Hochwasserschutz besiegelt Freibad-Aus

Veröffentlicht: August 30, 2013 von fluthelfer in Hochwasserschutz, Sachsen

Dem Zschopauer Stadtrat wurde eine Liste mit zehn Vorhaben zur Flutschadensbeseitigung vorgestellt. Allein 1,49 Millionen Euro sollen ins Badgelände fließen.

Zschopau. Um die Schäden nach dem Frühjahrs-Hochwasser und dem wenige Tage später niedergegangenen Unwetter an der öffentlichen Infrastruktur in Zschopau zu beseitigen, sind reichlich 2,67 Millionen Euro nötig. Das hat das Bauamt der Stadtverwaltung ausgerechnet. Eine Liste mit zehn Maßnahmen stellte Bauamtsleiterin Kerstin Buschmann am Mittwochabend dem Stadtrat vor.

Das vom Umfang größte und zugleich umstrittenste Projekt ist die Offenlegung des verrohrten Gansbaches im Badgelände. Der Bach hatte nach Starkregen sein Bett verlassen, die Becken geflutet und die Traversen in Mitleidenschaft gezogen. Als Buschmann die Baukosten auf 1,49 Millionen Euro bezifferte, ging ein Raunen durch die Besucherreihen. „Für das Geld könnten wir doch gleich das Freibad sanieren“, flüsterte jemand. Für einige Abgeordnete hörte sich das Projekt so an, als wolle die Stadt vollendete Tatsachen schaffen und damit eine eventuell später mögliche Sanierung des Bades ausschließen. Dass der verrohrte Zulauf, der einst die Becken speiste, offengelegt werden soll, sah BFW-Fraktionschef Frieder Meyer als Widerspruch zur Bekundung des Stadtrates, dass die Freizeitstätte erhalten bleiben soll: „Für mich stellt sich das konträr dar.“ Otmar Müller (FDP) beklagte, dass sich der Ratsbeschluss, das Bad nicht abzureißen und demzufolge zu erhalten, nicht im aktuellen Haushalt widerspiegele.

Oberbürgermeister Klaus Baumann (CDU) bestritt, den Ratsbeschluss mit dem Abbruch der Gansbach-Verrohrung umgehen zu wollen. Schließlich müsse man zuerst den Hochwasserschutz gewährleisten. Nach der jüngsten Flut liege es ohnehin nahe, dass es für die Einrichtung keine Baugenehmigung mehr geben wird, fügte er hinzu.

Zuvor hatte Buschmann erklärt, dass nach dem Hochwasser nur ein Rückbau des Freibades konsequent sei: „Eigentlich müssten wir das Gelände an die Zschopau zurückgeben, weil es Schwemmland ist.“ Gegenüber „Freie Presse“ bestätigte sie, dass mit der Offenlegung des Gansbaches das Bad nicht mehr an dieser Stelle saniert werden könne.

Vor dem Stadtrat dämpfte sie Erwartungen, wonach Zschopau wie die Stadt Leisnig (Mittelsachsen) für die Badsanierung in den Genuss von Fördermitteln kommen könnte. Auf das Beispiel aus dem Nachbarlandkreis hatte die Freibad-Bürgerinitiative auf ihrer Internet-Seite verwiesen. Mitstreiter Frank Heyde bat Baumann zu prüfen, ob sich die Leisniger Erfahrungen auf die Motorradstadt übertragen ließen.

Theoretisch könne Zschopau zwar das Sanierungsgebiet für das Förderprogramm „Stadtumbau Ost“ auf ein Gebiet mit dem Bad und etwa dem Zweigwerkufer erweitern. Allerdings sei es schwierig, Entwicklungsziele zu definieren. Neben der Badsanierung müsste es im Flussgebiet gleichzeitig um den Rückbau von Gebäuden gehen. Das passe nicht zusammen, sagte Buschmann gestern der „Freien Presse“.

Vor dem Stadtrat machte sie am Mittwoch deutlich, dass die Situation von Leisnig nicht mit der von Zschopau vergleichbar sei. Die nächsten Bäder im Umfeld der 8700 Einwohner zählenden Stadt Leisnig mit 40 Ortsteilen befinden sich 12, 17 und 18 Kilometer von der Kommune entfernt. „Dagegen gibt es bei Zschopau im Umkreis von zehn Kilometern allein sieben Bäder“, so Buschmann. Das Leisniger Freibad befinde sich zudem schon mehr als 15 Jahre im Fördergebiet der Stadt.

Die Liste mit den Zschopauer Vorhaben ist laut Bauamtsleiterin inzwischen vom Landkreis geprüft und bestätigt worden. Der Gesetzgeber räumt die Möglichkeit einer 100-prozentigen Förderung ein.

Bauvorhaben im Umfang von 2,76 Millionen Euro

Zschopau hat neben der Offenlegung des Ganzbaches im Badgelände (1,49 Millionen Euro) vom Kreis neun weitere Projekte bestätigt bekommen:

 

Gewässerausbau Gräbelbach (10.000 Euro), Einlaufbauwerk und Durchlass Stadtgutbach (309.400 Euro), Sportanlage Sandgrube (408.900 Euro), Wasserstraße Krumhermersdorf (80.100 Euro), Uferweg (18.000 Euro), Wasserweg und Weg zur Bodemerkanzel (47.600 Euro), Wurzelweg (188.600 Euro), Brücke über den Nesselbach und Bachlauf am Freibad Krumhermersdorf (209.440 Euro), Altbergbauanlage „Heilige Dreifaltigkeit“ (3800 Euro).

Quelle: freiepresse.de

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