Google macht Werbung mit Fluthelfern

Veröffentlicht: November 5, 2013 von fluthelfer in Halle

Seine größte Werbekampagne in Deutschland startet der Internet-Riese mit einer Geschichte aus Halle. Seit diesem Freitag läuft der Spot überall im Fernsehen. Der 89 Sekunden lange Film erinnert an den Kampf gegen das Juni-Hochwasser in Halle – und beschreibt eine besondere Idee, die die 16-jährige Isabell Pflieger und ihr acht Jahre älterer Bruder Lars damals hatten.

Der Internet-Gigant Google hat ein Geschwister-Paar aus Halle zu den Hauptfiguren seiner neuen bundesweiten Werbekampagne gemacht. Seit Freitag laufen die Spots im Fernsehen und bald sogar als Werbeblock im Kino. Der 89 Sekunden lange Film erinnert an den Kampf gegen das Juni-Hochwasser in Halle – und beschreibt eine besondere Idee, die die 16-jährige Isabell Pflieger und ihr acht Jahre älterer Bruder Lars damals hatten: Auf einer Karte im Internet markierten beide Hilfsangebote und Brennpunkte und unterstützten so vor allem die Tausenden Helfer.

Film über Halle ist Teil einer großen Werbekampagne

„Halle ist unsere Heimatstadt. Wir sind hier groß geworden“, sagt Isabell ganz zu Beginn des Spots. Der Film wird die Stadt, die Hilfsbereitschaft ihrer Einwohner in den Tagen der Flut, vor allem aber Isabell und ihren Bruder deutschlandweit bekanntmachen. Denn er ist Teil der bisher größten Werbekampagne des Internet-Giganten Google in Deutschland.

Die Geschichte von der interaktiven Hochwasser-Informationskarte der Geschwister aus Halle ist der erste von fünf geplanten Spots, die Google während der nächsten Monate in Deutschland, Großbritannien und Frankreich startet. Im Internet, wo der Film heute bis 10 Uhr freigeschaltet werden soll, heißt er „Lars und Isa: Zwei gegen die Flut“. Aus insgesamt 1 100 möglichen Internet-Projekten hatte Google die Geschichte von Lars und Isabell Pflieger als erste ausgewählt.

„Als Anfang Juni die Hochwasser-Katastrophe ausgerufen wurde, war alles total chaotisch“, sagt Lars Pflieger. Aber Informationen seien doch nun mal das Wichtigste in so einer Situation, fand er. „Zunächst wollte ich mir nur selbst einen Überblick verschaffen.“ Und was tut ein angehender 24-jähriger Maschinenbau-Ingenieur heutzutage, wenn er Ordnung ins Chaos bringen will? Er baut sich eine Internetkarte, ganz simpel, beim Kartendienst Google-Maps in diesem Fall. Und dort zeichneten er und seine Schwester aktuelle Hochwasser-Informationen ein: Wo werden Spenden benötigt? Wo Helfer? Gibt es genug Schippen? Welche Straßen sind gesperrt?

Es war wie ein Spiel – zunächst, sagt Lars. Ein einfaches Zusammentragen aller Informationen, derer sie habhaft werden konnten – allerdings bis zum frühen Morgen. „Diese Karte haben wir zunächst ja nur mit Freunden und Bekannten geteilt“, erzählt Isa im Film.

http://www.youtube.com/watch?v=AJtQIyiFtVM

Manchmal aber entwickeln sich die Dinge rasend schnell. „Am nächsten Tag war die Karte fast eine Viertelmillion Mal angeklickt worden.“ Lars kann es immer noch nicht richtig glauben. Aber beide hatten eine Lücke geschlossen im chaotischen Informationsnetz der Willigen mit Schippe und Smartphone. Das Heer der Helfer, das sich an den Sandsack-Füllstationen drängte, die Tausenden, die auf der Suche nach Orten waren, wo sie gebraucht wurden, hatten plötzlich ein zusätzliches Informationsportal zu den Nachrichten aus den Medien.

Es wurde dann zum Selbstläufer. Wie ein Schneeball-System“, sagt Lars. „Und da mussten wir natürlich weitermachen“, ergänzt Isabell. Die heutige Elftklässlerin am Giebichenstein-Gymnasium hatte wie viele andere schulfrei bekommen, um helfen zu können. Man hatte die 16-Jährige aber zunächst überall wieder weggeschickt, es gab schlicht zu viele Helfer. Also ging sie zurück an den Computer, um die Verkehrsnachrichten in ihrer Karte zu aktualisieren. „Wir haben alles eingetragen, was wir im Internet, in den sozialen Netzwerken und auf der Stadtseite an Infos fanden. Vor allem der Hochwasserticker der Mitteldeutschen Zeitung war sehr hilfreich“, erinnert sich Lars. Drei Tage fütterten die Geschwister im Zimmer von Isabell, zwischen Aquarium und Meerschwein-Käfig, ihre Hochwasser-Informationsseite. „Deichgraf“ haben die Eltern ihren Sohn irgendwann gerufen. Stolz sind Sven und Jeannette Pflieger auf ihre beiden Kinder, das kann man in dem Werbe-Film unschwer erkennen.

Drei Tage lang Dreharbeiten in Halle

Drei Tage lang haben die Google-Leute schließlich in Halle für den TV-Spot gedreht. Auf dem Markt, an der Saale auf der Burg Giebichenstein und zu Hause bei den Pfliegers. Dafür haben die beiden auch Geld bekommen. Vierstellig, sagt Lars. „So viel jedenfalls, dass eine Schülerin und ein Student sich sehr darüber freuen“.

Aber natürlich war Geld nie die Motivation, ihre Karte ins Netz zu stellen. „Wir wollten damit tatsächlich nur unserer Stadt helfen“, sagt Lars Pflieger am Ende des Films. „Lars und Isa, Deichgrafen“, steht dann ganz am Schluss im Abspann. Obwohl beide nie auf einem Deich gestanden haben.

Die Karte findet man immer noch im Netz. Inzwischen hat sie mehr als 536 800 Klicks. Es könnten noch ein paar mehr werden.

Quelle: mz-web.de

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