Fluthilfe von rechts

Veröffentlicht: August 18, 2013 von fluthelfer in Sachsen-Anhalt

Die Fluten an Elbe und Saale haben sie auch dieses Mal wieder angeschwemmt: Neonazis, die sich als besonders heroische Fluthelfer aufspielten, um die Katastrophe für ihre Zwecke zu nutzen. Doch die gute Nachricht lautet: Das Kalkül ging nicht auf.

Das aufsehenerregendste Beispiel ist so klassisch, so symptomatisch, dass wir es auch hier anbringen müssen: Anfang Juni kursierte auf rechten Internetseiten ein Foto von Magdeburgs Oberbürgermeister, das Lutz Trümper zeigt, wie er sich per Handschlag bei einem bekannten Rechtsextremisten für dessen Fluteinsatz bedankte: „Da kam der von links auf mich zu, gab mir die Hand, nickte und sagte ‚Wir sind auch dabei‘ und ging weiter. Das war alles!“ So erinnert sich Trümper an diesen Moment später. „Das müssen die geplant haben. Das muss ja irgendwer aus der Nähe fotografiert haben.“ Um es anschließend im Web zu veröffentlichen, mit dem Kommentar ‚Magdeburgs OB bedankt sich bei den Jungen Nationaldemokraten‘.

„Ich fühle mich absolut missbraucht!“

Eine Falle, der Trümper nicht entgehen konnte: „Ich bin doch in einer Situation, in der ich mit Leuten rede und tausend um mich rum sind und dann kommt einer von der Seite und gibt mir die Hand. Ich fühle mich da absolut missbraucht. Das ist wirklich eine Unverschämtheit, sowas dann weltweit zu verbreiten, was in keiner Weise der Wahrheit entspricht.“ Auch David Begrich von dem Magdeburger Verein ‚miteinander‘ meint, dem OB ist kein Vorwurf zu machen: „Weil der Fall ja so gelagert war, dass der Vorsitzende der Jungen Nationaldemokraten, der Jugendorganisation der NPD, sich hier im wahrsten Sinne des Wortes ins Bild gedrängt hat.“

Die Öffentlichkeit ist sensibler als 2002

Der Schuss sei nach hinten losgegangen, meint Begrich. Sein ‚Netzwerk für Demokratie und Weltoffenheit‘ beobachtet seit Jahren die rechten Machenschaften in Sachsen-Anhalt. Und stellt fest, dass es Neonazis dieses Jahr weniger gelungen ist, das Hochwasser zu Propagandazwecken zu nutzen: „2002 hat es ja den Fall gegeben, dass eine Gruppe von Neonazis in Halle im Rathaus durch die damalige Oberbürgermeisterin empfangen worden ist – nicht nur aber auch Neonazis – und ihnen dort offiziell Dank ausgesprochen worden ist. Ich glaube, das wäre heute nicht mehr denkbar. Dafür ist die Öffentlichkeit inzwischen sensibilisiert genug, um auch zu sagen: ‚Uns ist klar, warum Neonazis auf dem Deich stehen und natürlich geht es da ums Sandsäckeschleppen. Aber es geht eben auch darum, moralischen Kredit bei der Bevölkerung zu akkumulieren.“

„Ein ganz normaler politischer Akteur“

Das freilich ist auch dieses Jahr wieder versucht worden: „Rechte Kerle packen an“ war auf der Facebook-Seite der Jungen Nationaldemokraten zu lesen, bebildert mit Aufnahmen des sandsäckeschleppenden NPD-Nachwuchs. JN-Chef Andy Knape, der Trümper in die Fotofalle gelockt hatte, äußerte sich dazu sogar im ARD-Magazin Kontraste: „Uns geht’s darum, einfach den Menschen zu zeigen, dass wir mit dabei sind, dass wir mithelfen, dass wir unsere Region und unsere Städte absichern und sichern.“ Genau diese Strategie hat das Netzwerk ‚miteinander‘ immer wieder beobachtet: „Das ist eine Situation, die Neonazis unglaublich nutzt, weil sie damit nämlich den Eindruck erwecken, sie seien ein ganz normaler politischer Akteur unter anderen auch. Und dieser Normalisierungsprozess stellt die eigentliche Herausforderung dar,“ sagt Begrich. Er findet es vor allem wichtig, in solchen Situationen allen Beteiligten klarzumachen, mit wem sie es da zu tun haben: „Neonazis treten ja in Bürgerversammlungen nicht auf und sagen ihren Namen und ‚Ich bin vorbestrafter Neonazi‘. Sie sagen ihren Namen und sagen ‚Ich bin betroffener Bürger‘.“

Rechte Fluthelfer konnten problemlos eingeordnet werden

Die Fluthelfer jedenfalls, die im Juni in T-Shirts mit dem Aufdruck ‚Festungsstadt Magdeburg‘ auf dem Elbdeich anrückten, konnten sofort eingeordnet werden. Auch die Solidaritäts-CD mit 17 Rechtsrock-Titeln, die das Dresdener Label OPOS Records anbietet, verhüllt nicht den Geist ihrer Urheber. Zu den Interpreten zählen „Die faschistischen 4“ und unter den Titeln finden sich Songs wie „Heil den Göttern“ oder „Deutschland wieder Deutschland sein“. Der Erlös aus dem Verkauf dieser CD soll zu 100 Prozent den Hochwasser-Opfern zu Gute kommen. Den deutschen, wie man vermuten darf. Die jungen Nationaldemokraten jedenfalls sammelten auf ihrem JN-Sachsentag Spendengeld, das laut ihrer Homepage an ‚bedürftige Freunde der nationalen Sache ausgeschüttet‘.

Quelle: mdr.de

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