Trotz über 100.000 Euro Hochwasser-Schaden: Aufbruchszeichen aus Firma in Gößnitz

Veröffentlicht: August 30, 2013 von fluthelfer in Thüringen

Das Hochwasser hinterließ auch in der Gößnitzer Firma für Stahlrohrmöbel seine Spuren und der Produktionsausfall wirkt bis heute nach. Doch der Lärm in der Halle sendet gute Signale. Landeshilfe haben die Gößnitzer noch nicht bekommen, der Antragsaufwand macht zu schaffen.

Gößnitz. Die Funken sprühen wieder am Arbeitsplatz von Steven Kretzschmar aus Hainichen. Und in der 6000 Quadratmeter großen Maschinenhalle der Firma Stahlrohrmöbel Gößnitz herrscht auch wieder dieser optimistisch stimmende Lärm, den Produktion verursacht. Für Geschäftsführer Christoph Martsch nach dem Hochwasser und überhaupt in dieser Zeit ein Zeichen, dass es vorwärts geht.

Man sei noch ganz glimpflich davon gekommen, aber noch mal passieren darf das nicht, sagt Martsch im Gespräch mit Landrätin Michaele Sojka (Linke) vor Ort. Linke-Bundestagsabgeordneter und wieder Kandidat Frank Tempel ist auch dabei. Es ist Wahlkampf.

Man wolle sich informieren über die Situation nach der Flut in Gößnitzer Betrieben, Hilfe anbieten, betont Sojka. Und Martsch hat die Schäden aufgelistet. Um die 100″000 Euro kommen zusammen. Allein im Stofflager seien es 19″000 Euro, auch seien Beschichtungspulver und Metallfertigteile vernichtet. Zwei Paletten Blech sind angerostet. Der neue Fußboden splittert ab. Im Musterkeller habe es die Schweißvorrichtungen und Nullserien erwischt, so Martsch. Das Wasser sei in über einem Meter Höhe angekommen und habe dann 20 Zentimeter hoch in der Produktionshalle gestanden. Da sei viel Angst gewesen um die fünf bis sechs Millionen Euro teuren Maschinen. Zwei Tage hat die Mannschaft die Folgen beseitigt, der Produktionsausfall wirkt bis heute nach.

Denn die Stahlrohrmöbel-Macher haben gefüllte Auftragsbücher. 8,5 Millionen Euro Jahresumsatz und 63 Mitarbeiter zählt die eigenständige Firma, die zur Stechert-Unternehmensgruppe gehört. Pro Jahr werden 50″000 Stühle, 20″000 Tische produziert, hinzu kommt die Lohnfertigung für andere Hersteller. 60 Prozent des Umsatzes macht die Gößnitzer Stahlrohrmöbel GmbH durch Aufträge der Bundeswehr. Europaweit sei man tätig, Konstruktionsteile aus Gößnitz stehen in der Philharmonie Paris, so Martsch stolz. Aber nicht nur die Stadien in Meuselwitz und Luzern haben die Gößnitzer bestuhlt. Ihre Stadion-Stuhl-Idee ist auch nach Brasilien verkauft worden. Ein Prototyp steht in der Ausstellung des Unternehmens. Landrätin Sojka probiert ihn aus – Brasiliengefühl in der Pleißestadt. Doch um die Spezialitäten der Gößnitzer, die vom Holzschalenstuhl über die Stadionbestuhlung bis zu Drehstuhl und Bürobestuhlung reicht, geht es fast nur nebenbei.

Dass die Firma noch keine Soforthilfe ausgezahlt bekam, verwundert. Die Beantragung endet diesen Monat. Martsch habe eine Fristverlängerung bekommen, um den Antrag dafür zu vervollständigen, sagt er. Es sei ein immenser Aufwand, um alle geforderten Unterlagen für die Beantragung zusammenzubekommen. Eine Pauschalsumme und anschließende Prüfung sei schneller wirksam, findet Martsch. Ein Unternehmer habe auch nicht immer 100-prozentige Sicherheit und müsse Risiken einrechnen, schiebt er nach.

Und offenbar stiftete das Hin und Her über die Höhe und Vergabe der unterschiedlichen Hilfsgelder viel Verwirrung. „Die Soforthilfe beträgt 50 Prozent der förderfähigen Ausgaben bis zu einer Summe von maximal 100 000 Euro. Die Aufbauhilfe leistet 80 Prozent ohne Deckelung“, so Olaf Rühmeier, Pressesprecher der Thüringer Aufbaubank. Mit der Soforthilfe sollten Kosten für die Beseitigung der Schäden oder Reparaturen oder die Wiederbeschaffung von vernichteten Lagerbeständen geregelt werden.

Für den Antrag auf Aufbauhilfe hat der Unternehmer noch etwas Zeit. Bis Ende Juni 2015 muss er belegen, was das Hochwasser zerstörte und was er ersetzen oder neu investieren musste, um weiter produzieren zu können. Die bis dann gezahlte Soforthilfe wird natürlich eingerechnet. Doch dazu muss er sich durch Rechnungen und Belege wühlen und gegebenenfalls Gutachter bestellen. Da scheint der bürokratische Aufwand entgegen anderer Versprechen dann doch ziemlich groß.

Quelle: otz.de

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