Neunkirchen rüstet sich fürs Hochwasser

Veröffentlicht: Oktober 25, 2013 von fluthelfer in Hochwasserschutz

Beim Gewässernachbarschaftstag erklärte Johann Böhm vom Wasserwirtschaftsamt, wie wichtig Vorsorge ist.

Mehr Natur für die Bäche im Landkreis Forchheim ist ein Plus für Ökologie und Artenvielfalt, naturnahe Gewässer beugen außerdem dem Hochwasser vor. Darauf wies Bürgermeister Heinz Richter (FWG) bei der Eröffnung des Gewässernachbarschaftstags in Neunkirchen hin. „Gerade bei kleineren Bächen kann durch eine entsprechende Renaturierung der Gewässerläufe und die Schaffung von Rückhalteflächen maßgeblich dazu beigetragen werden, den Hochwasserschutz voranzubringen.“

Dabei spiele der natürliche Rückhalt von Hochwasser in der Fläche eine genauso wichtige Rolle wie die richtige Pflege der Ufergehölze oder auch das Tot-holzmanagement, wie das Marktoberhaupt weiter betonte. „Zwar ist Hochwasser ein Naturereignis und kann nicht verhindert werden, man kann ihm aber bereits in der Fläche vorbeugen und durch geeignete Maßnahmen viel von seiner Wucht nehmen.“ In Dormitz seien beispielsweise schon Renaturierungsmaßnahmen am Brandbach durchgeführt worden.

Der vorbeugende Hochwasserschutz stand ganz oben auf der Tagesordnung des Gewässernachbarschaftstages im Neunkirchner Rathaussaal, der zum dritten Mal im Landkreis Forchheim stattfand und an dem 30 Mitarbeiter von Gemeindeverwaltungen und Pflegeverbänden teilnahmen.

Nachbarschaftsberater Johann Böhm vom Wasserwirtschaftsamt Kronach riet dazu, bereits im Vorfeld von Starkregen- und Hochwasserereignissen die Eigendynamik der Gewässer zu stärken, da Bäche, die ungehindert ausufern können, bei Hochwasser zu einem natürlichen Rückhalt in der Fläche beitragen können. Standortgerechte Ufergehölze wie Weiden und Erlen würden mit ihren Wurzeln bei Hochwasser das Ufer sichern und Uferabtragungen verhindern. Müssten dennoch Uferböschungen nach einem Hochwasser wiederhergestellt werden, könnten biologische Bauweisen wie Weidenfaschinen eingesetzt werden.

Während abgestorbene Bäume (Totholz) im Bach im Außenbereich ein wertvoller Naturbestandteil seien, müsse in Siedlungsbereichen das Totholz regelmäßig entfernt werden, damit es bei Hochwasser nicht zu den gefürchteten Verstopfungen kommen kann, wie der Wasser-Experte Böhm weiter ausführte. Überhaupt seien Durchlässe und Verrohrungen bei Hochwasser immer der Gefahr ausgesetzt, dass sie durch Treibholz verstopft werden.

Neunkirchens Bauamtsleiter Jochen Cervik zeigte dann anhand zahlreicher Bilder auf, wie der ansonsten mehr einem Rinnsal ähnelnde Schlierbach von Hetzles her und der Haarbach vom Hetzleser Berg herunter dann gemeinsam ab dem Baader Wehr als Brandbach bei Starkregen schnell den Ortskern von Neukirchen überfluten, so geschehen im Juli 2011 und 2012 sowie im Mai dieses Jahres. Deshalb müssten im Rahmen eines Integralen Hochwasserschutz- und Rückhaltekonzeptes der natürliche Rückhalt, der technische Hochwasserschutz und die Hochwasservorsorge stets gemeinsam betrachtet werden und das immer unter der Ägide eines hundertjährigen Hochwasserschutzes (HQ 100).

Hier in Neunkirchen habe man mit den beiden Gemeinden Hetzles und Dormitz eine Zweckvereinbarung geschlossen, die eine Aufteilung der Kosten nach der Einwohnerzahl, der Gewässerlänge oder nach Größe der Gemeindegebiete als möglich erscheinen lässt.

Für den Neunkirchner Feuerwehrkommandanten Robert Landwehr steht als Pragmatiker aber die Bereitschaft der Bürger, sich auch selbst bestmöglich auf das nächste Hochwasser vorzubereiten, mit ganz vorne an. Es dürfe nicht sein, dass jeder Bürger gleich nach der Feuerwehr rufe, wenn sein Abfluss verstopft ist, während die Truppe viel eher bei schweren Wassereinbrüchen oder gar der Rettung von Personen benötigt wird.

Beim letzten Hochwasser mussten seine Männer zu 64 Einsätzen ausrücken. Vor allem der Bereich des Brandbachgartens mit dem evangelischen Kindergarten und der angrenzenden Grundschule sei zuletzt immer komplett überschwemmt worden und habe jeden irgendwie verfügbaren Feuerwehrmann gefordert. Für die angrenzende Tiefgarage, die jedes Mal vollgelaufen sei, hätten jetzt die Bewohner als Akt der Selbsthilfe eine hydraulische Hochwassersperre angebracht.

Quelle: infranken.de

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