Hochwasserschutz eingefordert Anwohner aus dem Mühlweg in Rangendingen machen ihrem Unmut Luft

Veröffentlicht: September 27, 2013 von fluthelfer in Hochwasserschutz
Anwohner aus dem Mühlweg in Rangendingen machten am Montag ihrem Ärger in der Gemeinderatssitzung Luft. Sie finden den Hochwasserschutz unzureichend und fordern Verbesserungen.

Es hat sich viel Ärger aufgestaut bei den Anwohnern des Mühlweges. Sie beklagen, dass man, vor allem seit dem Anschluss des Baugebiets Gasse, im Mühlweg „immer und immer wieder mit Hochwasser und Überschwemmungen zu kämpfen“ hatte. Die Anwohner, die schon lange nach mehr Hochwasserschutz rufen, fühlen sich allein gelassen und „nur noch vertröstet“. Jetzt sei „die Jovialität zu Ende“, heißt es in einem Schreiben.

Entsprechend heftig waren die Vorwürfe gegen den Bürgermeister und den Gemeinderat am Montag in der Bürgerfragestunde. Bürgermeister Johann Widmaier musste die Zuhörer, denen Rederecht eingeräumt wurde, mehrmals zur Ordnung rufen: „Beleidigungen und Unterstellungen weise ich aufs Schärfste zurück.“

Die zentrale Fragestellung formulierte schließlich Mühlweg-Anlieger Christoph Schoder: „Wie sieht das weitere Vorgehen beim Hochwasserschutz aus? Ist die Gemeinde bereit, den Schutz zu erhöhen und, angesichts des Klimawandels, vorbeugend sogar noch einen Schritt weiter zu gehen, als es die Norm erfordert?“ Felicitas Schoder forderte: „Ich möchte einfach nur, dass was passiert.“

Bürgermeister Widmaier und Ingenieur Bernd Renner waren um Aufklärung bemüht. Widmaier listete die fünf schweren Hochwasser seit 2002 einzeln auf, trennte aber scharf zwischen Starzelhochwasser und Kanalüberlastung. Es sei nämlich nur einmal wegen überlasteter Kanäle zu Überschwemmungen im Ort gekommen. Das sei im Juni 2003 gewesen. Die Gemeinde habe darauf reagiert, den Sendelgraben tiefer gelegt und zur Entlastung des 1200 Kubikmeter fassenden Regenüberlaufbeckens IV zwischen Sendelgraben und Talbach ein zusätzliches Regenüberlaufbecken gebaut. Es seien nach dem Hochwasser 2003 auch gezielt weitere Engstellen im Kanalnetz entschärft worden. Seit Abschluss dieser Maßnahmen im Jahr 2005 habe es in Rangendingen „nie mehr ein Hochwasser mit eigenem Wasser“ gegeben, betonte Widmaier – das Unwetter vor knapp zwei Monaten ausgenommen, wo aber wiederum nicht das Kanalnetz versagte, sondern taubeneigroße Hagelkörner und Blattwerk die Einlaufschächte verstopften.

Ganz anders sieht es dagegen bei den Starzelhochwassern aus, wie sie sich 2002, 2008 und 2013 ereignet haben. Gegen ein Ansteigen des Grundwasserpegels sei jede Kanaltechnik machtlos. „Physik gilt auch in Rangendingen“, so Widmaier. „Wir können physikalische Gesetze nicht außer Kraft setzen.“ Der einzige Weg, die Fluten zu zähmen, sei das Hochwasserschutzkonzept, das das Fachbüro Hydrotec für den ganzen Starzellauf erarbeitet hat. Die Wassermengen müssen bereits in Jungingen und Hechingen aufgehalten werden. Genau dieses Ziel werde im Zweckverband „Hochwasserschutz Starzeltal“ verfolgt. „Aber auch wenn alle Projekte des Zweckverbandes umgesetzt sind, wird das keine Lösung für alle Zeiten sein“, warnte Widmaier.

Zur Beruhigung informierte Ingenieur Bernd Renner die Mühlweg-Anwohner darüber, dass das Kanalnetz in Rangendingen gemäß der Eigenkontrollverordnung kontinuierlich optimiert wird. Aktuell werde der Kanalplan neu überrechnet und Einzelmaßnahmen, wo diese angezeigt sind, umgesetzt. Als Sofortmaßnahme sollen auch die Regenauslässe streng kontrolliert und gewartet werden. Individueller Gebäudeschutz, etwa in Form von Rückstauklappen, sei aber zukünftig unerlässlich. Sandsäcke zum Eigenschutz werden in Rangendingen kostenlos ausgegeben.

Renner stellte auch klar, dass das Baugebiet Gasse nicht ursächlich für Kanalüberlastungen sein kann. Die Entwässerung der Neubaugebiete Gasse und Winterrain wurde im Trennsystem und mit eigener Retention angelegt. Zu den mittelfristigen Hochwasserschutzmaßnahmen zählt der Bau eines fünften Regenüberlaufbeckens. Außerdem wird, wie Widmaier wissen ließ, der Stausee noch in diesem Winter abgelassen und mit einer neuen, 200 000 Euro teuren Regelungstechnik versehen.

Die Gemeinderäte fühlten sich am Montag jedenfalls zu Unrecht der Untätigkeit beschuldigt. „Ich verstehe nicht, das wir hier so angegriffen werden. Wir hatten zum Thema Hochwasserschutz viele Sitzungen und viele Fachleute hier und brauchen uns nicht beleidigen und als Idioten beschimpfen zu lassen“, empörte sich Walter Müller. August Wannenmacher äußerte Verständnis für die Sorgen und Ängste der Hochwassergeschädigten, befand aber einige ihrer Argumente als „nicht in Ordnung“. „Was wir machen können, machen wir, und nehmen dafür auch Geld in die Hand, aber die Physik können wir nicht aus den Angeln heben“, stellte Magdalena Dieringer fest. Abschließend forderte Rudolf Strobel den Bürgermeister auf, die Botschaft der besorgten Rangendinger mit in den Zweckverband zu nehmen. Strobel drängte: „Mir geht das alles viel zu langsam.

Quelle: zak.de

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s