Jenaer Professor: Dürreperioden und mehr Hochwasser in Thüringen

Veröffentlicht: Oktober 6, 2013 von fluthelfer in Zentrale der Deutschen Fluthilfe
Der Jenaer Professor Martin Heimann hat am Weltklimareport des UN-Klimarats mitgearbeitet. Geht die Erwärmung so weiter, spürt man auch hier Auswirkungen.

Deutlich mehr Extremwetterlagen kommen dem neuen Weltklimareport zufolge bis zum Ende des Jahrhunderts auf viele Teile der Welt zu. Auch in Deutschland ist bei einem ungebremsten Klimawandel laut dem Bericht des UN-Klimarats mit einer Zunahme von Dürreperioden und mehr Niederschlägen zu rechnen.

Professor Martin Heimann vom Jenaer Max Planck-Institut für Biogeochemie arbeitet am Weltklimareport mit, seitdem dieser im Jahr 1994 zum ersten Mal erschienen ist.

Herr Professor Heimann, was haben Sie für den Bericht erforscht?

Ich untersuche, welchen Einfluss der Kohlenstoffkreislauf auf das Klima hat. Durch die Verbrennung von Öl und Gas entsteht Kohlendioxid, CO2. Ein Teil davon geht in die Ozeane, der andere in die Atmosphäre. Die Menge der Emissionen und die Konzentration des Treibhausgases CO2 in der Atmosphäre ist entscheidend für unser Klima. Je höher die CO2-Konzentration in der Atmosphäre ist, desto wärmer wird es.

Der Mensch und der von ihm veranlasste Ausstoß von CO2, etwa durch Autos oder Kraftwerke, ist dem Report zufolge der Hauptverursacher der Erderwärmung. Woraus schließen Sie das?

Man kann belegen, dass das atmosphärische Level von CO2 von der vorindustriellen Zeit, also von 1750 bis heute, um fast 40 Prozent angestiegen ist. Dadurch haben sich die Temperaturen erhöht. Es hat auch vorher schon Phasen der Erhöhung gegeben, doch die waren weniger stark. Wissenschaftler simulieren mit Klimamodellen, wo die Auswirkungen von Treibhausgasen stärker, und wo sie schwächer sind. Und es ist genauso eingetreten, wie man es geschlossen hat: Während die Ozeane eine bremsende Wirkung ausüben, erwärmen sich die Kontinente am meisten.

Wie messen Sie solche Erwärmungen?

Die Meere sind von einem weltweiten Netz durchzogen: Tausende von Bojen, die wie ein Jojo hoch und runter gehen und die Temperaturen bis 700 Meter unter der Oberfläche messen. Diese Daten werden an einen Satelliten gesendet. Es gibt zudem eine Vielzahl von sichtbaren Effekten der Klimaerwärmung. Durch das arktische Meereis können heute im Sommer Schiffe fahren – weil das Eis auf ein Minimum zurückgeschmolzen ist. Dort hat es massive Veränderungen gegeben.

Womit blasen wir denn immer mehr Kohlendioxid in die Luft?

In Deutschland wird der CO2-Ausstoß zu gleichen Teilen vom Verkehr, von der Industrie und privat, also im Haushalt, verursacht. Das unterscheidet sich von Land zu Land. Weltweit ist vor allem das Verbrennen von Kohle, Öl und Gas der Auslöser. Vor allem in China hat die Anzahl der Kohlekraftwerke in den vergangenen zehn Jahren zugenommen. Die veränderte Landnutzung ist eine andere Ursache: In den Tropen und in Südostasien etwa werden vermehrt Wälder gerodet, um Holzprodukte herzustellen.

Was müssen wir ändern, um die Erwärmung aufzuhalten oder zu verlangsamen?

Um die Erwärmung auf 2 Grad gegenüber der vorindustriellen Temperatur zu senken, müssten wir schon enorme Anstrengungen unternehmen. Dazu gehört, dass wir in den kommenden fünf bis zehn Jahren massiv umstellen müssten auf alternative Energiequellen. Ob das realistisch ist, das hängt davon ab, wie man die Welt sieht. Entscheidend ist, dass wir versuchen, den Prozess zu verlangsamen. Das verschafft uns Zeit. Und wir gewinnen ein wenig Luft, weil wir die Natur befähigen mitzuhelfen.

Was entgegnen Sie der Kritik, der Weltklimarat schüre unnötig Panik vor einem Klimawandel?

Was in dem Bericht steht, sind belastbare Fakten, keine Panikmache. Da gibt es einen klaren wissenschaftlichen Konsens. Offene Fragen sind auch als offen dargestellt. Etwa die Frage, warum die Erderwärmung in den vergangenen 15 Jahren stagniert. Für diese Pause haben wir noch keine schlüssige Erklärung, aber der Blick auf die letzten 50 Jahre zeigt, dass es seither mit jeder Dekade wärmer geworden ist. Es gibt eine kleine Gruppe von Klimaleugnern, Experten, die eine Erwärmung bestreiten, doch unter ihnen sind sehr wenige echte Klimaforscher.

Wie bewerten Sie die Medienberichterstattung über den Klimawandel: nüchtern oder alarmistisch?

Es gibt beides. Einige Medien berichten sehr forsch, aber die Beiträge, die ich bislang zum aktuellen Weltklimareport gelesen habe, waren sehr gut und ausgewogen.

Welche Auswirkungen verspüren wir in Thüringen, wenn es mit der Erwärmung ungebremst so weitergeht?

Im Osten Deutschlands wird es trockener werden. Die Sommer werden wärmer, wir werden mehr Dürreperioden haben. Die Kehrseite ist zunehmender Starkregen, in dessen Folge es vermehrt Hochwasser geben wird. Mit den direkten Auswirkungen des Klimawandels auf die Regionen beschäftigt sich derzeit die zweite Arbeitsgruppe des Weltklimarates. Ihr Bericht wird im kommenden Frühjahr erscheinen.

Quelle: thueringer-allgemeine.de

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