Flut 2013: Vom Hochwasser betroffene Ärzte wollen ihre Praxis wieder eröffnen

Veröffentlicht: August 30, 2013 von fluthelfer in Grimma

Grimma – Die Situation in den Anfang Juni vom Hochwasser betroffenen Gebieten hat sich entspannt: Schutt und Schlamm wurden vielerorts weggeräumt, Arztpraxen und Geschäfte öffnen wieder, Gelder zum Wiederaufbau fließen. Auch in der 30.000 Einwohner zählenden sächsischen Stadt Grimma, die nach 2002 schon zum zweiten Mal stark von der Flutkatastrophe betroffen war, geht es weiter, wie zwei niedergelassene Ärzte dem Deutschen Ärzteblatt berichten.

„Es sind enorm viele private Spenden eingegangen. Die Hilfsbereitschaft  war einfach großartig“, sagt Arne Drews. Diese Spenden seien über die Stadt oder die Kirchengemeinden  an von der Flut stark betroffene und hilfsbedürftige Menschen verteilt worden, sofern sie nicht ganz konkret für eine bestimmte Einrichtung, bestimmt gewesen seien. Der in Grimma niedergelassene Internist und Arbeitsmediziner zählte nicht dazu. Denn er hatte Glück: Seine Praxis im ersten Stockwerk war nicht direkt betroffen.

Glücklicherweise sei diesmal die Flut langsam gekommen, und die Behörden hätten die Bevölkerung rechtzeitig informieren können, erzählt Drews: „So hatten wir noch Zeit, alle wichtigen Unterlagen aus dem Keller, in dem wir Patientenakten und Röntgenbilder aufbewahren, nach oben zu tragen.“ Auch die Apotheke, die sich im Erdgeschoss des Hauses befindet, wurde in Eigeninitiative in die Praxisräume des Arztes evakuiert. Nach drei Tagen ohne Strom konnte die Praxis von Drews bereits am 6. Juni wieder ihren Betrieb aufnehmen.

Stark betroffen war hingegen Andreas Nolopp. Die Praxis des Gastroenterologen in der Altstadt von Grimma stand nun schon das zweite Mal unter Wasser. Doch während 2002 dort das Wasser bis unter die Decke reichte, waren diesmal die Wände nur im unteren Bereich  nass geworden, auch der nach 2002 geflieste Fußboden hat gehalten. „Ich denke, dass ich Mitte September die Praxis wieder eröffnen kann“, erzählt Nolopp optimistisch.

Computer und Endoskope konnte der Arzt diesmal rechtzeitig in Sicherheit bringen. Dennoch sei der Schaden groß gewesen: „Alle Möbel waren aufgequollen, die Türen verzogen“, berichtet Nolopp. Glücklicherweise habe er nach der Flut 2002 eine Elementarversicherung abgeschlossen. „Ein Freund hatte mir das damals empfohlen, obwohl natürlich keiner gedacht hat, dass es so bald wieder eine Flut geben würde. Mit der Zahlung hat jetzt auch alles gut und zügig geklappt.“ Die Kosten für die Renovierung könne er so decken.

Hilfe hat Nolopp auch von vielen Kollegen bekommen. Seinen Praxisbetrieb konnte er – wenn auch reduziert in einem Raum fortsetzen, den ihm das Krankenhaus in Grimma zur Verfügung gestellt hat. „Viele zu einer Magenspiegelung angemeldete Patienten kamen aber nicht“, berichtet er. Zwar gebe es immer ein „Sommerloch“, doch in diesem Jahr hätten die Menschen vermutlich noch ganz andere Sorgen gehabt.

Den betroffenen sächsischen Ärzten hatte die Sächsische Landesärztekammer schon im Juni günstige Darlehen angeboten. „17 Ärzte haben sich nach dem Hochwasser wegen persönlicher Betroffenheit bei der Sächsischen Landesärztekammer gemeldet. 15 haben die Hilfe in Anspruch genommen“, berichtet Knut Köhler, Sprecher der Kammer. Ein Arzt muss es auch nicht zurückzahlen.

Auch der Weg für die Auszahlung der staatlichen Wiederaufbauhilfen nach der Hochwasserkatastrophe ist jetzt frei. Nachdem der Bundesrat Mitte August die rechtlichen Grundlagen geschaffen und der Verordnung über die Wiederaufbauhilfen aus dem vom Bund und den Ländern getragenen Fonds zugestimmt hatte, beschloss das sächsische Kabinett am 26. August die entsprechenden Landesregelungen.  Nach der „Richtlinie Hochwasserschäden 2013“ können Privatpersonen, Unternehmen und Vereine bis zu 80 Prozent der Schäden ersetzt bekommen. Dabei werden Schäden bis einem Betrag von 5.000 Euro berücksichtigt. Die Anträge auf Zuschüsse können sie bis zum 31. Dezember 2014 stellen.

Nach dem Verteilungsschlüssel stehen Sachsen knapp 29 Prozent der an die betroffenen Länder zu verteilenden Gelder aus dem Fonds zur Verfügung. Das sind rund 1,7 Milliarden Euro. Sachsen hat in den Verhandlungen zudem erreicht, dass es diese Förderung auch für einen Wiederaufbau an anderer, hochwassersicherer Stelle geben kann. Darüber hinaus plant Sachsen, Umsiedlungswilligen mit günstigen Darlehen in Höhe von 20 Prozent des Schadens unter die Arme zu greifen. Gefördert werden Umsiedlungen innerhalb Sachsens.

Dass viele Leute umziehen wollen, beobachten auch Nolopp und Drews. „2002 hatten die Menschen noch viel Elan und haben die Altstadt wunderbar rekonstruiert“, erzählt Nolopp. Doch jetzt werde es in der Altstadt, wo sich auch seine Praxis befindet, wohl Lücken geben werden. „Ich weiß von einigen Geschäftsleuten, die noch an dem Kredit von 2002 zu knabbern haben und jetzt aufgeben“, berichtet er.

Auch Drews erzählt von einem Ausdünnen der Altstadt: „Mietshäuser außerhalb des Flutgebiets gehen jetzt weg wie warme Semmeln. Die einfachen Leute wollen nicht mehr in der Stadtmitte wohnen. Für eine Wohnung außerhalb des Flutgebiets gibt es jetzt 80 Bewerbungen“, weiß er. Die beliebten Ausflugshotels und Restaurants an der Mulde bis Nimbschen oder Höfgen würden vermutlich erhalten bleiben, aber frühestens im Oktober, wohl aber erst im Januar wieder eröffnen können.

Quelle: aerzteblatt.de

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