Handwerker kämpfen weiter um ihre Existenz

Veröffentlicht: September 27, 2013 von fluthelfer in Hochwasserfolgen

Das Hochwasser war im Juni das beherrschende Nachrichtenthema. Inzwischen ist es ruhig geworden. Das Wasser ist weg, die Aufräumarbeiten scheinen weitgehend abgeschlossen, die finanziellen Hilfen auf dem Weg. Doch entspannt ist die Situation bei vielen betroffenen Betrieben aus dem Handwerk noch längst nicht, wie Gespräche mit den Geschädigten zeigen.

Gerhard Lallinger führt seinen Malerbetrieb im niederbayerischen Deggendorf. Das Hochwasser hatte ihm beinahe die Existenz genommen. Sowohl das Firmen- als auch das Wohngebäude wurden komplett zerstört. Der Schaden belief sich auf etwa 1,5 Millionen Euro. Kaum etwas konnte gerettet werden, das Wasser kam mit 500.000 Litern pro Sekunde. Um eine Elementarschutz-Versicherung hatte sich der Betrieb zuletzt 2012 vergeblich bemüht. Heute herrscht bei Lallinger leiser Optimismus. Schien die Situation vor drei Monaten noch aussichtslos, sind inzwischen Soforthilfen von 200.000 Euro geflossen. Ein Bruchteil des entstandenen Schadens. Weitere Anträge sind noch in Bearbeitung. „So ist halt die Bürokratie, es geht alles nicht so schnell, wie es gesagt wird“, ärgert sich Lallinger.

Zu 100 Prozent soll ihm der Schaden ersetzt werden, lauten die Versprechungen. Sorge macht dem Malermeister der bevorstehende Winter. So lange aber keine Bewilligungsbescheide vorliegen, kann Lallinger keine Reparaturen in Auftrag geben. Der Aufbau der alten Existenz dürfte noch ein Jahr in Anspruch nehmen, vielleicht sogar zwei, schätzt er.

Elektroinstallateur wartet auf Geld

Auch Elektroanlagen Johann Vogl in Passau hat das Hochwasser hart getroffen. Fast eine Woche waren die Elektroinstallateure von der Außenwelt abgeschnitten, weil die Innbrücke für den Verkehr gesperrt war. Hof und Lager waren überflutet, 20 cm mehr und das Büro hätte unter Wasser gestanden. Was ging, wurde in Sicherheit gebracht, das Gebäude hatte einen Schaden von 130.000 Euro.

Einige Wochen später ist Geschäftsführer Christian Vogl die Katastrophe immer noch anzumerken. Bekommen hat Vogl bisher nur die Soforthilfe von 5.000 Euro und weitere 1.500 Euro für das Gebäude. Jetzt hofft er auf das Hilfspaket, das jene Betriebe unterstützen soll, die keinen Versicherungsschutz geltend machen können.

Doch das Geld zu bekommen, ist nicht einfach. „Jede entstandene Handwerksrechnung muss einzeln vorgelegt werden“, sagt Vogl. Der Elektroinstallateur ist enttäuscht über die bürokratischen Hürden. Vor allem denkt er an die Firmen, die wegen mangelnder Sicherheiten keine Überbrückungskredite von der Bank bekommen.

Vogl kann seinen Geschäftsbetrieb fortsetzen. Zum Glück waren die Betriebsräume mit den Computern nicht vom Hochwasser betroffen. Um dringende Reparaturen an Maschinen durchzuführen, konnte Vogl eigene Rücklagen mobilisieren.

Überbrückungskredit hat geholfen

Auf rund 200.000 Euro belief sich der materielle Schaden bei Bernd U. Beyer, Diplomingenieur für Nachrichtentechnik aus Gera. Davon hat der Betrieb bisher 50 Prozent über das Sofortprogramm des Landes von der Thüringer Aufbaubank erstattet bekommen. Von der Antragstellung bis zur Erstattung hat es rund sechs Wochen gedauert. „Wir haben das Geld Ende August bekommen und mussten dafür die entsprechenden Nachweise und Rechnungen einreichen“, berichtet Beyer. Ein Schadensersatz von insgesamt 80 Proerhofft sich der Ingenieur.

Die schwierige finanzielle Situation direkt nach dem Hochwasser konnte der Betrieb durch einen Kredit zu Sonderkonditionen von der Hausbank überbrücken. Ein Teil der beschädigten Technik wurde selbst repariert, einiges musste aber auch neu angeschafft werden. „Trotz der finanziellen Hilfen wird es noch Jahre dauern, bis wir wieder auf dem Stand sind wie vor dem Hochwasser“, glaubt Beyer.

Hauser Naturstein aus Rosenheim wirkt zuversichtlicher. Die sichtbaren Schäden sind größtenteils aufgeräumt und der Betrieb läuft. „Wenn man die Augen etwas verschließt, könnte man meinen, es hätte kein Hochwasser gegeben“, sagt Chef Georg Hauser mit einem Augenzwinkern. Soforthilfen sind geflossen, weiter Anträge sind gestellt.

Trotzdem steht dem Unternehmen noch ein langwieriger Prozess bevor. Die Maschinen konnten zwar alle instand gesetzt werden, aber die Folgeschäden sind noch nicht absehbar. Durch Korrosion könnten sie irgendwann plötzlich ausfallen. Das finanzielle Ausmaß des Hochwassers kann Hauser deshalb immer noch nicht genau abschätzen. Bis zu 230.000 Euro könnten es am Ende sein.

Quelle: deutsche-handwerks-zeitung.de

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