Deiche entlang der Weser halten stand

Veröffentlicht: Dezember 6, 2013 von fluthelfer in Zentrale der Deutschen Fluthilfe

Die Sturmflut als Folge des Orkans „Xaver“ hat in der Nacht ihren Höhepunkt erreicht. Das Wasser lief gegen 3 Uhr in Bremerhaven 3,15 höher auf als das mittlere Hochwasser, das ist der dritthöchste Stand seit dem Jahr 1907. In Bremen war es gegen 4:40 Uhr 2,61 Meter höher als üblich. Größere Schäden sind bislang aber ausgeblieben.

Der Bahnverkehr im Großraum Bremen ist noch beeinträchtigt, weil nicht alle Züge dort stehen, wo sie eingesetzt werden sollten. Auch im Fernverkehr kommt es zu Verspätungen und Ausfällen. Die Strecken von und Nach Bremen sind allerdings frei. Am Flughafen Bremen sind fasst alle Inlandsflüge am Vormittag storniert. Das Bundeligaspiel zwischen Werder Bremen und Bayern München wird aber wie geplant stattfinden, sagte Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD).

Es fehlten nur 30 Zentimer am Stadion

Man sei noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen, so der Senator bei einer nächtlichen Begehung der Pauliner Marsch in der Nähe des Stadions. Mäurer hatte sich persönlich ein Bild vom Zustand der Deiche vor dem Stadion gemacht. Dort fehlten nur rund 30 Zentimeter bis das Wasser Stadion und Trainingsplätze überspült hätte. Die Folge wären Schäden in Millionenhöhe gewesen.

Schleuse in Bremerhaven außer Betrieb

Die Hafengesellschaft „Bremenports“ informierte in der Nacht über den bisherigen Verlauf der Sturmflut. Die Deiche haben gehalten. Mitarbeiter der Hafengesellschaft, die regelmäßig die Deiche kontrollieren, melden keine Beeinträchtigungen. An einem Sperrwerk gab es kleine Leckagen und eine der größeren Schleusen im Hafen, die Nordschleuse, funktioniert derzeit nicht.Durch das Kettengetriebe und das Zahnrad ist Wasser eingesickert und hat zu Kurzschlüssen in der Elektrik geführt. Erst wenn das Wasser weiter abgelaufen ist, können die Techniker von Bremenports nachsehen, was zu reparieren ist. Die Situation an der noch Kaiserschleuse ist aber trotzdem entspannt, denn es sind nur wenige Schiffe unterwegs. Die meisten liegen wegen des Sturms im Hafen.

Der Schutz der Küste sei gewährleistet. Die Seenotretter meldeten bislang keine Einsätze. Größere Sturmschäden in der Stadt gab es in der Nacht nicht. Die Feuerwehr musste etwa 50 Mal zu kleineren Einsätzen ausrücken.

Notunterkunft am Bremer Leibnitzplatz

In der Stadt Bremen forderten die Behörden die Bewohner hochwassergefährdeter Gebiete auf, ihre Häuser zu verlassen. Zwölf Menschen verbrachten die Nacht in einer Notunterkunft am Leibnitzplatz. Voraussichtlich werden Bereiche des Weser-Stadions überflutet werden. Daher besteht die Gefahr, dass das Bundesliga-Spiel am Samstag ausfällt.

Der Gezeitenwechsel wird aber kaum spürbare Erleichterung bringen. Der Wasserstand wird auch bei Ebbe fast auf dem Niveau eines normalen Hochwassers liegen. Der Orkanwind drückt weiter das Nordsee-Wasser an die Küsten und in die Flüsse des Binnenlandes. Deswegen stehen Bremerhaven auch mindestens zwei weitere schwere Sturmfluten bevor. Für den Notfall stehen auch 500 Soldaten der Marineoperationsschule bereit.

Bereits am Donnerstagnachmittag war der Zugverkehr auf vielen Strecken im Nordwesten unterbrochen. In Bremen-Vegesack trat die Weser über das Ufer – die Promenade ist überflutet. In Bremen und Bremerhaven bleiben am Freitag alle Schulen geschlossen, das haben die jeweiligen Behörden bekanntgegeben. Ein Betreuungsangebot ist aber an allen Schulen gewährleistet. Schulbusse fahren jedoch nicht.

Mehrere Gebiete in Bremen geräumt

Verschiedene Gebiete wurden in Bremen am Donnerstag geräumt. Menschen im Industriegebiet rund um das Vulkangelände in Vegesack sowie im Kleingartengebiet in Rablinghausen und auf dem Stadtwerder sowie in der Pauliner Marsch mussten ihre Gebäude verlassen. Werder Bremen hat den Erdgeschossbereich des Weser-Stadions evakuiert und technische Geräte wie auch Mobiliar in die nächsthöhere Etage gebracht. Falls die Weser über die Deichhöhe von 5,50 Meter steigt, würde Wasser auch ins unmittelbar in Fluss-Nähe gelegene Stadion laufen. „Ob es passiert, können wir noch nicht sagen. Der Krisenstab berechnet die Situation ständig“, sagte Mediendirektor Tino Polster von Werder Bremen. Dann wäre das Spiel gegen Bayern München am Samstag gefährdet. Auch die Behörden sorgen sich um die Sicherheit des Deiches. Der Verein hatte wegen des drohenden Unwetters sein Training zeitlich vorverlegt und Publikum aus Sicherheitsgründen ausgeschlossen.

Am Donnerstagabend stellte auch die Weserfähre zwischen Bremerhaven und Nordenham-Blexen ihren Betrieb ein. Das Kreuzfahrtschiff „Norwegian Getaway“ hatte zuvor die Bremerhavener Columbuskaje verlassen. Es wurde auf die offene See geschleppt und soll den Orklan vor Helgoland abwarten. An der Kaje wurde es durch Sturm und Hochwasser zu gefährlich. Das Schiff hätte an die Kaje gedrückt werden können.

Dauereinsatz für die Polizei

Die Polizei Bremen rückte zu vielen Einsätzen aus. Bisher wurden keine verletzten Menschen gemeldet. Umgeknickte Verkehrsschilder, herunter gefallene Dachziegel und umgewehte Bäume wurden gemeldet. In Habenhausen kippte der Fahnenmast eines Schuhgeschäftes um und in Gröpelingen drohte eine Riesenplakatwand herunterzufallen.

Warnung vor Aufenthalt im Freien

Bis Samstagfrüh soll das Unwetter anhalten, neben heftigem Sturm ist auch Schnee angesagt. In Bremerhaven wurde der Katastrophenstab einberufen. Für den Fall, dass es hart auf hart kommt – so Rüdiger Staats von Bremenports – liegen 25.000 Säcke bereit, 3.000 davon sind schon mit Sand gefüllt. Bislang wurden keine Schäden gemeldet.

Feuerwehr und Polizei warnen davor, beim Unwetter im Freien unterwegs zu sein. Die Gefahr sei groß, dass Bäume entwurzelt werden, Äste und Gegenstände durch die Luft fliegen und Dachziegel herunterstürzen.

Quelle: radiobremen.de

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