Nach dem Hochwasser Stück für Stück zurück ins Paradies

Veröffentlicht: September 14, 2013 von fluthelfer in Deggendorf

Der erste Eindruck, den Traudl Wenzel von ihrem Haus und Garten nach dem Hochwasser hatte, war: „Es sieht aus wie nach dem Krieg, alles verwüstet.“ Der zweite Eindruck war der üppig pink blühende Rosenstrauch im Garten. Dieser Anblick hat sich in das Gedächtnis der 70-Jährigen gebrannt: „Wenn die Natur uns das Zeichen gibt, dass es aufwärts geht, dann haben auch wir die Pflicht, den Garten und unser Haus wieder herzurichten.“

Am ehemaligen Forsthaus in Scheuer sind kaum noch Spuren des Hochwassers zu finden. Die Außenwände sind inzwischen getrocknet, neu gekalkt und in strahlendem Weiß getüncht. Drei Monate ist es her, dass das Wasser tagelang rund 1,50 Meter hoch im Haus stand. Auch in der Wohnstube sind seitdem fast alle sichtbaren Spuren der Katastrophe verschwunden. Wenzels kleines Anwesen ist ein Paradies. Wieder.

„Wir haben in den vergangenen Monaten eine neue Bescheidenheit kennen und schätzen gelernt und das Wissen, dass man auch mit sehr wenig auskommen kann“, erklärt der 77-jährige Hans Wenzel. Trotz der großen Schäden, die das Wasser angerichtet hat, hätten sie großes Glück gehabt. „Wir haben gearbeitet, wie die Tiere, um alles aufzuräumen. Endlich sehen wir Licht am Ende des Tunnels. Gejammert haben wir dennoch nie, denn es würde auch nichts ändern und andere, wie unsere Nachbarn, hat es noch viel, viel schlimmer getroffen“, sagt Traudl Wenzel.

Das rüstige Ehepaar ist vor allem dankbar, dass es die Katastrophe und die Aufräumarbeiten gesundheitlich unbeschadet überstanden hat. Und die beiden sind den vielen Helfern, ob Familie, Feuerwehr Pankofen, den Bundeswehrsoldaten oder Nachbarn aus Schiltorn, unendlich dankbar – „das Entgegenkommen und Zusammenhalten hat uns die Kraft gegeben, das alles überhaupt durchzustehen“, betont Traudl Wenzel.

Lange hatte sich das Ehepaar geweigert, sein Haus zu verlassen, selbst als das Wasser bereits so hoch stand, dass Hans Wenzel, von kleiner untersetzter Statur, kaum mehr aus den Fluten herausschauen konnte. „So konnten wir wenigstens die meisten Sachen vor dem Wasser in den ersten Stock retten“, erklärt Wenzel, der leidenschaftlicher Antiquitätensammler ist. Über die Jahre hat sich das Haus in ein Raritätenkabinett verwandelt. Ohne Verluste ging es dennoch nicht. Der Biedermeier-Kachelofen, aus Lehm gebaut, hat sich im Wasser aufgelöst und war nicht mehr zu retten.

Quelle: pnp.de

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