Fleischerei Stötzner in Gößnitz gibt trotz Totalschaden nach Hochwasser nicht auf

Veröffentlicht: September 1, 2013 von fluthelfer in Thüringen

Die Hochwasserkatastrophe in Gößnitz bescherte der Fleischerei Stötzner Totalschaden. Ans Aufgeben dachte Inhaberin Katrin Schmidt indes nie ernsthaft. Im Oktober will sie das Familien-Geschäft wieder öffnen.

Gößnitz. „Kommt doch rein in die Ruine“, sagt Kathrin Schmidt. Ironisch gemeint ist diese Begrüßung nicht. Das wird ihren Berufskollegen von Landesinnung des Thüringer Fleischverbandes, der Freien Fleischerinnung Altenburger Land oder der hiesigen Kreishandwerkerschaft schnell klar, als sie den Laden der Familie Stötzner in der Gößnitzer Bahnhofstraße betreten. Stippvisite unter Kollegen nach der Hochwasserkatastrophe sozusagen.

„Totalschaden“, sagt Kathrin Schmidt, die das Familienunternehmen der Stötzners in vierter Generation – und als erste Frau – führt. Und den Totalschaden erkennt selbst ein Laie. Der Putz fehlt an den Wänden aus Ziegelsteinen, aus dem Erdreich ragen Rohre, Kabel und Drähte. Es gibt keinen Strom, keinen Festnetzanschluss fürs Telefon. Mehrere Wochen lang mussten die Trockner laufen – ohne Unterbrechung. Dass hier bis zum 1. Juni täglich rund 700 Kilo Wurst pro Woche hergestellt und verkauft wurden, daran erinnern eigentlich nur noch die gläserne Decke und die grün-weißen Fliesen an den Wänden im einstigen Verkaufsraum. Beides gehört zu den wenigen Dingen, die heile geblieben sind in der Hochwasserflut und die in den Wochen danach nicht durch den Gutachter verworfen werden mussten.

Schadlos überstanden hat die Katastrophe auch die geflieste Wand im ältesten Teil des Hauses, da wo sonst die Wurst gemacht wird. Dieser Raum entstand um1906 und damit zu Zeiten von Kathrin Schmidts Urgroßvater. Damals arbeitete man noch ohne Trockenbau. weshalb dieser Teil in der Fleischerei Stötzner heute zu den wenigen im Haus gehört, wo keine Wand vollgesogen ist mit Pleiße-Wasser, deren Material nicht aufquillt und die nicht herausgenommen werden musste. Der Gesamtschaden im Geschäft der Stötzners beläuft sich auf gut und gerne 400 000 Euro.

Gegenwärtig werden die Maschinen repariert, einige weitere müssen neu gekauft werden. Das steht seit vergangener Woche fest. Seit Anfang August befand sich der gesamte Maschinenpark in einem Chemnitzer Unternehmen und wurde für die Versicherung begutachtet. Praktisch jede einzelne Schraube, jede Dichtung wurde angeschaut, um festzustellen, ob sie durch das Hochwasser kaputt gegangen ist oder nicht. Für Neubeschaffung oder Reparatur wird nun noch einige Zeit ins Land gehen. Dabei will Kathrin Schmidt ihren Laden am 6. November wieder öffnen. „Erst war ja September das Ziel, dann der Oktober“, erzählt die 41-Jährige. Doch nach ihren ersten Erfahrungen, die sie als Hochwasser-Opfer mit Versicherungen, Ämtern und Behörden sammeln musste, korrigierte sie das ehrgeizige Unterfangen nun auf November. So musste die Unternehmerin beispielsweise einen Nachweis erbringen, dass ihre Mitarbeiter in den Zeiten vor dem Hochwasser regelmäßig Lohn bekamen. „Sonst mache ich Wurst. Nun muss ich mich mit all diesen Verwaltungsdingen beschäftigen und mitunter sogar nachweisen, dass ich mich an der Situation jetzt nicht bereichern möchte“, erzählt Kathrin Schmidt.Von bereichern kann indes keine Rede sein. Zwar ist die Fleischerei gut versichert unter anderem auch bei einer Betriebsunterbrechung. Aber angesichts des Umfanges der zu stemmenden Aufgaben, wird es wohl Abstriche geben müssen.

Den Laden gar nicht mehr zu öffnen nach der Katastrophe vom 2. Juni stand für Kathrin Schmidt und ihre Familie nie ernsthaft zur Debatte. „Dafür mache ich viel zu gerne Wurst“, sagt sie und lacht. Und eine weitere wichtige Information für all ihre Kunden hat sie auch noch: „Die roten Bonuskarten konnten komplett gerettet werden.“

 

Quelle: otz.de

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