Norddeutschland – Warten auf das nächste Hochwasser

Veröffentlicht: Dezember 6, 2013 von fluthelfer in Zentrale der Deutschen Fluthilfe

Das Orkantief „Xaver“ hat der Millionenmetropole Hamburg eine der schwersten Sturmfluten der Vergangenheit beschert. Auch an der Nordseeküste hatten die Menschen eine unruhige Nacht. Es bleibt stürmisch. Die nächste Flutwelle wird heute Abend erwartet.

Hamburg/Husum – Das Orkantief „Xaver“ hat auch in der Nacht zu Freitag Norddeutschland durchgepustet. Besonders an der Nordsee auf den Halligen bangten die Bewohner vor dem Hochwasser. Die Schäden sind aber in Schleswig-Holstein und andernorts zunächst geringer als befürchtet – auch wenn die Orkanböen am Freitag noch teilweise extrem stark fauchen.

 

Am Morgen waren die Sorgen in Hamburg besonders groß. Auf die Millionenmetropole war die schwerste Sturmflut seit langer Zeit zugerollt. Die Innenbehörde warnte vor extremen Wasserständen.

„‚Wir haben eine Sturmflut, die es in den letzten 10, 20 Jahren nur sehr selten gegeben hat“, sagte ein Behördensprecher am Freitagmorgen. Der Scheitel wurde gegen 6 Uhr erreicht – mit knapp vier Metern über dem Mittleren Hochwasser. Das sind gut 6,10 Meter über Normalnull. Zuletzt habe es Anfang der neunziger Jahre zwei Mal einen solchen Wasserstand der Elbe gegeben.

Der Hamburger Hafen wurde in der Nacht zum Freitag geräumt und gesperrt. „Ab 2.30 Uhr durfte keiner mehr hereinfahren“, sagte der Sprecher. Einige Anwohner mussten ihre Häuser räumen. Die Hochwasserschutztore wurden geschlossen.

In der Millionenstadt überspülte das Wasser am Freitag in den tieferen Gebieten nahe der Elbe Zentimeter um Zentimeter Land. Zum Fischmarkt führte kein Weg mehr. Eine Seniorenresidenz am Fluss wurde zur eingeschlossenen Insel. Plätze in der historischen Speicherstadt und der Hafencity liefen voll.

Auf das Hochwasser in dieser Nacht werden noch weitere folgen, denn Xaver hat eine außergewöhnlich lang anhaltende Kraft. Insgesamt treibt der Orkan nach bisherigen Erkenntnissen drei schwere Sturmfluten an die Nordseeküste und nach Hamburg. Jeweils mit den Gezeiten wird alle zwölf Stunden ein extremes Hochwasser auflaufen. „Xaver“ bläst voraussichtlich fast zwei Tage aus Nordwesten.

Viele Bahnen fahren nicht – Okanböen in ganz Deutschland

Die Folgen des Orkans sind indes in der ganzen ganzen Bundesrepublik zu spüren. Schwere Orkanböen ziehen über weite Teile des Landes hinweg. Dächer wurden abgedeckt, Lkw umgeweht, Bäume stürzten um. Die gute Nachricht: Insgesamt gab es bislang trotz extremer Böen von teilweise bis zu 155 Stundenkilometern nur wenige Unfälle mit Verletzten.

Bei Hannover wurde ein Kleinbus mit behinderten Schülern von einer starken Böe erfasst und in einen entgegenkommenden Wagen gedrückt. Dabei wurde ein 68-Jähriger schwer verletzt, sechs weitere Menschen leicht. Ein weiterer Mann wurde schwer verletzt, als ein Auto durch eine Windböe in den Gegenverkehr gedrückt wurde.

In Elmshorn bei Hamburg prallte eine Regionalbahn an einem Bahnübergang gegen einen umgestürzten Baum. Der Zugführer wurde leicht verletzt. Ein Zug der Hamburger Hochbahn fuhr gegen einen umgestürzten Baum und entgleiste.

In Stralsund in Mecklenburg-Vorpommern deckte „Xaver“ das Dach eines Supermarktes ab.

Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes wurden in List auf Sylt in der Nacht Windgeschwindigkeiten von 148 Kilometern pro Stunde erreicht. Gestern Abend lagen sie zeitweilig sogar über 180 Stundenkilometern. Auf dem Brocken im Harz erreichte „Xaver“ gar eine Spitzengeschwindigkeit von 155 Stundenkilometern.

Kein Betrieb an vielen Schulen und Universitäten

De Inseln und Halligen vor Schleswig-Holsteins Küste sind vom Festland aus nicht mehr zu erreichen, die Fähren stellten den Betrieb ein. Auch der Schiffsverkehr auf dem Nord-Ostsee-Kanal kam zum Erliegen.

Reisende hatte „Xaver“ bereits am Donnerstag auf eine Geduldsprobe gestellt. In Hamburg, Hannover und Bremen wurden etliche Flüge gestrichen.

Auch der Bahnverkehr kam zeitweise zum Erliegen. In Schleswig-Holstein können viele Züge weiterhin nicht fahren. Vielerorts lägen Bäume auf den Gleisen oder hingen in den Oberleitungen, hieß es. In Nordrhein-Westfalen dagegen sind sämtliche Strecken inzwischen wieder befahrbar.

 

Generell gelte für alle Verbindungen im Norden, dass sich die Fahrgäste auf teils deutliche Verspätungen einstellen müssten. So sei die Strecke von Berlin nach Hamburg nur auf einem Gleis befahrbar.

In vielen Schulen Norddeutschlands fällt der Unterricht am Freitag aus. An den Universitäten in Greifswald und Rostock wurden die Lehrveranstaltungen gestrichen.

Und sogar vorm Fußball macht „Xaver“ nicht halt: Das Bundesliga-Spiel zwischen Werder Bremen und Bayern München am Samstag ist gefährdet. Steigt das Wasser der Weser über den Deich, kann das Spiel nicht stattfinden.

Quelle: .manager-magazin.de

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