Archiv für Oktober 19, 2013

Knapp vier Monate nach dem Hochwasser ist der Hecklinger Jens Weber noch immer im Einsatz, um den Menschen in Breitenhagen zu helfen. Der Volksstimme-Volontär Philipp Queitsch erzählt er, wie er diese Extremsituation empfand.

Volksstimme: Sind Sie nach der Krisenzeit in Breitenhagen wieder im Arbeitsalltag auf dem Bau angekommen?

Jens Weber: Definitiv. Ich habe die Arbeit zu Zeiten des Hochwassers vier Wochen lang ruhen lasse. Mittlerweile habe ich aber alles wieder aufgeholt und es ist fast alles wieder wie vorher.

Volksstimme: Fast?

Jens Weber: Nun ja, die Hilfe in Breitenhagen ist noch nicht beendet. Ich fahre noch immer regelmäßig dort hin, um beim Wiederaufbau zu helfen. Das passiert dann nach Feierabend. Die Mitglieder von „Delmenhorst, wir helfen“ unterstützen den Ort ebenfalls weiterhin. Es gibt noch viel zu tun.

Volksstimme: Wie reagieren die Menschen dort nach dem Hochwasser?

Jens Weber: Der Zusammenhalt vor Ort ist sehr groß. Wir Helfer und die Einwohner sind damals zusammengewachsen. Die Zahl meiner Freunde auf Facebook hat sich in dieser Zeit verfünffacht. Heute besuchen wir uns gegenseitig und unternehmen etwas zusammen. Wenn ich durch den Ort fahre, halte ich fast an jeder zweiter Tür. Die Menschen sind sehr dankbar und laden uns regelmäßig zum Grillen ein. Ich weiß von ein paar Helfern, die aus Stuttgart nun sogar nach Breitenhagen gezogen sind, weil dort enge Beziehungen entstanden sind.

Volksstimme: Wie sehen die Hilfsmaßnahmen heute aus?

Jens Weber: Die Helfer aus Delmenhorst sind sehr gut organisiert. Drei Lkw sind bisher in Breitenhagen eingetroffen, beladen mit allem, was benötigt wird. Auch bei den Handwerkern passt sich die Hilfe gezielt den Bedürfnissen an. Wenn ein Fliesenleger gebraucht wird, schauen wir, welcher noch Kapazitäten hat und derjenige wird kontaktiert. Das funktioniert wirklich sehr gut. Trotzdem gibt es noch viel zu tun und die Arbeiten gehen nur Stück für Stück voran. Das liegt wiederum daran, dass das Geld der Versicherungen die Menschen erst erreichen muss. Aber die meisten Einwohner sind stark und optimistisch. Wir bezeichnen Breitenhagen gern als das „Gallische Dorf“, weil sie den Großteil selber stemmen.

Volksstimme: Sie haben in den vier Wochen vor Ort viele Schicksale beobachten können. Haben Sie das alles mittlerweile verarbeitet?

Jens Weber: Man lässt schon viel Revue passieren. Einige Geschichten gehen mir schon ans Herz. Dennoch ist es eher der Ärger darüber, dass vieles hätte besser klappen können. Bei der Organisation lief damals einiges schief. Wir hätten noch mehr retten können. Aber nach und nach schaffen wir immer mehr.

Quelle: volksstimme.de

108 Millionen Euro Soforthilfe sind seit Anfang Juni an Hochwassergeschädigte in Bayern ausbezahlt worden. Zum 15. Oktober ist das Sofortgeld nun eingestellt worden. Die versprochene schnelle und unbürokratische Hilfe sei erfolgreich umgesetzt worden, so Bayerns Finanzminister Dr. Markus Söder am Mittwoch. In die Soforthilfeprogramme des Finanz-, Wirtschafts- und Landwirtschaftsministeriums flossen rund 85, 9 und 13 Millionen Euro. Auf die erste Hilfe folgen nun bundeseinheitliche Hilfen für den Wiederaufbau und Steuererleichterungen. Die Vereinbarkeit einer steuerlichen Sonderregelung für Sanierungsaufwendungen mit dem Europarecht muss noch bestätigt werden.

Quelle: trp1.de

Auch wenn das Hochwasser längst zurückgegangen ist, hat es immer noch starke Auswirkungen. In Gommern betrifft das den Wald, in den das Wasser bei der Überspülung des Ehledeiches gelaufen ist. Tausende Bäume sterben ab.

 

Gommern l Ein gespenstischer Anblick bietet sich dem Wanderer, der sich in die im Sommer überfluteten Fläche des Waldes zwischen Vogelsang und Gommern begibt. Viele der Bäume sind schon kahl, obwohl der Herbst erst begonnen hat. „Sie sterben ab“, erklärte Revierförster Jens Dedow auf Nachfrage. Betroffen seien die meisten Baumarten des Waldstücks zwischen Vogelsang, AWG-See und Gommern. Nur wenige seien stark genug, um das Wasser unbeschadet überstanden zu haben. Zehn Wochen haben die Bäume im Wasser gestanden. Dedow schätzt, dass das die Bäume regelrecht erstickt hat. „Sauerstoff fehlt im Stauwasser“, erklärte er.

Nur Bäume, die die Fähigkeit haben, durch wasserhaltende Schichten im Boden zu wachsen, scheinen zu überleben. „Das sind vor allem Eichen. Allerdings scheinen die Kiefern auch unbeschadet zu sein, damit hätte ich nicht gerechnet“, fügte er an. Dedow gibt sich auch da vorsichtig. „Wir haben mit solchen Ereignissen keine Erfahrung“, sagte er. Noch immer stehe an vielen Stellen das Wasser kurz unter der Bodenfläche, an einigen Stellen füllt es noch immer Senken. Viele Bäume wurden so geschwächt, dass sie nun Opfer von Parasiten werden. Käfer, aber vor allem Pilze setzen den Bäumen weiterhin zu. Die Roteichen in dem Waldstück weisen fast alle tiefschwarze Flecken auf. „Das ist Schleimfluss“, erklärt Dedow. Schuld daran ist ein Pilz. Er befürchte, dass dieser sich weiter ausbreite, so dass auch für diese Bäume nur das Abholzen bleibt

Vielen Bäumen sei es anzusehen, dass sie nur noch von ihren Reserven leben. „Sie haben nur wenige grüne Blätter. Sie leben von dem, was noch im Stamm ist und gehen dann ein“, erklärte der Fachmann. Die Wurzel sei bei ihnen schon tot.

Zwischen 15 bis 20 Hektar, so vermutet der Revierförster, müssen nun kahlgeschlagen werden. „Wir haben das bei der Unteren Forstbehörde beantragt“, erklärte er. Noch sei aber keine Entscheidung gefallen. Ihm wäre es lieb, wenn der Schlag so schnell wie möglich passieren würde. „Das Holz wird ja nicht besser“, betonte er. Einige Stämme könnten noch zu Brettern verarbeitet werden, viele junge Bäume reichen nur für Industrieholz, erklärte er. Die Menge an Holz sei nicht unbedingt das Problem, „das fängt unsere Planung schon auf“, erklärte er. Es ist eher die Qualität, die nicht mehr genügt, damit aus den Bäumen Sägeholz werden kann. „Oder eben nur mit Preisnachlässen“, befürchtet er.

Vier bis fünf Jahre werde er sich noch mit den Flutschäden beschäftigen müssen, schätzte Dedow. „Das Aufziehen der neuen Bäume ist dabei noch nicht mal mitgerechnet“, fügte er an.

Zusätzlich zu den Schäden am Holz hat das Hochwasser etliche Forstwege zerstört. Beziehungsweise wurden die Wege zerstört, als die Lkw Sand und Schotter während der Flut gefahren haben, um Deiche zu errichten. Rund 15 Kilometer Wege seien nun wieder aufgefüllt worden.

Auch die Fauna habe das Wasser beeinflusst. „In diesem Gebiet vermute ich, dass die Hälfte des Rehwildes verendet ist.“

Da das Wasser von zwei Seiten kam, sei das Wild eingeschlossen gewesen. Wildschweine seien die besseren Schwimmer, daher haben vermutlich mehr überlebt. Einen besseren Einblick bringen die nächsten Wochen, wenn alle Blätter gefallen seien. Doch schon jetzt registriert Dedow, der auch Jäger ist, „wesentlich weniger Fährten“.

Quelle: volksstimme.de

Naturschützer nennen Hochwasserschutz in Sachsen ineffektiv

Veröffentlicht: Oktober 19, 2013 von fluthelfer in Hochwasserschutz, Sachsen

Dresden. Sieben Umwelt- und Naturschutzverbände haben den Hochwasserschutz in Sachsen als ineffizient und nicht zeitgemäß kritisiert. Statt vor allem auf technische Maßnahmen wie höhere Deiche und Flutmauern in den Überschwemmungsgebieten entlang der großen Flüsse zu setzen, müsse ein wirksamer Hochwasserschutz in den Quellbereichen der Zuflüsse und den Hochwasserentstehungsgebieten betrieben werden, forderte die Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz am Freitag in Dresden. Auch von SPD und Grünen kam Kritik am Hochwasserschutzkonzept der Regierung. Das Umweltministerium wies die Vorwürfe zurück.

Für den Landesverband Sächsischer Heimatschutz warf der frühere CDU-Kultusminister und Umweltexperte Karl Mannsfeld den Behörden im Freistaat eine „einseitige Bevorzugung technisch baulicher Maßnahmen“ beim Hochwasserschutz vor. Diese seien kostenintensiver als die Schaffung von Überschwemmungsgebieten.

Nach der „Jahrhundertflut“ 2002 habe Sachsen noch 49 Deichrückverlegungen oder Polder mit einem Flächengewinn von circa 75.000 Hektar zum Hochwasserabfluss vornehmen wollen. 2012 sei das Ziel auf 34 Maßnahmen nachkorrigiert worden. „Und bis zum Juni 2013 wurden zwei Maßnahmen mit 114 Hektar gleich 1,5 Prozent der ursprünglichen Zielstellung umgesetzt“, sagte Mannsfeld. Er forderte ein „Fluss- und Auenprogramm“ für Sachsen und eine wesentliche Ausweitung der Überflutungsflächen und eine Renaturierung der Böden in den Quellgebieten, um einen Abfluss des Wassers bei starken Regenfällen zu verlangsamen.

Regierung soll Land bereit stellen

Nach Ansicht der Umweltverbände sollte die Staatsregierung bei der Schaffung der Überflutungsflächen öffentlichen Grund in flutsicheren Lagen als Ausgleich für Grundstückseigentümer in flussnahen Gebieten anbieten. Außerdem könnten solche Maßnahmen in bestehende Programme wie das Sächsische Waldmehrungsprogramm oder eine Umstrukturierung der Landwirtschaft einbezogen werden.

„Es hat viel mit Fläche zu tun, viel mit Engagement und viel mit Kreativität“, sagte Tobias Mehnert, Vorsitzender der Grünen Liga Sachsen. Dabei verwies er auf Naturschutzverbände, die in Eigeninitiative Überflutungsflächen gekauft und renaturiert hätten. „Ich bin optimistisch, wenn alle Institutionen des Freistaates Sachsen so aktiv vorwärts marschieren wie so manche Naturschutzvereinigung in ihrem beschränkten Rahmen, dass wir diese Problematik in 20 Jahren geklärt hätten.“

SPD und Grüne begrüßten die Forderungen der Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz, in der neben dem Sächsischen Heimatschutz und der Grünen Liga auch Nabu, BUND, die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, der Landesjagdverband und die Sächsischen Angler organisiert sind.

Ministerium weist Kritik zurück

Das Umweltministerium wies den Vorwurf eines einseitig ausgerichteten Hochwasserschutzes zurück. Sogenannte „Jahrhunderthochwasser“ wie 2002 oder im Juni dieses Jahres seien allein durch naturnahen Hochwasserschutz oder die Schaffung von Rückhalteflächen nicht zu bewältigen, sagte Sprecher Falk Hofer.

Wir haben den Hochwasserschutz priorisiert und uns natürlich erst dort darum gekümmert, wo Menschen zu schützen sind oder wo Güter zu schützen sind.“ Hochwasserschutz sei eine „Generationenaufgabe“. Derzeit liefen in Sachsen 27 Deichrückverlegungsmaßnahmen und die Schaffung von sieben Poldern in unterschiedlichen Bearbeitungsstufen. Auch die Behauptung, die Flüsse würden einfach eingemauert, treffe nicht zu. „Wir haben an Sachsens Flüssen erster und zweiter Ordnung Uferbereiche von 23.000 Kilometer Länge. An diesen 23.000 Kilometern haben wir Deiche von 600 Kilometer Länge“, sagte Hofer.

Quelle: lvz-online.de

 

Gemeinde muss Lösung für Peretshofen erarbeiten

Veröffentlicht: Oktober 19, 2013 von fluthelfer in Bayern, Hochwasserschutz

Dietramszell – Der Augraben, der Peretshofen entwässert, kann nicht so bleiben. Das hat sich spätestens beim Hochwasser im Juni gezeigt. Damals hat er die Staatsstraße 2072 überflutet.

Seit der Überschwemmung drängen das Wasserwirtschaftsamt und das Landratsamt die Gemeinde, tätig zu werden. Am einfachsten wäre es, wenn der Augraben als Wildbach eingestuft würde. In diesem Fall würde das Wasserwirtschaftsamt Weilheim die Planungen übernehmen. Die Frage ist noch nicht endgültig geklärt, aber in Weilheim gibt es Zweifel, ob der Augraben wirklich ein reißendes Gewässer darstellt. „Wir wollen keine Zeit verlieren, wir planen parallel“, erklärte Bürgermeisterin Leni Gröbmaier.

Die Möglichkeiten, die die Gemeinde hat, skizzierte Max Weiß vom Ingenieurbüro Kokai. Variante eins: Das Geschiebe, das sich seit Jahren im Augraben sammelt, wird entfernt, der Graben saniert, das marode Rückhaltebecken aus den 1960 Jahren zurückgebaut. Die Kosten lägen bei etwa 180 000 Euro. Variante zwei: Das Rückhaltebecken wird aufwändig saniert, die Ufer werden befestigt, und eine Flutmulde verhindert, dass die Staatsstraße und die Anwesen bei Hochwasser wieder in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Kosten: 480 000 Euro. Im Idealfall erstattet der Freistaat 65 Prozent der Summe, so dass für die Gemeinde noch 140 00 Euro blieben.

Bei solchen Summen wurde den Gemeinderäten mulmig. Den Tenor der Wortemeldungen brachte Stephan Ailler auf den Punkt: „Alle zwei Lösungen sind finanziell für uns zu teuer. Alles steht und fällt mir der Förderfähigkeit.“ Mit 14:2 Stimmen sprach sich der Gemeinderat dafür aus, dass zunächst einmal die Fördermöglichkeiten ermittelt werden. Auf Antrag von Leonhard Burger wird der Bauhof das gröbste Geschiebe im Augraben beseitigen.

Quelle: merkur-online.de