Antragsflut in Greiz verärgert Hochwasser-Opfer

Veröffentlicht: September 3, 2013 von fluthelfer in Thüringen

Betroffene sehen sich mehrseitigen Antragspapieren gegenüber und müssen pro Gewerk drei Kostenvoranschläge einholen. Wann das Geld kommt, ist ungewiss.

Greiz. 80 000 Euro Schaden hat ein Greizer Unternehmer durch das Hochwasser zu beklagen, geschäftlich und privat. 44 Zentimeter hoch stand das Wasser in den Räumen, hinterließ zerstörte Möbel, Fußböden, Heizung usw. Nachdem mit der Soforthilfe unbürokratisch und schnell geholfen wurde, der Mann auch in den Genuss von Spenden kam, verzweifelt er jetzt an den Anträgen, die ihm den Weg zur staatlichen Finanzspritze ebnen sollen. Neun Seiten allein für das Wohngebäude muss der Greizer ausfüllen.

 

„Das Traurige ist, dass man durch die Hochwasserschäden ohnehin schon einen Haufen Arbeit hat, die man sonst nicht hätte“, sagt der Geschäftsmann, der lieber anonym bleiben will, weil er fürchtet, in Greiz falsch verstanden zu werden. So betont er: „Ich bin dankbar für die Hilfe.“ Doch was von den Flutopfern jetzt, drei Monate nach dem schlimmen Ereignis, verlangt werde, sei schlichtweg „eine Katastrophe“.

 

Hat man sich durch den Antrag gequält, erwartet die Betroffenen eine weitere Aufgabe. „Pro Gewerk müssen drei Kostenvoranschläge eingeholt werden“, berichtet der Greizer und zählt durch: „Heizung, Fuß­boden, Trockenbau, Maler, Tischler, Fenster, Maurer – sieben Gewerke, also 21 Kostenvoranschläge“, sagt er kopfschüttelnd. Nicht nur für die Flutopfer, auch für die Handwerker sei das ein „Wahnsinnsaufwand“. „Das macht ihnen sicher keine große Freude, zumal die Chance, den Auftrag zu bekommen, ja nur bei 33 Prozent liegt“, so der Greizer.

Die Handwerker scheinen es gelassen zu nehmen, zumindest seien der Handwerkskammer bislang keine Klagen zu Ohren bekommen. Pressesprecher André Kühne ist zwar auch der Meinung, dass sich der Aufwand für die Handwerker erhöht, aber Voranschläge gehörten nun mal zum Tagesgeschäft, „lästig, aber notwendig“, so Kühne.

 

So ähnlich sieht es Heiko Geßner, Prokurist der Hahn Elektroanlagen GmbH aus Greiz, bei dem jedoch nicht allzu viele Kostenschätzungen angefordert wurden. Kurz nach dem Hochwasser ging es darum, dass alles möglichst schnell möglichst normal wieder läuft. Mit seinen Kunden habe es keine Schwierigkeiten gegeben, was auch von der Firma Malz Klempnerei, Heizung, Elektro berichtet wird, auch wenn hier manche Kunden ein wenig länger als gewöhnlich auf den Voranschlag warten mussten – nach dem Hochwasser sind Handwerker gefragt wie selten.

 

Genau deshalb ärgert sich das Greizer Flutopfer über die Drei-Voranschlags-Regelung. Ihn treibt aber noch eine andere Frage um: „Wann kommt das Geld?“ Vor Ende Oktober, Anfang November – frühestens – rechnet er nicht damit. Doch bis dahin möchte zumindest die Heizung laufen. „Ich bin also gezwungen, einen Kredit aufzunehmen, was ich nicht wollte. Ich bin nochmal gestraft“, ärgert er sich. Sinnvoller hätte es der Greizer gefunden, wenn vereidigte Gutachter die Schäden registriert hätten und anhand der Ergebnisse die Auszahlung erfolgt wäre. Hinter der umständlichen Variante, die jetzt greift, vermutet der Geschäftsmann eine Strategie: „Der Aufwand ist so hoch, dass diejenigen, die nur einen geringen Schaden haben, gar nicht erst einen Antrag stellen.“

Quelle: otz.de

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s