifiziert sein und eine Entwurfsplanung aufweisen. Beispielsweise seien allein sechs Brückenbauten geplant. Wichtig sei außerdem die Zusammenarbeit mit den Ortsvorstehern, denn Hochwasserprobleme lauern in nahezu jeder Ortschaft, sei es in Jerisau/Lipprandis, in Niederlungwitz, Reinholdshain, Wernsdorf, Rothenbach oder Gesau. Und die Probleme gibt es nicht erst seit dem Jahr 2013. Die Hochwasserschutzmaßnahmen, die die Stadt Glauchau selber in Angriff nimmt, müssen aber auch mit denen der Landestalsperrenverwaltung abgestimmt sein, denn sie ist für die Bereiche der Zwickauer Mulde und des Lungwitzbaches zuständig. Beispiel: Bei beiden Hochwasserkatastrophen hat sich der Flutrinnendamm unterhalb der Eisenbahnbrücke als Schwachpunkt erwiesen. Nur mit Unterstützung von Bundeswehr und technischem Hilfswerk konnte ein Überfluten des benachbarten Umspannwerks und der Unterstadt verhindert werden. Der Deich wurde als die Schwachstelle ausgemacht. Bei den Beratungen, wie der Bereich saniert werden kann, war die Stadt Glauchau dabei. Vorgesehen ist, eine etwa 300 Meter lange Spundwand in den Deich zu rammen. Allerdings steht noch nicht fest, wann die Arbeiten beginnen. Aber auch beim geplanten Bau der Wernsdorfer Brücke über die Mulde ist nach Ansicht des dortigen Ortsvorstehers Andreas Winkler (CDU) Abstimmung mit der Landestalsperrenverwaltung notwendig.

Deiche hielten

Beim Hochwasser im vergangenen Jahr ist die Stadt Glauchau mit einem blauen Auge davongekommen.

Neben der Bundeswehr, dem Technischen Hilfswerk und der Feuerwehr waren viele freiwillige Helfer im Einsatz, die in erster Linie Sandsäcke füllten und stapelten. Somit wurden die Deiche an der Flutrinne und in

Jerisau gehalten und die Katastrophe abgewendet.

Besonders schlimm hatte es den Ortsteil Niederlungwitz erwischt. In den Tagen von Ende Mai/Anfang Juni gab es insgesamt drei Wellen, in denen der Lungwitzbach enorm schnell anschwoll. In einigen Bereichen des Dorfes stand das Wasser höher als beim Hochwasser 2002, an anderen Stellen war es weniger.

Der Gesamtschaden in Glauchau lag bei 8,5 Millionen Euro. Den Löwenanteil tragen die Straßen, Brücken, Deiche und öffentliche Einrichtungen mit 6,5 Millionen Euro, Unternehmen mit etwa 850.000 Euro und Wohngebäude mit etwa 500.000 Euro. Landwirtschaftliche Unternehmen hat es mit 125.000 Euro erwischt. (sto)

Quelle: .freiepresse.de