Was Glück für die Hochwasser-Opfer bedeutet

Veröffentlicht: November 19, 2013 von fluthelfer in Fischbeck

„Glück“ ist in dieser Woche das Thema für die ARD. In Mitteldeutschland hatten in diesem Jahr viele Leute wenig Grund zum Glücklichsein: Hunderttausende waren im Juni vom schweren Hochwasser betroffen. Wie verändert sich der Blick auf Glück dadurch und was erfreut die Menschen trotz eines solchen Unglücks?

Bei Tangermünde schlängelt sich die Elbe friedlich durch ihr Flussbett – ein Ort zum Glücklichsein. Wirklich? Nur ein paar Kilometer weiter liegt Fischbeck. Der Ort war im Juni mehrere Wochen lang vom Hochwasser überschwemmt. Container stehen vor vielen Häusern. Immer noch sind die Erdgeschosse unbewohnbar. Manche Häuser wurden sogar abgerissen.

Glück mit „aber“

Doch auf einem Grundstück steht schon ein halb fertiger Neubau. Ursula Thieke und ihr Mann gehören wohl zu den schnellsten – macht sie das glücklich? „Naja, Glück… Weiß ich nicht… Ich bin froh und glücklich, dass wir wieder alles aufbauen. Aber – da ist immer ein ‚aber‘ dabei“, sagt Ursula Thieke. Es fällt ihr schwer, sich zu freuen, wenn sie sieht, wie auch die Nachbarn zu kämpfen haben. Aber es habe sie glücklich gemacht, dass von überall so viel Hilfe kam.

Das betont auch Bodo Ladwig, Bürgermeister der Gemeinde Fischbeck. In seinem Büro hängen die Wände voller Spendenschecks. Geld macht nicht glücklich – aber es hilft. Und ein Glück sei auch, dass beim Deichbruch niemand zu Tode gekommen ist: „Wenn man vier Monate nach dem Deichbruch durch den Ort geht und mit den Leuten spricht, hört man schon heraus: Es ist ein anderes Glücksgefühl, als es früher mal war. Heute ist man froh, wenn man einen Elektriker oder Fliesenleger bekommt, oder wenn das alles wie ein Zahnrad ineinander greift und man sein Haus sanieren kann. Man hat doch eine andere Wertvorstellung, glaube ich.“

Blumen für Schönhausen

Im fünf Kilometer entfernten Schönhausen lebt Pfarrer Ralf Euker. Für ihn als Seelsorger ist die Flut zu einem Schwerpunkt geworden. Von Glück ist da nicht viel zu hören: „Erst mal die Phase des Wartens in der Evakuierung, dann die Schockphase, in der die Betroffenen gesehen haben, was das Wasser angerichtet hat, und jetzt nach Monaten macht sich deutlich so etwas wie Ermüdung und Erschöpfung breit. Teilweise liegen die Nerven blank, weil alles nicht so schnell vorangeht, wie man sich das vorstellt.“ In Schönhausen sieht man das an vielen Häusern.

Aber in vielen Vorgärten blühen Blumen. Das habe einen besonderen Grund, erzählt eine Schönhausenerin: „Während der Flut kam eine Gärtnerei aus Seehausen und hat gesagt: Es sieht alles so trostlos aus, aber wir machen Ihnen jetzt eine Freude, wir bringen Blumen. Da haben sie jede Menge Blumen abgeladen, die wir jetzt wieder in die Vorgärten gepflanzt haben. Das war der erste Lichtblick.“ Nun hofft sie, Weihnachten wieder in ihr Haus ziehen zu können.

Wer so eine riesige Aufgabe bewältigt, der dürfte wieder glücklich werden. Das hofft auch Ursula Thieke aus Fischbeck: „Glück… Vielleicht empfindet man das, wenn man mal drin ist, wenn alles eingerichtet ist, wenn man wieder Zuhause ist.“

Fischbeck: 100 Tage seit dem Deichbruch

Fotogalerie

Quelle: mdr.de

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