Vattenfall: Hochwasserschutz hat Vorrang vor Profitinteresse

Veröffentlicht: September 4, 2013 von fluthelfer in Thüringen

Talsperren-Betreiber Vattenfall wehrt sich gegen Behauptungen, im Frühjahr zu viel Wasser in den Stauseen zurückgehalten zu haben, um mehr Strom verkaufen zu können. Genau das Gegenteil ist der Fall gewesen.

Saalburg. Seit dem zurückliegenden Frühjahrshochwasser sieht sich der Stromversorger und Talsperren-Betreiber Vattenfall immer wieder mit Vorwürfen konfrontiert, Hochwasserschutzraum den Profitinteressen unterzuordnen. Diesem Verdacht tritt Vattenfall jetzt abermals energisch entgegen.

 

Die verschiedentlich geäußerte Behauptung, wonach Vattenfall ein Interesse daran habe, bei der Bewirtschaftung der Talsperren Bleiloch und Hohenwarte möglichst viel Wasser zurückzuhalten, um möglichst lange möglichst viel Strom erzeugen zu können, wird als unzutreffend zurückgewiesen. Unternehmenssprecher Lutz Wiese zählt die Rangfolge auf, mit der in der Betriebserlaubnis die Nutzung der Talsperren eindeutig festgelegt ist. An erster Stelle steht hierbei der Hochwasserschutz, gefolgt von der Bereitstellung von Mindestwasser „zur stetigen Bewässerung des Flussbettes hinter der Stauanlage und damit der Sicherung und dem Erhalt von Flora und Fauna im Flussbett der alten Saale“. Erst an dritter Stelle steht die Energieerzeugung.

 

Der durch die Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG) vorgegebene Hochwasserschutzraum der Saalekaskade liege im Sommer bei 35 Millionen Kubikmetern, nennt Wiese die Fakten. „Tatsächlich waren zu Beginn des einsetzenden Hochwassers 44,5 Millionen Kubikmeter an Hochwasserschutzraum verfügbar“, verweist der Unternehmenssprecher auf die Daten vom 26. Mai dieses Jahres. „Das waren 27 Prozent mehr als gefordert“, so Wiese. Damit würden Aussagen widerlegt, wonach Vattenfall möglichst viel Wasser in seinem Staubecken für die Energieerzeugung zurückhalte.

Die normale Wasserabgabe an die Saale wird innerhalb der Saalekaskade über die Turbinen im jeweiligen Kraftwerk abgefahren und somit Energie aus „Laufwasser“ erzeugt. „Durch das Hochwasser ist allerdings ein großer Teil des Wassers nicht durch die Turbinen, sondern durch die Grundablässe bzw. über die Wehrklappen abgeflossen“, erinnert Wiese an die teils spektakulären Ereignisse Anfang Juni. „In diesem Fall ist das Wasser energetisch verloren. Durch den gezielten Einsatz der Anlagen für den Hochwasserschutz entstanden Vattenfall dann entsprechende Produktionsausfälle“, verweist der Sprecher auf die Folgen. Davon betroffen seien auch jene Anlagen gewesen, die nicht direkt vom Hochwasser getroffen wurden. Lutz Wiese: „So haben wir das Oberbecken von Hohenwarte II komplett gefüllt und damit die Hochwassersituation um weitere drei Millionen Kubikmeter Wasser entschärft.“

Der Vattenfall-Sprecher tritt zudem Behauptungen entgegen, wonach die aktuelle Regelung beim Hochwasserschutz zwangsläufig zum Versagen des Hochwasserschutzes im Ernstfall führe. „Diese pauschale Aussage ist falsch“, kontert Lutz Wiese und betont: „Vielmehr haben gerade die Talsperren ihren Zweck als Hochwasserschutzorgane unter Beweis gestellt. So hat das Pumpspeicherwerk Bleiloch die Überflutung des darunter gelegenen Ortes Ziegenrück nachweislich verhindern können.“ Noch einen Fakt führt Wiese ins Feld, den Laien und selbst ernannte Experten offenbar immer wieder außer Acht lassen. Demnach wurde durch das Hochwasser im Frühjahr mehr Wasser in die Saalekaskade eingebracht, als über das Laufwasserkraftwerk Eichicht, dem letzten Kraftwerk in der Saalekaskade, in die freie Saale abgegeben wurde. So hielt Vattenfall Wasser in dem Stauseesystem zurück und hat auch hierdurch zum Hochwasserschutz der so genannten Unterliegergemeinden beigetragen. Jedoch gibt es unterhalb der Talsperren weitere Zuläufe, die zum Teil in wesentlich größerem Umfang zu der Hochwassersituation in den Unterliegergemeinden, zum“Beispiel Jena und Halle, geführt haben. „Aus der Saalekaskade sind in Spitzenzeiten 150 Kubikmeter pro Sekunde Wasser abgegeben worden, in Halle sind allerdings nach den uns vorliegenden Informationen mehr als 800 Kubikmeter pro Sekunde geflossen“, lässt Lutz Wiese Zahlen für sich sprechen.

Quelle: otz.de

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