Erinnerung an Strapazen bei Dankeschön-Veranstaltung

Veröffentlicht: Oktober 8, 2013 von fluthelfer in Sachsen-Anhalt

Die Feuerwehr aus Gorsdorf-Hemsendorf lud engagierte Helfer zu einem Dankeschön-Fest in das Dorfgemeinschaftshaus ein. Eingeladen waren alle Helfer, die im Juni gegen das Hochwasser der Schwarzen Elster gekämpft hatten.

 

„Wir wollen einfach nur Danke sagen.“ Mit diesen Worten begrüßte Michael Beck, Ortswehrleiter der Freiwilligen Feuerwehr Gorsdorf-Hemsendorf, die Gäste zu einer Veranstaltung im Dorfgemeinschaftshaus. Eingeladen war jeder, der seinen ganz persönlichen Beitrag zur Abwehr des Hochwassers der Schwarzen Elster Anfang Juni geleistet hatte. Seien es Kameraden von anderen Wehren oder Zivilisten, die spontan zu Schaufel und Spaten griffen, um Sandsäcke zu füllen und damit zum Teil marode Deichabschnitte am Fluss zu sichern, der den Ort und die Umgebung bedrohte. Das gemeinsame Werk gelang durch unermüdlichen Einsatz, am Tag und in der Nacht.

Per E-Mail um Hilfe gebeten

Sieben Tage dauerte die Aktion, große Mengen an Sandsäcken wurden benötigt (mehr dazu unter „Tausende Sandsäcke gefüllt“) und entlang der Deiche aufgeschichtet. Nicht nur Wehren aus der unmittelbaren Umgebung kamen, um zu helfen. Auch Kameraden aus dem Amt Schlieben folgten dem Hilferuf, von der Schwarzen Elster per E-Mail abgesetzt, wie sich Michael Beck erinnerte. Tatkräftig unterstützten Landwirte mit technischem Gerät. „Es hat alles wunderbar geklappt“, resümierte Rainer Zeidler, Vorsitzender der Agrargenossenschaft Schützberg. Mitarbeiter der zbo Bau GmbH Jessen bauten am Kienberg in kürzester Zeit einen befestigten Weg in Richtung Schwarze Elster, auf dem Einsatzfahrzeuge und nicht nur schwere Traktoren fahren konnten. Mitglieder vom Technischen Hilfswerk, dem DRK und vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz waren im Einsatz oder organisierten, im Hintergrund agierend, Hilfsmaßnahmen.

Neben Dankeschön auch Kritik

Besonders gefährdet waren mehrere Dammabschnitte zwischen dem Kienberg Richtung Grabo und dem Pumpwerk nahe Schützberg. Es gab zahlreiche Sickerstellen, die beobachtet und immer wieder abgedichtet werden mussten. An einzelnen Abschnitten floss bereits Wasser über die Deichkrone. Höhepunkt der Gefahrensituation war der Moment, als die Flutscheitel von Elbe und Schwarzer Elster zusammentrafen. Trotzdem gelang es mit vereinten Kräften, Gorsdorf und Hemsendorf vor der Überflutung zu bewahren. „Umso mehr tat es weh, als wir machtlos mit ansehen mussten, wie drei Gehöfte vor dem Deich nahe der Elsterbrücke regelrecht absoffen“, so der Ortswehrleiter.

Bei der Dankeschönveranstaltung wurde auch Kritik laut: Es gibt seit Jahren Pläne zur Sanierung und Verstärkung der Elster-Dämme im Raum Gorsdorf-Hemsendorf. „Warum wird nicht gebaut?“, fragte Jessens Bürgermeister Dietmar Brettschneider (CDU), vor allem mit Blick auf den Landesbetrieb für Hochwasserschutz. Brettschneider bedankte sich ebenfalls bei allen Helfern. „Dass Gorsdorf und Hemsendorf trocken geblieben sind, war ein beispielloses Gemeinschaftswerk. Darauf können wir mit Recht stolz sein“, sagte er anerkennend. Und er lobte in diesem Zusammenhang – was bekanntlich selten vorkommt – sogar den Landkreis: „Zum ersten Mal hat die Zusammenarbeit zwischen der Stadt Jessen und der Behörde in Wittenberg geklappt.“

Kurt Walther, Ortsteilbeiratsvorsitzender der Doppelgemeinde in der Stadt Jessen, und zahlreiche andere Beteiligte lobten die reibungslose und unbürokratische Kooperation zwischen dem Krisenstab in Jessen, der Stadtwehrleitung und den Helfern vor Ort: „Säcke und Sand waren stets ausreichend vorhanden, anders als beim Hochwasser im August 2002.“ Der Bürgermeister habe nicht vom grünen Tisch aus agiert, sondern sei mehrfach mit Vertretern der Stadtwehrleitung vor Ort gewesen, um sich selbst ein Bild zu verschaffen. Kurt Walther sagte auch, dass in derartig akuten Gefahrensituationen keine Zeit zum Diskutieren und Lamentieren sei. „Da kann eben mal die Demokratie kurzzeitig außer Kraft gesetzt werden, im Vordergrund steht das Handeln.“ Sogar Busse wurden organisiert, mit denen Helfer an den Einsatzort gebracht wurden. Gezählt und erfasst hat sie niemand. „Es tat uns wirklich leid, aber manchmal mussten wir einige wieder nach Hause schicken, weil es zu viele waren“, bedauerte Michael Beck.

Einwohner fordern Messpunkt

Er verwies aber noch auf ein anderes Problem: „Gorsdorf braucht unbedingt einen eigenen Wasserstandspegel. Der in Löben nutzt uns wenig, weil hier im Mündungsgebiet in die Elbe völlig andere Verhältnisse herrschen.“ Aktivitäten wären wohl bereits in Zusammenarbeit mit dem Landesbetrieb für Hochwasserschutz in Gange, ergänzte er.

Im Anschluss an den offiziellen Teil war genügend Zeit, im Dorfgemeinschaftshaus noch einmal die ereignisreichen Tage Revue passieren zu lassen und geknüpfte Kontakte mit andren Helfern aufzufrischen. Für das leibliche Wohl sorgten Kameradinnen und Kameraden vom Betreuungszug des DRK Jessen. Sie waren mit der Feldküche angerückt und servierten deftiges Kesselgulasch.

Quelle: mz-web.de

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