Hochwasser von 1954: Als die Brücke den Bach runter ging

Veröffentlicht: August 25, 2013 von fluthelfer in Thüringen

Eine OTZ-Rezension hat Ulrich Götze aus Greiz veranlasst, seine Fotos von der 1954-er Flut hervor zu kramen. Damals war er Schüler und als Kurierfahrer im Hochwassereinsatz.

Greiz. Für ein Buch würden seine Bilder vom 1954-er Hochwasser nicht reichen, gibt Ulrich Götze zu verstehen. Aber er habe welche, die noch nirgendwo zu sehen waren, sagt der 77-jährige Greizer und packt ein Fotoalbumblatt aus. Die OTZ-Rezension von Gero Fehlhauers jüngstem Bildband „Hochwasser im Vogtland 1954 und 2013“ habe ihn animiert, mal wieder nach seinen bald 60 Jahre alten Fotos zu schauen. Acht Schwarzweißaufnahmen sind auf dem Karton im A4-Format aufgeklebt und die Beschriftungen spannen so richtig einen Bogen – von „Der harmlose Anfang“ bis „Die Hainbergbrücke kam am Sonnabend früh gegen 5 Uhr vorbeigeschwommen“. Wobei Letzteres nur eine Notiz zur Erinnerung an so nie wieder Erlebtes sei. Denn just in dem Moment, als die Brücke buchstäblich den Bach runter ging, habe er nicht an seine Kamera gedacht.

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Fast immer habe er sie in den Tagen des 1954-er Hochwassers am Mann gehabt. „Ich war damals Oberschüler, stand kurz vor dem Abitur“, erzählt Ulrich Götze. „Auf einmal hieß es: Der Schulbetrieb ist eingestellt und du wirst eingesetzt als Kurier­fahrer. Ich hatte mit 16 bei der GST“, der Massenorganisation Gesellschaft für Sport und Technik, „meinen Motorradführerschein gemacht, und mit meinem Fahrlehrer Horst Sommer und einigen anderen Kameraden waren wir nun im Hoch­wassereinsatz. Damals war ja so ziemlich alles zusammen­gebrochen und es gab ja viel weniger Kommunikationsmöglichkeiten als heute, da waren wir viel wert.“ Vom Rat der Stadt oder des Kreises habe er die verschiedensten Anweisungen entgegen genommen, die er dann mit seiner EMW 350 oder – bei zu hohem Wasser für das Krad – auch zu Fuß mündlich überbrachte. Als Legitimation seines offiziellen Ein­satzes habe allein die GST-Uniform gedient. „Einmal musste ich in den Laagweg“und dem Elektriker sagen: Du musst sofort antraben, wie auch immer“, nennt Götze ein Einsatzbeispiel. Der Elektriker habe auf ihn gehört.

 

Mit seiner Kamera aus den Dresdner Pentacon-Werken hat er den überfluteten Burgplatz abgelichtet. Die Bahnhofstraße als Seeweg und der Goethepark“als Lagune sind unter seinen historischen Aufnahmen. Besonders dramatisch erscheinen Bilder der total abgesoffenen ehemaligen Gärtnerei Giesler, die einst im Bereich des heutigen Schlossgartens stand. Auf einem seiner Brücken-Fotos zeigt Götze einen schwarzen Fleck, von dem man annimmt, dass es ein Baumstamm sein könnte. „Das war eine Hundehütte“, klärt Ulrich Götze auf. Um nach einer Kunstpause hinzu zu fügen: „Der Hund war noch an der Kette. Und tot.“

Vielleicht eine Woche sei er als Kurierfahrer im Hoch­wassereinsatz gewesen, überschlägt Ulrich Götze. Über­nachtet wurde in einem Klassenzimmer in der heutigen Lessing-Regelschule – „mit dem besten Blick auf die Elster“. Angst habe er keine gehabt, ebensowenig seine Eltern, die ihn in seinem Tun bestärkt hätten. „Wir haben das getan, weil es getan werden musste. Uns zur Verfügung zu stellen, war selbstverständlich.“

Nach der 1954-er Flut sei zwar „Einiges getan worden“ zum Hochwasserschutz, blickt der Dipl.-Ing.-Ökonom zurück, der sein Arbeitsleben u. a. bei der Wismut, in der Papierfabrik, beim VEB Hauswirtschaftliche Dienstleistungen und Reparaturen, im Chemiewerk, nach der Wende im Landratsamt verbracht hat. Aber seine Meinung sei da immer gewesen: „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“ Ulrich Götze ist überzeugt: „Wenn die Weiße Elster und die Göltzsch gemeinsam kommen, kann man so viel Staudamm gar nicht bauen.“ Die 2013-er Flut habe ihm da leider Recht gegeben. Seiner Meinung nach wären „mehr Überflutungsflächen beziehungsweise überhaupt welche“ der beste Hochwasserschutz. „Aber wo will man sie im Elstertal machen?“ Die Antwort auf diese Frage überlässt er kundigeren jüngeren Leuten.

 

Quelle: otz.de

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