Neue Fragen zum Hochwasser-Einsatz

Veröffentlicht: September 22, 2013 von fluthelfer in Zentrale der Deutschen Fluthilfe

Stadtbrandinspektor Schraufstetter äußert sich zu Vorwürfen von Fischerdorfern

Mehr als ein Viertel Jahr liegt das verheerende Hochwasser schon zurück – doch die komplette Aufarbeitung der immensen Schäden liegt noch in weiter Ferne. An den örtlichen Einsatzleiter, Stadtbrandinspektor Alois Schraufstetter, wurden nun zwei Vorwürfe herangetragen, zu denen er nun im „Donau-Anzeiger“ Stellung bezieht.

Wie Schraufstetter erfahren hat, stehen in den Schadensgebieten folgende Aussagen zur Diskussion – und beschäftigen die Anwohner:

1. Der Isardamm wurde durch Entscheidung aufgegeben. Die Freiwillige Feuerwehr Fischerdorf wurde durch oberen Befehl abgezogen, der Damm wurde geopfert.

2. Die Wasserspeicher im Gebirge wurden durch Stromlieferanten wegen Gewinnerzielung gefüllt und zu spät abgelassen (erst als sie übervoll waren, was mehr Wasser in der Isar zur Folge hatte).

Zum ersten Vorwurf äußerte sich Schraufstetter wie folgt:

„Es ist richtig, dass der Isardamm aufgegeben werden musste, allerdings zum Schutz der Einsatzkräfte, die noch 30 Minuten vorher dort arbeiteten!

Ich war selbst als Einsatzleiter noch ca. 30 Minuten vor dem Dammbruch auf diesem Teilstück. Die Fischerdorfer kennen dieses Stück und es wurde alles menschenmöglichste versucht, diesen Damm zu verteidigen. Die Fischerdorfer Wehr kämpfte zu diesem Zeitpunkt an allen Fronten. Im Gebiet Isardamm waren überwiegend massive Kräfte der Bundeswehr eingesetzt. Die Sandsäcke mussten zum Teil über weite Wegstrecken getragen werden. Dammhinterwege gibt es im Isarbereich nicht.

Die Lage spitzte sich zu und obwohl die Deichkrone trotz Sandsackbarriere (siehe Bild SAM 0362 Barriere reicht bis Bruchstelle) bereits stellenweise überflutet war, wurde immer noch gearbeitet. Der Damm war bereits im Zustand eines „Wackelpuddings“, als mir der zuständige Oberstleutnant mitteilte, dass er seine Leute wegen akuter Lebensgefahr zurückzieht. Ich selbst war es dann, der allein auf den Damm ging und die Sache in Augenschein nahm. Ich fuhr zurück und wollte weitere Überlegen anstellen, allerdings brach der Damm bevor ich im Stützpunkt eintraf.

Liebe Betroffene, wir haben alles versucht was machbar war. Ab der Überflutung der mit Sandsäcken deutlich erhöhten Deichkrone ist keine weitere Maßnahme mehr möglich, ohne Menschenleben zu gefährden. Dieses Dammstück ist auch nicht mit Ruckasing vergleichbar, wo Lastwagen bis zur Rissstelle vorfahren konnten. Diese Wege gibt es im Isarbereich nicht. Nicht auszudenken wäre es gewesen, wenn der Dammbruch erfolgt wäre, als noch viele Leute dort arbeiteten.“

Zum zweiten Vorwurf sagte Schraufstetter:

„Diese Frage kann ich nicht beantworten, aber es war immer schon klar, dass wenn Isar und Donau mit einem Hochwasser zusammentreffen, es ernst wird. Wären die anfänglichen Wassermassen im Gebirge nicht „reguliert“ aufgefangen worden, hätte es definitiv andere Szenarien gegeben.

Es war einfach zu viel.

Liebe Betroffene: „Wir haben alles gegeben, mehr als geplant möglich war“. Wir stehen auch jetzt wieder zur Verfügung und wenn Sie Fragen haben, bitte einfach melden.

Geschehenes kann nicht wieder umgedreht werden. Die Hilfskräfte geben niemals auf, auch im Juni nicht. Nun müssen alle zusammenspielen, die Politik, die Naturschützer und die für den Hochwasserschutzverantwortlichen. Wenn wir in Zukunft Hochwässer über 8m positiv überstehen wollen, muss jeder der Genannten Zugeständnisse machen. Das Leben am Fluß ist ein Leben mit dem Wasser und wenn wir die Hausaufgaben machen, können wir positiv in die Zukunft schauen. Arbeiten wir an den Schwachstellen, jetzt kennen wir sie“.

Quelle: idowa.de

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