Die Millionenliste der Deich-Schäden

Veröffentlicht: September 3, 2013 von fluthelfer in Hochwasserfolgen

Die Schäden an Deichen, Schleusen, Schöpfwerken sowie Wehr- und Sielanlagen belaufen sich nach dem Juni-Hochwasser auf 260 Millionen Euro. Erste Sanierungen sollen 2015 abgeschlossen sein. Die Länder wollen dafür stärker zusammenarbeiten.

 

Die Liste ist lang, sehr lang. 250 einzelne Punkte hat der Landesbetrieb für Hochwasserschutz (LHW) zusammengetragen. Mit dieser Liste soll nun Geld aus dem Acht-Milliarden-Euro-Fluthilfefonds von Bund und Ländern beantragt werden. Von 5 000 Euro bis hin zu zweistelligen Millionenbeträgen. Insgesamt summieren sich die Schäden an Deichen, Schleusen, Schöpfwerken sowie Wehr- und Sielanlagen auf 260 Millionen Euro. „Das ist zunächst eine Ersterfassung, wir werden in der Planung sehen, wie hoch die Schäden dann wirklich sind“, sagte Burkhard Henning, Direktor des LHW.

Größere Einzelprojekte

Allerdings gibt es mehrere Einzelprojekte, die herausstechen. So schlägt die Sanierung des Elbe-Umflutkanals in Magdeburg mit zehn Millionen Euro zu Buche. Den hatten während der Juni-Flut tausende professionelle und ehrenamtliche Helfer nur mit Mühe und Not verteidigen können. „Da geht jetzt gar nichts mehr, da müssen wir komplett ran“, sagte Henning.

Das gilt auch für den Deichbruch bei Fischbeck (Altmark). Derzeit ist dort eine Spundwand in die Lücke eingebaut, um für ein mögliches Herbsthochwasser gerüstet zu sein. Das wird aber dauerhaft nicht reichen, Henning rechnet damit, dass der Deich auf acht Kilometern Länge komplett saniert werden muss. Dafür sind Kosten von rund zehn Millionen Euro veranschlagt.

2,6 Millionen Euro für Gimritzer Damm

Doch auch im Süden Sachsen-Anhalts hat das LHW große Schäden an den Deichen festgestellt. So soll der Hochwasserschutz rund um Zeitz (Burgenlandkreis) für 5,8 Millionen Euro verbessert werden. „Das ist eine extrem aufwendige Maßnahme“, sagte Henning. Auch der Neubau des Gimritzer Damms in Halle steht mit 2,6 Millionen Euro auf der Liste. Den wollte Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) schon selbst bauen, wurde aber nach langem Streit mit dem Land vom Verwaltungsgericht gestoppt.

Allerdings geht es nicht um eine einfache Schadensregulierung. „Es muss danach besser, nicht nur geflickt sein“, sagte Henning. So sei der Landesbetrieb auch beim Hochwasser 2002 vorgegangen – mit Erfolg. Laut Henning sei keiner der in den vergangenen elf Jahren sanierten Deiche bei dieser Flut gebrochen. Zudem sollen die Investitionsmittel für den Hochwasserschutz von rund 40 Millionen Euro jährlich mit der Schadensregulierung verzahnt werden.

Priorität genießen zunächst diejenigen Projekte, bei denen die Planung schon vor der Flut weit fortgeschritten war. Dazu gehört der Deich bei Groß-Rosenburg (Salzlandkreis), der Gimritzer Damm in Halle und der Deich bei Fischbeck. Der soll, wenn alles gut geht, 2015 fertig sein. Die meisten Projekte werden aber etwas länger dauern. Nach der Flut 2002 wurden die letzten Fördermittel des Bundes für die Schäden an Deichen im Jahr 2010 verbaut. Das LHW will auch die bis 2020 laufende Hochwasserschutzkonzeption bis Anfang des nächsten Jahres überarbeiten.

Abstimmung erforderlich

Die Umweltminister der Länder haben sich unterdessen auf einer Konferenz in Berlin darauf geeinigt, ein nationales Hochwasserschutzprogramm bis zum Herbst 2014 auszuarbeiten. Darin sollen die einzelnen Maßnahmen besser aufeinander abgestimmt werden. „Die Neigung zu Länderegoismen nimmt ab“, sagte Sachsen-Anhalts Umweltminister Hermann Onko Aeikens (CDU). Die Länder fordern zudem die Bundesregierung auf, den Förderanteil beim Binnenhochwasserschutz von 60 auf 70 Prozent zu erhöhen. Der Bund soll auch insgesamt mehr Geld investieren. „Was wir im Sommer erlebt haben, hat auch den letzten wachgerüttelt, dass beim Hochwasserschutz nicht gespart werden darf“, sagte Aeikens.

Auch das Baurecht in Hochwassergebieten soll verschärft, die Verfahren zur Genehmigung von Deichbauten beschleunigt werden. Die Umweltminister haben die Justizministerkonferenz aufgefordert, Vorschläge auszuarbeiten, wie die Versicherungsquote erhöht werden kann. Auch ein Zwang ist im Gespräch.

Quelle: mz-web.de

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