Archiv für August 25, 2013

Linderbach hat Hochwasserstress

Veröffentlicht: August 25, 2013 von fluthelfer in Thüringen

Erfurt. Der Ortsteil Linderbach ist vom Hochwasser am 31. Mai und am 20. Juni besonders betroffen gewesen. Das ist aber schon der einzige Punkt, in dem sich Wasserexperten und Anwohner einig sind.

Über die Ursachen und daraus abzuleitenden Maßnahmen gehen die Meinungen weit ausein­ander. Das Umwelt- und das Gartenamt meinen, der Vorsorgepflicht Genüge getan zu haben. Zudem sei der Starkregen – zumindest am 20. Juni – meteorologisch belegt eine weit von der Jahrhundert-Statistik abweichende Katastrophe gewesen.

 

Anwohner Wolfgang Lippe aus Linderbach schrieb allerdings schon 2007 ans Umweltamt: „Bei der Planung der Entwässerungseinleitung an der Brücke am Ende der Lindenstraße (jetzt: Zur Steinhohle) sind die in Extremfällen aufkommenden Wassermassen nicht berücksichtigt worden.“

 

Wolfgang Lippe ergänzt nun, fünf Jahre später: „Auch das Oberflächenwasser aus dem GVZ und den neugebauten Wohnsiedlungen wurde unterschätzt.“ Im Gespräch mit TA verweist er darauf, dass durch versiegelte Oberflächen bis hin zur Ostumfahrung und B“7 immer mehr Oberflächenwasser zum Linderbach fließen würde, die dieser nicht aufnehmen kann. Schon gar nicht bei Starkregen. Derweil ist in Urbich ein weiteres Gewerbegebiet geplant (TA berichtete), ohne dass am Flusslauf Änderungen für eine verstärkte Aufnahme sorgen.

 

Fluß kann zunehmende Menge nicht aufnehmen

Die Überflutungen im Mai und Juni diesen Jahres zeigten, wie begründet die Sorgen der Anwohner sind. „Früher floss das Wasser in unser Grundstück vorne rein und hinten raus“, sagte Wolfgang Lippe. Diesmal stand es im Haus. „Wir schauen bei jedem kräftigen Regen besorgt zum Himmel – und dann zum Bach und in den Keller“, sagt seine Frau.

 

Die Nachbarn haben sich jetzt zum Eigenschutz Betonspundwände liefern lassen. Wolfgang Lippe sagt sachlich: „Wir wissen, dass es kein Rund-um-Sorglospaket gibt. Aber was machbar ist, sollte auch getan werden. Dabei wollen wir als Ortskundige unsere Kenntnisse und Erfahrungen einbringen.“

Für das neue Wohngebiet „Im großen Garten“ erfolgte eine Geländeanhebung um 80 Zentimeter. Diese wirkt wie ein Wall. Bei der Anlegung eines künstlichen Biotops gab es ebenfalls Geländeaufschüttungen. Der erhöhte Weg zwischen dem Linderbach und der Azmannsdorfer Straße bildet einen Damm und verursacht einen Rückstau in den Ort. „Die Entwässerung wurde hier völlig vergessen“, belegt Wolfgang Lippe mit Fotos. Selbst die Brücke über den Linderbach war überflutet.

 

Lippes Vorwürfe von Fehlplanungen und Versäumnissen weist man allerdings bei den Ämtern zurück. So listete die städtische Abteilung Gewässerunterhaltung eine lange Beispielliste mit umgesetzten Maßnahmen seit 2009 auf: unter anderem im März 2013 die Gehölzpflege am Linderbach zur Vorbereitung der Aufweitung des Abflussprofils unterhalb der Furt sowie die Müllberäumung zwischen Azmannsdorf und Linderbach.

 

Im April folgte die Bruchholzbeseitigung am Peterbach zwischen Büßleben und Linderbach sowie die Müll- und Schwemmgutbeseitigung am Wasserlauf zwischen Linderbach, Azmannsdorf, Töttleben.

 

„Die Hinweise zu Abflusshindernissen wurden bei der Schadensbeseitigung beachtet“, reagierte Jörg Lummitsch, Leiter vom Umwelt- und Naturschutzamt, auf Lippes Schreiben. Mit regelmäßigen Überflutungen und dem Argument eines statistischen Ausreißers wollen sich die Linderbacher nicht abfinden, fordern eine aktuelle Analyse. Wolfram Thiele hat als Sachverständiger für Wassermengenwirtschaft vor 15 Jahren Linderbach begutachtet – vor den Bauveränderungen. Eine neu­trale Neuberechnung anhand der aktuellen Wassermengen-Statistik wäre eine solide Basis für den Schutz Linderbachs und künftige Bauentscheidungen.

 

 Quelle: otz.de

Zwölf Wochen nach dem Hochwasser und fünf Wochen vor der Bundestagswahl durchleben wir eine Wasserwoche. Zumindest drehten sich viele Themen um dieses Element.

Endlich ist klar, unter welchen Voraussetzungen Betroffene die Aufbauhilfe des Landes erhalten können. Doch schaut man sich die Formulare an, offenbart sich der Weg dahin als beschwerlich. Zum Glück wird zumindest den Unternehmen Zeit zum Rechnen und Zusammenstellen der Papiere gelassen. Denn ihre Anträge können bis zum Juni 2015 gestellt werden. Derweil entbrennt ein Streit zwischen der Landrätin des Altenburger Landes und Geras Oberbürgermeisterin um die Servicestelle des Landes am Puschkinplatz 7. Viola Hahn fühlt sich zu unrecht angegriffen und ist es nach ihrer heutigen Erklärung auch.

 

Die Weiße Elster, die längst wieder leise vor sich hin murmelt, ist noch kein Paradies für Fische, wie beim Werkstattgespräch zur Gewässerentwicklung konstatiert wurde. Gerade an sie soll mit dem Wiederaufbau einer Fischtreppe am Zwötzener Wehr gedacht werden. Die SPD-Landtagsfraktion besuchte es diese Woche und paddelte auf dem Fluss – ohne Baden zu gehen.

 

Das Wasser als Lebensmittel soll nächstes Jahr nicht teurer werden. Aus dem Zweckverband „Mittleres Elstertal“ verlautete diese Woche diese Nachricht. Ob die Preise allerdings darüber hinaus stabil bleiben, hängt auch von den Kosten für das Fernwasser ab.

 

 

Die Folgen der Flut zu beseitigen, reißt der Spendenstrom nicht ab. Große Summen wechselten diese Woche die Besitzer. Für den Hofwiesenpark gab es einen 10 000 Euro-Scheck. Damit hat das Spendenaufkommen hier über 50 000 Euro erreicht. Weil der Katastrophenschutzzug aus Sonneberg in den Hochwassertagen in Caaschwitz im Einsatz war, spendete die Stadt Sonneberg für die Kindertagesstätte Märchenbuche jetzt über 26 000 Euro.

 

Hochwasserschäden werden den Montag beginnenden Schulalltag noch keine Normalität gönnen. Doch heute wird hoffentlich normal Schuleinführung gefeiert. Mit dem Schuljahr starten auch wieder die Kommunalpolitiker voll durch. Und dann ist Wahlkampfzeit. Mal sehen, in welche Höhen der Bundestagswahlkampf noch vordringt, zumindest was die Plakate an den Lichtmasten betrifft.

Quelle: otz.de

Betriebskosten aus Spenden bezahlt

Veröffentlicht: August 25, 2013 von fluthelfer in Sachsen-Anhalt
Die hohe Spendenbereitschaft hat in Bitterfeld-Wolfen über 100.000 Euro in die Kassen gespült. Die Gelder sollen an die Antragsteller verteilt werden. Für Einsatz der Pumpen während des Hochwassers sollen außerdem 12.500 Euro umgelegt werden.

Bitterfeld-WOlfen Nach der Juni-Flut ist in der Stadt Bitterfeld-Wolfen eine Spendenwelle eingegangen. Mehr als 116.000 Euro sind nach Verwaltungsangaben von Privatpersonen und Unternehmen bislang zusammengekommen. In Abstimmung mit den Ortsbürgermeistern und dem Haupt- und Finanzausschuss sollen diese Gelder nun an die Antragsteller verteilt werden.

Darunter befinden sich neben knapp 500 Kleingärtnern auch Vereine, Feuer- und Wasserwehren sowie die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft. Zudem bezahlt die Stadt aus dem Spendentopf die Betriebskosten für die Pumpen der Tiefbrunnen. Diese belaufen sich auf 12.500 Euro. Das sind knapp elf Prozent der gesamten Spendensumme. Begründung der Stadtverwaltung: „Das Hochwasser hat zu einem erheblichen Anstieg der Grundwasserstände im Ortsteil Bitterfeld geführt.“

Zusätzlicher Einsatz von Pumpen trotz neuer Brunnen

Bereits am 12. Juni sei ein im Auftrag des Landkreises erstelltes Konzept zum Umgang mit hohen Grundwasserständen vorgelegt worden. Dessen Schwerpunkt stellte die gezielte Inbetriebnahme zusätzlicher Brunnen dar. Diese Brunnen seien nach dem Hochwasser 2002 errichtet worden, um eben solche Verhältnisse zu beherrschen. Die zusätzlich erforderliche Maßnahme sei für den Zeitraum des Katastrophenzustandes durch den Landkreis finanziert worden. Die Kosten ab dem 25. Juni habe dann die Stadt Bitterfeld-Wolfen übernommen.

Obwohl diese Maßnahme einem Großteil der knapp 200 von Grundwasserproblemen betroffenen Bitterfelder Gebäuden genutzt hat, stellt sich die Frage, ob die Verwendung von Spendenmitteln für die Betriebskosten der Pumpen zweckentsprechend ist. Von Seiten der Stadtverwaltung lautet die Antwort: Ja.

Quelle: mz-web.de

Camburger Hochwasser-Geschichte in zwölf Kalenderblättern

Veröffentlicht: August 25, 2013 von fluthelfer in Thüringen

Das Juni-Hochwasser ist in Camburg noch immer in vieler Munde. Für Margrit Herzog, Leiterin des Stadt­museums, war dies der Grund, im Archiv nach weiteren Hochwasserereignissen in der Stadt zu suchen.

Camburg. Schwer fiel ihr das nicht, in den fast 30 Jahren, in denen sie im Museum den Hut auf hat, hat sie alles gut geordnet. „Zum Thema Hochwasser gibt es eine Kiste mit unzähligen Fotos“, sagt sie. Damit war die Idee für den neuen Camburg-Kalender 2014 geboren.

 

Beleuchtet werden auf den zwölf Kalenderblättern Hochwasserereignisse von 1890 bis 2013. Das Titelblatt zeigt das Foto der Hochwassermarken am Wohnhaus in der Schmiedhäuser Straße 1 in Camburg und gibt damit einen ersten Vor­geschmack, was den Betrachter erwartet. Ausgewiesen ist da das Jahr 1890, als der Pegel 7,18 Meter erreichte. Ein Foto von damals samt einer Erläuterung liefert der Januar. Zu erfahren ist da, dass die Saale an jenem 25.November von 5 bis 8 Uhr so rasant stieg, dass das Wasser in der Mühle und Apotheke sämt­liche untere Stockwerke füllte. In der Kirche reichten die Fluten bis zum Altar. Die Schützenloge und die Schießmauer auf dem Schießplatz wurden weggerissen. 82 Häuser waren durch das Hochwasser schwer beschädigt worden. Der Gebäudeschäden sind seinerzeit auf eine halbe Million Mark geschätzt worden.

 

Zu leiden hatten auch die Grafschaftsdörfer Wichmar, Döbritschen, Stöben, Weichau und Kaatschen. „Häuser stürzten ein, Menschen und Vieh ertranken, Erntevorräte wurden vernichtet“, heißt es dazu im Februar-Kalenderblatt.

März und April schildern die Situation nach dem Hochwasser vom 5. und 6. Februar 1909. Der Marienplatz, die Brückenstraße, ein Teil der Naumburger Straße, die Bach- , die Brauhaus und die Mühlenstraße standen unter Wasser. Da das Hochwasser starke Eisblöcke mit sich führte, waren viele Obstbäume beschädigt worden. Der Steg wurde polizeilich gesperrt. Der Verkehr wurde durch Kähne aufrechterhalten.

 

Dass ein vierjährige Mädchen Opfer des Hochwassers vom 29. April 1961 wurde, ist im Juli nachzulesen. Das Kind war durch die Wucht des Wassers aus den Händen des Vaters gerissen worden. Von Wasser- und Schlammmassen, die sich bis zu einem halben Meter über die Wonnitzer Straße zur Jenaer Straße türmten, erfährt der Leser im August. Berichtet wird da über das Hochwasser von 1970.

 

Die Bilder des Kalenders stammen allesamt aus dem ­Museumsbestand. Dieter Haase scannte und bearbeitete sie am Computer. Gedruckt wurde der neue Kalender in einer Auflage von 350 Stück. Erhältlich ist er ab sofort im Museum, in Antjes Postlädchen, auf der Burg, in der Stadtverwaltung, Im Blumen­geschäft Annett Grüttner sowie im „Residenzcafé“ in der ­AWO-Seniorenresidenz.

Quelle: thueringer-allgemeine.de

Hochwasser von 1954: Als die Brücke den Bach runter ging

Veröffentlicht: August 25, 2013 von fluthelfer in Thüringen

Eine OTZ-Rezension hat Ulrich Götze aus Greiz veranlasst, seine Fotos von der 1954-er Flut hervor zu kramen. Damals war er Schüler und als Kurierfahrer im Hochwassereinsatz.

Greiz. Für ein Buch würden seine Bilder vom 1954-er Hochwasser nicht reichen, gibt Ulrich Götze zu verstehen. Aber er habe welche, die noch nirgendwo zu sehen waren, sagt der 77-jährige Greizer und packt ein Fotoalbumblatt aus. Die OTZ-Rezension von Gero Fehlhauers jüngstem Bildband „Hochwasser im Vogtland 1954 und 2013“ habe ihn animiert, mal wieder nach seinen bald 60 Jahre alten Fotos zu schauen. Acht Schwarzweißaufnahmen sind auf dem Karton im A4-Format aufgeklebt und die Beschriftungen spannen so richtig einen Bogen – von „Der harmlose Anfang“ bis „Die Hainbergbrücke kam am Sonnabend früh gegen 5 Uhr vorbeigeschwommen“. Wobei Letzteres nur eine Notiz zur Erinnerung an so nie wieder Erlebtes sei. Denn just in dem Moment, als die Brücke buchstäblich den Bach runter ging, habe er nicht an seine Kamera gedacht.

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Fast immer habe er sie in den Tagen des 1954-er Hochwassers am Mann gehabt. „Ich war damals Oberschüler, stand kurz vor dem Abitur“, erzählt Ulrich Götze. „Auf einmal hieß es: Der Schulbetrieb ist eingestellt und du wirst eingesetzt als Kurier­fahrer. Ich hatte mit 16 bei der GST“, der Massenorganisation Gesellschaft für Sport und Technik, „meinen Motorradführerschein gemacht, und mit meinem Fahrlehrer Horst Sommer und einigen anderen Kameraden waren wir nun im Hoch­wassereinsatz. Damals war ja so ziemlich alles zusammen­gebrochen und es gab ja viel weniger Kommunikationsmöglichkeiten als heute, da waren wir viel wert.“ Vom Rat der Stadt oder des Kreises habe er die verschiedensten Anweisungen entgegen genommen, die er dann mit seiner EMW 350 oder – bei zu hohem Wasser für das Krad – auch zu Fuß mündlich überbrachte. Als Legitimation seines offiziellen Ein­satzes habe allein die GST-Uniform gedient. „Einmal musste ich in den Laagweg“und dem Elektriker sagen: Du musst sofort antraben, wie auch immer“, nennt Götze ein Einsatzbeispiel. Der Elektriker habe auf ihn gehört.

 

Mit seiner Kamera aus den Dresdner Pentacon-Werken hat er den überfluteten Burgplatz abgelichtet. Die Bahnhofstraße als Seeweg und der Goethepark“als Lagune sind unter seinen historischen Aufnahmen. Besonders dramatisch erscheinen Bilder der total abgesoffenen ehemaligen Gärtnerei Giesler, die einst im Bereich des heutigen Schlossgartens stand. Auf einem seiner Brücken-Fotos zeigt Götze einen schwarzen Fleck, von dem man annimmt, dass es ein Baumstamm sein könnte. „Das war eine Hundehütte“, klärt Ulrich Götze auf. Um nach einer Kunstpause hinzu zu fügen: „Der Hund war noch an der Kette. Und tot.“

Vielleicht eine Woche sei er als Kurierfahrer im Hoch­wassereinsatz gewesen, überschlägt Ulrich Götze. Über­nachtet wurde in einem Klassenzimmer in der heutigen Lessing-Regelschule – „mit dem besten Blick auf die Elster“. Angst habe er keine gehabt, ebensowenig seine Eltern, die ihn in seinem Tun bestärkt hätten. „Wir haben das getan, weil es getan werden musste. Uns zur Verfügung zu stellen, war selbstverständlich.“

Nach der 1954-er Flut sei zwar „Einiges getan worden“ zum Hochwasserschutz, blickt der Dipl.-Ing.-Ökonom zurück, der sein Arbeitsleben u. a. bei der Wismut, in der Papierfabrik, beim VEB Hauswirtschaftliche Dienstleistungen und Reparaturen, im Chemiewerk, nach der Wende im Landratsamt verbracht hat. Aber seine Meinung sei da immer gewesen: „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“ Ulrich Götze ist überzeugt: „Wenn die Weiße Elster und die Göltzsch gemeinsam kommen, kann man so viel Staudamm gar nicht bauen.“ Die 2013-er Flut habe ihm da leider Recht gegeben. Seiner Meinung nach wären „mehr Überflutungsflächen beziehungsweise überhaupt welche“ der beste Hochwasserschutz. „Aber wo will man sie im Elstertal machen?“ Die Antwort auf diese Frage überlässt er kundigeren jüngeren Leuten.

 

Quelle: otz.de