Dhünn ist schneller gefährlich

Veröffentlicht: September 25, 2013 von fluthelfer in Hochwasserschutz

Bis Ende des Jahres müssen auch die Flüsse in Leverkusen in punkto Überflutungsgefahr bewertet werden. Vor allem bei kleineren Gewässern wie der Dhünn sei der Hochwasserschutz schwieriger als etwa beim Rhein, so eine Expertin.

Wasser bahnt sich immer seinen Weg. Und so haben die Umweltminister der Bundesländer als Konsequenz aus der deutschen Juni-Flut beschlossen, ein gemeinsames Schutzprogramm zu erarbeiten. Das Thema steht in Leverkusen jedoch schon länger auf der Agenda – so will es die EU. Im Rahmen eines Hochwasserrisiko-Managements müssen bis Ende des Jahres alle Flüsse in punkto Überflutungsgefahr bewertet werden. Danach soll bis Ende 2015 ein Hochwasserrisikomanagementplan erstellt werden. Daraufhin geht es in die Umsetzung von Schutzmaßnahmen.

„In Leverkusen ist Hochwasserschutz ein großes Thema, da wir mit Rhein, Wupper, Dhünn, Wiembach und Mutzbach viele Gewässer haben“ sagte Karla Marschollek von der Unteren Wasserbehörde. Die offizielle Hochwasserzeit ist vom 1. November bis 31. März. „Das heißt aber nicht, dass Hochwasserereignisse nicht auch zu anderen Zeiten auftreten können“, sagte Marschollek. Wie das Juni-Hochwasser.

Vor allem bei kleineren Gewässern wie der Dhünn sei der Hochwasserschutz schwieriger als etwa beim Rhein, sagte Marschollek. Fällt mehr Regen als gewöhnlich, kann der Pegel schnell hochsteigen, der Fluss die großen Wassermengen jedoch nicht schnell genug aufnehmen. Bis der Rhein über die Ufer tritt, müssten deutlich mehr Niederschläge fallen. Hinzu kommt laut Marschollek, dass die Wupper und die Dhünn noch viele kleine Gewässer als Zuflüsse habe.

Wie schnell es zu einer Überschwemmung auch in Leverkusen kommen kann, zeigten die großen Wassermengen vor zwei Jahren in Schlebusch. Das Gut Hummelsheim war betroffen. Die Dhünn war so stark angeschwollen, dass sie beim Wehr des Sensenhammers erst die Felder und den Wald in der Aue überschwemmte. Von da aus lief das Wasser in die Keller, Tiefgarage und einige Erdgeschosswohnungen im hunderte Meter entfernten „Wohnpark Alt-Schlebusch“ neben dem Schlebuscher Altenheim.

Risiko-Szenarien

Das soll nach Plänen der Europäischen Union möglichst vermieden werden. In Hochwassergefahrenkarten wird die mögliche Ausdehnung und Tiefe einer Überflutung dargestellt. So soll ermittelt werden, nach welchen Szenarien Einwohner oder Schutzgebiete betroffen wären, wo Kulturobjekte gefährdet sind oder Gefahren für Industrie-Anlagen vorliegen.

Um Vorsichtsmaßnahmen für alle Flüsse treffen zu können, bewerten die Experten die Risiken nach verschiedenen Schweregraden. So gibt es seit 1920 Aufzeichnungen vom Land NRW zu den Niederschlagsmengen und Pegelständen der Flüsse. Damit lassen sich Risiko-Szenarien entwickeln. Bei dem extremsten Szenario „HQ extrem“ würde am Rhein zum Beispiel die Kläranlage vor dem Bayerwerk überschwemmt werden. 1200 Menschen wären von dem Hochwasser betroffen. „Das darf natürlich keinesfalls passieren“, sagte Marschollek.

Markierte Pappeln werden Anfang Oktober gefällt

Die Pappeln am Rheinufer in Hitdorf kommen weg. Das steht seit der Sitzung der Bezirksvertretung I am Montagabend steht fest: „Die Bäume sind eine erhebliche Gefährdung für den Hochwasserschutz“, sagte Reinhard Gerlich, Chef der Technischen Betriebe Leverkusen (TBL). Beim Hochwasserschutz werden zunehmend mobile Wände eingesetzt. „Wenn eine Pappel auf so eine Wand fällt, dann kracht diese sofort ein“, so der TBL-Chef. Das sei gefährlicher, als wenn da keine Wand stehe.

Bei einer Beschädigung in Hochwasserzeiten würde dann schneller Wasser in die Stadt dringen, als ohne Hindernis. „Hier geht es um Bäume oder Menschenleben“, appellierte Gerlich an die Ausschussmitglieder, die sich überzeugen ließen. Die SPD-Fraktion zog ihren Antrag, der auf einen Fortbestand der Bäume hingewirkt hatte, daraufhin zurück.

Die Pappeln, die bereits mit Schildern markiert worden sind, sollen Anfang Oktober gefällt werden.

Schutzmaßnahmen könnten zum Beispiel eine Deicherhöhung oder mobile Wände sein. Auch über eine Entsiegelung bestimmter Gebiete müsste nachgedacht werden. „Die Maßnahmen müssen mit dem Betreiber, der Feuerwehr, den technischen Betrieben und dem Wupperverband abgestimmt werden“, sagte Marschollek. Auch die Bevölkerung soll mit einbezogen werden. Die Ergebnisse können auch Auswirkungen auf Bauherren haben, denn in ausgewiesenen Überschwemmungsgebieten darf nicht gebaut werden.

Auch das Klinikum Leverkusen ist mit seiner Lage an der Dhünn potenziell gefährdet. „Es wird zukünftig in die Planung mit eingebunden“, sagte Umweltamtsleiter Dirk Terlinden. Einen hundertprozentigen Schutz kann es jedoch gegen Hochwasser nicht geben. „Ziel des Risikomanagements ist die Minimierung des Hochwasserrisikos sowie die Sensibilisierung der Menschen. Mehr lässt sich nicht tun“, sagte Marschollek.

Quelle: ksta.de

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