Archiv für Oktober 29, 2013

Bürger reden beim Thema Hochwasser mit

Veröffentlicht: Oktober 29, 2013 von fluthelfer in Hochwasserschutz

Am Mittwoch stellt das Regierungspräsidium die geplanten Maßnahmen vor – Veranstaltung ist öffentlich

Wangen Wie lassen sich in Zukunft Hochwasserschäden vermeiden oder verringern? Zu diesem Thema informiert das Regierungspräsidium Tübingen am Mittwoch, 30. Oktober, von 18 bis zirka 20.30 Uhr im Wangener Rathaus. Alle Interessierten sind zu dieser Veranstaltung eingeladen.

Das Regierungspräsidium stellte dabei das Hochwasserrisikomanagement im Projektgebiet Argen sowie den Entwurf des Maßnahmenberichts zum Hochwasserrisikomanagement für das Projektgebiet in den Landkreisen Bodenseekreis und Ravensburg vor.

Laut einer Pressemitteilung des Regierungspräsidiums fasst der Maßnahmenbericht die wesentlichen Aufgaben zusammen, die zur Verringerung des Risikos durch Hochwasser für Mensch, Umwelt, Wirtschaft sowie das Kulturerbe beitragen.

Für alle Aufgaben seien Umsetzungszeiträume und Verantwortlichkeiten benannt worden. Dabei werde deutlich, dass umfangreiche Aktivitäten von Kommunen und Behörden mit der Eigenvorsorge der Bürger und Eigentümer von Wirtschaftsunternehmen und Kulturgütern zusammenwirken müssen.

Bürger können Pläne kommentieren

Morgen Abend sollen die Ergebnisse der bisherigen Aktivitäten vorgestellt und diskutiert werden. Die Teilnehmer haben dabei Gelegenheit, Anmerkungen und Ergänzungen einzubringen. Alle relevanten Informationen werden in den Maßnahmenbericht einfließen, kündigt das Regierungspräsidium an.

Somit könne ein größtmöglicher Nutzen für die Region erreicht werden. Zu der Informationsveranstaltung laden das Regierungspräsidium Tübingen, der Bodenseekreis und der Landkreis Ravensburg ein.

Bereits ab 15 Uhr beraten die Hochwasserpartnerschaften im Gebiet die Maßnahmen des Hochwasserrisikomanagements. So könne sichergestellt werden, dass alle Betroffenen informiert sind und ihre Anregungen in den Prozess einbringen können, heißt es in der Pressemitteilung.

In Baden-Württemberg liegt das Hochwasserrisikomanagement federführend in der Hand der Regierungspräsidien. Dabei werden Kommunen oder staatliche Stellen über die seit 2003 bestehenden Hochwasserpartnerschaften eingebunden.

„Es soll möglichst wenig passieren“

Grundlegendes Element für die Hochwasserrisikomanagement-Pläne sind die Hochwassergefahrenkarten. Auf dieser Grundlage werden Hochwasserrisiken bewertet und Maßnahmenpläne erarbeitet. Damit bei einem Hochwasser möglichst wenig Schäden entstehen, sein ein abgestimmtes Vorgehen aller Verantwortlichen, einschließlich der Bürger, notwendig, so das Regierungspräsidium.

Das gemeinsame Ziel aller Beteiligten sei es, neue Risiken zu vermeiden, bestehende Risiken zu reduzieren und die Folgen während und nach einem Hochwasser so gering wie möglich zu halten.

Dabei werde der europäische Paradigmenwechsel aufgegriffen, der vom unrealistischen „Es muss trocken bleiben“ hin zu einem umsetzbaren „es soll möglichst wenig passieren“ gehe.

Quelle: schwaebische.de

Niedernjesa. Die Staumauer am Wendebachsee rückbauen, das Naturerholungsgebiet erhalten und nicht zuletzt den Hochwasserschutz für Niedernjesa sichern – diese scheinbare Quadratur des Kreises versucht die aktuelle Landesregierung.

Jetzt war Umweltminister Stefan Wenzel vor Ort, um sich auch mit Landrat Stefan Reuter und Andreas Friedrichs zu beraten.

Jahrelang wurde darüber debattiert, jetzt ist es so gut wie amtlich: Nach dem Regierungswechsel Anfang des Jahres plant das Land Niedersachsen den Rückbau der Talsperre am Wendebach. Damit einher entfällt die Hochwasser-Schutzfunktion für nur einen Kilometer westlich vom Staudamm gelegene Ortschaft Niedernjesa. Da die Gefährdung dort als hoch eingeschätzt wird, war gestern Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) vor Ort.

„Ich freue mich, dass wir jetzt eine Mischung gefunden haben, mit der das Naherholungsgebiet Wendebach erhalten bleibt, gleichzeitig aber der Hochwasserschutz für Niedernjesa gewährleistet wird“, betont Friedrichs. „Damit findet eine Never ending Story endlich ein Ende.“

Die Pläne sehen vor, dass die mehr als 40 Jahre alte Staumauer, die wegen mangelnder Standfestigkeit nie einen echten Hochwasserschutz gewährleistete (wir berichteten), bis auf eine Höhe wenige Zentimeter über der jetzigen Wasserfläche des Wendebachstausees abgetragen wird. Nach einer groben Beurteilung würden dann jedoch bei einem Jahrhunderthochwasser rund 35 Prozent Niedernjesas überflutet werden. Deshalb sollen nach einem ersten Grobkonzept des Rosdorfer Ingenieurbüro Rinne & Partner südlich und nördlich des Ortes sowie im Verlauf der Leine Schutzeinrichtungen angelegt werden. Diese werden aus einem Hochwasserschutzdamm, mobilen Schutzwänden, Schutzmauern sowie Abgrabungen bestehen.

Die geschätzten Gesamtkosten für das Projekt, dessen Fertigstellen bis zu vier Jahre dauern wird, beziffert Umweltminister Wenzel auf etwa 2,1 Millionen Euro. Davon übernimmt das Land knapp 1,7 Millionen Euro. Auf die Gemeinde Friedland, die für den Hochwasserschutz in Niedernjesa zuständig ist, kommen Kosten von 421 000 Euro zu.

„Uns ist es wichtig, dass bei einem Hochwasser das Problem nicht auf die Unterlieger und damit auf die Stadt Göttingen umgeleitet wird“, betont Landrat Bernhard Reuter.

Daher werde man dafür sorgen, dass die Wasserflächen, die durch die Schutzmaßnahmen im Ort selbst verloren gehen, ortsnah als Ausgleichsflächen zur Verfügung gestellt werden.

„Niedernjesa bekommt nun endlich einen Hochwasserschutz, der sowohl der Gefährdung durch die Leine als auch durch den Wendebach Rechnung trägt“, zeigt sich Andreas Friedrichs mit der dann wohl endgültigen Lösung sehr zufrieden.

Quelle: hna.de