Familie aus Neudietendorf bleibt auf Kosten von Hochwasser sitzen

Veröffentlicht: August 24, 2013 von fluthelfer in Thüringen

Neudietendorf (Gotha). Arndt Schumann (70) ist ein netter, älterer Herr, belesen und in vielen Sätteln gerecht. Aber er hat sich wohl dennoch vergaloppiert. Beim Hochwasser im Mai.

Schuld ist eigentlich das Urstromtal, in dem Neudietendorf liegt. Ein Kiesbett bildet die Basis für den Ort, hat Arndt Schumann herausgefunden, der von seinem Fachwissen als früherer Diplomingenieur für Bauwesen und Architekt profitiert. Und in diesem Kiesbett plätschert die Apfelstädt vor sich hin. Doch wehe, es regnet in Massen, wie im Mai. Dann steigt im Untergrund der Wasserpegel und drückt nach oben und von unten durch so manches Hindernis. Drückt sich sogar durch Beton. Wie bei den Schumanns in der Gartenstraße 9, obwohl das Haus gut 100 Meter vom Ufer der Apfelstädt entfernt steht.

 

Das hat die Apfelstädt nicht zum ersten Mal getan. Als im April 1994 ein extremes Hochwasser große Schäden anrichtete, stand das Wasser im Schumannschen Keller bei 105 Zentimeter Höhe. Vieles ging kaputt. Doch Schumanns hatten Glück, die Allianz zahlte seinerzeit.

 

Dieses Jahr waren es nur 12 Zentimeter Wasser im Keller und es ging nur weniges kaputt. Indes, die Allianz zahlt diesmal nicht, obwohl sich vertraglich nichts geändert hat. Am 5. Juni kam der für die Schumanns zuständige Vertreter der Allianz, Heiko Wycisk aus Erfurt, in die Gartenstraße. „Ich bewertete die Hausratschäden und fragte beiläufig, wie der Wasserschaden denn entstanden sei“, erinnert sich Heiko Wycisk. Als ihm Arndt Schumann sagte, das Wasser sei durch die Bodenplatte ins Haus gedrungen, klappte der Allianz-Mann das Buch sofort zu. Der Grund: keine Versicherung in Deutschland zahle bei einem Elementarschaden durch aufsteigendes Grundwasser, sagt er. Warum das so sei, kann Wycisk nicht sagen. Nur dass es definitiv so sei, ist ihm von seinem Konzern bindend vorgeschrieben. Gezahlt wird bei Hochwasser nur, wenn die Brühe durch Türen und Fenster von oben ins Haus läuft.

Was bei Arndt Schumann auf Unverständnis trifft. Aus mehreren Gründen. „Erstens ist der Schaden eine kausale Hochwasserfolge und kein mal so gestiegenes Grundwasser“, so Schumann. Zweitens: hätte er noch seine alte Versicherung aus DDR-Zeiten, die von der Allianz übernommen wurde, wäre gezahlt worden. Denn die Staatliche Versicherung hatte aufsteigendes Grundwasser explizit in ihren Verträgen als Schaden anerkannt. Schumanns aber hatten zum 1. Januar 1994 einen neuen Allianz-Vertrag bekommen, weil zuvor festgestellt worden war, dass sie unterversichert seien. Das sahen Schumanns ein. Was sie nicht wussten, war, dass aufsteigendes Grundwasser nun nicht mehr versichert war. Gesagt hat es ihnen auch keiner. Ergo: sie wären 2013 zwar geringer entschädigt worden, weil unterversichert, aber sie hätten etwas bekommen.

 

1994 wird der Schaden anerkannt, 2013 nicht

Zum Dritten, so Schumann, sei alles recht undurchsichtig. Der neue Vertrag begann am 1. Januar 1994 zu laufen. Am 12. April 1994 trat ein Hochwasserschaden bei Schumanns ein, der bei der Allianz gemeldet wurde. Mit dem ausdrücklichen Hinweis, es habe sich um aufsteigendes Grundwasser gehandelt, versichert der 70-Jährige. Trotzdem zahlte die Allianz damals, obwohl sie laut neuem Vertrag eigentlich nicht hätte zahlen müssen. 19 Jahre später zahlt sie dann nicht. Glück habe er eben damals gehabt, meint Allianzvertreter Heiko Wycisk. Soll heißen, Astrid und Arndt Schumann bleiben 2013 auf ca. 2000 Euro Hausratschaden – denn auch für den gibt es bei aufsteigendem Grundwasser nichts – und einem noch nicht bezifferten Gebäudeschaden sitzen.

 

Marianne Stietz von der Verbraucherzentrale Thüringen kennt diese Fälle. Sie kritisiert zum einen, dass es fair gewesen wäre, von der Allianzvertreterin, die 1994 für die Schumanns zuständig war, darauf hinzuweisen,dass mit dem neuen Vertrag diverse Schäden nun nicht mehr abgedeckt seien. Zum anderen hat sie beobachtet, dass die Allianz versucht, Kunden, die noch immer die alten DDR-Versicherungsverträge haben, loszuwerden. Notfalls auch per Vertragskündigung oder mit Androhung höherer Beiträge und Selbstbeteiligungssummen. Dennoch ihr eindringlicher Rat an alle, die Hochwasserschäden fürchten müssen: „Auf keinen Fall freiwillig von einem bestehenden DDR-Altvertrag trennen“.

Quelle: thueringer-allgemeine.de

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