Alte Schäden, neue Konzepte: Sachsen-Anhalts Hochwasser-Bilanz

Veröffentlicht: September 27, 2013 von fluthelfer in Sachsen-Anhalt

Fischbeck, Klietz, Breitenhagen, Aken – lauter kleine Orte in Sachsen-Anhalt, die im Juni eine eher traurige Berühmtheit erlangt haben. Sie waren wie viele andere Städte in Mitteldeutschland stark vom Hochwasser betroffen. Rund drei Monate ist das nun her. Der MDR schaut heute in einem Thementag, wie es mittlerweile in den betroffenen Gebieten aussieht. Auch Sachsen-Anhalt, das am stärksten betroffene Bundesland, zieht Bilanz.

Die Spuren des Hochwassers sind noch vielerorts zu sehen. Viele Häuser, die überschwemmt waren, sehen immer noch aus wie im Rohbau, einige müssen sogar abgerissen werden. 70,2 Millionen Euro Soforthilfe hat das Land bisher ausgezahlt: für Privatleute, Bauern, Unternehmer und Kommunen. Dazu kommt die Wiederaufbauhilfe. Von 1.600 Anträgen sind bisher 300 bewilligt worden. Viele Bürger klagen, es dauere zu lange, bis sie das Geld bekommen. Aber erst müssen die Ansprüche und Versicherungsfragen geklärt werden, heißt es aus der Staatskanzlei.

Aeikens: Haben schon viel geschafft

Auch beim Hochwasserschutz laufen die Reparaturarbeiten. „Wir sind dabei und haben schon eine ganze Menge geschafft, die Deiche winterfest zu machen, denn wir wissen nicht, wann das nächste Hochwasser kommt“, berichtet Hermann Onko Aeikens, Minister für Umwelt und Landwirtschaft in Sachsen-Anhalt. „In Fischbeck ist eine Spundwand installiert worden, die für den Winter Schutz bietet. In Breitenhagen laufen die letzten Arbeiten, um den Deich zu schließen, ebenso an der Schwarzen Elster.“ Parallel wird auch das Hochwasserschutz-Konzept des Landes überarbeitet: Bis 2020 sollen neue Deiche und Flutungsflächen fertiggestellt sein. Auch die Arbeit der Krisenstäbe während des Hochwassers wird nun überprüft. Sie haben die Hilfskräfte vor Ort koordiniert, über Evakuierungen entschieden und die Bürger informiert. Das Innenministerium befragt zurzeit alle Beteiligten, wo Probleme lagen. Noch bis Ende des Jahres soll die Auswertung dauern.

Arbeit über Landesgrenzen hinweg nicht immer einfach

Insgesamt habe man die Katastrophe gut gemeistert, sagt Innenminister Holger Stahlknecht. Streit gab es manchmal darüber, ob Land oder Landkreis zuständig sind. Zum Beispiel über die Landesgrenzen hinweg an der Goitzsche: Sie drohte, überzulaufen und Teile Bitterfelds zu überschwemmen. Der Landrat von Anhalt-Bitterfeld diskutierte mit dem nordsächsischen Kollegen. Der lehnte es jedoch ab, zur Entlastung einen Deich an der Mulde zu sprengen. Innenminister Stahlknecht ist im Rückblick überzeugt, dass der Krisenstab des Landes hätte übernehmen sollen: „Das wäre dort die richtige Entscheidung gewesen, nicht weil ich die Arbeit des Krisenstabes dort kritisiere, sondern wir hätten da die Sache eher an uns ziehen sollen, weil dann die Koordination zwischen den verschiedenen Landesbehörden einfacher ist.“

Innenministerium denkt über ständige Katastrophen-Fachgruppe nach

Außerdem schlägt das Innenministerium vor, eine Fachgruppe zu gründen. Zu ihr sollen Experten gehören, die sich mit verschiedenen Katastrophenfällen auskennen, sagt der Innenminister. „Wenn man mal einen Chemieunfall oder einen Unfall mit biologischen Stoffen hat, oder einen Waldbrand oder andere Katastrophen – dass für jeden Fachbereich ein exzellenter Mann oder eine exzellente Frau vorhanden ist, die nicht ausgetauscht werden und dann auch einem örtlichen Stab immer zu Verfügung gestellt werden“, beschreibt Stahlknecht das Konzept, das ihm vorschwebt. An das nächste Hochwasser wollen viele Betroffene aber eigentlich noch gar nicht denken. Ihr nächstes Ziel ist Weihnachten. Dann wollen alle wieder in ihren Häusern feiern.

Quelle: mdr.de

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