Vom Hochwasser gebeutelte Erfurter bangen um ihre Kleingärten

Veröffentlicht: September 5, 2013 von fluthelfer in Thüringen

Erfurt. Die Stimmung ist schlecht in drei Erfurter Kleingartenvereinen. Der Vorschlag der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie, für den Hochwasserschutz die erste Reihe der Gärten am Fluss rückzubauen oder zu verkleinern, verhagelt die Spätsommerlaune.

„Bei uns ist Chaos“, sagt Ines Dörig, die dem Verein Hochheim vorsteht. „Die Informationspolitik ist miserabel. Wir erfahren nur aus den Medien von den Plänen. Und die sind weder logisch noch nachvollziehbar.“

Die Anlage bestehe seit 99 Jahren. „Ich habe allein drei Überflutungen erlebt. Wenn das Wasser weg ist, nehmen wir die Schippe in die Hand. Sechs Wochen später sind die Gärten wieder in Ordnung.“ Die Landesanstalt habe im November 2012 versprochen, dass die Gärten bleiben könnten, wenn die Uferbereiche aufgeräumt würden. „Das haben wir getan.“

Marcel Glebe von der Landesanstalt für Umwelt widerspricht: “ Unser Erstkonzept sah vor, die Uferbereiche zu räumen, Komposthaufen zu beseitigen. Dann die entsprechenden Parzellen, wenn das Land sie von der Stadt Erfurt erworben hat, nach und nach leerzuziehen.“ Doch das sei so nicht gewollt, verweist er auf Gespräche mit dem Stadtverband der Kleingärtner.

„Wir haben mit den Vorsitzenden der drei Anlagen gesprochen“, bestätigt Eberhard Schindler, Vizechef des Stadtverbands, „Es wird wohl im Prinzip so kommen, dass Gärten aufgegeben werden müssen. Aber wir möchten mehr wissen, auch über zeitliche Abläufe. Wann soll was geschehen?“ Noch seien die Flächen Eigentum der Stadt. Wenn am 17. September der Kleingartenbeirat tage, seien Vertreter der Stadt anwesend und der Fraktionen. „Ein wichtiger Termin, auch wenn der Beirat keine Entscheidungsbefugnis hat.“ Der Stadtverband wolle nicht, dass einzelne Vereine mit der Landesanstalt verhandeln. So werde das Chaos nur größer. Es seien Entschädigungssummen für Pächter zwischen 5000 und 15.000 Euro im Gespräch.

„Wir könnten sehr schnell Gelder auszahlen, wenn das Rechtliche geklärt ist“, bestätigt Marcel Glebe. „Aber die genannten Summen stammen nicht von uns.“ Es seien wohl Erfahrungswerte. Es gebe einen Schätzkatalog.

Der Stadtverband könnte sich vorstellen, dass die Gärten bewertet und die Pächter ausgezahlt werden. „Und dass sie dann für die weitere Nutzung der Gärten bis zu einem späteren Abriss Miete zahlen“, sagt Eberhard Schindler.

Das sei nicht im Sinn des Hochwasserschutzes, so Glebe. „Wir wollen dort sehr schnell Schutzmaßnahmen veranlassen.“ Dazu gehöre auch, den immer wieder abrutschenden Bachstelzenweg auf die andere Gera-Seite zu verlegen, die Uferzonen abzuflachen und dem Wasser Raum zu geben.

Er habe in den letzten Wochen mehrere Anrufe von Kleingärtnern bekommen, die bereit seien, ihre Gärten am Wasser aufzugeben. Doch Glebe will nicht der Buhmann sein. „Die Stadt muss sagen, was sie will. Noch besitzt sie die Flächen.“ Er, Glebe, vertrete die Fachbehörde – und die unterbreite fachliche Vorschläge. „100.000 Leute in Erfurt hätten was vom Hochwasserschutz“, sagt er. „Etwa 50 müssten ihre Gärten hergeben.“

Vereinschefin Ines Dörig meint: „Wenn die erste Reihe weg wäre, würde sich nichts ändern. An dieser Stelle gibt es immer wieder Hochwasser. Das Wasser muss in jedem Fall unter der Bahnbrücke durch, es sei denn, man trägt die Brücke ab.“ Ihr Vorschlag an die Landesanstalt lautet: „Lasst unsere Anlagen, wie sie sind. Pflegt endlich die Uferbäume. Und legt nachvollziehbare Pläne vor.“ Für politische Entscheidungen ist der Beigeordnete Uwe Spangenberg zuständig, der wiederum dem Stadtrat Rede und Antwort stehen muss. Spangenberg ist derzeit im Urlaub. Man sei sich der Tragweite des Themas bewusst, hieß es heute Mittag aus seinem Dezernat. Termine zu Gärten

  • Am Samstag treffen sich 11 Uhr betroffene Kleingärtner intern in Hochheim an der Trafostation.
  • Am 17. September tagt der Kleingartenbeirat.
  • Am 18. September bietet Marcel Glebe von der Umwelt-Landesanstalt eine Führung in der nördlichen Gera-Aue an. Treffpunkt ist 16 Uhr an der „Entenbrücke“ oberhalb der Straße der Nationen.

 

Quelle: thueringer-allgemeine.de

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