Archiv für August 29, 2013

„In Notsituationen können wir uns aufeinander verlassen. Deutschland ist eine starke Gemeinschaft.“

Gruppenbild Bundesinnenminister Dr. Hans-Peter Friedrich mit den geehrten Helferinnen und Helfern + Bundesinnenminister Dr. Hans-Peter Friedrich mit den geehrten Helferinnen und Helfern Quelle: Tanja Schnitzler; Bildschön GmbH

Als Würdigung der großartigen Leistung von tausenden von Helfern und Helferinnen bei der Flutkatastrophe im Frühsommer diesen Jahres haben der Bundesminister des Innern und der Bundesminister der Verteidigung gemeinsam die Einsatzmedaille „Fluthilfe 2013“ gestiftet.

Im Vorgriff auf die geplante umfassende Verleihung zeichnete Bundesinnenminister Dr. Friedrich am 24. August 2013 einen kleinen Kreis von 40 Helferinnen und Helfer der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk und der Bundespolizei, sowie Angehörige der Feuerwehr und der fünf großen Hilfsorganisationen DRK, ASB, JUH, MHD und DLRG aus, die sich bei der Zusammenarbeit mit den Bundeskräften besonders hervorgetan hatten. Auch aus dem Kreis der nichtorganisierten Helfer wurden drei Personen geehrt. Sie alle erhielten die Urkunden und Medaillen stellvertretend für alle anderen haupt- und ehrenamtlichen Helfer.

In seiner Ansprache sagte Bundesinnenminister Dr. Friedrich: „Mich hat besonders der Zusammenhalt der Menschen beeindruckt. Die vielen tausenden ehrenamtlichen
Helferinnen und Helfer haben bewiesen: In Notsituationen können wir uns aufeinander verlassen. Deutschland ist eine starke Gemeinschaft.“

Im Vergleich mit der letzten Hochwasserkatastrophe stellte Herr Minister fest: „Wir waren strategisch besser aufgestellt als 2002. Bund und Länder haben eine Vielzahl von Maßnahmen ergriffen, um den Bevölkerungsschutz zu verbessern. Und wir können heute feststellen: Diese Maßnahmen haben gegriffen und dazu beigetragen, dass auf die Flutkatastrophe 2013 – ungeachtet aller persönlichen Tragödien – schnell und effektiv reagiert werden konnte.“

Rückblick: Langanhaltende und ergiebige Niederschläge hatten im Zusammenspiel mit extrem ungünstigen Vorbedingungen zu einer Flutkatastrophe geführt. Das Ereignis übertraf in Ausdehnung und Gesamtstärke sogar noch das Augusthochwasser von 2002 und auch das bisherige Rekord-Hochwasser im Juli 1954.

Bundesinnenminister Dr. Hans-Peter Friedrich übergibt die Einsatzmedaille + Bundesinnenminister Dr. Hans-Peter Friedrich übergibt die Einsatzmedaille Quelle: Tanja Schnitzler; Bildschön GmbH

Annähernd 600.000 Menschen waren von der Flut betroffen, 8 Menschen starben, mindestens 128 Personen wurden verletzt. Die Auswirkungen erstreckten sich auf fast 1.700 Gemeinden. In 56 Landkreisen kam es zum Katastrophenalarm. Vielerorts wurden ganze Innenstädte überschwemmt. Viele Menschen fanden nach ihrer Evakuierung ein Bild der Verwüstung vor. Gebäude, Straßen und Gärten waren vom Schlamm überspült, viele Häuser nicht mehr bewohnbar. Persönliche Erinnerungen für immer verloren.

Der Bund unterstützte die Länder und Kommunen unmittelbar und massiv mit eigenen Kräften. Innerhalb der Bundesregierung koordinierte das Bundesministerium des Innern die Unterstützungskräfte des Technischen Hilfswerks (THW) und der Bundespolizei, das Verteidigungsministerium die Kräfte der Bundeswehr.
Die Bundeskräfte halfen bei der Deichsicherung, bauten Hochwasserstege und
-schutzwände, räumten Verkehrswege frei, bargen Treibgut, beleuchteten Einsatzstellen und halfen beim Transport und bei der Verbauung vom mehreren Millionen Sandsäcken. Die Helferinnen und Helfer pumpten Wasser und Schlamm von Straßen, aus Kanälen und Kellern, sie separierten ausgetretene Giftstoffe wie Heizöl vom Wasser, um größere Umwelt- und Gesundheitsschäden zu verhindern.

Passau bekommt Gratis-WLAN als Fluthilfe

Veröffentlicht: August 29, 2013 von fluthelfer in Bayern

Passau bekommt ein kostenfreies WLAN-Netz. Das Unternehmen The Cloud Networks sponsert das City-WiFi und trägt damit zum Wiederaufbau der vom Hochwasser 2013 stark getroffenen Kommune bei. Rund 25 Outdoor-Zugangspunkte im Innenstadtbereich sowie 50 Indoor Access Points bei lokalen Standortpartnern wie Ärzten, Restaurants oder Frisören sollen für eine optimale Funkabdeckung in der historischen Innenstadt sorgen.

Gesponsert wird das Stadtnetz Passau auch durch die Einnahmen aus den bereits existierenden Stadtnetzen „München wireless“ und „Berlin wireless“. Berliner und Münchener Bürger, die sich in diesem Zeitraum in ihr Stadtnetz einloggen, können sich mit einem Online-Kauf eines Tages-, Wochen-, Monats- oder Jahreszugangs an der Aktion beteiligen und die Stadt Passau bei dem Aufbau ihres WiFis unterstützen.

„Es war uns ein Anliegen, den von der Flut betroffenen Städten und Bürgern zu helfen. Auf Basis unserer langjährigen Expertise im Bereich Public WiFi entstand der Gedanke, durch den Aufbau eines kostenfreien und ganzheitlich konzipierten City WiFi nachhaltig zum Wiederaufbau einer Stadt und Stärkung ihrer Wirtschaft beizutragen“, so Achim Möhrlein, CEO bei The Cloud Networks Germany GmbH.

Quelle: mittelstandswiki.de

Pläne für Gemeindezentrum werden konkreter

Veröffentlicht: August 29, 2013 von fluthelfer in Sachsen-Anhalt

Der Ort Friedeburg plant den Bau eines Gemeindezentrums. Neben der Feuerwehr sollen eine Arztpraxis, der Bauhof, das Gemeindebüro und auch die Trainingsstätte der Sportgemeinschaft Friedeburg in das Gebäude einziehen.

Ganz Friedeburg wird in den nächsten Wochen gebannt in eine Richtung schauen: zur Landeshauptstadt Magdeburg. Und hoffen. Wenn von dort grünes Licht kommt, werden die hochwassergebeutelten Einwohner des 500-Seelen-Ortes nach Wochen der Tränen und Verzweiflung mit einem Happy-End belohnt. „Wir wollen gern aus Mitteln des Fluthilfefonds ein Gemeindezentrum bauen“, bringt Gerbstedts Bürgermeister Siegfried Schwarz (CDU) seine Vorstellung auf den Punkt. Und seine Gedanken reichen um einiges weiter.

Wenn der Stadtrat die Idee unterstützt, soll darin Ersatz für all die kommunalen Gebäude geschaffen werden, die von der Flut heimgesucht wurden – mit Ausnahme der Kindertagesstätte. Neben der Feuerwehr sind das eine Arztpraxis, der Bauhof, das Gemeindebüro und auch die Trainingsstätte der Sportgemeinschaft Friedeburg. Dass all jene Gebäude nicht mehr zu retten sind, hat Gerbstedts Bürgermeister Schwarz bereits jetzt von einem Gutachter schriftlich. Zu groß sei bei Wiederaufbau zudem das Risiko vor einer erneuten Flut. „Wir wollen auf Nummer sicher gehen“, hofft Schwarz auf eine Zusage für den grob geschätzt rund eine Million teuren Neubau.

Doch bevor der Spatenstich auf der Freifläche am Markt gesetzt werden kann, dürften noch ein paar Monate ins Land gehen. Bis zum 10. September soll allerdings schon das Gutachten für die gesamten Schäden fertig und beim Land eingereicht sein – die Grundvoraussetzung für die Auszahlung aus dem Hilfsfonds für das Gemeindezentrum. Absichtlich hat sich die Stadt Gerbstedt für dieses kommunale Grundstück entschieden. „Wir haben nachgemessen: Es liegt 2,70 Meter über der Höhe des letzten Hochwasserscheitels“, sagt Schwarz.

Das beruhigt auch den Vorsitzenden des Friedeburger Sportvereins, Ralf Derra. Auch bei ihm rennt Schwarz mit seiner Idee offenen Türen ein: „Ich finde das sensationell. Das ist genau das, was das Dorf braucht und alles unter einem Dach.“ Zumal es anfangs vor allem für den Sportverein nicht danach aussah, überhaupt wieder eine Trainingsstätte im Ort zu bekommen. Gefährlich nah liegt die bisher genutzte Mehrzweckhalle in Flussnähe. Mit dem Neubau können laut Derra nicht nur die Tischtennisspieler perspektivisch ihr Training aufnehmen. Auch die Gymnastikfrauen hätten in den Wintermonaten wieder einen Anlaufpunkt im Ort, ebenso die gerade erst ins Leben gerufene, 20-köpfige Kindersportgruppe. „Alle hätten in dem Gebäude genügend Platz“, sagt Derra. Wenn das Geld tatsächlich fließt und der Zeitplan aufgeht, könnten die Sportler bereits Ende nächsten Jahres ihre Turnschuhe schnüren. Denn laut Schwarz wäre der Baustart im Frühjahr möglich.

Quelle: mz-web.de

Thedinghausen-Werder – Die Höherlegung der Landesstraße 156 zwischen der Ueser Brücke und dem Deichschart in Werder um 60 Zentimeter ist vollendet. Ziel der Erhöhung war eine Verringerung der Sperrzeiten der viel befahrenen Strecke wegen Hochwassers.

Zwischen der erhöhten Fahrbahn und dem in etwa parallel verlaufenden Sommerdeich in Richtung Werder ist durch die Maßnahme quasi eine „Riesenwanne“ (Polder) entstanden, die bei Hochwasser voll läuft – vor allem, wenn das Hochwasser auch noch die erhöhte Straße überspült.

Dieser Polder muss nach dem Hochwasser in einem vertretbaren Zeitrahmen wieder Richtung Weser leerfließen, damit die Felder und Äcker nicht zusätzlich tage- oder wochenlang unter Wasser stehen. Ein schneller Hochwasserabfluss ist natürlich auch in dem Bereich auf der anderen Straßenseite (Richtung Fährhaus am Streek) nötig. Hier wirkt die erhöhte Straße nämlich als zusätzliche Barriere.

Damit das Wasser künftig zügig und ungehindert abfließen kann, werden derzeit mächtige Durchlässe eingebaut – zwei unter der Landesstraße hindurch und zwei in der Feldmark durch den Sommerdeich. Die Durchlässe durch den Sommerdeich sind jeweils 1,50 x 1,50 Metern groß und werden zusätzlich zu den alten kleineren Durchlässen installiert. Die mögliche Wasser-Ablaufmenge wurde durch die Maßnahme deutlich mehr als verdoppelt. Der bereits vorhandene Abflussgraben braucht in seinem Querschnitt nicht vergrößert werden.

Wie berichtet, haben mögliche Hochwasserszenarien bei der Planung und Durchsetzung des Vorhabens eine nicht unerhebliche Rolle gespielt. Sogar das Verwaltungsgericht musste in dieser Sache tätig werden. Um die Arbeiten am Sommerdeich durchführen zu können, wurde eigens in Höhe Deichschart eine mehrere hundert Meter lange Baustraße quer durch ein Maisfeld angelegt. Der benötigte Schotter wurde dabei auf ein spezielles Vlies aufgebracht, so dass das Material in Kürze wieder problemlos entfernt werden kann.

Insgesamt kostet die Maßnahme, bezahlt von der niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, Außenstelle Verden (Straßenbauamt), rund 140 000 Euro. Dieser Betrag war bereits in die Gesamtkosten für die Straßenhöherlegung in Höhe von rund 1,3 Millionen Euro eingestellt worden.

Quelle: kreiszeitung.de

Waren Talsperren vorher zu voll?

Veröffentlicht: August 29, 2013 von fluthelfer in Halle

Seit dem Hochwasser gibt es den Verdacht, dass alles anders hätte kommen können, wären Talsperren in Sachsen und Thüringen nicht schon vor der Flut voll gewesen.

Zentimeter sind es am Ende, die Sachsen-Anhalts größte Plattenbausiedlung in Halle-Neustadt vor dem Wasser retten. „Fünf mehr und wir wären erledigt gewesen“, sagt ein Feuerwehrmann. Drei, widerspricht ihm einer seiner Kollegen. Klar ist an diesem sonnigen Tag Anfang Juni, dass nicht viel Wasser fehlt, um aus der Jahrhundertflut eine echte Katastrophe auch für die größte Stadt im Lande zu machen. Bis zur Neustädter Stadtmitte würden die Fluten strömen, bräche der Gimritzer Damm. 30 000 Menschen müssten evakuiert werden, Bauschäden in Millionenhöhe wären zu befürchten.

Die Schuldigen sind anfangs ausgemacht: Die DDR-Bauplaner, die die größte Neubaustadt der Arbeiter- und Bauernrepublik mitten in ein natürliches Überflutungsgebiet gesetzt haben. Eine Bausünde wie so viele, die später begangen wurden. Doch der frühere hallesche CDU-Fraktionschef Eberhard Doege und spätere Dezernent in der Stadtverwaltung hat als einer der ersten noch einen ganz anderen Verdacht: „Schauen Sie sich doch mal das Talsperrenmanagement in Thüringen an“, sagt er, während das Wasser noch auf den Straßen steht. Zu DDR-Zeiten habe es komischerweise zwar Hochwasser gegeben, nie aber welche mit solchen Auswirkungen wie zuletzt. „Das fällt schon auf“, so Doege.

Nicht nur dem früheren Politiker. Auch im Internet wächst schnell ein ungeheuerlicher Verdacht: Der Stromversorger Vattenfall, der die Talsperren der sogenannten Saalekaskade bewirtschaftet, heißt es da, habe ein Interesse daran, vor der Trockenzeit im Sommer möglichst viel Wasser in seinem Staubecken zurückzuhalten, um möglichst lange möglichst viel Strom erzeugen zu können. Und dieses Interesse an einer vollen Talsperre treffe sich prima mit dem Interesse der thüringischen Lokalpolitik. Denn die fürchte nichts mehr als Sommerurlauber, die sich über gähnend leere Talsperren und fehlende Bademöglichkeiten im grünen Herz Deutschlands beklagen.

Talsperren, einst als Hochwasserschutzanlagen gebaut, verwandelten sich so immer mehr in rein kommerziell genutzte Bauwerke zur Trinkwassergewinnung und zum Erzeugen von Strom, kritisierten Bauern im Burgenlandkreis. Auch der hallesche Anwalt Heinz Schmerschneider hat eigene Berechnungen angestellt, nachdem ihm aufgefallen war, dass die schlimmen, die katastrophalen Hochwasser in Mitteldeutschland alle in den vergangenen 20 Jahren auftraten: „Ich kann mich an keine gravierenden Überschwemmungen an Elbe, Saale oder Mulde in DDR-Zeiten erinnern.“

Schmerschneider verweist auf die Staukapazität der sogenannten Saalekaskade von immerhin 400 Millionen Kubikmetern (siehe auch „Warum Fluten heute….“). Wenn allerdings vor Beginn der Regenzeit im Frühjahr schon viel Wasser in den Becken stehe, wie das in Thüringen der Fall gewesen sei, wo nur rund zehn Prozent der Staubecken für mögliches Hochwasser freigehalten werden müssten, führe das zwangsläufig zum Versagen des Hochwasserschutzes im Ernstfall. Das liege dann jedoch allein am „kollektiven Vergessen, dass Talsperren zum Hochwasserschutz errichtet worden sind“.

Ein Vorwurf, den das Thüringer Landesverwaltungsamt nicht stehenlassen will. Die Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG) habe dem Talsperrenbetreiber Vattenfall „differenzierte jahreszeitliche Vorgaben zu den Talsperreninhalten“ gemacht, erklärt Sprecher Adalbert Alexy. Diese Vorgaben seien vor und während des Sommer-Hochwassers eingehalten worden. Auch der Vorwurf, Hochwasserschutz spiele heute eine weniger wichtige Rolle als früher, sei nicht zutreffend. „Die Vorgaben für das Saaletalsperrensystem sind seit August 1987 unverändert.“ Zudem habe das Land nach dem Hochwasser von 2002 neu festgelegt, wie der Hochwasserrückhalteraum der Saaletalsperren durch die TLUG zu bewirtschaften sei.

Damals wurde die für Bleiloch- und Hohenwartestausee vorgeschriebene Reserve von zusammen 25 auf 35 Millionen Kubikmeter im Sommer und von 43 auf 55 Millionen Kubikmeter im Winter erhöht. Unglücklich nur: Einen Monat vor der Sommerflut endete die Wintervorgabe. Knapp 20 Millionen Kubikmeter zusätzlich konnten nun aufgestaut werden. Der Betreiber habe hier allerdings keineswegs freie Hand: „Im Hochwasserfall erteilt die TLUG die Steueranweisungen zur Bewirtschaftung.“

Wie die Saaletalsperren, die vor Beginn der großen Flut ein wenig mehr Hochwasserrückhalteraum frei hatten, als sie nach ihren vorgegebenen sogenannten Stauzielen hätten haben müssen, waren Anfang Juni auch die Talsperren im Einzugsgebiet der Mulde keineswegs übervoll. Frank Meyer vom sächsischen Umweltministerium verweist darauf, dass in acht der zehn größten Stauanlagen jeweils mehr als zehn Prozent mehr Platz für zusätzliches Wasser war als vorgeschrieben. Auch die Stauwerke in Cranzahl und Sosa hätten mehr als fünf Prozent Luft zu ihrem Stauziel gehabt. Insgesamt betrage der Hochwasserrückhalteraum in den landeseigenen Talsperren und Rückhaltebecken Sachsen heute 162 Millionen Kubikmeter. „2002 war es ein Viertel weniger“, erläutert Meyer, „der zusätzliche Hochwasserrückhalteraum wurde durch Neubau von Anlagen und durch geänderte Bewirtschaftung geschaffen.“

Einen Zusammenhang zwischen geänderter Bewirtschaftung und vermehrten Jahrhundertfluten kann Frank Meyer sich nicht vorstellen. „Auch vor 1990 gab es Bewirtschaftungspläne, allerdings vielfach mit wesentlich geringeren Hochwasserrückhalteräumen und mit noch stärkerem Fokus auf Trink- und Brauchwasserbereitstellung.“

Trotzdem ereigneten sich die großen Fluten ausgerechnet seit der Wende, nämlich in den Jahren 1994, 2002 und 2013, hält Kritiker Heinz Schmerschneider dieser Darstellung entgegen. Alles Zufall? Alles nur der Klimawandel, die vermehrten Niederschläge? Auch hier ist die Faktenlage unübersichtlich: Nach einer Analyse des Institutes für Meteorologie der Uni Leipzig hat die Häufigkeit von Sommer- Hochwassern an der Elbe in den letzten 150 Jahren gar nicht zugenommen. In den letzten 30 Jahren herrschten nach einer Untersuchung von Andreas Schumann von der Ruhr-Uni Bochum sogar vergleichsweise vorteilhafte Niederschlagsverhältnisse.

Andreas Schumann sieht die Hochwasserschutzfunktion generell im Konflikt mit den anderen Nutzungen von Talsperren, denn sie brauche im Gegensatz zu ihnen „einen möglichst leeren Stauraum“. Doch selbst der könne nicht verhindern, dass das Talsperrensystem wirkliche Flutlagen nur dämpfen, weiträumige Überschwemmungen aber nicht verhindern kann.

Schumann weiß nicht, wann es regnet, wie lange oder wie viel, muss aber vorher reagieren, um nachher alles richtig gemacht zu haben. Für den Wissenschaftler ein auch theoretisch unlösbarer Konflikt: „Der Betreiber findet sich hier kommunikativ grundsätzlich in der Defensive, da er auf seine zum Zeitpunkt der Steuerung beschränkte Informationsbasis verweisen muss.“

Quelle: mz-web.de

Hochwasser-Schäden: Wieder Abriss in Natternberg

Veröffentlicht: August 29, 2013 von fluthelfer in Bayern, Hochwasserfolgen

Schnelle Entscheidung wegen statischen Gründen – Ölgeschädigte warten seit Wochen

Karl Marchl junior war ein halbes Jahr alt, als er in Natternberg-Siedlung in das Anwesen Pappelweg 4 einziehen konnte. Vor 47 Jahren haben seine Eltern Karl Marchl (74) und Maria Marchl (71) dieses Haus gekauft und zu einem Nest für die damals junge Familie ausgebaut.

Vor einigen Jahren haben die Marchls dann unmittelbar hinter diesem Haus neu gebaut. Seither wohnen sie gemeinsam mit der Familie der Tochter Martina in diesem „Neubau“. Marchl jun. bewohnt seither das alte Haus alleine und hat es für seine Bedürfnisse umgebaut und gepflegt. Das Hochwasser hat die Familie nun zweifach getroffen. Das ältere Gebäude musste aus statischen Gründen jetzt abgerissen werden. Das neuere war schon höher gebaut, so dass das Erdgeschoss nicht ganz überflutet war. Es ist mit Sanierungsmaßnahmen ohne Abriss zu sanieren.

Während dem Abriss des Marchl-Hauses berichteten Passanten, die selbst betroffen sind, dass sie massive Probleme hätten, weil sie Gutachter brauchen würden, die ihnen den Ölschaden bestätigen. Doch die Gutachter sind gegenwärtig ausgelastet.

Quelle: idowa.de

Ein Fest für 2200 Hochwasser-Helfer

Veröffentlicht: August 29, 2013 von fluthelfer in Bayern

 

Im Landkreis hatten Feuerwehren, DLRG, THW und andere Helfer vielerorts das Schlimmste verhindert. Dafür gibt es am 4. September in Sünching ein Dankeschön

Sünching. Anfang Juni 2013 wurde der Landkreis Regensburg von einem der schlimmsten Hochwässer seit dem Jahr 2002 heimgesucht. Wegen der bedrohlichen Situation rief das Landratsamt am 4. Juni der Katastrophenfall aus. Zu diesem Zeitpunkt waren erstmals alle größeren Flüsse gleichzeitig von Hochwasser betroffen. Rund 2200 Helfer waren in diesen Tagen im Landkreis gefordert. Allein am 4. Juni waren es rund 400 Menschen an den Brennpunkten im Einsatz. Dazu kamen 70 Bundeswehrsoldaten, deren Mithilfe erst durch den Katastrophenfall möglich wurde.

Auch der technische Aufwand war beträchtlich. So beförderten im Landkreis in Spitzenzeiten über 50 Pumpen bis zu 5000 Liter Wasser pro Minute aus den Flutbereichen. Rund 60000 Sandsäcke wurden befüllt und in Position gebracht.

Die erste Bilanz des Landratsamts am 7. Juni fiel deshalb insgesamt positiv aus. Es sei richtig gewesen, den Katastrophenfall auszurufen, urteilten stellvertretender Landrat Otto Ga-scher und Kreisbrandrat Waldemar Knott damals. Sorgenkinder gab es mehrere im Landkreis. Zu ihnen gehörte Matting, wo mehrere denkmalgeschützte Häuser in Gefahr waren, überflutet zu werden. Bei Regendorf wurde die Straße nach Lorenzen unterspült, so dass sich die Teerdecke um 20 Zentimeter hob. Allein dort wurden 8000 Sandsäcke verbaut.

Die Zufahrt nach Ebenwies an der Naab war komplett abgesoffen, dort fiel zeitweise die Wasserversorgung aus. Beim Gasthaus Krieger in Mariaort stand das Wasser bis zur Türschwelle. Dramatisch entwickelte sich zeitweise die Lage in Sulzbach, wo die Helfer versuchten, den Otterbach mit Dämmen zurückzuhalten. Entgegen den Prognosen überflutete das Wasser auch in Kleinprüfening die Durchgangsstraße. Die Häuser auf beiden Straßenseiten mussten Wasser auspumpen.

Dass Sinzing und Donaustauf diesmal so glimpflich davonkommen seien, liege an dem verbesserten Hochwasserschutz, hieß es in der Bilanz des Landratsamts. Die Schäden im Landkreis blieben nach Einschätzung des Krisenstabs insgesamt überschaubar. So habe es keine Probleme mit Öltanks gegeben, die zu zusätzlichen Umweltgefährdungen führen hätten können.

Quelle: mittelbayerische.de

Erfurt/Berlin. Die Umweltminister von Bund und Ländern treffen sich am 2. September in Berlin zu einer Sonderkonferenz zum Hochwasserschutz. Der müsse künftig besser koordiniert werden, sagte der Vorsitzende der Umweltministerkonferenz, Thüringens Ressortchef Jürgen Reinholz (CDU).

Bei dem Treffen gehe es um Defizite und nötige Verbesserungen nach den verheerenden Überflutungen mit Milliardenschäden im Juni. Bisher ist der Hochwasserschutz Ländersache.

Den Ministern liege eine Art Schwachstellenanalyse vor, aus der Konsequenzen zu ziehen seien, sagte Reinholz. Es müssten Zuständigkeits- und Finanzierungsfragen geklärt werden. „Wir brauchen ein nationales Hochwasserschutzprogramm, aber auch Regelungen für die Kostenverteilung.“

Quelle: thueringer-allgemeine.de