Archiv für Dezember, 2013

Die Wiederaufbauer

Veröffentlicht: Dezember 27, 2013 von fluthelfer in Zentrale der Deutschen Fluthilfe

Das Hochwasser hinterließ in Bayern Schäden von mehr als einer Milliarde Euro. Sie sind noch längst nicht behoben. Aber der Durchhaltewille der Betroffenen ist ungebrochen. Opfer berichten, wie sie die Katastrophe erlebt haben – und wie es ihnen heute geht.

Die Flut brachte Not, Zerstörung und Verzweiflung, sie brachte aber auch eine selten gekannte Solidarität. Weite Teile Bayerns standen im Juni unter Wasser, der Schaden überschritt deutlich die Grenze von einer Milliarde Euro. Opfer berichten, wie sie die Naturkatastrophe erlebt haben – und wie es ihnen heute geht.

Über Weihnachten hatte Josef Alt Besuch von der Familie seiner Schwester, sie musste allerdings im Wohnwagen schlafen. Auch seine Eltern kehrten zurück nach Fischerdorf. Sie waren sechs Monate in einem Pflegeheim untergebracht, wie es mit ihnen weitergeht, ist offen. Sie wissen immer noch nicht, ob ihr Wohnhaus abgerissen werden muss – wie fast 150 andere in dem Deggendorfer Stadtteil. Alts Gärtnerei glich im Juni einer Mondlandschaft, ausgelaufenes Öl hatte die Böden verseucht. Der 46-Jährige brauchte ein paar Tage, bis er wusste, dass er nicht aufgeben würde, obwohl die Versicherung keinen Cent erstattete. Ein Drittel des Schadens – insgesamt mehrere hunderttausend Euro – bekam er bis heute durch staatliche und private Hilfen ersetzt.

Zwei bis drei Sonntage habe es seit dem Hochwasser gegeben, an denen er nicht gearbeitet habe. Fundamente wurden errichtet, Gebäude erneuert, Maschinen repariert, vieles in Eigenleistung. Alt handelt mittlerweile mit regionalen Waren von hoher Qualität, im Februar will er mit der Produktion von eigenem Gemüse beginnen. Das Dorf, glaubt der Gärtner, hat sich verändert. Einige Menschen werden nicht mehr zurückkehren. Wenn er seinen Betrieb im Vergleich zum Juni sehe, komme ihm aber manches vor wie ein kleines Wunder. „Die wahren Helden sind die Helfer“, sagt Alt. Am 4. Januar wird er für sie ein Fest ausrichten.

Teil einer Großfamilie zu sein, hat Vor- und Nachteile. 16 Angehörige gehören der Familie Diez aus Freilassing an. Als sie nach dem Hochwasser zusammenrücken mussten, wurde es mitunter ziemlich eng, sagt Jurij Diez. Seine Eltern, seine Schwester, ihr Mann und die zwei Kinder mussten das überschwemmte Haus verlassen, das sie erst ein Jahr zuvor in mühsamer Arbeit fertiggestellt hatten. Sie quartierten sich bei Jurij und seinem Bruder ein. Weil die Familie Diez andererseits über viele geschickte Hände verfügt, ist sie nun bereits weiter als die meisten Nachbarn. Die müssen warten, bis ein Handwerker Zeit für sie hat – und das zu akzeptablen Preisen. Manche Firmen, weiß Jurij Diez, seien „wie die Geier“. Die Diez‘ verließen sich zumeist auf sich selbst. „Wir haben gewerkelt, es hat Kraft und Nerven gekostet, aber es sieht ganz gut aus.“ Gut zwei Monate musste das Haus trocknen, Tag für Tag wurde Wänden und Böden bis zu 30 Liter Wasser abgerungen. Finanzielle Unterstützung erhielt die Familie des Schauspielers von Kollegen und weiteren Künstlern. Noch fehlt es an manchen Sachen, „aber man gewöhnt sich an die Situation“. Im Frühjahr wird weitergewerkelt – dann im Garten.

Die leuchtend grüne Linie an der Wand erspart Romildo Fossalto manche Erklärung. Sie zieht sich quer durch das ganze Schuhgeschäft und markiert den Höchststand vom 3. Juni – es war der Tag, an dem Inn und Donau in der Passauer Fußgängerzone zu einem kleinen See zusammenflossen. Und Fossalto machte Schlagzeilen als Schuhhändler, der mit seinem Laden einst von der Donau weg in die höher gelegene Fußgängerzone zog, und den es dennoch erwischte. Im Oktober kehrte er wieder in sein Geschäft zurück. Im Vergleich zu anderen Passauern sei er noch glimpflich davongekommen, sagt der 33-Jährige. Bis in der Stadt alle Schäden beseitigt sind, dürften Jahre vergehen. Die Angst, dass so ein Hochwasser wiederkehre, werde er wohl nie mehr los, sagt Fossalto. Aber er hat sich vorbereitet. Die neue Einrichtung besteht aus selbst entwickelten Palettentischen mit Rollen unten dran. Im Notfall lassen sie sich einfach wegfahren.

In den Ställen der Familie Schreiber wird wieder gemuht. Etwa 240 Mastkühe haben die Landwirte aus Altholz bei Plattling eingestellt. Bis zum Juni hatten die Schreibers Bullen, doch die brauchen hochwertiges Futter, von dem es im Moment nicht so viel gibt. Denn Mais ist knapp. Etwa 200 Bullen konnten beim Hochwasser abtransportiert werden, für 100 kam jede Hilfe zu spät. Sie bekamen den Gnadenschuss, ehe sie ertranken. Inzwischen, sagt Juniorchef Thomas Schreiber, geht es wieder aufwärts. Über das Landwirtschaftsamt sei ausreichend Geld geflossen, die Herbstsaat wurde wie geplant ausgebracht. Nur versichern lässt sich der Hof erst dann, wenn der neue Isardamm errichtet sein wird. Den Schreibers gehören selbst einige Hektar Grund, auf denen der Deich einmal stehen soll. Die Bereitschaft zum Verkauf ist da, doch noch mangelt es an Ausgleichsflächen. Es gab Tage, an denen er überlegt habe, ob sich das alles noch lohne, sagt Schreiber: „Aber man kann ja nicht aufgeben oder weggehen. Also geht es weiter. Es muss ja weitergehen, was willst du sonst machen?“

Quelle: sueddeutsche.de

Ehrenamtsempfang des Landes Brandenburg

Veröffentlicht: Dezember 15, 2013 von Generaldirektor in Zentrale der Deutschen Fluthilfe

14.12.2013 – Einhundert der aktivsten Ehrenamtlerinnen und Ehrenamtler aus allen Teilen des Landes waren in der Potsdamer Staatskanzlei Gäste von Landtagspräsident Gunter Fritsch und Ministerpräsident Dietmar Woidke Beim traditionellen Ehrenamtsempfang wandte sich Fritsch an die Anwesenden: „Mit Ihrer Ausdauer und Leidenschaft, sich freiwillig zu engagieren, leisten Sie einen fundamentalen Beitrag für unser Gemeinwesen.“ Woidke versprach für die von ihm geführte Landesregierung, die Ehrenamtskultur im Land auch in Zukunft zu pflegen.

http://ehrenamt-in-brandenburg.de/fotos-vom-ehrenamtsemfpang-2013-in-der-staatskanzlei/

Ehrenamtsempfang 2013

Auszeichnung für Hochwasser-Helfer

Veröffentlicht: Dezember 9, 2013 von fluthelfer in Zentrale der Deutschen Fluthilfe

Bernhard Enninghorst als Vorsitzender des DRK-Ortsvereins Freckenhorst überreichte die Auszeichnungen an die Aktiven, die im Juni spontan nach Magdeburg gefahren waren. Mit einem Wasserrettungszug aus dem DRK-Landesverband Nordrhein waren Salim Abdellaoui und Martin Riemann von der Freckenhorster DRK-Wasserwacht im Hochwassergebiet rund um die Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt im Einsatz und übernahmen mit den Booten des Wasserrettungszugs verschiedenste Aufgaben in den überfluteten Gebieten.

Gemeinsam mit Kräften aus dem gesamten Kreisgebiet waren Nicole Dirksen, Andreas Peveling, Bernd Peveling und Andreas Engbert in Magdeburg. Dort halfen sie bei der Einrichtung und dem Betrieb einer Notunterkunft in einem Gymnasium, in dem bis zu 1000 Menschen – überwiegend Einsatzkräfte – untergebracht werden konnten. Mehr als 2000 Mahlzeiten am Tag wurden auf dem Betreuungsplatz für Einsatzkräfte durch die Helfer aus den beiden heimischen Kreisen zubereitet. „Das war ein unvergessliches Erlebnis“, erinnern sich die DRK-Mitglieder noch immer gern an ihren erfolgreichen Einsatz. „Die Menschen vor Ort waren super hilfsbereit und sehr dankbar!“

Die Verleihung der Einsatzspange nutzte DRK-Vorsitzender Bernhard Enninghorst nicht nur, um sich bei den Hochwasserhelfern zu bedanken. Auch sonst hatte der DRK-Ortsverein in diesem Jahr viel zu tun: „Wir hatten viele verschiedene Einsätze“, erinnerte Enninghorst und lobte die Einsatzbereitschaft der ehrenamtlichen Helfer: „Wir haben ein gut ausgebildetes und motiviertes Team.“

Quelle: die-glocke.de

Die Wiederaufbauhilfe nach dem Hochwasser läuft in Gößnitz schleppend an. Die Stadtverwaltung hat beobachtet, dass Flutopfer das ihnen zustehende Geld nicht abrufen, weil schlicht die Eigenmittel fehlen. Das Landratsamt gewährt in Härtefällen Darlehen aus Spendengeldern

Gößnitz. Sechs Monate nachdem sich die Pleiße in die Gößnitzer Straßen ergoss, Wohnhäuser und Firmen flutete, sind die äußeren Spuren der Katastrophe verblasst. Heute kämpfen die Menschen nicht gegen das Wasser, sondern gegen die Bürokratie. „Die Wiederaufbauhilfe wurde am grünen Tisch entschieden“, so das bittere Fazit von Dorothee Philipp, Hauptamtsleiterin der Stadt Gößnitz. In vier dicken Ordnern hat die Stadtverwaltung die Schäden an privatem und öffentlichem Eigentum erfasst. Von den 600 privaten Schadensfällen haben bislang jedoch nur 70 die Anträge auf Wiederaufbauhilfe eingereicht.

Erklärungsversuche dafür gibt es einige: Die Versicherung hat gezahlt, der Schaden fällt unter die vom Land festgesetzte sogenannte Bagatellgrenze von 2000 Euro, die Soforthilfe konnte die Ausgaben decken oder die Frist bis zum Ende 2014 setzt Betroffene noch nicht unter Zeitdruck. Dennoch: Dorothee Philipp hatte auch Menschen in ihrem Büro sitzen, denen stand die staatliche Unterstützung zu, sie konnten aber den Eigenanteil nicht aufbringen. Laut der Richtlinie des Thüringer Bauministeriums werden 80 Prozent der Hochwasserschäden übernommen, jedoch nur bis zu einem Höchstbetrag – für den Hausrat in einem Einpersonenhaushalt 4000 Euro, für eine vierköpfige Familie sind es 9000 Euro. Wer neue Möbel, eine neue Küche oder neue Elektrogeräte kauft, muss zudem mit einem Abschlag von 30″Prozent rechnen. Ein Beispiel: Für die neue Waschmaschine im Wert von 500 Euro zahlt das Land am Ende tatsächlich nur 280 Euro – 80 Prozent der Kaufsumme abzüglich 30″Prozent Abschlag, rechnet Dorothee Philipp vor. „Wir sind nicht bei einer 80-prozentigen Förderung, definitiv nicht. Am Ende sind es 56 Prozent Zuschuss“, sagt sie. Wenn eine vierköpfige Familie also die höchste Förderung für Hausrat von 9000″Euro tatsächlich bekommen möchte, muss sie gut und gerne 16″000 Euro ausgeben. „Und das ist ein Ding der Unmöglichkeit“. Für „nicht nachvollziehbar“ hält die Hauptamtsleiterin auch die Vorfinanzierung. Denn das Land zahlt die Wiederaufbauhilfe erst auf Rechnungsvorlage aus. Während Zahlung zu einem späteren Rechnungstermin beim großen Möbelhaus noch möglich sein mag, hält Dorothee Philipp das bei Handwerkern für nahezu ausgeschlossen. Auch in der Schadenskommission des Altenburger Landes sind derlei Fälle bekannt. In der Theorie reichen die Leute eine Rechnung ein, in der Praxis beauftragt man aber keinen Generalauftragnehmer, der eine Rechnung schreibt, sondern viele einzelne Handwerker, die auch noch einen Abschlag wollen. Das weiß auch Dorit Bieber von der Schadenskommission. Deshalb hat sich das Landratsamt dazu entschlossen, Spendengelder als zinsloses Darlehen zu vergeben. Damit könnten die Flutopfer die Zeit überbrücken, bis das Land die Wiederaufbauhilfe ausgezahlt hat und zum Beispiel Material im Baumarkt oder gebrauchte Möbel im An- und Verkauf kaufen. Die Rechtsabteilung des Landratsamt habe dieses Vorgehen abgesegnet. Solche Darlehensvereinbarungen seien Ausnahmen und würden nur in Härtefällen gewährt. Vier Mal ist das bislang vorgekommen. „Einzelabstimmungen in allen vier Fällen“, bekräftigt Dorit Bieber und sagt, dass bereits wieder Mittel zurückgeflossen seien auf das Spendenkonto. Rund 127″430″Euro sind bislang auf dem Spendenkonto des Landkreises eingegangen. Da im Vergleich zum Hochwasser vor elf Jahren die Schäden größer, aber die Spendensumme geringer ist, kann das Geld nicht so breit gefächert vergeben werden. Die Kommission zahlt deshalb nur an jene aus, deren Schaden unter der Bagatellgrenze liegt oder nicht förderfähig ist. „Damit ist gesichert, dass die ausgezahlten Spenden im Aufbauhilfeprogramm nicht auf die staatliche Förderung angerechnet werden und diese nicht mindern“, so Dorit Bieber. Am Ende dürfte das auch den vielen Spendern entsprechen – sie wollen, dass ihr Geld den Betroffenen hilft und nicht beiträgt, staatliche Zuschüsse zu reduzieren.

Quelle: thueringer-allgemeine.de

Hochwasser Hamburg heute: Vorsichtig am Nikolaus

Veröffentlicht: Dezember 6, 2013 von fluthelfer in Zentrale der Deutschen Fluthilfe
Die Polizei und Feuerwehr in Norddeutschland ist derzeit im Dauereinsatz. Stürme und Hochwasser sorgte bereits am Donnerstag (5.12.) für Ausnahme-Situationen. Richtig gefährlich soll es laut Wetter-Experten am frühen Freitagmorgen werden.
Aufgrund von Sturm- und Hochwasser-Warnungen fanden am Donnerstagabend in Hamburg keine Weihnachtsmärkte statt. In Teilen Schleswig-Holsteins fiel die Schule aus. Eltern von Hamburger Schülern war es freigestellt, die Kinder zum Unterricht zu schicken. Auf der Elbe wurde der Schiffsverkehr teilweise eingestellt.
Am Donnerstagabend erreichte der Orkan „Xaver“ seinen vorläufigen Höhepunkt. Die Fischauktionshalle und der Fischmarkt standen vollständig unter Wasser. Das Hochwasser am Donnerstag war allerdings nur ein Vorgeschmack für das was noch kommen soll. Der Höhepunkt des Unwetters wird am Freitagmorgen um 6.30 Uhr erwartet.
Das erwartete Hochwasser soll die Sturmflut von 1962 möglicherweise sogar übertreffen. Allerdings wäre das nicht ganz so tragisch wie damals. Die Deiche sind auf 7,30 Meter ausgelegt. Eine zusätzliche Gefahr geht vom Sturm aus. Daher gilt es sich unbedingt aus Wäldern fernzuhalten und unnötige Ausflüge ins Freie zu vermeiden.
Quelle: norddeutschland.blogspot.de

Vom Hochwasser betroffene Familien können Zettel ausfüllen – Abgabe bis 13. Dezember

Für Kinder von Hochwasser-Betroffenen hat sich der Kreisjugendring Deggendorf etwas Besonderes einfallen lassen: Drei Geschenke im Wert von bis zu 50 Euro können auf einen Wunschzettel geschrieben werden, einer davon wird erfüllt. Zudem lädt der Kreisjugendring die betroffenen Kinder und ihre Familien am 23. Dezember um 12 Uhr zu einer Gratis-Vorstellung des Disney-Films „Die Eiskönigin“ in das Lichtspielhaus ein.

Die Wunschzettel sind in der Geschäftsstelle des Kreisjugendrings (Amanstraße 11) erhältlich. Die Wünsche sollten möglichst detailliert geschrieben sein, rät KJR-Geschäftsführer Martin Hohenberger: „Das macht es uns dann leichter, das Richtige zu kaufen.“

Mitmachen können Kinder im Alter von drei bis 15 Jahren aus hochwasserbetroffenen Familien im Landkreis. Außerdem sollte auf dem Wunschzettel vermerkt werden, wie viele Personen zum Kinonachmittag kommen, „weil wir die Plätze im Lichtspielhaus reservieren müssen“, erläutert Hohenberger. Die Wunschzettel können bis zum 13. Dezember in der KJR-Geschäftsstelle abgegeben werden, „einfach in den Postkarten werfen reicht“, sagt Hohenberger.

Quelle: idowa.de

Deiche entlang der Weser halten stand

Veröffentlicht: Dezember 6, 2013 von fluthelfer in Zentrale der Deutschen Fluthilfe

Die Sturmflut als Folge des Orkans „Xaver“ hat in der Nacht ihren Höhepunkt erreicht. Das Wasser lief gegen 3 Uhr in Bremerhaven 3,15 höher auf als das mittlere Hochwasser, das ist der dritthöchste Stand seit dem Jahr 1907. In Bremen war es gegen 4:40 Uhr 2,61 Meter höher als üblich. Größere Schäden sind bislang aber ausgeblieben.

Der Bahnverkehr im Großraum Bremen ist noch beeinträchtigt, weil nicht alle Züge dort stehen, wo sie eingesetzt werden sollten. Auch im Fernverkehr kommt es zu Verspätungen und Ausfällen. Die Strecken von und Nach Bremen sind allerdings frei. Am Flughafen Bremen sind fasst alle Inlandsflüge am Vormittag storniert. Das Bundeligaspiel zwischen Werder Bremen und Bayern München wird aber wie geplant stattfinden, sagte Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD).

Es fehlten nur 30 Zentimer am Stadion

Man sei noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen, so der Senator bei einer nächtlichen Begehung der Pauliner Marsch in der Nähe des Stadions. Mäurer hatte sich persönlich ein Bild vom Zustand der Deiche vor dem Stadion gemacht. Dort fehlten nur rund 30 Zentimeter bis das Wasser Stadion und Trainingsplätze überspült hätte. Die Folge wären Schäden in Millionenhöhe gewesen.

Schleuse in Bremerhaven außer Betrieb

Die Hafengesellschaft „Bremenports“ informierte in der Nacht über den bisherigen Verlauf der Sturmflut. Die Deiche haben gehalten. Mitarbeiter der Hafengesellschaft, die regelmäßig die Deiche kontrollieren, melden keine Beeinträchtigungen. An einem Sperrwerk gab es kleine Leckagen und eine der größeren Schleusen im Hafen, die Nordschleuse, funktioniert derzeit nicht.Durch das Kettengetriebe und das Zahnrad ist Wasser eingesickert und hat zu Kurzschlüssen in der Elektrik geführt. Erst wenn das Wasser weiter abgelaufen ist, können die Techniker von Bremenports nachsehen, was zu reparieren ist. Die Situation an der noch Kaiserschleuse ist aber trotzdem entspannt, denn es sind nur wenige Schiffe unterwegs. Die meisten liegen wegen des Sturms im Hafen.

Der Schutz der Küste sei gewährleistet. Die Seenotretter meldeten bislang keine Einsätze. Größere Sturmschäden in der Stadt gab es in der Nacht nicht. Die Feuerwehr musste etwa 50 Mal zu kleineren Einsätzen ausrücken.

Notunterkunft am Bremer Leibnitzplatz

In der Stadt Bremen forderten die Behörden die Bewohner hochwassergefährdeter Gebiete auf, ihre Häuser zu verlassen. Zwölf Menschen verbrachten die Nacht in einer Notunterkunft am Leibnitzplatz. Voraussichtlich werden Bereiche des Weser-Stadions überflutet werden. Daher besteht die Gefahr, dass das Bundesliga-Spiel am Samstag ausfällt.

Der Gezeitenwechsel wird aber kaum spürbare Erleichterung bringen. Der Wasserstand wird auch bei Ebbe fast auf dem Niveau eines normalen Hochwassers liegen. Der Orkanwind drückt weiter das Nordsee-Wasser an die Küsten und in die Flüsse des Binnenlandes. Deswegen stehen Bremerhaven auch mindestens zwei weitere schwere Sturmfluten bevor. Für den Notfall stehen auch 500 Soldaten der Marineoperationsschule bereit.

Bereits am Donnerstagnachmittag war der Zugverkehr auf vielen Strecken im Nordwesten unterbrochen. In Bremen-Vegesack trat die Weser über das Ufer – die Promenade ist überflutet. In Bremen und Bremerhaven bleiben am Freitag alle Schulen geschlossen, das haben die jeweiligen Behörden bekanntgegeben. Ein Betreuungsangebot ist aber an allen Schulen gewährleistet. Schulbusse fahren jedoch nicht.

Mehrere Gebiete in Bremen geräumt

Verschiedene Gebiete wurden in Bremen am Donnerstag geräumt. Menschen im Industriegebiet rund um das Vulkangelände in Vegesack sowie im Kleingartengebiet in Rablinghausen und auf dem Stadtwerder sowie in der Pauliner Marsch mussten ihre Gebäude verlassen. Werder Bremen hat den Erdgeschossbereich des Weser-Stadions evakuiert und technische Geräte wie auch Mobiliar in die nächsthöhere Etage gebracht. Falls die Weser über die Deichhöhe von 5,50 Meter steigt, würde Wasser auch ins unmittelbar in Fluss-Nähe gelegene Stadion laufen. „Ob es passiert, können wir noch nicht sagen. Der Krisenstab berechnet die Situation ständig“, sagte Mediendirektor Tino Polster von Werder Bremen. Dann wäre das Spiel gegen Bayern München am Samstag gefährdet. Auch die Behörden sorgen sich um die Sicherheit des Deiches. Der Verein hatte wegen des drohenden Unwetters sein Training zeitlich vorverlegt und Publikum aus Sicherheitsgründen ausgeschlossen.

Am Donnerstagabend stellte auch die Weserfähre zwischen Bremerhaven und Nordenham-Blexen ihren Betrieb ein. Das Kreuzfahrtschiff „Norwegian Getaway“ hatte zuvor die Bremerhavener Columbuskaje verlassen. Es wurde auf die offene See geschleppt und soll den Orklan vor Helgoland abwarten. An der Kaje wurde es durch Sturm und Hochwasser zu gefährlich. Das Schiff hätte an die Kaje gedrückt werden können.

Dauereinsatz für die Polizei

Die Polizei Bremen rückte zu vielen Einsätzen aus. Bisher wurden keine verletzten Menschen gemeldet. Umgeknickte Verkehrsschilder, herunter gefallene Dachziegel und umgewehte Bäume wurden gemeldet. In Habenhausen kippte der Fahnenmast eines Schuhgeschäftes um und in Gröpelingen drohte eine Riesenplakatwand herunterzufallen.

Warnung vor Aufenthalt im Freien

Bis Samstagfrüh soll das Unwetter anhalten, neben heftigem Sturm ist auch Schnee angesagt. In Bremerhaven wurde der Katastrophenstab einberufen. Für den Fall, dass es hart auf hart kommt – so Rüdiger Staats von Bremenports – liegen 25.000 Säcke bereit, 3.000 davon sind schon mit Sand gefüllt. Bislang wurden keine Schäden gemeldet.

Feuerwehr und Polizei warnen davor, beim Unwetter im Freien unterwegs zu sein. Die Gefahr sei groß, dass Bäume entwurzelt werden, Äste und Gegenstände durch die Luft fliegen und Dachziegel herunterstürzen.

Quelle: radiobremen.de

Das Orkantief „Xaver“ hat der Millionenmetropole Hamburg eine der schwersten Sturmfluten der Vergangenheit beschert. Auch an der Nordseeküste hatten die Menschen eine unruhige Nacht. Es bleibt stürmisch. Die nächste Flutwelle wird heute Abend erwartet.

Hamburg/Husum – Das Orkantief „Xaver“ hat auch in der Nacht zu Freitag Norddeutschland durchgepustet. Besonders an der Nordsee auf den Halligen bangten die Bewohner vor dem Hochwasser. Die Schäden sind aber in Schleswig-Holstein und andernorts zunächst geringer als befürchtet – auch wenn die Orkanböen am Freitag noch teilweise extrem stark fauchen.

 

Am Morgen waren die Sorgen in Hamburg besonders groß. Auf die Millionenmetropole war die schwerste Sturmflut seit langer Zeit zugerollt. Die Innenbehörde warnte vor extremen Wasserständen.

„‚Wir haben eine Sturmflut, die es in den letzten 10, 20 Jahren nur sehr selten gegeben hat“, sagte ein Behördensprecher am Freitagmorgen. Der Scheitel wurde gegen 6 Uhr erreicht – mit knapp vier Metern über dem Mittleren Hochwasser. Das sind gut 6,10 Meter über Normalnull. Zuletzt habe es Anfang der neunziger Jahre zwei Mal einen solchen Wasserstand der Elbe gegeben.

Der Hamburger Hafen wurde in der Nacht zum Freitag geräumt und gesperrt. „Ab 2.30 Uhr durfte keiner mehr hereinfahren“, sagte der Sprecher. Einige Anwohner mussten ihre Häuser räumen. Die Hochwasserschutztore wurden geschlossen.

In der Millionenstadt überspülte das Wasser am Freitag in den tieferen Gebieten nahe der Elbe Zentimeter um Zentimeter Land. Zum Fischmarkt führte kein Weg mehr. Eine Seniorenresidenz am Fluss wurde zur eingeschlossenen Insel. Plätze in der historischen Speicherstadt und der Hafencity liefen voll.

Auf das Hochwasser in dieser Nacht werden noch weitere folgen, denn Xaver hat eine außergewöhnlich lang anhaltende Kraft. Insgesamt treibt der Orkan nach bisherigen Erkenntnissen drei schwere Sturmfluten an die Nordseeküste und nach Hamburg. Jeweils mit den Gezeiten wird alle zwölf Stunden ein extremes Hochwasser auflaufen. „Xaver“ bläst voraussichtlich fast zwei Tage aus Nordwesten.

Viele Bahnen fahren nicht – Okanböen in ganz Deutschland

Die Folgen des Orkans sind indes in der ganzen ganzen Bundesrepublik zu spüren. Schwere Orkanböen ziehen über weite Teile des Landes hinweg. Dächer wurden abgedeckt, Lkw umgeweht, Bäume stürzten um. Die gute Nachricht: Insgesamt gab es bislang trotz extremer Böen von teilweise bis zu 155 Stundenkilometern nur wenige Unfälle mit Verletzten.

Bei Hannover wurde ein Kleinbus mit behinderten Schülern von einer starken Böe erfasst und in einen entgegenkommenden Wagen gedrückt. Dabei wurde ein 68-Jähriger schwer verletzt, sechs weitere Menschen leicht. Ein weiterer Mann wurde schwer verletzt, als ein Auto durch eine Windböe in den Gegenverkehr gedrückt wurde.

In Elmshorn bei Hamburg prallte eine Regionalbahn an einem Bahnübergang gegen einen umgestürzten Baum. Der Zugführer wurde leicht verletzt. Ein Zug der Hamburger Hochbahn fuhr gegen einen umgestürzten Baum und entgleiste.

In Stralsund in Mecklenburg-Vorpommern deckte „Xaver“ das Dach eines Supermarktes ab.

Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes wurden in List auf Sylt in der Nacht Windgeschwindigkeiten von 148 Kilometern pro Stunde erreicht. Gestern Abend lagen sie zeitweilig sogar über 180 Stundenkilometern. Auf dem Brocken im Harz erreichte „Xaver“ gar eine Spitzengeschwindigkeit von 155 Stundenkilometern.

Kein Betrieb an vielen Schulen und Universitäten

De Inseln und Halligen vor Schleswig-Holsteins Küste sind vom Festland aus nicht mehr zu erreichen, die Fähren stellten den Betrieb ein. Auch der Schiffsverkehr auf dem Nord-Ostsee-Kanal kam zum Erliegen.

Reisende hatte „Xaver“ bereits am Donnerstag auf eine Geduldsprobe gestellt. In Hamburg, Hannover und Bremen wurden etliche Flüge gestrichen.

Auch der Bahnverkehr kam zeitweise zum Erliegen. In Schleswig-Holstein können viele Züge weiterhin nicht fahren. Vielerorts lägen Bäume auf den Gleisen oder hingen in den Oberleitungen, hieß es. In Nordrhein-Westfalen dagegen sind sämtliche Strecken inzwischen wieder befahrbar.

 

Generell gelte für alle Verbindungen im Norden, dass sich die Fahrgäste auf teils deutliche Verspätungen einstellen müssten. So sei die Strecke von Berlin nach Hamburg nur auf einem Gleis befahrbar.

In vielen Schulen Norddeutschlands fällt der Unterricht am Freitag aus. An den Universitäten in Greifswald und Rostock wurden die Lehrveranstaltungen gestrichen.

Und sogar vorm Fußball macht „Xaver“ nicht halt: Das Bundesliga-Spiel zwischen Werder Bremen und Bayern München am Samstag ist gefährdet. Steigt das Wasser der Weser über den Deich, kann das Spiel nicht stattfinden.

Quelle: .manager-magazin.de

Hochwasser-Helfer aus Deggendorf ausgezeichnet

Veröffentlicht: Dezember 5, 2013 von fluthelfer in Zentrale der Deutschen Fluthilfe

Berlin/Deggendorf – Sie organisierte bei der Hochwasser-Katastrophe in Deggendorf Helfer und vermittelte Unterkünfte: Die Initiative „Deggendorf räumt auf“ ist in Berlin ausgezeichnet worden.

Für ihren Einsatz nach der Hochwasserkatastrophe im Juni in Bayern ist eine Initiative aus Deggendorf mit dem Deutschen Engagementpreis ausgezeichnet worden. Die Initiative „Deggendorf räumt auf“ erhalte den Sonderpreis für bürgerschaftliches Engagement, teilten die Veranstalter zur Verleihung am Donnerstag in Berlin mit. Als Organisator habe die Hochschule Deggendorf 4500 ehrenamtliche Helfer aktiviert, Unterkünfte vermittelt und unzählige Geräte sowie Elektroautos zur Verfügung gestellt. Der Sonderpreis ist mit 5000 Euro dotiert.

„Menschen, die im Engagement Sinn suchen und durch Engagement Sinn stiften, knüpfen zwischenmenschliche Verbindungen und halten damit unsere Gesellschaft zusammen“, sagte Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) bei der Preisverleihung. Der Deutsche Engagementpreis sei ein gutes Beispiel, um Respekt vor dem freiwilligen Einsatz auszudrücken. Seit 2009 wird die Auszeichnung vom Bündnis für Gemeinnützigkeit verliehen. Förderer sind das Bundesministerium für Familie sowie der Generali Zukunftsfonds.

Bei dem Hochwasser waren in Deggendorf rund 20 Prozent der Fläche überschwemmt worden. Tausende Menschen mussten ihr Zuhause verlassen. Innerhalb kürzester Zeit hatten Studenten die offizielle Helferkoordinierungsstelle der Stadt eingerichtet und drei Wochen aufrechterhalten. Mit Hilfe von Hotlines sowie der Facebook-Seite „Deggendorf räumt auf“ wurden die Helfer eingeteilt.

Nur wenige Meter von den öligen Wassermassen im überfluteten Stadtteil Fischerdorf entfernt, hatten sie ein Zelt als provisorische Einsatzzentrale eingerichtet. Dort wurden die vielen freiwilligen Helfer mit Handschuhen, Schaufeln und Besen ausgestattet und dorthin geschickt, wo Hilfe am nötigsten war.

Es sei damals darum gegangen, einfach zu helfen, sagte der stellvertretende Teamleiter Dominik Fischer. „Spätestens wenn man direkt vor Ort an der Wasserlinie stand und die beklemmende Atmosphäre am eigenen Leib fühlte, waren dieses Bedürfnis und der Drang danach außergewöhnlich stark ausgeprägt.“ Die Studenten hätten aus reiner Überzeugung gehandelt und seien „einfach nur glücklich, dass wir so vielen Menschen helfen konnten“.

Quelle: merkur-online.de