Bilanz der Elbe-Pareyer Gemeindewehrleitung nach dem Hochwasser „Positiv ist, dass die Kameraden so zusammengewachsen sind“

Veröffentlicht: September 27, 2013 von fluthelfer in Hochwasserschutz, Sachsen-Anhalt

Das Thema Hochwasser spielte in der jüngsten Elbe-Pareyer Gemeinderatssitzung erneut eine Rolle: die Mittelbeantragung für Wegebau und Schadensbeseitigung, die Frage, was getan wird zur Verbesserung der Sicherheit, und, wie die Koordination im Katastrophenfall noch besser laufen könnte.

Im ersten Teil der Sitzung gab der stellvertretende Elbe-Pareyer Gemeindewehrleiter Steve Flügge einen Bericht zum Hochwassereinsatz der Feuerwehren. Aus den Reihen des Gemeinderats war eine entsprechende Bitte gekommen, der Flügge gern und sehr ausführlich nachkam.

Während des Hochwassers hatten die Elbe-Pareyer Wehren ihre Zentrale am Gerätehaus in Zerben, ein zweiter Stützpunkt für den Hochwassereinsatz sei dann noch in Derben eingerichtet worden, während in Güsen Kameraden für den Grundschutz, das heißt für Brände oder technische Hilfeleistungen, in Bereitschaft gehalten wurden, erklärte Flügge. Die Schichten wurden auf jeweils zwölf Stunden festgelegt. Kürzer wäre es nicht möglich gewesen, weil man schon so hart an die Grenze bei der Anzahl der verfügbaren Feuerwehrleute kam. Die Frage der Freistellung von der Arbeit sei ein Problem gewesen: Die sollte aus Kostengründen minimal gehalten werden, am Ende mussten aber doch alle herangezogen werden. Weniger, als in den Mitgliedslisten der Wehren stehen, seien es aber immer noch gewesen.

Die erste Anforderung von Außerhalb der Gemeinde kam früh am 6. Juni: Die Zerbener Wehr ist mit neun Kameraden nach Vogelsang gefahren, wo sie 16 Stunden im Einsatz waren. „Mehr Leute konnten wir nicht abstellen.“

Einige Kameraden sind zwischenzeitlich auch zu Stellen im Deich, wo Biber gegraben haben, mit rausgefahren. Weiterhin wurden zunächst mehrere kleinere Einsätze abgearbeitet. Durch das Heranziehen von freiwilligen Helfern konnten immer wieder Kameraden aus den Einsätzen herausgelöst werden, um in Bereitschaft für den nächsten Notfall zu sein. In Abstimmung mit Günter Fricke vom Gemeindeamt gelang das sehr gut.

Eine riesiges Problem auch für die Feuerwehren der Gemeinde war der Hilfsdeich bei Ferchland. Flügge stellte den Ablauf hier noch einmal dar. Trotz der vielen Helfer einschließlich 50 Mann Verstärkung vom THW war der Damm nicht mehr zu halten, so dass schließlich entschieden werden musste, die Leute aus dem Bereich wegzuholen, um sie nicht zu gefährden. „Das war für uns hart“, betont Flügge. Insbesondere Marko Gummelt, stellvertretender Einsatzleiter beim Hochwasser und hier vor Ort von Seiten der Feuerwehr zuständig, ist die Entscheidung schwer gefallen.

So gut wie möglich wurde über alles Protokoll geführt, obwohl auch das mitunter nicht leicht war. So hat Steve Flügge zusammenrechnen können, dass die Elbe-Pareyer Feuerwehrfahrzeuge während des Hochwassers insgesamt 3 736 Kilometer unterwegs waren, davon allein 345 Kilometer die Zerbener wegen des Einsatzes in Vogelsang. Fast 65 Betriebsstunden waren die Pumpen im Einsatz.

Kritisch merkte Flügge an, dass es großen Nachholebedarf bei den Kenntnissen in der Deichverteidigung gebe. Einen Lehrgang Deichbau habe nur Günter Fricke besucht, der neben seiner Tätigkeit im Amt auch bei der Feuerwehr ist. Für das nächste Jahr sei ein entsprechender Lehrgang für mehrere Kameraden bereits vereinbart, kündigte Flügge an. Zudem gab er zu bedenken, dass die Leute, die lange Zeit in der Wasserwehr waren, großteils schon sehr alt sind und teilweise schon nicht mehr leben. Es müssten unbedingt jüngere Leute gewonnen werden.

Erschreckend sei auch die Ausstattung, wenn es zu einem solchen Katastrophenfall kommt: Es gebe nicht genügend Stromerzeuger in der Gemeinde, und auch die Beleuchtung für Einsätze während der Dunkelheit reiche nicht aus, von Fahrzeugen und Technik ganz zu schweigen. „Wir waren froh, dass private Firmen Technik gestellt haben, und wir hatten auch Kameraden zum Fahren, die freigestellt wurden.

In der Risikoanalyse müssen solche Fragen mit bedacht werden. Eine Schmutzwasserpumpe zum Beispiel habe nur die Zerbener Wehr. In anderen Gemeinden seien Feuerwehrpumpen durch den Einsatz bei Schmutzwasser kaputt gegangen, zum Glück sei das hier nicht passiert.

Mangelhaft sei aus seiner Sicht die Kommunikation mit dem Gemeindeamt gewesen. „Unser Vorschlag ist, dass im Katastrophen-Fall jemand von der Feuerwehr mit im Stab sitzt, der Bescheid weiß, wer welche Technik hat, und die Feuerwehren koordiniert.“ Gefehlt habe auch eine technische Einsatzleitung vom Landkreis.

Das Positivste an jener Zeit sei der Zusammenhalt der Kameraden der einzelnen Ortsfeuerwehren gewesen. „Wir sind in dieser Zeit so zusammengewachsen, das hätte keiner gedacht. Ein Dankeschön an alle Kameraden für diesen Zusammenhalt!“

Dank sagten im Anschluss auch Gemeinderatsvorsitzender Egon Buchmann und Bürgermeisterin Jutta Mannewitz den Kameraden der Feuerwehr.

Quelle: volksstimme.de
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