Starker Regen und Renaturierung Ursachen für Lachte-Hochwasser?

Veröffentlicht: September 27, 2013 von fluthelfer in Hochwasserfolgen

LACHTEHAUSEN. „Es war schon ein mulmiges Gefühl“, erinnert sich Willi Wiessatty an die Zeit des Hochwassers in Lachtehausen ungern zurück. Denn gerade als das Wasser seinen Hochstand erreichte und in sein Haus eindrang, weilte er in der Heide und sah sich das Unheil auf Fotos über das Internet an. Eine unbequeme Situation.

Unbequeme Fragen stellte Wiessatty dagegen gestern dem Ortsrat Altenhagen, Bostel und Lachtehausen bei dessen Sitzung im bis auf den letzten Sitz mit Lachtehäusern gefüllten Schießsportheim Altenhagen. Die Frage, ob eventuell bei der Renaturierung der Lachte Fehler gemacht wurden, interessierte die Zuhörer ebenso wie der künftige Schutz vor Hochwasser.

Jens Hanssen, Fachbereichsleiter Straßen, Verkehr und öffentliche Einrichtungen bei der Stadt Celle, stellte die Ursachen für das Hochwasser anhand einer Karte vor. Laut seinem Bericht ist die Hauptursache für die Lachte-Flut der Dauerregen – sogenannter „Katastrophenregen“. 123 Millimeter Niederschlag seien innerhalb acht Tagen gefallen – und das großflächig im betroffenen Raum. „Ein Jahrhundertereignis“, so Hanssen. Zum Vergleich: Im Mittel fallen im Mai 61 und im Juni 76 Millimeter.

Der Wasserstand am Pegel Lachendorf betrug danach 2,94 Meter. Entsprechend hoch war der Zufluss der Lachte in den Freitagsgraben vor dem Mühlengrundstück in Lachtehausen. Hier wurde das Wasser in großen Teilen über die Wiesen in Richtung Flutmuldenbrücke unter der Wittinger Straße und zum neuen Lachteverlauf abgeschlagen.

„So schnell kann das Wasser aber nicht steigen“, sagt Wiessatty. Er erinnert sich noch, dass am Tag vor dem Hochwasser alles normal gewesen war. So vermutet der Anwohner, dass sich das Wasser am Wehr gestaut habe. Tatsächlich hat das Wehr laut Hanssen aber keine Schuld, es wurde über die Wiesen umströmt. „Wenn man ein Wehr in die renaturierte Lachte eingebaut hätte, hätten wir aber weniger Schaden gehabt“, entgegnete Wiessatty.

Nach Aussagen vieler Bewohner sei das Wasser zunächst durch die Kanaldeckel geströmt, dann trat der Freitagsbach über die Ufer. Wie dies in Zukunft verhindert werden könnte, skizzierte Hanssen ebenfalls: So könnten in der Lachte Pegelmarken installiert werden – eine Art Vorwarnsystem. Wenn zusätzliche Gräben geräumt werden, hätte das Wasser zudem mehr Platz. Ein Deichsystem am Freitagsbach ist ebenfalls angedacht: „Bisher spielte der keine Rolle“, sagt Hans-Martin Schaake, stellvertretender Ortsbürgermeister Lachtehausens. „Deshalb hatte er bisher keinen ausreichenden Schutz.“ So wie auch die renaturierte Lachte: Dort wird erwogen, einen Wall zu errichten, damit nicht wieder Wasser überschwappt.

Einen Wall sollen auch die Bürger schneller errichten können. Die Sandsack-Situation im Mai war laut Schaake katastrophal. „Wir möchten, dass jeder über ausreichend Sandsäcke verfügt und auch einen Ansprechpartner der Stadt Celle am Wochenende erreichen kann“, sagt er. Deshalb soll eine Art Notruf-Hotline eingerichtet werden.

Quelle: cellesche-zeitung.de

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