Archiv für September 11, 2013

Nach der Flut ist vor der Flut

Veröffentlicht: September 11, 2013 von fluthelfer in Hochwasserschutz
Der Planungsverband Westsachsen hat ein Konzept vorgelegt, das Goitzsche und Seelhausener See einbezieht. Man drängt auf schnelle Lösungen. Der Hochwasserscheitel der Mulde könnte bis zu einem halben Meter gesenkt werden.

Bitterfeld/Pouch So zynisch es klingt: Doch nach der Flut ist vor der Flut. Das war nach dem Hochwasser 2002 so, das wird auch nach der diesjährigen Katastrophe so sein, sprich: Wenn nun keine umfassenden Schutzmaßnahmen ergriffen werden, könnten vergleichbare Ereignisse erneut die Anrainer der Mulde gefährden. Davon ist Andreas Berkner überzeugt. „Wenn wir jetzt nichts machen, dann drohen uns alle 15 bis 20 Jahre solche Szenarien wie beim jüngsten Juni-Hochwasser“, sagt der Leiter des Regionalen Planungsverbandes Leipzig-Westsachsen, der beim Flutschutz in Sachsen eingebunden ist. Berkner drängt auf schnelles Handeln und untermauert dies mit einem konkreten Konzept. Darin spielt die Goitzsche eine maßgebliche Rolle.

„Die Ereignisse von 2002 und 2013 haben mit Nachdruck vor Augen geführt: Das Gewässersystem zwischen Mulde, Lober-Leine-Kanal, Seelhausener See und Großem Goitzschesee kann in seinem jetzigen Zustand bei größeren Hochwasserereignissen versagen“, so Berkner. In solch einem Katastrophenfall gebe es keinerlei Steuerungsmöglichkeiten mehr – und Löbnitz, Roitzschjora, Bitterfeld, Friedersdorf und Jeßnitz seien gefährdet. „Angesichts der Flutschäden besteht daher dringender und schneller Handlungsbedarf“, unterstreicht er.

„22 Millionen Kubikmeter Wasser zurückgehalten“

Und so bezieht Berkner in seine Überlegungen neben den geplanten Poldern in Löbnitz und Rösa sowie baulichen Veränderungen am Lober-Leine-Kanal und am Seelhausener See eben auch den Großen Goitzschesee in den Hochwasserschutz mit ein. Zwar liege das Hauptaugenmerk auf dem Tagebausee auf sächsischer Seite. Allerdings müsse derjenige auf der sachsen-anhaltischen als „Hochwasserschutzraum“, also als „Pufferzone“ mit einbezogen werden. „Allerdings nur als letzte Rückhaltemöglichkeit.“ Und das funktioniert so: Falls alle Maßnahmen umgesetzt sind, würden bei einem Hochwasser zuerst die Polder Löbnitz und Rösa geflutet. Wenn die voll sind, müsse man die Möglichkeit haben, die Wassermassen über einen Ableiter in den Seelhausener See zu leiten – dann kontrolliert in die Goitzsche fließen zu lassen und wieder der Mulde zuzuführen. Die kritische Obergrenze des Sees würde dann bei 77 Meter Normalhöhennull (NHN) liegen. „Beim Juni-Hochwasser lag der maximale Wasserspiegel bei 76,66 Meter. So wurden real 22 Millionen Kubikmeter Wasser zurückgehalten“, erklärt Berkner. Nehme man alle Einzelmaßnahmen zusammen, so könne man sogar bis zu 100 Millionen Kubikmeter Wasser zurückhalten – und so den Hochwasserscheitel der Mulde um bis zu einen halben Meter senken.

Weitere Investitionen notwendig

Was auf dem Papier plausibel klingt, besorgt die zahlreichen Unternehmer an der Goitzsche. „Der See hat einen regulären Wasserspiegel von 75 Metern“, stellt Sprecher Ingo Jung klar. Ob Hafenfront, Seebrücke, Steganlagen oder Strände – alle Anlagen und Bauten orientierten sich daran. Das Juni-Hochwasser habe gezeigt, dass der steigende Pegel der Goitzsche all dies massiv beeinträchtigt und gefährdet habe. Sollte die Goitzsche nun Teil des Hochwasserschutzes werden, so seien neben den bereits vorhandenen Goitzsche-Anlagen auch weitere Investitionen und das Image als Tourismusregion in Gefahr.

Andreas Berkner kennt diese Befürchtungen, hält aber entgegen: „Gewerbetreibende an der Goitzsche, die besorgt die Entwicklungen im Hochwasserschutz verfolgen, sollten sich fragen, was den größeren Schaden verursacht: Einige Wochen lang Einschränkungen zu haben oder ein Bruch am Seelhausener See?“

Dass all die sächsischen Überlegungen nicht im luftleeren Raum angestellt werden, bestätigt Frank Beisitzer vom Sachsen-Anhaltischen Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft. „Es wird über alles nachgedacht. Und die Goitzsche bietet gewisse Möglichkeiten.“

Quelle: mz-web.de

Hochwasser nicht nur Problem für Täler

Veröffentlicht: September 11, 2013 von fluthelfer in Thüringen

Interkommunale Zusammenarbeit soll langfristig den Schutz vor Hochwasser im Bereich der Tälerdörfer verbessern. Noch diesen Monat sollen Bürgermeister sowie Gemeinde- und Stadträte informiert werden.

Tröbnitz Wolfgang Fiedler lässt nicht locker und die Verantwortlichen nicht aus der Pflicht, eine solide Basis für langfristig zuverlässigen Hochwasserschutz beziehungsweise Maßnahmen zu schaffen, die im Ernstfall Katastrophenfälle zumindest wirksam mindern können.

Nachdem Fiedler im Juni Verantwortungsträger verschiedener Ebenen zu einer Ideenkonferenz im Landratsamt in Eisenberg zusammengeführt hatte, berief der CDU-Landtagsabgeordnete nun in der Verwaltungsgemeinschaft „Hügelland/Täler Tröbnitz die Folgeberatung ein.

Ziel der zweiten Runde war, ein „rechtliches Konstrukt“ zu finden, in dem man sämtliche betroffenen Kommunen vereinen kann. „Das Problem geht alle an, nicht nur die gesetzlich zur Gewässerpflege verpflichteten Anrainer von Flüssen und Bächen, sondern auch die auf dem Berg. Schließlich haben wir ja kürzlich erst wieder erlebt, dass die Wassermassen, die von den Höhen ins Tal fließen, Ursache der Katastrophe waren“, rückte Fiedler erneut deutlich die weite Ausdehnung des Roda-Einzugsgebietes ins Blickfeld.

Nicht umsonst, so wurde im Laufe der Beratung am Beispiel der erfolgreich umgesetzten Gewässerentwicklungskonzeption für die Rauda erläutert, würden Fördermittel nur ausgereicht, wenn sich die Maßnahmen durchgehend von der Quelle bis zur Mündung erstrecken.

Bereits bestehende Strukturen nutzen, wie etwa den Wasser-Abwasser-Zweckverband, oder eine neue Organisationsstruktur schaffen, das war die Frage. Mit Frank Steinwachs (CDU) stand der Runde dazu ein Berater zur Verfügung. 22 Jahre lang war er Bürgermeister von Zeulenroda-Triebes. Jetzt unterstützt er als Berater das im Oktober vergangenen Jahres ins Leben gerufene und beim Thüringer Innenministerium angesiedelte Zentrum für interkommunale Kooperation.

Die vielfältige Anlieger­gemeinschaft in diesem großen Flächenterritorium unter einen Hut zu bringen, sei eine „sehr anspruchsvolle“ Aufgabe, formulierte der Bürgermeister im Ruhestand sehr zurückhaltend, was die aktiven Kommunalpolitiker und Verwaltungsmitarbeiter als große Hürde ansehen. Für die Gründung eines Zweckverbandes zum Beispiel, nur eine von mehreren diskutierten Möglichkeiten der gemeinsamen Aufgabenerfüllung, bedürfe es zustimmender Beschlüsse aus jeder einzelnen Kommune. Die Einsicht in die Notwendigkeit, in Sachen Hochwasser weiträumiges Denken zuzulassen, sei das A und O, lehnte Wolfgang Fiedler Zögerlichkeiten strikt ab. Auch Frank Steinwachs ermunterte zu schnellem Handeln. „Das Entscheidende ist der formelle Antrag. Zurückziehen kann man immer. Die Antragstellung sofort auf den Weg bringen und die Beschlüsse zügig nachliefern“, hieß seine Empfehlung, sich die Chance auf Fördermittel zu sichern.

Trotz mancher Skepsis herrschte am Ende Einigkeit, den Weg zu einer interkommunalen Kooperation auf rechtlich sicherer Basis zu gehen. Als erster Schritt wurden Zweckvereinbarungen skizziert und zwar mit der Stadt Stadtroda, deren Bürgermeister, dieses Mal wegen Urlaub von Bauamtsleiter Frank Herzig vertreten, die Übernahme der Federführung zugesagt hatte. Alle Partner übernahmen Einzelaufgaben, etwa Kontakte zu Fachbüros und der Thüringer Aufbaubank herzustellen oder gute Erfahrungen inklusive Unterlagen aus den eigenen Häusern zur Verfügung zu stellen.

Nachdem man nun eine Strategie habe, sei jetzt der Zeitpunkt, die Bürgermeister in Verwaltungsgemeinden und Erfüllenden Gemeinden umgehend zu informieren in den Städten die Fachausschüsse und intensiv mit der Aufklärungsarbeit über die existenzielle Bedeutung des Anliegens zu beginnen, verlangte Wolfgang Fiedler abschließend.

Das nächste Treffen für den von ihm initiierten Aktionskreis wurde für den 30. September festgelegt.

Quelle: otz.de